Showdown? Erstmal Kaffee.
Wir fahren also zurück zum Camp, machen ein Feuer und tischen ein großes Frühstück auf. Das zweite Frühstück nach dem Gamedrive ist für uns immer ein Highlight. Früh morgens packen wir schnell zusammen, um möglichst früh loszukommen. Oft gibt es einen Kaffee und ein paar Rusks, das richtige Frühstück folgt dann aber nach der Rückkehr vom Gamedrive. Wir machen oft ein Feuer, brühen einen zweiten Kaffee auf und genießen die Entschleunigung. Kaffee nehmen wir auch im Urlaub sehr ernst, und so findet sich in unserem Equipment eine Aeropress, eine Kaffeewaage, Handmühle, und natürlich Single Origin Specialty Coffee, der vor jeder Zubereitung frisch gemahlen wird. In diesem Urlaub ist der Kaffee besonders lecker, und wir freuen uns wirklich jeden Tag darauf. Seit unserer Botswana-Reise im Vorjahr hat sich zusätzlich noch eine etwas seltsame Tradition bei uns ausgeprägt: wir haben jetzt immer eine Panettone oder Colomba (je nach Jahreszeit) dabei! Wie wir auf die Idee kamen, sie mitzunehmen, wissen wir nicht mehr genau, aber es ist eine herrliche Kombination mit einer guten Tasse Kaffee. Eine gute Panettone bleibt tatsächlich sehr lange frisch, und für die nächste Reise ist schon vorgesorgt.
Nach dem Frühstück kümmern wir uns noch um unseren Camper, filmen eine kleine Room Tour als Erinnerung und packen dann langsam zusammen. Unsere nächsten zwei Nächte werden wir auf der Chitake 2 Campsite verbringen, die am nächsten am Fig Tree gelegen ist.
Wir fahren allmählich zurück zum Feigenbaum und wundern uns, dass wir niemanden vorfinden. Ich habe direkt eine Vorahnung, dass etwas passiert ist, allerdings wäre es auch nicht ungewöhnlich, wenn die anderen Gruppen die Mittagszeit im Camp verbringen oder bereits abgereist sind. Dann sehen wir plötzlich auf der anderen Seite des Hanges 3 Personen. Es sind das französische Paar und ihr Guide. Wir fragen uns, was sie da machen, aber schließlich darf man in Mana Pools und Chitake Springs ja fußläufig unterwegs sein. Dann laufen sie den Hang hinunter, überqueren die Quelle und kommen direkt auf uns zu. Sie sind außer Atem und aufgeregt. Der Guide erzählt uns, dass die Löwen auf der anderen Seite einen Buffalo erlegt haben, und sie sind extra zurück auf unsere Seite gekommen, um uns Bescheid zu sagen.
Während wir also gemütlich Kaffee getrunken haben, haben auch die Löwen Lust auf Frühstück bekommen. Als drei Büffel zum Wasser kommen, sehen sie ihre Chance und greifen an. Die Büffel behalten in der ersten Runde die Oberhand und vertreiben die Löwen. Dann werden sie übermütig und gehen erneut runter zur Wasserstelle. Die Löwen erwischen diesmal den schwächsten der Büffel und verletzen ihn. Sie versuchen, zu entkommen und laufen den Hang hoch, werden aber von den Löwen verfolgt.
Wir sehen diese Szenen natürlich nur auf einem Handy-Video, denn oben auf der Campsite haben wir überhaupt nichts davon mitbekommen. Der Rest der Jagd und der Kill finden dann abseits des Publikums statt. Der Buffalo schafft es noch den Hang hoch, hat aber letztlich keine Chance gegen die Löwen.
Das Gefühl, diese Szenen verpasst zu haben, ist ziemlich seltsam. Wir ärgern uns natürlich, dass wir nicht dort geblieben sind und ausgerechnet so etwas Spektakuläres verpasst haben. Andererseits hatten wir eine schöne Zeit auf unserer Campsite. Inzwischen ist genau diese Ironie ein Teil der Geschichte, wir haben aber gelernt: solange die Löwen dort sind, bleibt man dort sitzen. Egal, ob morgens, mittags oder abends. Ohnehin haben wir in Mana Pools gemerkt, dass die Faustregel, dass man die besten Chancen früh morgens oder später am Nachmittag hat, nicht ganz hinhaut.
Jedoch hätten wir ohne die Hilfe des Guides wahrscheinlich alles verpasst. Er leitet uns an, wo wir hinfahren müssen, um die Löwen und ihren Kill zu finden. Dankenswerterweise gibt es einen Weg, der genau dorthin führt, und auch das hätten wir ohne den Hinweis des Guides natürlich nie gewusst. Wir steigen also ins Auto und fahren los. Was an Chitake interessant ist, ist dass es nur so wenige Besucher gibt. Als wir beim Kill ankommen, sind wir die einzigen. Die beiden französischen Gruppen mit ihren Guides haben das Spektakel vorher mitbekommen, und die anderen beiden Gruppen sind schon abgereist.
Was wir als nächstes beobachten, ist faszinierend und unbarmherzig zugleich.
Trigger Warnung: die nächsten Bilder können Unbehagen auslösen. Wir haben die sehr expliziten Bilder ausgelassen, die Szene zeigt jedoch Löwen mit ihrer Beute.
Natürlich ist das ganze Rudel anwesend und schlägt sich die Bäuche voll. Die kleinen Löwen sind für uns faszinierend - sie sind niedlich und noch ziemlich tollpatschig, aber auch ziemlich hungrig. Wir bleiben eine Weile und fragen uns, wie lange die Löwen wohl brauchen werden, um den Büffel zu verzehren. Einige Geier warten schon in freudiger Erwartung, sie werden sich aber noch gedulden müssen.
Im Verlauf des Tages werden die Löwen nur vereinzelt runter zum Wasser kommen, um zu trinken. Es wird aber ein ruhiger Nachmittag und Abend, da das Rudel in der Nähe des Kills bleiben wird.
Mit gemischten Gefühlen kehren wir zu Fig Tree zurück. Die Szenen oben waren zweifelsohne Eindrucksvoll, aber das Wissen, etwas verpasst zu haben, nagt noch an mir. Dieses Gefühl wird noch eine ganze Weile vorhalten, aber so ist eben die Natur: voller Überraschungen und nicht planbar.
Zum Sundowner kehren wir nochmal zur Baobab Site zurück - diese ist heute unbewohnt, und wir treffen auf die andere französische Gruppe, die ganz geflashed sind von den Ereignissen des Tages. Im Abendlicht ist die Baobab Site immernoch wunderschön - aber das Gefühl, etwas verpasst zu haben, weil sie so schön ist, bleibt.
Der Rest des Abends auf Chitake 2 verläuft dann sehr ruhig. Wir sind zuvor gewarnt worden, uns zeitnah ins Fahrzeug zurückzuziehen, weil Chitake 2 mitten im Territorium der Löwen liegt. Heute Abend sind sie jedoch alle oben bei ihrem Kill, und so verbringen wir eine ruhige Nacht.