THEMA: Serengeti in der Regenzeit / Ist das noch Urlaub?
20 Feb 2016 17:57 #420350
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  • Wilson96 am 20 Feb 2016 17:57
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Hallo liebe Mitreisenden!

Weiter gehts nun unter der richtigen Länderkategorie :cheer:

Liebe Fomis, meine Frau und ich haben das Forum in den letzten Jahren fast nur passiv genutzt. Dabei konnten wir eure Tipps und Erfahrungen für die Vorbereitung zahlreicher Reisen in das südliche Afrika nutzen. Jetzt wollen wir versuchen, unsere Erlebnisse mit euch zu teilen und Interessierten vielleicht ein paar nützliche Informationen mitzugeben.
Meine Frau hat mich vor 8 Jahren mit dem Afrika-Virus infiziert. Sie hat schon als Kind viele spannende Afrikareisen mit Ihren Eltern unternommen. Diese Leidenschaft hat Sie nie losgelassen und so haben wir in den letzten Jahren zahlreiche Selbstfahrerreisen nach Südafrika, Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Malawi etc. unternommen.




Während unserer Aufenthalte im südlichen Afrika hat mir meine Frau immer wieder von der Serengeti vorgeschwärmt. 1991 reiste sie als Neunjährige mit ihren Eltern das allererste mal in das Land der Maasai und verbrachte im Jahre 2009 nach Ihrem Studium mehrere Monate in einem kleinen Dorf am Fuße des Kilimanjaros. Aufgrund Ihrer Erzählungen und der vielen TV-Dokumentationen über die Migration, die ich mir seit jeher gerne anschaue, war es auch schon lange ein großer Traum von mir, in die Serengeti zu fahren und die Migration zu beobachten. Jedoch konnten wir uns aufgrund der (gedacht) schwierigeren Planung bisher nie final zu einer Selbstfahrerreise nach Tansania durchringen.

An einem regnerischen November-Abend 2014 saßen meine Frau und ich auf der Couch und schwelgten mal wieder in Afrika-Erinnerungen. Nur so zum Spaß haben wir nach Flügen für die Osterferien 2015 nach Tansania geguckt. Als wir dann zwei wirklich günstige Flüge für ca. 550 EUR (vor allem im Vergleich zu Flügen nach Windhoek) mit KLM von Düsseldorf über Amsterdam zum Kilimajaro Airport gefunden hatten, haben wir spontan gebucht.
Normalerweise erkundigen wir uns vorab sehr genau u.a. über die klimatischen Verhältnisse während der angepeilten Reisezeit. Aber diese Flüge waren so günstig, dass wir - ohne großartig nachzudenken - gebucht haben. Natürlich merkten wir dann relativ schnell, dass der Reisezeitpunkt (ersten beiden Aprilwochen) voll in der Regenzeit liegt. So erklärte sich für uns letztendlich auch der günstige Flugpreis. Aber egal, die Herausforderung wurde von uns angenommen. Die eingehende Internet-Recherche machte uns wieder Hoffnung. Natürlich muss man in der Regenzeit mit 2-3 Stunden Regen am Tag rechnen, aber tagelanges Durchregnen sollte es nicht geben. Was uns sehr erfreute, war die Tatsache, dass es in der Regenzeit im Ngorongoro Krater sowie der Serengeti deutlich leerer und einsamer seien sollte, als in der High Season. Das machte uns Mut und wir stürzten uns mit großer Vorfreude – kurz unterbrochen durch einen zweiwöchigen Weihnachtsurlaub in Kapstadt und Umgebung :) - in die Vorbereitung dieser Reise.
Schnell stellten wir fest, dass die Planung - im Vergleich zu einer Reise ins Okavango Delta (Chobe/Moremi) - deutlich einfacher ist. Vor allem in den Regenzeit müssen die Camps aufgrund der geringeren Besucherzahlen nicht vorab gebucht werden. Das ersparte uns sehr viel Arbeit. Hauptteil der Vorbereitung war es natürlich, einen Mietwagen mit Dachzelt zu organisieren. Ich habe also die - meiner Recherche nach - einzigen drei Anbieter angeschrieben. Letztendlich haben wir uns für Fortes Car Hire in Arusha entschieden. Die Fahrzeuge und die Professionalität der E-Mail-Korrespondenz hatten mich überzeugt, auch wenn es mit Tanzania Pioneers etwas günstiger gewesen wäre. Die Professionalität zeigte sich auch im Verlauf der Reise. Letztendlich mussten wir nur noch grob die Route festlegen.
Hier haben wir uns für so viel Spontanität wie möglich entschieden. Wir freuten uns richtig, nicht wie in den vergangenen Jahren fest durchgetaktet, fast gehetzt, nach festen Campingplatz-Buchungen reisen zu müssen. Zudem erfreuten wir uns an der Tatsache, dass die Entfernungen - zumindest für unsere Route - sehr überschaubar sind. Wir planten zuerst 4 Tage bei einem Bekannten, der ein Waisenhaus in der Nähe von Moshi betreibt, zu verbringen und dann für ca. 10 Tage von Arusha in den Ngorongoro Krater und die Serengeti aufzubrechen.
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22 Feb 2016 20:31 #420663
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Eine Woche vor Abflug checkte ich den Wetterbericht und zu unserer Freude hatte der große Regen bisher nicht eingesetzt. Zudem guckte ich täglich bei Herd Tracker (www.discoverafrica.com/herdtracker/), wo sich die Gnus gerade befanden. Aufgrund des verzögerten Regens waren große Teile der Migration nicht - wie zu dieser Jahreszeit üblich - in Nduntu, sondern in der zentralen Serengeti. Leider hatten wir vor der Abreise beruflich sehr viel Stress, sodass wir die Vorfreude gar nicht richtig genießen konnten. Recht routiniert packten wir unsere Afrika-Utensilien zusammen, säuberten die Fotoausrüstung und fingen an, sämtliche Batterien zu laden.

Ich hatte am 27.03. schon Urlaub und stand relativ früh auf, um noch ein paar letzte Erledigungen zu machen. Bei meinem Morgenkaffee las ich im Internet etwas von einem Stromausfall in ganz Holland, dachte mir aber nichts Böses dabei. Mit gepackten Kisten und Taschen machten wir uns nachmittags per Regional-Express auf den Weg von Köln zum Düsseldorfer Flughafen. Während der Fahrt checkte ich noch mal die Flüge im Internet. Unser Flug nach Amsterdam wurde als pünktlich angezeigt. Auch am Flughafen war unser Flieger auf der Anzeigetafel nach wie vor ohne Verspätung angeschrieben. Am Check-In-Schalter empfing uns das Bodenpersonal von KLM dann mit einer bösen Überraschung. Der Stromausfall in Holland hatte den gesamten Amsterdamer Flughafen lahmgelegt. Die Flugzeuge konnten weder landen, noch starten. Die Damen schickten uns zu einem Ticketschalter von KLM mit dem Hinweis, dort würde uns geholfen. Vor dem Ticketschalter stand schon eine lange Schlange und wir reihten uns ein. Nach ca. 2 Stunden Wartezeit am Schalter fragten wir die Dame, ob wir noch auf einen Ethiopian-Airlines-Flug von Frankfurt aus umgebucht werden können (wir hatten im Handy nach möglichen Alternativen gesucht und noch freie Plätze gefunden). Das war leider nicht möglich und auch die Option, mit dem Mietwagen nach Amsterdam zu fahren, war aufgrund der langen Wartezeit verstrichen. Zudem war nicht sicher, ob überhaupt Flieger von Amsterdam starten können. Wir entschieden uns dann für die nächste Möglichkeit von Düsseldorf: am darauffolgenden Morgen um 11 Uhr mit Turkish Airlines über Istanbul zum Kilimajaro Airport. Da wir nicht mit unserem Gepäck zurück nach Köln wollten, verbrachten wir die Nacht in Düsseldorf. Die Kosten für das Hotel, Taxi und Abendessen wurden uns von KLM im Nachhinein erstattet.
Wir wollten die ersten 3 Tage bei einem Bekannten, bei dem meine Frau schon mehrere Monate nach ihrem Studium verbracht hat, in einem Waisenhaus in einem kleinen Dorf bei Moshi am Fuße des Kilimanjaro verbringen. Diesen mussten wir nun informieren, dass er uns statt um 11 Uhr morgens um 2 Uhr nachts am Kilimajaro Airport abholen sollte.

Der Flug verlief ohne große Vorkommnisse und wir kamen relativ pünktlich um 2 Uhr Nachts am Kilimanjaro Airport an. Hier empfing uns unser Bekannter und wir fuhren durch das nächtliche Tansania Richtung Moshi. Gegen 3:30 Uhr kamen wir in seinem Heimatdorf an, ca. 20 KM außerhalb von Moshi. Unser Gastgeber führt dort ein kleines Waisenhaus, in welchem er mit seiner Familie und rund 20 Waisenkindern lebt. Das Dorf ist noch sehr ursprünglich und die Leute leben vom Ackerbau und der Viehzucht. Er zeigte uns unsere Unterkunft, ein an das Waisenhaus angrenzendes kleines Gästehaus mit 2 Zimmern. Wir vielen todmüde ins Bett und schliefen sofort ein. Um 6 Uhr wurden wir durch Kinderlärm geweckt, denn es war Sonntag und somit Zeit in die Kirche zugehen. Der Gottesdienst begann um 7 Uhr und dauerte geschlagene 3,5 Stunden ;). Trotz unserer Müdigkeit und der Tatsache, dass wir in Deutschland nicht viel mit der Kirche am Hut haben, war es ein tolles Erlebnis. Die Leute sangen und lachten ausgelassen! Nach der Messe wurden leckere gebrannte Erdnüsse und Tee gereicht und wir plauderten mit der Gemeinde.








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An einem anderen Tag guckten wir uns eine lokale Schulen an und unternahmen einen Ausflug zu einem nahegelegenen Wasserfall. Die Kinder genossen die Abwechslung und hatten Spass im Wasser zu plantschen. Die Natur war herrlich grün, aber der Boden aufgrund der Regenzeit sehr aufgeweicht. Ich habe niemals in meinem Leben einen klebrigeren und zäheren Schlamm erlebt wie hier. Er klebte an unseren Schuhen wie Zement und nur nach langem Putzen bekamen wir die Solen wieder einigermaßen frei. Abends zeigten die Mädchen meiner Frau, wie man ein typisches tansanisches Gemüsegerichte zubereitet. Dieses Wissen wendete Sie im Laufe der Reise fast täglich an :).









Insgesamt verlebten wir hier drei tolle und interessante Tage. Hier habe ich Afrika von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Trotz der relativ armen Verhältnisse haben die Menschen und vor allem die Kinder einen Lebensmut, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Die Zeit verging wie im Flug und wir waren traurig, die Kinder wieder zu verlassen.

Morgen beginnt die Safari!

Letzte Änderung: 22 Feb 2016 20:58 von Wilson96.
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23 Feb 2016 20:09 #420852
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Nach einem ausgiebigen Frühstück brachte uns unser Bekannter nach Arusha zu Fortes, wo wir unseren Wagen entgegennehmen wollten. Die Straßen waren in einem guten Zustand und wir kamen zügig voran. Wir hatten uns aufgrund der hohen Mietpreise in Tansania für das günstigste Model entschieden, einen Land Rover Defender 90, die kurze Version. Dachzelt und Campingequipment waren im Mietpreis enthalten. Den Engel Fridge mussten wir dazu buchen. Generell kann man sagen, dass die Autos in Tansania nicht mit denen im südlichen Afrika mithalten können – kein Doppeltank, keine Doppelbatterie, kein Schubladensystem etc. Die Autos sind eigentlich nicht für Selfdriver gedacht. Wir bekamen schließlich einen rüstigen 20 Jahre alten Defender. Während der Übernahme wurden wir sehr kompetent in die üblichen Krankheiten eines Defenders eingewiesen. Etwas überrascht bzw. erschrocken waren wir über den kleinen Tank von 40 Litern, sodass wir direkt noch einen Ersatzkanister mitgenommen haben. Wie jedoch oben erwähnt, sind die Entfernungen nicht so groß und das Tankstellennetz ist gut ausgebaut. Selbst in der Serengeti (Seronera) und am Krater gibt es Tankstellen. Man muss seine Route halt etwas genauer planen.

Bei Fortes wies man uns noch darauf hin, dass ab dem 1.04.2015 die Krater-Gebühren pro Auto von 200 USD auf 300 USD angehoben werden. Ein Aufenthalt im Krater schlägt somit mit 420 USD (300 USD pro Fahrzeug plus 60 USD Eintritt pro Person) pro Tag zu Buche. Die Gebühren müssen vorab bei der Exim Bank gezahlt werden, wo man dann sein Permit ausgestellt bekommt. Die Exim Bank liegt praktischerweise direkt neben dem Nakumat Supermarkt, der uns sowohl im Forum sowie von Einheimischen empfohlen wurde. Zudem liegt der Supermarkt direkt an der Ausfahrtsstraße Richtung Krater. Der Verkehr in Arusha ist sehr dicht und schon auf den ersten Metern zum Supermarkt kann man sehr schön die angenehme Langsamkeit Afrikas spüren. ☺

Vor dem Einkauf kommt die Pflicht (Einkaufen macht mir in Afrika immer besonders Spaß – Ich liebe den SuperSpar in Windhoek, einer der besten Supermärkte weltweit wie ich finde). Also erstmal zur Exim Bank und das Krater-Permit kaufen. Wir hatten Glück und konnten das Permit noch zum alten Preis von insgesamt 320 USD bekommen, obwohl wir ja genau am 1.April in den Krater wollten. Wir dachten uns: „Sagen wir mal nichts, mal schauen was Sie am Gate sagen“. Die Exim-Bank-Filialen waren übrigens die einzigen ATMs, die unsere EC-Karten akzeptierten. Bei allen anderen Banken nur VISA!
Der Nakumat Supermarkt ist sehr gut sortiert und man findet alles, was man für eine Selbstfahrerreise braucht. Wie erwartet waren das Frischfleisch, Backwaren sowie Obst und Gemüse nicht so qualitativ hochwertig wie in Namibia oder Südafrika. Da wir ja keine Doppelbatterie hatten, war der kulinarische Anspruch an die Reise sowieso etwas geringer. Im südlichen Afrika lege ich sehr viel Wert auf eine gute Busch-Küche. Morgens nach dem Morning Drive ein deftiges Frühstück mit frisch gebackenem Brot, Eiern und Speck und abends ein leckeres Braai mit einer guten Flasche Wein. In diesem „Urlaub“ gab es morgens Müsli mit H-Milch, mittags auf dem Game Drive ne Tüte Chips oder Kekse und abends Pasta mit Tomatensauce oder frisches Gemüse mit Reis. Meine Frau war ganz glücklich über die quasi vegetarische Ernährung. Zudem freute es Sie, dass es Savanah Dry gab und ich stattete mich mit verschiedenen Sorten Bier aus. In Tansania gibt es herrlich viele Sorten mit so schönen Namen wie Safari, Kilimanjaro oder Serengeti. Beim Verstauen der Einkäufe in unserem kleinen 90er Defender merkten wir schnell, dass das Auto bzw. der Gepäckteil aufgrund fehlender Staumöglichkeiten völlig chaotisch wird! Wir sind eh nicht so die Ordentlichsten ☺ . Nachdem dann alle Einkäufe verstaut waren, gingen wir mit unserem Bekannten in einen Burger Laden eines Kanadiers kenianischer Herkunft, der direkt am Naukomat Komplex liegt. Die Burger waren wirklich super und ich genoss das letzte Fleischgericht für die nächsten zehn Tage.



Zudem gibt es hier 2 tolle Kaffee-Läden, der eine sogar mit eigener Rösterei. Hier kauften wir sehr guten Kaffee für die Reise. Auch wenn der Urlaub kulinarisch nicht so viel zu bieten hatte, der Kaffee war wirklich exzellent. Wir bereiten unseren Kaffee immer in einer French Press zu, Instant Kaffee kommt für uns nicht in Frage. Danach mussten wir noch kurz rüber auf den gegenüberliegenden Markt. Neben 2 günstigen Decken (bei Fortes gibt es lediglich Kissen / Bezüge haben wir von zu Hause mitgebracht) musste ich mir noch das obligatorische Nationaltrikot kaufen, welches ich auf allen Reisen von dem jeweiligen Land versuche zu bekommen. Nach kurzer Verhandlung war auch das erledigt.
Letzte Änderung: 23 Feb 2016 20:29 von Wilson96.
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23 Feb 2016 20:16 #420855
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Los geht’s. Unsere heutige Route sollte uns bis zur Simba Campsite am Rande des Kraters führen. Da wir blöderweise von der der Reisegeschwindigkeit eines Toyoty Hilux 3.0 Diesel ausgingen, lies uns die Entfernung von knapp 200 KM sehr entspannt bleiben, leider zu unrecht. Nachdem es die ersten 15 KM aus der Stadt raus noch recht voll war, wurde es dann deutlich leerer. Jedoch stellte ich schnell fest, dass eine Reisegeschwindigkeit von über 90 KM/H mit dem alten Defender mit kurzem Radstand nicht zu empfehlen ist. Zudem mussten wir aufgrund der der häufigen „Geschwindigkeitsschweller“ etwa alle 5 KM abbremsen und Beschleunigen zählt sicherlich nicht zu den Stärken eines 20 Jahre alten Defenders. Wir kamen also deutlich langsamer voran als gedacht. Da uns zudem das Obst/Gemüse Angebot bei Naukomat nicht richtig gefallen hatte, wollten wir Obst und Gemüse unterwegs auf einem Markt einkaufen. Dies erledigten wir auf etwa halber Strecke auf einem Maasai-Markt. Meine Frau, die schon sehr viel Zeit in Afrika verbracht hat, freundete sich direkt mit 3 Maasai Frauen an, die sie beim Einkaufen unterstützten. Die Waren sahen wirklich alle super lecker und Frisch aus und meine Frau verbrachte fast ein Stunde auf dem Markt während ich das Auto hütete ;) .

Mittlerweile war es schon ziemlich spät, so dass es fast unmöglich war, das Gate zur Ngorogoro Conservation Area bis 18 Uhr zu erreichen. Ein paar Kilometer nach dem Massai Markt fiel uns zudem auf, dass es sehr heiß im Auto wurde. Dies lag zum einen daran, dass das Getriebe und die Kurbelwelle sehr starke Hitze abstrahlten, da der Wagen quasi gar nicht gedämmt ist. Vor allem lag es aber daran, dass die Heizung volle Pulle aufgedreht war. Die Heizung wird über einen Schieberegler rechts neben dem Lenkrad geregelt. Leider war der Regler auf Heizen eingestellt und verklemmt. Er ließ sich auch mit Hilfe einer Zange nicht bewegen. Unsere Vermutung ist, dass der Regler vom Vermieter extra so eingestellt wurde, um den Motor zu entlasten. Dies wurde natürlich von Fortes abgestritten. Wir überlegten uns kurz umzudrehen, haben die Idee aber schnell verworfen. Wir dachten uns, dass der Wagen auf Game Drives eh nicht so gefordert - sprich heiß - werden würde und wir ohnehin die ganze Zeit mit offenem Fenster fahren. Im Prinzip stimmte das auch, lediglich auf längeren Etappen war die Hitze bzw. der immer stärker werdende Benzingeruch etwas nervig. Wie gesagt, es ist halt kein vollausgestatteter Hilux.
Kurz vor Lake Manyara, in Mto wa Mbu, haben wir noch mal kurz zum Tanken angehalten und stellten fest, dass der Verbrauch bei ca. 14 Litern lag. Deutlich höher als von Fortes (ca. 10 Liter) veranschlagt. Aber auch das sollte auf Game Drives mit niedrigerem Tempo besser werden. ☺

Beim Anstieg Richtung Karatu haben wir kurz angehalten und das spektakuläre Panorama auf den Lake Manyara genossen.





Es war mittlerweile 18 Uhr und es dämmerte bereits. Wir wollten trotzdem noch versuchen in die Ngorongoro Conservation Area zu gelangen und die Nacht auf der Simba Campite zu verbringen. Als wir durch Karatu fuhren, war es bereits dunkel und eine weitere Schwäche des Defenders trat zu Tage. Die Scheinwerfer waren in etwa so hell wie die von meiner 20 Jahre alten Vespa. Es war wirklich kaum etwas zu sehen und wir verringerten unser Tempo weiter, da nach wie vor sehr viele Fußgänger unterwegs waren. Gegen 18:45 Uhr erreichten wir endlich das Police Gate vor dem Gate zur Conservation Area. Der Polizist war sehr freundlich und fragte uns, warum wir so spät wären. Wir erklärten ihm, dass wir einige Probleme mit dem Wagen hatten und er ließ uns passieren. Nach ca. 2 KM kamen wir zum eigentlichen Gate zur Ngorongoro Crater Conservation Area. Das Gate war natürlich schon geschlossen und 2 Ranger hatten Nachtwache. Der eine Ranger sprach sehr gut Englisch und wir erklärten ihm, warum wir so spät wären. Wir fragten, ob es noch eine Chance gäbe, zur Simba Campsite zu gelangen. Er beratschlagte sich lange mit seinem Kollegen und meinte dann, dass es keine gute Idee wäre, den kurvigen Anstieg zum Kraterrand bei Dunkelheit zu fahren. Zudem wären noch einige Logistikfahrzeuge der großen Lodges unterwegs und diese würden nicht mit Gegenverkehr rechnen. Er bat uns dafür an, direkt am Gate zu übernachten, unter ihrem persönlichen Schutz. ☺ Ich denke, wenn wir hartnäckig geblieben wären, hätten Sie uns noch fahren lassen, aber wir wollten ihre Gastfreundschaft nicht ausnutzen und auch nicht mutwillig Regeln brechen. Wir stellten unseren Wagen also direkt neben das Gate, bauten unser Dachzelt auf und bereiteten ein einfaches Abendessen zu: Brot mit Avocado als Hauptspeise und Erdnussbutter mit Marmelade als Nachspeise. Danach gaben uns die Ranger eine private Führung in das Touristenzentrum, in welchem ein Modell des Kraters ausgestellt ist. Wir kamen ins Plaudern und verbrachten noch einige Stunden mit Geschichtenerzählen und einer privaten Suaheli-Lektion auf den Treppen des Besucherzentrums; ein wirklich toller erster Abend.



Die Gastfreundschaft der Ranger sowie die Leidenschaft und Aufrichtigkeit, mit der die beiden ihren Job gemacht haben, beeindruckten uns sehr. Wir haben noch nie so passionierte, bewanderte und integere Ranger an einem Nationalpark-Gate erlebt. Der Abend war ein Highlight der Reise. Um 1 Uhr nachts gingen wir viel zu spät ins Bett.
Letzte Änderung: 23 Feb 2016 20:25 von Wilson96.
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24 Feb 2016 20:39 #421001
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Um 4 Uhr wurde ich durch Tropfen auf meinem Gesicht geweckt. Es hatte heftig angefangen zu regnen, ein Vorgeschmack auf die nächsten Tage. Obwohl das Dachzelt (Hannibal Tents) laut Fortes neu war, leckte es stark an einigen Nähten. Es wurde immer mehr und auch die Matratze sog sich immer mehr mit Wasser voll. Nach mehreren vergeblichen Versuchen erneut einzuschlafen, stand ich dann völlig entnervt und übermüdet um 5 Uhr morgens auf (Schlafzeit maximal 4 Stunden). Ich dachte mir, was soll’s, erst mal einen Kaffee kochen. Nach dem ersten Kaffee wurde die Laune etwas besser. Sarah kam gegen 5:30 Uhr auch völlig übermüdet aus dem Dachzelt geklettert. Wir waren ziemlich dreckig, da es die ersten 3 Tage bei unserem Bekannten keine richtige Dusche gab.

Bei einem Kaffee mit unserem Freund vom Vorabend überlegten wir hin und her und kamen zu dem Entschluss, dass wir in diesem Zustand eines der Highlights der Reise nicht richtig genießen können. Wir hätten auch keine Chance, unser Zelt, die Matratze und das Bettzeug zu trocknen. Kurzentschlossen entschieden wir uns, die nächste Nacht in einer Lodge am Kraterrand zu verbringen. Wir wollten ausschlafen, heiß duschen und unsere Sachen trocknen. Der nette Ranger hatte einen Freund der in der Sopa Lodge arbeitet und er organisierte uns ein tolles Zimmer mit Vollpension zu einem annehmbaren Preis. Wir freuten uns über diese Entscheidung und gingen ins Office, um uns das Permit abstempeln zu lassen. Hier gab es zunächst Verstimmungen, da wir ja „nur“ 320 USD statt der ab heute gültigen 420 USD gezahlt hatten. Aber auch das regelte unser Freund für uns ☺. Wir mussten lediglich einen zusätzlichen Tag mehr für die Conservation Area zahlen, da das eigentliche Gate zum Krater direkt am Kraterrand liegt und man vorher durch die Conservation Area fährt.

In der Zwischenzeit waren die ersten Tages-Touristen mit Ihren Fahren eingetroffen. Einige von ihnen bestaunten unseren alten Defender mit der „exotischen“ Dachzeltkonstruktion und machten Fotos. Selbstfahrer sind selten in Tansania. Einige sprachen uns an und stellten neugierig ein paar Fragen; unterbrochen wurden wir immer wieder von der lokalen Pavian-Bande, die sich an unserem Dachzelt zu schaffen machte. Andere Tages-Touristen warfen uns auch einfach nur mitleidige Blicke zu, da wir nach dieser Nacht einen recht abgekämpften Eindruck machten. Schließlich verabschiedeten wir uns herzlich von unserem Freund, tauschten E-Mail- sowie Facebook-Adressen aus und machten uns auf den Weg zum Kraterrand.



Direkt hinter dem Gate endete die Teerstraße und die Vegetation wurde sehr üppig und grün. Es regnete leicht und der Nebel hing tief. Die Landschaft glich einem Regenwald, was es ja im Prinzip auch ist, da es rund um den Krater sehr viel regnet (ungefähr doppelt so viel wie in der nahen Serengeti). Die Szenerie erinnerte mich etwas an Gorillas im Nebel, so ungefähr stelle ich mir den Virunga Nationalpark im Kongo vor. Wir waren froh, die sehr kurvenreiche Strecke nicht im Dunkeln gefahren zu sein. Hin und wieder kamen uns Autos entgegen, da die Strecke durch die Conservation Area auch als Transitstrecke benutzt wird. Das es leicht regnete und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch war, machte sich eine bzw. zwei weitere Schwächen des Defenders bemerkbar. Die Sicht war stark eingeschränkt, da die Scheiben im Auto stark beschlugen, zudem funktionierten die Scheibenwischer mehr schlecht als Recht. So mussten wir die Scheiben im Inneren alle paar Minuten freiwischen.



Letzte Änderung: 24 Feb 2016 20:49 von Wilson96.
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