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- Zambia 2025: Zu den Flughunden von Kasanka
05 Nov 2025 11:53
#715456
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Mittwoch, 5. November: Immer noch Caprivi
Die Nacht war geprägt von dem Grunzen der Hippos, die im Kavango vor unserem Camp umhertrieben, aber kaum zu sehen waren. Als ich um 5:00 Uhr aufstand, konnte ich so zu einer ganz besonderen Melodie Frühsport machen. Morgens kurz nach 6:00 Uhr fuhren wir in die Buffalo Core Area. Man sieht immer noch gut die Ruinen der SADF (South African Defence Force) aus dem Unabhängigkeitskrieg der SWAPO gegen Südafrika in den 1980er-Jahren. Als ich das letzte Mal, vor 15 Jahren, da war, gab es noch kein Gate – man fuhr einfach hinein, T4A folgend. Während Corona wurde hier, ebenso wie in Khaudum, jedoch die Infrastruktur verbessert und ein Gate gebaut. Die Zeit wurde also wirklich gut genutzt. Im Vergleich zur Mahango Core Area gab es hier sehr wenig Wildtiere. Aber wir kamen dann doch noch auf unsere Kosten – mit zahlreichen, für diesen Trip neuen Vogelarten, darunter Marabu (zusammen mit zahlreichen Weißrückengeiern an einem kaum noch zu erkennenden Kadaver), Senegalliest (Woodland Kingfisher), Klaffschnabel (Open-billed Stork), Sattelstorch (Saddled-billed Stork), Meves Starlings, Haubenbartvogel (Crested Barbet) und mehr. Und auch unsere erste Sitatunga, die Sumpfantilope, sahen wir – sowie drei Löwen unter einem Baum, nicht weit von der Straße: zwei Weibchen und ein blondes Männchen mit kurzer Mähne. Um 9:30 Uhr waren wir wieder unterwegs, auf der B8 durch den Caprivistreifen. Die schönen, traditionellen Dörfer der Kavango-Bewohner neben der Straße gefielen uns gut. Um kurz nach 11:00 waren wir an der Rezeption der Kwando Core Area – zunächst nur für Informationen, da ich mir nicht sicher war, wie viel Zeit wir für den Nachmittag einplanen sollten. Dann suchten wir auf der T4A-App nach einem geeigneten Campingplatz und entschieden uns für das Mbezi Camp. Eine gute Wahl: Für nur 200 NAM$ pro Person bekamen wir einen riesigen Platz mit Schatten spendenden Bäumen und Rasen, privaten Sanitäranlagen und Blick auf die Überschwemmungsflächen. Wobei alles trocken und braun ist – es wird also wohl nichts zu sehen geben. Am Nachmittag wollen wir dann auf Pirsch zum Horseshoe gehen. |
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Letzte Änderung: 05 Nov 2025 19:39 von CarstenS.
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05 Nov 2025 19:45
#715486
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Wir hatten einen gemütlichen Vormittag im Camp. Lindelani räumte das Auto auf. Die Cadac-Kühlertasche hatte von Anfang an ständig getropft und die Rückbank sowie vieles andere nass gemacht. In Divundu hatten wir sie durch eine Kühlbox von Shoprite ersetzt, nun wurden die Bücher und andere Dinge getrocknet. Ich wusch Wäsche – einfach, weil Zeit dafür war –, schrieb und tat das, was ich eigentlich nicht im Urlaub machen wollte: Ich beantwortete die drei wichtigsten E-Mails. (Darunter eine von Check24: Meine Buchung eines Wohnmobils in Australien für Mai 2026 – Annahme in Darwin, Rückgabe in Cairns – wurde storniert. Jucy schließt seine Filiale in Darwin. Bei der Konkurrenz würde es doppelt so viel kosten. Flüge sind schon gebucht. Was ich jetzt machen soll, ist mir ein Rätsel. Entweder alles stornieren oder alles umplanen, denn 4000 Euro anstatt 1800 für ein Wohnmobil – das ist zu viel!).
Gegen 15:30 fuhren wir los und waren um 15:45 beim Gate der Kwando Core Area. Berühmt ist hier der Horseshoe, ein See in Form eines Hufeisens. Auf dem Weg dorthin sahen wir von Elefanten zerstörte Bäume und Vegetation, ein paar Zebras und ein paar Kudus – sonst nicht viel. Stellenweise jedoch durchbrachen grüne Stiele mit leuchtend roten Blüten den braunen, vom Laub bedeckten Waldboden unter den noch kahlen Bäumen – ein fast surrealer Anblick. Zuerst dachte ich, es seien Plastiktüten, Müll im Wald. Wegen Lindelani musste ich mehrmals anhalten – wegen mehrerer Vögel, die auf ihrer Liste fehlten, und jetzt immer noch nicht in meinem Gedächtnis fehlen. Höhepunkt für uns war eine Gruppe Paviane. Hier am Caprivi treffen der südliche Chacam Baboon, der einzigen Art in Südafrika, und der Yellow Baboon aufeinander. Den Chackma Pavian kennen wir gut von zu Hause, vom Goegap Nature Reserve. Die Paviane hier sehen aber ganz anders aus: Viel helleres, ins Gelbliche gehende Fell, längere Schnauze, und allgemein ein graziellerer, weniger gedrungener Körperbau. Wir sind deshalb überzeugt, dass es sich um Yellow Baboons handelt. Aber vielleicht sind es auch Hybriden, oder die Chacmas sehen hier anders aus. Tatsächlich haben ja erst genetische Analysen vor 20 Jahren (zu denen wir Proben aus Goegap beigesteuert hatten) die Systematik der Pavio Arten entschlüsselt. Am Horseshoe angekommen, sahen wir zwei Elefantenherden – eine aus Junggesellen und eine Zuchtherde – und vier andere Autos, was für uns schon fast zu viel war. Aber die Szenerie war dann doch schön. Auf dem Rückweg wollte ich mich bereits beschweren, dass sich der Afternoon Drive wegen der paar Elefanten kaum gelohnt hatte, als Lindelani mir sagte, ich solle anhalten. Wieder irgendein Vogel, dachte ich mir. Aber es waren Wildhunde! Ein riesiges Rudel – zwanzig Tiere auf einmal. Und nicht, wie meist, hektisch unterwegs, sondern ruhig auf grünem Gras in einem Tal liegend! Wir verbrachten 20 Minuten mit den Tieren, ohne andere Autos, und machten zahlreiche Fotos und Videoaufnahmen (hier nur die vom Handy). Die mit Abstand beste Wildhundsichtung, die ich je hatte. Um 18:30 zurück im Camp grillten wir unser letztes Fleisch. Eigentlich wollten wir heute Gemüsereis essen, aber morgen geht es nach Sambia. Und während meine Reiseführer sagen, Fleisch einzuführen sei kein Problem, meint die KI, wegen Maul- und Klauenseuche sei das streng verboten. Google weiß hier gar nichts. Also gehen wir lieber auf Nummer sicher. Vom Licht angezogen sahen wir noch tolle Insekten und, in der Flutebene vor uns, Ziegenmelker auf der Jagd, während rechts von uns die Frösche quakten. Morgen können wir ausschlafen – und dann geht es in aller Ruhe nach Sambia. |
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Letzte Änderung: 09 Nov 2025 07:32 von CarstenS.
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06 Nov 2025 10:33
#715514
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Hallo Carsten,
eigentlich wollte ich gar nichts dazu schreiben, aber da Du als Wissenschaftler ganz betont darauf eingegangen bist, gibt es jetzt doch einen Kommentar von mir. Klar, Streifenmäuse sind keine Affen oder Paarhufer, aber es wundert mich schon, wie Du wiederholt Arten findest, die es in den von dir hier beschriebenen Gegenden gar nicht gibt. Pukus gibt es in ganz Namibia nicht, ebenso wie Yellow Baboons, die wirst Du dann in Zambia zur Genüge kennen lernen. Nichts für Ungut, Matthias |
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07 Nov 2025 07:27
#715547
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Hoi zämä
fotomatte schrieb: Klar, Streifenmäuse sind keine Affen oder Paarhufer, aber es wundert mich schon, wie Du wiederholt Arten findest, die es in den von dir hier beschriebenen Gegenden gar nicht gibt. Pukus gibt es in ganz Namibia nicht... Also will uns hier jemand einen Bären aufbinden, ist es das was du uns sagen willst?Hmmm... Ich bin zwar kein Wissenschaftler und in Namibia kenn ich mich überhaupt nicht aus, aber zumindest gemäss Wikipedia gibts Puku's in Namibia und auch Streifenmäuse sind gemäss Wiki im südlich der Sahara liegenden Teil Afrikas zwischen Guinea und Uganda beheimatet. Und meines Wissens liegt Namibia auch südlich der Sahara irgendwo zwischen Guinea und Uganda. Da fragt man sich doch ob wirklich Wiki und Carsten falsch liegen und wenn nein weshalb so ein Einwand geschrieben wird. |
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07 Nov 2025 08:25
#715550
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Nun, bei den Pukus bin ich mir auch nicht sicher, wegen der Verbreitungskarte. Aber nach dem Mammal Guide sollte es das gewesen sein.
Yellow Baboons gibts hier nach unserem guide und die sehen auf jeden Fall ganz anders aus, als unsere Chacmas. |
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07 Nov 2025 08:27
#715551
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Donnerstag, 6. November: Endlich Sambia!
Heute sollte eigentlich der bisher ruhigste und entspannteste Tag werden, mit weniger als 300 Kilometern Fahrstrecke vor uns: 110 km nach Katima, um einen Ersatzreifen zu kaufen, dann über die Grenze nach Sambia – der Grenzposten hier gilt als der ruhigste und schnellste – und anschließend rund 150 km bis zu den Ngonye Falls, wo wir vor 14 Uhr eintreffen wollten. Immerhin das Ausschlafen hat geklappt. Nachts gewitterte es heftig, und ich fragte mich, ob man das im Dachzelt überhaupt überleben kann. Theoretisch nein – wenn der Blitz einschlägt, ist es vorbei. Praktisch ja – ich habe noch nie von einem Fall gehört, bei dem das passiert wäre. Um 5:30 Uhr wollte mein Körper aufstehen, ich zwang ihn jedoch bis kurz vor 7 Uhr liegen zu bleiben. Lindelani konnte ab 6 Uhr nicht mehr schlafen. Gegen 8 Uhr fuhren wir los, kurz nach 9 Uhr erreichten wir Katima Mulilo. „Trentyre“ war – wie schon in Springbok – geschlossen. Ich vermute, die Firma ist pleite. Bei Zambezi Auto City hatte ich jedoch „Glück“ und bekam einen neuen Goodyear-Reifen. Das Unglück folgte prompt: Beim Rückwärtsfahren touchierte ich mit dem Ersatzreifen einen alten LKW. Ich hatte dort gehalten, wo man mir sagte, ich solle um die Ecke fahren – den Schrott-LKW auf dem vermeintlich freien Platz hatte ich nicht auf dem Schirm. Fünfzehn Minuten später bat man mich, wieder zurückzufahren. Am Cruiser war kein Schaden, am abgemeldeten LKW war das Vorderlicht zersplittert. Die Leute nahmen es gelassen, ich hinterließ meine Versicherungsunterlagen und gehe davon aus, dass ich nie wieder etwas davon höre. Das Aufziehen des Reifens zog sich in die Länge. Dann noch die Rechnung: Die Reifenverkäuferin hatte mir den Preis inklusive Mehrwertsteuer genannt, die Kassiererin berechnete die Steuer dann nochmals obendrauf. Ich protestierte, und nach Rücksprache sollte es korrigiert werden. Nur wusste niemand, wie hoch der Preis ohne Mehrwertsteuer war. Als man mir sagte, die VAT betrage 15 %, konnte ich das immerhin schnell für sie ausrechnen. Insgesamt dauerte die ganze Aktion mit Werkstattsuche satte zwei Stunden. Danach wollte ich zur Post, um meinen Strafzettel zu bezahlen. Vor mir standen jedoch mehr als 50 Leute in der Schlange – Monatsanfang, vermutlich Sozialhilfeauszahlung. Also ließ ich es bleiben. Um 11:15 Uhr erreichten wir die Grenze. Vor uns stand die Riesenschlange eines Reisebusses. Freundlicherweise winkte man uns auf der namibischen Seite vorbei, sodass wir nach 20 Minuten bei der sambischen Seite ankamen. Dort war kaum etwas los, weshalb viele Schalter unbesetzt waren. Zuerst wollten wir Geld am Automaten holen, der laut Reiseführer vorhanden sein sollte – war er aber nicht mehr. Also wechselten wir auf der Straße genügend Bargeld für die Gebühren. Der Pass war schnell gestempelt, die Fahrzeugabfertigung dauerte länger. Die Interpol-Mitarbeiterin war zunächst nicht da, verglich dann aber die Fahrgestellnummer mit den Papieren. Das überprüften später noch zweimal Polizisten. Da kaum jemand anderes anwesend war, kamen wir „sofort“ dran. Obwohl meine SANTAM-Versicherung auch für Sambia gültig ist, musste ich eine lokale Versicherung für 650 Kwacha abschließen, dazu knapp 600 Kwacha Road Tax und 20 US-Dollar Carbon Tax. Bis alle Daten im System waren, verging Zeit – dann fiel das System komplett aus. Nach über zwei Stunden waren wir schließlich fertig. Und das, obwohl außer uns kaum jemand dort war. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das abläuft, wenn an der Grenze wirklich Betrieb herrscht. Nach Fleisch oder Obst fragte uns niemand. Auf Nachfrage hieß es, das wäre kein Problem gewesen. Die KI im Internet hatte also wieder einmal Unsinn erzählt – offenbar basierend auf einem Facebook-Post. Weiter ging es nach Sesheke. Der Geldautomat akzeptierte keine unserer Karten, also standen wir fast ohne Kwacha da. Hätte ich doch an der Grenze mehr getauscht. Es reichte gerade für zwei SIM-Karten mit je 10 GB für 30 Tage. Ein junger Mann half uns freundlich und erledigte alles so schnell wie möglich – also in etwa einer halben Stunde. Um 14:30 Uhr waren wir endlich wieder unterwegs. Die „einfache“ Grenze hatte uns also etwas mehr als drei Stunden gekostet. Die Fahrt entlang des Sambesi ist berauschend. Der Fluss ist ein Traum. In Deutschland wohne ich am Rhein, aber das ist kein Vergleich. Vor allem am Anfang säumen prachtvolle Baobabs die Straße, dazwischen riesige, leuchtend rote Blütenbäume – alles mit dem Sambesi im Hintergrund. Wir sind im Herzen Afrikas angekommen. Dann begann der Ärger mit den falschen Straßen auf der neuen T4A-Karte für mein Navi. Schon im Caprivi waren viele Camps nicht eingezeichnet, in Khaudum fehlte eine Strecke, und nun wieder Probleme. Ich war überzeugt, versehentlich meine alte Karte von 2003 installiert zu haben – dem war aber nicht so. Im Camp überprüfte ich: Es ist tatsächlich die aktuelle Version 25.05.01. Auf der App „T4A“ stimmt dagegen alles. Warum also nicht auf der Garmin-Karte? Ärgerlich. Dazu kam ein Denkfehler meinerseits: Laut Reiseführer Zambia Self-Drive Guide und den Angaben in der App hatte ich die Route falsch im Kopf. Statt direkt zum Camp des Nationalparks bei den Ngonye Falls zu fahren, steuerten wir den Aussichtspunkt an der M10 an. Laut Buch ist der Blick von dort zwar besser, aber die Zufahrt führt über eine schwer auffindbare Sandpiste, die in einem vermüllten, menschenleeren Areal endet. Vermutlich hätten wir die Trampelpfade weitergehen sollen, aber wir waren genervt – und mir war noch nicht klar, wo genau mein Navigationsfehler lag. Statt um 14 Uhr wie geplant erreichten wir erst nach 17 Uhr das Office des Nationalparks. Der Nachmittag war also alles andere als entspannt. Die Fälle selbst sind sehenswert, wenn auch nicht besonders hoch. Die ganze Szenerie ist bezaubernd – mehrere kleine Wasserfälle und Stromschnellen, umgeben von sattem Grün. Der Sambesi führt derzeit allerdings wenig Wasser, man sieht deutlich, dass der Pegel stellenweise fünf Meter höher stehen kann. Am Park trafen wir auf einen Bus voller junger Sambier, die hier ebenfalls zelteten. Großartig, dass sie ihr eigenes Land bereisen – lebhaft und fröhlich. Für uns bedeutete das allerdings: Wir suchten einen ruhigeren Platz. Nur wenige Kilometer entfernt fanden wir im Whispering Sands Camp Unterkunft (450 Kwacha für uns beide) – ein schöner Platz mit fantastischer Aussicht. Ruhig war es dank der Frösche und Zikaden zwar nicht, aber das störte uns nicht. Außerdem waren wir die einzigen Gäste.
Anhang:
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Letzte Änderung: 07 Nov 2025 08:30 von CarstenS.
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