THEMA: Schönes, armes Simbabwe // Reise April-Mai 2018
28 Dez 2020 14:05 #602341
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Liebe Fomis,

zurzeit ist Corona-bedingt eine kleine Flaute hier im Forum, zumindest was Reiseberichte angeht. Ich habe daher mein Reisetagebuch von 2018 heraus gekramt und die entsprechenden Fotos gesichtet. Ab heute werde ich nun unsere Reise durch Simbabwe aus dem Jahr 2018 hier einstellen, auch wenn vielleicht das eine oder andere mittlerweile überholt ist. Das ändert aber nichts daran, dass Simbabwe ein wunderschönes Land ist, das es sich lohnt zu bereisen.

Unsere Reise beginnt mit zwei Tagen Verspätung: Beim Einkaufen der Vorräte in Midrand entdeckten wir auf dem Parkplatz eine Öllache unter unserem Cruiser – kein gutes Zeichen. Wie sich herausstellt, ist am Getriebe ein Simmerring kaputt und muss ausgetauscht werden. Auto fängt halt mit „Au“ an. Auch wenn wir so zwei Tage verlieren, sind wir froh, dass wir den Schaden so früh entdeckt haben. Nicht auszudenken, wenn uns das Getriebe in Simbabwe in der Mitte von Nirgendwo trocken gelaufen wäre.

Wir starten also erst am 21. April und nicht schon donnerstags. Glücklicherweise haben wir keinerlei Reservierungen für Simbabwe vorgenommen, so dass wir frei und ohne Zeitdruck sind. Von Johannesburg aus geht es über die N1 nach Norden. Landschaftlich ist diese Fahrt wenig abwechslungsreich. Erst bei Erreichen der Soutpansberge wird es interessant, die Straße schlängelt sich über Berge und durch Täler. Je weiter wir nördlich kommen, je dichter wird der Bewuchs mit großen Baobab-Bäumen, die noch voll im Laub stehen.

Über das Internet hatte ich morgens ein B&B im „Dei Gratia“ in Musina gebucht.
Im tropischen Garten des „Dei Gratia“ steht ein gewaltiger Baobab, unter dem wir am Nachmittag – mit zwei Tagen Verspätung - unseren ersten Ankommer-Shandy trinken.











Vom bunten Treiben dieser ziemlich „schwarzen“ Grenzstadt spürt und hört man hier nichts. Im gepflegten und frisch gesprengten Garten huschen die schwarzen Angestellten lautlos dahin. Mit solchem Luxus ist dann morgen Schluss: Um 7 Uhr sind wir mit der „Grenzhelferin“ der simbabwischen Tourismusbehörde verabredet, die uns durch das Chaos schleusen wird.



Sonntag, 22. April 2018

Nach einer sehr guten Nacht im weichen Luxusbett



sind wir früh auf und lassen uns im tropischen Garten ein warmes Frühstück schmecken. Elsie, die gute schwarze Seele des Dei Gratia, serviert uns voller Stolz ihre Spiegeleier mit Speck. Sie liebt ihre Arbeit, wie sie sagt, und das merkt man auch. Viel Zeit haben wir leider nicht, denn die Grenze wartet auf uns. Beim Passieren des Tors klingelt mein Telefon und am anderen Ende ist Anesu, die Grenzhelferin, und fragt, ob wir planmäßig unterwegs sind. Was für ein Service!

Die Abfertigung auf südafrikanischer Seite geht einigermaßen schnell, und dann rollen wir über die Brücke des Limpopo auf die simbabwische Seite. Direkt rechts kommt ein junger Mann auf uns zu und wirkt. Wer ist das? Erst als er mich mit Namen begrüßt, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Anesu ist ein Mann. Ich hatte eine Woche zuvor mit ihm telefoniert, weil ich auf meine diversen Emails an seine Chefin keine Antwort bekommen hatte. Seine Stimme war für mich eindeutig weiblich, und der Name Anesu war daher für mich klar ein weiblicher. So kann man sich irren – ich hoffe jedenfalls, Anesu hat von all dem nichts gemerkt. Dafür macht er seinen Job wirklich klasse: Er schleust uns professionell durch alle Instanzen, so dass wir nach einer guten Stunde und zahlen aller möglichen Gebühren mit den Formalitäten fertig sind und einreisen können.

Leider hatten wir uns streng an die Bestimmungen zum begrenzten Lebensmittelimport gehalten (kein Fleisch, kein Gemüse …), so dass wir noch in Beitbridge versuchen, im dortigen Spar unsere Vorräte aufzufüllen. Was für eine Enttäuschung: Das Angebot ist äußerst begrenzt und das Schlimmste: das angebotene Fleisch verströmt einen Duft, der uns fast fluchtartig zur Kasse schreiten lässt. Dann eben die nächsten Tage kein Fleisch … Gottseidank hatte Petra von der Lodge in Midrand uns 300 g italienische Salami verkauft, die ich in Decken gehüllt über die Grenze geschmuggelt hatte. Das muss dann reichen, bis wir hoffentlich in einer größeren Stadt wieder etwas bekommen können.

Unser erstes Ziel, den Gonarezhou Nationalpark, erreichen wir am frühen Nachmittag. Der Zustand der Asphaltstraße hat uns positiv überrascht und auch die Naturstraße ab Rutenga war wesentlich besser als befürchtet. Kuriosität am Rande: Wir laufen auf eine 4-spännige Donkeykarre auf und fahren einige Zeit hinterher. Der Kutscher drischt in üblicher Manier auf die Esel ein und erreicht eine Geschwindigkeit von 35 km/h!.




Die Parkverwaltung des süd-westlichen Teils ist stationiert in Mabalauta und hier gibt es einen Campingplatz direkt am Mwenzi gelegen, auf dem wir uns für zwei Tage einmieten.




Die Unterstützung der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft scheint erste Früchte zu tragen: die Parkverwaltung macht einen sehr guten Eindruck, die Campsite ist hergerichtet, der Sanitärblock gerade in Renovierung.




Wir sind’s jedenfalls zufrieden und richten uns unter großen Bäumen ein. Wir sind die einzigen Gäste und bleiben es auch. Leider sind wir wohl etwas „früh" im Jahr im Park, denn große Teile sind noch gesperrt, da unpassierbar nach der Regenzeit. Auch die Transitstrecke nach Nord-Osten bis Chipinda-Pools ist noch geschlossen, so dass wir „außen rum“ fahren müssen, wenn wir am Dienstag weiter fahren.

Am Nachmittag erkunden wir die Flussauen um uns herum. Wie schön es doch ist, im späten Licht am Fluss entlang zu cruisen: Die tiefstehende Sonne sendet ein weiches Licht aus, das alle Farben intensiv und warm leuchten lässt.




Unsere Sichtungen sind nicht spektakulär, aber gerade die „kleinen Tiere“ lassen eine Stimmung wie in der Pastorale aufkommen. Majestätische Kudubullen, recken Ihre Hälse,






große Herden Impalas grasen friedlich am Ufer,






und Giraffen, Nyalas






alle friedlich vereint.

Einzig der frühe Einbruch der Dunkelheit macht uns ein wenig traurig. Ab 17.30 Uhr nimmt das Licht rapide ab und um 18.00 Uhr ist es schon sehr dunkel.


So, das waren die ersten beiden Tage. Ab jetzt geht es tageweise weiter.

VG Klaudi
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31 Dez 2020 14:29 #602563
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Montag, 23. April 2018

In der Nacht rufen die Hyänen um uns herum, trotzdem schlafen wir im Dachzelt wie immer gut. Noch vor Sonnenaufgang klappen wir das Zelt zusammen und fahren in Richtung der Flussauen zum Frühstück auf einen Picknickplatz am Wasser.









Auch hier wurde renoviert, das Dach des Unterstandes ist neu gedeckt. Mit einem Ranger kommen wir ins Gespräch. Er arbeitet schon sein ganzes Berufsleben im Park und begrüßt die positiven Veränderungen, die nun auch wieder Touristen anlocken. Der frühere Chef des Parks habe sich mit Abschüssen sein Gehalt aufgebessert, aber seit einiger Zeit sei das Wild wirklich geschützt.

Uns zieht es weiter nach Süden bis zu den Rossi Pools









und zur Brücke über den Fluss.









Die Spuren der letzten Flut sind noch deutlich an der Vegetation und am Brückenbauwerk abzulesen.








Hatten wir nicht gemeint, Auto fängt mit „au“ an? Als Ursache für das schleifende Geräusch am linken Hinterrad, das uns schon in den ersten Tagen aufgefallen war, hatten wir bisher ein verbogenes Schutzblech der Bremsscheibe vermutet. Als Helmut heute das Blech richten will, stellt er fest, dass einer der Bremsbeläge völlig verschlissen ist und nun Metall auf Metall läuft. Wie kann das sein? Die hatten wir doch erst nach der Tour im Frühjahr 2016 erneuern lassen. Naja, wie dem auch sei, damit wollen wir nicht durch Simbabwe fahren. Beim Workshop der Parkverwaltung fragen wir, wo sie ihre Ersatzteile einkaufen. Die Antwort ist nicht ganz eindeutig, aber ein zufällig anwesender Landmaschinenmechaniker meint, wir sollten es mal bei Croco Motors in Chiredzi versuchen.


Am Nachmittag erkunden wir die nördlich gelegenen Ostufer des Mwenzi







bis zum Makwakwani Viewpoint. Auch hier hat man einen „Ausguck“ auf den felsigen Untergrund gebaut. Hier könnte man sogar übernachten, es gibt eine Long-Drop Toilet, aber ansonsten keine sanitären Einrichtungen …. "Bring your own water and firewood" … Das neue Konzept für den Gonarezhou beinhaltet den Ausbau dieser sogenannten Wilderness Campsites. Überall im Park entstehen neue Plätze, an denen man für satte 90 US$ pro Nacht und Stellplatz campen darf.




Zum Abschluss des Tages zieht es uns noch einmal in die Flussauen. Die Abendsonne verwandelt wieder alles in ein goldenes Licht. Wie aus dem Nichts tauchen 8 Giraffen auf und kreuzen unseren Weg in Richtung Fluss.

















Welch ein schöner Abschluss des Tages. Noch nicht ganz: Zurück auf der Campsite ziehen Elefanten trompetend durch den Fluss.
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04 Jan 2021 14:35 #602758
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Dienstag, 24. April 2018

Heute wechseln wir in den Nord-Ostteil des Parks. Wie gesagt, wir müssen „außen rum“, d.h. raus aus dem Park nach Norden, dann nach Osten und am Runde wieder nach Süden.







Auf dem Weg zum Chikombedzi-Gate lassen wir uns Zeit und schauen noch beim Samalema Gorge vorbei. Das Bett des Mwenzi ist hier extrem felsig und der Fluss hat sich im Laufe der Zeit eine imposante Schlucht geschaffen.






Das Schöne im Gonarezhou ist, dass man fast überall im Park das Auto verlassen darf. Natürlich auf eigene Gefahr...
Wir klettern über die Felsen und versuchen, alle Eindrücke fotografisch einzufangen. Die Sonne steht uns noch im Rücken und die Farben sind unvorstellbar schön.














Dann also raus aus dem Park, den ersten Teil so, wie wir gekommen sind.







Von Mbizi aus wagen wir dann – als Abkürzung – eine Erdstraße Richtung Norden nach Chingwizi, die dann später auf die A10 treffen wird. Die ersten Kilometer kommen wir schnell voran, die Straße ist breit und lässt sich gut fahren. Dann wird es anspruchsvoller, je weiter wir ins Hinterland kommen, umso schlechter wird die Straße, umso langsamer kommen wir voran. Aber wir sehen, wie die Menschen leben: überall rechts und links kleine Gehöfte, d.h. einige Hütten, ein Kral, ein bisschen Mais drumherum, ein paar Kühe. Satt wird man so, aber mehr auch nicht. Aber alles tiptop blank gefegt, kein Müll, kein Plastik.

Kurz bevor wir den Runde überqueren, beginnt intensiver Zuckerrohranbau, der das Bild im gesamten sogenannten Triangle prägt. Zum Anbau von Zuckerrohr braucht man Wasser, welches dem Runde hier in großen Mengen abgezapft wird. Die Felder sind eingedämmt, so dass man sie besser fluten kann. Und da die Dämme nicht immer dicht sind, ist die daran entlangführende Straße ein einziger Morast. Na Mahlzeit. Vom Festfahren im Schlamm haben wir ja seit letztem Jahr die Nase voll, aber wir müssen hier durch, ob wir wollen oder nicht.
Das Auto sieht natürlich aus wie Sau, aber wir sind durch.




Dann endlich erreichen wir die Runde-Brücke. Am südlichen Ende ragen rechts und links der Brücke meterhohe Sandberge auf, die man nach der letzten Flut dort aufgeschoben hat, damit die Zufahrt passierbar ist. Unvorstellbar, welche Mengen der Fluss bei Hochwasser transportiert und hier ablädt. Zwischen diesen Sandbergen warten wir geduldig, bis eine große Rinderherde die Brücke überquert hat.







Dann endlich auf der A10 Richtung Triangle/Buffalo Range. Durch den Zuckerrohranbau gibt es hier Arbeit und deshalb haben die Menschen hier ein bisschen Geld. Das sieht man sofort: manch einer hat sogar ein Fahrrad. Himmel und Menschen ansonsten zu Fuß auf der Straße unterwegs. Ein Traktor auf drei Rädern (ein Vorderrad fehlt) kommt uns entgegen. An der Polizeikontrolle werden wir wie gewohnt freundlich durchgewunken. Das war wohl vor dem Präsidentenwechsel noch anders. Reisende und auch Einheimische berichten von Wegelagerei ähnlichen Zuständen.

Bei Croco Motors in Chiredzi wollen wir ja Bremsbeläge kaufen. Pustekuchen, diesen Laden gibt es nicht mehr. Auch ihm ist die Puste ausgegangen in den vielen Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs. Aber der Tankwart meint, wir sollten mal in die Stadt hineinfahren, dort gäbe es sogar einen Toyota-Händler. Gesagt getan, und der Toyota-Händler hat sogar die passenden Bremsbeläge vorrätig. Aber der freundliche Mitarbeiter rät, sie nicht bei ihm zu kaufen, er müsse 200 US$ dafür verlangen, und das sei ja nun wirklich zu teuer. Aber vielleicht hätten wir ja nebenan Glück…. Und dann malt er freundlicherweise noch die Kontur des Belags auf ein Blatt Papier, damit wir auch ja den richtigen kaufen. Nebenan haben wir zwar Pech, aber zufällig hört ein Kunde wonach wir fragen und schaltet sich ein. Er kenne jemanden, der diese Beläge hätte, und den wolle er nun mal anrufen. Und nun haben wir also nebenan doch Glück, die Beläge sind bestellt, angezahlt, und wenn wir Freitag zurück aus dem Gonarezhou kommen, wollen wir sie abholen.

Bevor man den östlichen Teil des Gonarezhou erreicht, muss man die Malilangwe Conservancy durchqueren. Massiver Zaun, martialisches Tor, Eintragung ins Buch und Laufzettel, 45 km auf breiter Piste (sagenhafte 80 km/h sind erlaubt!) bis zum nächsten Tor, Zettel abgeben. Die sogenannte Conservancy ist ein privates Wildschutzgebiet, und wenn man hier zu Gast sein möchte, muss man pro Tag und Person schlappe 1.500 US$ berappen. Dafür kann unsereins mindestens drei Wochen Urlaub machen.

Das Einchecken im Gonarezhou geht dagegen leger vonstatten. Man freut sich, dass wir kommen und wünscht uns einen schönen Aufenthalt. Die Campsites an den Chipinda Pools sind nur ein paar Kilometer weit weg vom Gate direkt am Runde. Auch hier lässt Frankfurt grüßen: Neun sehr großzügige Stellplätze liegen am hohen Ufer nebeneinander. Je drei teilen sich einen Sanitärblock. Duschen, Toiletten, alles renoviert und in bestem Zustand. Auf Empfehlung von Ranger Charles (der mit dem Bart wie ein indischer Sikh) hatten wir schon von Mabalauta aus Campsite Nr. 8 gebucht. Sie ist die vorletzte in der Reihe, hat hohe Schattenbäume und gibt den Blick frei auf den Fluss.













Campsite Nr. 2 soll auch noch belegt sein, hatte man uns gesagt, ansonsten sind wir mal wieder alleine. Im Fluss grunzen die Hippos, Elefanten tummeln sich auf der vorgelagerten Flussinsel. Durch unser „Vorgärtchen“ laufen Nyalas und Impalas, ein Goliathreiher steht im Schilf.

Letzte Änderung: 04 Jan 2021 14:40 von Klaudi.
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Mittwoch, 25. April 2018

Was für eine Nacht! Angenehme Temperatur, kein Lärm, jedenfalls kein von Menschen verursachter, sondern nur die Töne der Natur. Wir frühstücken in aller Ruhe mit Blick auf den Fluss und die vorgelagerte Sandbank. Elefanten, Hippos, Krokodile friedlich vereint. Der Camp-Attendant grüßt fröhlich winkend herüber. Jetzt aber los, bevor es zu warm wird. Wir wollen heute mal nach Süden, vielleicht bis zu den Chilojo Cliffs, den Wahrzeichen des Parks.


Dieser Teil des Gonarezhou begeistert uns auf Anhieb. Im Gegensatz zum südwestlichen Teil ist hier, östlich des Runde, alles hügelig, grün bewachsen mit sattem Gras, großen Bäumen, Kandelabereuphorbien.













Wir fühlen uns wie in einem großen englischen Landschaftspark, nur die Fauna passt nicht so recht nach England. Hier macht die Bezeichnung Nationalpark ihrem Namen alle Ehre. Die frisch geschobene Straße führt uns bergauf, bergab. Von jeder Kuppe ergeben sich neue Ausblicke; östlich liegen Hügel hinter Hügel, westlich das breite Bett des Runde und dann bis zum Horizont die große Ebene, die bis zum Mwenzi reicht.



Überall in der Landschaft große Baobabs, die auch hier noch voll im Laub stehen.











Und immer wieder Impalas, Zebras, Wasserböcke, Warzenschweine.







Auf dem Weg nach Süden zweigt eine Stichstraße ab zur Chivilila Campsite, die direkt am Rundeufer liegen soll. Und weil wir sicherlich diesen schönen Park noch einmal besuchen werden, wagen wir den steilen und steinigen „Abstieg“ hinunter zum Fluss, um zu erkunden, ob der Platz zum campen taugt.




15 Minuten geht es im Low hinunter. Der Weg ist schmal, weit und breit keine Ausweichstelle in Sicht, bei Gegenverkehr müsste eines der Fahrzeuge also zurück. Und was, wenn uns hier ein Elefant in die Quere kommt?? Die Erinnerungen an 2017 (als uns ein Bulle in Musth attackiert hatte) sind noch nicht verblasst, und wir beide haben die gleichen Gedanken, obwohl wir sie jetzt, während der Fahrt, nicht aussprechen. Unten angekommen werden die Mühen und versteckten Ängste sofort überlagert von einer wunderschönen Aussicht. Aus einer felsigen Schlucht ergießt sich der Runde hier in einige Pools, bevor er weiter südlich wieder, von Felswänden eingezwängt, verschwindet. Das Wasser klar, die Felsen rot, die Vegetation grün und üppig.




















Auf einer glatten Granitfläche steht ein strohgedeckter Unterstand, in einiger Entfernung ein Plumpsklo. Die Lage der Campsite ist grandios, es muss herrlich sein, hier ganz alleine zu campen. Wenn nur nicht die 90 US$ Gebühr wäre.





Einen ähnlichen Abstecher zum Fluss machen wir noch einmal einige Kilometer weiter südlich, und zwar zum mit Recht so genannten Runde Gorge. Dem Reiseführer ist der Gorge keine Zeile wert, wahrscheinlich war dem Autor die Anfahrt zu beschwerlich. Aber die Schlucht, die der Runde hier geformt hat, muss man gesehen haben. Es ist nicht so sehr die Tiefe, da gibt es sicherlich Spektakuläreres. Aber die Kombination aus rotem Fels, satt-grüner Vegetation, klarem Wasser und weißer Gischt an den Stromschnellen ist wunderschön, und nur schwer können wir uns lösen.




























Wir cruisen weiter Richtung Süden.














Gegen Mittag erreichen wir die Chilojo Cliffs, oder besser gesagt, die gegenüberliegende Seite.






















Unsere Pause unter Palmen, mit Blick auf die Cliffs, wird leider immer wieder von einzelnen Elefanten gestört und so machen wir uns schweren Herzens auf den Rückweg. Schon auf halbem Hang schauen wir noch einmal zurück: etwa 50 Elefanten queren den Runde – was für ein Bild: die roten Cliffs, der Fluss, die majestätischen Tiere. Auch auf die größere Entfernung hin hören wir sie laut trompeten.

































Auch der späte Nachmittag auf der Campsite gehört den Elefanten. Sie kommen von der gegenüberliegenden Seite durch den Fluss und baden ausgiebig im Pool zu unseren Füßen.













Nach dem Abendessen wird es uns allerdings zu bunt:





wir sitzen am Flussufer und lauschen in die Natur, als einige Elefanten aus dem Fluss steigen und auf der Campsite nach Fressbarem suchen. Wir können sie nur schemenhaft sehen, aber es kracht um uns herum in den Büschen und Bäumen. Wir verziehen uns ins Dachzelt.
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Donnerstag, 26. April 2018

Ruhetag. Sonnenaufgang fotografieren, genüsslich frühstücken, rumtrödeln, ein bisschen Wäsche waschen. Auch heute winkt Caretaker Peter freundlich, bevor er sich an die Arbeit macht. Ranger Aaron schaut vorbei, befragt uns in der üblichen Art und Weise (wo kommt ihr her? Wie gefällt euch Zimbabwe? …..) und empfiehlt uns zum Schluss, doch einfach mal den Bereich der Campsites zu erkunden. Wenn wir uns von Nr. 1 aus südlich hielten, kämen wir zu den Stromschnellen des Runde, die seien sehr schön. Wir stutzen, denn auch hierzu sagt der Reiseführer kein Wort, und machen uns wenig später auf, die Gegend zu Fuß zu erkunden.

Wir schlendern entlang der Zufahrtswege zu den einzelnen Campsites, immer nach Süden. Jede Campsite hat ihre Vor- und Nachteile (mal mehr Blick auf den Fluss, dafür weniger Schatten, mal viel Schatten, dafür vom Weg her einsehbar), aber letztendlich sind alle schön gelegen und in tadellosem Zustand. Südlich von Nr. 1 verjüngt sich der Fahrweg zu einem Trampelpfad, der nach einigen hundert Metern am Runde endet. „Boah glaubse“, würde Herbert Knebel sagen, „kein Wort im Reiseführer, und dann das“. Vor uns erstreckt sich das hier sehr breite Flussbett des Runde.

















Aller Untergrund Fels, Tümpel, kleine Kaskaden, Stromschnellen, es rauscht und plätschert um uns herum. Die Höhenunterschiede im Flussbett lassen es zu, dass wir, von Stein zu Stein hüpfend, weit in den Fluss hinein laufen können.



Mit jedem Meter, den man weiter in den Fluss hinein gerät, ergeben sich neue Perspektiven.
















Die Fotoapparate klacken was das Zeug hält. Natürlich auch hier Elefanten und Hippos, sehr fotogen im Fluss und am Ufer drapiert.
















Aaron, wir danken dir für diese Empfehlung. Nach zwei Stunden müssen wir leider zurück in den Schatten unserer Campsite, da ich vergessen hatte mich einzucremen.

Einziger Wermutstropfen in diesem schönen Ausflug: direkt hinter CS Nr. 1 rattert in einem offenen Pumpenhaus ein alter Diesel ohne Schalldämpfer und treibt eine Wasserpumpe an, die die gesamte Station Chipinda Pools mit Wasser versorgt. Es dröhnt infernalisch und um das Haus herum schwebt ein feiner Dieselnebel. Angeblich soll bald auf Solar umgestellt werden, aber wann, weiß natürlich niemand.




Zurück auf unserer Campsite, wir erholen uns gerade von unserem Ausflug, fällt uns aus einem Baum eine Schlange direkt vor die Füße. Nach dem ersten Schreck beschließen wir, dass sie für uns wohl nicht gefährlich sein wird und entspannen wieder. Die Schlage findet ihr Tun offensichtlich normal: sie schaut kurz von rechts nach links und schlängelt weiter ins hohe Gras.




Im warmen Licht des Nachmittags klettern wir hinunter zum Wasser, um eine bessere Position zum Fotografieren einnehmen zu können. So nah an Hippos und Krokodilen klopfen unsere Herzen eindeutig schneller als sonst, und als eine große Gruppe Elefanten sich vom gegenüberliegenden Ufer aufmacht, zu uns herüber zu kommen, treten wir den Rückzug an.










So beobachten wir das nachmittägliche Bad aus sicherer Position. Die Elefanten baden so ausgelassen, dass Hippos und Krokodile sich lieber in ruhigere Bereiche verziehen.












Das Schauspiel dauert etwa eine Stunde, und dann, wie auf ein Kommando, ist plötzlich Ruhe. Die Elefanten drehen ab und ziehen rasch wieder ans andere Ufer.



Was für ein schöner Tag war das heute! Keinen Kilometer gefahren und doch so viel gesehen und erlebt. Leider legt sich der Wind abends nicht, so dass wir früh ins Zelt kriechen. Draußen heulen die Hyänen und ein Leopard „hustet“ leise vor sich hin.
Letzte Änderung: 17 Jan 2021 19:59 von Klaudi.
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25 Jan 2021 15:40 #604860
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Achtung! Der heutige Tag wird extrem textlastig. Ich erinnere heute, fast 3 Jahre später nicht, warum ich keine Fotos unterwegs gemacht habe. Im ersten Teil der Fahrt war es sicherlich nicht attraktiv und auf der Serpentinenstraße in die Berge kamen so viele LKW entgegen, dass wir beide unentspannt waren. Da dieser Tag aber für uns so dramatisch geendet hat, müsst Ihr euch jetzt durch den Text quälen.

Freitag, 27. April 2018

Nach drei Tagen in Chipinda Poos wollen wir heute weiter. Am Wasser ist morgens nicht viel los, das macht den Abschied leichter.






Auf dem Weg zum Gate schauen wir uns noch die zerstörte Runde-Brücke und die Furt an.










Von Ranger Aaron wissen wir, dass gestern zum ersten Mal nach der Regenzeit ein LKW die Furt passiert hat, für uns ist der Wasserstand aber eindeutig noch zu hoch.




Beim Auschecken am Gate - wir plaudern noch ein wenig mit den Angestellten - lässt sich wieder eine Schlange vom Himmel, besser gesagt vom Strohdach, fallen. Niemand nimmt Notiz davon und auch wir tun nun cool – kennen wir ja schon. Die Ranger wissen nicht, wie die Schlange heißt, aber sie sei ungefährlich. Nun denn.


Mit 80 Sachen geht es wieder durch die Malilangwe Conservancy und weiter nach Chiredzi, um beim Teilehändler die bestellten Bremsbeläge abzuholen. In Chiredzi wollen wir auch einkaufen - es soll dort einen Pick’n Pay geben - und tanken. Beides ist leichter gesagt als getan: nach drei Runden finden wir den Supermarkt, aber das Angebot ist auch hier nicht üppig. Und Diesel gibt es zurzeit an keiner einzigen Tankstelle in der Stadt. Der Tankwagen sei unterwegs, heißt es, aber es würde dauern.... Es rettet uns dann die „Engen“ an der A10, und wir tanken randvoll.

Über die A10 geht es zuerst nach Osten bis zur Brücke über den Save. Bisher kennen wir von Simbabwe ja nur die Lowlands, die beim Durchfahren keinen wirklichen Augenschmaus bieten. Rechts und links der Straße flaches Land, mal verbuscht, ab und an mit großen Bäumen gespickt. Die Lowlands sollen in der „guten alten Zeit“, also bis 1980, fruchtbares Ackerland gewesen sein, wovon man leider nun wenig sieht. Die Kleinbauern machen ihrem Namen alle Ehre und wirtschaften wirklich auf ganz kleinem Niveau: Nicht jeder von ihnen bewirtschaftet einen Hektar, und wenn, dann auch mehr schlecht als recht. Der angebaute Mais oder andere Feldfrüchte wachsen spärlich. Das gesamte Bewässerungssystem der früheren Jahre ist de facto nicht mehr vorhanden und demzufolge stellen alle Pflanzen ihr Wachstum bald nach der Regenzeit ein. Wie schon gesagt, das reicht zum satt werden, aber zu mehr auch nicht.

Kurz hinter Rupangwana macht die A10 einen 90-Grad-Schwenk und nun geht es entlang des Save immer nach Norden. Auch hier flaches, ehemals bestes Ackerland, das mit Save-Wasser bewässert wurde. Jetzt, obwohl der Fluss noch viel Wasser führt, nur hier und dort mal ein üppiger Acker. Kein Traktor, kein Gaul, allenfalls mal ein Ochse oder ein paar Esel. Und schlimmstenfalls spannt man sich selbst vor’s Gerät.

Nördlich von Chibunji, die gute Asphaltstraße hat sich längst in eine mit Schlaglöchern verseuchte „Restfahrbahn“ verwandelt, tauchen im Osten die ersten Berge auf. Das tut unseren Augen gut, obwohl diese konsequent wegen der straßenbedingten Herausforderungen nach vorne gerichtet sind. Warum auch immer, uns scheint, als wenn am Fuße der Berge ein wenig Wohlstand eingezogen sei. In Rupisi blüht das Leben: viele neue, nett und bunt gestaltete Häuschen, hier und da ein Auto, besser gekleidete Menschen. Zu gern würden wir die Ursache dieser positiven Veränderung wissen.

Bei Tanganda geht es dann endlich ab nach Osten in die Berge. Sofort steigt die Straße an, fast serpentinenartig führt sie in die Bergwelt. Alles üppigst grün, wir kommen uns vor wie im Urwald. Der Gegenverkehr ist heftig, denn diese Straße kommt aus Mozambique. Es ist nicht die Dichte des Verkehrs sondern der Fahrstil und vor allem das Selbstverständnis, das die meisten LKW-Fahrer in Schwarzafrika an den Tag legen, was die Begegnungen gefährlich macht. Da bleibt im wahrsten Sinne wenig Platz für ein entgegenkommendes Fahrzeug. Dennoch, diese Straße ist eine Wucht, immer höher führt sie uns in die Berge. Bis auf 700 m Höhe wachsen noch viele Baobabs, danach folgt undurchdringlicher Urwald. Über 1200 m Höhe, und auch weiter nach Osten, folgen Nutzwald und, man staune, Bananenplantagen. Die Nutzholzplantagen sind in beklagenswertem Zustand, es wird nur noch primitiv abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet. Große Sägewerke dümpeln und gammeln vor sich hin, eine große Köhlerei verpestet zwar noch die Luft, aber drumherum herrscht schon Rockytocky.

Unser heutiges Ziel, die Chimanimani-Berge, erreichen wir am Nachmittag. Der Reiseführer lobt dieses Gebiet über den grünen Klee, und in früheren Jahren hätte das vielleicht seine Berechtigung gehabt. Aber der kleine Ort Chimanimani ist verblüht, die umliegenden Hänge abgeholzt, an den Straßen „lungern“ die Arbeitslosen herum. Unseren Plan, im Ort auf einer kleinen Farm zu übernachten, verwerfen wir und buchen stattdessen im örtlichen Büro der Naturschutzbehörde gleich zwei Nächte auf der Campsite innerhalb des kleinen Nationalparks an den Bridal Veill Falls. Schließlich wollen wir ja morgen noch eine Wanderung machen.

Was für ein Kontrast zu den nackten Hängen von Chimanimani: Der kleine Nationalpark entpuppt sich als üppiger Urwald, der in einer steil abfallenden Schlucht die Hänge bedeckt. Nach Passieren des Schlagbaums führt eine enge Naturstraße in vielen Serpentinen hinunter in die Schlucht. Die Sonne ist schon verschwunden hinter den hohen Bergen. Und als wir endlich die Campsite erreichen, empfinden wir den Ort doch als sehr „schattig“. Aber die Unterstände sind frisch gestrichen und machen auf den ersten Blick einen guten Eindruck.




Doch oh weh! Die Inspektion der Toiletten und Duschen zaubert das schiere Entsetzen auf unsere Gesichter. Wann diese Fazilitäten einmal benutzbar waren, kann man noch nicht mal mehr erahnen. Überall Schutt, zertrümmerte Waschbecken und Toiletten, seit ewigen Zeiten kein Wasser mehr. Wir werden also heute in die Büsche verschwinden müssen, und Wasser werden wir aus dem klaren Bächlein nebenan holen. Wir sind ja alleine hier, und für eine Nacht wird’s schon gehen, die zweite werden wir definitiv nicht hier verbringen, soviel steht sofort fest.


Wir installieren uns also, erkunden ein bisschen die Umgebung, da kommt ein Auto die Schlucht herunter. Zwei „Knüssel“, wie man im Rheinland sagen würde, sitzen drin, halten an, behaupten, sie seien beauftragt, hier nach dem Rechten zu sehen. Es kitzelt mich zu sagen, dass das auch dringend nötig sei, aber ich verkneife mir das dann doch. Bei Helmut halten sie ebenfalls an, sprechen ihn auf hämische Weise an, dass sie sehr froh seien, dass wir ihr Land besuchen. Alles sehr irritierend, aber leider erst im Nachhinein. Danach verschwinden sie weiter talab, wo es, wie wir schon erkundet haben, keine Parkgrenze gibt und das Schutzgebiet in freies Land übergeht. Man fragt sich, warum es oben einen Schlagbaum gibt.

Es vergeht eine knappe Stunde, da kommen die beiden schon wieder den Berg hinunter, fahren langsam an unserem Lager vorbei. Als sie das dritte Mal kommen, sind wir nicht allein, denn zwei einheimische Familien besichtigen auf die Schnelle die Breidal Veill Wasserfälle. Mal wieder machen wir uns, unausgesprochen und jeder für sich, Gedanken über diese merkwürden Typen.

Es wird dunkel, wir fangen an zu kochen. Das Lagerfeuer will wegen der hohen Feuchtigkeit nicht brennen. Im Nachhinein würde man meinen, zum Glück! Wir essen zu Abend, sitzen im Unterstand bei Kerzenschein. Trotz des hohen Geräuschpegels des nahen Baches und Wasserfalls, glauben wir weiter oben ein Auto zu hören. Zwei Menschen, ein Gedanke: wir löschen sofort unser Licht und horchen in die stockfinstere Nacht. Nichts mehr. Kein Motor, kein Scheinwerfer. Haben wir uns getäuscht? Schemenhaft taucht einige Minuten (oder Sekunden?) später an der von uns aus ersten einsehbaren Straßenkehre oberhalb der Campsite das weiße Auto unserer beiden Freunde auf. Kein Motor, kein Licht, das Auto rollt langsam den Berg hinab. Zwei Menschen, kein Wort: wir lassen alles stehen und liegen und „flüchten“ ins Auto. Unsere Herzen rasen. Was wollen die? Während wir noch darüber nachdenken, ob wir mit ausgeklapptem Dachzelt den Berg hinauf kämen, und ob wir noch was mitnehmen können oder alles „im Riss“ lassen, rollt das Auto im Schritttempo vorbei und hält unterhalb der Campsite am Rande der Lichtung an. Unsere Gedanken schießen kreuz und quer …. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann rollt das Auto weiter den Berg hinab, ohne Motor und ohne Licht. Im Nachhinein denken wir, dass sie wohl überrascht waren, alles dunkel vorzufinden und uns nicht sehen zu können. Vielleicht haben sie selbst dann auch ein bisschen Angst bekommen, wie die Sache für sie ausgehen könnte, und von ihrem Vorhaben abgelassen.

Der Rest ist schnell berichtet: Sie sind weg, wir schmeißen alles lose und unverpackt in wilder Hetze ins Auto, klappen das Dachzelt nur einmal rum, ohne es zu verzurren, und preschen in vollem Tempo den Berg hinauf. Sobald wir rollen, löst sich die schlimmste Anspannung, wir haben Hoffnung, dass wir mit dem Schrecken davon kommen. Unser Tempo bergauf können sie mit ihrem Auto auf keinen Fall gehen, soviel steht fest. Gottlob ist der Schlagbaum oben offen, so dass wir ohne eine Harakiri-Aktion rauskommen. In unserem Zustand hätten wir ihn, wäre er verschlossen gewesen, wahrscheinlich einfach niedergewalzt. :laugh: Als wir die ersten Lichter von Chimanimani sehen, halten wir erleichtert an und beratschlagen, wie wir weiter vorgehen.

Der Reiseführer empfiehlt die Campsite der „leger geführten“ Heaven Mountain Lodge, aber als wir dort ankommen, entscheiden wir uns für ein „Chalet“ – wir wollen nur noch an einem sicheren Ort zur Ruhe kommen. Und, ob Ihr das glauben könnt oder nicht, wir schlafen tief und fest bis zum nächsten Morgen. Die Spinne, die mir nachts über’s Gesicht krabbelt, registriere ich nur im Halbschlaf. ;)
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