THEMA: Reisebericht Sambia - 2. Versuch - November 2016
22 Feb 2017 19:21 #465233
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Tag 6 - Donnerstag, 03.11.2016

Heute brechen wir auf zu neuen Ufern, nördlich von Lusaka waren wir noch nicht...mal sehen, wie weit wir auf dem Weg zu unserem 1. Ziel 'Kasanka NP' kommen.
Unser Wachhund hat sich inzwischen verdoppelt...nach einigen Irritationen unsererseits sitzen nun 2 von der Sorte an unserem Fahrzeug, sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich... ;)
Auf dem Weg zum Zentrum Lusakas liegt ein riesiges shopping center, dort haben wir uns letztes Jahr mit allem Notwendigen eingedeckt. Außerdem ist der Parkplatz bewacht, kann ja nicht schaden.
Hier decken wir uns mit frischen Lebensmitteln ein, keine Ahnung, wie die weitere Versorgungssituation nördlich von Lusaka sein wird. Außerdem gibt´s eine Bank, etwas mehr Kwachas in der Tasche können auch nicht schaden. Ein Stück weiter kommt eine günstige Tankstelle, die auch Kreditkarten akzeptiert ( wir fragen immer vorher, ob das funktioniert, ist nämlich nicht selbstverständlich... B) ), wir tanken voll.

Am späten Vormittag starten wir endlich, passieren den ersten Kreisverkehr und halten uns strikt an die Verkehrsregeln. In diesem Kreisel wurden wir vor 1 Jahr von der Polizei herausgewinkt, da wir uns links einordneten, aber nicht links abgebogen sind. Nur die Tatsache, dass es weder Markierungslinien noch Pfeile auf der Straße gab, rettete uns vor einem Knöllchen... ;)
Diesmal kennen wir uns aus...alles geht glatt...es ist viel angenehmer und vor allem schneller, Richtung Norden durch Lusaka zu fahren als Richtung Osten, da man die Bahngleise und somit die 3 Nadelöhr-Brücken nicht passieren muss. Dabei haben wir fast immer endlos viel Zeit verloren. Diesmal rollen wir locker ohne abzubiegen durch die Stadt, auf die Great North Road Richtung Kabwe kommen wir automatisch.

Wie immer bieten an jeder Ampelkreuzung zahlreiche Händler ihre Waren an. Von Sonnenbrillen über Shorts, Handtücher, Schuhe....nahezu alles kann man hier bekommen und einige Sachen sehen auch ganz gut aus.... :)

Chinesische Schriftzeichen begegnen uns überall in Sambia, auch auf dem Kleinbus vor uns...

Der Verkehr ist lebhaft, viele Klein-LKW sind unterwegs. Je weiter Lusaka hinter uns liegt, um so zahlreicher werden die Gemüsestände an den Straßenrändern. Hier kann man immer ganz gut ablesen, was gerade geerntet wird. Die Auswahl ist nicht groß, aber was gerade Saison hat, gibt es in Mengen...aktuell sind das Wassermelonen und 'Butternut'-Kürbisse....hier und da auch Tomaten und rote Zwiebeln.

Wie wir auf der gesamten Reise feststellen werden, ist unser geliebter Knoblauch absolute Mangelware im Land und sündhaft teuer... :(
Der Gegenverkehr gibt uns häufig die Lichthupe, die Polizei blitzt hier überproportional häufig. Ich meckere herum, dass Manni sich penibel an die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 60 bzw. 80 km/h halten soll....während ich schimpfe, passiert es auch schon....unsere gesamte Kolonne wird heraus gewinkt, vor uns ein Pickup und ein Moped, ein Klein-LKW und weitere PKW hinter uns....na super....was das wohl kostet....Manni beteuert, dass er nicht zu schnell war... :angry:
Ich bin stinksauer, steige auch nicht aus...soll er mal allein ausbaden...er kommt und kommt nicht wieder, hockt neben dem Auto, in dem eine Polizistin vorn und ein 'höheres Tier' hinten sitzt. Der Pickup-Fahrer vor uns ist sichtbar stinkig, knallt die Tür, muss einige Male hin und her rennen, um seine Papiere zu holen. Manni erzählt mir hinterher, dass dieser Typ sich einen Riesen-Anschiss vom Polizeioberen eingeholt hat, da er nur herumschimpfte und auch laut wurde. Irgendwann wurde das 'hohe Tier' ebenfalls sehr kurz seeehr laut und drohte mit 'Jail', da wurde es schlagartig ruhig und gesittet....das Großmaul hielt einfach die Klappe... B)
Manni wurde als Tourist intensiv ausgefragt: wie gefällt euch denn Sambia? Ihr wart schon einmal hier? Wo wart ihr denn? Was hat euch am besten gefallen?...usw...sie waren sehr nett.
Ich hatte Befürchtungen bezgl. Korruption, aber alle Gestoppten mussten dasselbe bezahlen: 300 Kwacha.

Und so sieht ein sambischer Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens aus:


Interessant war auch die Höhe unserer Geschwindigkeitsüberschreitung, erst hieß es "83 km/h bei 80", dann 87 km/h. Auf die Frage, was denn eine weit höhere Überschreitung von z.B. 100 km/h kosten würde, hieß es "auch 300 Kwacha"...selbst bei 81 km/h wäre der Betrag fällig geworden. Also extreme Vorsicht bei Geschwindigkeitsbegrenzungen, selbst 1 km/h kann zu viel sein.

Straßenkontrollen gibt es immer wieder, die Führerscheine interessieren kaum, meistens wird die Versicherung und das 'Road fee' - Dokument kontrolliert, diese Unterlagen packen wir gar nicht mehr weg.
Irgendwann passieren wir Kontrollhäuschen, die eine 'Road fee' kassieren wollen. Diese Kassenhäuschen sind nagelneu, wird es wohl in Zukunft häufiger in Sambia geben, wir sehen auf unserer Reise noch einige im Bau befindliche. Der Mitarbeiter ist sehr fair, da wir ja ahnungslos sind und fragt, wann wir ins Land gekommen sind. Nach unserer Antwort "vor 3 Tagen" und der Kontrolle unseres 'Road fee' - Belegs erklärt er uns, dass wir 4 Wochen im Land bleiben können ohne irgendwo eine 'Road fee' bezahlen zu müssen....schon wieder was dazugelernt...vielen Dank... :)
Überhaupt waren alle Kontrollen auf unserer Reise - und die waren zahlreich - sehr freundlich, fair und meist mit nettem small talk verbunden...


Kurz vor Kabwe passieren wir das Fig Tree Cafe, sind schon vorbei, schauen uns an, die eintönige Strecke hat uns müde gemacht...wir drehen und kehren dort ein...eine sehr gute Idee... :)
Die Kaffee-Auswahl ist üppig, auf einer Kreidetafel ist das Sortiment aufgeschrieben, wir entscheiden uns für Filterkaffee einfach und setzen uns in den Garten. Ein schöner Ort zum Rasten, finden auch zahlreiche andere Gäste.
Jemand bringt uns den Kaffee an den Tisch, wir bleiben länger, ist nett hier.


Ein großer Souvenir-Shop vor dem Gebäude lockt bestimmt viele, wir sind immun, kaufen schon lange keine Souvenirs mehr...
Als wir gehen, fällt mir neben unserem Fahrzeug der besonders schöne Garten neben dem Haus auf, viele schöne Blüten an den Bäumen, ich versuche am Zaun ein paar Fotos zu machen und "peng" fühlt es sich an, als wäre mir eine Kokosnuss auf den Schädel gefallen, nicht schmerzhaft, aber ein ordentlicher Schlag...toll...ein dicker Draht über dem Zaun führt Strom, leider kann ich weit und breit kein Hinweisschild erkennen noch die üblich sichtbaren weißen Halterungen....puuh, dumm von mir und wirklich nicht angenehm...gut, dass ich keinen Herzschrittmacher habe.... B)
Durch Kabwe geht es zügig und problemlos, nach ca. 60 km erreichen wir Kapiri Mposhi. Hier endet die TAZARA-Eisenbahnstrecke nach Dar-es-Salaam, direkt an der Straße entdecken wir eine riesige Schienen-Drehscheibe zum Umkehren der Lokomotiven....



Nach wenigen Kilometern kommt der Abzweig auf die Great North Road - T2 - Richtung Tanzania. Wie immer bei "Neuland" würde ich viel lieber noch weiter geradeaus auf der T3 fahren, das heben wir für´s nächste mal auf... B)
Wir biegen rechts ab, viele LKW stehen links und rechts der Straße, Verkaufsstände überall, hier kann man sich wieder mit fast allem Notwendigen eindecken.


Die TAZARA-Bahnstrecke liegt rechtsseitig und wird uns bis zu unserem Endpunkt an der T2 begleiten, leider sehen wir nie einen Zug... :(
Inzwischen ist es 16.30 Uhr, wir werden den Kasanka NP nicht mehr erreichen, haben auch keine Lust mehr heute. Die nächste ( und einzige uns bekannte ) Unterkunft ist das Forest Inn in ca. 60 km. Das schauen wir uns mal an, vielleicht gibt es dort auch was Leckeres zu essen, wir haben heute auf Kochen keine Lust mehr.

Nach ca. 30 min. stehen wir vor dem Eingangstor, das sofort geöffnet wird. In der Rezeption finden wir einen strahlenden Angestellten vor, wir checken ein. Auf die Frage, ob das Restaurant geöffnet ist, nickt er und reicht uns direkt die Speisekarte, wir sollen vorbestellen, es braucht ca. 1 h Vorbereitung...uns soll´s Recht sein, der Magen hängt auf den Knien.
Seine Empfehlung "Hähnchenschnitzel mit Pommes und Salat" nimmt Manni sofort, ich wähle Halloumi gegrillt auf Toast mit Salat.
Wir sind die einzigen Camper hier, nur einen weiteren Gast sehen wir später im Restaurant.

Ein Stellplatz ist schnell gefunden, das Nötigste aufgebaut und ab zum Essen. Der Kellner ist tiefschwarz mit strahlend-weißen Zähnen, die er uns auch ständig breit lachend zeigt. Er ist total niedlich, weil er sich offensichtlich so sehr über Gäste freut. Auch hat er einen richtig feinen Anzug an wie das gesamte Restaurant-Personal. Wir bestellen eine bezahlbare Flasche Rotwein, das Essen ist exzellent...ein wunderschöner relaxter Abend hier und bezahlen können wir sogar mit Kreditkarte... :)
Die Straßengeräusche sind nicht störend, wir sitzen noch etwas an unserer campsite, bis wir irgendwann müde ins Dachzelt krabbeln. Und morgen steht endlich der Kasanka NP auf dem Programm...
Letzte Änderung: 28 Feb 2017 18:28 von paulinchen.
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28 Feb 2017 20:49 #466075
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Tag 7 - Freitag, 04.11.2016

Die Nacht war ruhig und erholsam, beim ersten Sonnenstrahl springen wir aus dem Bett. Ein herrlicher Tag beginnt mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Seit Livingstone, wo es erdrückend heiß war, sind wir stetig bergauf gefahren, ohne es wirklich zu merken. Inzwischen befinden wir uns auf mehr als 1.200 m über NN, unglaublich, wenn man in die Fläche blickt und Bergketten am Horizont erkennt.
Ab hier ist Manni´s Armbanduhr mit Höhenmessfunktion mein ständiger Begleiter, denn mich fasziniert dieses auf und ab in Sambia... :)
Nach Frühstück und Abbau des camps springen wir unter die Dusche, die uns heute morgen allein gehört. Klein, aber sauber und nett ist es hier, ich breite mich ordentlich aus mit meinen Utensilien, nehme mir mehr Zeit als sonst, denn den Kasanka NP sollten wir heute lässig erreichen... B)

Auf dem weitläufigen Gelände steht Einiges an verrosteten Gegenständen herum wie z.B. ein Wasserbüffel, der von weitem verblüffend echt aussieht, und alte Dampfmaschinen bzw. Teile davon. Ich schlendere über den Platz, im Hintergrund ist immer wieder Kinderlachen zu hören, als wäre hier eine Schule oder Ähnliches auf dem Gelände.



Los geht´s und wir biegen direkt hinter dem Eingangstor wieder auf die T2 Richtung Norden.

Der LKW-Verkehr aus Richtung Tanzania kommend ist enorm, wohin fahren die wohl alle und was verbirgt sich unter den Abdeckplanen? Auch kommen uns viele Tanklastwagen entgegen.

Der Straßenzustand ist sehr unterschiedlich, mal fast wie neu mit breitem Randstreifen, aber wesentlich häufiger mit Löchern in der Teerdecke und, was mich wirklich nervös macht, einem völlig "abgefressenen" Straßenrand, der stellenweise auch einen ordentlichen Absatz zur umgebenden Landschaft hat. Die Trucks, die uns entgegenkommen, meiden natürlich ebenfalls diesen hohen, löcherigen Rand und fahren mehr mittig, so dass wir häufig auf der gelben, "abgefressenen" Kante entlang eiern müssen...sehr unangenehm... :(
...einige Male sehen wir die Reste von umgekippten LKW am Rand liegen, denen u.a. diese Kante wohl zum Verhängnis geworden ist....neben einschlafen und was weiß ich noch.... :(
Wir passieren die Orte Mkushi und Serenje, immer wieder den hohen Bahndamm neben oder über uns...er schlängelt sich mit uns dahin...linksseitig kommt der Kongo mit seinen Höhenzügen am Horizont ganz nah... :)


Verkaufsstände erscheinen am Straßenrand, die die obligatorische Holzkohle, aber zunehmend auch Haushaltsgegenstände wie Besen, Beile u.ä. verkaufen. Sobald wir halten, rennt aus dem Nirgendwo jemand in unsere Richtung, obwohl alles wie ausgestorben wirkt. Hütten sehen wir an dieser Straße nur selten, dafür um so häufiger Straßenkontrollen, gekennzeichnet mit orangefarbenen Hütchen und verbeulten Tonnen. Man interessiert sich aber hauptsächlich für die LKW´s... ;)

...und der hat Pech gehabt, sieht aus, als ob hier schon länger repariert wird... :(


Ca. 40 km hinter Serenje kommt der Abzweig links auf die D 235 Richtung Kasanka NP. Hier befindet sich ein kleiner Markt und einige Häuser, richtig was los hier im Gegensatz zur Strecke davor...


Kaum biegen wir ab, hört der nervige Gegenverkehr auf. Bis zum Eingang des NP kommt uns kein Fahrzeug mehr entgegen, außer Radfahrern und Fußgängern sind wir die einzigen, die hier unterwegs sind. Entsprechend gut sind die Straßenverhältnisse, fast wie neu... :)

...die beiden hatten auch schon bessere Tage... :(


Nach eintöniger Strecke mit wenig sichtbaren Häusern erreichen wir eine Polizeiabsperrung, die sofort geöffnet wird. Direkt dahinter befindet sich die Einfahrt zum NP, weiter Richtung Norden fahren offensichtlich nicht viele Fahrzeuge, das Dorfleben findet direkt auf der Straße statt... B)

Wir betreten das steinerne Gebäude, wo wir einen Ranger in Tarnkleidung vorfinden. Ich verstehe sein Englisch nur mit Nachfragen, hier kommen Mannis Sprachtalente besser zum Einsatz, er versteht jedes noch so undeutliche Wort... B)
Guten Tag, wie geht´s usw...etwas smalltalk...dann die Frage, ob wir vorreserviert haben...nein, haben wir nicht, möchten aber gern 2 Nächte bleiben...
Ein knatschendes Funkgerät wird bemüht, es dauert, bis sich jemand meldet, verstehe nichts von dem, was geantwortet wird...sch... Verbindung... :(
Aber wir haben Glück, können 2 Übernachtungen auf der einsamen Kabwe Campsite ergattern ( hätten wir wählen können, wäre sie es auch gewesen... ).
Ein großes abgegriffenes Buch wird geöffnet, ich trage uns ein, während Manni die 660 Kwacha Eintrittsgebühr bezahlt...Camping fee sollen wir am Headoffice an der Wasa Lodge bezahlen. Dann öffnet sich die Schranke und wir fahren in den Park... :)
Der Weg schlängelt sich durch dichtes Buschwerk, die rotbraune Färbung am Gestrüpp sieht so aus, als ob hier in der Regenzeit alles unter Wasser stehen würde...



An der Wasa Lodge werden wir bereits von einem rothaarigen Mädel erwartet, Volontärin oder so.... :)
Wir folgen ihr ins office, sie textet uns ununterbrochen in superschnellem Englisch zu, habe wieder Mühe, ihren Erklärungen zu folgen...heute fühle ich mich sprachlich nicht auf der Höhe... :angry: ...sie freut sich offensichtlich über jede Unterhaltung an diesem relativ einsamen Ort... B)
Der Preis für 2 Campingübernachtungen beträgt 80 USD oder 800 Kwacha, die wir bevorzugen.
Wir sollen um 16 Uhr vom Camp zu den Aussichts-Hides starten, sie empfiehlt uns als besten Aussichtspunkt die Wiesenfläche am BBC Hide, die Hides selbst sind ausgebucht ( würde rückblickend immer die Wiesenflächen bevorzugen... ;) ).
Das Navi kennt unser Camp, wir folgen der Piste, überqueren den kleinen Kasanka River, der tatsächlich etwas Wasser führt, folgen einer offenen Fläche wieder ins Buschwerk, biegen irgendwo rechts ab und am Ende wartet das leere Camp auf uns...hier gefällt es uns sofort... B)
Unsere Camp-Hüter kommen sofort nebenan von ihrer Hütte, erklären uns Dusche und Toilette und das sie alle unsere Wünsche erfüllen werden... :) ... Heißes Wasser für die Dusche sollen wir anfordern, sie erzählen uns auch etwas über die Tiere um uns herum. Vor allem der ältere der beiden spricht sehr gut Englisch und lernt offensichtlich den Jüngeren gerade an.
Wir bauen Tisch und Stühle zwischen den Bäumen auf und genehmigen uns, ausnahmsweise, ein Bier vor 4...herrliche Ruhe hier und ein beeindruckender Blick auf die Ebene vor uns... B)
Der gesamte Platz ist sauber gefegt, überall, wo jemand entlanggehen muss, liegt kaum Laub, außerhalb des Camps dafür umso mehr braune Blätter...heute Abend werden wir wissen, warum dies hier so wichtig ist... B)
Um kurz vor 16 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Wasa Lodge und Hides. Direkt hinter der Furt geht es rechts ab zum Fibwe und BBC Hide. Die Vielzahl der Wege ist verwirrend, wenn man das erste Mal hier durchfährt, aber irgendwann haben wir den BBC Hide gefunden. Auf einem kleinen Parkplatz stellen wir den LC ab, laufen noch ein Stück bis zum Hide...es ist ein merkwürdiges Gefühl, im afrikanischen Busch so allein herumzulaufen...hier soll es ja fast keine gefährlichen Tiere geben...trotzdem komisch... :(
...der BBC Hide...


Natürlich sind wir viel zu früh und die einzigen hier, dieser Hide ist nicht allzu hoch, dafür gibt es eine Wiese mit dem Schild 'public viewing'....das ist das wahre 'PUBLIC VIEWING'.... :)

Nach einer Weile kommt ein Ranger mit Gewehr, im Schlepptau ein paar Touristen, wahrscheinlich aus einer der Lodges.
Wir kommen ins Gespräch und er empfiehlt uns, besser die Wiese am Fibwe Hide aufzusuchen, die sei viel besser als Aussichtspunkt... ;)

Hört sich glaubwürdig an, wir brechen auf und suchen den nicht weit entfernten Fibwe Hide auf, wieder ein kleiner Parkplatz und schon folgen wir dem Weg, der sich durch ein Gewürm von kleinen Bachläufen und Plankenübergängen windet.
Ja, diese Wiese gefällt uns auf Anhieb besser, sie liegt mitten in der Ebene, der Fibwe Hide befindet sich am Rand der Fläche in einem Mahagonibaum, zwar wesentlich höher als der BBC Hide, aber wir fühlen uns in der Fläche, so glaube ich, wohler.... :)

...im Hintergrund der Fibwe Hide...


Hier stehen ein paar Bänke, hinter uns kommt nun auch ein Ranger mit Gewehr, setzt sich auf eine Bank. 2 Bier zum Sonnenuntergang haben wir noch dabei und langsam kommen noch ein paar Touristen...der Lärm vom Hide zeigt an, dass es dort wesentlich voller ist.
Wir sind nicht die einzigen, die sich ein Bierchen mitgebracht haben...unser Wachmann bekommt eine 0,5 l Flasche kaltes Wasser von uns - er ist ja im Dienst - und freut sich sichtlich... :)
Ein junge Kanadierin schwärmt, wie wahnsinnig beeindruckend dieser Schwarm am gestrigen Abend war und macht mich noch viel gespannter, als ich es eh´ schon bin.
Die Sonne ist weg und endlich geht es los, in westlicher Richtung tut sich was, zuerst noch eher in Bodennähe fliegen die Flughunde hin und her, bewegen sich aber nur vereinzelt in unsere Richtung und das geht recht lange so. Selbst meine kanadische Freundin guckt enttäuscht aus der Wäsche...klappt das nicht automatisch jeden Abend so...?

Dann sind fast alle Tiere wieder verschwunden, auch wir sind gerade etwas enttäuscht...war´s das etwa schon...?

Und dann, nach ca. 30 Min., geht plötzlich die Post ab, als hätte jemand den Korken aus einer Flasche gezogen...es ist ein unglaubliches Schauspiel, dass mit keiner Linse, weder Foto noch Film, auch nur annähernd eingefangen werden kann...
Wir legen uns auf die Wiese und schauen einfach in den Himmel, nachdem ich vergeblich versucht habe, das zu fotografieren....die Realität ist so viel besser.... :)





...erinnert an kryptische Schriftzeichen... ;)


Es sind so viele, dass einem im Stand beim Hochblicken richtig schummerig wird, so sehr flimmert dieser vorbeiziehende Flughunde-Schwarm vor Augen...und das Geräusch der Flügel dazu...der Schwarm ist untermalt von einem Grundrauschen....Wahnsinn.... B)

...manchmal kann man gegen das Licht ihren Körper durchscheinen sehen...bin ich froh, die Wiesenfläche als Ausguck gewählt zu haben, am Boden liegen und nach oben zu schauen ist wahrscheinlich die beeindruckendste Variante der Beobachtung...



...es wird immer dunkler und nur noch einige Nachzügler sind unterwegs...

Diesen buckeligen Weg mit Löchern in der Wiese geht man besser nicht im stockdusteren...und eine Taschenlampe sollte man dabei haben... B)

Am Auto angelangt ist es fast dunkel und auf der Rückfahrt zum Camp sind wir beide noch völlig geflasht...das hält noch den ganzen Abend an, da bin ich mir sicher und jetzt schon froh, 2 Nächte hier zu sein...das begreift man nach dem ersten Mal in seiner ganzen Größe noch nicht... B)

Wir erreichen unseren Platz...im Dunklen sieht doch alles völlig anders aus...und hier brennt schon das Lagerfeuer...unsere Camp-Hüter waren sehr fleißig und wenig später hängt das heiße Duschwasser am Haken, was für ein Luxus... :)

Heute gibt es kalte Küche, wozu schleppen wir Brot, Thunfischdosen und anderes Zeug mit uns rum? Genau für solche Abende ist es gedacht...
Die heiße Dusche reicht exakt für 2 Personen und mit etwas im Magen lassen wir am Lagerfeuer die Eindrücke sacken...die Fahrt hierher hat sich jetzt schon mehr als gelohnt... :)
Der ältere der beiden Wächter sitzt noch kurz mit uns an "seinem" Feuer, informiert uns, dass noch Gäste unterwegs sind, die wahrscheinlich um 11 Uhr abends eintreffen werden...schade...ich hatte gehofft, wir sind allein im Camp... :(
Aber noch genießen wir die Stille, leuchten aber unser Fahrzeug rundherum gut aus...auf dem Boden krabbelt so Einiges herum...deshalb also ist alles so penibel gefegt...und diese kleine Schlange finden wir zufällig mit Hilfe unserer Taschenlampe...sie fühlt sich unwohler als wir und flüchtet gemächlich Richtung Laub...dank eurer Hilfe weiß ich, dass es sich um eine Herald Snake - Crotaphopeltis hotamboeia - handelt... B)



...ich weiß, sie ist auf folgendem Bild, aber ich kann sie kaum erahnen...wer findet sie?


Gerade möchten wir schlafen gehen, als 2 Scheinwerfer den Platz erhellen. Ein weißer Hilux, besetzt mit 4 Personen, 3 jungen Männern und 1 Frau, platzieren sich am Rand der Campsite, kommen nicht zum Feuer, sagen nicht 'Hallo' oder sowas...mmh...komisch... :(
Schnell und halbwegs leise bauen sie 3 kleine Zelte am Gebüsch im Laub auf und weg sind sie...gute Nacht...noch ein Glas Wein und wir machen uns auch bettfertig... B)


...und die nerven uns den gesamten Abend...laufen ständig in rasantem Tempo um´s Auto und sogar auf dem Feuersockel herum, auf den wir wegen der Krabbelviecher unsere Füße gelegt haben...ich glaube, es ist eine Walzenspinne...und es sind einige hier...

...wer das ist, keine Ahnung, fühlt sich aber sehr wohl am Feuer... :)

Freue mich jetzt schon darauf, das Flughund-Spektakel morgen noch einmal erleben zu dürfen...werde wohl noch weniger fotografieren und mehr genießen... :)
Letzte Änderung: 01 Mär 2017 02:15 von paulinchen.
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28 Feb 2017 23:26 #466089
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  • paulinchen am 22 Feb 2017 19:21
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Es tut mir leid, dass ich den 7. Tag etwas zerrissen eingestellt habe, aber mir ist etwas "abgestürzt".
Erst jetzt sind die letzten Bilder im Bericht, also wer bereits hineingeschaut hat, bitte noch einmal wiederholen. :)

lg
paulinchen
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01 Mär 2017 06:34 #466098
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  • marimari am 01 Mär 2017 06:34
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Danke Paulinchen für Deinen Bericht...das war ja ein richtig toller Schlangen u. Spinnentag :silly: :blink: :laugh:
LG
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01 Mär 2017 09:46 #466112
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  • Flori am 01 Mär 2017 09:46
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Sehr beeindruckend, Paulinchen! Besonders die Flughunde! :ohmy:
Danke für's Posten!
Gruß Doro
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02 Mär 2017 09:17 #466233
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  • tina76 am 02 Mär 2017 09:17
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Hallo Paulinchen,

vielen Dank für die Fortsetzung Eures spannenden Sambia-Berichts. Die Flughunde in Kasanka stehen auch noch auf meiner Wunschliste für zukünftige Reisen. Das muss ein beeindruckendes Erlebnis gewesen sein. Auf jeden Fall tolle Bilder! Übrigens gibt es im Norden Australiens (rund um den kleinen Ort Kununurra) ebenfalls sehr große Flughundkolonien Wir haben während unseres zweiwöchigen Aufenthalts dort immer jeden Abend um die gleiche Zeit darauf gewartet, dass tausende Flughunde über den Ort ziehen. Daran konnte ich mich auch nicht satt sehen. :-)

Bin gespannt, wie Eure Reise weitergeht.

Liebe Grüße
Kristina
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