THEMA: WIE VIEL NATÜRLICHKEIT GEHT IN NPs und GRs?
07 Sep 2018 17:15 #531996
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@Werner
Na transferier sie einfach vom Chobe :-)

LG
Guido

Spätestens nach einem Jahr nach der Umsiedlung sind sie dann wieder alle in ihrem angestammten Gebiet zurück....
VG
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07 Sep 2018 17:19 #531997
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Man sollte froh sein, dass sich Länder, die weitaus ärmer sind als unsere, sich überhaupt dem Naturschutz widmen und große Landflachen dafür 'dem Markt' entziehen....
Ob da nun alles richtig oder falsch gemacht wird ist vollkommen egal, das einzig richtige ist, dass es sie überhaupt gibt.
VG
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07 Sep 2018 20:30 #532018
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Focus schrieb:

Spätestens nach einem Jahr nach der Umsiedlung sind sie dann wieder alle in ihrem angestammten Gebiet zurück....
VG

Hallo Focus...du scheinst etwas von der Programmierung der Elis zu verstehen, das kommt immer wieder vor. Auf dem Rückweg trampeln sie dann Zäune und Maisfelder, die Lebensgrundlage der Locals nieder. Die Einheimischen um die Parks sind in der Regel überhaupt nicht an diesen Spielwiesen -natürlich ist es auch Artenschutz- für gut betuchte Turis interessiert, weil sie nicht an den Einnahmen partizipieren und am Ende nur den Schaden haben...lg Maputo
Letzte Änderung: 07 Sep 2018 20:45 von Maputo.
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08 Sep 2018 10:37 #532045
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Hallo,

Diejenigen, die für Cullingaktionen sind, vertreten die Theorie, das Elefanten sich immer mehr vermehren und dann die gesamte Vegetation zerstören, wenn der Mensch nicht vorher eingreift. Diese Theorie ist aber nicht ganz plausibel. Riesige Elefantenpopulationen gab es in Afrika lange vor der großen Menschenpopulation. Die menschliche Population hat in Afrika historisch kaum eine Rolle gespielt. Noch 1800 gab es wahrscheinlich 26 Millionen Elefanten in Afrika. Fressfeinde haben Elefanten praktisch nicht. Die hätten sich früher nach dieser Theorie ohne menschliche Eingriffe so vermehrt, dass es im Umkreis von 10km um jede natürliche Wasserstelle keinen Grashalm mehr gab und da nur noch Wüste war. So war es anscheinend aber nicht.

Es wird meistens sehr kurzfristig gedacht: Mensch sieht Vegetationsschäden durch Elefanten. Mensch meint regulierend eingreifen zu müssen. Es spricht einiges dafür, das wir die Regelungsmechanismen der Natur noch nicht vollständig verstehen. David Sheldrick und sein Wirken in Tsavo East würde ich auch nicht so negativ sehen. Das es Tsavo East gibt, ist zu einem erheblichen Teil Sheldrick zu verdanken (finanziert übrigens mit dem Verkauf von Elfenbein - andere Kontroverse) . Sheldrick vertrat die Theorie, das die Regelungsmechanismen in der Natur in großen jahrzehntelangen Zyklen ablaufen. Wenn Elefanten irgendwo großflächig Bäume und Büsche zerstören, dann schaffen sie offene Flächen und Lebensraum für andere Arten. Wenn das Gebiet dann für Elefanten jahrzehntelang weniger attraktiv war, verbuscht es vielleicht irgendwann wieder und ein neuer Zyklus beginnt.

Nicht zu bestreiten ist allerdings das Argument, dass der Mensch bereits entscheidend in Regelungsmechanismen der Natur eingegriffen hat, wenn er ein Gebiet mit künstlichen Wasserstellen übersät hat. Am Chobe oder im Okavango-Delta gab es aber immer Wasser. Da lässt sich Regelungsbedarf durch den Menschen kaum durch künstlich geschaffene Wasserstellen rechtfertigen.

D.
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09 Sep 2018 17:08 #532161
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Dreamliner schrieb:
Diejenigen, die für Cullingaktionen sind, vertreten die Theorie, das Elefanten sich immer mehr vermehren und dann die gesamte Vegetation zerstören, wenn der Mensch nicht vorher eingreift. Diese Theorie ist aber nicht ganz plausibel....
Hallo DLer, ein paar Gedanken eines interessierten Laien dazu und ich bleibe bei SA, wo Elefanten zur Bestandskontrolle getötet wurden/werden, das cWort lasse ich mal weg.

Wenn man sich die alten Berichte, Namen von Plätzen, Buschmannmalereien etc. anschaut, kann man davon ausgehen, dass Elefanten im ganzen Subkontinent in großer Zahl vorkamen. Noch in unserer historischen Zeit, davor sowieso. Ich persönlich meine, dass es aber nur wenige Gebiete gibt, wo sich Elefanten dauerhaft, GANZJÄHRIG, aufhalten können, anderswo mussten sie mit dem Wasser- und Nahrungsangebot migrieren, wofür auch reichlich Platz vorhanden war. Die Unterstellung einer quasi „natürlichen Selbstbeschränkung“ zur Schonung der Nahrungsgrundlage erübrigte sich, weil sie einfach weiterziehen konnten. Und wie oft das System auch damals schon durch Überforderung gekippt ist, wissen wir nicht, es ist nicht überliefert. Zig andere Tierarten und auch indigene Nomadenvölker machen das genauso. Die Probleme entstehen erst, wenn der Platz zum Weiterziehen nicht mehr vorhanden ist. Dieser wurde auch durch die Klimaveränderung immer kleiner, diese Breiten trocknen seit historischer Zeit aus, nicht nur in Afrika. Wo heute in Afghanistan nur nackte Erde ist, konnten die Mogulen ihre Elefanten weiden lassen.

Die ganze Beschwörung eines früheren natürlichen Gleichgewichtes bringt mE nichts in einer Welt die voll ist und noch voller werden wird, in der die Wildtiere in ein paar letzten Refugien eingesperrt sind. Und wie sich die Elefanten dabei verhalten, wissen wir heute verbindlich aus den Erfahrungen seit Einführung von Schutzgebieten. Unter geschützten Bedingungen haben wir alle 10 bis 20 Jahre ca. doppelt so viele Elefanten als am Beginn des Beobachtungszeitraumes. In den Anfangsjahren des Krugers hat sich der Elefantenbestand alle 10 Jahre verdoppelt. Anfangs der 1960er gab es so ca. 5000 bis 6000 Elefanten und es wurde beschlossen, die Zahl (mittels Tötung) bei maximal 7000 zu halten, wobei Manche meinten, dass das schon zu viele seien. Mitte der 1990er wurde die Tötung auf Druck der öffentlichen Meinung eingestellt und ca. 10 Jahre später gab es schon ca. 12000 Tier und unbestrittene Vegetationsschäden, alles mit steigender Tendenz. Man hoffte dann den Bevölkerungsdruck durch Abwanderung in den TF-Park zu mindern, aber nach allem was man davon gehört hat, hat es nicht ausreichend funktioniert, weil viele wieder zurückgekommen sind. Jetzt soll das Wasserangebot verknappt werden, die Elefanten sollen also natürlich sterben anstatt erschossen zu werden.

Was tun? Bei unveränderten Rahmenbedingungen wird es im Kruger in (10)15 bis 20 Jahren wieder doppelt so viele Elefanten geben als heute. Ich persönlich glaube nicht, dass das funktionieren kann. Mir erscheint auch bei einem derart langlebigen Tier die Selbstregulierung durch „natürliche“ Anpassung der Geburtenrate (so es eine gibt) viel zu träge um eine kurzfristige Nahrungsknappheit zu bewältigen. Das geht kurzfristig nicht über weniger Geburten sondern nur über höhere Mortalität der Alten. Vielleicht gibt es einen Demografen unter den Foristen, der da was dazu sagen kann. Aber wenn das natürliche Massensterben einsetzt, ist der Schaden an der Vegetation schon angerichtet, er bleibt für Jahrzehnte. Wenn überall Bäume verschwinden, die zigzig-fach älter als Elefanten sind, sollte man sich Gedanken machen. Auch das als natürlich anzusehen, es ist aber Ansichtssache. Die Wahl ist schließlich zwischen jedes Jahr kontinuierlich wenige Tiere zu töten und periodischer Selbstzerstörung einer sehr großen Zahl.
Grüße, Werner

PS und der Überbestand am Chobe (mit dauerhafter Wasserverfügbarkeit) lässt sich mE auch wie oben erklären, dass nämlich der Großteil von BW nicht mehr als Lebensraum zur Vergfügung steht.
Letzte Änderung: 09 Sep 2018 21:46 von loser.
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10 Sep 2018 08:27 #532200
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  • Dreamliner am 08 Sep 2018 10:37
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Hallo loser,

Nur mal 3 Stichpunkte für andere Perspektiven:
loser schrieb:
Anfangs der 1960er gab es so ca. 5000 bis 6000 Elefanten und es wurde beschlossen, die Zahl (mittels Tötung) bei maximal 7000 zu halten, wobei Manche meinten, dass das schon zu viele seien. Mitte der 1990er wurde die Tötung auf Druck der öffentlichen Meinung eingestellt und ca. 10 Jahre später gab es schon ca. 12000 Tier und unbestrittene Vegetationsschäden, alles mit steigender Tendenz.

Diese Theorie unterstellt, dass das, was man Anfang der 60er Jahre vorfand, der natürliche Normalzustand war und die Vegetationsschäden, die man danach durch mehr Elefanten sah, unnatürlich waren. Vielleicht gab es Anfang der 60er im historischen Vergleich einfach überdurchschnittlich viele Büsche und Bäume im Krüger, weil Elefantenbestände da schon längst stark reduziert waren? Vielleicht sind die vermeintlichen Vegetationsschäden jetzt eine Wiederherstellung der Zustände, die es Jahrtausende lang gab?

Wenn wir annehmen, dass Elefanten um 1800 herum 70% der Fläche Afrikas besiedelt haben, dann gab es bei 26 Mio. Elefanten eine Populationsdichte von ca. 1,25 Elefanten pro Quadratkilometer. Flächen in Nationalparks, Hegegemeinschaften, privaten Game Reserves/Tourismuskonzessionen, Jagdkonzessionen mit Elefantenbestand allein in den 5 Ländern Namibia, Botswana, Simbabwe, Sambia und Tansania addieren sich heute auf ca. 600.000 Quadratkilometer Fläche. Insgesamt dürften in Afrika heute knapp 1.000.000 Quadratkilometer "Elefantenland" sein (Great Elephant Census geht von 893.961 km² aus - ohne Namibia und einige kleinere Flächen).
Ergibt bei heute 500.000 Elefanten eine Populationsdichte von durchschnittlich 0,5 Elefanten pro Quadratkilometer. Da darf die Wissenschaft mit der Annahme von 26 Mio. Elefanten um 1800 herum weit daneben liegen und es ließe sich aus der heutigen Populationsdichte immer noch keine Elefantenüberbevölkerung ableiten.

Die laut Befürwortern von Bestandsdezimierungen (typischerweise durch Culling oder Trophäenjagd) zwangsläufig eintretenden ökologischen Katastrophen durch zu viele Elefanten, sollen laut deren Vorhersagen im Chobe, Hwange und Krüger NP schon seit 20-30 Jahren da sein. Ja, wo sind sie denn nun? Sicher: Vegetationsschäden sind sichtbar, die vorausgesagten ökologischen Katastrophen eben so sicher nicht. Das erinnert mich ein bisschen an Peak-Oil: Soll auch seit 1960 immer unmittelbar bevorstehen und trat bisher nicht ein.

Am Ende schließe ich nicht aus, dass die Befürworter von Bestandsdezimierungen richtig liegen. Deren Herleitung finde ich aber weder vollständig plausibel noch bewiesen. Bevor man zehntausende Elefanten abschlachtet, hätte ich da gern etwas mehr Gewissheit.

D.
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