THEMA: Abschied vom Grasland Namibia
18 Apr 2026 12:48 #724041
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  • Burschi am 18 Apr 2026 12:48
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Hallo Fomis,
zweiter und letzter Versuch. Der erste wurde ja von den Tiefen des Forums verschluckt und ich habe ihn nicht mehr gefunden. Der letzte, weil, ja weil mir die Zeit davon läuft.
Ich schreibe nämlich meinen „allerletzten“ Namibia-Reisebericht. Die älteren Fomis werden jetzt aufstöhnen: „Der hat sich ja schon zweimal verabschiedet!“ Richtig, aber manchmal kommt es eben anders als man denkt.
Ich gehöre ja zu den Forums- und Namibia-Saurieren, die Namibia kannten,
- als man von Windhoek nach Okahandja noch auf einer Gravelroad fuhr und nicht auf einem Highway,
- - als das Wort „Vorbuchen“ noch nicht erfunden war,
- - als in Windhoek noch nicht mehr als 5 Ampeln standen und „Stau“ gänzlich unbekannt war,
- als noch niemand nach dem WiFi-Passwort fragte,
- als es in Okaukuejo noch eine Telefonzelle gab, die gelegentlich mit Telefonkarte funktionierte
- als es noch sogenannte Farmleitungen gab,
aber das führt jetzt zu weit! Jedenfalls, als Namibia noch „Das Land der roten Stille“ und noch nicht „das Grasland mit dem Tourifunpark“ war.
Ich habe es in allen Nuancen zu allen Jahreszeiten erlebt, zuletzt 2022 als einer der ersten Gäste nach Covid. Da waren außer mir in Okaukuejo nur 5 weitere Gäste und auf etlichen Lodges wurde ich als einziger und erster Gast nach der Pandemie freudig begrüßt.
Inzwischen haben aber ein schwerer Unfall mit dem Rad und zwei Operationen so einiges verändert. Ich habe ja über 25 Jahre lang einen Kalender produziert und mit dem Erlös einige Sozialprojekte in Namibia gefördert. Nun wollte ich mich von Weggefährten und lieben Freunden noch einmal persönlich verabschieden. Und vielleicht die eine oder andere Kleinigkeit entdecken, die ich noch nicht gesehen habe.


Die hatte ich z.B. noch nie vorher gesehen.
Vielleicht kann ich ja mit dem Bericht dem einen oder anderen helfen, den Blick nicht nur auf die „Big5“ zu richten.
Nun zu den Vorbereitungen: Eigentlich sollte die Reise ja im November 2025 stattfinden, doch eine schwere Erkrankung meiner Frau verhinderte es. Zum Glück konnte ich durch die Reiserücktrittsversicherung nach einigen Hin und Her die Kosten wieder bekommen. Nach Besserung stand dann aber fest, dass ich die Reise nur noch alleine machen kann, und so begannen die Vorbereitungen:
1. Flugbuchung im Reisebüro (Der Flug im März war 200€ billiger als im November!). Mit Lufthansa Cityline von Nürnberg nach Frankfurt (geht heute nicht mehr!) und mit Discover von Frankfurt nach Nürnberg,
2. Buchung aller Unterkünfte über „Abenteuer-in-Namibia“ in Swakopmund (Soll in Kürze verkauft werden.)
3. Autobuchung bei ASCO (Rabatt als Stammkunde)
4. Ausfüllens des „Visa on Arrival“ schon zu Hause
Und nun zum Bericht: Das Schlimmste zuerst. Bei der Rückreise habe ich beim Umsteigen in Frankfurt mein Reisetagebuch in der Sitzmappe liegen lassen. Viele Gedanken sind verloren. Ich muss nun versuchen, anhand der Bilder alles im Gedächtnis zu rekonstruieren und dabei hilft mir hoffentlich auch dieser Bericht ein wenig. Vom vielen Nachdenken bin ich auch schon ziemlich platt!



Es ist erstaunlich wenig los am Flughafen in Nürnberg und so kann ich nach dem Checkin ganz gelassen ohne Wartezeit zum Security-Check und dann weiter zum Boarding. Wieder habe ich noch eine längere Wartezeit, bis um 18.30 Uhr das Boarding ist. Der Flieger ist rappelvoll, bis auf den letzten Platz, viele reisen aber nur mit Handgepäck.
Pünktlich um 18.50 Uhr startet der Flieger nach Frankfurt in den abendlichen Himmel von Nürnberg.


Nur 45 Minuten später landet die Maschine schon wieder in Frankfurt. So schnell würde es mit der Bahn natürlich nicht gehen.
Der Abflug erfolgt pünktlich um 22.00 Uhr in Frankfurt. Ich hatte ja extra „Premium Econo-my“ gebucht, um etwas bequemer sitzen zu können. Aber denkste! Die Sitze bei Discover sind unbequemer und enger als z.B. bei Marabu. Trotzdem gelingt es mir zumindest fünf Stunden auf dem Hinflug zu schlafen. Beim gereichten Essen ist mal wieder ein kulinarischer Tiefpunkt erreicht: Rindfleischbrocken mit Kartoffelpüree und Blaukraut, dazu ein Semmelchen mit Butter und Käse und ein Muffin. Da ist selektives Essen angesagt. Bei den Getränken entscheide ich mich für Tomatensaft und Wasser, denn Wein oder Bier gibt es schon nicht mehr gratis. Das Frühstück allerdings war eine Frechheit. So ein undefinierbare warme Rolle und ein Muffin! :( Ein schlechteres habe ich noch nie bekommen. Bei der Bordunterhaltung dominiert der übliche Amerikaschrott und ich entscheide mich für „Troja“, den ich nur zur Hälfte anschaue.
Beim Anflug auf Windhoek zeigt sich lange nichts, denn über Namibia liegt eine Wolkendecke.
Ebenfalls pünktlich um 9.00 Uhr landet der Flieger, wieder weit vom Terminal entfernt, sodass erst ein langer Marsch dorthin zu bewältigen ist. Dann steht der ausgespuckte Tourihaufen erst mal einige Zeit vor dem Terminal, kann schon mal die heiße afrikanische Sonne genießen, bevor die Türen geöffnet werden


Dann erfolgt das Aschenputtel-Urteil. Eine resolute Dame teilt den Haufen in „E-Visa nach links“ und „Visa on Arrival nach rechts“! Es gibt nur sehr wenige, die wie ich auf das „VoA“ gepokert haben, die Internet-Junkies stehen in einer endlosen Schlange. Bei den wenigen auf meiner Seite ist allerdings ein Einreisedepp dabei, der sich aus irgendeinem Grunde mit dem Schalterbeamten anlegt, weshalb es auch hier stockt. Als ich an der Reihe bin, werde ich von zwei überraschend freundlichen Beamtinnen abgefertigt, was in wenigen Minuten erledigt ist. Auch die Zahlung von 1600 N$ für das Visum geht schnell und problemlos.
Nach den Formalitäten stehen schon alle Koffer neben den Förderbändern und auch meiner ist dabei. Nochmals Durchleuchtungskontrolle und dann ist der Weg frei zu den wartenden Abholern. Auch mein ASCO-Abholer ist schon da und bittet mich noch zu warten, denn er muss nun noch auf einige E-Visa-Ankömmlinge warten. Mir bleibt noch ausreichend Zeit für einen Toiletten gang und um bei einem ATM 3000 N$ zu ziehen, denn mehr rückt der Automat nicht raus. Dann – weiter warten. Immerhin bequemer als in der Schlange stehen!
Endlich sind alle da und wir können zu ASCO fahren. Eine ganz neue Strecke! Zum ersten Mal fahre ich auf der Autobahn nach Windhoek. Keine schmale kurvenreiche Strecke mehr, nein, ein vierspuriger Highway! :woohoo:
Nach Ankunft beim Autovermieter gehe ich gleich ins Büro, um meinen Koffer wird sich schon jemand kümmern. So bin ich auch hier der erste und kann alle Restformalitäten schnell erledigen. Da ich Stammkunde bin, erkennen mich einige Angestellte wieder und ich werde freudig begrüßt. Auch das Auto, ein Toyota Hilux 4x4 ist top, ein nagelneues Fahrzeug mit 119 km auf dem Tacho! Ob das so toll ist, weiß ich nicht, denn so ein kleiner Kratzer oder Steinschlag ist da schnell passiert.
Um kurz nach 11 Uhr kann ich mit dem Auto den Hof verlassen und fahre mit Hilfe des Handy-Navis, das ich an den Bordcomputer anschließen kann, zum „Thüringer Hof“. Trotz Navi – ich kann das Hotelschild nicht sehen – fahre ich erst mal um den Block, bevor ich den Eingang finde. Dann an der Rezeption weiß man zunächst mal nichts von meiner Buchung. Das fängt ja gut an! Doch nach einiger Zeit der Suche in diversen Ablagen findet sich doch eine Notiz. „Das ist ja schon so früh im Januar gebucht worden!“, stellt man überrascht fest. Also gut! Mit einem Begleiter fahre ich in den abgesperrten Hofparkplatz und beziehe dann mein Zimmer im ersten Stock. Viel auspacken muss ich nicht, denn schon am nächsten Morgen soll es ja weiter gehen.
Vom Thüringer Hof, der zentrumsnah liegt, bis zum Wernhill Einkaufszentrum ist es nicht weit und ich kann für ein paar wenige Dinge, die ich morgen brauche – vor allem Getränke – auch zu Fuß gehen. Schon auf dem Weg dort hin ist alles, was ich an Windhoek so „liebe“, da! Eine bettelnde Horde kleiner Mädchen, herumlungernde Arbeitslose, auf der Independence Avenue ein endloser Strom von Autos in beiden Richtungen, hupende Taxis an den Kreuzungen, in der Fußgängerzone viele „best price“ – Angebote für billigen Touristenramsch, der inzwischen auch die Inflation mitgemacht hat, auch etliche aufgebrezelte junge Frauen, die alles, was sie besitzen auf dem Leib tragen, meist aber wohl in Katutura wohnen, Baulärm an verschiedenen Stellen – alles Eindrücke, die mich veranlassen nach dem Einkauf von Getränken, Brot, Käse und Boerewors schnellsten wieder in die Unterkunft zurückzukehren und im kleinen ruhigen Garten meinen ersten Rockshandy zur Abkühlung durch die Kehle fließen zu lassen. Nein, diesen Massentrubel brauche ich nicht und ich verlasse auch die Unterkunft nicht mehr.


Das war´s dann für Windhoek. Ich gönne mir später noch ein Windhoek Lager im Garten und bestelle mir ein „Chicken Curry“, das aber aus dicken Rindfleischbrocken besteht. Wie sich auch die Hühner hier verändert haben! :whistle:
So, ich hoffe, dass dann alles klappt und feue mich, wenn jemand mitreist und da der Bericht ja auch eine Gedächtnisauffrischung für mich ist, bin ich nicht böse, wenn er euch nicht interessiert.
Schönes Wochenende
Burschi
Anhang:
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Letzte Änderung: 18 Apr 2026 13:04 von Burschi.
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18 Apr 2026 13:13 #724042
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Hallo Burschi,

mich interessiert es auf jeden Fall und ich reise gerne mit.
Ich finde es sehr spannend, wie du den Bogen zwischen damals und heute spannst und freue mich auf mehr.

Liebe Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein.

Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung"
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Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide
Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
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18 Apr 2026 13:50 #724044
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Hallo Burschi,
Da reise ich doch sehr gerne mit!
Ich gehoere wohl auch zu den Sauriern - denn als ich das erste Mal in Namibia war stand an der Grenze nur eine Tafel:
"Grens - Border SWA / RSA - Welcome to SWA". :woohoo:

Tolles Foto von der Velvet Ant, die ja eigentlich eine Wespe ist! dewetswild.com/2019/...of%20this%20solitary

Freue mich auf deinen Reisebericht!

Liebe Gruesse
Maddy
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18 Apr 2026 13:55 #724045
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Guten Tag Burschi,

bin gerne dabei..........dein "Kapital" ist Deine langjährige Erfahrung in Südwest.........man kann immer

lernen.......... :laugh: :laugh: :laugh:

LG............................BMSW
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18 Apr 2026 15:11 #724047
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Hallo Burschi,
seltsam, im November gab es in der Premium Eco ein ganz anderes Essen, und ein richtiges Frühstück. Und natürlich kostenlosen Alkohol, außer Gin Tonic oder Schnäpse.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
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18 Apr 2026 16:11 #724049
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  • Burschi am 18 Apr 2026 12:48
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@ pollux
Die Premium economy unterschied sich in NICHTS von den normalen Economy-Plätzen, genauso eng und unbequem die Sitze und genau das gleiche Essen wie Economy! Einziger Unterschied: 55 € mehr für nichts bezahlt. :evil: :evil:
@maddy
Wäre nioch auf die Ameise / Wespe zu sprechen gekommen, aber vielen Dank für den interessanten Link. Hätte ich den vorher gelesen, wäre ich vielleicht nicht ganz so nah ran. Aber das Tier war im Regen nass geworden und daher vielleicht etws eingeschränkt.
@ Chamäleon (Karin)
Chamäleon kommt noch, freu dich schon mal drauf! :)
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