Nach dem eher ungenießbaren Abendessen bin ich schließlich eingeschlafen und habe immerhin rund fünf Stunden mehr oder weniger durchgeschlafen. Diana hatte leider weniger Glück. Der Sitz erwies sich als erstaunlich talentiert darin, jede bequeme Schlafposition zuverlässig zu verhindern, sodass an erholsamen Schlaf kaum zu denken war.
Das Frühstück war dann zumindest zur Hälfte essbar, und so landeten wir gut gelaunt und sogar überpünktlich in Namibia.
Dort sollte sich allerdings direkt ein bekanntes Sprichwort bewahrheiten: „Europa hat Uhren, Afrika hat Zeit.“ An der Immigration standen wir ganze zwei Stunden am Visa-on-Arrival-Schalter an. Hintergrund war, dass es in den beiden Wochen zuvor Probleme mit der eVisa-Webseite gegeben hatte und deshalb deutlich mehr Reisende als üblich ihr Visum erst vor Ort beantragen mussten. Besonders beeindruckend waren die ersten 45 Minuten, in denen sich unsere Schlange keinen einzigen Zentimeter bewegte. Als wir endlich an der Reihe waren, waren die eVisa-Reisenden bereits abgefertigt und wir wurden in eine andere Schlange umgeleitet, wo es angeblich schneller gehen sollte. Kurzes Fazit: Nein. Es ging nicht schneller. Stattdessen durften wir uns zusätzlich noch einmal separat zum Bezahlen anstellen.
Das Ergebnis dieser kleinen Geduldsprobe: Wir waren die Letzten, die fertig wurden, und unsere Koffer warteten bereits einsam und verlassen vor dem Gepäckband auf ihre Besitzer. Unser Fahrer hatte inzwischen eine Gruppe Holländer eingesammelt, die durch die lange Warterei offenbar so durstig geworden waren, dass erst einmal ein Kaffee organisiert werden musste.
Auf dem Weg zur Autovermietung ASCO zeigte sich dann das erste größere Tier der Reise: ein Warzenschwein. Nicht unbedingt das majestätische Afrika-Klischee, aber definitiv ein würdiger Auftakt.
Die Fahrzeugübergabe verlief dafür vorbildlich. Alles war hervorragend organisiert, wurde ausführlich erklärt und sogar der Tank noch einmal bis zum letzten Tropfen aufgefüllt. Dass wir nach der langen Anreise nicht mehr ganz aufnahmefähig waren, merkten wir allerdings Tage später, als wir ein kleines Ventil zum Luftablassen suchten und es partout nicht finden konnten – aber dazu später mehr.
Zusätzlich hatten wir eine Kühlbox sowie ein Campingpaket gebucht. Dieses enthielt wirklich alles – vom Gaskocher über Töpfe, Pfannen und Geschirr bis hin zu Besteck und Tassen. Damit konnten wir unterwegs jederzeit einen heißen Kaffee kochen oder kleine Mahlzeiten zubereiten.
Anschließend ging es zum Einkaufen in den Spar Nahe der Maerua Mall. Wer denkt, hier gäbe es nur eine kleine Auswahl, wird eines Besseren belehrt. Es gab praktisch alles – und vermutlich noch einiges mehr. Wären wir nicht etwas unter Zeitdruck gewesen, hätten wir dort problemlos noch eine Stunde verbringen können. So blieb es bei einem soliden Grundeinkauf mit allem, was man für die ersten Tage braucht.
Danach stand noch der Besuch im Mobilfunkshop der Mall auf dem Programm, damit wir unterwegs zumindest gelegentlich Internet haben würden. Dort begegnete uns erneut die berühmte afrikanische Gelassenheit. Dem Verkäufer konnte man beim Tippen beinahe die Fingernägel lackieren. Was andernorts in zwei Minuten erledigt ist, dauerte hier etwa eine halbe Stunde.
Dann hieß es: Schnell noch etwas essen und endlich ab auf die Piste. Rund 250 Kilometer lagen noch zwischen uns und unserer ersten Lodge. Anfangs rollten wir über gut ausgebaute Straßen, bevor wir irgendwann auf die typischen welligen Gravel Roads abbogen. Hier zeigte der Toyota Hilux, warum er in Namibia so beliebt ist. Trotz der Schotterpisten lag er erstaunlich souverän auf der Straße.
Unterwegs bekamen wir bereits einen ersten Vorgeschmack auf die Tierwelt: Springböcke, Riesentrappen, Strauße, Erdhörnchen und Mangusten kreuzten unseren Weg.
An der Jansen Kalahari Lodge angekommen wurden wir zunächst herzlich von der freundlichen Dame an der Rezeption begrüßt. Auf dem Weg zu unserem wunderschönen Bungalow folgte dann das erste echte Afrika-Wow-Erlebnis: Zebras, Springböcke, Kudus und Elandantilopen standen praktisch direkt vor unserer Tür.
Eigentlich hatten wir gar keine Lust, uns von dieser Kulisse loszureißen. Doch das Abendessen – ein hervorragendes Drei-Gänge-Menü mit Oryxsteak als Hauptgang – und natürlich das Bett warteten bereits auf uns.
Bevor wir jedoch schlafen gingen, mussten wir unbedingt noch den einmalig schönen Sternenhimmel fotografieren. So einen klaren, funkelnden Nachthimmel sieht man in Deutschland zu keiner Jahreszeit. Spätestens in diesem Moment wussten wir: Die lange Anreise hatte sich gelohnt.