THEMA: Zweimal Gabun - das erste und das letzte Mal
25 Jun 2012 11:23 #240671
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  • Reisehummel am 25 Jun 2012 11:23
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Hallo Bernd,

Schön, dass ihr gesund zurück seid!
"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen".
Es fängt sehr spannend an. Atlantik bringe ich immer mit Seekrankheit in Verbindung, das offene Meer mit Riesenwellen meide ich seit dem generell.
Es ist immer wieder schade, dass man bei einer Tour über einen
Veranstalter, den Guides dermaßen ausgeliefert ist. Es scheint dort noch kein geschultes Personal zu geben und nur der materielle Aspekt im Vodergrund zu stehen. Diese globale Verallgemeinerung stellt sich unweigerlich, schade.
Doppelt ärgerlich ist es, dass du den Ablauf selbst vorgegeben hast.
Ganz klar, dass man dann zu dem Entschluss kommt, den Rest das nächste mal auch alleine machen zu wollen.
Freue mich auf Fotos und deinen weiteren Bericht.

VG
Marion
Alexander von Humboldt
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben."
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25 Jun 2012 14:46 #240695
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  • Carmen on tour am 25 Jun 2012 14:46
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Topobär schrieb:
Carmen on tour schrieb:
... kann sein, da kommt noch etwas mein „Senegal Nationalstolz“ durch und ich mag die Leute dort unten , wie auch diejenigen in Gabun :laugh:

Oh weh! Das ist ja mal sehr weit hergeholt. Senegal und Gabun liegen weiter auseinander als Deutschland und Griechenland. Also alle mal bitte etwas mehr Nationalstolz für unsere abgebrannten Brüder und Schwestern im Süden.

Ein paar tausend Kilometer in Afrika werfen niemanden aus der Bahn.

Dann nennen wir es besser historische französische Kolonial Solidarität (Schlimmer Ausdruck ;) ) oder „moderner“ Schwarzafrikanische französisch sprechende Verbundenheit.. ist das dem analytisch und sachlichem deutschen Denkvermögen genehm ? :cheer:
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25 Jun 2012 15:51 #240707
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  • Kiboko am 25 Jun 2012 15:51
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Gabun Reisebericht, Teil 2

Am nächsten Tag soll es dann zum Mikongo Conservation Centre gehen. Dort soll es eine habituierte Gorillagruppe geben. Mit dem Manager wurde das nochmal abgestimmt. Um 07:30 soll es dann losgehen. Pünktlich um 07:25 sind wir bereit. Um 07:40 kommt unser Guide mit dem Safarifahrzeug. Wie ihr wollt nicht in die Savanne fahren? Nach Mikongo ist es weit, das macht ein anderer Guide. Schon war der Guide mit seinem Auto wieder weg. Dann haben wir beim Hotel-Manager nachgehakt. Der sagte uns, dass wir das Auto nach Mikongo bestellen müssen, damit hat er nix zu tun. Daraufhin haben wir die Agentur in Libreville angerufen, die dann das Auto nach Mikongo organisiert hat. Nach über einer Stunde Warten kam dann ein Pick-Up angeschraddelt. Nach einer Stadtrundfahrt durch Lope, mit Besuch bei diversen Läden und Werkstätten und wechselnden Mitfahrern auf der Ladefläche ging es dann nach Mikongo. An der Straße wurden wir dann mit einem Guide abgesetzt. Die folgenden 3,5 h sind wir auf einen Waldweg durch den Urwald gestapft. Fotografische Höhepunkte waren ein Ducker auf dem Weg sowie zwei wunderschöne Schmetterlinge, die auf einen frischen Haufen Leopardenkacke für uns posierten. Ein schwarzer Colobusaffe ließ sich fotografieren. Alle anderen Affen, darunter auch ein paar Schimpansen haben sich durch wilde Flucht unseren Kameras entzogen. Die Fluchtdistanz ist sehr groß. Erspäht man einen Affen hoch im Baum und legt die Kamera an, dann lässt er sich sofort fallen und verschwindet 10-15m tiefer in der Kone eines kleineren Baumes. Seine weitere Flucht kann man dann nur noch an den sich bewegenden Blättern und Ästen verfolgen. Nach einem Picknick im Wald setzen wir unseren Weg fort. Nach wenigen hundert Metern höre ich ein Rauschen, dass ich schon aus Guyana kenne. Also ganz schnell die wasserdichten Beutel rausgeholt und über die Kameras gestülpt. Das Rauschen kommt näher und entwickelt sich zum prasselnden Inferno. Während ich versuche mir den Poncho überzustreifen kommen bereits die ersten Tropfen vom Himmel und drei Sekunden später hat man das Gefühl, das der ganze Atlantik über mich ausgeschüttet wird. Das Wasser fällt vom Himmel. Der Waldweg wird zum Fluss. Die Schuhe sind sofort durchnässt. Zwar hält der Poncho das Wasser von außen ab, jedoch schwitzt man darunter so doll, dass man ebenfalls durchnässt ist. Wir treten den Rückweg an. Nach einer Stunde hört der Regen auf. Es gibt dann nur noch den Sekundärregen von den Bäumen. Nach weiteren dreieinhalb Stunden sind wir wieder an der Straße angekommen. Das Mikongo Camp oder gar Gorillas haben wir nicht gesehen.

Da die morgendliche Savannen-Tour nur wenig gebracht hat, wollen wir am nächsten Tag mit der Piroge auf dem Fluss fahren. Vielleicht sieht man ja ein paar Vögel oder gar Krokodile. Mit dem Manager haben wir wieder alles klar gemacht. Am nächsten Morgen kommt mit der obligatorischen 10 minütiger Verspätung wieder der Guide mit dem Auto, um uns in die Savanne zu fahren. Nein wir wollen Boot fahren! Da musste erst der Kapitän geweckt werden, dann musste das Boot seeklar und betankt werden. Nach über eine Stunde Warterei – wir sind ja in Afrika - ging es endlich los. Mit hoher Geschwindigkeit jagte der Kapitän das Boot über den Fluss, also wollte er die verlorene Zeit wieder reinholen. Vorbei an unzähligen Felsen, Stromschnellen und Untiefen. Vögel und Krokodile haben wir nicht gesehen. Mit Mühe entstanden ein paar Bilder von zwei vorbeifliegenden Ibissen. Dann wurde angelandet und wir durften ein paar Gravuren in Felsen bewundern, die angeblich viele Tausend Jahre alt waren. Dann ging die wilde Fahrt wieder zurück zur Lodge. Das Beste an der Tour war, das sie schnell wieder vorbei war. Den Tag über haben wir dann ein paar Vögel in der Lodge geknipst. Hier sind die meisten und besten Bilder entstanden. Abends ging es dann nochmal mit dem Auto in die Savanne. Ein weiterer Gast wurde eingeladen. Dreimal sind wir auf eine kleine Herde Elefanten gestoßen. Die Waldelefanten sind aber recht klein und das Elefantengras ist sehr hoch. Folglich sieht man nur den Rücken aus dem Gras herausragen. In Ostafrika hätte ich dafür meine Kamera nicht bemüht. Aber in Gabun freut man sich über so eine Sichtung, wie ein kleines Kind. Die Fluchtdistanz beträgt mehrere hundert Meter. Zum Abschluss gibt es noch eine Büffelherde zu sehen. Bei Belichtungszeiten mit 1/10s und ISOs in astronomische Höhe sind aber keine Superbilder zu erwarten.

Abends müssen wir die Rechnung mit dem Wirt machen. Nun ja, der hat viel mehr Biere aufgeschrieben, als wir jemals getrunken haben. Es folgten endlose Diskussionen, bis wir die richtige Stückzahl ermittelt hatten. Dann stimmte die Rechnung nicht. Ein Bier, Cola oder Wasser hat jeweils 2000 CFA gekostet. Bei diesen großen Zahlen ist schon höhere Mathematik erforderlich, die nur durch die Unterstützung einer Rechenmaschine bewältigt werden kann, dessen Ergebnis nicht nur zweifelhaft, sondern schlichtweg falsch war. Nach längeren Diskussionen mit dem Manager, Barkeeper und Wirt konnte dann doch tatsächlich das richtige Ergebnis, das der blöde Tourist in Sekundenschnelle ermittelt hatte, bestätigt werden. Für die leistungsfähige Management im Hotel Lope gab es dann auch ein angemessenes Trinkgeld in der Höhe von Null CFA.

01:15 ist die planmäßige Abfahrtszeit unseres Zuges nach Moanda. Um 01:00 sollen wir zum Bahnhof gebracht werden. Wir warten auf unser Auto. Nix passiert. Wir hören einen Zug kommen und sehen das Spitzensignal. Nix passiert. Hoffentlich ist es ein Güterzug. Um 01:15 kommt unser Auto und wir machen nach einer Stadtrundfahrt durch Lope halt am Bahnhof. Dort wartet bereits eine Menschenmenge auf den Zug. Unser Guide setzt uns aus und verschwindet. Der Schalter hat geschlossen. Nach etwa 2 Stunden Warterei kommt die Bahnpolizei vorbei und fragt die Leute nach ihren Reiseziel. Wir sollen warten. Erst kommt der Gegenzug. Die Menschenmassen dürfen auf den Bahnsteig gehen. Wir sollen in der Vorhalle warten. Nach ein paar Minuten kommt mir das komisch vor. Ich wage mich vorsichtig auf dem Bahnsteig vor. Sofort kommt der Bahnpolizist auf mich zu und fragt mich nochmal wo ich hin will. Moanda! Plötzlich hat er die Panik im Gesicht. Er schnappt sich meinen Rucksack und läuft davon. Wir hinterher. Kurz vor dem einfahrenden Zug nach Libreville flitzen wir über die Gleise. Da kommt auch schon unser Zug nach Franzisville (Moanda). Der hält nur kurz. Wir sind drin. Glück gehabt! Weiter geht die Fahrt im rollenden Eisschrank erster Klasse. Der Schaffner kennt uns bereits.

Fortsetzung folgt

Gruss Bernd
Äthiopien, Benin, Botswana, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Ghana, Guinea, Kenia (2x), Madagaskar, Malawi, Marokko, Mauretanien, Namibia, Ruanda, Sambia, Simbabwe (2x), Sudan, Tansania (3x), Togo, Tschad, Uganda (2x)

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25 Jun 2012 15:57 #240708
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  • Topobär am 25 Jun 2012 15:57
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Carmen on tour schrieb:
Topobär schrieb:
Carmen on tour schrieb:
... kann sein, da kommt noch etwas mein „Senegal Nationalstolz“ durch und ich mag die Leute dort unten , wie auch diejenigen in Gabun :laugh:

Oh weh! Das ist ja mal sehr weit hergeholt. Senegal und Gabun liegen weiter auseinander als Deutschland und Griechenland. Also alle mal bitte etwas mehr Nationalstolz für unsere abgebrannten Brüder und Schwestern im Süden.

Ein paar tausend Kilometer in Afrika werfen niemanden aus der Bahn.

Dann nennen wir es besser historische französische Kolonial Solidarität (Schlimmer Ausdruck ;) ) oder „moderner“ Schwarzafrikanische französisch sprechende Verbundenheit.. ist das dem analytisch und sachlichem deutschen Denkvermögen genehm ? :cheer:

Klar doch. Ich kann mich auch vor Nationalstolz kaum beherrschen, wenn ich an unsere ruhmreiche Kolonialzeit in Südwest denke.:S
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25 Jun 2012 16:07 #240709
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  • Carmen on tour am 25 Jun 2012 14:46
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Na ja eine positive Seite hat es schon, es gibt Schwarzwäldertorte in Swakop und man kann sie bei der schwarzen Bedienung sogar auf Deutsch bestellen B)


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25 Jun 2012 16:20 #240712
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  • Sanne am 25 Jun 2012 16:20
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Hallo Bernd,

lieben Dank für den sehr interessanten Reisebericht - ich hoffe, Du findest GANZ VIEL Zeit, ihn schnell fortzuführen. Es war schon in Kronau unglaublich kurzweilig, an Deinen Erfahrungen und Reisen teilzuhaben :)

Und vielleicht finden Schwarzwälder Kirsch & Co. in einem anderen Thread ein würdiges Zuhause??:whistle:

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
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