THEMA: Surfen auf dem Nyiragongo
19 Jan 2021 17:28 #604320
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  • CuF am 19 Jan 2021 17:28
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Denkt dran, noch bis Ende des Monats kann einfach hier gespendet werden:
Fake new - es kann noch gaaaanz, gaaanz lange gespendet werden!
Carsten - großes Kompliment für Deine Leistung! Sollte ich noch einmal nach Windhoek kommen, bringe ich Dir the world best hessische Ahle Worscht mit!
Dann Deines Berichts wurde mir auch klar, dass ich seinerzeit von Bulera aus nicht etwa den Nyiriagongo gesehen habe. Es war der Karisimbi....
Schöne Grüße
Friederike
Letzte Änderung: 23 Jan 2021 15:05 von CuF.
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20 Jan 2021 10:29 #604365
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Carsten Möhle schrieb:


Nein, kein Erschöpfungsschlaf. Hinfallen ist ja wie anlehnen, nur später.
Ich versuche nur, meine Augen vor dem einfallenden Abendsonnenlicht zu schützen.

So sehe ich auch immer aus, wenn ich meine Augenlider auf innere Verletzungen untersuche.
Man könnte uns kaum unterscheiden. Adriana würde es aufgrund des Schuhwerks gelingen … ;-)

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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20 Jan 2021 13:15 #604380
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Hallo Wolfgang,

sicher nur am Schuhwerk? oder auch an der Lederhose?




Gruß
Markus
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22 Jan 2021 20:01 #604633
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  • Carsten Möhle am 22 Jan 2021 20:01
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Tanz an dem Vulkan
etwas ausführlicher und mehr Videos in meinem Blog



Wir stehen am Kraterrand und schauen hinunter. Ein wenig ist es, als wenn man den Geschirrspüler öffnet und einem der heiße Dampf ins Gesicht knallt.



Die obere Wand besteht halb aus verfestigten hellen Lavaschichten, halb aus rotem Explosions-Tuffgestein.
Der leichte Nieselregen regnet rein. Fein, dann gibt es bestimmt einen Whirlpool. Dafür hatte picco also die Schnorchelmaske mit, für Passivdampf.


Von Götzen hatte das genauso 1894 S. 210: „ Wie eine riesige Arena, ein verzehnfachtes Kolosseum, liegt ein Kraterkessel zu meinen Füssen. Fast senkrecht stürzt sich die Wand, auf deren äusserstem Rande wir stehen, in die Tiefe hinab; der Grundton ihrer Farbe ist tiefstes Schwarz; nur die Ränder der unzähligen Risse, von denen sie durchzogen ist, sind rosaroth gefärbt.

Im ersten Augenblick ist die ganze Arena mit Wolken und Dampf angefüllt, gleich als befürchte die Natur, dass Sinn und Augen der ersten Menschen, denen es vergönnt war, eines ihrer grossartigsten Geheimnisse zu schauen, nicht auf einmal den ganzen mächtigen Eindruck zu fassen vermöchten.
Aber ein Windstoss fegt die Wolken rasch hinweg, so dass auch der jenseitige Rand des Kraters sichtbar wird. Dann blicken wir
hinab, aber nicht in einen dunkelen, unergründlichen Schlund, sondern auf eine helle, völlig eben erscheinende Fläche, die wie marmorirt in den verschiedensten Farbentönen heraufschillert.“






Aber eigentlich könnte der Vulkan jetzt auch mal so langsam abdampfen.
Tatsächlich wurde der Regen stärker, prasselnder, ein richtiger Wolkenguss.
Wir flüchten uns in unsere Festzelthütten, die Aussehen, wie die Zelte von Graf Götzen. Zeitloses Afrika.





Erschöpfungsschlaf bis zum Abendessen. Schnell war ich wieder agil wie ein Springbok.
Ein alter Springbok.
Mit Arthrose.
Neben einer Pad liegend.
Überfahren.
Vor 5 Tagen.
Dieser Moment, wenn das Power-Napping wieder mal eskaliert und man wacht auf und weiß nicht, in welchem Jahr man ist. Die Matratze ist eine Zeitmaschine. Legt man sich für nur 5 Minuten rein, springt die Uhr 2 Stunden vor. Ich phantasierte bereits von einem leichten Barbie-cue Kannibalismus.
Dabei hätte ich nicht gedacht, dass ich mal etwas mit einem Heidi-Klum-Model gemeinsam haben werde - Hunger.

Ich ging zur Küchenhütte. Erika und Heiko hatten schon gegessen. Mein Erschöpfungsschlaf war ausdauernder als ihrer.
Mein erster Blick fiel auf die Kochstelle. Hmm, wenn schon was in Töpfen hergestellt wird.



Es gab Käsesandwiches, Reis und Nudeln mit Gemüseeintopf. Sehr viel, sehr üppig, für einen Vegetarier. Aber dieser Vegetarier hier braucht eine Extrawurst.
Ich erfuhr, dass das Hühnchen mit zu den richtigen Männern gegangen ist, den bewaffneten Rangern, nicht zu uns, die auf Stöcken den Berg raufwankten.
Wenn da unten nur jemand grillen würde, ahne ich jetzt, wie sich Haie fühlen müssen, wenn sie Blut im Wasser bemerken.

Ich fragte ihn, ob wir "Russisch Boulette" spielen wollen, ein gutes Fundament ist die Basis aller Beilagen! Dann erklärte ich dem Koch, dass wir uns vom Rest der Tierwelt dadurch unterscheiden, dass wir Gegrilltes essen. Das ist doch keine Artgerechte Ernährung.

Wozu Vitamine? In meinem Alter brauche ich Konservierungsstoffe!
Man kann den Salatteller übrigens auch 90 Grad nach rechts kippen. Ich brauche keine Rohkost als philosophische Befriedigung.
Ein Elephant braucht auch 250.000 Kalorien pro Tag. Vielleicht bin ich nur im falschen Körper geboren?

Da ich nicht so viel kauen musste wie bei einer richtigen Mahlzeit, konnte ich den Koch Jean ein wenig ausfragen:
Für die Einheimischen war der Krater ein Aufenthaltsort für die Seelen nach ihrem Dahinscheiden. Aber nicht wie die christliche Vorstellung als Paradies oder als Hölle der Qualen, sondern eher die Antike Vorstellung des Tartaros, eines Jenseits in der das Feuer die Seelen der Ahnen auf immer am Leben erhält.
(In der Lutherbibel seit 2017 gibt es übrigens keine Hölle mehr. Und auch die Papstkirche ging bereits vor Jahrzehnten zu ihrem Konzept der Hölle auf Abstand; 1971 geschah es verschwiegen und vage durch das Vatikanische Konzil.)

Hölle: Lieber kochen oder braten? Man hört nie von gedünstet. Auferstehung des Fleisches und nicht der Möhrchen. Wieso heißt es denn überhaupt Fort-Pflanzung?
Hätte Adam die Schlange im Paradies gegessen, statt des Apfels, wäre uns vielleicht so manches erspart geblieben.


Der Regen hatte aufgehört. Schnell ging ich vor die Kochhütte. Der purpurfarbene Schein des Vulkans war endlich gut zu sehen. Der Blick nach Goma war frei.




Voller Vorfreude stolperte ich die 10 Höhenmeter bis zum Kraterrand hinauf.

War es nur Proteinmangel bei mir oder sah der Kratersee aus wie ein riesiges Spermium?



Ein Lavasee ist eine Rarität, der eine derartige Wärmezufuhr, wie sie für die Erhaltung eines flüssigen Lavasees nötig ist, selten über länger als ein paar Wochen oder Monate erhält. Der Nyiragongo gilt als der größte der Welt, bis zu 260m lang und auch sehr beständig. Die Hitzeabstrahlung beträgt ungefähr 960 Megawatt, wenn der See ca. 13.000 m² Ausdehnung hat. Der Energieaufwand ist dafür 75-150 Kilowatt pro Quadratmeter. Die Temperaturen an der Oberfläche sind 1.020 bis 1.095 Grad Celsius.

Aktuelle Ausdehnung erhält man beim Global Vulcanism Programm der Smithonian Institution










Aufsprudeln verstreuter Fontänen aus Schwefel- und Kohlendioxidhaltige Dämpfen, weite Wellenbewegungen, ein Wogen, Pulsieren, Schwingen, ein Kräuseln, als wäre die bewegliche Haut mit dem Zinnschimmer lebendig.


Das Pfeifen und Heulen der Gase ist bis oben zu hören, unten muss es ohrenbetäubend sein.




Die spezielle Nyiragongo Lava ist sehr dünnflüssig, erreicht bis zu 100 km/h bergab.
Der See wird durch Zufluß von Lava aus einem neuen Produzenten ständig in Bewegung gehalten.








Alles muss raus! Der kleine Lavaspritzer war bereits 5 Jahre alt. Picco hatte ihn noch als Baby gesehen. Danke fürs Kommen.



Nachdem man sich erst einmal satt gesehen hat, machte ich mit Erika und Heiko einen Treffpunkt am Krater um 05:00 Uhr aus und wachse bis dahin das Surfbrett.
Und noch ein wenig Schlaf.


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23 Jan 2021 13:21 #604666
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  • CuF am 19 Jan 2021 17:28
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Hallo in die illustre Runde,
wer etwas mehr über die Gegend erfahren möchte, sollte sich (gibt es nur noch antiquarisch) dieses Buch besorgen


Auf diesen Seiten wird der Aufstieg zum Niragongwe - wie er damals genannt wurde - (Nyiriagongo) 1902 beschrieben:






www.betterplace.me/k...hinya-primary-school


Carsten - ganz großes Kino............... :silly: :silly: :silly:
Friederike
Letzte Änderung: 23 Jan 2021 15:11 von CuF.
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23 Jan 2021 15:00 #604674
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Da ich auch zum erlauchten Kreis ;) der Nyiragongo-Besteiger gehöre, lese ich mal interessiert mit.
Bei unserem Aufstieg (Reisebericht 2017) mussten wir gegen Schnee und Eisregen kämpfen, trotzdem eine extrem eindrucksvolle Tour. Ein Surfbrett hatten wir allerdings nicht dabei... :lol:
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