THEMA: Das volle Programm (Reisebericht Tansania 12/13)
31 Jan 2013 12:36 #273777
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6.Tag (Do. 27.12.2012)
Saadani National Park – Dar es Salam „south Beach“

150km

Auch heute hat sich das frühe Aufstehen wieder voll gelohnt, denn wir werden erneut mit einem fantastischen Sonnenaufgang am Strand verwöhnt.




Während wir gemütlich am frühstücken waren, hat sich heimlich ein Gewitter angeschlichen. :whistle: Nee wirklich - Blitz und Donner gibt es erstmalig in dem Moment, wo der Himmel seine Schleusen öffnet. Aufgrund der enormen Hitze hatten wir für die Nacht nur das Innenzelt aufgebaut, so dass unser Zelt jetzt komplett ohne Regenschutz da steht. Ich schaffe es gerade noch Isomatten und Schlafsäcke zu retten. Nach dem Regen konnten wir das Zelt als Badewanne nutzen.



Dank des Makuti-Daches fällt aber wenigstens das Frühstück nicht ins Wasser. So schnell Der Regen gekommen ist, so schnell ist er auch wieder vorbei. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Wassermassen in Afrika in kürzester Zeit vom Himmel fallen.

Es wird auch weiterhin nicht langweilig beim Frühstück. Kaum ist der Regen vorbei, taucht eine große Gruppe Grüne Meerkatzen auf – mehr als 20 Tiere. In kürzester Zeit sind wir umzingelt. Es ist Zeit für den ersten Einsatz unserer Zwille. Deren Anblick stoppt zunächst einmal den Vormarsch der Affen und ein Schuss in die Büsche über ihnen ist dann schon Argument genug um sie zum weiterziehen zu bewegen.

Aufgrund unserer gestrigen Erfahrungen verzichten wir auf einen weiteren Gamedrive und machen uns direkt auf den Weg. Die in allen Karten und Berichten als „under construction“ beschriebene Brücke über den Wami-River, der südlichen Begrenzung des Saadani National Parks, ist inzwischen fertig gestellt. Somit ist es jetzt möglich, von Tanga bis Dar es Salam durchgehend entlang der Küste zu fahren, was einige größere Umwege erspart. Der Ranger am Gate kann einige Brocken Deutsch, die er gerne zum Besten gibt. Die Menschen in Tansania haben großes Interesse an Fremdsprachen und versuchen jede Gelegenheit zu nutzen sich in ihnen zu üben.

Unser nächstes Ziel war dann Bagamoyo, die Hauptstadt der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Wir hatten nicht viel Zeit und wollten nur mal kurz in das alte deutsche Fort hereinschauen. Als dort dann gleich jede Menge Guides auf uns zukamen, war uns das zu stressig in der Eile und wir verzichteten. So gab es nur eine kleine Stadtrundfahrt. Was wir dort sahen, bestärkte uns aber darin, mit mehr Zeit hierher zurück zu kommen und am besten im Ort zu Übernachten. In Bagamoyo scheint die Zeit seit Abzug der Deutschen Kolonialherren stehen geblieben zu sein. Alles macht einen verschlafenen, leicht morbiden Eindruck, da viele Kolonialgebäude dem Verfall Preis gegeben wurden.

Je mehr wir uns dann Dar es Salam näherten umso dichter wurde der Verkehr. Hinzu kam noch, dass auf der Zufahrtsstraße von Bagamoyo kilometerlang Baustelle war. Insgesamt muss ich aber sagen, dass das Autofahren in Dar es Salam wesentlich entspannter als in anderen afrikanischen Großstädten ist. Es wird sehr gelassen und rücksichtsvoll gefahren – fast schon amerikanisch. Wird in Nairobi zum Beispiel um jeden Zentimeter Strasse gekämpft, ist es in Dar es Salam überhaupt kein Problem in eine viel befahrene Strasse einzubiegen. Innerhalb kürzester Zeit hält jemand an und lässt einen vor.

Natürlich wollten wir auch die Vorteile einer Großstadt nutzen und Bargeld ziehen sowie einkaufen. Es ist unglaublich, wie viele ATM’s außer Betrieb waren. Zum Einkaufen fuhren wir zur Mlimani City Mall und sind erstaunt, als wir dort ankommen. So etwas hätten wir eher in den USA erwartet, aber nicht hier in Tansania, wo es in den meisten Großstädten noch nicht einmal einen normalen Supermarkt gibt. Hier gibt es alles, was wir suchen. Endlich auch Cola light in Dosen, wovon wir gleich mehrere Paletten kaufen.

Um zum south Beach von Dar es Salam zu kommen, müssen wir die Kigamboni Fähre nehmen. Ist mit 2.000TSH für Auto incl. Fahrer und 200TSH für jede weitere Person sehr günstig. Obwohl inzwischen 2 Fähren eingesetzt werden, betrug die Wartezeit doch fast eine Stunde. Besonders unangenehm durch die Hitze. Dazu steht man zunächst auch noch direkt neben dem Fischmarkt, von dem bei diesen Temperaturen ein bestialischer Gestank ausgeht. Rückt man dann in der Schlange weiter vor, wird die olfaktorische Qual durch eine Übung in extremer Selbstbeherrschung ersetzt. Permanent versuchen Eisverkäufer ihre Ware an den Mann zu bringen. Ein leckeres Eis wäre der Traum bei diesen Temperaturen, aber mein Vertrauen in eine lückenlose Kühlkette ist hier in Tansania nicht sehr groß und Magenprobleme kann man woanders auch besser auskurieren. Letztendlich siegt der Kopf über den Bauch.

Auf der Fähre ist es dann gerammelt voll. Die Autos stehen dicht an dicht. Jeder Zwischenraum ist mit Menschen und Gepäck gefüllt. An Aussteigen ist nicht zu denken.

Nach der Fähre sind es nur noch wenige Kilometer bis zu unserer Unterkunft, dem Kipepeo Beach Resort. Dort angekommen brauche ich erst einmal eine Kompensation für den Eisverzicht und gönne mir einen leckeren kleinen Mittagssnack an der Bar.

Baden gibt’s heute nur in der Kurzversion, denn ich habe mir bei der Autofahrt einen kräftigen Sonnenbrand auf den Oberschenkeln geholt. Den Rest des Tages verbringen wir lesend im Schatten. Zwischendurch plaudere ich noch ein wenig mit Gilbert, einem schweizer Motorradfahrer, der aus Addis Abeba hierher gefahren ist und gerade festgestellt hat, dass die Pistenverhältnisse zu einem doppeltem Rahmenbruch an seinem Motorrad geführt haben.

Nach dem sehr leckeren Abendessen genießen wir noch ein paar GinTonic bzw. Weißwein am Strand und beobachten dabei ein Gewitter, das sich mit kräftigem Wetterleuchten über dem Meer austobt.

Mit burischen Wagenburgen muss man sich übrigens nicht nur im südlichen Afrika rumärgern. Zurück an unserem Zelt müssen wir feststellen, dass uns solch eine Wagenburg bis auf 2m auf die Pelle gerückt ist. Der Grill steht 5m von unserem Zelt entfernt und wird noch kräftig frequentiert. So dauert es dann einige Zeit bis wir einschlafen, um dann um 4:00Uhr geweckt zu werden, weil die Buren ihre Wagen umparken. :evil: Von den ebenfalls auf der Campsite übernachtenden Overlandern bekommen wir dagegen überhaupt nichts mit.


Kipepeo Beach Resort:



Die Anlage ist ein beliebtes Ausflugsziel für die tansanische Mittelschicht und die Expats aus Dar es Salam.

Schöne Campsite mit überdachten Bank/Tisch-Kombinationen. Offiziell ist es zwar nicht erlaubt, Zelte unter diesen Überdachungen aufzubauen, es hält sich aber niemand daran. :whistle:

Große saubere Sanitäranlagen. Aus den Duschen kommt endlich mal richtig viel Wasser raus.

Das Restaurant bietet sehr leckere Swahili-Küche. Die Portionen sind etwas klein – wir haben beide jeweils zwei Gerichte gebraucht um satt zu werden. Man sitzt überdacht oder im freien direkt am Strand.


P.S.: Für diejenigen, die sich bei der Beschreibung solch reiner Reisetage eher langweilen, hier schon einmal eine Vorankündigung: Der nächste Tag bietet endlich wieder die afrikanische Tierwelt. :woohoo:
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04 Feb 2013 12:27 #274357
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7.Tag (Fr. 28.12.2012)
Dar es Salam „south Beach“ – Selous Game Reserve

195km

Nach der nächtlichen Ruhestörung durch unsere südafrikanischen Nachbarn schliefen wir wieder ein …und verschliefen prompt den Sonnenaufgang. :(

Wir konnten uns heute Morgen dann aber Zeit lassen, also gab es wieder ein leckeres Omelett.

Die Anreise zum Selous Game Reserve geht von Dar es Salam recht fix. Bis Kibiti hat man makellosen Asphalt unter den Rädern. Man kommt schnell voran, an manchen Stellen zu schnell, wie mir ein freundlicher Polizist mit Laserpistole mitteilte. Ich hatte eine Tempo 50 Zone übersehen was mich 30.000TSH kostete. Wenn man berücksichtigt, dass ich mit ca. 110km/h unterwegs war, eigentlich ein Schnäppchen. Mich ärgerte dabei auch nicht der Geldbetrag, sondern dass ich das 50er Schild übersehen hatte.

In Kibiti tankten wir noch einmal voll und bogen dann auf die Zufahrtspiste zum Selous Game Reserve ab. Bis Mkongo handelt es sich um eine Lehmpiste, die größtenteils frisch geschoben war und sich dadurch sehr gut fahren lies.

Ab Mkongo fährt man dann auf einer schmalen, aber guten Sandpiste durch dichten Trockenwald.



Auf der Piste saßen unzählige Schmetterlinge in riesigen Schwärmen, die leider nicht immer bereit waren wegzufliegen, wenn ein Auto kam. Ab und zu passierten wir kleine Dörfer.

Die kommende Nacht wollten wir noch nicht im Selous Game Reserve verbringen, sondern in einer der Lodges am Mtemere Gate, von denen einige auch eine Campsite anbieten. Unsere erste Wahl war die Ndoto Kidogo Lodge, die aber leider geschlossen war. Als nächstes steuerten wir daraufhin die Jimbazi Lodge an. Die hatte zwar geöffnet, allerdings konnte man die Campsite nicht mit dem Wagen erreichen und hätte die ganze Ausrüstung dorthin schleppen müssen – das mag für geführte Camping-Safaris aufgrund der zahlreichen Helfer in Ordnung sein, für uns kam es nicht in Frage. Aber man empfahl uns das nahe gelegene Hippo Camp, welches wir dann sogleich ansteuerten.

Das Hippo Camp stand in keinem unserer Reiseführer und war eine sehr gute Empfehlung. Hier konnten wir mit dem Wagen auf die Campsite fahren, auch wenn das Auto keine 10cm breiter hätte sein dürfen. Camp und Campsite liegen auf dem Hochufer des Rufiji River, der zusammen mit dem Ruaha River, in welchen er im Park mündet, dass größte Fluß-System Tansanias bildet. Das Zelt konnten wir im Schatten großer Bäume aufstellen, Tisch und Stühle nur wenige Meter weiter direkt am Ufer und ebenfalls im Schatten eines Baumes.



Die Sanitäranlagen waren sauber und funktionierten sehr gut. Allerdings brauchte man tagsüber aufgrund kaum vorhandener Fenster eine Taschenlampe. Nachts wurden dann Petroleum-Lampen aufgestellt – afrikanische Logik. :S Der Preis betrug 15US$ pro Person und Nacht.

Um 15:00Uhr starteten wir zum Gamedrive. In nur 15min. war das Gate erreicht. Hier wollten wir dann auch klären, wie wir die nächsten Tage gestalten. In allen Reiseführern und Berichten heißt es, dass man im Selous Game Reserve nur campen darf, wenn man einen Askari engagiert, der nachts das Zelt bewacht. Darauf hatten wir überhaupt keine Lust. Also waren unsere Alternativen für die nächste Nacht, entweder Camping ohne Askari oder eine zweite Nacht im Hippo Camp. Zu unserer eigenen Überraschung konnte Kathrin tatsächlich erreichen, dass wir ohne Bewachung im Park zelten durften. :) Somit ist alles klar für die nächste Zeit und wir mußten erst einmal eine ganze Stange Geld auf den Tisch legen. Das Selous Game Reserve war mit 75US$ pro Peron/Nacht der teuerste Park unserer Reise.

Für den heutigen Nachmittags-Gamedrive konzentrierten wir uns auf das Gebiet rings um Lake Mzizima und Lake Siwandu. Als wir ans Wasser kamen überraschten wir erst einmal ein Hippo. Anscheinend hatte es solch einen Kohldampf, dass es nicht bis zur Nacht, der für Hippos üblichen Essenszeit, abwarten konnte.



Der Osten des Selous Game Reserve ist eine flache Schwemmland-Ebene in der sich der Rufiji-River in zahlreiche Seitenarme verästelt und dabei auch mehrere Seen speist. Uns erinnerte diese Landschaft stark an den Moremi Nationalpark im Okavango-Delta.




Wir sehen viele Tiere, aber auch hier im Selous Game Reserve sind die meisten sehr scheu und somit nicht leicht zu fotografieren.


Dieser Impala-Bock hat dann wenigstens mal still gehalten. B) Er machte einen recht unversehrten Eindruck, weshalb wir annahmen, dass er keinem Raubtier zum Opfer fiel, sondern eines „natürlichen“ Todes starb. Wenn man das Verhältnis von Raubtieren zu Ihren potentiellen Beutetieren sieht, vermute ich sowieso, dass nur die wenigsten Pflanzenfresser gerissen werden.

Sehr schön war ein riesiger Giraffenbulle, der direkt auf der Fahrspur vor uns her galoppierte. Sah aus wie Zeitlupe, war es aber ganz und gar nicht, wie ein Blick auf den Tacho zeigte. Grasfresser wie Wasserböcke, Impalas, Zebras und Gnus sahen wir noch reichlich, aber sie hielten alle nicht still.

Bei den Vögeln war es mit dem fotografieren da schon deutlich einfacher, wie hier bei diesem wunderschönen Nimmersatt, einem Vogel dem ich mich schon allein aufgrund seines Namens verbunden fühle. :woohoo:



Zum Sundowner suchten wir uns einen schönen Platz am Ostufer des Lake Mzizima. So hatten wir es nicht weit zum Gate und die Sonne ging mit goldenem Licht hinter dem See unter.




Zur blauen Stunde waren wir dann wieder zurück im Hippo Camp, wo wir es uns am Fluss gemütlich machten.



An diesem Abend kochten wir wieder selbst. Es gab grüne Bohnen mit Speck; dazu eine Pfefferrahmsauce und Nudeln – sehr lecker.

Wenn man umher ging knirschte es hin und wieder, als wäre man auf ein Reagenzglas getreten, dass unter den Füßen zerbricht. Es stellte sich allerdings heraus, dass es sich dabei um den anscheinend sehr stabilen (wenn auch nicht stabil genug für meine 100kg) Panzer großer Tausendfüssler handelte, die nachts reichlich auf dem Gelände vorkamen. :S

Nach dem Essen genossen wir noch einige GinTonic und beobachteten dabei die vielen afrikanischen Glühwürmchen, die hier durch die Nacht schwirrten. Im Gegensatz zu unseren europäischen Glühwürmchen leuchten sie nicht kontinuierlich, sondern sind die ganze Zeit am flackern – halt typisch afrikanisch. ;)
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07 Feb 2013 13:48 #274871
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8.Tag (Sa. 29.12.2012)
Selous Game Reserve

176km

Der Tag beginnt früh. Noch im Dunkeln bauen wir das Zelt ab und starten ohne Frühstück. So sind wir bei Öffnung des Gates an Ort und Stelle. Den Papierkram hatten wir ja schon gestern erledigt, so dass wir ohne Verzögerung unseren morgendlichen Gamedrive beginnen können.

Unser Plan ist es, entlang der verschiedenen Seen bis zum Lake Tagalala zu fahren, wo sich die Public Campsite befindet.

Die Tierwelt ist wieder zahlreich vertreten, aber wie gesagt recht scheu, was das Fotografieren erschwert. Heute haben wir aber mehr Zeit und Muße, so dass doch die eine oder andere ganz passable Aufnahme gelingt.

Auffällig ist die große Anzahl Giraffen. So viele wie hier im Selous Game Reserve habe ich noch in keinen anderen Park gesehen.



Endlich sehen wir auch die ersten Elefanten. Die sind natürlich nicht scheu, aber dafür sehr in Eile. Im Stechschritt geht’s ohne anzuhalten oder zu fressen durch Busch und Sumpf. Wir können das über eine längere Strecke beobachten. Würde mich ja schon interessieren, was die so antreibt, zumal wir bald auch andere Elefanten-Herden sehen, die sich in keinster Weise von der Hektik anstecken lassen.



Auch Vögel gibt es wieder in großer Vielfalt zu beobachten, so wie diese Gabelracke, die gerade erfolgreich Beute gemacht hat. Echt ekelig, was die so fressen. :sick:


Erst wurde der Hundertfüsser so lange gegen den Ast geschlagen, bis der sich nicht mehr rührte und dann in einem Stück herunter gewürgt. Wenn man bedenkt, dass Hundertfüsser sehr aggressive und giftige Räuber sind, ein mutiger Vogel mit einem robusten Magen.

Zwischen Lake Manze und Lake Tagalala dann das Highlight des Tages – Löwen bei der Paarung. Sie hatten es sich im Schatten unter einem großen Baum gemütlich gemacht und ließen sich durch unsere Anwesenheit überhaupt nicht stören.



„Baby! Ich komme!“ B)

Die Geräusche und Grimassen, die die beiden dabei machten waren echt zum schreien. Wir haben uns köstlich amüsiert. Der Löwe entsprach dabei mit seinem Irokesen-Haarschnitt in keiner Weise dem Bild eines dominanten Paschas. Eine prächtige Mähne scheint doch nicht alles zu sein. :whistle:

Kurz vor 12:00Uhr kamen wir auf der Campsite an. Es gab zwei Makutis. Bei dem vorderen hatte sich schon eine tansanische Großfamilie installiert - das hintere war aber noch frei. Als ich unter das Dach trat, war ich plötzlich umgeben von mindestens einhundert Flughunden, die anscheinend unter dem Dach hängend den Tag verschlafen wollten und jetzt in alle Richtungen davon flatterten. Ich hoffe, die haben sich wenigstens genauso erschrocken wie ich mich. :P

Das Zelt war schnell errichtet, denn inzwischen knurrte der Magen schon so laut, dass er nicht mehr zu ignorieren war. Während Kathrin Ihre tägliche Obst-Kur auch heute nicht unterbrach, gab’s bei mir wieder einmal ein deftiges Speck-Tomaten-Käse-Omelett. :cheer:



Das Makuti-Dach war Gold wert, schütze es uns doch wenigstens vor der Sonne – es war auch im Schatten noch immer fast unerträglich heiß. Ansonsten war eine Infrastruktur auf dieser Campsite eigentlich nicht existent. Wasser gab es gar nicht und Kathrins Gesicht nach dem Besuch des Plumpsklos reichte aus, dass ich dieses Etablissement nie betreten habe. Da unser Makuti ringsum von Büschen umgeben war, hatten wir leider auch keine Aussicht – das andere Makuti stand deutlich freier.

Für den Nachmittag hatten wir uns einen Ausflug zur Stiegler’s Gorge vorgenommen. Die Schlucht wird in allen Reiseführern auf’s Höchste angepriesen und wir waren sehr gespannt. Uns stand eine Strecke von etwas über 50km für den einfachen Weg bevor und wir kamen erstmals in die Berge westlich der Schwemmland-Ebene. Unterwegs überraschte uns ein kurzer Schauer, der gleich dafür sorgte, dass die Pisten um einiges rutschiger wurden. Es trocknete aber schnell wieder ab und die Strecke lies sich im Großen und Ganzen recht gut fahren und führte durch eine sehr schöne grüne Landschaft. Wir sahen unterwegs immer wieder Tiere, wobei es aber schon deutlich weniger sind, als in der Ebene.

Als uns das Navi zeigte, dass wir nur noch wenige Hundert Meter von der Stiegler’s Gorge entfernt sind, verlor sich der Weg. Alle weiterführenden Spuren endeten nach kurzer Zeit oder waren in so desolatem Zustand, dass selbst ich es mich nicht traute ihnen zu folgen. :angry: Zu Fuß weitergehen ist in einem Game Reserve natürlich auch keine Option, wurde doch schon der namensgebende deutsche Naturforscher Stiegler hier von einem Elefanten zu Tode getrampelt. Der dichte Busch versperrte auch jede Sicht, so dass wir noch nicht einmal einem Blick auf die Schlucht erhaschen konnten.

Interessanterweise zweigte ganz in der Nähe aber eine recht gute Piste in Richtung Osten ab. Im Nachhinein nannten wir sie „die Piste, die es nicht gibt“, denn sie ist in keiner Karte eingezeichnet, das Navi kennt sie auch nicht und in allen Reiseführern wir explizit darauf hingewiesen, dass man Stiegler’s Gorge nur von Norden erreichen kann und es keinerlei direkte Verbindung zum Pisten-System in der Schwemmland-Ebene gibt. Genau das bot aber die Piste. Sie führte immer parallel zu Fluss in Richtung Osten. Wo es hinunter in die Ebene ging wurde die Strecke für kurze Zeit etwas anspruchsvoller und wir hatten erstmals einen Blick auf den Rufiji River.




Zur Navigation im Selous muss ich sagen, dass man ohne Navi keine Chance hat, sich ohne ständiges Verfahren im Park zurecht zu finden. Es gibt keinerlei Ausschilderung und die in der Karte (welche man am Gate erwerben kann) eingezeichneten Pisten sind nur ein Bruchteil der tatsächlich vorhandenen Pisten und stimmen in ihrem eingezeichneten Verlauf nur selten mit der Realität überein. Dazu kommt noch, dass es in der Ebene so gut wie keine Landmarken gibt, an denen man sich orientieren kann. Wer schon mal ohne Navi im Moremi National Park unterwegs war, weiß wovon ich rede.

Beim Kidai Ranger Post hatten wir dann wieder Anschluss zum bekannten Pisten-System. Es war schon recht spät und so fuhren wir auf direktem Weg zum Lake Tagalala, wo wir den Tag auf dem Autodach sitzend ausklingen ließen und zu gegebener Zeit mit Bier und Savannah auf den Sonnenuntergang anstießen.




Zur Campsite war es nicht mehr weit und wir begannen sogleich mit dem Kochen. Der als Askari bei unseren Campnachbarn stationierte Ranger kam vorbei und lies sich das Permit zeigen. Er war erstaunt, dass wir die Erlaubnis hatten, hier ohne Askari übernachten zu dürfen. Ich befürchtete schon eine längere Diskussion, aber er zuckte nur mit den Achseln und damit war das Thema erledigt.

Als es dunkel geworden ist, hören wir die Löwen brüllen. Die Stelle, wo wir die Löwen bei der Paarung beobachtet hatten ist nur ca. 3km entfernt und das Brüllen kommt aus dieser Richtung. Aus Richtung des Sees hören wir die Hippos – wir lieben die Geräuschkulisse afrikanischer Nächte. Nach dem Abwasch sehen wir noch eine kleine Ginsterkatze im Licht der Taschenlampe.

Noch ein paar kühle Drinks, dann geht’s ins Zelt. Zum Sichtschutz gegen Raubtiere haben wir heute auch das Überzelt aufbauen müssen – das wird eine heiße Nacht. :blink:
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9.Tag (So. 30.12.2012)
Selous Game Reserve – Kisaki

103km

Wie immer, wenn es morgens auf Gamedrive geht, verzichten wir auf das Frühstück. Dafür gibt es später dann einen Brunch.

Unser Ziel heute morgen ist das Gebiet südlich und östlich des Lake Tagalala, mit seinen Sand-Rivers. Bei den Sand-Rivers handelt es sich um Nebenarme des Rufiji Rivers, die nur zur Regenzeit Wasser führen und ansonsten ein ausgetrocknetes tiefsandiges Trocken-Flussbett aufweisen. Ganz ähnlich, wie man es von den Revieren in Namibia kennt.

Kilometerweit geht es durch tiefen Sand. Die meiste Zeit brauchen wir die Untersetzung. Luft ablassen ist nicht nötig. Zum Glück, denn so gut die Ausrüstung des Wagens ist, gehören Luftpumpe oder Kompressor doch nicht dazu. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass sandige Strecken in Tansania sehr selten sind.



Tiere sehen wir bei dieser morgendlichen Ausfahrt leider nur sehr wenige, so dass wir schon um 9:00Uhr zurück auf der Campsite sind.

Es sieht nach Regen aus, so dass ich beschließe, zunächst das Zelt abzubauen. Ein guter Entschluss, denn kaum ist es abgebaut, ergießt sich ein kräftiger Schauer über uns, aber das Makuti-Dach hält dicht, so dass wir ungestört essen können.

Nach einer halben Stunde ist der Regen weiter gezogen, doch er hat ausgereicht, dass die Landschaft großflächig unter Wasser steht.



Wir beratschlagen, was wir mit dem Rest des Tages anstellen sollen, und entscheiden uns, im großen Bogen durch die Kiyanguru Plains zum Matambwe Gate zu fahren, wo wir den Park heute verlassen wollen. Als wir starten, ist das Wasser an den meisten Stellen schon wieder verschwunden und auch die Wege sind schon recht gut abgetrocknet, jedoch immer noch recht rutschig.

Nach ein paar Kilometern kommen wir an einen Graben, den wir die letzten Tage schon mehrfach durchfahren haben, so dass ich mir trotz des Matsches, der sich jetzt am Grund gebildet hat, keine allzu große Sorgen mache. Der Graben ist recht steil und weißt am Grund einen scharfen Knick auf, so dass wir ihn aufgrund unseres großen Hecküberstands nur sehr langsam durchfahren können. Dadurch fehlt uns der Schwung und als die Hinterräder im Schlamm am Grund des Grabens sind, ist Feierabend. Ich hatte eigentlich darauf gebaut, dass die Vorderräder genug Traktion haben, um Die Hinterräder aus dem Schlamm zu ziehen, aber der Weg ist noch zu rutschig. Das ist der Nachteil bei den Pisten in Nationalparks, man steigt ungern aus, um den Weg genau zu begutachten, da man ja nicht weiß, wer hinter den Büschen liegt und die Stelle, wo sich gestern die Löwen paarten, ist nicht allzu weit entfernt.

Wat nu war die Frage. Aufgrund der Lage des Fahrzeuges war von außen kein herankommen an den Kofferraum. Glücklicherweise gab es eine kleine Durchreiche zum Fahrgastraum, so dass ich auf diesem Wege die Schaufel herausfrickeln konnte. Die Schaufel hatte ab diesem Moment dann ihren Stammplatz direkt hinter dem Fahrersitz, wo ich jederzeit an sie herankommen konnte. Den Highlift konnte man in dieser Situation überhaupt nicht einsetzen – ich wäre aber auch nicht an ihn herangekommen, da er ebenfall im Kofferraum seinen Platz hatte. :unsure:

Ausgraben geht in einem Graben natürlich nicht, man kann nur unterstützende Maßnahmen erledigen. Das hieß in diesem Fall, eine Drainage schaufeln, damit nicht ständig Schlamm nachläuft und Äste vor die Räder legen. Solch klebrigen Morast wie hier hatte ich meinen Lebtag noch nicht erlebt. Innerhalb kürzester Zeit klebte derart viel Lehm an meinen Tewas, dass es mir die Schuhe von den Füßen zog, bzw. man wie auf Plateau-Sohlen ging. Da half alles nichts, hier kam man nur barfuss weiter. Aber auch ansonsten sah ich innerhalb kürzester Zeit wie ein Schwein aus. Nach einer halben Stunde dann der erste Befreiungsversuch. Wir kamen auch recht gut aus dem Grund des Grabens, aber kurz bevor wir den oberen Rand erreichten verloren wir die Traktion und rutschen wieder nach unten. Leider nicht in gerader Linie, so dass wir jetzt auch noch diagonal im Graben standen. :S

Alle weiteren Befreiungsversuche scheiterten, so dass wir jetzt versuchen mussten externe Hilfe zu bekommen. Gefunden werden wir hier sicherlich nicht so schnell, denn von außerhalb waren wir in dem Graben praktisch unsichtbar. Auch war hier in der Gegend ziemlich tote Hose. Kathrin hatte schon die ganze Zeit auf dem Autodach Ausschau gehalten und noch kein anderes Fahrzeug entdeckt.

Glücklicherweise hatten wir Handyempfang – unglücklicherweise fand sich nirgends in unseren Reiseführern eine Telefonnummer zum Selous Game Reserve und auch auf den Permits gab es nichts dergleichen. So versuchten wir es mit unserem Autoverleiher. Dieser musste jedoch zu seiner Verwunderung feststellen, dass die ihm bekannte Nummer, des für das Selous Game Reserve zuständigen Park Wardens, nicht mehr funktionierte. Aufgrund dieser Erfahrung kann ich nur jedem empfehlen, sich am Gate die aktuelle Nummer des Wardens aufschreiben zu lassen. Wir verständigten uns mit unserem Vermieter, dass wir zunächst einmal abwarten sollten, dass die Piste soweit abtrocknet, dass wir ausreichend Traktion haben, den Graben aus eigener Kraft zu verlassen, ansonsten werde man sehen – Hakuna Matata. :pinch:

Ich bereitete den Wagen mit Ästen vor den Rädern dann so gut wie möglich vor. Danach hieß es warten. Von Zeit zu Zeit hupte ich kräftig, wir wurden aber von niemandem erhört. Rings umher sahen wir Schauer übers Land ziehen. Wenn uns einer davon erreichen sollte, wäre ohne externe Hilfe eine sehr ungemütliche Nacht garantiert.

Irgendwann kam es, wie es kommen musste. Es fing an zu tröpfeln. Jetzt half kein weiteres Warten mehr – jetzt kam der ultimative Versuch. Ganz sanft Gas geben, damit die Räder möglichst nicht durchdrehen. Der Wagen setzt sich tatsächlich in Bewegung. Dann auf halbem Wege drehen die Räder trotzdem durch. Der Wagen beginnt wieder zurück zu rutschen. Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren und gebe Vollgas. Der Motor röhrt mit voller Drehzahl und die Reifen radieren auf dem Boden, dass es qualmt, aber der Wagen bewegt sich langsam wieder nach oben. JA – JAAAAAA – JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! Kathrin meint, meinen Schrei der Erleichterung habe man sicher noch an den Gates gehört. :woohoo:

Solange wir feststeckten hatte ich natürlich mal wieder nicht ans fotografieren gedacht. :(


Wie immer kann man auf einem Foto nicht wirklich erkennen, wie steil das Ganze war. Wenn Ihr aber genau hinschaut, könnt Ihr den Abdruck des am Heck befestigten Reserverades am Gegenhang entdecken. Das sagt schon einiges…


Der Weg in die Freiheit. Bei Black Cotton Soil reicht schon eine dünne feuchte Schicht an der Oberfläche, um die Piste in eine Rutschbahn zu verwandeln.

Wir suchen uns erst einmal ein schattiges Plätzchen, um abzukühlen und durchzuatmen und zu beratschlagen, wie wir jetzt den Rest des Tages gestalten wollen. Immerhin haben wir 4h in dem Graben verloren.



Die Fahrt zu den Kinyanguru Plains war natürlich gestorben. Dafür reichte die Zeit längst nicht mehr. Wir beschließen, hier in der Umgebung noch einen kleinen Gamedrive zu machen und dann direkt zu unserer nächsten Unterkunft zu fahren. Ein wenig Entspannung haben wir uns heute verdient.

Das schöne an Afrika ist aber, dass man selbst an einem „gebrauchten“ Tag meist noch ein Highlight erlebt, das einen mit den Unannehmlichkeiten dieses Tages versöhnt. So auch bei uns. Wir waren noch gar nicht lange auf Pirsch, da entdecken wir unter einem Baum ein aus 8 Tieren bestehendes Rudel Wildhunde. Das Selous Game Reserve ist berühmt für seine große Population dieser seltenen Räuber.




Zwar ist auch hier aufgrund der Hitze nicht viel los, aber wir sind trotzdem glücklich, die Tiere überhaupt zu sehen und ganz so träge, wie ein Löwenrudel sind sie dann doch nicht.

Nachdem wir uns von den Wildhunden losreißen konnten, fahren wir auf direktem Weg zum Matambwe Gate. Unsere geplante Unterkunft, die Campsite des Selous Mbega Kisaki Annex Camps liegt nur wenige Kilometer hinter dem Gate.

Die Zufahrt ist sehr anspruchsvoll, ohne Untersetzung kommen wir den steilen, schlechten Weg nicht hoch. Im ersten Moment denken wir, das Camp wäre geschlossen, aber dann taucht doch jemand auf und führt uns herum.

Aufgrund der Lage am steilen Hang, wurden aufwendig terrassierte Stellplätze angelegt. Der Sanitärblock ist sauber und funktionell und es kommt auch reichlich Wasser aus den Leitungen – in Afrika keinesfalls selbstverständlich.



Da das Camp mitten im Wald liegt, ist vom Sonnenuntergang diesmal nichts zu sehen, der Sundowner findet natürlich trotzdem statt.

Zum Abendessen koche ich asiatisches Gemüse mit Oystersauce. Mit Einbruch der Dunkelheit schwärmen dann derart viele Nachtfalter, Käfer und sonstige Insekten umher, das es gar nicht so einfach ist, dieses vegetarische Gericht auch tatsächlich als solches zu genießen. :S
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14 Feb 2013 12:33 #276141
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10.Tag (Mo.31.12.2012)
Kisaki – Mikumi National Park

251km

Der heutige Tag ist Wolfgang (Hippie) hier aus dem Forum gewidmet. Ohne Ihn hätten wir nie Kenntnis und eine Beschreibung von der direkten Verbindung zwischen Selous Game Reserve und Mikumi National Park gehabt. Die Strecke war weder in unserer Karte noch in unserem Navi enthalten.


Dieser Wegweiser, an welchem wir im Mikumi National Park vorbei kamen, sagt schon eine Menge über die Strecke aus.

Die ersten 20km sind ziemlich schlecht, dafür ist die Orientierung sehr einfach. Man fährt immer nördlich parallel zur Eisenbahnstrecke, wobei man fast die ganze Zeit den Bahndamm als Orientierungshilfe sehen kann. Der Weg ist hier sehr schmal. Aus Kisaki heraus hatte ich zur Sicherheit sogar noch einmal nachgefragt, da ich zunächst dachte, auf einem Fußweg unterwegs zu sein. Es gibt dann unterwegs zahlreiche Schlammlöcher, die man besser umfährt. Auch sind die Spurrinnen oftmals so tief, dass man aufzusetzen droht, oder so voll Wasser und Schlamm, dass man besser versetzt zu ihnen fährt.

Es sind auch ein paar Bäche zu durchqueren, aber alles geht gut und nach 20km kommen wir auf eine bessere Piste. Diese kommt von links aus dem Selous Game Reserve. Wir biegen aber nach rechts ab, bleiben nördlich der Eisenbahn und kommen zu einem Ranger Post des Selous Game Reserve. Die Ranger sind dankbar für eine Abwechslung in Ihren Alltag hier in der Abgeschiedenheit. So ist natürlich neben der Registrierung in der üblichen Kladde vor allem ein Schwätzchen angesagt.

Ab hier grenzen Selous Game Reserve und Mikumi National Park direkt aneinander und die auf diesem Stück sehr gute Piste führt dieser Grenze folgend durch hügelige Landschaft mit Miombo-Trockenwald zum Mahondo Ranger Post des Mikumi National Parks. Auch hier sind wieder Registrierung und ein Schwätzchen fällig, denn auch dieser Rangerpost liegt sehr einsam. Die letzte Eintragung in den Registrierungsbüchern liegt fast zwei Monate zurück. :ohmy:

Eine Bezahlung ist übrigens bei den Ranger Posts nicht fällig.

Die Piste führt nun in den Mikumi National Park hinein. Zunächst geht es durch eine sumpfige Ebene. Teils über freie Flächen, aber auch durch dichten Wald. Häufig ist der Weg so zugewachsen, dass man kaum erkennen kann, wo es lang geht.



Das größte Problem bei diesen zugewachsenen Passagen ist, dass man den Untergrund nicht erkennen und einschätzen kann. So kam es dann auch wie es kommen musste. Ich erkannte zu spät, dass die Spur schlammig wurde und wir saßen fest. War diesmal aber nicht dramatisch und nach nur 5 Minuten konnte ich uns rückwärts wieder befreien. Versetzt zu den Spuren lies sich die Passage dann ganz einfach befahren.

Weiter ging es in die Vuma Hills. Die Piste wurde kurviger und steiler. An manchen Stellen sogar so steil, dass ich nur in Untersetzung hoch kam. Hier war die Fahrerei wieder sehr heikel, denn häufig war das Geläuf noch rutschig – zusammen mit den steilen Passagen eine ganz schlechte Kombination. Bei einer Abfahrt kam die Fuhre dann auch prompt ins Rutschen und ich konnte sie gerade soeben noch abfangen und um die Kurve dirigieren, bevor es den Abgang hinunter gegangen wäre. :pinch: Puh – da war mein Puls mal wieder auf 180.

Landschaftlich war die Strecke aber ein Traum. Aufgrund der Feuchtigkeit saßen Millionen von Schmetterlingen auf der Piste, um an die vom Regen aus dem Lehm gelösten Mineralien zu gelangen. Permanent flatterte es um einen herum und bei Schwärmen heller Schmetterlinge hatte man tatsächlich den Eindruck, als würde man durch ein dichtes Schneegestöber fahren.



Letztendlich erreichten wir unbeschadet den TanZam-Highway ganz in der Nähe des Main-Gates.

Die Strecke ist für Abenteurer eine interessante Alternative zur Standard-Strecke via Morogoro. In der Trockenzeit sicher recht passabel zu befahren, war sie bei den häufigen Gewittern während unserer Reisezeit schon grenzwertig. Während der Regenzeit ist die Strecke mit Sicherheit unpassierbar. Da man die ganze Zeit in, bzw. auf der Grenze von National Parks/Game Reserves unterwegs ist, sieht man unterwegs auch das eine oder andere Tier. Wir trafen auf Büffel, Warzenschweine und Impalas.

Unterwegs kamen wir auch immer wieder durch Areale mit TseTse-Fliegen, aber Kathrin hat mich mit einer Fliegenklatsche bewaffnet, tapfer vor diesen Blutsaugern beschützt.

Das Einchecken am Main-Gate ging sehr zügig. VISA wird akzeptiert. Eine Karte des Parks gibt es gratis dazu. Auch ein kleines Museum befindet sich beim Gate.

Wer Tiere sehen will, konzentriert sich im Mikumi National Park auf den Bereich nördlich des TanZam-Highways. Hier erstrecken sich die Floodplains des Mkata River ca. 50km Richtung Norden. Unser Plan war, diesen Bereich im Uhrzeigersinn zu erkunden.

Es sollte sich zeigen, dass dies keine so gute Idee war. Der Nordwesten glänzte mit unübersichtlichem Buschland, TseTse-Fliegen, schlechten und zum Teil unpassierbaren Wegen und der Abwesenheit von Tieren. Im Nordosten verschwanden dann zwar die die Büsche und mit Ihnen die TseTse-Fliegen, aber die Wege blieben schlecht und von Tieren war auch weiterhin nichts zu sehen. :angry:

Abwechslung brachte eine englische Familie, die sich auf der Piste in der schlammigen Fahrspur festgefahren hatte. Sie hatten weder Spaten, noch Abschleppseil dabei und versuchten gerade, Ihren Wagen mit den Händen auszubuddeln – entsprechend sahen Sie zum Teil schon aus wie die Schweine. Unser Abschleppseil allein war zu kurz. Ich kam nicht nah genug an den anderen Wagen heran, ohne zu riskieren mich selbst festzufahren. Also versuchte ich es zuerst mit unserer 9mm-Reepschnur, die wir dabei hatten. Dieser Versuch endete aber leider mit dem Ergebnis, dass wir jetzt zwei Reepschnüre haben. Aber wir hatten ja wenigstens einen Spaten. Damit und mit kräftigem Schieben, der ohnehin schon dreckigen Fahrzeugbesatzung konnte der Wagen wieder auf sicheren Untergrund gebracht werden.

Wir fuhren wieder zurück in Richtung Main-Gate und je mehr wir uns dem Gate näherten, umso mehr Tiere sahen wir. Letztendlich hätte das Areal im Halbkreis von 15km nördlich des Main-Gates vollkommen zum Gamedrive ausgereicht. Hier konzentrierte sich fast die ganze Tierwelt.
Hier standen wir dann auch bei bestem Licht inmitten einer riesigen Elefantenherde, die sehr entspannt war und uns komplett ignorierte. Der Umgang von Elefantenmüttern mit Ihren Kälbern ist dabei immer besonders schön zu beobachten. :)

Auch ansonsten war dies ein ganz vorzüglicher Platz und wir beschlossen hier an Ort und Stelle den Sundowner zu zelebrieren. Es war ein tolles Arrangement, welches wir auf dem Autodach sitzend genießen durften. :cheer:

Rings um uns die Elefanten,…

…vor uns die hinter den Udzungwa Mountains untergehende Sonne...

…und hinter uns, vom Licht der untergehenden Sonne, dramatisch angestrahlte Gewitterwolken.


Dann hieß es sich loszureißen, um noch im Hellen auf der Campsite anzukommen. Die Ranger am Main-Gate hatten uns die Campsite Nr.3 empfohlen, da sie sehr schön sei und die Sanitäranlagen funktionieren. Die Lage direkt bei einem großen Baobab war in der Tat sehr schön und die Sanitäranlagen funktionierten tatsächlich, waren aber sehr basic.



Nachteil war, dass man den nur 1km entfernten TamZam-Highway und die im Headquarter stattfindende Sylvesterparty hörte. Zwar beides nicht in einer Lautstärke, die uns beim schlafen gestört hätte, aber man fühlte sich hat nicht in der Wildnis. Da hätte man bei besserem Komfort und günstigerem Preis auch im Ort Mikumi übernachten können. Leider war auch die Feuerstelle mit leeren Getränke-Plastikflaschen vermüllt. So etwas mag ich ja gar nicht. :evil: Es war aber eh zu heiß, um es am Lagerfeuer gemütlich zu finden und so verzichteten wir auf ein Campfire und bauten unser Zelt in der Picknick-Area auf.

Ich kochte Gemüse süßsauer und nach dem Essen verbrachten wir den Rest des Abends mit GinTonic bzw. Wein auf dem Autodach. Über uns die Sterne und rings umher mehrere starke Gewitter mit reichlich Wetterleuchten.

Sylvester fiel für uns aus – zum Jahreswechsel lagen wir längst friedlich schlummernd im Zelt.
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11.Tag (Di. 01.01.2013)
Mikumi National Park – Crocodile River Camp

100km

Da die Sylvesterparty ausgefallen war, sprach auch nichts dagegen, zur üblichen Zeit, dass heißt mit Beginn der Dämmerung, aufzustehen. Das sieht dann immer so aus, dass ich zunächst einmal vorsichtig den Kopf durch den nur wenig geöffneten Reißverschluss stecke, um die Umgebung nach Besuchern abzusuchen. Das war heute auch gut so, denn ich schaue einem nur 5m entfernt stehenden Büffel in die Augen. Der Blick eines Büffels ist immer gleich und kann alles bedeuten: stumpfsinnig, gelangweilt, aggressiv, vorsichtig, neugierig – ich werde aus den Viechern einfach nicht schlau.

Wir warten lieber bis sich der Büffel etwas verzogen hat, bevor wir das Zelt verlassen. Heute steht nur eine kurze Etappe an und wir haben ausreichend Zeit. Dann wird in Rekordzeit das Camp abgebaut und wir starten zum Gamedrive. Frühstück fällt wie üblich an solchen Tagen zunächst einmal aus.

In der Umgebung der Campsite gibt es noch weiter Büffel.


Auch ansonsten waren viele Weidegänger auf den Plains zu sehen, aber meist nur in größerer Entfernung. Es war nett, aber ohne erwähnenswerte Höhepunkte.

Unser heute morgen ausgefallenes Frühstück holten wir auf einer sehr schön an der Mwanabogo Road gelegenen puplic picknick site nach. Wir parkten unter einigen großen Bäumen, die uns Schatten spendeten und bauten dort Tisch und Stühle auf. Im Hintergrund eine große Zebraherde und zahlreiche Impalas. Ich liebe solch ein Unterhaltungs-Programm zum Essen.



Nach dem Essen machten wir uns dann auf den Weg zum Gate, um den Park zu verlassen. Unterwegs sahen wir noch ein einzelnes Löwen-Männchen, welches aber gänzlich unfotogen im hohen Gras schlief. Aber es sind ja nicht nur die großen Tiere, die es in Afrika zu sehen gibt. Die Kleintiere und Vögel sind genauso interessant. Diese zu fotografieren ist aber oftmals besonders schwierig, so dass ich froh war, dass dieser gefiederte Freund brav sitzen blieb, als wir direkt neben ihm anhielten.


Wenn ich das Bestimmungsbuch richtig interpretiert habe, handelt es sich dabei um einen Long-Tailed Fiscal.

Als abschließendes Urteil über den Mikumi National Park würde ich sagen: Nett. Nichts Besonderes, nichts Spektakuläres, aber doch alles, was die afrikanische Natur so zu bieten hat. Kein Park, wegen dem man extra in den Süden fährt, den man aber auf jeden Fall mitnehmen sollte, wenn man sowieso vorbei kommt.

Dann ging es auf dem TanZam-Highway in Richtung Iringa. Zunächst stand aber ein Versorgungsstop im Ort Mikumi an. Am dringendsten benötigten wir Sprit. Das letzte Mal hatten wir auf der Zufahrt zum Selous Game Reserve getankt und inzwischen war selbst der Zusatztank bis auf ein Viertel lehr. Diese Strecke war im Übrigen die Einzige, auf der wir den Zusatztank anbrechen mussten. Ansonsten sind wir immer mit dem normalen Tankvolumen hingekommen. Insgesamt hat der Wagen im Gelände somit eine Reichweite von ca. 800km.
Auch Obst und Gemüse konnten wir in Mikumi erstehen, bevor es weiter ging. Der TanZam-Highway führt zunächst durch eine grüne Mittelgebirgslandschaft und führt dann hinunter ins tief eingeschnittene Tal des Great Ruaha River. Hier wollten wir die Nacht verbringen.

Unser eigentliches Ziel, das Baobab Valley Camp machte einen öden, verlassenen und verwahrlosten Eindruck, so dass wir weiter zum nur wenige Kilometer entfernten Crocodile River Camp fuhren. Dort war zwar genauso tote Hose, aber das Camp machte einen äußerst gepflegten Eindruck und man konnte dort in einem Restaurant zu Abend essen.

Eine separate Campsite gibt es nicht. Man kann sich hinstellen, wo man will. Wir wählten einen schattigen Platz direkt am Flussufer, wo wir die restlichen Stunden des Tages mit Lesen verbrachten. Hin und wieder sorgte eine große Gruppe Grüne Meerkatzen für Unterhaltung, die durch die Bäume tobte oder uns neugierig beobachtete. Angenehm war, dass die Affen nicht ein einziges Mal versuchten uns zu beklauen.



Die Sanitäreinrichtungen des Camps waren sehr einfach aber sauber. Das Personal war sehr freundlich aber zurückhaltend – genauso wie ich es mag.

Nachts hörte man den nahe gelegenen TanZam-Highway und einen Generator.

Im Restaurant gab es deftige Kost mit großen Portionen zum kleinen Preis. Obwohl sehr lecker musste ich vor den Mengen auf meinem Teller kapitulieren.

Im Nachhinein mussten wir aber feststellen, dass es noch besser gewesen wäre, wenn wir an diesem Tag noch bis Iringa weiter gefahren wären. Die Zeit dafür hätten wir allemal gehabt. Bei Iringa sollten wir ein Paar Tage später eine wirklich sehr schöne Unterkunft entdecken und wir hätten aufgrund der kürzeren Anreise mehr Zeit im Ruaha National Park gehabt.

Ihr seht, wir hatten auch ganz entspannte, fast schon langweilige Tage – zumindest diesen einen. B)
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