THEMA: Wenn Chamäleons vom Himmel fallen...
23 Mär 2017 07:17 #468695
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  • Maputo am 23 Mär 2017 07:17
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Nett zu lesen der Bericht, und der gute alte Brown bringt immer noch Holz und macht Feuer an. :laugh:

Die "Dachzeltkletterin" kommt mir auch irgendwie bekannt vor. Die lungert und schnorrt dort rum, bösartig ist sie nicht, eher etwas behindert und verwirrt, aber es kann dich schon erschrecken mitten in der Nacht. Mit Skorpionen kenne ich mich auch etwa aus, da hat mir einmal einer in Moçambique in den Fuss gestochen, ich fühlte mich dann ein paar Tage sehr tranig und energielos und absolut erstaunlich war, dass ich überhaupt keine Lust mehr hatte Alkohol zu trinken, man kann einen Stich also durchaus auch als sinnvolle therapeutische Massnahme sehen.... lg A
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23 Mär 2017 23:13 #468781
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Am Morgen nach diesem Zwischenfall haben wir dann flink gefrühstückt und in einer Regenpause das Dachzelt zusammengelegt - wir wollten ja heute über die Grenze nach Mosambik!
Beim letzten Besuch sind wir in Chirinda 2 Nächte geblieben und hatten Zeit ein bissl die Umgebung zu erkunden. Man kann im Park sehr schön wandern. Ganz in der Nähe gibt es auch einen großen Baum anzuschauen - Big Tree, ein riesiger, roter Mahagoni-Baum. Es soll über 600Jahre alt sein und wohl der letzte seiner Art in Zimbabwe. Vom Camp kann man in knapp einer Stunde zum Naturdenkmal „Big Tree“ wandern. Zunächst geht es auf einem breiten Weg bis zur Teerstrasse. Die quert man und ab da geht‘s auf einem verschlungenen Trampelpfad durch den Dschungel. Auf dem Pfad „begegnet“ man ungewöhnlich vielen Schnecken, teilweise faustgroß. Man hört auch viele Vögel rufen, sicherlich ein Paradies für Birdwatcher! Andere Tiere haben wir nicht gesehen...




Das Baum ist so mächtig, dass ich ihn mit meiner kleinen Cam gar nicht ganz aufs Foto bekomme. Hier hätte ich gerne ein Weitwinkel dabei gehabt!

Aus dem Camp fahren wir wieder durch den Dschungel zurück auf die Teerstrasse. Es sind bestimmt 10km durch den fantastischen Wald!
Wir sind gestern von rechts gekommen und biegen nun links ab.
Die Strasse führt durch ein kleines Dorf und biegt dann links ab und wird zur Gravelpiste. Letztes Jahr war nach ein paar Hundert Metern ein Holzlaster direkt in einer Kurve umgestürzt und blockierte auf ganzer Breite die Pad - kein Vorbeikommen! Zum Glück gibt es einen Wegenetz durch die Teeplantagen die sich hier im Grenzgebiet über weite Flächen erstrecken.




Dort drüben ist schon der Grenzposten!
Letztes Jahr haben wir noch kurz vor der Grenze einen Südafrikaner aus der Patsche geholfen. Er hatte sich mit seinem maroden, bis knapp unterm Himmel beladenen Pickup mit glatten Reifen festgefahren und mühte sich ab das Gefährt wieder flott zu kriegen. Seine hochschwangere Frau stand etwas verloren am Wegesrand...keine Ahnung wie lange sie schon in dieser misslichen Situation waren, aber ganz sicher wäre er da alleine nicht raus gekommen! Wir haben natürlich geholfen und die Kiste samt Hausstand freigeschleppt...
Er wollte uns noch bezahlen für unsere gute Tat, aber zu Helfen ist doch Ehrensache!




Der Weg war gesäumt mit Avocado-Bäumen. Leider waren die Früchte noch nicht reif :(


Eine Biegung weiter standen wir schon auf dem Gelände der Grenzstation.
An der Grenze war wie auch schon im Vorjahr wenig bis nix los. Ein anderes Fahrzeug wollte auch die Grenze passieren.
Die Grenzer waren sehr freundlich, ein bisschen Smalltalk - hier sprach man noch Englisch. Hier laufen die Uhren irgendwie langsamer, jedenfalls verging eine Stunde bis wir endlich weiterfahren konnten. Vorher schaute noch ein Beamter ins Fahrzeug, dann konnten wir weiterfahren. Das Carnet hatten wir hier ausstempeln lassen.
Ein Stückchen weiter kam dann der Grenzposten auf Mosambikseite in Sicht. Hier hatte sich auch nichts verändert. Ein paar Soldaten mit MPs standen etwas abseits im Schatten. Wir hofften auch diese Jahr wieder hier unser Visum für Mosambik bekommen zu können. Auf der Webseite der Botschaft ist zu lesen, dass man das Visum schon vor Reiseantritt im Heimatland beantragen muss. So bangten wir ein bissl...Wenn das hier nicht klappen söllte, hätten wir zur Botschaft nach Harare fahren müssen. Aber wir waren uns eigentlich ziemlich sicher das Visum wieder hier an der Grenze bekommen zu können - und so war es dann auch! Der Grenzbeamte sprach ein paar Brocken Englisch und letztlich ist ja klar was man hier will, da braucht es nicht viele Worte :)
Jeder musste ein Formular ausfüllen, dann führte man uns in ein Hinterzimmer und setzte uns vor eine Webcam - einmal bitte freundlich... Das Foto wird dann auf das Visum gedruckt! Im Idealfall, wenn denn der Drucker funktioniert! Nach einigem hin und her klappte das dann auch. Letztes Jahr hatte man uns mit Nachdruck bearbeitet dass wir eine Versicherung kaufen müssten - Haftpflicht für 20US$. Wir hatten aber keine Versicherung gekauft und es hat auch niemand danach gefragt! Auf unserer ersten Reise hatten wir einen Unfall und mehrere Stunden mit der Polizei zu tun. Der Fahrer eines Traktors war uns in Tofu stumpf ins Auto gefahren während wir vor einem geschlossenen Tor standen und darauf warteten dass der Wachmann es öffnet. Nach langem hin und her, wo man letztlich uns die Schuld gab für den Unfall, trennte man sich ohne dass jemand für unseren Schaden aufkam. Soviel zur Versicherung...die Locals brauchen die offenbar nicht?! Der Polizist sagt nur: „What do you want - this is a poor man“?! Aha...Daher können wir verstehen wenn Autovermieter eine Einreise nach Mosambik nicht erlauben, denn meistens bleibt man auf seinen Schaden sitzen!
Dieses mal wollten wir aber eine Versicherung abschliessen, denn wir wollten auf keinen Fall irgend jemanden an einem Roadblock oder bei einer Kontrolle einen Ansatzpunkt für ein Bußgeld geben. Wie schon die Jahre zuvor fragte im Laufe der Reise niemand nach der Versicherung.
Für‘s Visum sollten wir 70US$ pro Nase zahlen. Im internet hatte ich von einer geringeren Summe gelesen... Wir erkundigten uns wie denn die Gebühr in Euro wäre, wie in Metical und wie in Rand. Rand stellte sich als am Günstigsten heraus - also zahlten wir in Rand ;)
Praktisch wenn man eine App hat, die den aktuellen Wechselkurs parat hat!
Nun war der Papierkram fast erledigt - das Carnet fehlte noch, ein Stempel hier, ein Stempel dort, eine Unterschrift, fertig und ab zum Auto. Ein Grenzer begleitete uns und inspizierte das Auto - alle Klappen los. Der Grenzer wollte wissen was denn alles in den Kisten wäre? Na, alles was man zum Campen braucht: Kochgeschirr, Lampen, Kabel, Lebensmittel, Wasser usw. Er guckte noch in eine Kiste, die war voll mit Schuhe, was sonst ;) Damit gab er sich zufrieden und wir durften bis zur Schranke vorfahren. Ein Soldat kam ans Fenster und fragte nach Papiere, guckte sich Carnet und Pässe an und fragte dann unverblühmt nach kalten Getränken. Wir gaben ihm eine Dose Cola und der Schlagbaum ging hoch und wir waren in Mosambik!
tbc...
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06 Apr 2017 11:31 #470320
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Chirindi Botanical Garden - Camp Buffalo, ca. 280km
Vor uns lagen nun ca. 150km bis zur Küstenstrasse EN1. Bis Dombe ist die Strasse geteert, allerdings sehr kurvenreich und es geht ziemlich bergab - schnell fahren mit einem 4x4 ist hier Selbstmord. Die Strasse schlängelt sich an einem Bach entlang durch‘s Tal. Ein paar Dörfer links und rechts der Strasse. Wir hatten bis Dombe keinen Gegenverkehr und man kann sich fragen warum so eine tolle Verbindungsstrasse gebaut wurde...
Ab Dombe geht‘s dann auf wirklich gutem Gravel weiter; 50km, dann war die Küstenstrasse erreicht. Hier fuhren dann schon mehr Fahrzeuge, viele LKW.
Nach weiteren 50km erreichten wir dann Muxungue. Der Zustand der Strasse hier oben war Ok. Das sollte sich weiter südlich ändern. In Muxungue wuselte es wieder vor Menschen und Fahrzeugen. Fliegende Händler an der Strasse bieten ihre Waren an, Obst, Gemüse, Nüsse, Speiseöl usw.
Von unserer letzten Reise wussten wir, dass es in Muxunge mindestens einen ATM gibt. Den suchten wir nun und fanden ihn auch schnell. Mit Meticals in der Tasche ging‘s dann weiter. Die Strasse war links und rechts gesäumt mit parkenden Autos und Trucks...es war drückend warm bei bedecktem Himmel.
Kurz vor Ortsausgang stand ein Truck auf der Strasse und blockierte die linke Spur, ein paar Pylonen direkt vor ihm. Wir fuhren langsamer, niemand zu sehen, wir dachten uns nichts dabei und sind einfach weiter gefahren. Ein Fehler wie sich später herausstellte...
500m weiter stoppte uns eine Gruppe Uniformierter mit Waffen in der Hand. Nun kommt das Sprachproblem...sinngemäß fragten sie uns wohl was wir denn hier machen und wo wir hin wöllten. Eigentlich hatten wir die Hoffnung heute noch bis an die Küste nach Inhassoro zu kommen. Aber es war schon weit nach Mittag und wir hätten noch ein ordentliches Stück zu fahren...
Plan B sah vor eine Nacht im Camp Buffalo direkt an der EN1 zu bleiben und dann am nächsten Tag die Reise fortzusetzen.
Also Plan B - so antworteten wir das wir nach Camp Buffalo wollten, nur ein paar Kilometer die Strasse runter. Man lies uns fahren...nach dem sie 100 Meticals von uns extrahiert hatten.
Keinen Kilometer weiter das gleiche Spiel. Hier wollte man uns aber nicht so einfach „davonkommen“ lassen. So wechselten ein paar Getränkedosen den Besitzer. Weiter ging‘s - bis zur nächsten Gruppe Bewaffneter. Anfangs trugen die „Waffenbrüder“ noch erkennbar Uniform, das änderte sich nun von Stop zu Stop. Dieser Gruppe haben wir unser altes Biltong aus Windhoek gegeben - schmeckte uns sowieso nicht mehr ;) Die Jungs waren happy und wir konnten weiter fahren - bis zur nächsten Stop... Letztlich wissen wir nicht mehr wie oft wir angehalten und nach Essen, Getränken und Geld gefragt worden sind. Irgendwann hatte ich die Nase voll und hab dann nur noch gesagt wir hätten nichts mehr. Ihre Kollegen an der Strecke hätten schon alles was wir geben könnten. Wir waren uns der Gefahr wohl bewusst in der wir waren, aber was hätten wir jetzt machen sollen? Umdrehen um dann in Muxungue an der Strasse die Nacht zu verbringen? Oder sich hier irgendwo im Busch ein Nachtlager einrichten? Kam nicht in Frage...
Wir wissen ja um die Hintergründe dieser Roadblock/Konvoi Geschichte. Hier stehen uns nicht wirklich Banditen gegenüber, sondern hier stehen sich Soldaten und Polizisten gegenüber. Die würden schon nicht auf uns schiessen...
Die Regierung im Süden Mosambiks verkauft Schürfrechte im Norden und kassiert dafür. Im Norden - wo die Bodenschätze liegen - kommt aber wenig von den Erlösen an. Ebenso ist es mit den Kraftwerken im Norden, der Süden verkauft den Strom und die Betreiber im Norden gehen leer aus. Das dieser Umstand auf lange Sicht zu Unruhen führt ist doch klar.
Man hat uns erklärt, dass die Regierung das Sagen über die Polizei hat; der Norden, vertreten durch die Opposition, hat aber das Sagen über das Militär. Durch Unterbrechung der Hauptverbindungsstrasse versucht der Norden Druck auf die Regierung auszuüben um Teilzuhaben an den im Norden erwirtschafteten Erlösen, die in Maputo versickern. Die Regierung begegnet dem und schickt Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen, die die Konvois begleiten.
Es kann natürlich gut sein, dass sich auch Banditen unter die Bewaffneten mischen um ihren Schnitt zu machen. Gefahr für Leib und Leben besteht also durchaus! Aber so schlimm wie weiter oben im Norden ist es hier in der Save-Region wohl noch nicht...
Am letzten Roadblock, den wir diesen Tag erreichten, wollte man uns partout nicht weiterfahren lassen. Hier standen mehrere Gruppen Bewaffneter auf der Strasse, die offenbar teils Polizei teils Militär zuzuordnen waren.
Eine Gruppe kam zu uns ans Auto und redete auf Portugiesisch auf mich ein.
Ich hatte mir vorgenommen während der Reise Portugiesisch zu lernen und einen Sprachkurs mit CD in der Seitentasche der Fahrertür liegen.
Den zog ich heraus und erklärte auf Englisch, dass ich versucht hätte ihre Sprache zu lernen, ich aber einfach zu stupid wäre und ihre Sprache nicht spreche. Man sah förmlich das Fragezeichen in den Augen unseres Gegenübers ;) Das lockerte ein bisschen die angespannte Stimmung. Einer aus der Gruppe machte ein wirklich finsteres Gesicht und spielte die ganze Zeit mit Handschellen herum...machte uns ganz nervös!
Einer aus der Gruppe sprach ein paar Brocken Englisch und erklärte uns, dass wir auf keinen Fall weiterfahren könnten und sogar umdrehen und wieder zurück nach Muxungue fahren müssten. Der folgende Wegabschnitt wäre der wirklich gefährliche Teil der Strasse und daher könne er uns auf gar keinen Fall weiterfahren lassen :(
Wir guckten uns kurz an - nein, zurückfahren wollten wir auf keinen Fall!
Also erwiderte ich, dass wir nicht zurück fahren und statt dessen einfach hier bleiben würden. Das könne er uns auch nicht erlauben!?
Der Bursche mit den Handschellen wurde immer nervöser, lief auf und ab und schaute die ganze Zeit zu uns rüber. Schien ihm nicht zu passen dass wir nicht kuschten...
Der Sprecher forderte uns wieder auf zurück zu fahren - ich fragte ihn ob ich wieder durch all diese Roadblocks fahren söllte? Wir würden nicht fahren und hier bleiben...
Er wies wieder in Richtung aus der wir gekommen waren. Ich fuhr los und drehte den Wagen in Richtung Muxungue, fuhr aber auf den Seitenstreifen und stellte den Motor ab. Dann würden wir halt hier bleiben!
Die Jungs waren verblüfft und offenbar unschlüssig was sie nun tun sollten.
Nach ein paar Minuten kam der Sprecher von eben zu uns und sagt wir könnten auf den Konvoi warten, der gerade auf dem Weg zu ihnen wäre und mit diesem dann zurück nach Muxungue fahren. Das wollten wir aber auch nicht...er ging.
Fünf Minuten später war er wieder da und erkläre, dass er uns fahren lassen könne wenn wir denn wirklich nicht zurück fahren wollten. Uns war sofort klar woher der Wind wehte - es ging mal wieder um Geld! Den größten Teil des in Muxungue geholten Bargelds hatten wir sowieso versteckt, so zogen wir den Geldbeutel und gaben ihm die knapp 200 Metical die noch im Geldbeutel waren - umgerechnet etwa 2,50 Euro! Wir konnten fahren! So ein Theater...
Ich drehte wieder und wir fuhren an den verschiedenen Gruppen vorbei - eine guckte finsterer als die andere...
Wir haben dann Gas gegeben und sind mit 100km/h in Richtung Buffalo Camp gefahren. Keine 10 Minuten später kam uns dann der Konvoi entgegen; vorne fuhr ein gepanzertes Fahrzeug. Der Konvoi fuhr mitten auf der Strasse, so konnten wir nicht einfach passieren und stoppten - das gepanzerte Fahrzeug stoppte auch und man fragte uns was wir denn hier machen würden? Wir wollen nur noch die paar Kilometer zum Camp fahren und dort die Nacht verbringen. Der Befehlshabende schien das Camp zu kennen und erlaubte uns die Weiterfahrt! Wir sind dann erst einmal stehen geblieben und haben den Konvoi passieren lassen. Es waren sicher über 100 Fahrzeuge die da an uns vorbeischossen - ein wahres Rennen! Einige Fahrzeuge überholten im Konvoi, hauptsächlich große Busse fuhren wie die Wildschweine! Mit ihren 3 Achsen donnerten die einfach über den Seitenstreifen...
Nach einiger Zeit war der Konvoi vorbei und wir konnten weiterfahren.
Wir sind bestimmt noch 30 Kilometer bis zum Camp gefahren; viel weiter als wir dachten! Ein bisschen saß uns schon die Angst im Nacken...

Camp Buffalo, Tendet Camp, 90Euro/Zelt, (Sonderpreis 15US$ Camping)
Dann die Einfahrt zum Camp Buffalo. Die Pforte war unbesetzt, im Camp trafen wir niemanden an. Aber es musste jemand da sein, denn ein laufendes Laptop stand auf dem Tisch in der Larpa!
Wir waren etwas unschlüssig wo wir uns denn nun hinstellen sollten für die Nacht. Das Camp Buffalo ist ein „Tendet Camp“, normalerweise kein Camping. Ein Schweizer Investor hat dieses Camp vor ein paar Jahren gebaut und hat ausserdem eine Konzession erworben um dort einen Wildpark aufzubauen. Das Gelände erstreckt sich von der Strasse bis zur ca. 70 Kilometer entfernten Küste - ein riesiges Gebiet! Letztes Jahr waren die Bediensteten damit beschäftigt einen stabilen, elektrischen Zaun zu bauen. Man plante Tiere aus dem Krüger hier anzusiedeln - inklusive Elefanten! Später sollten dann auch noch Campsites im Park errichtet werden. Ein kühner Plan...Seinerzeit hatte die Verwaltung extrem Probleme mit illegalem Holzeinschlag und noch in der Nacht, in der wir dort übernachteten, haben sie einen vollbeladenen Holztruck und mehrere Bakkies mit Leuten festgesetzt. Chinesen wären die Drahtzieher erklärte man uns morgens beim Frühstück.

Wie wenig einladend wirkte das Camp dieses Jahr. Aber immerhin, das Camp gab es noch und sicher schien es hier auch zu sein. Keine Anzeichen von Zerstörung oder Vandalismus. Die große Solaranlage war noch installiert und die Trinkwasseraufbereitung funktionierte auch. Die Zelte standen noch, es gab warmes Wasser in den Duschen. Wir haben uns dann seitlich neben die Larpa gestellt, dicht beim Grillplatz - wir hatten ja Hunger!
Es wurde langsam dunkel und wir richteten uns für die Nacht ein, Zelt aufklappen, Feuer machen usw. Es sah nach Regen aus...und es hatte offenbar schon ergiebig geregnet, denn links und rechts der Strasse stand alles unter Wasser! Das konnte ja noch heiter werden...
Wir machten uns einen Tisch und Stühle sauber, standen ja genug herum.
Kurze Zeit später war dann auf einmal jemand da, sprach aber nur Portugiesisch :( Dann kam Francis, den wir schon letztes Jahr kennengelernt hatten. Ich erklärte ihm unsere Odyssee und er erlaubte uns die Nacht zu bleiben - für 15US$. Kein Thema... Ich fragte noch wie denn die Strecke bis zum Save wäre und er meinte, dass wir uns unbedingt am nächsten Morgen dem Konvoi anschliessen sollen - wäre sicherer. Der Konvoi würde um 6:00h in Muxungue starten und ca. eine Stunde später das Camp passieren. Dann sollten wir am Tor stehen!
Das Feuer war soweit und ich hab flink unsere Steaks auf den Grill gelegt; Elke hat uns einen GT gemixt - und es gab sogar Eis aus der Eismaschine! Die Steaks waren noch nicht ganz fertig da öffneten sich die Himmelsschleusen! Das Wasser kam aus allen Richtungen; zur Lapa ging‘s ein paar Stufen hoch, hier blieb es Trocken und auch das Dach war dicht :)
Ich musste noch im Regen ausharren bis das Fleisch fertig war, dann haben wir es uns am Tisch gemütlich gemacht. Der Regen prasselte...
Francis musste noch einmal weg, irgendwo wollte er jemanden abschleppen.
Wir hätten uns gerne mit Francis weiter unterhalten um von ihm Näheres über die Situation hier zu erfahren.
So saßen wir allein in der großen Larpa und liessen den Tag Revue passieren. Wir überlegten, wie wir diese Gefahrenlage hätten vermeiden können. Wenn man uns an der Grenze auf unser Nachfragen ehrlich geantwortet hätte, wären wir sicher nicht über Dombe gefahren sondern gleich von der Grenze aus kommend südlich gefahren und den Save weiter westlich überquert. Ob die Region sicherer gewesen wäre und vor allem ob es dort eine Möglichkeit gegeben hätte den Fluss zu queren ist auch fraglich. Letztlich hatten wir Glück dass wir so durch gekommen sind bis ins Camp. Hätte auch ganz anders ausgehen können...

Bissl trocken bis hier, müssen wir zugeben. Aber wir hoffen die Infos sind es wert sich hier „durchzulesen“ ;) Fotos haben wir erst wieder gemacht, nachdem wir den Save überquert haben.

In der Nacht regnete es heftigst, aber sonst blieb alles ruhig. Bei dem Regen stromert niemand durch die Gegend.
Am nächsten Morgen sind wir dann zeitig aufgestanden. Elke hat Frühstück gemacht und ich hab Zelt zusammengelegt und unsere sieben Sachen eingepackt. Dann ab zum Tor...

Camp Buffalo - Inhassoro, Seta Hotel / Estrela de Mananisse, 135km
Es dauerte nicht lange und die ersten Fahrzeuge schossen vorbei, wieder große Busse aber keine gepanzerten Fahrzeuge! Wir trauten uns erst nicht, dann sind aber auch Bakkies und SUV vorbeigefahren mit RSA Registrierung. Denen haben wir uns dann angeschlossen. Leider sind die so schnell gefahren, dass wir dann bald den Anschluss verloren haben. Allerdings waren dann schnell wieder Busse hinter uns! Die Strasse wurde zusehends schlechter, die Schlaglöcher immer größer. Teilweise schien es als wenn es Quergräben gegeben hätte, denn der Teer fehlte auf ganzer Breite der Strasse. Dann wurde die Strasse so schlecht, dass wir nur noch Schritttempo fahren konnten. Wir sind teilweise neben der Strasse gefahren da die Schlaglöcher einfach zu tief waren. Auf dem Seitenstreifen war es zwar matschig, aber wozu haben wir einen 4x4...es regnete wieder ein bisschen.
Irgendwann erreichten wir die Brücke über den Save - Roadblock - Schlangestehen! Die Uniformierten wollten wieder Geld, stellten ein paar dumme Fragen. Wir konnten dann aber weiterfahren ohne Fahrzeugkontrolle und ohne zu zahlen. Wir waren erleichtert, offenbar hatten wir das Schlimmste nun hinter uns. Wir fuhren an einer langen Schlange Fahrzeuge vorbei. Offenbar warteten diese auf den nächsten Konvoi in Richtung Norden.







Jenseits der Brücke haben wir uns erst einmal mit Holzkohle eingedeckt, die sackweise an der Strasse verkauft wird. Die Herstellung von Holzkohle geht ja leider mit dem Raubbau an der Natur einher. Aber Feuerholz muss auch geschlagen werden. Wir sehen den großen Vorteil von Holzkohle darin, dass man deutlich besser „portionieren“ kann und so insgesamt weniger Material verfeuert als man es mit Holz machen würde. Auch kann man gut Kohle nachlegen und kann eigentlich schon sehr schnell die entstehende Hitze nutzen um z.B. Reis oder Kartoffeln zu kochen. So ein großer Sack wiegt 50Kilogramm! und hält bei uns eine ganze Reise - und das sind schon ein paar Wochen ;) Allerdings muss man so einen schweren Sack auch händeln können. Ich lasse den Sack immer auf den Dachträger packen und verteile den Sackinhalt später dann auf kleinere, dichtere Säcke, die ich dann alleine heben kann.



Die Strasse, hier südlich des Save, ist in einem guten Zustand, so kommen wir zügig voran. Unsere nächste Übernachtungen planten wir in Inhassoro, auf der Campsite vom Seta Hotel. Letztes Jahr sind wir fast eine Woche dort geblieben. Die Campsite selber ist ziemlich heruntergekommen aber damit kann man sich arrangieren. Schliesslich verbringt man seinen Urlaub ja nicht auf dem Klo ;) Die vorderen Stellplätze haben Meerblick und die große Bäume spenden viel Schatten und zum Pool und zum Restaurant sind es nur ein paar Schritte. Es gibt Strom und einen Wasserhahn am Stellplatz - leider auch Ameisen, aber davon später mehr! Wir freuten uns schon auf die Lulas...und auf ein kühles 2M!
Die Küstenstrasse verläuft ca. 20-30km von der Küste entfernt. An der Kreuzung haben wir dann die Hauptstrasse verlassen und sind in Richtung Inhassoro gefahren. Bald kamen wir in das kleine lebendige Örtchen Im Ort selbst herrscht immer reges Markttreiben. Hier kann man bis auf Fleisch und frischen Fisch alles für den täglichen Bedarf einkaufen. Simkarten gibt‘s bei fliegenden Händlern, die direkt Freischalten können und auch beim Einrichten helfen. Aber in die „City“ wollten wir ja jetzt noch nicht. Erster Stop beim Bäcker, direkt an der Strasse zum Seta-Hotel. Etliche Fahrzeuge mit RSA-Registrierung auf der Strasse. Wir kauften ein paar Brötchen für‘s morgige Frühstück und ein paar süße Stückle für den nachmittäglichen Kaffee - Nervennahrung :)

Seta Hoel, Campsite, 300MT /P /N (80MT ca. 1Euro)
Zwei Minuten später waren wir schon an der Rezeption vom Seta-Hotel. Die Dame wollte erst einmal „Herbeigeklingelt“ werden. Keine Lust Gäste zu bedienen...?!
Wie üblich gaben wir zunächst an für 2 Nächte bleiben zu wollen mit Option auf Verlängerung. Sie wollte dann losmarschieren uns das Gelände zu zeigen. Da wir schon einmal hier waren winkten wir ab und sind dann direkt zu „unserem“ Stellplatz in vorderster Reihe gefahren.
Das Gelände sah aus wie wir es schon kannten, mit dem Unterschied dass der Pool nur halbvoll stand mit einer grünen Brühe gefüllt! Kein Pool?!
Also wird‘s wohl nix mit Längerbleiben... (Fotos von vorletzter Reise)


Stellplatz - hier mit Freunden

Sooo schön war der Pool LETZTES Jahr :(

Zugang zum Restaurant, unverändert.

Ausblick, unverändert schön!

Morgens die Fischer, auf dem „Weg zur Arbeit“

Stillleben, am Strand.
Wir haben uns dann eingerichtet und sind dann los um uns den Pool genauer anzuschauen und um zu gucken, ob das Restaurant noch bewirtschaftet wird. Wir hatten von vielen Schliessungen gehört, weil durch die angespannte Lage im Land die Touristen ausbleiben. Der Zustand des Pools weckte wenig Hoffnung...
Der Pool war nicht zu benutzen, allerlei Getier tummelte sich im und unter Wasser. Hier war schon länger nicht mehr sauber gemacht worden :(
Das Restaurant war aber offen und es waren auch ein paar Gäste da.
Es war schon spätnachmittags und wir bestellten gegrillte Lula mit Pommes und einheimisches Bier - 2M.
Aus Erfahrung vom letzten Jahr wussten wir, dass es hier dauern kann bis mal sein Essen bekommt. Manche Gäste warten 2 Stunden! auf ihr Essen! Am Besten bestellt man direkt an der großen Theke und wartet nicht lange auf eine Bedienung. So söllte man innerhalb der nächste Stunde sein Essen bekommen. Überraschenderweise kamen die Getränke sehr schnell - so liess sich‘s aushalten. Ein warmer Wind kam vom Meer, die Sonne strahlt, die Wellen rollen auf den Strand, ein kühles Bier am Start und leckere Lula bald auf dem Teller!
Ein DJ baute hinter der Bar seine Anlage auf, offenbar sollte heute Nacht hier Party sein?! Die Musikanlage stand schon und spielte „heisse Rhythmen“. Man war noch beschäftigt Deko aufzuhängen. Jemand drehte an der Lautstärke, als wenn er wenn er Pegel justieren wollte. Bissl laut, aber sicher nur zum Testen...Pustekuchen! Die Anlage wurde weiter aufgedreht und man verstand seinen eigenen Gedanken! nicht mehr! Wir konnten uns nicht mehr unterhalten. Die anderen Gäste sassen alle wie versteinert da, niemand redete mehr und schien einfach den Lärm ertragen zu wollen. Ich bin dann rüber zu Bedienung um sie zu bitten die Lautstärke ein bissl reduzieren zu lassen. Sie zuckte nur mit den Schultern...
Ich bin dann zu dem DJ gegangen um ihn zu bitten etwas leiser zu machen. „Ich solle mehr Respekt zeigen, käme als Weisser in ihr Land und wolle bestimmen“ - ich hätte hier nichts zu sagen und er hätte die Erlaubnis vom Betreiber hier heute Musik zu machen. Mag sein, aber sicher nicht so laut!
Interessierte ihn nicht...Ich habe ihm dann noch versucht zu erklären dass letztlich die Touristen seinen Auftritt bezahlen und wenn diese wegbleiben oder unzufrieden wären nicht wiederkommen würden und er bald out of Business wäre. Auch das hat er nicht kapiert...
Ich bin dann zur Bedienung gegangen und habe nach ihrem Boss gefragt - der wäre nicht da! Toll...Die Musik war so laut, wir wollten dort nicht bleiben. Das machte ich ihr auch klar, aber auch das interessierte sie nicht!
Ich hab dann um die Rechnung gebeten und erklärt dass ich gerne noch geblieben und gegessen hätte. Für uns ist diese Lautstärke unakzeptabel und das ich nur die Getränke bezahlen werde. Da wurde sie dann ein bisschen flotter. Sie könnten uns das Essen ja einpacken und auf die Campsite bringen! Oh, das wußte sie schon?!
So sind wir dann gegangen und haben beim Auto auf unser Essen gewartet. Die Musik war immer noch unerträglich laut. Die anderen Leute im Lokal mussten alle taub sein! Uns schwante was uns heute Nacht für einen Lärm erwarten würde. So überlegten wir noch heute abzureisen, aber wohin? Wir kannten nur eine andere Campsite, auf der anderen Seite von Inhassoro, ca. 5km ausserhalb.
Direkt hinterm Bäcker hatten wir Schilder gesehen die auf andere Unterkünfte hinwiesen. Vielleicht war da was dabei?
Es war also entschieden, wir würden gleich nach dem Essen zusammenpacken und eine andere Unterkunft suchen! Zur Not würden wir auch ein self-catering Chalet nehmen. Also Zelt zusammenklappen, Tisch und Stühle wieder einpacken, Stromkabel ausstecken. zwischendurch hatten wir uns die Abolutions angeschaut - noch schlimmer als letztes Jahr, obwohl das kaum möglich war...Schade dass der Betreiber die Anlage so verkommen läßt, denn die Lage ist einfach 1a.
Das Essen kam dann und es war echt lecker! Wenigstens ein Lichtblick, aber nicht genug um zu bleiben.
Wir sind dann vor gefahren zur Rezeption um klar zu machen dass wir jetzt das Camp verlassen und hier nicht die Nacht verbringen werden. Ich wäre auch nicht bereit die Übernachtung zu zahlen. Für ein „Tagesticket“ würde ich aber bezahlen wollen. Sie verschwand dann und kam kurze Zeit später in Begleitung eines älteren Herrn mit asiatischen Zügen wieder. Ach nee, der Herr war doch auch im Restaurant?! Wir erklärten die Umstände - obwohl er die ja kannte. Wir konnten fahren ohne etwas zu zahlen für unseren mehrstündigen Aufenthalt. Das war mal erfreulich...
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Letzte Änderung: 06 Apr 2017 17:22 von FSausS.
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06 Apr 2017 13:32 #470338
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Hallo Frank,
wow was für ein Krimi. Ich hatte gerade durch einen älteren Bericht der Eulenmuckels die traumhaften Strände Mosambiks entdeckt. Aber so wie ihr das schreibt, ist das definitiv kein Land, dass ich mit einem Kind bereisen möchte. Da würden mir die Nerven fehlen bei den "Polizeikontrollen".
Danke für den sehr informativen Bericht.

Viele Grüße
Sasa
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft.
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06 Apr 2017 14:36 #470347
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Hallo Sasa,
ich teile deine Bedenken, mit Kindern würde ich wahrscheinlich selbst auch nicht nach/in Mosambik fahren wollen. Ganz anders muss wohl die Situation in den Fly-In Resorts oben im Norden des Landes sein. Dort ist die Lage stabil, aber leider Fly-In und somit hochpreisig und nichts für Individualtourismus.
Wir haben nur die Fahrt durch die Save-Region als bedrohlich empfunden. Weiter im Süden hatten wir eine traumhafte Zeit! Allerdings kann man in Mosambik nicht davon ausgehen, dass aktuelle Zustände stabil bleiben.
Wir sind gespannt wie sich das Land weiter entwickelt. Der Norden möchte ja gerne zum eigenständigen Staat werden...

Grüßle
Frank
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06 Apr 2017 19:08 #470385
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  • Mabe am 06 Apr 2017 19:08
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Oh wie schön, wieder eine Etappe :)

Also bislang erscheint mir Mozambique noch nicht sooo attraktiv. Ich bin gespannt, was noch so kommt.

Danke fürs Schreiben

Viele Grüße
Mabe
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