THEMA: Ganz spontan durch Surinam (Reisebericht)
26 Mär 2021 18:12 #610993
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 6388
  • Dank erhalten: 6591
  • BikeAfrica am 26 Mär 2021 18:12
  • BikeAfricas Avatar
Am nächsten Morgen folgte eine Meisterleistung selektiven Nachdenkens, was aber dem langen Vorabend und der kurzen Nacht geschuldet war. Ohne Hirn ist man halt fast wie blöd.

Wir ließen zwar unsere Fahrräder und den Großteil unseres Gepäcks in der Unterkunft und sagten Bescheid, dass wir erst in 1-2 Tagen zurückkämen. Leider ließen wir auch Zelt bzw. Moskitonetz zurück und nahmen außer Kameras fast gar nichts mit. Wir fanden ein motorisiertes Fischerboot, welches uns nach mehrstündiger Fahrt in Galibi ablieferte. Auf dieser Fahrt erwarb ich nebenbei auch äußerst preisgünstig einen qualitativ hochwertigen Sonnenbrand.

Galibi ist Stammesgebiet der Kalina-Indianer und in der „Nähe“ gibt es eine Region, in der die riesigen Meeresschildkröten zur Eiablage an Land kommen. Allerdings wussten wir nicht, dass noch eine längere Bootsfahrt durch die Nacht nötig war, um zu den Meeresschildkröten zu gelangen (dazu im nächsten Teil, auch wenn wir es noch am gleichen Abend unternehmen konnten). Wir konnten uns glücklicherweise Hängematten ausleihen, schliefen damit aber unter freiem Himmel und waren am nächsten Morgen grandios zerstochen. In Malariagebieten ist so etwas natürlich erst recht keine Freude. Weil wir am nächsten Tag kein Boot auftreiben konnten, das uns zurückbrachte, mussten wir eine weitere Nacht dort verbringen. Diesmal hatten die Moskitos des Vortages offenbar alle noch ihre Kumpels eingeladen und ein Fest gefeiert. Zwei der Festteilnehmer gefiel die Veranstaltung nur mittelmäßig.

Galibi besteht zumeist aus eher einfachen Häusern und Hütten, was wohl auch damit zusammenhängt, dass man das Dorf nicht auf dem Landweg erreichen kann und somit der Transport von Baumaterial nur mit kleinen Booten erfolgt oder einfach mit Material erfolgt, welches man selbst herstellen kann.






Im Dorf liefen Affen frei herum und andere Tiere, die mir unbekannt waren und keinerlei Scheu hatten. Ich vermute, es waren Katta-Nasenbären. Auch ein zahmer Ara saß in einem Baum, versteckte sich aber hinter Ästen. Er gehörte einem der Indianer und hatte wundersamerweise kein Interesse daran, auszubüchsen. Er kam spätestens am Abend immer zurück. Leider sind die Fotos ziemlich schlecht geworden, aber da vermutlich kaum jemand aus dem Forum mal Nasenbären in Freiheit gesehen hat, stelle ich trotzdem mal eines rein. Sie erinnerten mich vom Verhalten und ihrer Neugier irgendwie an Waschbären. Auch der geringelte Schwanz erinnerte daran …






Thomas war amüsiert, als einer der Affen ihn erkletterte und interessiert seine Fototasche untersuchte. Nach einigen Minuten hatte er etwas gefunden, was ihn interessierte, Sekunden später saß er damit oben auf einem Baum. Er hatte eine Plastikdose mit einem belichteten Film gemopst. Während Thomas unten fluchte, untersuchte der Affe interessiert das Objekt. Als er die Dose irgendwann öffnen konnte, fiel die Filmpatrone herunter. Nochmal Glück gehabt …






Der Pflanzenbewuchs ums Dorf herum sah auch ziemlich interessant aus.


















Da die Flüsse jede Menge Sediment aus dem Amazonasgebiet ausschwemmen, ist das Wasser extrem trüb und schmutzig.








Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Anhang:
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Letzte Änderung: 26 Mär 2021 18:14 von BikeAfrica.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: casimodo, maddy, Kiboko, speed66, picco, Logi, Papa Kenia, adriana, Gromi, binca75 und weitere 4
27 Mär 2021 11:01 #611029
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 6388
  • Dank erhalten: 6591
  • BikeAfrica am 26 Mär 2021 18:12
  • BikeAfricas Avatar
Die Fahrt zu den Schildkröten begann erst in der Dunkelheit in Richtung Mündung des Flusses ins Meer. Die Flut strömte in Richtung Fluss und die Wellen schlugen über dem Boot zusammen. Vorne im Boot saß ein Indio mit Scheinwerfer, um andere Boote, treibende Baumstämme und anderen Unsinn zu erkennen, mit dem man nicht zusammenstoßen möchte.

Aus der Erinnerung dauerte die Fahrt etwa eine Stunde. Wir waren danach so nass, als wären wir geschwommen und das ist nicht übertrieben. Und dabei hatte ich mir schon einen Müllsack als Regenschutz übergezogen, aber das war komplett sinnlos. Durch die Öffnung, die ich mir für den Kopf gemacht hatte, lief das Wasser in Massen durch.
Das war allerdings nicht die letzte Bootsfahrt dieser Reise, bei der dies passierte.

Die riesigen Schildkröten kommen nachts zur Eiablage an Land und verbuddeln etwa 150 Eier im Sand. Dabei bestimmt die Durchschnittstemperatur des Sandes das Geschlecht der sich entwickelnden Schildkröten, so dass üblicherweise alle Tiere eines Geleges das gleiche Geschlecht haben. Sie schlüpfen auch praktisch gleichzeitig und wissen instinktiv, in welcher Richtung das Wasser liegt. Dort eilen sie gleichzeitig hin, damit wenigstens einige es erreichen. Viele von ihnen werden bereits in ihren ersten Lebensminuten von Vögeln gefressen.
Die Schildkröten verfallen bei der Eiablage in Trance. Die begleitenden Ranger achten darauf, dass die Tiere nicht mit Blitzlicht fotografiert werden und leuchten sie von hinten mit einer Taschenlampe an, um sie nicht zu stören. Das fanden wir vorbildlich im Gegensatz zu Französisch-Guayana, wo das niemanden interessierte und die Tiere wild angeblitzt wurden.
Das folgende Foto stammt von Martha, einer Niederländerin, die wir zufällig kennenlernten, die mir das Foto später zuschickte und auch erlaubte, es im WWW zu veröffentlichen.



Wenige Tage später besuchten wir die andere Seite des Grenzflusses und hier konnte Hinz und Kunz ohne jede Regelungen zu den Schildkröten und so haben sich die Leute auch verhalten.

Hier sind ein paar Spuren der Schildkröten und einige Überreste der Eier von geschlüpften Tieren. Diese Fotos stammen aus Französisch-Guayana. In Surinam fährt man am gleichen Abend ja wieder zurück.














Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Letzte Änderung: 27 Mär 2021 11:06 von BikeAfrica.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: maddy, Kiboko, speed66, picco, adriana, Gromi, CuF, fiedlix, Makra und weitere 1
27 Mär 2021 13:57 #611044
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 6388
  • Dank erhalten: 6591
  • BikeAfrica am 26 Mär 2021 18:12
  • BikeAfricas Avatar
Unterkunft nach indischer Art

In einer anderen Kleinstadt kamen wir am Nachmittag an und wussten, dass wir die nächste Siedlung nicht mehr bei Tageslicht erreichen könnten. Die Pflanzen wuchern in Surinam auch bis zum Straßenrand (wir sind zeitlich gerade wieder ein paar Tage in der Vergangenheit, weil ich den Bericht aus dem Gedächtnis schreibe und mir das verspätet einfiel), dass man selbst für ein Zelt oder eine Hängematte keinen Platz findet, ohne erst einmal kräftig Pflanzen zu beseitigen. Wild campen unterwegs ist also nur äußerst selten eine Option.
Wir fanden keine Unterkunft und fragten bei einem indischen Supermarkt. Der Besitzer sagte uns, es gäbe keine Unterkunft, aber wenn wir in zwei Stunden wiederkämen, hätte er etwas für uns. Wenn Inder etwas versprechen, klappt das nach meiner Erfahrung normalerweise auch. Die ich kennengelernt habe, waren zwar geschäftstüchtig, aber immer fair und ehrlich.

Der indische Supermarkt bot auch Fußbodenbeläge an.






Wir haben derweil nach einer Verpflegungsmöglichkeit gesucht und ein chinesisches Lokal gefunden. Leider sprach der Besitzer nur Chinesisch und Sranantongo und kam von selbst nicht auf den Grund, weshalb wir wohl ein Restaurant aufgesucht haben könnten. Zufällig kam ein Einheimischer, der Englisch und Sranantongo sprach und so bestellten wir mit Hilfe eines Dolmetschers.
Der indische Supermarktbesitzer hatte derweil das Haus auf der anderen Straßenseite räumen lassen, in dem offenbar seine Angestellten wohnten. Es gab vier Schlafzimmer mit jeweils frisch bezogenen Doppelbetten, acht Sitzgelegenheiten im Wohnzimmer und eine kleine Terrasse vor dem Haus, auf der wir den Abend verbrachten und das Treiben auf der Straße beobachteten. Ein bisschen Kinderspielzeug im Wohnzimmer, ein bisschen Kühlschrankinhalt und ein paar Zahnbürsten lagen noch rum, was erkennen ließ, dass das ganze Haus offenbar komplett auf die Schnelle geräumt worden war. Ok, es hatte eine Stunde länger gedauert als versprochen. ;-)

Unsere Unterkunft für die Nacht.




Einmal ging Thomas in die Küche und fand eine riesige Kakerlake (und wir haben in Malawi schon Tausende gesehen und welche, die so lang wie eine Kreditkarte waren). Er kam zu mir raus und meinte, ich solle mal mitkommen und mir das Viech ansehen. Als wir eine Minute später wieder in der Küche waren, war die Kakerlake weg und an fast der gleichen Stelle saß eine Maus. Die Tierwelt in Surinam ist halt immer für eine Überraschung gut.

Neben dem Haus war noch eine Lagerhalle mit Stellplatz für einen Lkw. Vermutlich haben die Angestellten alle spontan dort übernachtet. Der Übernachtungspreis für uns war zudem sehr günstig. Uns hätte es auch gereicht, auf dem Fußboden im Wohnzimmer zu schlafen, während die Angestellten weiterhin dort gewohnt hätten. Was für ein irrwitziger Aufwand für eine einzige Nacht.

Zu allem Überfluss hatte ich am nächsten Morgen noch meine Stirnlampe dort vergessen. Als wir Tage später auf dem Rückweg in dem Supermarkt vorbeikamen und ich danach fragte, griff der Besitzer mit einem Lächeln unter die Theke und überreichte sie mir. Einer seiner Angestellten hatte sie gefunden und nicht selbst eingesteckt.


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: Kiboko, speed66, picco, KarstenB, Logi, adriana, Gromi, binca75, fiedlix, Makra und weitere 2
27 Mär 2021 20:33 #611086
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 6388
  • Dank erhalten: 6591
  • BikeAfrica am 26 Mär 2021 18:12
  • BikeAfricas Avatar
Übernachtung im Nonnenkloster

Eines Abends suchten wir eine Unterkunft in einer Kleinstadt und fanden auch einige, die aber allesamt geschlossen waren. Wir fragten einige Leute, die uns aber immer zu den geschlossenen Unterkünften schickten, die wir bereits kannten. Wir fanden einen Park am Stadtrand, hielten es aber nicht für eine gute Idee, in Südamerika in einem Stadtpark zu übernachten. An einer Feuerwache war Betrieb und wir hofften auf eine Berufsfeuerwehr, deren Wache nachts besetzt war und wo wir hätten nächtigen können. Leider war es nur eine Übung einer freiwilligen Feuerwehr und die Leute bereiteten sich schon auf den Heimweg vor.
Als wir ein Kloster fanden, versuchten wir es dort. Wir wussten nicht, dass es ein reines Nonnenkloster ist und die Nonnen waren natürlich sehr misstrauisch. Nach der Fürsprache einer zufällig vorbei kommenden Passantin gestatteten sie uns jedoch, auf dem Gelände unsere Zelte aufzubauen. Am nächsten Morgen hatten sie ihre Ängste überwunden. Wir durften die Dusche benutzen und wurden mit Frühstück versorgt.

Die Liste der Orte, an denen ich noch nicht übernachtete, wurde damit wieder ein Stück kürzer. Eine Feuerwache fehlt aber tatsächlich auch noch …
Ansonsten war ja von Dorfkneipe, Schule, Dorfladen, Geheimdienst, Polizei, Krankenhaus (nicht als Patient), Lkw-Führerhaus, Entwicklungshelfer und Friedhof über Dorfchef bis zum Stammeskönig ja schon vieles dabei.
Aber es gibt immer wieder etwas Neues. Das ist ja der spannende Teil am Reisen.


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Letzte Änderung: 27 Mär 2021 20:37 von BikeAfrica.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: maddy, Kiboko, speed66, picco, Logi, Papa Kenia, adriana, Gromi, CuF, Makra und weitere 2
27 Mär 2021 20:46 #611089
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 6388
  • Dank erhalten: 6591
  • BikeAfrica am 26 Mär 2021 18:12
  • BikeAfricas Avatar
Eine Nacht am Fluss

Wir fanden eine Unterkunft an einem Fluss, die jedoch durch eine Reisegruppe vollständig belegt war. Wir durften jedoch unsere Zelte auf dem Gelände aufbauen. Irgendwie hatte meine Nase das Gefühl, das mein Körper wieder mal mit Wasser in Kontakt kommen sollte. Ich hängte mein T-Shirt über einen Ast, ging die paar Meter im letzten Tageslicht zum Fluss, legte den Rest der Klamotten ab und stieg ins Wasser. Kaimane, Piranhas und Zitteraale ignorierte ich mal und hoffte, sie würden umgekehrt meinem vorbildlichen Beispiel folgen. Anschließend zog ich mich wieder an und zog auch das T-Shirt wieder über. Irgendwas rutschte über meinen Arm und ich dachte an eine Schlange. Ich rief Thomas zu, er solle mal schnell in meine Richtung leuchten. Es war ein Skolopender (Hundertfüßer) von etwa 20-25 cm Größe. Jetzt schaute ich mein T-Shirt doch noch mal genauer an, ob nicht noch der große Bruder von ihm ebenfalls Gefallen an meinem T-Shirt gefunden hatte. Thomas konnte ein Foto des Skolopenders auf meinem Zelt machen und wir erfuhren später, dass diese Art häufig recht aggressiv ist, der Biss sehr schmerzhaft und zu Fieber und Lähmungen führt. Nicht selten endet so etwas im Krankenhaus. Es soll auch schon Todesfälle gegeben haben.
Mein T-Shirt hing nur wenige Minuten dort und schon hatte sich ein gefährliches Tier zur Anprobe entschlossen, obwohl es ihm auf den ersten Blick schon mehrere Nummern zu groß war.
Leider habe ich seinerzeit offenbar das Original des Fotos stark verkleinert, um es auf meine damalige Homepage einzustellen. Ich hänge das Foto trotzdem mal rein, damit man einen Eindruck von dem Tier bekommt. Man erkennt zumindest, dass man damit nicht im gleichen T-Shirt stecken möchte.




Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Letzte Änderung: 27 Mär 2021 21:25 von BikeAfrica.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: casimodo, maddy, Kiboko, speed66, picco, Logi, Papa Kenia, adriana, Gromi, CuF und weitere 5
28 Mär 2021 13:03 #611129
  • BikeAfrica
  • BikeAfricas Avatar
  • Beiträge: 6388
  • Dank erhalten: 6591
  • BikeAfrica am 26 Mär 2021 18:12
  • BikeAfricas Avatar
Pfeilgiftfrösche …

… kamen zu ihrem Namen, weil Indianer aus drei Arten Gift für ihre Pfeile herstellen. Dabei gehört der Phyllobates terribilis zu den giftigsten Tieren der Welt. Es reicht, einen Pfeil über die Haut eines Frosches zu ziehen und er behält etwa ein Jahr seine tödliche Wirkung. Das Hautgift dieses nur etwa 4 cm großen Frosches reicht aus, um 10 erwachsene Menschen umzubringen. Im blödesten Fall reicht es aus, einen solchen Frosch zu berühren, denn das Gift dringt offenbar auch über die Hautporen in den Körper ein. Dieser Frosch lebt in Kolumbien, aber auch in Surinam leben einige der 170 Arten Pfeilgiftfrösche. Bis auf drei Arten sind sie für Menschen jedoch ungefährlich.

Ich interessierte mich seinerzeit bereits seit mehreren Jahren für diese Tiere und wir fanden im Nationalpark Brownsberg den Epipedobates trivittatus (heute Ameerega trivittata).
Dieser gehört zu den größten Pfeilgiftfröschen. Weibchen können 5 cm Größe erreichen. Männchen werden etwa 4 cm groß, was auch der Größe unseres entdeckten Exemplars entsprach.





Ich hätte gerne noch den Dendrobates azureus, den azurblauen Pfeilgiftfrosch entdeckt. Dieser ist meiner Meinung nach der schönste aller Frösche überhaupt (bitte mal nach Fotos googlen, da ich keine geklauten einstellen möchte), aber leider auch akut vom Aussterben bedroht. Er lebt nur auf einem Gebiet weniger Hektar Fläche im Süden Surinams.
Am Ende der Reise versuchten wir, mit Hilfe des WWF (World Wildlife Fund) in diese Region zu gelangen. Eine Mitarbeiterin des WWF aus Paramaribo kümmerte sich tatsächlich darum.

Wir müssten ein Flugzeug chartern und brauchten ein Permit für ein Indianergebiet, einen Führer, einen Dolmetscher und jeweils einen Träger, weil wir ohne diesen und entsprechende Übung in dem Gelände nicht vorankommen würden. Vom Flugfeld im Regenwald wäre es dann ein kompletter Tagesmarsch in ein Indianerdorf, am nächsten Tag ein weiterer Marsch zu den Fröschen und zurück ins Dorf und dann wieder ein Tagesmarsch zum Flugfeld. Sie arrangierte die Möglichkeiten, aber wir wären erst einen Tag nach dem Abflug nach Amsterdam zurückgekommen. Daher gibt es hier kein Foto vom Dendrobates azureus (der auch schon anders hieß und aktuell wieder anders heißt).


Fortsetzung folgt …

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Letzte Änderung: 28 Mär 2021 13:14 von BikeAfrica.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: casimodo, maddy, Kiboko, speed66, picco, Logi, Papa Kenia, adriana, Gromi, CuF und weitere 3
Powered by Kunena Forum