THEMA: Malawi – Schnipsel einer Radreise
31 Mär 2026 13:44 #723175
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  • Ad Rian am 31 Mär 2026 13:44
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Ich hock mich bei dir vorne auf den Lenker, wenn's recht ist. Da sieht man mehr.
Adrian
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31 Mär 2026 18:39 #723202
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Am nächsten Tag ist es eine kurze Etappe bis Senga Bay am Malawisee. Um die Mittagszeit sind wir dort und finden eine Unterkunft namens Cool Runnings. Es ist ein kleiner Campingplatz direkt am Ufer, aber es gibt auch feste Hütten.

In der Toilettenschüssel lebt ein kleiner Frosch, der offenbar auf Moskitos lauert. Er versteckt sich immer oben unter dem Rand, wird aber bei jedem Spülvorgang vom Wasser nach unten gerissen.

Die Besitzerin des Geländes ist eine Amerikanerin, die in ihrer Freizeit an ihrem Chevy-Pickup aus den 70ern schraubt. Teilweise sitzt sie dabei sogar im Motorraum. Wahrscheinlich ist sie zu klein, um von der Seite an die Mitte des Motorraums zu gelangen.

Die Küche ist begrenzt. Es gibt jeden Abend ein Gericht zur Auswahl. Entweder wählt man es oder man lässt es bleiben. Man muss es bis mittags vorbestellen und es wird zu einer festen Uhrzeit serviert.

Für den nächsten Tag buchen wir eine Bootstour zur nahe gelegenen Insel Lizzard Island.





Hier gibt es eine kurze Wanderung über die sehr kleine Insel, aber Hauptpunkt ist Schnorcheln vor der Insel. Hier leben Buntbarsche, von denen einige Arten nur im Malawisee vorkommen. Buntbarsche gehören zu den sog. Maulbrütern. Sie begleiten die Jungfische auch noch nach dem Schlüpfen und bei Gefahr öffnen sie ihr Maul und bieten dem Nachwuchs darin Schutz, bis die Gefahr vorüber ist. Die Natur bietet immer wieder Überraschungen.

Die traditionellen Einbäume der Malawier haben eine ungewöhnliche Form. Der ausgehöhlte Bereich in der Mitte ist nur für die Beine gedacht. Die Leute selbst sitzen dabei auf dem Rand des Bootes, wodurch das insgesamt eine sehr instabile Lage ergibt. Von einem Deutschen, der in Malawi Freiwilligendienst leistet, erfahre ich, dass er mal versucht habe, mit so einem Boot zu fahren. Mehr als wenige Sekunden habe er nie geschafft, bevor er mit der ganzen Fuhre umkippte und im Wasser lag.
Das Brett am vorderen Ende des Bootes ist dafür gedacht, beim nächtlichen Fischfang Lampen daran zu befestigen, um die Fische anzulocken.









Gruß
Wolfgang
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31 Mär 2026 20:43 #723209
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Am Nachmittag kommen wir an einer Chibuku-Bar vorbei und kehren kurz ein. Thomas kennt Chibuku nicht und ich finde, Thomas könne mit dieser Wissenslücke ja schließlich unmöglich aus Malawi zurückkehren.

Chibuku ist ein Bierersatz aus Sorghum-Hirse und man bekommt es in keinem Supermarkt, sondern fast ausschließlich in solchen Chibuku-Bars, in denen es keine anderen Getränke gibt. Es kostet einen Bruchteil normalen Bieres und gilt daher als Getränk der einfachen Bevölkerung. Einige einfache Dorfkneipen auf dem Land bieten es auch parallel zu Bier und Cola an und wenn man sich auf einem Markt durchfragt, kann man auch mal einen Händler finden, der es unter der Hand verkauft. Chibuku sieht ungefähr aus wie Trinkjoghurt mit Bröckchen drin und wenn man es verschüttet, sieht es etwa so aus, als habe sich da jemand übergeben.
Thomas reicht der erste Schluck. Er findet es ziemlich übel. Ich habe auf meinen Touren in Ostafrika überhaupt nur noch einen Weißen getroffen, der das Gebräu trinken konnte. Selbst ein Afrikaner hat mich mal überrascht angesprochen und gemeint, wenn er davon auch nur einen Becher trinke, hätte er innerhalb von 10 min Durchfall.

Noch ein kleiner Ausflug in die Geschichte:
Auf dem Malawisee (damals noch Njassasee) fand auch die wohl erste „Seeschlacht“ des Ersten Weltkriegs statt, zumindest aber die skurrilste.
Njassaland war damals britische Kolonie und im Norden grenzt Tanzania (damals Deutsch-Ostafrika) an den See. Beide Länder hatten je ein bewaffnetes Dampfschiff auf dem See und die Besatzungen beider Schiffe besuchten sich jahrelang regelmäßig. Als am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfuhren die Briten in Njassaland am 4. August per Telelegramm davon. Sie bekamen raus, dass das deutsche Schiff wohl zur Reparatur im damaligen Sphinxhafen lag. Sie starteten am 13. August und erreichten den Hafen am folgenden Morgen, wo sie begannen, das deutsche Schiff zu beschießen. Der deutsche Kapitän kam ihnen mit einem Ruderboot entgegen und beschwerte sich. Daraufhin wurde er vom britischen Kapitän informiert, dass Krieg ausgebrochen sei (die Deutschen wussten davon nach über zwei Wochen seit Kriegsbeginn noch nichts) und wurde festgenommen. Ab dem 14. August wusste man es nun auch in Deutsch-Ostafrika.
Die Briten entfernten das Bordgeschütz und wichtige Maschinenteile, so dass das Schiff unbrauchbar war.

Aus dieser Epoche zeige ich euch auch mal einen Geldschein aus Deutsch-Ostafrika. Aus Njassaland habe ich leider keinen, da die sehr schwer zu bekommen sind. Ein Geldschein mit Beschriftung auf Deutsch und Swahili und der Währung „Rupie“ dürften aber auch nur wenige von euch bisher gesehen haben.





Gruß
Wolfgang
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01 Apr 2026 10:37 #723229
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Wir fahren am nächsten Tag Richtung Süden. Die Asphaltstraßen im Land sind überraschend gut. Es ist eben und geht recht flott voran. Es ist morgens um 11 Uhr schon 38 Grad im Schatten, aber wir sind natürlich nicht so blöd, bei diesen Temperaturen auch noch in den Schatten zu gehen.
Viel zu heiß dort.

Die Temperatur bleibt über den Tag stabil, aber am Nachmittag zieht ein Gewitter auf. Wir sehen zu, dass wir rechtzeitig das nächste Dorf erreichen und eine Unterkunft finden, denn Gewitter mit dem Fahrrad ist echt doof. Das war mir Jahre zuvor schon mal am Rande der Namib passiert, als ich mitten in ein Gewitter geriet. Die Blitze schlugen um mich herum ein und ich sah im Geiste schon die Schlagzeile der Zeitung: „Radfahrer in Wüste vom Blitz erschlagen“. Ich konnte förmlich schon die Druckerschwärze riechen.

Wir finden eine ganz einfache Unterkunft und sie haben noch zwei freie Zimmer. Es sind einfache Bretterbuden und es gibt auch keine Toiletten. Wer auf Toilette muss, findet davor ein freies Fleckchen am Straßenrand mit etwas Sichtschutz zur Straße hin.
Direkt anschließend und zur Unterkunft gehörend befindet sich ein kleiner Bretterverschlag, der als Bar oder Kneipe dient.

Die Temperatur ist innerhalb weniger Minuten von 38 auf 27 Grad im Schatten abgesunken und wir sind zuvor durch die Sonne geradelt. Vor wenigen Tagen stand ich zuhause morgens noch bei Frost im T-Shirt am Auto und habe die Scheiben freigekratzt und jetzt muss ich mir bei 27 Grad einen Fleecepulli überziehen, weil mir kalt ist. Das hätte ich mir nie vorstellen können.

Wir setzen uns in die Baracke und bestellen einen Gerstenvollkornsprudel. Viele Alternativen gibt’s hier im Dorf ja nicht, zumal es inzwischen wie aus Eimern schüttet und es noch zu früh zum Schlafen ist. Wir sitzen noch nicht lange, als zwei Polizisten erscheinen, sich zu uns an den Tisch setzen und ebenfalls ein Bier ordern. Sie hauen sich ihr Bier in den Hals und bestellen eine Runde nach der anderen, als gäbe es kein Morgen mehr. Mir wird es irgendwann zu viel, verabschiede mich und lege mich schlafen.

Irgendwann in der Nacht weckt mich meine Blase, da das Bier wieder an die frische Luft möchte. Schlaftrunken öffne ich die Tür und stoße in der Dunkelheit fast gegen etwas. Man hat hier am Abend ein Rind geschlachtet, in Viertel zerteilt und unter den Vordächern aufgehängt. Ein Rinderviertel haben irgendwelche Vollhonks genau vor meine Tür gehängt, obwohl es links und rechts auch andere Stützbalken des Vordachs gegeben hätte.
Die haben doch wirklich einen nicht unerheblichen Fehlbestand im Aufbewahrungsmobiliar für Heißgetränkgefäße.
Wäre ich dagegen gelaufen, wäre ich vom Gesicht abwärts blutverschmiert und hätte mich mangels Wasser nicht mal waschen können.
Afrika …

Morgen geht es zum Liwonde Nationalpark und dann gibt es auch wieder Fotos.

Gruß
Wolfgang
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01 Apr 2026 11:34 #723232
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  • Ad Rian am 31 Mär 2026 13:44
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"Auf dem Malawisee (damals noch Njassasee) fand auch die wohl erste „Seeschlacht“ des Ersten Weltkriegs statt, zumindest aber die skurrilste."
Interessante Geschichte. 👍
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01 Apr 2026 11:44 #723233
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Hier kann man es genauer nachlesen ...
de.wikipedia.org/wik...ht_auf_dem_Njassasee
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