THEMA: Südwesterdeutsche
25 Feb 2013 10:01 #277986
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  • Katka am 25 Feb 2013 10:01
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Hallo an alle Südwesterdeutsche!

Ich bin eine tschechische Studentin, welche ihre Diplomarbeit über Namibia und Deutschland schreibt. Da die Arbeit auch einen Fragebogen beinhaltet, wende ich mich an Dich und möchte Dich um seine Ausfüllung bitten. Es dauert nur ein wenig Minuten und würde mir riesig helfen!

Zum Fragebogen: docs.google.com/spre...0wbUR3NnVxY3ZQRUE6MQ

Vielen Dank für Deine Unterstützung!

Mit freundlichen Grüssen,
Kateřina Klukanová
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25 Feb 2013 10:37 #277992
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Hallo Katerina

Also ich selbst bin ja kein "Südwesterdeutscher" - aber aus Interesse habe ich Deinen Fragebogen doch mal angeschaut. Bitte erlaube mir zwei Kommentare: 1) Mir scheint der Ausdruck "Südwesterdeutsch" für die Sprache evt noch geeignet, als Bezeichnung für deutschsprachige Namibier heutzutage aber problematisch, da ja die meisten deutschsprachigen Namibier die ich kenne sich in keiner Weise mehr mit der Deutschen Kolonie Südwest in Verbindung bringen, sondern sich als NAMIBISCHE Bürger verstehen. Evt. weisst Du aber hierzu mehr. Was aber in meinen Augen gar nicht geht ist die Frage nach der "wahren deutschen Kultur", da verfängst du dich in einem kolonialen, wenn nicht gar nazional-sozialistischen Kulturbegriff, welcher zumindest in wissenschaftlichen Kreisen längst überholt ist. Was stellst Du Dir denn unter "deutscher Kultur" vor? Solltest Du nur an einer Diskursanalyse intersiert sein, also daran ob deutschsprachige Namibier von so etwas wie einer 'deutschen Kultur' sprechen, würd ich den Ausdruck 'deutsche Kultur' wenigstens in Anführungszeichen setzen.

Beste Grüsse, Beginner
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25 Feb 2013 11:03 #277998
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Hallo Beginner,

die Bezeichnung Südwester-Deutscher und Südwester-Deutsch war bis 1990 Gang und Gäbe, denn bis dahin hieß Namibia nunmal Südwest-Afrika. Hier (im Fragebogen) ist ja nicht die Rede von "Deutsch-Südwestafrika-Deutschen"... das wäre in der Tat fast 100 Jahre alt. Die Bezeichnung Deutschnamibier ist zwar die politisch korrekte, im täglichen Sprachgebrauch ist "Südwester" gängig. Übrigens ohne "Deutsch" dahinter, denn die Afrikaaner etc. haben sich nie als Südwester bezeichnet.

"deutscher Kultur": Karneval, Oktoberfest, Pfadfinder usw. - hat auch nichts zwangsläufig mit Kolonialzeit zu tun (denn der Karneval gibt es hier ja erst seit ca. 1960er Jahren). Klar, wenn dann als Antwort "Traditionsverband der Deutschen Überseetruppen" als deutsche Kultur kommt, ist es wieder eine andere Geschichte. Als Hintergrund dieser Link.

@Katka: Du solltest Dir vielleicht mal eine Diplomarbeit zum gleichen Thema aus dem Jahr 2009 von einem Studenten der Uni Bremen anschauen...

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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Letzte Änderung: 25 Feb 2013 11:05 von travelNAMIBIA.
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25 Feb 2013 11:45 #278004
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Vielen Dank Christian für Deine sachlichen Bemerkungen!

Zur Bezeichnung "Südwester" nur als kleine Randbemerkung: Ab 1966 wurde Namiba de jure von der UNO unter dem Namen "Namibia" geführt, ab 1979 setzte sich die Bezeichnung SWA/Namibia durch. Der Begriff "Südwestafrika" war also die Bezeichnung Namibias durch die ab den 1960er Jahren von der UNO als unrechtmässigen bezeichneten Besatzer. Anyways, das sind wohl Spizfindigkeiten welche noch lange diskutiert werden könnnten... (aber nicht unbeding müssen, finde ich :) ) Dennoch würde ich Katka raten, in einer wissenschaftlichen Arbeit die politisch korrekte und nicht die umgangssprachliche Bezeichnung zu verwenden.

Zur "deutschen Kultur": Da geht es mir nicht darum zu sagen, dass "deutscher Brauchtum" in Namibia per se kolonial sein muss, überhaupt nicht! Es geht mir darum, das zur Kolonialzeit Begriffe wie "reine Kultur", "unverdorben", "reinrassig" aufkamen, und benutzt wurden, um die Weltbevölkerung anhand angeblicher "kultureller" Merkmale hierarchisch zu gliedern.
Später wurde von den Nazis die "reine, deutsche Kultur" hochstilisiert und alles was "kulturfremd" war wurde verboten und ausgemerzt.

Hier in diesem Fragebogen gehts ja darum zu fragen inwieweit sich Deutschnamibier als wahre Vertreter der deutschen Kultur sehen. Dies führt meiner Meinung nach dazu, dass man zuerst "detusche Kultur" definieren müsste, was ich für unmöglich, ja sogar gefährlich halte: Ist den Karneval etwas explizit "deutsches", obwohl er weltweit gefeiert wird? Wäre ein Kebabstand in Windhoek "deutsch"? Ist ein Mensch der eine deutsche Mutter und einen Türkishcen Vater hat ein "wahrer Vertreter deutscher Kultur"? Daher rate ich den Kulturbegriff nicht unhinterfragt in einer akademischen Arbeit zu verwenden und wann explizit auf seine Problematik eingehen.

Schliesslich auch noch ein den meisten wohl bekannter Buchtipp:

Die verkehrte Hautfarbe. Ethnizität deutscher Namibier als Alltagspraxis
Brigitta Schmidt-Lauber

Viele Grüsse und toitoitoi mit der Arbeit, Katka!
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25 Feb 2013 12:50 #278016
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Hallo Katerina,
Du wirst hier nur sehr wenige mit Ahnung zu dem Fragenkonzept finden. Kannst mir gerne eine PM schicken, ich will das weiter hier öffentlich nicht erörtern.


An Beginner:
Deine Thesen haben überhaupt nichts mit der Realität, noch weniger mit Geschichte, zu tun. Das sind mit Copy + paste übernommene ideologisierte Thesen.

Christian hat völlig Recht, und orientiere Dich mal daran.

Ich bin auch einer jener (bösen) Südwester-Deutschen, und kenne den den realen Hintergrund, als Zeitzeuge eines Zeitraumes den unsere Eltern bereits als gut empfanden, ohne mir eine ideologische besserwisserische Thesenbrille aufsetzen , oder anderen mit copy+paste nachplappern zu wollen.

Keiner der Thesenjongleure weiß auch nur das Geringste über die Zeit und Umstände, wie unsere Eltern gegen Sprachunterdrückung durch die Briten, und Erhalt der eigenen Sprache und Kultur zwischen 1915 und 1948 kämpfen mußten. Meinen Geschwistern wurde sogar in Schule und Internat verboten, Deutsch zu sprechen. Das fehlt natürlich in der neuzeitlichen ideologischen Geschichtsklitterung eines Drechsler & Co.

Nicht umsonst unterstützten die Deutschen die Nationale Partei und Leute wie Malan und Verwoerd, nämlich weil sie ihnen ihre Kulturrechte, ihre Sprachrechte, und auch deutsche Schulen, zurück gaben nach vielen Jahren der Unterdrückung, Eingesperrtseins unserer Väter in Konzentrationslagern (oh verzeih: Internierungslagern), Enteignung, Ausweisung.

Es ging in der Zeit auch nicht nur um den durch den propagandistisch und ideologisiert verkürzten Begiff "Apartheid" zwischen Schwarz und Weiß, sondern es ging auch um den Erhalt von Sprachen, Kulturen, und nationale Eigenheiten, die es zu schützen galt, und daran konnte die deutsche Sprachgruppe auch partizipieren. Aber auch das steht in den Copy + Paste Texten nicht geschrieben.

Aber das ist Geschichte, und Geschichte gibt es in Deutschland nur zwischen 1933 und 1945 geistig verkürzt auf die Nazizeit, und das, was ARD+ZDF-Propaganda den Menschen als opportun mit nötiger Nettikette als Einlauf gibt.

Mehr werde ich zu dem Thema nicht mehr sagen wollen, denn dieses ist ein Reiseforum.

P.S.
Im übrigen finde ich den Fragebogen von Katerina sehr wertneutral, habe ihn daher auch gerne beantwortet.
Letzte Änderung: 25 Feb 2013 13:35 von Swakop1952.
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25 Feb 2013 13:27 #278025
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Swakop1952 schrieb:




Keiner der Thesenjongleure weiß auch nur das Geringste über die Zeit und Umstände, wie unsere Eltern gegen Sprachunterdrückung durch die Briten,:unsure: und Erhalt der eigenen Sprache und Kultur zwischen 1915 und 1948 kämpfen mußten. Meinen Geschwistern wurde sogar in Schule und Internat verboten, Deutsch zu sprechen. Das fehlt natürlich in der neuzeitlichen ideologischen Geschichtsklitterung eines Drechsler & Co.

Nicht umsonst unterstützten die Deutschen die Nationale Partei und Leute wie Malan und Verwoerd, nämlich weil sie ihnen ihre Kulturrechte, ihre Sprachrechte, und auch deutsche Schulen, zurück gaben nach vielen Jahren der Unterdrückung, Eingesperrtseins unserer Väter in Konzentrationslagern (oh verzeih: Internierungslagern), Enteignung, Ausweisung.

Hallo Swakob1952,

ich gebe Dir völlig recht.
Ich kann nur jedem empfehlen dazu das Buch "Ein südwester Farmer, Jäger und Maler" von Konni Zander zu lesen (mit mir verwandt) :)
Zu erhalten auch in Namibia und jedem Buchladen.
www.namibiana.de/de/...aeger-und-maler.html


Da wird auch auf genau die Zeit eingegangen, wie ein nichtmal volljähriges Kind (er selber) von den Briten ins KZ gesteckt wird. Aber das ist nicht der Schwerpunkt des Buches und soll auch keine Anklage sein.

Hartmut
Letzte Änderung: 26 Feb 2013 12:48 von Namibia2013.
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