THEMA: Kenia 2021: Die Entdeckung der Langsamkeit
19 Dez 2021 12:21 #632680
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Ihr Lieben,

im September waren wir zum zweiten Mal in Kenia, diesmal in Samburu/Buffalo Springs und in der Masai Mara. Während Samburu im Norden Neuland (und ein ausgesprochener Wunsch) war, hatten wir die Mara bereits drei Jahre zuvor bereist - und waren mit sehr ambivalenten Gefühlen zurückgekehrt. Schockierende Touristenmassen auf der einen Seite, aber auch ein einzigartiger Tierreichtum auf der anderen.

Reisebericht Masai Mara 2018

Ich hatte damals schon den Rat einiger Forumsmitglieder beherzigt :kiss: und angekündigt, dass wir noch einmal zu einer mutmaßlich etwas ruhigeren Reisezeit als mitten im August zurückkehren würden, der die Hochzeit der Crossings und damit leider eben auch der Besucher ist. Dieses Versprechen nicht zuletzt an uns selbst lösten wir nun also ein.





Wir haben die Tour erst wenige Wochen vor der Abreise und damit ungewöhnlich kurzfristig gebucht, allzu häufig hatten wir Reisen zuvor wegen Corona verschieben oder gar stornieren müssen. Bei unseren Überlegungen zum Reiseziel wurde ziemlich schnell klar, dass wir beide völlig ausgehungert waren nach Safari und daher vor allem eins wollten: Tiere, Tiere und nochmals Tiere.



Dass wir das in der Mara bekommen würden, war klar. Auch etwas Neues sollte dabei sein, und unsere Wahl fiel auf Samburu, wo vor allem ich wegen seiner besonderen Landschaft und Tiere schon immer einmal hinwollte. Unsere Reiseagentur riet etwas verhalten ab, weil die drei dicht beieinanderliegenden Schutzgebiete Samburu, Buffalo Springs und Shaba in der dort heftigen Trockenzeit auch von den Viehherden der Einheimischen genutzt werden. Wir wollten dennoch hin, nach bewährtem ostafrikanischen Muster mit eigenem Driver-Guide.





Wir wollten uns zudem komplett auf die beiden Ziele Samburu und Mara konzentrieren. Vom Job und vom Corona-Dauerthema vollkommen ausgelaugt, wünschten wir uns vor allem eins: Ruhe. Dass das auch auf Safari geht, wo die Nacht per se um 5 Uhr endet, will einigen unserer Freunde nicht in den Kopf. Vermutlich stoßen wir hier auf verständigere Seelen ;).





Wenn auch ohne Langschläferei, wollten wir uns vollständig und vorbehaltlos einlassen auf die jeweiligen Umstände und Gegenden, innerlich ankommen und nicht allzuviel hin- und herpacken oder umziehen. Auf neudeutsch: entschleunigen. Der Lake Naivasha schaffte es zudem als notwendige Unterbrechung der lange Strecke Samburu - Masai Mara ins Programm, das am Ende so aussah:

12.9.21 - 13.9. Four Points By Sheraton Hotel, Nairobi
13.9. - 18.9. Ashnil Samburu Camp
18.9. - 19.9. Naivasha Sopa Lodge
19.9. - 27.9. Malaika Bush Camp



So kurz vor Weihnachten ist vielleicht nicht die allerbeste Zeit, um einen Reisebericht zu beginnen, denn die Tage sind ausgefüllt mit Familienbesuchen und die Gedanken der meisten wohl eher nicht im Forum. Für mich ist die Gelegenheit allerdings günstig, denn wir haben Urlaub, den wir leider nicht wie geplant in Südafrika verbringen werden, und damit Zeit. Ich nutze sie sehr gern, um noch einmal in Erinnerungen abzutauchen, am liebsten gemeinsam mit euch - wenn ihr mögt. Über virtuelle Begleitung würde ich mich sehr freuen!

Liebe Grüße und einen schönen vierten Advent,
Betti

Reisebericht Kenia 2021
Reisebericht Namibia 2019

Reisebericht Kenia (Masai Mara) 2018

Reisebericht Südafrika (Krüger) 2017

Reisebericht Tansania Februar 2016

Reisebericht Namibia 2015

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20 Dez 2021 15:13 #632805
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"Oh my Goooood" - Es geht los!

Bislang hat schon allein die Vorfreude auf unsere Reisen immer eine gewaltige Rolle für mich gespielt. Rechtzeitig die Siebensachen packen und sortieren, von Medikamenten bis hin zum Schlüpperzählen, all das befeuert bereits meine Sehnsüchte und Hoffnungen, was da wohl kommen möge.

Diesmal glaube ich erst wirklich an diese Reise, da sind wir am Hamburger Flughafen schon auf dem Weg zum Gate. Noch nie waren wir gefühlt so unvorbereitet und mich beschleicht wiederholt das Gefühl, etwas Wesentliches vergessen zu haben. Was glücklicherweise nicht der Fall ist.

Im Zentrum der Vorbereitungen steht ja neuerdings ohnehin nicht mehr die Frage, ob ausreichend Repellent an Bord ist oder auch eine Taschenlampe, sondern die nach dem Timing des Corona-Tests - und dessen Ergebnis. Das lautet zweimal negativ, und so steigen wir am 12. September guter Dinge und dauerhaft maskiert erst in den Flieger nach Frankfurt und dann nach Nairobi.

Löwen in der Mara


Wegweiser in Buffalo Springs


Der Flug bleibt ohne weiteren Befund, was gut ist, auf dem Rückweg werden wir ganz andere Erfahrungen machen. Am Abend landen wir erschöpft, aber glücklich, werden am Flughafen abgeholt und zu unserem Hotel gebracht, das anders als beim letzten Mal direkt um die Ecke liegt. Eine Wohltat nach dem langen und ermüdenden Sitzen. Auch das Zimmer gefällt uns richtig gut, wir schlafen wie die Babys und sind am nächsten Morgen erstaunlich fit und voller Tatendrang.

Es ist noch früh, als wir unseren Driver-Guide auf dem Parkplatz vor dem Hotel treffen. Ein wichtiger Moment, hängt von dieser Personalie doch ein Großteil des Safarie-Erfolgs und Wohlbefindens ab. Wir haben schon beinahe die gesamte Klaviatur der Erfahrungen durch, beim letzten Mal waren wir mittelmäßig zufrieden und hatten das auch so bei der Agentur hinterlegt.

Wir hatten mehrere Varianten dieser Reise gedanklich durchgespielt. Die Strecken fliegen und jeweils einen Guide vor Ort nehmen oder doch lieber ein Driver-Guide, der uns von A bis Z begleitet? Wir entschieden uns für Letzteres, wohl wissend, dass dies ein gewisses Risiko birgt. Läuft es mit dem Guide nicht ideal, können 14 Tage verflixt lang werden. Passt es jedoch, können die Erlebnisse perfekt aufeinander aufbauen und eine Safari unvergesslich werden lassen. Diese Erfahrung hatten wir unter anderem Jahre zuvor in Tansania gemacht, damals mit dem überragenden Abraham.

Reisebericht Tansania 2016: Die Geburt der Gnus

Livingstone, der eigentlich vorne anders heißt, aber nicht zuletzt der Einfachheit halber so genannt werden will, ist uns sehr sympathisch und bleibt es auch, als wir auf dem langen Weg nach Samburu die erste Gelegenheit haben, uns ausgiebig zu beschnuppern. Er ist freundlich, offen, selbstbewusst und seit vielen Jahren im Job. Dass dies keinerlei Abnutzungserscheinungen mit sich gebracht hat, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ist aber ein großes Glück. Zu seinen Eigenarten zählt, dass er ziemlich häufig "My Goodness" sagt; wahlweise "Oh my God". Je nachdem, wie beeindruckt er von etwas ist, zieht er das "o" lang, und ein "Oh my Gooooood" aus seinem Mund reicht später vollkommen aus, um all unsere Antennen blitzartig auszufahren.

Picknick mit Livingstone in Buffalo Springs


Hinter Nairobi lichtet sich der Verkehr und nimmt zusehends ab, je weiter wir nach Norden kommen. Die Fahrt ist mit über sechs Stunden lang, aber auf makellosen Straßen nicht unangenehm. Ohnehin sind wir viel zu glücklich darüber, nun auch tatsächlich hier zu sein, um ein Haar in der Suppe zu finden. Wir umrunden den gewaltigen Mount Kenya, der seinen schneebedeckten Gipfel zeigt, seine grünen Hänge wechseln zusehends über in eine staubige, ausgedörrte gelb-rote Landschaft.



Diese wüstenartige Gegend hat immer mit Wassermangel zu kämpfen, in dieser Jahreszeit und in diesem Jahr aber besonders. Seit Februar hat es nicht mehr geregnet, mit katastrophalen Folgen für die Einheimischen und ihr Vieh. Vor allem weiter nördlich sind die Probleme immens.



Die Wildtiere im Buffalo Springs Reservat, das wir gegen Mittag erreichen, stehen allerdings noch gut im Saft.

Netzgiraffen in Buffalo Springs






Was vor allem an den vielen Quellen und Wasserlöchern liegt, die dem Nationalreservat seinen Namen geben, sowie am Ewaso Ngiro River, der immer Wasser führt und manchmal sogar zuviel. Wie im vergangenen Winter, als sich Kenia vor Regen kaum retten konnte, der Fluss zum reißenden Strom wurde und unter anderem die Brücke zerstörte, die Buffalo Springs und Samburu sehr praktisch miteinander verbunden hatte. Auch das Ashnil Camp, idyllisch an seinem Ufer gelegen, wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen, einige der zeltartigen Unterkünfte sind noch nicht wieder aufgebaut und werden es wohl auch nicht mehr.

Elefanten gegenüber von unserem Zelt...


...und wer da sonst noch so lebt.


Aus reiner Besuchersicht ist die Lage des Camps eine Wucht, der Style etwas überholt, unser Zelt großzügig und ausreichend in Schuss. Alles in allem können wir es hier gut aushalten. Den Pool hätte ich schon aus ökologischen Gründen nicht gebraucht, ebenso wie den Zaun um die Anlage herum, den ich zuerst schlichtweg nicht schön finde und später sogar unerträglich. Dazu in einem anderen Kapitel mehr. Ein Traum ist allerdings der Garten mit Palmen, alten hohen Bäumen, in denen die Affen toben, und einer Vielzahl von Vögeln.

Unser Camp vom anderen Ufer aus, ganz rechts eins der noch immer vom Wasser zerstörten Zelte






Um 16 Uhr brennt die Sonne nicht mehr ganz so gnadenlos vom Himmel und Livingstone startet einen ersten Gamedrive. Schon auf dem Weg hierher hat er uns erklärt, dass er Dinge häufig anders angeht als seine Kollegen, und damit en passant um Vertrauen geworben. Noch wissen wir nicht genau, was er damit meint. Nun aber fragt er uns, was wir uns wünschen, was wir erwarten. Wir überlegen kurz. "Nothing is more boring than sleeping cats", antworte ich. Damit ist alles gesagt. Es dreht sich nicht alles um Katzen, und schon gar nicht um jeden Preis. Der Handlungsspielraum, der sich für ihn dadurch ergibt, gefällt ihm sichtlich.

Familie Kappengeier,...


...wie immer akkurat gekleidet mit richterlicher Perücke.


Wir bleiben in Buffalo Springs und fahren am Fluss entlang, der diesen Teil des Reservats von Samburu auf der gegenüberliegenden, nördlichen Seite trennt. Eine wunderschöne Landschaft mit roter Erde, gelbem Savannengras, Doumpalmen und vielen Tieren. Es ist herrlich! Begeistert stehe ich im schaukelnden Auto, gucke oben aus dem Dach und ich lasse mir die heiße Luft genüsslich um die Nase wehen.









Die Autos, denen wir an diesem Nachmittag begegnen, können wir an einer Hand abzählen. Die Flut und vor allem Corona haben Spuren hinterlassen, nur wenige Camps sind überhaupt geöffnet und wenige Touristen kommen. Gut für uns, in vielerlei Hinsicht schlecht für die Region, ich werde noch näher darauf eingehen.







Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt, die für Samburu typischen Tiere zu finden. Doch sie fallen uns vor die Füße. Livingstone freut sich besonders über die Vielzahl der gefährdeten Grevyzebras, die größer sind als ihre Artgenossen und mit ihrer Testbild-Optik wunderschön.



Eselsohr


Bläulich gefärbte, prächtige Somalistrauße,



... und bläulich-bizarre Geierperlhühner.





Ein echtes Highlight sind die Gerenuks, die sich sogar auf die Hinterbeine stellen, um an das weiter oben wachsende Grün heranzureichen. Die muskelbepackten Hinterbeine wollen so gar nicht zu dem kleinen Kopf passen, der auf einem langen, schlanken Giraffenhals sitzt.



Zur guten Nacht gibt's brüllende Hitze im Zelt, Löwengebrüll vom gegenüberliegenden Flussufer und gackernde Hyänen. Afrika, was bist du schön!
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21 Dez 2021 22:49 #632902
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14. September: Über Stock und Stein in Buffalo Springs

Gegen Fünf klingelt der Wecker. Puh! Die Nacht war extrem heiß. Besonders, als gegen 22.30 Uhr der Strom ausgeschaltet und damit der Ventilator arbeitslos wurde. Zu allem Überfluss schwirrten zwei Moskitos um meinen Kopf herum, das nervtötende "Dzzzzzzzzzzz" am Ohr konnte ich noch nie vertragen. In meiner Not wusste ich mir nicht anders zu helfen, als vollständig im Backofen unter dem Bettlaken zu verschwinden. Ich war also noch nie so richtig gut, aber bestimmt schon mal viel besser drauf beim frühen Aufstehen.

Thomas erlegt im Schein des nunmehr wieder aktivierten elektrischen Lichts den einen Plagegeist, ich den anderen. Bei diesen beiden Vertretern ihrer Gattung bleibt es auch in den nächsten Tagen, doch weil ich das noch nicht weiß, trauere ich einem für meinen Geschmack fehlenden Moskitonetz über dem Bett missmutig hinterher.

Katzenwäsche, Klamotten an und raus aus dem Haus. Auf unserem Weg quer durch den Garten steigt das Stimmungsbarometer beträchtlich. Ein lauer Morgen, das erste Licht des Tages und die lang vermissten Geräusche der Natur zeigen Wirkung: Es kann losgehen!



Schnell noch ein Kaffee für Thomas und ein Tee für mich, dann klettern wir in den Wagen, wo Livingstone schon alles für den Tag vorbereitet hat.

Als erstes Auto fahren wir raus. So wird es während der gesamten Reise sein. Morgenstund hat Gold im Mund, Livingstone hat es wohl erfunden. Vor allem aber - das wird uns zusehends klar - will er die Dinge selbst entdecken. Nicht im Sog anderer sein. Er zieht mich mit und muss das auch, bin ich doch eher eine Eule. Anders als die Büffel, denen wir auf Anhieb begegnen - sehr zur Begeisterung unseres Guides.



Vor nicht allzu langer Zeit hat es eine Seuche gegeben im Park, die den Bestand ziemlich hat schrumpfen lassen. Nun scheint es wieder bergauf zu gehen.



Auch die Netzgiraffen sind früh dran - und bildhübsch mit ihrem gleichmäßigen Fellmuster und den kräftigen Farben.





Beim Fluss hat eine Löwin ihr Frühstück gerade beendet. Wir hatten sie schon am Vorabend entdeckt, was nicht allzu schwierig war, weil sich die wenigen Gäste des Reserves allesamt in ihrer Nähe eingefunden hatten und starrten. Wenn auch ohne befriedigendes Ergebnis: Sie hatte sich mit einem Riss ins Unterholz zurückgezogen und es lugte gerade einmal eine Pfote heraus.

Es riecht hier nicht gerade nach Rosen, sondern intensiv nach Gammelfleisch. Doch weil sie sich so schön herausputzt und wir mit ihr alleine sind, bleiben wir anders als am Vortag ein wenig stehen.







Trotz der Dürre sehen wir viele Antilopenkinder. Wahrscheinlich, weil sich der Zeitpunkt nähert, an dem es regnet - oder zumindest regnen sollte. Sie purzeln über Nacht heraus und stehen dann morgens mit staksigen Beinen und großen Augen unverhofft da.





Auch diese beiden sind noch so klein, dass sie bei drohender Gefahr nicht fliehen, sondern sich geduckt hinter Zweigen oder im Gras verstecken. So ganz geheuer sind wir ihnen nicht. Sie tauchen lieber ab - und bleiben allein, denn die erwachsenen Tieren ziehen davon, um die Aufmerksamkeit auf sich und von den Kleinen abzulenken.



Auf Gerenuks hatte ich mich besonders gefreut und sie enttäuschen mich nicht. Sie sind wahre Artisten, wie sie da balancierend auf den Hinterbeinen stehen und sogar gehen. Dazu die spitzen Gesichter und die riesigen Ohren - zum Knutschen.









Nun fahren wir weg vom Fluss und hügelaufwärts. Die Löwin reckt sich zufrieden und wird wohl bald zum Verdauungsschläfchen übergehen.



Livingstone kennt sich gut aus im Revier, war aber (wegen Corona) monatelang nicht hier. Wir rumpeln über Stock und Stein, nur schemenhaft sind Pfade erkennbar; manchmal auch gar nicht mehr.

Oryx, anders als in Namibia in Kenia eine Seltenheit




Wir fühlen uns wie auf einer Expedition, also ziemlich gut. Einige Wege sind so zugewachsen oder sogar kollabiert und in der Versenkung verschwunden, dass wir umdrehen und eine neue Fährte finden müssen. "The road disappeared", konstatiert Livingstone: "My goodness."







Same same but different


Unter einem schütteren Busch überschlagen sich die Ereignisse. Ein Habicht flattert aufgeregt umher, etwas Langes flitzt zur Seite, eine Schlange! Der Vogel aber greift sich nicht das Reptil, sondern einen Frankolin - und fliegt davon.

Zurück bleiben verdatterte Touristen und eine sichtlich bis ins Mark erschütterte Schlange. Sie hockt jedenfalls noch minutenlang reglos in einem Loch und streckt gerade einmal den Kopf heraus. Ich brauche ewig, bis ich sie trotz geduldiger Beschreibungen von Livingstone und Thomas entdecke. Ihre Tarnung ist perfekt.



Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Doch es ist noch früh und wir rumpeln weiter bergauf.



Schließlich frühstücken wir auf einem Plateau. Gefühlt auf einem anderen Planeten. Was für ein Ort! Weit und breit kein Mensch, nur Vögel und Elefanten, die in unserem Rücken auf leisen Sohlen zum Fluss hinunterlaufen. Ich hätte sie fast nicht bemerkt. Der weite Blick, es ist ein Traum. Und die Weihnachtskugeln hat auch schon jemand aufgehängt...

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22 Dez 2021 21:52 #632986
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Immer noch 14. September: Ein Suppenkasper in Samburu

Nach dem Frühstück verlassen wir den herrlichen Aussichtspunkt. Rollen hügelabwärts, alles retour. Die Luft flirrt vor Hitze.



Was einige Netzgiraffen nicht davon abhält, sich unentwegt zu zanken. Wahrscheinlich ist es nur Training. Jungs, die sich beweisen müssen. Man kennt das. Doch wenn die Hörner aufeinandertreffen, oder - fast noch schlimmer - ein Luftloch schlagen, stockt mir der Atem.





Es sieht gefährlich aus, wie die langen Hälse mit viel Schwung ins Leere pendeln. Immer im Kreis. Als könnten sie abbrechen.





In einem weiten Bogen landen wir wieder am Fluss. Ein ausgesprochener Lieblingsplatz. Hier ist immer was los.











Die Krokodile verziehen sich ins Wasser. Die heiße Luft steht, am liebsten möchte ich hinterher. Obwohl - vielleicht lieber doch nicht...







Mittags sind wir zurück im Camp. Machen uns frisch, gehen zum Lunch. Und geraten in eine blöde Zwickmühle. Das Personal ist herzlich, will uns jeden Wunsch von den Augen ablesen. Allein, das Essen schmeckt uns nicht besonders, und ist dazu noch viel zu viel.

Ich habe fast genau so viel Mühe, mir auch nur die Hälfte der Portionen einzuverleiben, wie damit, die andere Hälfte zurückgehen zu lassen. Es fühlt sich alles falsch an, denn der Teller ist dann noch immer voll, und der Blick unseres hingebungsvollen Kellners aufrichtig betrübt. Er ist ein harter Brocken. Zwei Tage lang wird hart verhandelt ("You must eat!" "No, I can't, it's just too much!"), und auch von Livingstone ist kein Verständnis zu erwarten. Ist er doch der festen Überzeugung, die Reise wäre nur dann ein nennenswerter Erfolg, wenn wir beide mindestens zwei Kilo zulegen. "Oh my goodness", denke ich, von all der Zuwendung ganz erschlagen.

Nach und nach werden die Portionen kleiner. Gibt es ein Einsehen. Und schließlich den Durchbruch. Die Frage nach einem speziellen Wunsch (weil wir einige Tage länger da sind als der Normalbesucher, beginnen sich die Speisen auf der täglichen Karte langsam zu wiederholen) beantworten wir mit der Bitte nach landestypischem Essen. Erstaunen. Und Begeisterung. Erst recht, als ich meinen Teller am nächsten Abend ratzeputz leerfege. Maisbrei und Spinat statt Burger und Pommes treiben mir den Suppenkasper aus.

Davon abgesehen liebe ich die Mittagspausen im Camp. Es ist ruhig und friedlich unter den hohen, schattigen Bäumen und die Vögel leisten uns Gesellschaft.





Um 16 Uhr geht's weiter, wieder am Fluss entlang, diesmal in die andere Richtung. Mehr Weite und weniger Bäume, aber wieder eine tolle Landschaft.





White-throated bee-eater, für uns etwas Neues




In diese Richtung liegt das Elephant Bedroom Camp jenseits des Flusses. Es kommt ohne Zaun aus und wirkt hochattraktiv. Es ist ganz sicher die bessere Variante im Vergleich zum Ashnil Camp, allerdings auch die kostspieligere.

Die weiten Ebenen sind zerklüftet, alte Wege zerstört und Monate zuvor in den Fluten versunken. Livingstone findet immer eine Möglichkeit, beweist viel Geduld und Geschick, und führt uns in ein Sumpfgebiet.





Eine kleine, grüne Oase inmitten der Hitze und Trockenheit, wir sind perplex, dass es hier so etwas gibt.

Blinder Passagier


Gerenuks...



...und Grevys verabschieden uns in die Nacht. Erst die zweite an diesem schönen Fleckchen Erde. Wir haben noch viel Zeit, und das fühlt sich richtig gut an.

Reisebericht Kenia 2021
Reisebericht Namibia 2019

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15. September: Elefantentag

Wir bleiben erneut in Buffalo Springs. Livingstone möchte diesen Part des Schutzgebiets quasi zu Ende bringen, bevor wir uns in den nächsten Tagen Samburu auf der anderen Seite des Flusses vornehmen.



Die Nacht war wieder sehr heiß, aber dennoch viel besser als die vorangegangene, weil mich kein Moskito quälte. So kurz erst hier, sind wir schon wieder voll im Afrika-Rhythmus: früh schlafen, früh aufstehen, und trotzdem - oder vielleicht auch gerade deshalb - in Hochstimmung. Die Safari-Routine ist schnell wieder da und eigentümlich vertraut, auch wenn die Szenerie auf beinahe jeder Reise wechselt.



Ein Kaffee, ein Tee, auch das wie gehabt, dann fahren wir wie am Vorabend in Richtung des Sumpfgebiets, wo im selben Busch dasselbe hübsche Bee-eater-Pärchen hockt. So weit, so gewohnt, doch dann biegen wir hügelaufwärts ab und betreten Neuland.





Szenenwechsel. Eine ausgedörrte Savanne inmitten lang erloschener Vulkane, dazwischen Akazien und immer wieder Tiere. Eine urzeitliche Landschaft, wunderschön und der Inbegriff von Afrika, wie ich es mir als Kind der TV-Generation Grzimek und Sielmann vorgestellt habe.









Nur zu Beginn treffen wir auf wenige Autos, einige Löwen sollen am Vortag im Dickicht gesichtet worden sein. An diesem Morgen haben sie sich noch nicht gezeigt, doch Livingstone entdeckt schließlich die gut verborgenen Katzen, von denen aber so gut wie nichts zu sehen ist. Zügig fahren wir weiter.

Nun begegnet uns niemand mehr. Zumindest kein Mensch. Auch nicht an den Buffalo Springs, die die Einheimischen manchmal zum Baden nutzen.







Von Weitem beobachten wir einen einzelnen Elefantenbullen. Er steuert direkt auf uns zu und pflückt währenddessen zielgerichtet sämtliche Vogelnester aus den Bäumen, an die er heranreicht. Ich hoffe inständig, dass sämtliche Bewohner längst ausgeflogen sind. :pinch:





Stundenlang rumpeln wir über steinige Pfade, dann landen wir wieder am Fluss. Auf beiden Seiten haben sich Elefanten versammelt, sie ignorieren uns und wir können sie in aller Ruhe bei ihren täglichen Geschäften beobachten.







Besonders begehrt ist ein Schlammloch. Friedlich warten die grauen Riesen, bis sie an der Reihe sind,...





...und wechseln ihre Farben mit der Morgentoilette vom tristen mausgrau zum trendigen rot-braun.



Auch diese Giraffe ist ein Fashion-Victim. Sie hat das klassische Netzmuster mit modischen Sprenklern aufgepeppt.



Direkt am Fluss, im Schatten der Doumpalmen, frühstücken wir. Beobachten dabei weiter die Elefanten, die uns in allen Richtungen umgeben. Wieder so ein perfekter Afrika-Moment. Ein Fest für alle Sinne - und die Seele.







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Fortsetzung 15. September

Zurück im Camp, haben die Paviane kurzerhand das Regiment übernommen. Ganze Scharen sitzen in den Bäumen und im Gras. Scheinbar friedlich. Doch als wir - aus vermeintlich sicherer Distanz - Mutter und Kind direkt vor unserem Zelt fotografieren wollen, geht der Boss zum Angriff über. Stürmt auf mich zu, bleckt die Zähne und bremst erst kurz vor mir.



Nur eine Warnung. Aber die hat gesessen. Als Jugendliche hat mich ein Kampfhund ziemlich übel gebissen. Der Blick war ähnlich und ist unvergessen. Mit schlotternden Knien schließe ich die Tür auf und muss mich vor Schreck erst einmal setzen. Fortan halten wir nicht nur Abstand, sondern gehen auch zügig und ohne viel Aufhebens an den Dauerbewohnern vorbei. Auf diese Weise kommen wir gut miteinander aus.

Während des Mittagessens holt uns ein Camp-Mitarbeiter vom Tisch weg und an den Zaun. Am Fluss haben sich Elefanten versammelt und bieten eine tolle Show.







Fast eine Stunde dauert das Spektakel. Kaum haben sie sich im Wasser so richtig ausgetobt, versuchen die Kleinen, den Großen auf Schritt und Tritt alles nachzumachen. Es ist zu drollig.



Nicht immer klappt das mit dem Staubbad und dem Schubbern am Baum so routiniert wie bei den Erwachsenen. Die Balance ist alles andere als perfekt und der Rüssel führt auch irgendwie ein Eigenleben.



Als auch der letzte Nachzügler endlich aufgeschlossen hat, setzen sich die Elefanten gemächlich in Bewegung - und stoppen jäh. Zwei junge Samburu treiben eine große Herde Kühe in Richtung Fluss. Kühe und Elefanten, von Natur aus nicht gerade beste Freunde, verharren und starren sich gegenseitig an. Dann ziehen die einen in einem weiten Boden in die eine, die anderen in die andere Richtung. Eine Szene, die sehr zwiespältige Gefühle bei uns hinterlässt.

Der Nachmittag bringt einmal mehr schöne Sichtungen...







...darunter die nunmehr schon üblichen Verdächtigen wie Grevys und Grant-Gazellen, über die ich mich aber nach wie vor sehr freuen kann.









Auch einige Wolken ziehen auf, das Licht wird schlechter.



Doch die Hoffnungen auf den lang ersehnten Regen erfüllen sich nicht. "Maybe tomorrow", sagen sie im Camp, wie eigentlich jeden Tag. Doch kein Regen kommt, leider auch nicht in den Wochen darauf, wir haben noch mehrfach nachgefragt und müssen oft daran denken.
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