THEMA: Ganz spontan durch Surinam (Reisebericht)
19 Mär 2021 21:09 #610271
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  • BikeAfrica am 19 Mär 2021 21:09
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Nachdem das Thema „Corona“ hier einige spürbar nervt, kommt hier mal ein kurzer Reisebericht über ein eher unübliches Reiseland.
Der Bericht stammt aus dem Archiv vergangener Zeiten, als noch kaum jemand wusste, wo dieses Land liegt, dessen Hauptstadt Paramaribo heißt und Cowboys noch auf Dinosauriern ritten. Touristisch hat das Land keine große Bedeutung – außer bei den Niederländern. Niederländisch ist bis heute auch die einzige Amtssprache in der ehemaligen Kolonie.

Wer zum ersten Mal "Sranantongo" liest, versucht zunächst meist instinktiv, die Buchstaben gedanklich in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Das ist jedoch unnötig, denn Sranantongo ist die Umgangssprache Surinams und die sinnvolle Reihenfolge von Buchstaben besitzt in dieser Sprache nur eine untergeordnete Bedeutung. Deshalb versteht man ja auch nix. Die Sprache ist eine Mischung aus Niederländisch, Portugiesisch, Englisch und diverser afrikanischer Sprachen, die zur Sklavenzeit den Weg nach Südamerika fanden und sich dort vermischt und verändert haben.

Ursprünglich sollte die Reise nach Ostafrika gehen, aber mein Reisepartner Thomas musste aus beruflichen Gründen seinen Urlaub verschieben und der neue Zeitraum fiel nun in die dortige Regenzeit. Als er mir das am Telefon erzählte, schlug ich als neues Ziel Surinam vor.
Thomas hatte vor meinem Vorschlag noch nie von Surinam gehört, weil er früher im Erdkundeunterricht angeblich immer zum Kreide holen geschickt wurde.
Seine Reaktion: „Surinam? Nie gehört. Wo liegt das denn, was gibt’s denn da?“.

Ich erzählte ihm in zahlreichen Sekunden ausschweifend (fast) alles, was ich von dem Land wusste. Thomas wollte schon immer mal in den Regenwald und war spontan begeistert von der Idee und ich war spontan begeistert von seiner spontanen Begeisterung. Nach einer kurzen Prüfung der Sicherheitslage auf der Website des Auswärtigen Amtes stand das Reiseziel nach nur fünf Minuten fest. Am nächsten Tag buchte ich die Flüge, einmal von München und einmal von Frankfurt. Andy, der Besitzer des Reisebüros in Trier, über das ich immer meine Flüge samt Fahrradtransport klären lasse, sagte damals am Telefon: "Ich habe das Reisebüro jetzt seit 25 Jahren. Dort wollte noch nie jemand hin." Das klang schon mal spannend.


Fortsetzung folgt …


Gruß
Wolfgang
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20 Mär 2021 08:28 #610301
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Hoi Wolfi

Wenn Du durch ein unbekanntes Land in Südamerika radelst setz ich mich doch auf den Gepäckträger!
Und nun strampel mal los! :laugh: ;) B)
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20 Mär 2021 09:36 #610307
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Gude Wolfgang,

so lange ich nicht selbst in die Pedale treten muss, bin ich gerne dabei ;)

Viele Grüße
Carsten
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20 Mär 2021 11:34 #610314
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Thomas brachte in den folgenden Tagen die Idee ins Spiel, mit Schlauchkajaks zu reisen, die er hätte kostenlos besorgen können. Wir verwarfen die Idee zügig wieder, weil in den Flüssen des Amazonasgebiets auch zahlreiche Kaimane vorkommen, die dann unnötig mit Piranhas in Streit geraten, wenn sie versehentlich in ein Schlauchkajak beißen. Wir entschieden uns daher wieder für das Fahrrad als Verkehrsmittel. Das war allerdings auch nicht ideal, wie sich später herausstellte.

Wenige Wochen später trafen wir uns in Amsterdam und flogen von dort gemeinsam wie im Vorjahr, als wir uns auf dem Flughafen Schiphol erstmals trafen und im Anschluss gemeinsam durch Malawi radelten.

Wir hatten beim Entschluss zur Reise keine Landkarte (bis zum Beginn der Reise hatten wir immerhin eine), keinen Reiseführer (es gab schlichtweg keinen auf Deutsch oder Englisch) und keine Ahnung, aber davon immerhin reichlich. Wir wussten bei der Ankunft in Surinam nicht, ob es Links- oder Rechtsverkehr gibt oder wie die Währung heißt, wie der Wechselkurs aussieht oder das Preisniveau ist. All das interessierte uns vorher einfach gar nicht. Das einzige, was wir hatten, war ein gewisser Entdeckergeist, um dieses für uns unbekannte Gegend kennenzulernen. Und wir wussten, dass wir beide über eine vergleichbare Kondition, einen kompatiblen Humor und eine Gelassenheit verfügten, die uns einfach immer zu einer Lösung führen würde, egal welches Problem da auch kommen würde. Manche Probleme lösen sich ja fast von selbst, wenn man sich einfach erst mal einen Moment in den Schatten setzt, anstatt sofort in Panik zu verfallen.
Die einzige Vorbereitung (neben Impfungen und Malariaprophylaxe) war eine von Thomas gebuchte Unterkunft für die erste Nacht. Wir fanden ein Taxi, das uns und die Kartons mit den Fahrrädern (letztere mit etwas Seil ziemlich abenteuerlich aufs Dach gebunden) zur Unterkunft brachte. Dort wusste man von unserer Buchung nichts und sie war auch ausgebucht. Das ging ja schon mal gut los.

Für diejenigen, die im Erdkundeunterricht auch immer zum Kreide holen geschickt wurden:
Surinam liegt nördlich von Brasilien (Portugiesisch), östlich von British Guayana (Englisch) und westlich von Französisch Guayana (Französisch). Dieses gehört als französisches Gebiet heute tatsächlich zur EU, obwohl es in Südamerika liegt. Damit liegt auch das größte zusammenhängende Waldgebiet der EU in der Amazonas-Region Südamerikas und so gibt es in der EU nicht nur vierrädrige Jaguare, sondern auch vierbeinige. Im Norden grenzen Surinam und die beiden Guayanas an den Atlantik.

Surinam ist ein klassischer Vielvölkerstaat. Neben den indigenen Völkern leben heute vor allem die Nachfahren der afrikanischen Sklaven, der damals ausgewanderten Niederländer sowie viele Chinesen, Indonesier und Inder in Surinam. Christliche Kirchen, muslimische Moscheen und Hindutempel sieht man überall im Land. Und wer sich schon immer gefragt hat, warum die Fußballnationalmannschaft der Niederlande seit jeher relativ viele dunkelhäutige Spieler aufweist ... diese haben ihre Wurzeln in der ehemaligen Kolonie Surinam.







Surinam hatte zum Zeitpunkt der Reise prozentual zur Landesfläche den größten Regenwaldbestand mit damals 97%. Durch Abholzungen hat sich das inzwischen leider geändert. Das Klima war entsprechend heiß mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit, aber darüber muss man sich im Regenwald ja nicht wundern. Was uns jedoch wunderte, war die Tatsache, dass selbst die Bäume an den Straßen in der Hauptstadt Paramaribo so aussahen, als stünden sie mitten im Regenwald. Keine drei Meter weiter rauscht der Verkehr vorbei.










Fortsetzung folgt …


Gruß
Wolfgang
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20 Mär 2021 12:03 #610317
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Hallo Wolfgang,

ich habe als "alte Frau" seit neuestem ein E-bike und versuche mal, ein Stück mitzufahren, bis ich steckenbleibe oder keine Stromquelle mehr finde.

Habe ich das Jahr, in dem diese denkwürdige Reise stattgefunden hat, übersehen oder kannst Du das noch nachreichen?

Liebe Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein.

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20 Mär 2021 12:25 #610320
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Hallo Karin,
chamäleon2011 schrieb:
Habe ich das Jahr, in dem diese denkwürdige Reise stattgefunden hat, übersehen oder kannst Du das noch nachreichen?

ich weiß das gar nicht mehr so genau, aber es müsste 2009 gewesen sein.

Gruß
Wolfgang
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