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- Zambia 2025: Zu den Flughunden von Kasanka
09 Nov 2025 07:34
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Freitag, 7. November, und Samstag, 8. November: Liuwa Plain National Park
Kurz vor 6:00 ging es los. Eigentlich wollte ich nach links zurück zur gut ausgebauten M10, aber mein Navi meinte, rechts lang wäre es 20 Minuten schneller. Nun gut, ist ja auch eine gute Teerstraße, dachte ich, die wir gestern zu den Ngonye Falls gefahren waren. Schwerer Fehler. Die gute Teerstraße wurde zu einer guten Gravel Road, dann zu einer schlechten Gravel Road und schließlich zu einer schrecklichen Gravel Road mit viel zu vielen Schlaglöchern – und endete dann bei einem Pontoon. Für die 90 km auf dieser Straße brauchten wir gut zweieinhalb Stunden, während es auf der M10 weniger als eine gewesen wäre. Aber mein Navi meint ja, die M10 sei immer noch eine Gravel Road, obwohl sie das seit über fünf Jahren nicht mehr ist. Im Zambia Self-Drive Guide ist die Fahrzeit für beide Straßen hingegen richtig angegeben – das fand ich allerdings erst am Abend heraus. In Zukunft wissen wir die sehr guten Karten darin besser zu lesen! Nun rächte sich wieder, dass wir unterwegs kein Kwacha getauscht hatten. Denn hier in der Provinz konnten die Leute natürlich nichts mit Fremdwährung anfangen. Trotzdem brachte uns der Fährmann hinüber, für 10 US-Dollar statt 150 Kwacha. Danach nochmals 20 km langsame Sandpiste. Immerhin sahen wir hier nochmals – nach dem Caprivi – zwei Coucals und konnten sie auch gut fotografieren. Anstatt wie geplant um 8:00 kamen wir um 9:30 beim Shoprite in Mongu an. Dieser war aber geschlossen: Stromausfall! Die vielen vor dem Supermarkt Wartenden wussten auch nicht, wann dieser denn aufmachen würde. Also erst mal Cash organisieren. Wieder lehnten die meisten ATMs unsere Karten ab – erst bei ABSA waren wir endlich erfolgreich, mit 200 Kwacha Gebühr für das Abheben von 3000. Shoprite war immer noch zu. Also zu Nam Beef, zum Metzger, um Fleisch einzukaufen – Rind, Schwein und Huhn. Dann zur Tankstelle: Es gab kein Diesel! Zurück beim Shoprite brannten inzwischen die Lichter, er war aber immer noch zu, und die Schlange davor unangenehm lang. Da wir alles Essentielle hatten, entschlossen wir uns weiterzufahren. Und bei der nächsten Tankstelle gab es auch Diesel. Mein Navi kennt die sehr gut ausgebaute Teerstraße nach Kalabo nicht. Nach wenig mehr als einer Stunde waren wir dort – und auch über den Fluss führt inzwischen eine gute Brücke, so dass es keine Fähre mehr braucht. In Kalabo kauften wir noch Chips für die Afternoon Drives in einem Mini-Market, bekamen aber nirgends Feuerholz. Im T4A-Reiseführer stand, man müsse das hier besorgen. Aber wir bekamen es später am Office des Nationalparks. Die Straße von der Grenze bis Kalabo ist also hervorragend, und so sind es nur wenige Stunden vom Caprivi zum Liuwa Plain National Park, wo im November und Dezember die weltweit zweitgrößte Gnuwanderung stattfindet. In Zukunft wird das wohl deutlich mehr Touristen in diesen abgelegenen Nationalpark bringen. Sofort nach Kalabo hört die gute Straße auf, und dann sind es 10 km in tiefem Sand – Khaudum-Style – bis zum Park Office. Wir reduzierten den Reifendruck wieder auf deutlich unter 2 Bar und kamen so im tiefen heißen Sand gut voran. Nach weniger als einer halben Stunde waren wir am Office, wo wir uns registrierten. Ganz billig ist es hier nicht: Die einfache Faltkarte 6 Dollar, der Aufkleber fürs Auto 5 Dollar. Für zwei Tage Parkgebühren und Camping hatte ich 190 US-Dollar im Voraus überweisen müssen (80 Parkgebühren, 80 Camping, 30 Auto), wozu aber noch 2 × 20 US-Dollar Bankgebühren kamen. Also kein billiges Unterfangen – und die Banküberweisung hinzubekommen war auch nicht einfach. Für Kasanka hatte ich dann Wise benutzt, was deutlich billiger und einfacher war. (Für Mana Pools in Simbabwe geht Wise aber nicht; von meinem deutschen Konto aus funktionierte es nicht, aber von meinem südafrikanischen aus.) Der Weg zum Office führt durch Wald, aber wenige Kilometer nach dem Office kommt man in die offenen Liuwa Plains – ein Gebiet von 3600 Quadratkilometern, das ab Januar unter Wasser steht. Anfang November, zu Beginn der Regenzeit, wandern hierher über 40 000 Gnus und 4500 Steppenzebras aus Angola (Zambia Self-Drive). Während im Prospekt des Parks steht, die Gnus würden im Laufe des Jahres im Uhrzeigersinn durch den Park ziehen. Wahrscheinlich stimmt beides: Einige Gnus bleiben das ganze Jahr über im Park, andere ziehen in der Trockenzeit ins nahe Angola. Im Oktober und November kalben die Gnus hier – Futter für vier große Hyänenclans und die Löwen, die hier vor einiger Zeit ausgesetzt wurden. Im Januar füllt sich die Ebene mit Wasser, die Gnus bleiben aber hier, bis die Pfannen im Juni austrocknen und sie zurück nach Angola ziehen. Während der Regenzeit ist der Park nicht befahrbar; die beste Zeit für einen Besuch ist jetzt, im November. Es gibt mehrere Campingplätze, wobei das zentral gelegene Katoyana bei weitem der beliebteste ist. Deshalb hatte ich schon früh im Jahr gebucht, als noch alles frei war. Half aber nichts: Als ich ankam, waren alle offiziellen Plätze belegt, da überbucht war, und wir bekamen eines der weniger schönen Overflow-Camps. Wobei das zweite Overflow-Camp, direkt hinter den Toiletten (die Leute dort konnten das Geschäft der Toilettenbesucher problemlos hören), später auch noch belegt wurde. Aber am Samstag konnten wir dann auf einen offiziellen Platz umziehen – sehr groß und schön, mit Unterstand als Schutz vor Sonne und Regen. Unser Overflow-Camp direkt daneben wurde am Nachmittag dann von sechs Autos aus Südafrika belegt, so dass auch bei uns keine Einsamkeit mehr einkehrte. Immerhin: Die Campinggebühren gehen direkt an die Community, die noch im Park lebt. Es gibt dort mehrere Dörfer mit insgesamt immerhin 10 000 Bewohnern. Die Gnus wandern hier nicht wie in der Serengeti in großen, Flüsse durchquerenden Herden, sondern sickern quasi vom Norden her kontinuierlich ein. Deshalb sind die Fotos der Wanderung hier weniger spektakulär. Vor meinem Besuch fragte ich mich, ob es sich wirklich lohne, hierher zu kommen, denn tolle Fotos sah ich keine – und selbst das offizielle Video des Parks war nicht berauschend. Aber das Erlebnis selbst ist dann doch äußerst beeindruckend. An manchen Stellen sieht man überall Gnus; sie sitzen wie schwarze Läuse im Grasfell der Ebene, mit ein paar Zebras mittendrin. Die jungen Kälber springen übermütig hin und her, trainieren ihre Muskeln, um den Raubtieren zu entkommen. So steht man in der Ebene, umzingelt von Gnus. Man darf das Auto verlassen und kann so schöne Aufnahmen machen. Die Gnus sind aber etwas scheu und halten immer einen Sicherheitsabstand von etwa 20 Metern ein. Dann fährt man aus der Ansammlung heraus in tierleere Teile der Ebene – und ein paar Kilometer weiter in die nächste Gruppe hinein. Ein faszinierendes Naturwunder, und ich kann allen den Besuch hier sehr empfehlen. Am ersten Nachmittag fuhren wir weiter in den Norden zu den Miyanda Pools, aber desto weiter wir in den Norden kamen, desto weniger Tiere sahen wir. Doch eine andere Wanderung, Trek-Touristen, eine Karawane von sieben Autos, kam uns entgegen. Die meisten Tiere sind tatsächlich direkt beim Katoyana-Camp, das überbucht ist, während im Mukalabumbu-Camp niemand war. Es gibt hier etwa 10 Löwen, 15–20 Geparden, ein paar Wildhunde und hunderte Hyänen. Nachts hörten wir die Hyänen vom Camp aus. Zwei davon sahen wir Samstagmorgen in der Nähe von Lone Palm. Freitag Nachmittag hatten wir bereits eine einsame Löwin gesehen. Als wir Samstagvormittag um 9:00 zurück auf dem Weg zum Camp waren, sahen wir vor uns auf einem Hügel ein Game-Viewing-Vehicle, von dem aus man uns hektisch zuwinkte, als ob wir verschwinden sollten. Das Auto stand 100 m offroad von der Straße, während ich ganz langsam den Main Track weiterfuhr. Dann sahen wir eine herrliche Löwin direkt neben der Straße sitzen. Wir hielten an, und nach einiger Zeit kamen von rechts zwei weitere Löwinnen dazu. Dann kam von hinten das Game-Viewing-Auto herangefahren und hielt neben uns. Der Fahrer beschwerte sich – seiner Meinung nach hätten die Löwen jagen wollen, und wir hätten das verhindert. Ich fragte ihn nur, ob er eine Genehmigung habe, offroad zu fahren, was hier streng verboten ist. Zudem sah ich keinerlei Hinweise darauf, dass die Löwen jagen wollten – und wenn, dann hätte unser Auto die Aufmerksamkeit der Gnus auf uns gelenkt. Die Tatsache, dass hier überall Gnus herumstehen, bedeutet nicht, dass die Löwen ständig jagen wollen. Aber den reichen Gästen der Lodge wird das halt erzählt – in der Hoffnung auf mehr Trinkgeld. Die Konsequenz sind illegales Offroading, herablassendes Verhalten der reichen Lodge-Gäste uns gegenüber (eine Dame hatte uns den Vogel gezeigt) und die Meinung, wir dürften nicht den Main Track entlangfahren, wenn das den reichen Leuten nicht passt. Neben den Säugetieren gibt es auch an Vögeln einiges zu sehen. Der herrliche Kronenkranich, der Pfau Afrikas, bei dem das Weibchen fast so bunt ist und genauso gekrönt wie das Männchen, ist sehr häufig, in Gruppen von zwei bis zehn Tieren. Kleine braune Vögel waren nach Lone Palm häufig – aber was war das? Gerade als Lindelani im Prospekt las, dass hier „Africa’s entire population of black-winged pratincoles cross through the park between June and December on their way from northern Europe …“ verdunkelte sich der Himmel, und ein riesiger Schwarm tausender dieser Vögel flog über uns hinweg. Auf Deutsch heißen sie Schwarzflügelige Brachschwalben! Einen Sekretär, Klunkerkraniche und einiges an Wasservögeln sahen wir auch noch. So verbrachten wir zwei schöne Tage im Park. Am Freitag war die Fahrt durch die Gnuherden zum Camp beeindruckend, die Nachmittagsfahrt in den Norden mit der einsamen Löwin dagegen unspektakulär. Am Samstagmorgen fuhren wir zu Lone Palm, insgesamt gut drei Stunden, hatten eine lange Pause im Camp und dann wieder von 15:00 bis 17:45 eine ähnliche Route wie am Morgen. Bilder des ersten Tages |
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Letzte Änderung: 09 Nov 2025 07:39 von CarstenS.
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09 Nov 2025 07:42
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11 Nov 2025 18:44
#715783
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Sonntag, 9., und Montag, 10. November – Kafue National Park
Um sechs Uhr verließen wir das Camp. Auf der Fahrt aus dem Park sahen wir neben großen Gnuherden auch viele Zebras – und als Höhepunkt ein gerade geborenes Gnukalb, kaum in der Lage zu laufen, noch mit Nabelschnur und Membran. Auch Büffel zeigten sich. Vor neun Uhr waren wir aus dem Park, um zehn Uhr in Mongu: Tanken und Einkaufen beim Shoprite. Danach sollte es in den Kafue gehen. Eigentlich war dieser Nationalpark kein geplantes Highlight der Reise, zumal im Hupe-Reiseführer kaum etwas über ihn steht. Doch im Zambia Self Drive fanden wir mehr Informationen, und so beschlossen wir, zwei Nächte im nördlichen Kafue im Mapunga Bushcamp zu verbringen, um einen Tag zu den Busanga Flood Plains hinaufzufahren. Noch ahnten wir nicht, dass dieser Abstecher wohl zum eindrucksvollsten Erlebnis der gesamten Reise werden würde. Gegen 15:30 erreichten wir das Gate, wo uns bereits zahlreiche Tse-Tse-Fliegen empfingen. Auf unsere Frage nach dem Straßenzustand hieß es, die Wege seien alle gut. Zunächst schien das auch zu stimmen – die ersten zehn Kilometer waren eine feste Sandpiste mit Kies, harter Untergrund. Doch es hatte geregnet, und in den Senken stand Wasser. Ich schaltete in den Allradmodus und meinte zu Lindelani, man bleibe immer dann stecken, wenn man es am wenigsten erwartet. Wir müssten uns im Camp unbedingt erkundigen, ob Schlamm in den Flood Plains ein Problem sei, und notfalls Teile der Strecke zu Fuß prüfen, bevor wir hineinfahren. Ich wusste genau, worauf man achten muss – eigentlich. Bald kamen wir an eine Stelle mit Schildern „Men at Work“, die so aufgestellt waren, dass man hätte meinen können, die Piste sei gesperrt. Eine Umfahrung war vorhanden, doch ich blieb zunächst auf der Hauptstrecke – bis ich vor mir eine schlammige Passage ohne festen Untergrund sah. Um die Arbeit der Straßenbauer nicht zu zerstören, fuhr ich zurück und nahm die Umgehung. Dreißig Sekunden später saß ich fest. Nichts ging mehr. Auch die Differenzialsperre half nicht. Also raus, Räder freischaufeln. Das Heck steckte tief im Schlamm. Ich holte den Highlift Jack hervor, hatte sogar eine Unterlage dabei, doch der Wagenheber rutschte immer wieder ab und stieß gegen das Auto. Vier junge Männer kamen zur Hilfe. Gemeinsam hoben wir das rechte Hinterrad etwas an, entfernten den Schlamm und legten Holz und Matten davor und dahinter, aber nicht darunter. So hoch bekam ich das Rad einfach nicht. Links klappte es besser – das Rad kam frei, und wir konnten Material darunter schieben. Nun wollte ich eigentlich zum anderen Hinterrad zurück, ob ich es nicht doch ganz anheben könnte. Inzwischen war auf der Hauptpiste ein Hilux angekommen – auch er blieb stecken. Dann kam ein Land Cruiser einer Lodge, schoss mit Karacho durch den Matsch und zog den Hilux heraus. Anschließend wollten sie uns helfen. Doch mein Wagen steckte tiefer. Wir versuchten es mit Seil, mit Elastic Rope, mit Winde, mit beidem kombiniert – nichts half. Dann begann es zu regnen. Die Räder drehten durch, der Wagen sank immer weiter ein, bis Motor und Differenziale auflagen. Ein Traktor kam, zog von vorne – vergeblich. Dann von hinten, mit Kette und Verlängerung – das Seil riss. Das Auto steckte nun tiefer als zuvor. Jeder Rausziehversuch hattes es sich tiefer in den Schlamm eingraben lassen. Es wurde dunkel, und das Fahrzeug der Lodge brachte uns zu unserem Camp. Immerhin sah ich auf der Nachtfahrt zum ersten Mal einen Serval, außerdem Pukus. Das Lodge-Auto blieb zweimal fast stecken, schlitterte gefährlich einen Hang hinab und kippte beinahe um. An einer anderen Stelle steckte es endgültig fest – die Winde befreite es. Eine wilde Fahrt. Im Camp angekommen, nahmen wir die billigste Unterkunft: ein Zelt für 220 statt 60 US-Dollar, die Camping gekostet hätte. Ich war völlig durchnässt und unterkühlt, zitterte, duschte sofort kalt (hätte zu lange gedauert, auf warmes Wasser zu warten), um den Schlamm loszuwerden, und zog trockene Kleidung an. Vom Lodge Manager erfuhr ich: Vor unserer Ankunft hatte es zum ersten Mal seit Monaten geregnet – eine ganze Nacht und nochmals zwölf Stunden. Nun war alles nur noch Schlamm. Wären wir fünf Tage früher gekommen, hätten wir eine herrliche, trockene Safari erlebt. Geschlafen haben wir kaum. Immer wieder gingen mir die Ereignisse durch den Kopf: was alles hätte anders laufen können, müssen. Hätte ich mich nur an meine eigenen Ratschläge gehalten – aber das war nun egal. Zum Glück hatte es in der Nacht nicht erneut geregnet. Am Morgen sprach ich mit dem Manager. Er erzählte, er habe mit den Besitzern in Lusaka telefoniert. Ich rechnete mit einer saftigen Rechnung für die Bergung – vielleicht 200 Dollar. Doch zu meiner Überraschung berechneten sie uns nur 100 statt 220 Dollar für die Übernachtung, und die Hilfe war kostenlos. Echte Hilfsbereitschaft! Um 6:30 machten wir uns auf den Weg zu meinem 30 Kilometer entfernten Wagen, begleitet von drei Männern der Lodge. Später kamen noch die Bauarbeiter hinzu. Zuerst entluden wir das Auto, um es leichter zu machen. Schlamm wurde geschaufelt, Bäume gefällt, Steine herangeschleppt. Der Vorarbeiter hatte denselben Plan wie ich: alle vier Räder mit dem Highlift Jack anheben, Steine und Holz darunterlegen. Das war mühsam und zeitaufwendiger als einfach Rausziehen, was zu reinstecken geführt hatte. Der Highlift Jack sackte ständig weg –, aber nach drei Stunden sah es gut aus. Nach vorne führte der Weg durch tiefen Schlamm, nach hinten über etwas härteren Boden. Wir entschieden uns für den Versuch nach vorn: der Land Cruiser zog mit der Winde, ich fuhr im zweiten Gang, Low Range. Das Auto bewegte sich ein paar Meter – dann wieder fest, in einem neuen Schlammloch. Drei Stunden Arbeit schienen vergebens. Wieder begann es zu regnen. Wir gruben weiter, die Räder frei, legten Holz unter. Ein Hilux mit südafrikanischen Touristen fuhr vorbei, drehte um und bot Hilfe an. Der Hilux der Lodge zog den Land Cruiser, der der Touristen den Hilux der Lodge – und endlich, nach vier Stunden, war mein Auto frei. Ich hatte kaum noch daran geglaubt. Wir waren unendlich dankbar und gaben großzügig Trinkgeld. Die hintere Klapptür war durch den abgerutschten Highlift Jack etwas verbogen, ließ sich aber durch ein paar gezielte Hammerschläge wieder schließen. Das Nummernschild war lose, vom Jack weggedrückt, aber das konnte ich wieder richten. Wichtig war, dass niemand zu Schaden gekommen war. Denn die Arbeit mit dem Highlift Jack kann durchaus gefährlich sein! Wir verließen den Park – ein weiteres Risiko wollten wir nicht eingehen. Sollte es nochmals eine Nacht regnen, kämen wir nicht mehr raus. Auch die südafrikanischen Touristen, die eigentlich mehrere Tage bleiben wollten, entschieden sich zur Umkehr. Erschöpft erreichten wir das nahe Roy Camp, das ebenfalls völlig verschlammt war. Es regnete noch immer. Um einen klaren Kopf zu bekommen, wusch ich das Auto außen ab – ein sinnloses Unterfangen. Eigentlich bin ich stolz, wenn mein Wagen nach Busch aussieht. Immerhin gab es eine warme Dusche – zum zweiten Mal den Schlamm abspülen. Dann ins Zelt, lesen, schlafen, warten, bis der Regen aufhörte. Gegen halb vier war es endlich soweit. Watend durch den Matsch räumten wir das Auto aus, säuberten die Ausrüstung, wuschen Sitzbezüge und Matten, hängten alles zum Trocknen auf. Gegen Abend sah der Wagen wieder halbwegs ordentlich aus. So saßen wir schließlich am Ufer des Kafue River, grillten, während im Hintergrund die Flusspferde grunzten – und fanden langsam wieder zur Ruhe. |
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Letzte Änderung: 12 Nov 2025 04:33 von CarstenS.
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13 Nov 2025 07:56
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Dienstag 11. November
Heute sollte es nach Zimbabwe gehen, und dort morgen zu den Mana Pools. Morgens um 6:00 fuhren wir lost, auf der Hauptstraße durch den Kafue. Wir sahen noch mehrmals Pukus, und als Highlight drei Hornraben, einer über die Straße laufend, die beiden anderen fliegend, mit ihren riesigen schwarzen Flügeln mit weißen Spitzen. Dann ging es durch landliche Gegegend, und überall wurde Holzkohle produziert und am Straßenrand verkauft. Dementsprechend abgeholzt war die Gegegend, größere Bäume gab es kaum noch. Die kleinen Sambischen Ortschaften, die wir durchfuhren, sahen alle arm und häßlich aus, aber wurden immerhin sauber gehalten, es lag kaum Müll rum. Um 9:30 erreichten wir die Außenbezirke von Lusaka und fanden schließlich eine Tankstelle mit Diesel; bei vielen wurden wir weggewunken, weil die Tanks leer waren. Es ging durch durch die quirligen Straßen Lusakas, immer langsamer, bis wir rechts auf die T2, eine der Hauptverkehrsadern Sambias, abbogen. Diese Straße sollte uns nach Chirundu an der Grenze zu Zimbabwe führen. War die Straße bisher recht gut gewesen, wurde sie nun immer schlechter, mit vielen Schlaglöchern. Außerdem waren hier viele Laswagen unterwegs, was es schwieriger machte. Immerhin fanden wir in der kleinen Ortschaft Kafue einen guten Pick n Pay, der besser sortiert war als der in Lusaka, wo wir kurz angehalten hatten. Allerdings gab es auch hier kein sambisches Bier, nur südafrikanisches. Schade, aber Castle schmeckt mir eh am besten! Weiter ging es auf der T2, die entlang ländlichen Gebiets führ. Uns war immer unklar, was gerade die Geschwindigkeitsbegrenzung ist: 100 km/h auf freier Strecke, 60km/h bei Ortschaften, 40km/h innerhalb. Nur, wo fängt eine Ortschaft an, wo hört sie auf? Wir fuhren eine ebene Strecke mit kaum Häusern, also wohl keine Ortschaft, und ich fuhr 58km/h, als ich von der Verkehrspoilizei rausgewunken wurde: Hier würden 40km/h gelten! Nun, das tat mir leid, aber was kann man machen. Ich mußte zu einem Officer zu einem Polizeiwagen gehen. Er schaute sich meinen Führerschein an, wir redeten, er meinte, das wären 450 Kwacha Strafe, die ich bei der Polizeistation 2km zurück zahlen muss. Ich erzählte ihm, wie uns ständig unklar ist, welche Geschíndikeitsgrenze gerade gilt, und ich wirklich nicht zu schnell fahren wollte, eshalb ich unter 60km/h fuhr, da ich dachte, bei aber nicht in einer Ortschaft zu sein. Er fragte mich, ob ich keine Lust hätte, zur Polizeistation zu fahren, und ich sagte, ehrlicher Weise nicht, ob es denn nicht eine andere Möglichkeit gebe, wie bei der nächsten Station zu zahlen. Er sagte darauf leise „pscht, just go and drive on“, und so bedankte ich mich, ging zurück zum Wagen, und fuhr weiter! Nun ging es durch hügeliges Land, am Sraßenrand sah man herrliche Boababs. Kurz nach 13:00 waren wir dann über den Zambezi und an der Grenze, den one stop border post, wo die Behörden aus Sambia und Zimbabwe zusammen sitzen. Sobald wir ausstiegen, wurden wir von jungen Männern umringt, die uns mit den Behörden helfen konnten. Da ich damit bei meinem letzten Besuch in Zimbabwe (allerdinfs 2017, vor 8 Jahren) gute Erfahrungen gemacht hatte, willigte ich ein, machte aber den Fehler, den Preis nicht im Vorraus auszumachen. So zahlten wir am Ende mit 20 US Dollar wohl doppelt so viel, wie notwendig. Immerhin führte er uns schnell überall durch: Erst Auto bei sambischen Behörden abmelden, dann mit Pass zur sambischen Kontrolle, dann bei der Zimbabwe Seite alle Details online eingeben, dann Zimbabwe Passkontrolle, wo ich für 45 US Dollar ein Visum für mehrmalige Einreise bekam (wir werden zurück nach Sambia gehen, und auf dem Rückweg zu den Victoria Falls auch nach Zimbabwe). Dann Interpol fürs Auto. Denen musste man erklären, dass meine Police Clearance für mein Auto das ist, was mit die Polizei in Südafrika gegeben hat. Dann zur Zimbabwe Verkehrsbehörde. Inzwischen hatte er online mein TIP für das Auto beantragt. Dann die Gebühren von insgesamt 50 US Dollar bezahlen, zurück zur Verkehrbehörde, dann nochmals zu Intepol. Nach gut zwei Stunden waren wir fertig und konnten rüber. Sofort nach der Grenze bogen wir links ab, um das Büro von Zimparks zu finden, wo wir einen Gate Pass brauchten, um nach Mana Pools fahren zu dürfen. Nach Durchfragen fanden wir es, fest verschlossen vor. Ein netter Security Man telefonierte für uns herum, und 30 Minuten später kamen zwei freundliche Damen, die uns den Gate Pass für morgen gaben. Unterkunft fanden wir auf dem Campingplatz der 15km entfernten Chirundu Safari Lodge, direkt am Zambesi. Wir waren die einzigen Gäste, der Campingplatz eine Baustell ohne warm Wasser oder Elektrizität, und trotzdem kostete es 30 US Dollar statt der 20, die in der T4A App für 2025 angegeben waren. Egal, es war schön wild, mit Flußpferden vor dem Zelt im Fluß, einer Ginsterkatze, vielen Vögeln, und nachts ganz in der Nähe heulenden Hyänen. |
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Letzte Änderung: 13 Nov 2025 07:58 von CarstenS.
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13 Nov 2025 13:41
#715861
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Mittwoch 12. November
Zu ihrem Geburtstag bekam Lindelani einen Termitenschwarm geschenkt, der morgens am Camp aufflog und zahlreiche Bienenfresser, Schwalben und viele andere Vögel anzog, die nur wenige Meter von uns entfernt die Insekten aus der Luft fischten. Von mir bekam sie eine Nachtsichtkamera, die hoffentlich bei den Flughunden gute Dienste leisten wird. Nun ging es also nach Mana Pools – dem berühmten Nationalpark Zimbabwes, der ein echtes Juwel sein soll. Ursprünglich hatte ich geplant, den Lower Zambezi Nationalpark in Sambia zu besuchen. Da man dort allerdings nicht im Park campen darf und Selbstfahrer nicht gern gesehen sind, hatte ich mich schließlich umentschieden. Eigentlich hätte dadurch die Reiseroute anders verlaufen sollen, aber Liuwa und Kasanka waren bereits gebucht. Da Mana Pools zudem recht teuer ist (für uns 153 US-Dollar pro Nacht, für Europäer noch deutlich mehr) und ich befürchtete, nach nur zwei Tagen das Gefühl zu haben, unbedingt zurückkehren zu müssen, buchten wir gleich drei Nächte. Danach, so hoffte ich, würden wir den Park gut kennen. Die Fahrt dorthin war nicht lang: zunächst schreckliche 30 Kilometer Schlaglochpiste mit etwas Teer dazwischen, dann eine gar nicht schlechte Schotterstraße über 78 Kilometer. Dort gab es allerdings einen Schreckmoment: Als ich das Auto abrupt bremste und wendete, um eine für uns neue Vogelart – einen Kronentoko – zu beobachten, machte der Wagen plötzlich scheppernde Geräusche, die aus dem Motorraum zu kommen schienen. Doch am und unter dem Motor war nichts zu sehen. Die Geräusche traten nur auf, wenn das Auto fuhr, nicht im Leerlauf. Getriebe? Oh je! Nachdem ich jedoch den Allradantrieb ausgeschaltet hatte, war das Geräusch verschwunden – und blieb es auch, als ich ihn später wieder zuschaltete. Hoffentlich bleibt das so. Auf dem Weg durch den Park zur Rezeption sahen wir zunächst kaum Tiere. An einem der vier Pools – „Mana“ bedeutet „vier“ in der lokalen Sprache – machten wir Frühstück. Hier gab es viele Krokodile, Reiher und Störche, doch das ist am Sambesi nichts Ungewöhnliches. Unser erster Eindruck von Mana Pools war ehrlich gesagt ernüchternd: wenig Tiere, grauer Himmel. Bereits um 9:00 Uhr waren wir an der Rezeption. Am Campingplatz war wenig los, nur wenige Stellplätze belegt – vielleicht fünf von zwanzig. Die Sanitäranlagen waren in schlechtem Zustand, es gab kein fließendes Wasser. Nur am zweiten Block stand ein Wassertank mit einem Eimer davor, aus dem man sich Wasser holen konnte. Also wechselten wir von Camp 9 zu Camp 17, um näher am Fluss zu sein. Beide Plätze liegen herrlich direkt am Ufer des Sambesi, mit einer Insel im Strom direkt davor. Im Laufe des Tages erschloss sich uns dann doch der doppelte Zauber von Mana Pools. Hier scheinen Mensch und Tier friedlich nebeneinander zu leben – und die Tiere auch untereinander. Elefanten wandern durchs Camp und kommen bis auf wenige Meter heran. Am Office drängte sich ein Elefant zwischen dem Häuschen des Managers und uns auf der Bank davor (während wir mit Starlink verbunden waren); man hätte ihn fast berühren können. Im Camp lebt auch ein alter Eland-Bulle, dem man sich bis auf wenige Meter nähern kann. Die Meerkatzen und Paviane stehlen, was sie kriegen können. Eisvögel sitzen direkt neben dem Camp. Abends kam ein Flusspferd die Böschung hinauf, nur wenige Meter von uns entfernt – so nah war ich einem Hippo noch nie! Lediglich die Hyänen, die nachts den Grill absuchten, wirkten scheu und nervös. Auch das Verhalten der Tiere untereinander ist auffällig: Elefanten, Impalas und Warzenschweine äsen friedlich nebeneinander. Anderswo werden Elefanten oft gemieden, hier nicht. Große Herden sahen wir keine – viele Junggesellen mit beeindruckend langen Stoßzähnen, aber nur kleine Familienverbände mit weniger als zehn Tieren. Auch die Elands ziehen meist allein oder zu zweit umher, nie in großen Gruppen. Und dann die Landschaft: große, von unten abgefressene Bäume entlang des Sambesi, fast ohne jegliches Unterholz. Dadurch kann man weit in die Ebene blicken – eine Szenerie voller Leben. Überall Elefanten, Warzenschweine, Impalas, Elands und vor allem Primaten: Paviane und Meerkatzen, deren Dichte im ganzen Park außergewöhnlich hoch ist. Mehrmals sahen wir auch Büffel, darunter eine Herde von etwa fünfzig Tieren und vier beeindruckende alte Bullen. Selbst Wildhunde begegneten wir – sechs Tiere, in einem trockenen Flussbett ruhend, wenn auch nicht so schön zu beobachten wie eine Woche zuvor im Caprivi. Nachts heulten Hyänen direkt neben dem Camp und kamen später vorbei, scheu und nervös, nicht so gelassen wie in anderen Camps. In der Ferne brüllten die Löwen – und das ganze Tal hallte von Afrika wider.
Anhang:
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Letzte Änderung: 13 Nov 2025 13:51 von CarstenS.
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16 Nov 2025 05:30
#715978
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Donnerstag, 13. November
Das Straßennetz in Mana Pools ist begrenzt, zumal sich fast alle Aktivitäten in Flussnähe konzentrieren. Daher fuhren wir morgens wie abends dieselbe Route, nur in entgegengesetzter Richtung. Am Morgen die River Road bis kurz hinter Mucheni, dann links landeinwärts zum Green Pool, weiter über die Zebra-Vlei Road, Long Pool, Sapi Road, Chine Pool, Nkupe, Mana Mouth und zurück zum Camp. Jeweils gut drei Stunden. Morgens war deutlich weniger los als nachmittags, und trotzdem gab es Highlights. Endlich sahen wir unsere ersten Side-striped Jackals, und gleich mehrere davon. Deutlich zierlicher als unsere Schabrackenschakale, mit fast fuchsartigem Gesicht. Hyänen begegneten wir mehrfach, aber nur eine kam wirklich nah an die Straße. Bei einer Herde von rund 70 Büffeln machten wir Rast und frühstückten. Bei Mana Mouth stieg ein schöner, wenn auch eher kleiner Elefantenbulle die Böschung hinauf. Er trug einen Radiotransmitter. Lindelani meinte, im Prospekt (für 5 US-Dollar an der Rezeption erhältlich, mit guter Karte des Parks) stehe, dass jene Elefanten, die sich zum Fressen auf die Hinterbeine stellen, einen Collar tragen. Mana Pools ist berühmt dafür, dass einige Bullen dieses Verhalten zeigen. Der bekannteste ist der große und massige Boswell, den wir bisher nicht gesehen hatten. Der Bulle hier war eher klein. Trotzdem drehte ich um, damit wir ihn länger beobachten konnten. Er ging tatsächlich zur Akazie, fraß dann aber zunächst an einem Strauch davor. Da auch das gut aussah, begann ich zu filmen. Und dann stellte er sich völlig unerwartet auf die Hinterbeine, um einen Ast herunterzubrechen! Alles auf Video festgehalten. Lindelani war so überrascht, dass sie statt eines Fotos nur eine GIF erwischte — immerhin ein Beweis. Um 9:00 Uhr waren wir zurück, erst beim Office fürs Internet, danach im Camp. Heute war das Wetter deutlich besser: sonnig, ein paar Wolken, und eine viel klarere Sicht auf das sambische Ufer und die Berge dahinter. Ein paar Elefanten durchquerten den Sambesi. Direkt vor unserem Camp lief ein Bulle an der Böschung entlang und rupfte Gras am Ufer. Wir standen oben, weniger als fünf Meter entfernt, und fotografierten ihn. Als das Ufer endete, musste er die Böschung hinauf — ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu uns. Nachmittags fuhren wir nochmals drei Stunden durch den Park, diesmal ohne besondere Höhepunkte. Nur ein Nyala-Bock war eine kleine Ausnahme. Abends machten wir Pizza auf dem Grill. Eine Hyäne am Grill, ein Hippo 20 Meter entfernt und später ein vorbeiwandernder Elefant begleiteten uns. In Mana Pools völlig normal. |
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Letzte Änderung: 16 Nov 2025 05:36 von CarstenS.
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