Nachmittags fuhren wir nach Marstand. Vom Färjeläge ‚Fähranleger‘ wollten wir auf die vorgelagerte kleine Insel. Das heißt, wir wollten gar nicht. Wir mussten. Das stand schließlich so in unseren Buchungsunterlagen. Es bestand die Möglichkeit, hier die Carlsten Festung zu besichtigen.
Trotz meiner Lungenkrankheit war ich bisher relativ locker mit der Maske umgegangen (schließlich waren wir noch voll in der Corona-Zeit). Als ich diese Fähre betrat, hatte ich jedoch keine Hemmungen, mir dieses schicke Teil wieder ganz schnell über Mund und Nase zu ziehen. Irgendwie kam ich mir vor wie bei einer Viehzählung in einem eingezäunten Gatter zu Zeiten von Wyatt Earp, aus dem es kein Entkommen gab. Einheimische und Touristen ohne Ende. Wo war ich denn hier gelandet? Dicht gedrängt standen nicht nur gefühlt Hunderte Schulter an Schulter. Es war wirklich so!
Die Überfahrt dauerte höchstens drei oder vier Minuten. Ich war froh, als wir endlich von der Fähre konnten.
Sinngemäß stand im Reiseprospekt: ‚Die gemütlichen Gassen laden zu einem Bummel ein? ‚Hallo??‘ Da war nix mit gemütlichen Gassen.
Ich dachte, ich bin auf der Cranger-Kirmes gelandet. Hully Gully in allen Gassen. Ist denn wirklich ganz Schweden hier und heute und dieser Insel anwesend? Gibt es kein anderes Ausflugsziel? Hilfe!!
Mir war sofort klar, dass ich hier nicht lange bleiben werden. Die Festung konnte mich mal. Kaffeedurst trieb mich zunächst in ein nettes Café, das von der Promenade etwas zurückversetzt lag. Hier suchte ich mir einen ruhigen Platz in der Sonne und genoss, abseits des Trubels, in Ruhe ein Stück Kuchen bei einer Tasse Kaffee.
Ich weiß nicht mehr, wann ich mich in die Schlange auf die Fähre eingereiht habe. Es ging sehr diszipliniert zu. Meine Maske setzte ich auch schnellstens wieder auf. Nach wenigen Minuten waren wir wieder an Land und ich beobachtete aus einiger Entfernung diesen Trubel. Das brauch‘ ich im Urlaub kein zweites Mal.
Gegen 18 Uhr waren alle Mitreisenden wieder am Bus. Einige begeistert, andere teilten meine Meinung.
Es ging nun nach Stenungsund. Zu unserer ersten Unterkunft an Land während der Rundreise. Es handelte sich um einen Yachtclub. Das Hotel liegt, wie es sich für einen ordentlichen Yacht-Club gehört, direkt am Wasser. Ich bekam ein Zweibett-Zimmer. Es war top ausgestattet und relativ groß. Das Bad war sehr ansprechend und absolut sauber. Das Abendessen, welches es vom Buffet gab, war ebenfalls voll in Ordnung. Heute Abend kamen beim ‚dinnieren‘ auch die ersten intensiveren Gespräche zustande.
Mit vollem Bauch vertrat ich mir bei angenehmer Luft noch ein wenig die Beine vor dem Hotel, bevor ich voller Hoffnung an die Bar ging, um zu testen, ob die Bierpreise in Schweden günstiger sind als in Norwegen. Doch das war ein frommer Wunschtraum. Über die Alkoholpreise ist man sich in ganz Skandinavien wohl einig.
Bis dann!
Grüße
Dieter