THEMA: Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017)
23 Mär 2017 14:40 #468735
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12.Tag (Mi. 04.01.2017)
Iringa – Ruaha National Park
175km


Als erstes geht es heute auf den Markt nach Iringa, um uns für die drei Tage im Ruaha National Park mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen. Da wir uns in Ostafrika überwiegend vegetarisch ernähren, kommt da einiges zusammen.

Die Strecke zum Ruaha National Park ist von vielen Dörfern und einfacher Landwirtschaft geprägt. Verwundert sind wir, dass in dieser trockenen Region häufig Nassreis angebaut wird. Wir verlassen dabei das Hochplateau auf dem Iringa liegt und kommen in tiefer gelegene Regionen, in denen es auch wieder deutlich heißer ist. Die Piste ist zum Teil übelstes Wellblech. Das hat Folgen, denn als wir am Gate ankommen, müssen wir feststellen, dass unser Kühlschrank erneut den Dienst quittiert hat. :evil:

Hier am Gate nehmen sie es ganz genau. Solange ich nach Tansania reise, werden die normalen Safari-Geländewagen immer in die Klasse bis 2.000kg eingestuft. So wenig wiegen die Fahrzeuge natürlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Hier im Ruaha werden wir erstmals in die nächst höhere und damit auch teurere Klasse eingestuft. Sollte auf dieser Reise das einzige Mal sein, bei dem so verfahren wurde, aber ich bin gespannt, ob das in Zukunft um sich greift und Reisen in Tansania noch teurer macht.

Schon kurz nach dem Gate begegnen wir den ersten Elefanten. Die verhalten sich uns gegenüber aber derart aggressiv, dass wir schnell weiterfahren.

Am Picknickplatz bei der Ruaha-Brücke machen wir einen Fotostop. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick über das Flussbett. Der Ruaha fließt derzeit nicht und es sind lediglich noch vereinzelte Tümpel vorhanden, in denen sich die Hippos und Krokodile gesammelt haben.




Weiter geht es auf direktem Weg zur Campsite. Diese ist traumhaft schön am Ufer des derzeit leider trockenen Ruaha gelegen. Die Campsite ist gut besucht, außer uns sind noch zwei weitere Parteien hier. Da die Campsite aber auch sehr weitläufig ist, bekommt man nicht viel voneinander mit. Ein Nachteil der Campsite ist, dass es so gut wie keinen Schatten gibt. Deshalb bauen wir zusätzlich zu unseren Zelten diesmal auch das Tarp als Schattendach auf.





Als wir am Nachmittag zu einem ersten kleinen Gamedrive aufbrechen, hat es ziemlich zugezogen, worunter die Fotos etwas leiden. Es bleibt aber trocken.

Nur wenige hundert Meter von unserer Campsite in Richtung Park Headquarter entdecken wir ein Paar Löwen unter einem Busch. Es wäre mir schon recht, wenn die heute Abend nicht noch näher kommen.



Danach fahren wir entlang des Ruaha in Richtung Osten. Wir müssen einige Umwege fahren, da die Tracks teilweise weggespült und nicht mehr passierbar sind. Hier haben die letzten starken Regenzeiten einige Spuren hinterlassen. Wir sehen die üblichen Verdächtigen und genießen es, in einem Nationalpark zu sein, wo die Tiere nicht gleich die Flucht ergreifen, wenn man kommt. Einzige Ausnahme sind die Elands, aber die sind überall sehr scheu.







Durch die Bewölkung fiel der Sundowner leider aus, was angesichts der fehlenden Kaltgetränke aber auch nicht allzu schlimm war. Wir versuchen die Getränke mit Wasser zu kühlen, was angesichts der Wassertemperaturen aber auch kaum etwas bringt. Die Erkenntnis des Tages ist, das GinTonic mit reichlich Limettensaft (eine Limette je Glas) warm besser schmeckt als Bier oder Weißwein.



Heute bin ich wieder mit kochen dran. Da wir auf dem Markt Auberginen, Paprika und Zucchini bekommen haben, mache ich Ratatouille.




Heute gibt es mal wieder Busch-TV. Auf der Campsite liegt Feuerholz bereit und da der Untergrund aus Sand besteht, brauchen wir uns auch keine Sorgen machen, dass sich das Feuer ausbreitet.

Als es dunkel wird kommen die Insekten. Diesmal wieder sehr viele, so dass ich unsere starke Akkulampe wieder als Lichtfalle in einiger Entfernung aufstelle.

Ebenfalls mit der Dunkelheit werden auch die Löwen aktiv. Rings um unser Camp hören wir sie brüllen. Wir können mindestens 3 Parteien ausmachen und sie hören sich sehr nah an. Immer wieder leuchte ich mit der Taschenlampe die Umgebung ab. Das Gelände ist aufgrund der vielen Büsche sehr unübersichtlich, so dass ich die Löwen nicht entdecken kann. Lediglich ein paar Schakale kann ich dabei beobachten, wie sie um uns herum schleichen.
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31 Mär 2017 15:31 #469641
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13.Tag (Do. 05.01.2017)
Ruaha National Park
128km


Heute Nacht hat unsere Wildtierkamera erstmals auf dieser Reise angeschlagen. Ein Hippo ist mitten durch unser Camp gelaufen. Wir alle haben tief und fest geschlafen und nichts davon mitbekommen.



Wir bauen heute weder das Camp ab, noch frühstücken wir. Dafür starten wir früh zu einem ganztägigen Gamedrive im Nationalpark. Zunächst führt uns unsere Fahrt zum Unterlauf des Mdonya Sand River. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, Tiere sehen wir aber erst einmal so gut wie keine. Unsere erste nennenswerte Sichtung ist dann ein Frankolin auf einem Findling direkt neben dem Weg, wo es sich perfekt in Pose stellt.




Weiter geht es entlang des Mdonya Sand River, der momentan kein Wasser führt und dem Begriff Sand River voll gerecht wird. Unweit der alten Mdonya Campsite entdecke ich ein Löwenpaar, das die ersten Strahlen der Sonne genießt.




Im weiteren Verlauf der Strecke entlang des Mdonya Sand River und auch auf der weiteren Strecke über die Mwajembe Springs zum Oberlauf des Mwagusi Sand River wimmelt es von TseTse-Fliegen. Mal mehr und mal weniger, aber immer so sehr störend, dass man keine Lust hat, bei Tierbeobachtungen länger zu verweilen. Das ist sehr schade, da es am Oberlauf des Mdonya Sand River und bei den Mwajembe Springs einiges zu sehen gab.




Ich hätte mir auch gerne einmal eine der riesigen Ameisenstraßen, die es hier immer wieder gab, aus der Nähe angesehen, aber nicht bei der TseTse-Plage.

Je weiter wir dem Mwagusi Sand River abwärts in Richtung Ruaha River folgen umso weniger werden die TseTse-Fliegen. Nach wenigen Kilometern haben wir es hinter uns. Gerade zum richtigen Moment, denn bei einer Gruppe von Wasserlöchern hat sich eine riesige Herde Büffel versammelt. Die Rindviecher machen nur wiederwillig Platz und schon bald stehen wir mitten in der Herde und können die Tiere perfekt beobachten.






Danach kommen wir in sehr unübersichtliches Gelände mit dichtem Busch. Ausgerechnet hier wimmelt es vor Elefanten und nach unserer gestrigen Begrüßung bevorzuge ich einen sehr respektvollen Umgang mit den Dickhäutern. Ich habe absolut kein Interesse um die Ecke zu fahren und plötzlich Aug in Aug mit einem schlecht gelaunten Elefanten zu stehen. Aus den genannten Gründen brauchen wir sehr lange für diese Passagen und es gibt auch keine Elefantenbilder. Fotos habe ich hier lieber von harmloseren Tieren gemacht.



Suchbild - wie viele Affen seht Ihr?

Inzwischen sind wir alle hungrig und machen uns auf die Suche nach einem schönen Picknickplatz für ein verspätetes Frühstück oder ein frühes Mittagessen – das liegt allein im Auge des Betrachters. Schon bald werden wir fündig. Ein großer Schattenbaum steht inmitten einer Wiese direkt am Ufer des Mwagusi Sand River. Perfekt!





Wir lassen uns viel Zeit, denn inzwischen ist es sehr heiß geworden und nur im Schatten des Baumes ist es noch einigermaßen erträglich. Erst als Elefanten am Waldrand jenseits der Wiese auftauchen, räumen wir lieber zusammen. Sollten sie uns zu nahe kommen, möchte ich jederzeit zurückweichen können. Sie lassen uns aber links liegen.



Da wir nun schon zusammengeräumt haben, machen wir uns auch auf den Weg, weiter am Mwagusi Sand River entlang in Richtung Ruaha River.

Plötzlich ruft Kathrin: „Da liegt eine Giraffe.“ Ich schaue in die angezeigte Richtung und entgegne: „Die liegt nicht, die ist tot. Da steht schon ein Schakal daneben.“ Darauf schaut auch Kathrin genauer hin und meint: „Stimmt. In den Büschen ringsum liegen jede Menge Löwen:“ Ohne die tote Giraffe hätten wir die Löwen niemals in den Büschen entdeckt. Sie waren mit Ihrem Fell unter den vertrockneten Blättern der Büsche perfekt getarnt. Wir verbleiben hier eine ganze Weile und werde für unsere Geduld belohnt. Ein Löwe ist durstig und kommt zu einer Pfütze ganz in unserer Nähe. So komme ich doch noch zu ein paar weiteren Löwenfotos. Bei den in den Büschen liegenden Löwen wäre ein Foto sinnlos gewesen.





Unser nächstes Ziel ist der Confluence point, wo der Mwagusi Sand River in den Ruaha River mündet. Derzeit nur eine riesige Sandfläche. Allerdings gibt es hier einen schattigen Hide und zahlreiche Tiere an den Ufern und in den Bäumen zu entdecken.





Irgendwo in der riesigen Sandfläche scheint es auch noch Wasser zu geben, denn immer wieder können wir Hippos hören, ohne sie zu sehen. Dafür macht sich eine Gruppe Impalas auch den Weg, die weite Fläche zu durchqueren. Man merkt den Tieren an, dass sie sich lieber in der Deckung des Buschs aufhalten, anstatt sich schutzlos auf dieser weitern Fläche zu präsentieren.



Als sich die Sonne so langsam dem Horizont nähert, brechen wir auf in Richtung Camp. Die Strecke führt entlang des Ruaha River und auch hier sehen wir immer wieder Tiere, es springt aber kein richtiges Fotomotiv ins Auge.

Zurück auf der Campsite will ich gar nicht glauben, was ich höre. Es zischt aus dem in Mikumi reparierten Reifen. Der war anscheinend schon so vorgeschädigt, dass auch der zusätzlich reingezogene Schlauch nichts mehr ausrichten kann. Zum Glück bin ich heute nicht fürs kochen zuständig. So kann ich den Reifen wechseln, während Hedda das Abendessen zubereitet.
Letzte Änderung: 31 Mär 2017 15:54 von Topobär.
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06 Apr 2017 17:12 #470371
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14.Tag (Sa. 07.01.2017)
Ruaha National Park
94km

Auch für heute ist wieder ein ganztägiger Gamedrive angesetzt, so dass wir wieder sehr früh starten. Unser erstes Ziel ist der Kimiramatonge Hill, den wir fast ganz umrunden. Schöne Landschaft, bestes Licht, aber keine Tiere.



Unser eigentliches Ziel für den heutigen Tag ist aber der Mittellauf des Mwagusi, wo es uns schon gestern sehr gut gefallen hat. Außerdem ist hier die größte Tierdichte. Wir werden nicht enttäuscht. Vor allem Elefanten hat es jede Menge, so dass wir eine spannende Fahrt haben.





Mal eine Frage an die vielen Birder unter Euch: Hat die kahle Stelle auf der Brust der Sattelstörche eine Funktion oder Bedeutung?



Gestern hatten wir am gegenüber liegenden Ufer einen Picknickplatz entdeckt, der auf keiner Karte verzeichnet ist. Das ist unser Ziel zum Brunch. Der Picknickplatz ist ein paradiesischer Ort. Zwischen großen Felsen und unter hohen Bäumen direkt am Ufer gelegen und mit Tischen, Bänken und Sanitäranlagen top ausgestattet. Man kann weit das Flussbett überblicken. Was will man mehr?





Während wir essen, sorgen mehrere Baumhörnchen für Unterhaltung, die überhaupt nicht scheu sind und darauf hoffen, dass etwas für sie abfällt. Was das Füttern von Wildtieren angeht sind wir aber sehr streng, so dass die kleinen Racker leer ausgehen.




Im Flussbett haben sich in der Zwischenzeit zahlreiche Elefanten versammelt. Es ist ein ständiges kommen und gehen, da es hier auch einige der wenigen verbliebenen Wasserstellen gibt. Da uns der Platz gefällt und es viel zu sehen gibt, beschließen wir, die nächsten Stunden bis zum Nachmittag hier zu verbringen.

Auch für körperliche Ertüchtigung ist gesorgt, denn als ich zwischendurch kurz am Auto bin, stelle ich fest, dass der rechte Hinterreifen platt ist. Ärgerlich ist vor allem, dass wir jetzt keinen intakten Ersatzreifen mehr haben. Der Reifenwechsel selbst ist Routine und in 5 Minuten erledigt.

Wir lassen uns aber die gute Laune nicht verderben und bleiben noch eine Weile hier.





Unser Platz hier ist so geschützt, dass wir auch bleiben, als die Dickhäuter ganz in unserer Nähe vorbei ziehen. Als Kathrin nach einer Pinkelpause das Klohäuschen verlassen will, steht sie vor einer grauen Wand, genauer gesagt vor dem Hinterteil eines großen Elefantenbullen. Nach Ihrer Aussage hätte sie den Elefanten berühren können, hat sich aber nicht getraut.

Als ein Safariwagen vorbeikommt, fragt Kathrin nach der Möglichkeit hier im Nationalpark den Reifen flicken zu lassen und tatsächlich soll es im Headquarter einen Reifenflicker geben. Da es vom Picknickplatz eine direkte Piste zum Headquarter gibt beschließen wir zunächst dort den Reifen versorgen zu lassen und anschließend eine abendliche Runde entlang des Ruaha zu drehen.

Von unseren beiden Reifen ist einer, wie schon gesagt, nicht mehr zu gebrauchen. Beim anderen handelt es sich um einen Schlauchreifen auf Sprengringfelge. Das ist glücklicherweise die ideale Kombination für einen Fundi hier im Park. Innerhalb einer halben Stunde ist der Reifen geflickt. Gefühlt am längsten dauert es, bis er mit seinem batteriebetriebenen Spielzeugkompressor den Reifen wieder gefüllt hat. Meine Mitfahrer finden das spannend und beobachten die Reparatur. Ich habe derweil etwas viel interessanteres entdeckt - die Kantine für die Nationalpark-Mitarbeiter. Hier kann ich ein eiskaltes Bier erstehen. Ein echtes Highlight, nachdem es seit Iringa nur „Heißgetränke“ gab.

Entlang des Ruaha River ist heute schon mehr los als gestern. Eine junge Giraffe zeigt überhaupt keine Scheu, was ich für ein Portrait nutzen kann, zumal sich der Kopf auch noch in akzeptabler Höhe befindet.



Es wimmelt hier aber auch vor Mangusten. Wir sehen Zwerg-, Zebra- und Fuchs-Mangusten. Alle mehrfach und fast immer sehr scheu.



Den Sundowner begehen wir auf unserer Campsite. Hier hat man einen schönen Blick, auf die Sonne, wie sie hinter dem Escarpment untergeht.




Heute bin ich wieder dran mit kochen. Die Insektenplage ist deutlich geringer als an den letzten Abenden. Während wir essen hören wir Schritte im Hintergrund. Mit der Taschenlampe entdecken wir ein Hippo, welches aus dem Flussbett steigt und zum Grasen ins Hinterland marschiert. Wenig später schleicht dann eine Hyäne ums Camp und es gesellt sich auch noch ein Schakal hinzu. So gibt es auch jetzt ein abwechslungsreiches Programm, bis es uns auf die Matratzen zieht.
Letzte Änderung: 27 Apr 2017 15:14 von Topobär.
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25 Apr 2017 17:43 #472913
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15. Tag (Sa. 07.01.2017)
Ruaha National Park – Iringa
147km


Lt. unserer Wildtierkamera waren in der Nacht sowohl Schakale, als auch Hyänen im Camp. Leider sind die Aufnahmen sehr unscharf.

Geweckt werden wir dann vom Brüllen der Löwen. Das ist besser als jeder Wecker. So wie es sich anhört, sind die Großkatzen wieder rings ums Camp verstreut.



Heute frühstücken wir im Camp, denn es wird keinen Gamedrive mehr geben. Nach dem Essen räumen wir zusammen und machen uns auf den Weg zurück nach Iringa.

Wir sind gerade einmal 40km unterwegs, da ereilt uns der nächste Platten. Diesmal hinten links. Damit sind jetzt beide Original-Hinterräder hin und wir sind mit den beiden Ersatzreifen unterwegs.



Der Reifen ist wieder schnell gewechselt, aber die weitere Strecke bin ich doch recht angespannt, da wir jetzt ohne einsatzfähigen Reservereifen unterwegs sind. Selbstverständlich würden wir bei einem weiteren Platten nicht in der Wildnis stranden, dafür ist auf der Strecke zu viel los. Trotzdem würde ein weiterer Platten aber ziemlichen Aufwand mit sich bringen, worauf wir gut verzichten können. Man wird dann auch leicht paranoid. Bei jeder Veränderung der Fahrgeräusche und jedem seitlichen wegdriften des Fahrzeugs schreckt man auf und wirft einen prüfenden Blick in den Rückspiegel, bzw. aus dem Fenster, um den Zustand der Reifen zu prüfen. Letztendlich kommen wir aber ohne weitere Panne in Iringa an.

Auf der Strecke sind uns die vielen griechisch-orthodoxen Kirchen aufgefallen. Die müssen hier in der Gegend einen Schwerpunkt ihrer Missionsarbeit haben.



In Iringa setzten wir uns kurz mit unserem Autovermieter zusammen, um über die Reifensituation zu beraten. Da die beiden ursprünglichen Hinterreifen schon sehr kaputt sind, kommen wir zu folgender Lösung: Wir bekommen die Freigabe, einen neuen Reifen auf Kosten des Vermieters zu erwerben. Dafür entsorgen wir den schlechtesten Reifen. Den anderen Reifen lassen wir flicken. Ein Fahrer von 4x4 Adventures bringt uns dann noch einen weiteren Reifen in den Tarangire National Park.

Der Grund weshalb die Reifen trotz gutem Profil schon so runter sind, liegt daran, dass die Fahrzeuge bei den geführten Touren immer mit sehr niedrigem Luftdruck gefahren werden, da dies den Komfort für die Gäste deutlich erhöht. Dadurch walken die Reifen allerdings so stark, dass die inneren Strukturen noch vor dem Profil das Ende des Reifens einläuten.

Nachdem mit den Reifen alles geregelt ist geht es zu unserer heutigen Unterkunft, der African Garden Lodge, welche auf ihrem Gelände auch eine Campsite betreibt. Die Lodge gehört einem sehr netten tansanisch-deutschen Paar, die mit Ihren drei kleinen Kindern vor ein paar Jahren nach Tansania ausgewandert sind, um sich hier mit der Lodge selbstständig zu machen. Die beiden sind sehr hilfsbereit. So können wir unsere Getränke in deren Kühlschrank kühlen, damit wir heute zum Abendessen endlich mal wieder kalte Getränke haben.



Ganz in der Nähe der Lodge liegt die Isimilia-Schlucht. Hier befinden sich zum einen steinzeitliche Ausgrabungsstätten, als auch eine mit Erdpyramiden gesäumte Schlucht. Das Gelände ist ein nationales Monument und darf nur mit einem Guide betreten werden. Wir können direkt von der Campsite loslaufen. Als erstes kommen wir zu den Ausgrabungsstätten, aber ich muss gestehen, dass sich für uns die Steinwerkzeuge kaum bis gar nicht von den übrigen Steinen der Umgebung unterscheiden.

Danach folgen wir einem schmalen Bachbett, welches die eigentliche Isimilia-Schlucht bildet. Auf beiden Seiten erheben sich eindrucksvolle Formationen. Man fühlt sich an den Bryce Canyon in den USA erinnert, wobei das Gelände hier nicht so weitläufig ist. Entstanden sind die Erdpyramiden nachdem ein Vulkanausbruch eine Schwemmtonebene mit einer Schicht Lava überlagert hat. Nur dort wo die Lavaschicht erodierte, wurde der darunter liegende Schwemmton abgetragen. Ansonsten schützt die Lavaschicht die darunter liegenden weichen Sedimente. So sind fantastische Erosionsformen entstanden: Schlanke Säulen, mächtige Pfeiler, Orgelpfeifen und bizarre Wände. Leider hat der Himmel an diesem Nachmittag zugezogen. Bei Sonnenschein wäre es sicher noch beeindruckender gewesen. Insgesamt waren wir etwas über 2h unterwegs. So ein kleiner Spaziergang ist immer eine schöne Abwechslung zum langen Sitzen im Auto








Abends kochen wir. Die Katzen und Hunde der Lodge leisten uns Gesellschaft, ohne jedoch aufdringlich zu betteln.
Letzte Änderung: 25 Apr 2017 17:52 von Topobär.
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27 Apr 2017 16:17 #473195
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16.Tag (So. 08.01.2017)
Iringa – Dodoma
274km


Nachts hat uns die Lodgekatze ein Geschenk vorbei gebracht. Wir finden bei Aufstehen eine tote Maus in der Apsis unseres Zelts.

Nach dem Frühstück kommen Kerstin & Saidy bei uns vorbei und wir unterhalten uns lange mit den beiden. Die beiden haben bis vor ein paar Jahren in Berlin gelebt und dort ein Restaurant mit afrikanischer Erlebnisgastronomie betrieben, bevor sie sich entschieden, in Saidys Heimat eine Lodge zu eröffnen. Die Erlebnisse der beiden sind sehr Interessant. Man erfährt viel über das Alltagsleben in Tansania. Saidy beklagt sich vor allem über die Arbeitsmoral seiner Landsleute. Das ist seiner Ansicht nach einer der großen Unterschiede zu Deutschland. Am schlimmsten sind Mitglieder des eigenen Stammes. Die meinen Sonderrechte zu haben, weshalb die meisten Angestellten der beiden aus anderen Landesteilen kommen. Solche Gespräche erweitern ungemein den eigenen Horizont.



Bevor wir uns auf den Weg machen, untersuchen Hans und ich noch einmal genau den Kühlschrank und werden tatsächlich fündig. Durch das heftige Wellblech zum Ruaha National Park hat sich ein Kabel losgerüttelt. Wir können den Schaden selbst reparieren und haben für den Rest der Reise endlich einen gut funktionierenden Kühlschrank. Eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.



Dann steht ein Großeinkauf in Iringa an. Im kleinen Supermarkt und auf dem großen Markt bekommen wir alles, was wir brauchen.

Von Kerstin & Saidy hatten wir noch den Tip bekommen, die alte Deutsche Boma zu besuchen, wo Kerstins Mutter ein Cafe betreibt. Wir treffen Kerstins Eltern dann sogar in der Boma und es stellt sich heraus, dass Kerstins Vater (ein pensionierter Architekt) die Restaurierung der Boma initiiert und organisiert hat. Während wir uns einen leckeren Kuchen gönnen, erfahren wir viel über die Restaurierung und so verfliegt die Zeit und wir kommen erst um 14:00Uhr aus Iringa los.




Glücklicherweise ist die Strecke nach Dodoma bis auf einige sehr kurze Baustellenabschnitte inzwischen komplett asphaltiert, wobei sich allerdings schon jetzt erste Schlaglöcher zeigen. Sowie wir die Hochebene von Iringa verlassen und ins trockene Tiefland kommen, steigen die Temperaturen drastisch und es wird sehr heiß.

Auf einem der Baustellenabschnitte überfahre ich beinahe in kleines Chamäleon. Ich schaffe es gerade noch das Tierchen zwischen die Räder zu nehmen. Danach muss es dann noch eine ausführliche Fotosession über sich ergehen lassen. Als Kathrin es dann retten und ins Gebüsch setzen will, zeigt es sich sehr undankbar und beißt gleich zu. Da Chamäleons aber keine Zähne haben ist das nur ein kleines Zwicken. Das schlimmste war der Schreck.




Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Dodoma. Wir übernachten wieder in New Dodoma Hotel. Noch immer nix dolles und trotzdem die beste Unterkunft in der Hauptstadt Tansanias.
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17.Tag (Mo. 09.01.2017)
Dodoma – Tarangire National Park
(350km)


Nachts gab es einen derart heftigen Wolkenbruch, dass wir davon sogar in unserem Hotelzimmer aufgewacht sind. Das war ja eine glückliche Fügung, dass wir ausgerechnet diese Nacht nicht gezeltet haben. Morgens ist es immer noch am tröpfeln.

Das Frühstück im Hotel ist sehr dürftig. Das habe ich von unserem letzten Aufenthalt besser in Erinnerung.

Die Strecke von Dodoma bis Babati ist fast durchgehend Baustelle. Auf 90% der Strecke sind die Bauarbeiten aber schon so weit fortgeschritten, dass wir auf Asphalt fahren können.

Unterwegs haben wir die Reifenpannen Nummer 5 & 6. Bei der ersten Panne ziehen wir den alten geflickten Reifen auf, da ich mich wohler fühle, wenn wir den neuen Reifen als letzte Reserve aufheben. Der kommt dann allerdings nur 20 Minuten später zum Einsatz, da sich der alte geflickte Reifen schon nach wenigen Kilometern wieder verabschiedet hat. Bei unserer zweiten Reifenpanne an diesem Tag befinden wir uns leider gerade auf einer schmalen weichsandigen Baustellenumfahrung. Ich muss ganz am Rand anhalten, damit andere Fahrzeuge passieren können. Beim Hochbocken mit dem Highlift rutscht der Wagen dann im weichen Sand etwas seitlich weg und das lange Gestänge des Highlifts drückt eine dicke Beule in die Karosserie. Sehr dumm gelaufen. Zu dieser Zeit hat der Reisebericht noch den Arbeitstitel „Plattfuß in Afrika“.



Das längste Stück noch nicht asphaltierter Straße ist die steile Abfahrt aus den Bergen hinunter nach Babati. Das ist noch die altbekannte Lehmpiste und genau auf diesem Abschnitt erwischen wir einen kurzen aber heftigen Regenschauer, der die Lehmpiste in kürzester Zeit in eine Rutschbahn verwandelt. Da ist es dann gar nicht mehr so einfach, unser schweres Gefährt auf der Spur zu halten.

Schon auf vielen Strecken dieser Reise ist uns die starke Vermüllung der Straßenränder negativ aufgefallen. Als wir von Babati bis zum Abzweig in den Tarangire Nationalpark hinter einem Überlandbus herfahren, können wir miterleben, wie es dazu kommt. Alle paar Minuten fliegt eine leere Trinkflasche oder anderer Müll im hohen Bogen aus dem Fenster. Es ist wirklich erschreckend, dass bei den Menschen hier anscheinend überhaupt kein Bewusstsein für die Umwelt Ihres Landes zu bestehen scheint.

Wer schon einmal im Tarangiere National Park war, kennt die Wellblechpiste zum Gate. Alles im Wagen klappert und scheppert. Plötzlich kommt ein neues und sehr lautes Geräusch hinzu. Ich halte sofort an und muss feststellen, dass sich unser linkes Trittbrett verabschiedet hat. Eine Schweißnaht ist durch die ständigen Erschütterungen und Vibrationen gebrochen. Nicht zum ersten Mal, wie es aussieht. Glücklicherweise habe ich für genau solche Fälle ein paar Spanngurte aus Deutschland mitgenommen. Zwar muss ich mich für die Reparatur im Staub wälzen, aber danach steht unserem Besuch im Tarangire National Park nichts mehr im Weg.





Am Gate in den Nationalpark können wir dann auch den von 4x4 Adventures für uns dort deponierten Reifen übernehmen. Der ist zwar nicht neu, aber doch in erheblich besseren Zustand als unser alter Ersatzreifen. Diesen verfrachte ich aufs Dach, wo ich ihn mit einem weiteren Spanngurt befestigen kann. So ist er aus dem Wege und stört niemanden.



Nachdem wir eingecheckt haben, fahren wir auf direktem Weg zur Public Campsite, welche in der Nordwest-Ecke des Parks unweit des Tarangire Rivers liegt. Die Campsite ist mit mehreren Waschhäusern gut ausgestattet. Hier sind wir auch erstmals nicht die einzigen Gäste. Es ist aber reichlich Platz, damit man sich nicht zu sehr auf der Pelle sitzt.



Zum Abend hin entschließen wir uns noch zu einem sehr kurzen Gamedrive, der uns lediglich ans Ufer des Tarangire River führt. In diesem Bereich ist der Fluss komplett ausgetrocknet und es gibt lediglich ein paar von Elefanten gegrabene Wasserlöcher im sandigen Flussbett. Dafür wimmelt es nur so von Tieren.





Während wir hier stehen und das Treiben im und am Fluss beobachten, zieht der Himmel schnell immer mehr zu und es kommen heftige Böen auf. Genauso schnell wie der Spuk begonnen hat, ist er aber auch wieder vorbei, ohne dass auch nur ein einziger Tropfen gefallen ist.

Die Elefanten sind hier deutlich entspannter als bei unseren bisherigen Begegnungen auf dieser Reise. Wir stehen lange Zeit direkt neben einer Herde mit vielen Jungtieren. Es ist sehr interessant zu beobachten wie die Mütter die Kälber sortieren. Die Kälber versuchen bei allen Kühen an der Milchbar anzudocken, werden aber von den Kühen abgewiesen, solange es nicht das eigene Kalb ist.



Wir fangen erst relativ spät an zu kochen. Beim Essen bekommen wir dann Gesellschaft. Ein Elefant bedient sich gleich nebenan von einem großen Busch.
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