THEMA: Malawi – Schnipsel einer Radreise
02 Apr 2026 15:29 #723292
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Entlang der Straße verkaufen ein paar Kinder Mangos. Eigentlich ist das Quatsch, denn hier stehen überall Mangobäume und alle hängen voll mit Mangos. Die Äste hängen tief genug, dass man sie aus dem Stand pflücken kann. Wir finden es aber gut, dass die Kinder nicht betteln, sondern auf ehrliche Art Geld verdienen möchten und wollen das unterstützen. Wir fragen, was sie kosten sollen und sie nennen uns umgerechnet 10 Cent. Wir geben ihnen das Geld und erhalten dafür nicht eine Mango, sondern gleich zwölf.

Jeder von euch, der schon mal zwölf Mangos auf dem Fahrrad transportiert hat, kann sich bestimmt gut daran erinnern, wie diejenigen aussahen, die man nach zwei Tagen noch nicht gegessen hatte und einen Teil der Strecke über Piste ging. Die anderen können es sich vielleicht vorstellen. Wem die Vorstellungskraft fehlt, der kann ersatzweise mal ein Rudel Tomaten am Wochenende auf ‚nem Radausflug spazieren fahren. So ähnlich wurde wahrscheinlich Ketchup erfunden. Und Mangochutney …

Wir biegen irgendwann links ab und treffen an der Abzweigung einen einheimischen Radfahrer, den wir fragen, ob das der Weg zum Liwonde Nationalpark sei. Er bejaht es und meint, er würde uns begleiten und den Weg zeigen. Das ist völlig überflüssig, weil es keine weiteren Abzweigungen auf der Piste gibt und ich rechne fest damit, dass er anschließend Geld für seine Arbeit als Guide verlangt, aber das ist unbegründet. Er verabschiedet sich und radelt wieder zurück. Er ist einfach mal 20 km mit uns geradelt, aber vielleicht wohnt er auch in einer der zahlreichen kleinen Siedlungen entlang der Piste und wäre einen Teil der Strecke sowieso gefahren.

Wir fragen am Eingang des Nationalparks, ob wir mit den Fahrrädern reindürfen. „Sure, no problem“, heißt es.
Damals ritten Cowboys noch auf Dinosauriern, Gummistiefel waren noch aus Holz und Radfahrer durften tatsächlich noch in den Nationalpark. Alle drei Dinge haben sich inzwischen geändert.

Wir fahren etwa zwei Kilometer bis zu einem Fluss. Das Camp liegt auf der anderen Seite des Flusses. Ein Boot setzt uns und die Fahrräder über. Ich denke, dieser Parkeingang wird vor allem von Angestellten des Camps benutzt, die im nahe gelegen Dorf wohnen. Autotouristen nutzen meist eine andere Zufahrt zum Park, da sie ansonsten auf angebotene Touren angewiesen wären, denn das Auto muss man logischerweise am Ufer stehenlassen.
Das Camp selbst ist von Palisaden umgeben, was aber eher Deko ist, denn die beiden Zufahrten sind immer offen und haben keine Tore. Der Campingbereich liegt ohnehin außerhalb und wir sind die beiden einzigen Camper. Man belehrt uns, das wir aus Sicherheitsgründen das Camp mit den Rädern nicht verlassen dürften. Zum Verlassen des Parks dürfen wir später wieder mit den Rädern raus, aber zwischendrin nicht.

Wir stellen die Zelte auf, wobei ich meines wegen des guten Wetters und der Windstille nicht richtig abspanne. Am Vorabend unserer Ankunft waren hier Elefanten zu Besuch. Das Foto entstand leider erst vor der Abreise, weshalb die Haufen schon vertrocknet und zerfallen sind.



Nur 30 Meter entfernt ist das Ufer des Shire Rivers. Hier gibt es zahlreiche Krokodile und jede Menge Flusspferde. Wir achten deshalb darauf, einen grasfreien Bereich zu wählen, damit uns diese gefährlichen und gleichzeitig auch irgendwie dämlichen Tiere nachts nicht in die Quere kommen.



Wir gehen in das kleine offene Restaurant und essen etwas, sitzen noch zum Quatschen beisammen und schauen auf den Fluss.
Später begleitet uns ein bewaffneter Ranger mit Handscheinwerfer an die Zelte, stellt eine Petroleumlampe davor, damit Tiere rechtzeitig erkennen sollen, dass da jemand ist und erklärt uns, dass wir die Zelte erst wieder verlassen dürfen, wenn es hell wird.







Gruß
Wolfgang
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03 Apr 2026 14:26 #723342
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Da wir mit den Rädern nicht weiter in den Park dürfen, machen wir am nächsten Tag eine Bootstour auf dem Shire River mit. Außer uns ist noch ein amerikanisches Ehepaar dabei. Der Liwonde Nationalpark ist ein relativ kleiner Park mit nur etwa einem Zwanzigstel der Fläche des Krugerparks oder Etosha, hat aber eine sehr hohe Tierdichte besonders an Flusspferden und Elefanten. Teilweise lebten hier fast zwei Elefanten pro Quadratkilometer, bevor etwa 40% davon ins Nkhotakota Game Reserve umgesiedelt wurden. Im Vergleich dazu sind es pro Quadratkilometer im Krugerpark etwa 0,8 und im kargen Etosha 0,1.

Für Vogelfreunde ist es bei über 400 Vogelarten auch lohnenswert. Das Gebiet mit den Nashörnern ist aus Schutz vor Wilderern gesondert eingezäunt und nur mit Guide besuchbar. In diesem Bereich leben auch die etwa 1.200 Büffel.

Die Elefanten im Park machen einen sehr entspannten Eindruck. Das liegt wahrscheinlich einerseits an der geringen Besucherzahl im Park und andererseits daran, dass der Shire der Ablauf des Malawisees ist und ganzjährig einen stabilen Wasserstand hat. So haben die Tiere keinen Stress, genügend Wasser zu finden.

Die Flusspferde sind weniger entspannt. Das liegt wohl an der Kombination von großer Anzahl und ausgeprägtem Revierverhalten. Einmal taucht ein Flusspferd direkt hinter dem Boot auf und reißt drohend sein Maul auf. Der Guide gibt zügig Gas und sieht zu, dass er Abstand gewinnt.

Die Bootstour ist klasse mit vielen Tierbegegnungen und die Elefanten vom Wasser aus zu erleben, ist wirklich toll.
Leider ist das Fotografieren aus dem schaukelndem Boot schwierig, aber einige Fotos zeige ich trotzdem, um einen Eindruck zu vermitteln. Fast schon witzig ist das Foto mit dem Elefantenbaby, das fast im Gras verschwindet. Und vielleicht kann jemand den Vogel auf dem völlig verwackelten letzten Bild aufgrund seiner auffallenden Farben trotzdem identifizieren?

Gruß
Wolfgang



















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04 Apr 2026 11:36 #723369
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Für den nächsten Nachmittag buchen wir einen Gamedrive. Auf dem Weg zum Frühstück laufen wir am Schwimmbecken des Camps vorbei. Es ist gerade eine größere Gruppe einer Organisation im Camp, die hier offenbar irgendeine Fortbildung machen. Sie waren uns am Vortag schon aufgefallen, als sie aus einem Gruppenraum in der Nähe des Restaurants kamen. Heute ist Schwimmkurs. Wie so viele Afrikaner sind die Jugendlichen und jungen Männer der Gruppe alle Nichtschwimmer. Unbeholfen machen sie ihre ersten Versuche. Als wir nach dem Mittagessen vorbeikommen, machen sie bereits ein Wettschwimmen als Staffel.

So ähnlich könnte es auch bei Eric Moussambani angefangen haben. 1999 war er noch Nichtschwimmer und wenige Monate später startete er für Äquatorialguinea bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Manches geht schnell in Afrika, Anderes ändert sich nie.
Eric Moussambani wurde zwar mit großem Abstand Letzter, aber er war Olympiateilnehmer und hatte ein denkwürdiges Rennen, das in die Geschichte einging.

Der Gamedrive ist so mittelmäßig ergiebig. Die Bootstour am Vortag war eine Klasse besser. Zum Sonnenuntergang machen wir bei kühlen Getränken und kleinen Snacks einen Stopp am Flussufer. Die beiden anderen Teilnehmer der Tour kennen wir bereits von der Bootstour.

Bei den Flusspferden wundere ich mich immer wieder, dass diese massigen Tiere mit ihren kurzen Beinen schneller laufen können als der schnellste Mensch.

Auf dem Rückweg durch die Dunkelheit nimmt der Guide außen auf dem Sitz an der Front Platz und leuchtet mit einem Handscheinwerfer die Gegend ab. Auf dieser Etappe der Fahrt sehen wir jedoch nur Bäume und die stehen da wie angewurzelt.

Gruß
Wolfgang







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04 Apr 2026 12:03 #723370
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Hallo Wolfgang
Toller Bericht, danke dafür.
Dein "Vogel" sollte ein Malachite Kingfisher sein. Ein Eisvogel.
Ich bin auf die weiteren Abenteuer gespannt.
lG brisen
SA: 2013 mit Tristan da Cunha und St. Helena, 2014, 2015, 2018, 2022
meine.flugstatistik.de/brisen01
mtp.travel/users/384...ap/visited_remaining
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04 Apr 2026 12:41 #723371
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brisen schrieb:
Dein "Vogel" sollte ein Malachite Kingfisher sein. Ein Eisvogel.

Ich hatte die Frage gestern noch in den Vogelbestimmungsthread gesetzt und dachte nach kurzem Googeln auch an den Malachiteisvogel. In dem anderen Thread gab es aber zwei Antworten, die zum Pygmy Kingfisher tendieren. Die beiden sind aber auch wirklich übelst ähnlich.
Ich bin auf die weiteren Abenteuer gespannt.

Es kommen auf jeden Fall noch einige ungewöhnliche Erlebnisse. Im nächsten Teil fängts schon langsam damit an.

Gruß
Wolfgang
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04 Apr 2026 12:44 #723372
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  • KarstenB am 04 Apr 2026 12:44
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Moin Wolfgang,
bei "Toller Bericht" bin ich ganz bei brisen, beim Malachite Kingfisher bin ich mir aber sicher, dass es keiner ist. Der hätte nämlich einen blauen Kopf. Ich bin nicht ganz sicher, sonst hätte ich mich schon gemeldet, aber ich tendiere zum Brown-hooded Kingfisher.
Stelle dein Foto doch im Vogelbestimmungsthread von Casimodo ein.

LG aus HH
Karsten

Edit: Hatte deine Antwort noch nicht gesehen und den Thread auch noch nicht gelesen. Auch den Pygmy glaube ich nicht, der müsste eine kleine blaue Kappe haben.
Edit vom Edit: Jetzt habe ich das 2. Foto auch gesehen und die blaue Kappe: also doch
ein Pygmy Kingfisher.
Infos NordTZ 22 www.namibia-forum.ch...juli-22.html?start=0
RB Kenia 2020 www.namibia-forum.ch...pt-2020.html?start=0
Reisebericht Südtanzania 2013 www.namibia-forum.ch...lft-nicht-immer.html
Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 www.namibia-forum.ch...wochen-nam-bots.html
Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis www.namibia-forum.ch...tage-gefaengnis.html
Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha www.namibia-forum.ch...e-bush-ha-ha-ha.html

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Letzte Änderung: 04 Apr 2026 12:51 von KarstenB.
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