THEMA: Noch ein Reisebericht - Tanzania April 2012
26 Jun 2012 07:31 #240775
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  • Topobär am 26 Jun 2012 07:31
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Schau einfach mal bei der Anzahl der Aufrufe nach, dann siehst Du, dass Dein Bericht von vielen gelesen wird. Mir gefällt er sehr gut.
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26 Jun 2012 17:10 #240885
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Hallo Topobär,

hast ja recht und vielen Dank. Es sollte sich auch keiner genötigt fühlen, Kommentare abzugeben. Ich war nur ein wenig irritiert, weil ich ja auch die anderen Berichte lese und man oft zwischen all den Beiträgen suchen muss, wo es weitergeht. Ich bin nun zufrieden, liebe interessierte Besucher, also einfach nur lesen und/oder schauen.

Die Fotos vom letzten Berichtstag folgen nun:

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27 Jun 2012 12:16 #241013
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Auf in die Usambaraberge. LG Ina

Montag, 09.04.12

Wir haben fantastisch geschlafen. Endlich mal ein Bett, das lang genug für Andre ist. Trotzdem bin ich früh wach. Als Wecker dienen hier der laute Gesang der Vögel und auch das Schreien eines Buschbabys. Letzteres lässt mich gegen 5.30 Uhr fluchtartig das Bett verlassen. Wie gerne würde ich eins vor die Linse bekommen. Mutti ist auch schon wach, so stromern wir im Dunkeln durch den Garten. Die Wachleute denken wahrscheinlich, wir haben sie nicht mehr alle. Als Mutti mir aber ein hoch im Baum schlafendes Perlhuhn zeigt, das ich anleuchte und fotografiere, eilen sie gleich herbei und wollen uns mehr Perlhühner zeigen. Ahsante sana, eins reicht. Aber den Hammerkopf muss ich unbedingt am neuen Nest erwischen, auf das mich gestern der Lodgebesitzer aufmerksam gemacht hat. Ich werfe den Kopf in den Nacken, warte eine ganze Weile, aber oben auf dem Baum rührt sich nichts.
Morgenschreck: Mutti plumpst beim Zähneputzen ein Gecko von der Wand auf das Waschbecken. Das Frühstück findet im Freien statt und ist lecker. Plötzlich überfliegt uns ein Hammerkopf mit Nistmaterial im Schnabel. Für mich ist damit das Frühstück beendet. Mutti verziert inzwischen zwei Ostereier mit Folienbildern und schenkt eins davon dem Kellner, der sich riesig darüber amüsiert. Nachdem ich ausgiebig gefilmt habe, neben den Hammerköpfen auch ein Paar großer Tokos, esse ich noch etwas und freue mich über mein verziertes Ei. Bald springe ich jedoch wieder auf, um weitere Fotos zu machen. Also bekommt der Kellner auch noch mein Osterei und die ganze Tüte mit den Osterbildern. Mutti erklärt ihm noch einmal wie es funktioniert und er ist happy.
Wir haben noch Zeit, den herrlichen Garten zu genießen und bedauern, nicht länger bleiben zu können. Um 10 Uhr holt uns dann Herr Muller, der Betreiber der Mullers Mountain Lodge ab. Vor uns liegen 5 Stunden Fahrt in den westlichen Teil des Usambaragebirges. Bei klarem, sonnigem Wetter geht es auf der Verbindungsstraße Richtung Daressalam nach Moshi, später vorbei an riesigen Baobabs, Dörfern, Sisalplantagen – zur anderen Seite ein endloser Gebirgszug. Wieder ganz neue Landschaftseindrücke. Das Pajegebirge geht nahtlos in die Usambaraberge über. Wir fahren in Serpentinen eine ordentliche Straße hoch bis Lushoto. Die letzten 14 km zur Lodge geht es über eine kurvige, löcherige Sandpiste. Gegen 15.30 Uhr sind wir da. Puh, nun reicht es aber auch.
Das Anwesen, ein Farmhaus aus den 30er Jahren mit heimatlich anmutendem Obst- garten liegt traumhaft schön, der Empfang ist herzlich. Wir bekommen Sandwichs und probieren die richtige Kaffeemischung im Biergarten. Dabei verziehen wir uns unter einen Schirm, weil es grummelt und etwas regnet. Ab 14 Uhr soll es hier immer regnen. Na wenn das alles ist? Die Sonne scheint schon wieder. Dann ist Ausspannen angesagt in den oben am Berghang gelegenen Bungalowzimmern mit Panoramablick.
Zum ersten Mal geben wir ein paar Blusen und Hemden zur Wäsche. Ich lösche überflüssige Bilder auf Andre’s Laptop. Natürlich erst, nachdem die ersten Fotos von den hier lebenden Vögeln im Kasten sind. Mit Rücksicht auf Muttis Fußgelenk wird heute von Wanderungen abgesehen, auch wenn es ihr nach eigenen Aussagen wieder blendend geht. Von der Terrasse aus kann man das Treiben auf einem kleinen Dorfplatz beobachten. Schöner Sonnenuntergang.
Das Abendbrot geht so, der kleine Speisesaal ist voll belegt. Für morgen früh vereinbaren wir einen Ausflug zum Irente View Point per Auto. Tapfere Wanderer laufen im Rahmen eines Tagesausflugs dorthin, aber das sind wir nicht. Wir plauschen mit Gästen nebenan und sind insgeheim froh, nicht so ein stressiges Reiseprogramm zu haben.
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27 Jun 2012 12:23 #241016
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Hallo Ina,
ich lese Deinen Bericht auch fleißig mit, danke für die viele Mühe! Auch die Bilder sind sehr schön! Ich war noch nie in Tanzania, aber es steht auf jeden Fall auf meiner Wunschliste. Freue mich auf die Fortsetzung!
LG, Alexa
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27 Jun 2012 14:22 #241045
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Danke, Alexa. Und hier die Fotos dazu. LG Ina

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27 Jun 2012 15:53 #241070
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Dienstag, 10.04.12

Wir werden von unglaublichem Krach geweckt, den Rabenvögel beim Spaziergang auf unserem Wellblechdach veranstalten. Der Garten ist voll von ihnen, ganze Schwärme kreisen am Himmel. Die Sonne lässt letzte Nebelschwaden verschwinden. Auf blühenden Büschen glitzert Morgentau. Wieder ein Ausblick während meiner Tai Chi Übungen, der sich ins Gedächtnis einprägt. Mutti leistet mir Gesellschaft.
Nach dem Frühstück fahren wir zum Irente View Point. Das Wetter ist super und ich rutsche ungeduldig im Auto umher, weil die Fahrt so viel länger dauert, als von Herr Muller angekündigt. Die Viertelstunde gilt wahrscheinlich erst ab Lushoto. Der Fahrer fährt sehr vorsichtig die letzten Serpentinen hoch, dann sind wir gegen halb elf endlich da. Durch ein Hotel hindurch gelangen wir zum eigentlichen Aussichtspunkt. Wie vorher angekündigt, steigt trotz des blauen Himmels mit Schäfchenwolken Frühnebel die steile 1000m hohe Gebirgswand herauf. Wir können unendlich weit über die Maasai-Ebene sehen - Sisalfelder, die Straßenführung, Dörfer, vereinzelte Erhebungen. Fantastisch. Wir bleiben einige Zeit, um die Aussicht bei immer besser werdenden Sichtverhältnissen zu genießen. Zu uns gesellt sich ein junger Einheimischer, der sich als Guide anbietet. Er erklärt, was zu sehen ist, begleitet Andre und mich bei einer Klettertour unter den Felsvorsprung und schleppt Mutti eine Vielzahl kleiner, bunter Blümchen an. Dabei wollte sie nur wissen, wo man die Usambaraveilchen finden kann, schließlich sind die Berge nach ihnen benannt. Er versteht die Frage nicht. Sie veranstalten einen kleinen Sprachkurs Deutsch-Suaheli. Er macht sich eifrig Notizen. An einem Souvenirstand kauft Mutti eine geschnitzte Schildkröte und ich zwei Holzperlenarmbänder.
Auf dem Rückweg halten wir in Lushoto, dem Verwaltungszentrum mit vielen Spuren aus der deutschen Kolonialzeit. Andre geht in ein Internetcafe, um die e-Mails zu checken. Das geht katastrophal langsam. Mutti und ich bummeln inzwischen durch den verschlafenen Ort, ich fotografiere unauffällig das Straßenleben. Viele Schulkinder sind gerade auf dem Nachhauseweg, hübsch anzusehen in ihren blauen Uniformen. Mutti macht einen Fehler und verteilt ein paar Süßigkeiten und Kugelschreiber. Dann können wir uns vor dem Andrang kaum retten. Leider bekommen nicht alle etwas, aber sie strahlen trotzdem und winken.
Zurück in der Lodge gibt es Pommes mit Salat. Sandwichs wären uns lieber, aber das Brot ist aus. Danach ein Mittagsschläfchen für drei. Von Regen keine Spur.
Im Garten gibt es bisher nicht gesehene, auffällig bunte und gepunktete Vögel (Hauben-Bartvögel). Ich klettere hinter den Bungalows am Waldrand herum und habe bald lauter Ameisen unter der langen Hose. Die beißen ganz fies, also schnell zurück ins Zimmer. Hosen runter. Unter lautem Fluchen pflücke ich die Krabbeltiere einzeln ab. Andres Mittagsschlaf ist damit auch beendet. Wenigstens kann er sich über mich amüsieren.
Am Nachmittag gehe ich mit Mutti wandern. Ein Junge bringt uns ein Chamäleon. Hat sich also auch schon bis hier herumgesprochen. Wir machen Fotos und versprechen ihm ein kleines Geschenk, wenn wir zurück sind. Die Tour ist anfangs anstrengend, es ist warm und der Weg geht überwiegend bergauf. Der Bergwald mit seinen hohen Eukalyptusbäumen und der Blick auf die Häuser und Felder der Einheimischen lohnen die Mühe. Bald begleiten uns drei Schulmädchen. Die Verständigung klappt mit ihren beschränkten Englisch- und meinen beschränkten Suahelikenntnissen irgendwie ganz gut. Von überall winken uns Kinder zu, die Leute grüßen freundlich. Bei unserer Rückkehr wartet der Junge schon auf uns. Mutti packt etwas für ihn ein und ich bringe es ihm vor den Eingang der Lodge. Wieder die ätzenden Treppen runter und hoch – jetzt habe ich aber weiche Knie. Hut ab, wer bei den Temperaturen zum Bergwandern oder Mountainbike fahren hierher kommt. Wir sind verschwitzt und völlig k.o. Erst mal duschen, was für ein Luxus hier am Ende der Zivilisation.
Für morgen wird eine Vogelwanderung mit Guide verabredet, noch vor dem Frühstück soll es losgehen. Beim eher durchschnittlichen Abendessen sind wir die einzigen Gäste.
Der Strom ist irgendwann weg, der Generator wird angeworfen. Mehrfach wird es kurz dunkel. Hoffentlich kommt Andres Laptop am Ladegerät nicht zu Schaden.
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