THEMA: Malawi – Schnipsel einer Radreise
30 Mär 2026 10:07 #723107
  • maggus
  • magguss Avatar
  • Beiträge: 784
  • Dank erhalten: 710
  • maggus am 30 Mär 2026 10:07
  • magguss Avatar
Hallo Wolfgang,


ich freue mich auf deinen Bericht, wird bestimmt spannend mal eine völlig andere Art des Reisens kennenzulernen!


Viele Grüße

Markus
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: BikeAfrica
30 Mär 2026 14:05 #723117
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 7236
  • Dank erhalten: 8212
  • BikeAfrica am 30 Mär 2026 14:05
  • BikeAfricas Avatar
Auf dem Flughafen Schiphol in Amsterdam begegnen wir uns irgendwo im Terminal und einer spricht den anderen auf Verdacht an, weil wir beide jeweils eine Fahrradpacktasche als Handgepäck haben. Treffer. Wir haben uns zufällig gefunden und gehen gemeinsam zum Check-In.

Der Flug verläuft unspektakulär, aber das Gepäck von Thomas ist nicht dabei. Grande Malheur de Kack. Sein Fahrrad ist mitgekommen, aber Zelt und Klamotten fehlen.

Ein Taxi bringt uns zur Backpackerunterkunft mit Campingplatz (ich glaube, es war das Mabuya Camp) in der Hauptstadt Lilongwe. Die Kartons mit den Fahrrädern bindet der Fahrer etwas abenteuerlich aufs Autodach. Man ist von der Unterkunft in 15 min zu Fuß in der Stadtmitte, aber dennoch liegt es sehr ruhig in einer Seitenstraße. Während ich im Zelt übernachte, hat sich Thomas ein Zimmer genommen.

Am Abend sitzen wir zusammen im Außenbereich der kleinen Bar, als Thomas irgendwann meint: „Schau mal nach oben“. Zwei Meter über unseren Köpfen laufen Ratten emsig hin und her und stören sich überhaupt nicht daran, dass Leute in so kurzer Entfernung sind.

Später am Abend spiele ich mit einem Angestellten noch eine Partie Bao Game. Das ist ein in vielen Ländern Afrikas beliebtes Mancala-Spiel, das es in etwa 60 Varianten mit unterschiedlichen Regeln und Namen gibt. In Malawi nennt man es auch Bawo, in Namibia Owela. Das Spiel kann einen sehr komplexen Verlauf nehmen. Auf Zanzibar habe ich mal mit einem Einheimischen eine Partie gespielt, die zwei Stunden dauerte.

Am nächsten Morgen fährt Thomas nach dem Frühstück mit dem Taxi zum Flughafen. Sein Gepäck ist immer noch nicht da. Wir gehen in die Stadt, da Thomas bei dem schwülheißen Wetter gerne mal frische Klamotten anziehen möchte. Das ist gar nicht so einfach, da Thomas etwa 1,90 m groß ist und die Malawier im Normalfall eher um einiges kleiner sind. Das sorgt auch im Laufe der Tour dafür, dass er sich fast täglich an einem Vordach oder beim Betreten einer Hütte den Schädel anschlägt.
Irgendwo werden wir fündig und finden ein Hemd in passender Größe. Es trägt sich so angenehm, dass Thomas während der ganzen Tour fast nichts anderes anhat, außer wenn das Hemd nach dem Durchwaschen trocknet.

Am zweiten Tag ist sein Gepäck dann endlich mitgekommen und die Reise kann beginnen.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: Elchontherun, Mannati, freshy, picco, adriana, Makra, Kornado, tacitus
30 Mär 2026 18:27 #723136
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 7236
  • Dank erhalten: 8212
  • BikeAfrica am 30 Mär 2026 14:05
  • BikeAfricas Avatar
Als Info vorab noch ein paar Zahlen, damit man sich besser auskennt (Zahlen aus der Reisezeit).
Malawi gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. Der durchschnittliche Monatsverdienst beträgt etwa 17 Euro, aber die Preise im Supermarkt sind fast wie bei uns. Aufgrund von AIDS ist die durchschnittliche Lebenserwartung auf 37 Jahre gesunken. Unter den AIDS-Opfern sind auch etliche Lehrer. Um die vielen Kinder überhaupt noch unterrichten zu können, sind die Klassengrößen riesig und es wird im Zweischichtbetrieb unterrichtet. Die Hälfte der Kinder geht morgens zur Schule, die andere Hälfte am Nachmittag.

Heutzutage sieht die Situation glücklicherweise besser aus. AIDS konnte eingedämmt werden und die Lebenserwartung ist wieder auf ca. 70 Jahre gestiegen. Der monatliche Durchschnittsverdienst gehört mit etwa 40 Euro aber immer noch zu den geringsten weltweit. Wer selbst durch Malawi reist, sollte dies im Hinterkopf haben und nicht unangemessen mit Trinkgeld um sich werfen.

Kinder in Malawi gehen durchschnittlich fünf Jahre zur Schule. Der Großteil der Menschen lebt von Handwerk oder Landwirtschaft. Wer Glück hat, findet etwas in der Tourismusbranche.

Jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann hier als Arzt oder Heiler wirken. Man befestigt eine etwa 4 m lange Holzstange am Dach seiner Hütte und befestigt ein Stück farbigen Stoff daran - fertig ist die Arztpraxis. Die Farbe des Stoffes zeigt das Fachgebiet an. So gibt es z.B. Farben für Hebammen, Naturheiler, Allgemeinärzte, Zahnärzte. Keiner von ihnen hat eine wirkliche Ausbildung, sondern gibt das Wissen von einer Generation zur nächsten weiter. Ärzte, wie wir sie kennen, gibt es nur in den größeren Städten.

Ähnlich wie in Äthiopien und Ghana gibt es auch in Malawi viele Rasta-Anhänger. Wegen meiner vergleichsweise langen Haare werde ich von Rastas oft als einer von ihnen begrüßt, während ich in Zambia täglich als Jesus angesprochen wurde.

An Spielzeug haben Kinder nur das, was sie sich selber bauen. Das sind oft Autos aus Draht mit funktionsfähiger Lenkung, aber hier sind auch andere Varianten möglich. Hier mal eine Auswahl von selbstgebautem Kinderspielzeug. Die Fotos stammen nicht nur aus Malawi, sondern auch aus Tanzania, Rwanda, Namibia, Ghana, Sierra Leone und Guinea-Bissau. Die Situation für Kinder ist ja überall gleich …





















Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: casimodo, Elchontherun, Mannati, NamiBilly, picco, KarstenB, solitaire, adriana, UDi, Angra und weitere 4
31 Mär 2026 11:50 #723167
  • NamiBilly
  • NamiBillys Avatar
  • Beiträge: 441
  • Dank erhalten: 313
  • NamiBilly am 31 Mär 2026 11:50
  • NamiBillys Avatar
Hallo Wolfgang,
es fängt gut an und ich freue mich auf die Fortsetzung. Wann war denn diese Malawireise?
Gruß NamiBilly
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: BikeAfrica
31 Mär 2026 12:20 #723168
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 7236
  • Dank erhalten: 8212
  • BikeAfrica am 30 Mär 2026 14:05
  • BikeAfricas Avatar
NamiBilly schrieb:
Wann war denn diese Malawireise?

Da mein Reisetagebuch verschollen ist, weiß ich es nicht ganz genau, aber es müsste 2007 oder 2008 gewesen sein und zwar in der Vorweihnachtszeit. In den Supermärkten (klein, aber in jeder Kleinstadt vorhanden) lief in Endlosschleife "Jingle Bells" als Instrumentalversion von einem billigen Synthesizer. ;-)

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: NamiBilly
31 Mär 2026 12:25 #723169
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 7236
  • Dank erhalten: 8212
  • BikeAfrica am 30 Mär 2026 14:05
  • BikeAfricas Avatar
Aus Lilongwe raus geht es bald einige Kilometer bergauf. Wir machen kurze Pause in einer kleinen Bretterbude am Straßenrand bei Tee und trockenem Weißbrot. Licht fällt nur durch die offene Tür in die fensterlose winzige Hütte. Thomas meint, er denke gerade an seine Kollegen und fügt hinzu: „Niemand von denen wäre hier jemals reingegangen“.

Später holen wir uns an einer Tankstelle eine kalte Cola und stellen uns einen Moment in den Schatten. Ein Bettler kommt auf uns zu und wird von einem Security-Mann vom Gelände verwiesen. Er fängt an zu diskutieren und wir merken, dass er offenbar geistig eingeschränkt ist. Der Security-Typ zieht ihm kurzerhand ein paar mit dem Schlagstock über und entschuldigt sich dann bei uns dafür, dass wir belästigt wurden.
Die Aktion war unnötig. Das hätten wir auch gewaltfrei hinbekommen, ohne dass der arme Kerl mit einer Platzwunde am Kopf abzieht. Wir wissen natürlich nicht, was hier evtl. in der Vergangenheit vorgefallen ist.

Wir übernachten irgendwo unspektakulär bei Salima.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: Elchontherun, Mannati, freshy, picco, KarstenB, solitaire, adriana, UDi, Kornado, tacitus