Tag 13
Auch für den heutigen Tag hatte ich innerlich den Tagesplan abgehakt. Ich wollte auch mal einen Tag für mich allein. Wo ich nicht immer als Letzter hinterherlaufen muss. Das Programm war auch nicht so prickelnd, als dass ich es unbedingt gebraucht hätte: Kirche, Friedhof, Schloss.
Während des Frühstücks meldete ich mich bei Jonas ab. Meinen liebsten Neu-Bekannten sagte ich ebenfalls Bescheid. Ich verzog mich noch mal kurz auf mein Zimmer, um mich anschließend allein auf den Weg zu machen. Leider war das Wetter mal wieder völlig daneben.
Ich sah noch den Bus, wie er abfuhr und winkte den Insassen hinterher.
Abends erzählte man mir, dass der Bus sich schon in Bewegung setzten wollte, als hinten gerufen wurde „Stopp! Einer fehlt noch! Dieter ist noch nicht da!“ Jonas klärte die Gruppe auf, dass ich mich für heute ausgeklinkt hätte und so fuhr man los.
Nachdem ich im Hotel die ein oder andere Aufnahme geschossen hatte, führte mich mein Weg so gegen 9.30 Uhr Richtung Ortskern. Ich wollte noch mal unter zum Hafen. Die Gegend hatte mir gestern bei der Ankunft mit der Fähre sehr gut gefallen.
Leider wurde das Wetter immer brutaler. Da kamen Wolkenformationen auf Visby zu, die kriegt man wahrscheinlich nicht mal mit Photoshop hin.
Irgendwann hatte diese Wolkenfront den Hafen endgültig erreicht und schüttete sich aus. Und wie. Es plästerte wie verrückt. Ich hatte gerade noch rechtzeitig einen Unterstand gefunden, wo ich trocken und windgeschützt stehen konnte. Hier stand ich aber auch wirklich eine geschlagene Stunde! Es gab kein Entkommen.
Gegen Mittag hatte der Regen nachgelassen und es meldete sich mein Magen. Wohin? Ich wollte zunächst nicht in den Ort zurück. Also machte ich mich Richtung Hotel auf den Weg.
Unterwegs kam ich an der örtlichen Bibliothek vorbei. Hier standen Speisekarten vor dem Eingang. Wo Speisekarten sind, gibt es auch etwas Essbares. Sonst ständen sie nicht da!
Innen war es ziemlich gut besucht. Ich war wohl nicht der Einzige, der Hunger hatte. Wegen der Bücher waren meiner Meinung nach nicht allzu viele gekommen.
Warmes Essen gab es nicht. Daher begnügte ich mich mit einem leckeren Salat. Und schob sofort noch ein Stück Kuchen mit einem Kaffee hinterher.
Anschließend wollte ich doch zurück ins Zentrum, um endlich ein Eis zu ergattern.
Es gibt im Ort eine Eisdiele. Jonas hatte uns gestern auf dem Weg vom Hafen zum Hotel einen vorgeschwärmt, dass dieses der Eistempel schlechthin sein soll. ‚Glassmagasinet, was übersetzt nichts anderes als ‚die Eisdiele‘ heißt, bietet, – und hier gehen die Zahlen sehr weit auseinander -, zwischen knapp unter 200 und fast 300 verschiedenen Eissorten an. Ob das alles stimmt? Um 14.30 Uhr öffnete die Eisdiele. Ich ging hinein und war von der Auswahl erschlagen. Eis in allen Farbvarianten und aus allem Erdenklichen hergestellt. Eis ohne Ende. Ich gönnte mir ein 3 Bällchen Eis. Es war wirklich sehr lecker.
Früh genug zum Abendessen kam ich im Hotel an. Danach konnte mich, gut gesättigt, niemand mehr überreden, auch nur einen einzigen Schritt zu tun. Bis zur abendlichen Gesprächsrunde habe ich es letztendlich doch geschafft.