THEMA: Schönes, armes Simbabwe // Reise April-Mai 2018
10 Feb 2021 20:12 #606836
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Teil 2

Etwa 600 m Luftlinie entfernt liegt die große Einfriedung am Fuße des Königssitzes.




Die leicht elliptische Außenmauer hat einen Durchmesser von fast 100 m und ist bis zu 11 m hoch.










Drei schmale Eingänge führen ins Innere.









Innen weitere Einfriedungen, Grundmauern von Gebäuden, ein 10 m hoher konischer Turm – auch hier ein Labyrinth an Mauern und Steinen, in dem wir uns mehrmals verlieren.



































Die sogenannten Talruinen „schenken“ wir uns, denn es ist mittlerweile schon sehr warm, und die Reste dieser Ruinen würden unseren unfachmännischen Blicken wenig bieten. So umrunden wir die große Einfriedung noch einmal und bestaunen die kunstvollen Verzierungen an der Mauerkrone.














Genug Kultur, es wird Zeit, mal wieder wilde Tiere zu sehen. Unser nächstes großes Ziel ist der Hwange Nationalpark, aber bis dahin werden wir es heute nicht schaffen. Heute wollen wir bis Bulawayo, 280 km auf guter Asphaltstraße. Die Landschaft ist unspektakulär, alles auf 1000 m Höhe, mal sandig trocken und spärlich besiedelt, mal üppig grünes Hügelland. Den Verkehr auf der A9 haben wir ja gestern schon kennen gelernt: viele LKW und immer wieder große Überlandbusse. Die „besseren“, sprich teureren Busse, die von den großen Städten aus nach Südafrika fahren, sehen relativ gepflegt und verkehrstüchtig aus. Aber die Busse, die die normale Landbevölkerung transportieren, sind der Knaller: zwischen 30 und 60 Jahren alt, unzählige Male repariert mit Ersatzteilen, die nicht wirklich passen, schwarze Auspuffwolken ausstoßend, hoch beladen mit den Gütern der Fahrgäste, quälen sie sich über Land.






Am Nachmittag erreichen wir Bulawayo, die zweitgrößte Stadt Simbabwes. Dicke Wolken hängen über der Stadt, im Westen donnert es unaufhörlich. Wir durchqueren die südlichen Außenbezirke auf der Suche nach der Southern Comfort Lodge, wo wir für eine Nacht campen wollen. Alle Anwesen hier haben offensichtlich schon bessere Zeiten erlebt, es scheint schwierig zu sein, den prachtvollen Ursprungszustand zu erhalten. Aber man kann den einstigen Wohlstand noch erahnen: große Grundstücke, große Häuser, üppige Gärten. So auch die Southern Comfort Lodge, einst sicherlich ein herrschaftliches Anwesen. Heute hält man sich mit der Vermietung von Chalets und Campsites sowie der Organisation und Durchführung von Hochzeitsfeiern über Wasser. Wir sind die einzigen Gäste heute, aber morgen soll hier eine Hochzeit stattfinden, und deshalb ist die gesamte Mannschaft im Dauereinsatz bis in den späten Abend. Der Preistafel an der Rezeption zufolge soll allein die Miete für eine Hochzeitsfeier 1000 US$ kosten. Das ist hier wirklich eine Menge Geld, aber Hochzeit geht offensichtlich immer …

Wir richten uns auf einem kleinen, mit Büschen gesäumten Rasenstück ein und freuen uns, mal wieder auf Rasen zu stehen und nicht auf Sand. Am Abend aber wird es kühl und feucht und schnell ist Tau im Gras. Wie sehnt sich der anspruchsvolle Camper da nach einem gepflegten Sandplatz ;) . Um 8 Uhr verziehen wir uns mit nassen Füßen ins Dachzelt.

Letzte Änderung: 10 Feb 2021 20:17 von Klaudi.
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13 Feb 2021 11:43 #607033
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Donnerstag, 3. Mai 2018

Um ½ 4 Uhr beginnt das unglaublichste Konzert von Hunden und Hähnen, das ich jemals gehört habe. „Gefühlt“ müssen es Hunderte sein, die immer wieder auf’s Neue bellen und krähen oder antworten. Und das, obwohl wir doch nicht auf dem Land sondern in der Stadt schlafen. Oder vielleicht gerade deshalb? Hier hat jeder mehr als einen Hund, und für Hühner ist auf den großen Grundstücken auch genug Platz. Die Nacht ist also früh vorbei, aber an Aufstehen wollen wir noch nicht denken: draußen ist es kalt und feucht. Bulawayo liegt auf fast 1500 m, und als wir auschecken, meint der Rezeptionist händereibend, dass der Winter begonnen habe.

Über die großen, alten Prachtstraßen im Süden der Stadt fahren wir in Richtung Innenstadt, denn wir wollen noch einkaufen. Auch wenn der Pflegezustand in einen Pflegenotstand übergegangen ist, so kann man erahnen, was für eine schöne Stadt Bulawayo früher einmal gewesen sein muss, die Alleebäume blühen in verschiedenen Farben. Wir hatten viel Verkehr erwartet, schließlich sind wir in der Rushhour unterwegs, aber selbst hier, in dieser großen Stadt, gibt es nicht so viele Autos, wie wir dachten. Aber Ampeln hat’s hier, und was für welche: an den großen Kreuzungen hängen Zusatzampeln, die die jeweilige Wartezeit bis zur Weiterfahrt in Sekunden angeben. Davon könnte man sich in Europa mal eine Scheibe abschneiden B) .




Wir kaufen ein bei Food Lovers und Pick’nPay, das Angebot ist das beste, was wir bisher vorgefunden haben. Sogar Fleisch und Käse können wir kaufen. Die Preise, bis auf Fleisch und Grundnahrungsmittel, sind auf deutschem Niveau oder höher, so kostet z. B. eine kleine Dose Thunfisch 4 US$. Welcher Otto Normalverbraucher soll sich das leisten können? Trotzdem sind diese beiden Supermärkte gut besucht, der Anteil der weißen Käuferschaft liegt bei 50 %. Zum ersten Mal auf unserer Reise sehen wir so viele weiße Simbabwer auf einen Haufen – es gibt sie also doch noch …

Um ½ 10 sind wir raus aus der Stadt, es geht weiter nach Nordwesten. 300 km sollen es noch sein bis Hwange Stadt und dann müssen wir ja noch bis Sinamatella, da gilt es, nicht zu trödeln. Von Bulawayo aus geht es leicht bergab bis auf eine Höhe von 1200 m, rechts und links der Straße lichter Laubwald, ab und zu kleine Dörfer. Sogar die intakten Zäune einer großen Farm passieren wir, aber auch die Ruinen eines gebrandschatzten Herrenhauses. 100 Kilometer vor Hwange Stadt wird die Landschaft wieder hügeliger, interessanter und hilft, die Schläfrigkeit, die sich über Mittag breit gemacht hatte, zu vertreiben. Unzählige alte Busse kommen uns entgegen, ihre Dächer vollgepackt, schwarze Dieselwolken ausspuckend.











Hwange Stadt, vom Bergbau geprägt und sehr busy vom Geld, das hier verdient wird, streifen wir nur am Rande, biegen vorher ab in Richtung Nationalpark. Wegen des Kohletagebaus, der immer weiter in Richtung Park betrieben wird, müssen wir eine weite Umleitung fahren. Kein Hinweisschild, keine Einzeichnung in der Karte, kein Weg in QV – wenn wir nicht einen Hinweis eines Sicherheitsmannes bekommen hätten, wer weiß, wo wir gelandet wären.

Sinamatella, das „mittlere“ Hauptcamp im Hwange, erreichen wir am Nachmittag.



Es liegt auf einem Bergrücken, direkt an der Steilkante, und überblickt die weiten Flussebenen im Südwesten.






In früheren Zeiten war es berühmt für seinen Tierreichtum und die sensationellen Ausblicke auf große Elefantenherden in der Ebene, und ohne Reservierung kam man selten unter. Heute ist der Blick in die Ebene immer noch wunderschön, aber die großen Herden sind verschwunden, die Chalets sind in einem „unterirdischen“, die Campsite in einem erbarmungswürdigen Zustand. Außer uns ist nur noch ein weiteres Pärchen auf der Campsite, wir können uns also den relativ besten Platz aussuchen. Also stehen wir direkt an der Abbruchkante mit Blick auf die Ebene und können ein Schattendach direkt neben uns nutzen. Das sehr bemühte Personal heizt pausenlos den Donkey, und am späten Nachmittag bietet man uns Feuerholz an. Wir wollen zwar nicht grillen, aber es ist offensichtlich, dass die Attendants auf ein Trinkgeld hoffen, und so ordern wir ein Bündel bestes Mopaneholz.
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15 Feb 2021 09:00 #607159
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So eine Ampel gab es in Leverkusen mal, die hat auch die verbleibende Zeit bis zur nächsten Grünphase angezeigt. :cheer: Ist leider wieder abgeschafft worden. Warum auch immer ...
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16 Feb 2021 07:39 #607279
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Hoi zämä

Solche Ampeln sind in Ruanda der Normalfall.
Sehr praktisch!
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17 Feb 2021 08:35 #607444
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@ Nadine 3112 und picco

Danke euch für die Ergänzungen. Von Ruanda hatte ich schon gehört, aber dass es diese Ampeln auch in Leverkusen gab .... Ich fand es nur in Simbabwe so bemerkenswert: Vieles dümpelt vor sich hin, aber diese Zusatzampeln funktionieren :lol: .

VG Klaudi
Letzte Änderung: 17 Feb 2021 08:35 von Klaudi.
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17 Feb 2021 08:42 #607445
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Freitag, 4. Mai 2018

Was für ein Tagesbeginn: man öffnet den Reißverschluss des Dachzeltes und blickt auf die große, weite und grüne Ebene im Tal. Das sind die Bilder, die man nie mehr aus dem Kopf bekommt und weshalb wir immer wieder nach Afrika reisen. Einen besseren Platz zum Frühstücken gibt es nicht, und wenn unten im Tal noch eine Elefantenherde vorbeizöge, fühlte man sich im Paradies.

Bevor wir aufbrechen, verhandele ich noch einmal mit dem netten Ranger an der Rezeption, ob wir die kommende Nacht nicht auf einer Wilderness Campsite im Park übernachten können. Als „Walk In Client“ kostet das nur die Hälfte, und auch wenn es dort keine großartigen Fazilitäten gibt, mit den sanitären Anlagen von Sinamatella kann sich jedes Plumpsklo messen. Die CS am Masuma Dam sei zwar immer noch belegt, meint der Ranger, aber er habe ganz früh schon per Funk anfragen lassen, ob der dortige Gast einverstanden sei, dass wir dazu kämen. Und der Gast ist einverstanden … wir können unser Glück kaum fassen.

Wir machen uns also auf zum Masuma Dam, nicht jedoch auf direktem Weg, sondern wir nehmen die Tracks entlang der kleinen Flüsse unten im Tal. Der Ranger hatte dazu Grünes Licht gegeben, alles sei frisch geschoben nach der Regenzeit und gut passierbar. Naja, gut passierbar ist ein relativer Begriff: wir kommen zwar ganz gut voran, aber als wir vom Kashaba Loop auf die Sinamatella River Road wechseln, stehen wir vor den Resten einer Brücke, die Trümmer liegen verstreut im trockenen Flussbett. :ohmy:









Uff, der Abstieg in den Fluss ist steil, der Aufstieg ebenso, loses Geröll bildet den Untergrund. Aber im tiefsandigen Flussbett kann man Spuren eines Fahrzeugs erkennen. Nach einer gründlichen Inspektion der Örtlichkeit fahren auch wir durch. Ich gehe zu Fuß, den armen Helmut schüttelt es ordentlich im Auto, vor allem bei der steinigen Ausfahrt.




Ein paar Kilometer weiter, wir machen gerade einen Fotostopp, vermisse ich unseren Reiseführer. Auch wenn er uns oft schlecht berät, verzichten möchten wir auf ihn während der weiteren Reise nicht. Es gibt nur eine Erklärung: bei der großen Schaukelei im Flussbett muss er auf den Boden und dann, als ich wieder ins Auto gestiegen bin, in den Sand gefallen sein. Wir also zurück bis zur zerstörten Brücke, finden ihn aber nicht. Nochmal durch den Fluss, nur wegen des Reiseführers, wollen wir definitiv nicht, also setzen wir leicht deprimiert die Fahrt fort. Der weltbester Fahrer fühlt sich mal wieder bestätigt in seiner Einschätzung, dass die weltbeste Navigatorin keine gescheite Ordnung halten kann. Und dagegen ist gar nix zu sagen. ;)









Gegen Mittag halten wir zum Picknick am Mandavu Dam. Die baulichen Einrichtungen, vor einigen Jahren renoviert, sind bereits wieder im Verfall begriffen.



Das Personal ist dem Rotstift zum Opfer gefallen, kein Wunder also, dass alles vermüllt und vergammelt. Für eine Mittagspause am schönen Stausee reicht es uns aus, aber 90 $ für eine Übernachtung, das ginge zu weit. Die Rechnung der Parkverwaltung verstehen wir ohnehin nicht: von den 90 $ Übernachtungspreis könnte man doch locker das Personal und die Renovierung bezahlen und obendrein noch etwas verdienen. Warum man nun das Personal einspart und den Platz nicht vermarktet, verstehe wer will …
















Masuma Dam, unser heutiger Übernachtungsplatz, ist derzeit die einzige bewirtschaftete Übernachtungsstelle im Park im Bereich von Sinamatella.



Die sehr große, am Steilufer gelegene Aussichtsplattform bietet kühlen Schatten und einen ungestörten Blick über den See.



Die beiden Angestellten, Knowledge & Quiet, stellen sich stolz vor, und Knowledge legt Wert auf die Feststellung, dass er der Manager sei und Quiet der Attendant. Jeder muss halt noch einen unter sich haben …. Und tatsächlich halten die beiden ihre Hackordnung ein: Knowledge managt, d.h. er tut nichts außer reden, und Quiet putzt und hält alles in Ordnung. Dabei sind die beiden beste Freunde, kaum zu glauben.




Hier lässt es sich aushalten: Wir installieren schnell unser Zelt und wechseln dann auf die Aussichtsplattform.










Den ganzen Nachmittag verbringen wir hier, schauen auf’s Wasser, fotografieren, trinken Tee und essen Kekse. Im See leben Hippos und Krokodile, Schildkröten und Warane.

























Am Ufer tummeln sich Elefanten, Wasserböcke und Impalas,




























Vögel gibt es zuhauf.






















Am späten Nachmittag kommt der eigentliche „Platzhalter“ dazu, ein Mann unbestimmten Alters, ein etwas schräger Australier. Ihm haben wir zu verdanken, dass wir hier übernachten dürfen, und auch einem belgischen Ehepaar hat er Asyl gewährt. Wir sind also heute Nacht zu dritt, oder besser gesagt zu fünft, was vom Platz her überhaupt kein Problem ist.

Nach dem Abendessen sitzen wir wieder auf der Plattform bis auch das letzte Tageslicht verschwunden ist. Später, wir liegen schon flach, hören wir heftiges Plantschen aus dem See – eine Herde Elefanten badet ausgiebig. Wie schade, dass der Mond noch nicht aufgegangen ist.

Unseren Reiseführer haben wir übrigens wiedergefunden: er war tatsächlich bei der Schaukelei im Flussbett heruntergefallen und dann unter den Beifahrersitz gerutscht. Dort haben wir ihn am Nachmittag entdeckt und nun kann er uns weiter beraten oder in die Irre führen – je nach dem … :lol:
Letzte Änderung: 17 Feb 2021 08:53 von Klaudi.
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