THEMA: Reisebericht Sierra Leone
29 Mär 2013 07:38 #282884
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Hoi Wolfgang
BikeAfrica schrieb:
Unterwegs stehen gelegentlich seltsame Bäume. Stamm und Äste sind wie mit einer Art Dornen bedeckt und zahlreiche rote Blüten sind zu sehen. Nur sehr wenige bis gar keine Blätter hängen an den Ästen.
Ich bin zwar alles andere als ein Pflanzenkenner, aber in Tansania sagen wir auf der Walkingsafari diesen Baum:

Unser Guide nannte ihn Crocodile Tree (klick mich), wobei 'unserer' recht alt war und 'Deiner', falls es einer ist, wohl recht jung.
Die Blätter dieses Baumes haben wir auch gegessen, schmecken nicht mal schlecht, wenn's denn welche hat! :laugh:
Aber da war wohl schon jemand vor Dir hungrig...
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29 Mär 2013 11:13 #282905
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Hallo Wolfgang,
danke für den Bericht - sehr interessant. Mich würde interessieren, wie du dich unterwegs verpflegt hast-vor allem wie du an Trinkwasser gekommen bist. Mit dem Rad unterwegs und bei der Hitze,da brauchst du doch ein paar Liter.
Schöne Ostern!
Annette
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29 Mär 2013 12:30 #282919
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  • BikeAfrica am 29 Mär 2013 12:30
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mutsel schrieb:
Mich würde interessieren, wie du dich unterwegs verpflegt hast-vor allem wie du an Trinkwasser gekommen bist. Mit dem Rad unterwegs und bei der Hitze,da brauchst du doch ein paar Liter.
... an manchen Tagen habe ich so 10-12 Liter getrunken. Und was mir erst jetzt so richtig bewusst wird: ich musste tagsüber nie auf Toilette. Also war die Menge wohl eher noch zu gering.
Ca. 4 Liter hatte ich direkt am Rad und hinten noch eine 2-Liter-Colaflasche draufgeschnallt. Das hat immer solange gereicht, bis wieder eine Kaufgelegenheit kam. Wenns kein Wasser zu kaufen gab, habe ich halt Cola, Cidre oder etwas von den pappig süßen Getränken in die Flaschen gefüllt. Für Notfälle hatte ich einen Wasserfilter (sowas hier: www.globetrotter.de/...atadyn-combi-105554/) dabei. Damit kann man aus jedem Tümpel/Fluss/Bach Trinkwasser entnehmen. In Sierra Leone habe ich den aber nie gebraucht

Die Esserei fällt eher unter die Sparte "Notwendig" und weniger unter "Kulinarischer Hochgenuss". Mal abgesehen von den kleinen Dörfern, in denen man absolut gar nichts kaufen kann, gibt es in größeren Ortschaften immer Brot und Reis. Reis mit Bohnen, Potato Leaves oder Cassava Leaves (das wird dann so ähnlich wie Spinat zubereitet und schmeckt recht gut, besonders die Potato Leaves haben mich überrascht). In Freetown, Makeni und der Strandregion (dazu später) gibts auch ein paar Restaurants. Auf Fleisch und Fisch habe ich unerwegs weitgehend verzichtet.

Gruß
Wolfgang
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29 Mär 2013 14:21 #282936
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...

Am nächsten Morgen fahre ich die letzten Kilometer in die Stadt und suche wieder die Unterkunft auf, in der ich zu Beginn übernachtete. Hier hatte ich meinen Schlafsack deponiert, den ich sinnloserweise mit nach Sierra Leone genommen hatte. Aufgrund der großen Hitze habe ich immer mit freiem Oberkörper geschlafen. Es gibt hier zu dieser Jahreszeit nichts Überflüssigeres als einen Schlafsack. Sobald es hell wird, suchen sich die Schweißtropen den Weg aus den Poren. Jeden Morgen bin ich schon schweißgebadet, bevor ich mich überhaupt bewegt habe.

Ich besuche nochmal die kleine Kneipe, in die ich Anthony (den einheimischen Radler, der mir am ersten Tag den Weg zeigte) eingeladen hatte. Einige der Kinder sowie die freundliche Großmutter nehmen für ein Foto Platz.



Das Zimmer in meiner Unterkunft befindet sich im ersten Stock. Ich habe einen kleinen Balkon, auf dem ich zwei gewaschene T-Shirts aufhänge. Dabei schaue ich auf die Blechdächer des Nachbargrundstücks, von dem mich ein paar Kinder beobachten und nach einem kurzen "Hallo" und "Wie heißt du?" und "Woher kommst du?" möchten sie, dass ich sie besuchen komme. Die Behausung sieht von oben ziemlich übel aus, aber eigentlich ist es ganz ok. Es gibt sogar einen Stromanschluss und elektrisches Licht. Eines der Kinder bringt mir sofort einen Plastikstuhl und ein Mann fragt mich, ob ich etwas trinken möchte und hat schon eine Flasche in der Hand. Natürlich lehne ich das ab, denn besonders viel Geld hat die Familie sicherlich nicht. Es stehen zeitweise 15 Kinder um mich rum und wenn eines geht, kommt ein anderes. Insgesamt mögen es vielleicht um die 20 Kinder sein und auf dem Grundstück wohnen offenbar 2-3 Familien. Wie das räumlich funktioniert, ist mir schleierhaft. Auch sind sämtliche Kinder sauber gekleidet, was in dieser Umgebung eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Am nächsten Morgen steht eine Frau im Hof und wäscht Klamotten mit der Hand. Nach einer gefühlten Ewigkeit hängen einige Wäscheleinen voller Kleidung.




Auf diesem Foto ist auch die offene Abwasserrinne am linken Bildrand zu sehen. In der Regenzeit riecht das hier bestimmt besonders aromatisch. Im Moment gehts noch.


Heute Abend spielt Arsenal London gegen Bayern München. Europäischer Fussball ist beliebt und solche Spiele kann man überall sehen. Mir passiert es auf der Reise auch mehrfach, dass mich wildfremde Leute über die Ergebnisse aus der Bundesliga oder dem DFB-Pokal informieren, nachdem sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme. Ich besuche eine dieser unauffälligen Blechhütten, die sich manchmal Cinema oder Entertainment Center nennen. Zum Glück hängen ein paar Ventilatoren an der Decke und die Temperaturen sind erträglich. Der Eintritt kostet 1.000 Leones für die Holzbänke im vorderen Bereich, 1.500 Leones für einige der Plastikstühle dahinter und 2.000 Leones (<40 Cents) für die sechs Polsterstühle. Als einziger Weißer werde ich gar nicht erst gefragt. Man verlangt 2.000 Leones und bugsiert mich dann auf einen der 6 Polsterstühle. Ich zähle die Zahl der Bänke und die Leute pro Bank. Etwa 150-200 Menschen sitzen hier auf engstem Raum. Der Gang, um die Bänke zu erreichen, wird am Ende auch noch mit kleinen Bänken zugestellt. Jeder Zentimeter Raum wird genutzt und die Hütte ist gerammelt voll. Die meisten der Zuschauer sind für die Bayern, ein Teil auch für Arsenal. In der Hütte ist eine Bombenstimmung; im Stadion selbst kann es nicht besser gewesen sein. Nach dem Spiel laufe ich um ca. 22:30 Uhr durch Freetown und habe keinerlei Bedenken bzgl. Sicherheit, außer dass ich irgendwo auf den kaputten Straßen in ein Loch treten und umknicken könnte.

Morgen gehts zur Strandregion nach Aberdeen. Dort soll es wohl etwas Tourismus geben.

Gruß
Wolfgang
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Letzte Änderung: 20 Jul 2013 13:19 von BikeAfrica.
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29 Mär 2013 17:26 #282954
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  • lisolu am 29 Mär 2013 17:26
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Hallo Wolfgang,

Zuerst einmal möchte ich sagen, dass Dein Reisebericht unter Reiseberichte gehört, wie alle anderen auch und nicht unter Off Topic, denn das ist er nicht. Auch wenn Deine Art zu Reisen eine etwas andere ist.

Ich finde diesen Bericht sehr spannend und auch informativ, allerdings Lust auf Sierra Leone macht er mir nicht. Was aber nicht an Deinem Schreibstil liegt.

Wie bist Du gerade auf dieses Land gekommen ? Die tollen Strände die es dort geben soll können wohl nicht der Antrieb gewesen sein , denn ich schätze Dich nicht gerade als Strandurlauber ein.

Oder ist es Dein Ziel sämtliche Länder Afrikas mit dem Fahrrad zu bereisen ?

Ehrlicherweise gestehe ich, dass ich auch sehr wenig über Sierra Leone informiert bin, aber ich würde gern wissen, was macht den Reiz gerade dieses Landes aus?


LG
Lisolu
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29 Mär 2013 19:16 #282966
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Moin Lisolu,
lisolu schrieb:
Zuerst einmal möchte ich sagen, dass Dein Reisebericht unter Reiseberichte gehört, wie alle anderen auch und nicht unter Off Topic, denn das ist er nicht. Auch wenn Deine Art zu Reisen eine etwas andere ist.
"Reiseberichte" ist jeweils eine Sparte unterhalb des jeweiligen Landes, um das es in diesem Forum geht. Einen Bericht über Sierra Leone kann man da nicht passend einsortieren. Jedenfalls habe ich keine passende Kategorie gefunden. Off Topic passt dann immer. ;-)
Ich finde diesen Bericht sehr spannend und auch informativ, allerdings Lust auf Sierra Leone macht er mir nicht. Was aber nicht an Deinem Schreibstil liegt.
Ich muss auch sagen, dass ich das Land nur wenigen Leuten als Reiseland empfehlen würde. Das liegt noch nicht einmal an den Menschen, die zu 95% extrem nett sind.
Jemand, der Unterkünfte wie in Namibia oder Südafrika sucht, kann das Land mal gleich komplett streichen. Mit dem Rad ist es auch schwieriger als anderswo. So empfand ich es jedenfalls.
Wie bist Du gerade auf dieses Land gekommen ? Die tollen Strände die es dort geben soll können wohl nicht der Antrieb gewesen sein , denn ich schätze Dich nicht gerade als Strandurlauber ein.
Ich habe nach Ländern gesucht, in denen man sich mit Englisch verständigen kann und die laut Auswärtigem Amt sicher sind. Es sollte ein Land sein, das ich noch nicht kenne. Das waren alle meine Kriterien.
Oder ist es Dein Ziel sämtliche Länder Afrikas mit dem Fahrrad zu bereisen ?
.... ich habe jetzt 13 Länder Afrikas mit dem Rad besucht. Es gibt 54 (?). Da ist noch was zu tun.
Aber ja .... ich möchte Länder kennenlernen, die ich noch nicht besucht habe. Die Länder Afrikas sind extrem unterschiedlich. Ich möchte ein bisschen was davon kennenlernen.
Ehrlicherweise gestehe ich, dass ich auch sehr wenig über Sierra Leone informiert bin, aber ich würde gern wissen, was macht den Reiz gerade dieses Landes aus?
... es ist ein Land, in dem Tourismus fast unbekannt ist. In 2012 kamen etwa 5.300 Touristen ins Land. Man lernt dadurch Afrika kennen. Wenn man nach Namibia reist, bleibt man ein Stück weit in Europa. In Sierra Leone ist man sofort in Afrika. Die Lebensumstände sind einfach anders.

Gruß
Wolfgang
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