THEMA: Reisebericht Tigersafari Indien Mai 2018
02 Dez 2018 14:01 #541173
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Wie immer schreibe ich diesen Bericht vor allem als Reisetagebuch für uns selbst. Er ist also an einigen Stellen sehr detailliert und subjektiv. Es ist unser erster Besuch in Indien. Warum also eine Tigersafari anstelle der üblichen Rundreise (Taj Mahal, Palast der Winde etc.) ?
Das Ganze begann vor zwei Jahren auf unserer Jaguarsafari im brasilianischen Pantanal. Ein Mitreisender erzählte uns, das er nach Löwe und Leopard in Afrika, Tiger in Indien nun mit dem Jaguar eine weitere Großkatze auf dem dritten Kontinent in freien Wildbahn gesehen habe.
Moment mal: Jaguar, Löwe und Leopard haben wir ja auch schon gesehen. Der Tiger „fehlt“ uns noch !
Im Sommer 2017 fand meine Frau dann das Angebot einer Tigersafari mit einem deutschen Biologen als Reiseleiter im Mai 2018.
Im Oktober haben wir diese Reise wie immer recht kurz entschlossen gebucht. Trotz des Hinweises durch die Mitarbeiterin des Veranstalters: „Ihnen muss aber klar sein, das wird sehr anstrengend. Im Mai herrschen in Zentralindien bis zu 50 Grad Hitze.“
Na und ? B)
Letzte Änderung: 02 Dez 2018 14:13 von CrocV.
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04 Dez 2018 17:19 #541448
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15.05.2018 Anreise Teil 1
Mitte Mai geht es dann endlich los: Am 15.5.2018 geht es um 4.45 Uhr mit dem ersten Bus zum Bahnhof und weiter mit dem ICE zum Flughafen nach Frankfurt. Drei Flüge liegen vor uns: Zunächst nach Doha. Die Boeing 777 von Quatar Airways ist mit kaum 50 (!) Passagieren besetzt. Ob das am Beginn des Ramadan am 16.5. liegt ? Egal. Jeder kann sich nach Lust und Laune auf 3-4 Sitzen ausbreiten. Und auch mal zu einem Fensterplatz schlendern, wenn unten was interessantes vorbeizieht. Die Flugbegleiter können uns paar Passagieren derweil das volle Verwöhnprogramm bieten. Herrlich. Wenn Fliegen nur immer so wäre. Leider dauert dieser Flug „nur“ 6 Stunden. Viel zu früh landen wir wieder. 2 Stunden später startet unser Flieger nach Delhi. Dieser ist recht voll besetzt. Aber wir haben wieder Glück. Der 3. Platz in unserer Dreierreihe bleibt leer. Also auch hier Raumgewinn. Um 2 Uhr morgens erreichen wir Delhi. Einreise erfolgt problemlos, schnell noch Geld gewechselt und schon nimmt uns unser Reiseleiter in Empfang. Unsere Reisegruppe besteht aus neun Leuten. Nach kurzer Fahrt durch die Nacht erreichen wir nahe dem Flughafen unser Hotel. Hier wird unser Gepäck am Eingang wieder genauestens durchleuchtet und auch wir überprüft.
Soweit so gut. Wir sind im 5. Stock untergebracht. Der Aufzug fährt mit uns aber nur bis zum 2. Stock ? Also wieder runter fahren in die Lobby. Neuen Anlauf nehmen: Die Zugangskarte für die Zimmertür neu in den Kartenleser im Aufzug gesteckt: Wieder nur bis 2. Stock ? Einige weitere Versuche folgen.....
Trotz Müdigkeit versuchen unsere grauen Zellen eine Lösung zu finden: Wir variieren die Vorgehensweise also jeweils ein wenig. Landen aber immer wieder nur im 2. Stock. Was ist hier los, denken wir leicht entnervt ? Ein Hotelangestellter klärt uns auf: Die Karte in den Kartenleser an der LINKEN Aufzugswand stecken. (Ups, da ist auch einer ?) Nicht in den an der rechten Seite. (Ob der defekt ist oder eine andere Funktion hat: Keine Ahnung. Wir sind zu müde, das zu ergründen. ) Jedenfalls landen wir jetzt im 5. Stock. Um 3:30 liegen wir im Bett, finden aber irgendwie kaum Schlaf. Diagnose: Zu Müde zum Denken, zu aufgedreht zum Schlafen……
Der laut laufende Deckenventilator ist da auch nicht gerade hilfreich. Erst am Morgen finde ich bei der Vielzahl der Schalter und Knöpfe im Zimmer den Ausschaltknopf für das nervige Teil. :angry:
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04 Dez 2018 17:26 #541450
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16.05.2018 Anreise Teil 2
Nach dem Frühstück um 6:30 fahren wir zum Regionalflughafen direkt neben dem internationalen Airport. Mit 45 Minuten Verspätung startet unsere 2-motorige Propellermaschine zum knapp zweistündigen Flug ins 1000 Kilometer entfernte Jabalpur.

Dort warten bereits unsere Transferfahrzeuge für die Fahrten von Nationalpark zu Nationalpark: 5 weiße Toyota Innova. Auf unserer Reise wird uns auch die Mitarbeiterin unseres deutschen Reiseunternehmens begleiten. Sie möchte vor Ort mal wieder Eindrücke aus erster Hand sammeln sowie etliche andere Unterkünfte auf der Route besichtigen. Hierzu wird sie von den drei Inhabern der indischen Partneragentur begleitet. WOW ! Da haben wir ja eine geballte Betreuungskompetenz auf unserer Reise.
Eine Fahrt von 200 Kilometern durch eine ausgetrocknete, ländliche Gegend mit einigen verstreuten Dörfern und kleinen Städten liegt nun vor uns. In den Orten immer wieder viel Verkehr und Kühe auf den Straßen.
Nach etwa der Hälfte der Strecke passiert es auf einer kurvenreichen Gefällstrecke: Unser linken Hinterreifen platzt, der Wagen will ausbrechen. Aber die moderne Elektronik und das Geschick unseres Fahrers bringen die Lage sofort wieder unter Kontrolle. Wir halten an und steigen aus. Es hat über 40 Grad im Schatten. Aber Schatten ist hier weit und breit keiner. Dazu weht ein glühend heißer Wind. Es fühlt sich an, als würden wir mit einem riesigen Haarfön auf höchster Stufe angeblasen. Jetzt erahnen wir, warum wir mit 5 Autos anstelle eines Kleinbusses unterwegs sind. Bei Pannen sind hier technische Hilfe oder gar Ersatzteile oft erst nach Tagen zu bekommen. Würde ein Fahrzeuge komplett liegen bleiben, könnten die rechtlichen 4 Autos alle Passagiere aufnehmen und die Fahrt weitergehen. Aber soweit kommt es nicht. Unser Fahrer und der Fahrer eines weiteren Wagens unseres Konvois wechseln in wenigen Minuten den Reifen und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Unterwegs legen wir noch eine kurze Pause ein, um gekühlte Getränke und ein paar Bananen zu kaufen. Hier treffen wir auch unsere restlichen Fahrzeuge wieder. Wieder vereint fährt unser kleiner Konvoi, den ich im Gedanken schon in die „weiße Flotte“ umbenannt habe, weiter.



Wir erreichen die Lodge aufgrund der Panne erst nach 17 Uhr. Der geplante Abendspaziergang zur Vogelbeobachtung auf dem Lodgegelände macht aufgrund der nahen Dämmerung keinen Sinn mehr. Außerdem wartet hier immer noch das für uns bereitete Mittagessen (!). Höflich essen wir eine Kleinigkeit. Um 20.30 Uhr folgt dann das Abendessen.





Davor findet am Pool das 1. Briefing durch unseren Reiseleiter statt: In den Parks gibt es jeweils unterschiedliche Zonen für die Safariausfahrten. Wir sind namentlich für jede Ausfahrt in eine bestimmte Zone eingeteilt. Wir werden in jedem Park nach und nach alle Zonen und damit alle Landschaftstypen kennen lernen. Die Zusammensetzung der Reisenden je Jeep ist fix und kann nicht geändert werden. Das musste bereits viele Monate vor der Reise je nach Buchungseingang der Reisenden in den Nationalparks eingebucht werden. Die Reise war so ausgeschrieben, das max. 4 Personen pro Jeep sein werden. Da wir neun Gäste sind, werden wir mit drei Jeeps mit jeweils 3 Gästen unterwegs sein. Ein toller Luxus. Sind die Jeeps doch für 6 Gäste ausgelegt, die aber dann auf den 2 Sitzreihen wirklich eng zusammen rücken müssten. Bewegungsfreiheit zum Fotografieren oder einfach mal die Beine etwas ausstrecken geht da dann nicht mehr. Unsere Reiseleiter wird reihum jeweils mit einem der Jeeps auf Safari gehen und uns als Biologe bei Bedarf noch zusätzliche Informationen geben. Wir werden jeweils eine halbe Stunde vor Parköffnung vom Fahrer des Jeeps abgeholt. Am Gate erfolgt dann die Registrierung und die Zuteilung eines Guides. Wir behalten in jedem Park den jeweiligen örtlichen Fahrer des Jeeps, die von der indischen Agentur bewusst ausgesucht wurden. Die Guides wechseln von Ausfahrt zu Ausfahrt. So können hier sehr viele Guides reihum beschäftigt werden und möglichst viele Menschen vor Ort vom Park profitieren.
Letzte Änderung: 04 Dez 2018 17:35 von CrocV.
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06 Dez 2018 13:38 #541667
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17.05.2018 Erste Safaris im Bandhavgarh N.P.
Unser Tagesablauf wird ab jetzt jeden Tag in etwa so aussehen: 4 Uhr aufstehen, 4:30 Uhr Kaffee + Kekse, 5:00 Ausfahrt mit den Jeeps, 11:00 Rückkehr. Dann Frühstück und Siesta bis zum Mittagessen 14:00 Uhr, Ausfahrt um 15:30 Uhr, Rückkehr um 19:00 Uhr, Abendessen 20:00 Uhr.
Wobei da abends einige Bewegung rein kommen sollte. Werden wir doch begleitet von den Inhabern der indischen Agentur India Nature Trails. Raghu stellt sich als bekannten Naturkundler und Fotograf heraus, der unter anderem lange in Kanha gearbeitet hat und Adi ist ein prämierter Naturfotograf. Das alles erfahren wir aber erst nach und nach in den nächsten Tagen. Unser Abendprogramm sollte jedenfalls aufgrund dieser illustren Begleiter um einiges bereichert werden.
Bei der ersten Ausfahrt sichten wir in der ersten Stunde zunächst Vögel, südliche Hanuman-Languren, Mungos, Gaur, Storch, Sunda-Marabu, eine Hindu-Halsbandeule in einer Baumhöhle und indische Palmenhörnchen. Teils ist noch zu dunkel für Fotos...







Dann erreichen wir eine Ansammlung von Jeeps am Rande des Parks.



Außerhalb der Begrenzungsmauer des N.P. Soll im Unterholz eine Tigerin liegen. Nach einigem Suchen entdecken wir tatsächlich schemenhaft das Tier. Wir warten einige Zeit, überlegen schon, ob wir wohl weiterfahren sollen, als die Tigerin aufsteht und los läuft. Zunächst parallel zu Mauer und Piste. Begleitet von einer Anzahl Jeeps. Dann nähert sie sich langsam immer weiter der Piste. Plötzlich springt sie wenige Meter entfernt auf einen umgestürzten Baum und brüllt unsere Fahrzeuge an. Mehrmals, in einer unglaublichen Lautstärke ! Wow. Die Fahrer haben verstanden. Die Tigerin will zurück in den Park und die Straße überqueren. Nach kurzen Zurufen zwischen den Fahrern weichen die Jeeps in beide Richtungen zurück und eine größere Gasse wird freigemacht. Die Tigerin läuft einige Zeit weiter. Die Gasse wandert mit. Dann ist es soweit: Die Tigerin springt über die Mauer und ist für uns erstmals offen zu sehen.



Sie läuft einige Zeit im gegenüberliegenden Unterholz parallel zur Piste. Dreht dabei mehrfach uns. Die Jeeps wenden alle ebenfalls immer wieder auf der sehr engen Piste. Jeweils hektisches Rangieren. Jeep-Ballet eben…. und die Tigerin ist die Choreografin.
Nach einiger Zeit entfernt sie sich immer weiter und verschwindet langsam im Unterholz.


Wir fahren ein Stück weiter und sehen einen Elefanten im Wald. Erst unser Fahrer und der Guide zeigen uns neben dem zahmen Elefanten mit den Safarigästen den Tiger, der dort auf einem umgestürzten Baumstamm liegt.



Nach und nach entdecken wir durch unseren Fahrer zwischen den Bäumen noch 2 weitere junge Tiger liegen. Es handelt sich um die drei Jungen der Tigerin, die wir eben gesehen haben.



Anscheinend ist sie auf dem Weg zu ihnen. Viele Fahrzeuge sind jetzt um uns herum. Die Mutter kommt jetzt auch. Der Elefant pendelt regelmäßig zwischen den Tigern und den Jeeps. Setzt dort seine Gäste auf den Jeeps ab, nimmt neue auf und nährt sich immer wieder den Tigern sehr, sehr nahe. 2-3 Meter. Die Tiger reagieren immer wieder auf den nahen Elefanten. Uns gefällt das nicht so. Der Abstand erscheint uns zu gering. Außerdem haben wir den Eindruck, das der Elefant mit jeder neuen Tour noch einen Tick näher an die Tiger getrieben wird. Damit die Tiger aufschauen, veranlasst der Mahoud anscheinend auch immer mal wieder den Elefanten, einen Strauch zu schütteln. Die erste von zwei unschönen Situationen auf dieser Reise. Die Gäste in den Jeeps, davon viele Inder (es sind Ferien) mit Kindern verhalten sich dagegen sehr ruhig. Nach einiger Zeit reicht es uns. Wir fahren weiter. Genießen die Ruhe im Sektor, da alle Jeeps bei den Tigern sind.
Wir beobachten intensiv das Familienleben der Hanuman-Languren, die zur Zeit viele Babys haben.



Auch Axishirsche und Vögel können wir jetzt in aller Ruhe genießen. Es geht jetzt eine felsige Piste hoch auf einen Felsrücken. Hier bemerken wir die aufziehende Hitze. Nach langer Fahrt manövrieren unsere Guides den Jeep an eine Felskante. Unter uns ein kleiner Canyon, mit einem Bach. Hmm, sollen wir hier die Aussicht auf die Landschaft bewundern ? Warum dann aber so aufwändig milimetergenau an die Felskante ran manövrieren ?
Da sagt unser Fahrer ganz trocken mit einem verschmitzten Lächeln: „Und, seht ihr den Tiger ? Schaut in den kleinen Canyon. An der Engstelle ist ein Loch. Schaut da durch. Da liegt der Tiger.“ Aaah. Alle sehen den Tiger. Ich sehe nur Steine, wenn ich durch das Loch schaue.



Einige Beschreibungsversuche später nimmt mich unser junger Guide am Arm, führt mich auf das hintere Trittbrett des Jeep. „Setz dich da drauf.“ Durch die veränderte Perspektive verarbeitet mein Hirn das Bild neu. Und tatsächlich. Jetzt sehe ich den Tiger klar und deutlich !



Unglaublich, wie gut zum einen die Tarnung des Tieres wirkt. Und welche Streiche uns unser Gehirn manchmal spielt. Ich hatte die ganz Zeit genau den Tiger angeschaut. Aber mein Hirn hat aus früheren Erfahrungen in der Felsklamm einfach Geröll erwartet – und mir Geröll gezeigt.
Jetzt endlich genießen wir ALLE den Anblick des Tigers, der ungestört seine Siesta an seinem kühlen, schattigen Plätzchen macht. Ein sehr schöner Abschluss des Vormittags.
Letzte Änderung: 06 Dez 2018 13:49 von CrocV.
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06 Dez 2018 13:50 #541668
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Exkurs: Tiger-Gymnastik
Auf einer Safarireise ist es ja meist so, das der Reisende nicht viel Bewegung abbekommt. Man wird an der Lodge von Jeeps abgeholt und darf das Fahrzeug -verständlicherweise- während der Ausfahrt nicht verlassen. Bereits am ersten Vormittag haben wir allerdings ein tolles Bewegungsprogramm während den Ausfahrten entdeckt: Die Tiger-Gymnastik. Kennt ihr nicht ?
Ganz einfach. Teilweise liegen oder sitzen die gesichteten Tiger etliche Meter im Wald. Da ist es jetzt richtig knifflig, ein Plätzchen im abgestellten Jeep zu finden, an dem man durch die Bäume, Äste, Blätter und Gräser eine freien Blick auf den Tiger erhaschen kann.
Also beginnt die Tiger-Gymnastik. Zunächst steige man auf die Sitzbank. Vielleicht sieht man ja aus der erhöhen Position schon mehr. Reicht das nicht, mit einer Hand am Überrollbügel des Jeeps festhalten und Oberkörper weit nach vorne,hinten oder zur Seite neigen. Immer noch kein gutes Sichtfeld ? Dann steige man vorsichtig mit einen Fuß auf den mittleren und mit dem anderen Fuß auf den hinteren Überrollbügel. Dann sich langsam hoch drücken und aufrichten und hier ohne Haltemöglichkeit in luftiger Höhe die Balance suchen. Siehst du jetzt besser ? Hmm, wenn das immer noch nicht reicht, kannst du auch mal auf die äußeren Einstiegstrittbretter des Jeeps steigen oder auch mal auf das am Heck des Jeeps befestigte Ersatzrad klettern. Das alles machst du natürlich nicht alleine. Alle 3 Reisegäste und auch Guide und Fahrer bewegen sich, um eine gute Postion zur Beobachtung zu finden. Du musst also a) immer mal wieder mit Schwankungen des Jeeps aufgrund der Bewegungen anderer rechnen und b) immer mal wieder Platz machen für andere Personen, die auch auf der Suche nach der richtigen Position sind. Sobald Guide oder Fahrer vorne eine gute Position gefunden haben, winken und rufen sie uns Reisegäste natürlich herbei. Also wirst du deine gerade eingenommene Position verlassen und dich unter Abstimmung und gegenseitigem Platz machen neben, über oder unten deinen Mitinsassen durch quetschen, um den neuen Beobachtungsplatz z.B. auf dem Fahrersitz einzunehmen. Wundere dich nicht, wenn du irgendwann feststellt, das du mit einem Fuß auf dem Lenkrad des Jeeps stehst. Das gehört alles zum Fitnessprogramm während der Ausfahrten. Sollte sich die neue Position als besonders toll herausstellen, genieße diese einige Minuten und rufe dann den nächsten Mitreisenden herbei.
Damit beginnt dann die nächste Runde der Tiger-Gymnastik.
Das Ganze macht aus vielen Gründen Spaß und auch Sinn.
Du lernst deine Mitreisenden sowie den Guide und Fahrer ganz intensiv kennen.
Die Durchblutung deiner Beine wird angeregt und dein Gleichgewichtssinn wird trainiert.
Die Zeit vergeht wie im Flug. Langeweile kann gar nicht aufkommen.
Ach ja, und den Tiger kannst du dabei auch noch ganz toll sehen ! :laugh:
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07 Dez 2018 16:25 #541842
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Aber jetzt zurück zum weiteren Tagesablauf. In der Lodge geht es zum späten Frühstück, dann Siesta und nach dem Mittagessen fahren wir wieder raus mit unserem Fahrer, den wir bereits ins Herz geschlossen haben. (Auch dank der Tiger-Gymnastik !)
Mit einem neuen Guide fahren wir durch Gate 2 in eine andere Zone. OK. Jetzt ist es richtig heiß. Wir sehen wieder Vögel, erstmals männliche und weibliche Pfaue, Sambarhirsche etc. Wir kommen an ein Gehege im Wald. In diesem großen, mit mehreren Metern hohen Drahtzäunen umgebenen Gelände sehen wir drei Tiger. Ihre Mutter ist gestorben, als die Jungtiere noch ganz klein waren. Die Ranger haben sie von Hand groß gezogen und jetzt leben die drei mittlerweile zu stattlichen Tigern herangewachsenen Tiere hier in diesem Gehege. Auswildern ist nicht möglich, da sie niemals zu jagen gelernt haben.



Nach einem kurzem Stopp fahren wir für längere Zeit durch die Landschaft. Drehen eine große Runde ohne nennenswerte Sichtungen. Da entdecken wir eine Hinduracke (Indian Roller) , die auf einen Ast sitzt und sich minutenlang in ihre Farbenpracht präsentiert. Dann fliegt der kleine Vogel zu Boden und pickt dort etwas auf. Wir sehen dabei sein wunderschönes, strahlend neonblau gefärbtes Gefieder im Flug. Er fliegt zu einem anderen Ast und setzt sich dort hin. Dies wiederholt sich zu unserer Freude mehrfach. Zu Boden gleiten, Futter picken, zum Ast zurückfliegen.



Wir bleiben längere Zeit dort im Schatten unter einem Baum stehen und beobachten den schillernden Vogel bei der Futtersuche. In einer Senke neben unserem Jeep kommen jetzt mehrere weibliche und männliche Pfauen aus dem hohen Gras hervor und laufen langsam Richtung Wald.



Ein Stück weiter sehen wir eine größere Anzahl Sambarhirsche weidend durch das Grasland laufen. Als wir uns endlich von dieser Idylle losreißen können und weiterfahren, treffen wir einen anderen Jeep und erfahren von einem gesichteten Tiger. Als wir dort ankommen, sehen wir schon von weiten die typische Ansammlung von Jeeps. Weit hinten im Gras liegt wohl ein Tiger. Nur mit den Fernglas wäre da möglicherweise ab und an ein wenig zu erkennen. Da wir nichts erkennen und es eh viel schöner finden, wenn die Tiere nah genug sind um sie mit eigenen Augen gut beobachten zu können, fahren wir nach einiger Zeit weiter. Letztlich folgt aber eh nur noch eine staubigen Rückfahrt zur Lodge, die wir nach Sonnenuntergang erreichen.
Während wir uns für das Abendessen richten, gibt es zwei kurze Stromausfälle. Kein Problem. Die Taschenlampen sind griffbereit. Uns erstaunt, wie wenig stabil die Stromversorgung hier in Zentralindien ist. Wir erleben auf der gesamten Reise täglich mehrere Stromausfälle. Immer nur kurz, da alle Lodges große Dieselgeneratoren haben, die bei Stromausfall angeworfen werden.
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