THEMA: Rage, rage against the dying of the light!
16 Mai 2021 15:19 #616150
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  • KarstenB am 16 Mai 2021 15:19
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Hallo busko,
ich sehe, dass Dich das Thema wirklich beschäftigt, verstehe aber nicht so recht wieso.
In Deinem Eingangsbeitrag vermischt Du so einiges, was man redlicherweise nicht vermengen sollte:
- Die Tiere (und Menschen) in der römischen Arena waren nicht freiwillig dort, sondern zum Zwecke der "Unterhaltung" des Publikums dorthin verbracht worden. Das ist schlicht und einfach Tierquälerei (bzw. Mord).
- Die Gaffer an der A1 verletzen die Menschenwürde der Unfallopfer (und behindern tw. die Rettungsarbeiten). Ich bin nicht der Meinung, dass durch das Beobachten oder Filmen eines Büffelkills durch Löwen die Würde eines der Beteiligten verletzt wird.
Durch diese Gleichsetzung versuchst Du, das Beobachten und Filmen in ein moralisch fragwürdiges Licht zu rücken. Das ist mir etwas sauer aufgestoßen.
Es ist Dir natürlich unbenommen, für Dich selbst solche Berichte zu meiden - denn natürlich ist der Vorgang grausam und berührt wohl jeden, der so etwas einmal erleben konnte.
LG aus Puerto de la Cruz,
Karsten
RB Kenia 2020 www.namibia-forum.ch...pt-2020.html?start=0
Reisebericht Südtanzania 2013 www.namibia-forum.ch...lft-nicht-immer.html
Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 www.namibia-forum.ch...wochen-nam-bots.html
Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis www.namibia-forum.ch...tage-gefaengnis.html
Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha www.namibia-forum.ch...e-bush-ha-ha-ha.html

Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB www.namibia-forum.ch...imitstart=0&start=12]
Walking Safari Zimbabwe 97 www.namibia-forum.ch...ri.html?limitstart=0
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17 Mai 2021 16:48 #616269
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  • Randfontein am 17 Mai 2021 16:48
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Hi busko, KarstenB und Alle,
erstaunlich, wie verschieden die Gedanken sein können, die ein reflektierender Beitrag auslöst!
Womit das Wichtigste schon mal erreicht ist: Menschen denken selbst. Schön, dass es das noch gibt!

Auf Karstens Idee, busko argumentiere "unredlich" und er müsse sich "solche Berichte nicht anschauen" wäre ich z.B. nie gekommen. Meiner Auffassung nach ging es ihm um viel elementarere Betrachtungen über die Funktionen unseres Gehirns und was es mit uns anstellt! Er spricht da ja viele Dinge an, z.B. die graduellen Unterschiede zwischen "Lebewesen", wie wir sie einteilen. Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikrorganismen...alles was wir als "organisch" definieren.
Wir alle befinden uns sozusagen irgendwo zwischen Kannibalen und Frutariern. Je nachdem, wo wir stehen empfinden wir die Tötung anderer Lebewesen als mehr oder weniger statthaft. Die meisten von uns halten das "Schlachten" eines Salatkopfs für unproblematisch. Der Frutarier z.B. nicht...

Interessanterweise sind viele Tiere "Frutarier", denn sie knabbern nur nachwachsende Teile. Was sie nicht unbedingt davon abhält, ihre Artgenossen zu töten, wenn das Testosteron mit ihnen durchgeht. Alles nicht so einfach in Gut und Böse zu scheiden...

Wie kommen wir also zu unseren Urteilen? Warum kommen sie uns manchmal (wie ich busko vertehe) selbst merkwürdig unausgegoren vor? In meinen Augen gibt es da keine Wahrheit, kein Gut oder Böse, nur unterschidliche kulturelle Prägungen.
Die sind beim Löwen anders als beim Borkenkäfer, bei der Biene anders als beim Elefanten und beim homo sapiens selbst innerhalb der Gattung höchst verschieden...

Danke, busko, für die geistige Anregung!
Grüßle an alle
Randfontein
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17 Mai 2021 17:38 #616280
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  • loser am 17 Mai 2021 17:38
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gelöscht wegen Themenverfehlung
Letzte Änderung: 18 Mai 2021 19:30 von loser.
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17 Mai 2021 17:52 #616283
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  • BikeAfrica am 17 Mai 2021 17:52
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loser schrieb:
Am Beispiel der Empathie für Tiere:
Die gab es nie und gibt es erst seit kurzem ansatzweise in ein paar „Hochkulturen“ und das auch nur punktuell. „Naturvölker“, also die, die mit der Natur leben, kennen dieses Konzept nicht, der „edle Wilde“ ist (diesbezüglich) ein Ethnokitsch. Die Basarwa im Moremi haben den bei Treibjagden erbeuteten „Überschusstieren“, die sie nicht gleich verzehren konnten, die Läufe gebrochen, um so ein paar Tage länger „Frischfleisch“ zu haben.

Selbst Tiere gehen bisweilen ähnlich vor:
www.mainpost.de/regi...gem-leib-art-5509967
Und bei Spinnen ist es eigentlich auch üblich. Da bleibt das Beutetier durch den Biss gelähmt oder im Netz eingewickelt, bis es benötigt wird.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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17 Mai 2021 21:25 #616300
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  • busko am 17 Mai 2021 21:25
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Hallo zusammen!

@Randfontein, Loser, BikeAfrika & Old Women:
Danke für eure guten, weiterführenden Diskussionen/Beiträge!
Ich sehe daran, dass ihr verstanden habt worum es mir hier geht.
Ich schrieb ja eingehend, dass es sich um eine Reise handelt, wobei der Weg, also die Beschäftigung damit und Fassung in (halbwegs) verständlicher, schriftlicher Form helfen würde um die Gedanken etwas besser zu ordnen. Nun, die "Reise" geht weiter und ein Ende ist nicht in Sicht.....

Ich ahne allerdings zwei Dinge:
1. Die Antwort liegt "jenseits von Gut und Böse",
2. Könnte es sein, dass unser Mitgefühl/(Menschlichkeit) schlicht und ergreifend aufkommt "weil wir es uns leisten können"!?..... ähnlich wie auch Umweltbewusstsein nur aufzukommen scheint in Gesellschaften die nicht existenzielle probleme haben!
(Letzteres (2.) wäre für mich persönlich sehr enttäuschend, denn ich habe noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass wir vielleicht doch auf den Weg in eine humanitäre, "menschliche" Zukunft sind!)

Liebe Grüsse,
busko
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18 Mai 2021 00:27 #616313
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  • JP K am 18 Mai 2021 00:27
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Lieber busko, auffällig ist, dass Dein Beitrag entstanden ist im zeitlichen Zusammenhang mit der Löwen-Büffeljagd im Reisebericht von Bebbl zur Masai Mara. In diesem aktuellen Reisebericht wird über knapp 80 Fotos das Erlegen des Büffels detailliert bebildert. Vielleicht erklärst Du Dich mal, ob dieser Bericht der Anlass für deinen Beitrag war.

Ich ziehe jedenfalls jetzt mal diese Querverbindung und gestehe, dass dieser Reisebericht und die Fotos mich faszinieren. Das Erleben eines Kills in Action (hab ich allerdings noch nicht erlebt) von großen Säugetieren ist etwas, was wir hier in unserem zivilisierten Europa in freier Wildbahn idR kaum mehr erleben können. Evtl sehen wir zufällig, wie sich ein Bussard auf der heimischen Ackerwiese auf eine Maus stürzt, das wäre hier noch beobachtbar. Ansonsten ist Fressen und Gefressen werden für uns kaum noch erlebbar, auch wenn wir Menschen selbst die grausamsten Carnivore sind. Einen Bolzenschuss, den der Schlachter einem Rind verpasst, habe ich auch noch nie miterlebt. Nichts desto Trotz ist Fressen und Gefressen werden ein immanenter Teil des natürlichen Kreislaufs, und der Natur wegen fahre ich gerne nach Afrika. Daher kann ich Deinen philosophischen und lyrischen Gedanken dazu nicht wirklich folgen.

Der Vergleich mit den Gaffern an einer Unfallstelle - puh, muss ich überlegen. Das Negative an den Gaffern ist ja, dass sie 1. nicht helfen, 2. den Rettungskräften den Weg versperren. Das Begaffen eines Kills in Action ist davon verschieden: 1. ein Helfen (wem - dem Büffel oder den Löwen?) wäre ein nicht hilfreicher Eingriff in die Natur, 2. das Safari-Auto steht idR dem Kampf nicht im Weg. Bleibt evtl. 3. das Erlaben bzw. das Gruseln an der Szenerie, das möglicherweise vergleichbar sein könnte, oder 4. die Neugier daran. Zumindest die Neugier scheint in der menschlichen (und auch tierischen) Natur zu liegen, so zumindest sagt dies ein Lehrbuch zu den Grundlagen der Psychologie, das ich gerade lese. In diesem Lehrbuch gab es tatsächlich als Bebilderung zu dem Thema Neugier eine Gruppe Gaffer bei einem Hafen-Schíffsunglück. Da Neugier ein natürlicher Trieb ist, sollten wir dazu stehen und sie nicht beschämt verleugnen. Dieser Trieb ist allerdings an einer menschlichen Unfallstelle zu unterdrücken, wegen oben beschriebener 1. und 2, jedenfalls wenn man nicht plant den Verunfallten zu helfen. Ich jedenfalls schaue nicht hin, wenn ich an einer bereits polizeilich gesicherten Unfallstelle vorbei fahre, das würden meine Nerven nicht aushalten.

Dies ist mein Beitrag zur Diskussion. Bei Bedarf gerne mehr.
Letzte Änderung: 18 Mai 2021 00:38 von JP K.
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