THEMA: 100 Tage quer durch das Südliche Afrika
24 Mai 2022 08:52 #643996
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  • Luigi15 am 24 Mai 2022 08:52
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Reisetage 77 und 78 (17. und 18. Oktober 2021) – Sun City – Upington – Fishriver Canyon

Auch heute sitzen sehr viele Personen beim Frühstück, das Damen-Turnier, zu dem Mannschaften aus ganz Südafrika angereist sind, dürfte immer noch stattfinden – jedenfalls sind viele sehr große Mädels am Buffet, gekleidet in einheitlichen Trainingsanzügen, die sie eindeutig Sportsteams zuordnen lassen. Wir nehmen eine Kleinigkeit zu uns und sind vor allem entsetzt darüber, dass alles fein säuberlich in Plastik verpackt ist – jeder Apfel, jede Scheibe Käse, sogar die Weintrauben sind in kleinen Mengen abgepackt – auf Nachfrage erklärt man uns, dass das eine COVID-Vorschrift sei. Wir können uns nur annähernd ausmalen, was hier allein beim Frühstück an Müll anfällt – auch die Cafe- und Saftbecher sind Einwegprodukte…

Wir nehmen lieber weniger und verlassen verwundert das Hotel. Zunächst fahren wir zurück auf die R556, der wir nach Ledig folgen. Dort zweigen wir in südliche Richtung auf die R565 ab, die ebenso gut ausgebaut ist. Vorbei an Phokeng geht es schließlich auf die R52 Richtung Koster. Immer wieder fahren wir an Gold- und vor allem Platinminen vorbei und große Lastkraftwägen sind auf der Straße unterwegs. Die Gegend ist Reich an wertvollen Mineralien, der Bergbau dominiert das Landschaftsbild.

Wir haben uns ausgemacht, dass wir uns beim Fahren abwechseln, spätestens nach 2 Stunden gibt es jeweils einen Fahrerwechsel. So kommen wir zügig voran. Wir haben im Vorfeld viele Überlegungen angestellt, uns dann aber führ die Fahrt auf dieser Route entschieden, wohlwissend, dass wir zwei oder drei relativ lange Fahretappen haben werden – aber ein sicher geöffneter Grenzübergang ist uns einfach wichtiger…
Über Koster geht es weiter nach Lichtenburg, die Landschaft ändert sich dabei kaum, außer dass die Abraumhalden langsam verschwinden und die Savannenlandschaft dominiert. Über Lichtenburg und Biesiesvlei erreichen wir schließlich die N14, die uns direkt bis an unser Tagesziel bringen wird.

Die weiteren größeren Orte entlang der Strecke sind Delareyville, Vryburg und schließlich Kuruman, wo wir nicht nur das Auto wieder auftanken, sondern auch einen Cafe-Stopp einlegen. Natürlich gibt es auch hier wieder Bilder vom Kuruman-Eye, der gewaltigen Süßwasserquelle, aber die Bilder dazu habe ich auch bereits in Teil A der Reise gezeigt.
Um es kurz zu machen, um 17:00 Uhr erreichen wir nach einer rund 9stündigen Fahrt die Stadt Upington, wo wir direkt am Oranje Fluss im Waterfront Guesthouse einchecken. Wir fahren danach noch einmal kurz in die Kalahari-Mall, um einige Erfrischungen für die nächsten Tage zu besorgen, auch das Auto wird natürlich wieder aufgefüllt.







Hier am Oranje fühle ich mich jedes Mal sehr wohl, ich komme gerne hierher in diese Oase am Fluss, die von der trockenen Landschaft der Kalahari eingeschlossen wird. Vorallem westlich von Kuruman wird die Landschaft mit jedem Kilometer trockner, größere Bäume verschwinden allmählich und werden durch Büsche abgelöst, deren Bestand auch immer lichter wird.
Langsam aber sicher gewinnt die Wüste Oberhand und dann ist es einfach schön, die Weinreben und die anderen Bewässerungskulturen zu sehen, die genau anzeigen, dass der Oranje und damit das Wasser nicht mehr weit sind. Der größte Fluss Südafrikas führt nicht sehr viel Wasser, dennoch sieht man Boote fahren, Kinder schwimmen.







Langsam legt geht die Sonne dem Horizont entgegen und wir sitzen bei einem kühlen Bier auf der Terrasse und genießen.





Nur hin und wieder wird die Stille durch ein Boot oder kreischende Kinder durchbrochen. Das Abendessen nehmen wir im Guesthouse ein, wir haben das im Vorfeld so vereinbart, der Besitzer grillt für uns und wir genießen den famosen Braai, zu dem auch viele gute Salate gereicht werden. Einige Bergbauarbeiter, die in den Salzfeldern Richtung Kgalagadi NP arbeiten, gesellen sich zu uns und erzählen vom harten Leben fern der Familien.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns vom Waterfront Guesthouse, wir werden am Ende der Reise nochmals hierher zurückkehren – noch gestern Abend haben wir wieder einen Braai vorbestellt… Ich freue mich schon sehr, heute wieder nach Namibia zurückkehren zu können, die letzten Tage in diesem Land haben mir extrem gut gefallen.

Fazit Waterfront Guesthouse: Dieses familiär geführte Guesthouse steht neben weiteren Gästehäusern am Ufer des Oranje, unmittelbar am Stadtrand von Upington. Die Zimmer sind liebevoll eingerichtet, das Haus ist nicht luxuriös, aber sehr sauber und ich fühle mich hier immer sehr wohl. Die Betreiberfamilie und ihre „Helferlein“ sind sehr um den Gast bemüht, das Essen – sowohl Abendessen wie auch Frühstück – sind ausgezeichnet.

Über die N10 geht es bei uns auf direktem Weg zur Grenze in Nakop / Ariamsvlei. Die Grenze ist rasch erreicht, liegt nur rund eine Stunde von Upington entfernt. Die Abfertigung auf südafrikanischer Seite geht zügig vor sich, innerhalb weniger Minuten können wir passieren. An der Grenze halten sich absolut keine Menschen auf, lediglich ein LKW muss abgefertigt werden.
Die Strecke zwischen den Grenzposten ist hier relativ lang, wir denken uns schon, ob wir vielleicht irgendwo vergessen haben zu stoppen… Doch dann taucht Ariamsvlei und damit der namibische Teil der Grenze, vor uns auf. Wir gehen hinein und landen vor zwei sehr jungen Damen, die unsere Pässe nehmen. Meine beiden Freunde erhalten den Stempel und sind praktisch fertig – bei mir heißt es jedoch „one moment“… eine der beiden nimmt den Pass und bringt ihn aus dem Raum. Ich frage „problem?“ – die Antwort, „wenn es ein Problem gibt, dann werden wir es ihnen sagen…“ OK! Jetzt weiß ich, großes Problem… Was ist passiert?!

Das erfahre ich nach einer längeren Wartezeit, denn ich muss zum „Head-Officer“ in einen Nebenraum. Dieser schaut mich von oben bis unten an und erklärt mir, dass er mir die Einreise verweigert… Auf die Frage nach dem warum, sagt er, dass ich das Einreiseformular falsch ausgefüllt hätte und dass ein Visa-Vergehen vorliegen würde, ich mir die Einreise also unrechtmäßig erschleichen wolle… Zunächst denke ich daran, ob er vielleicht einfach nur Geld will – doch das kommt mir dann auch etwas eigenartig vor, denn so dreist würde das wohl kaum sein können…
Das Problem: Ich arbeite zwischenzeitlich immer wieder mal als Reiseleiter in Namibia und erhalte dann ein reguläres Arbeitsvisum – so sind auch mehrere dieser Visa im Pass eingestempelt. Da ich nun mit zwei Personen unterwegs bin, aber über kein Visum verfüge – der Officer aber der festen Annahme ist, dass ich als Guide arbeiten würde, wird es kompliziert… Ich beteuere, dass wir Freunde sind und nur „Urlaub“ machen wollen, also keine Arbeit vorliegen würde. Dieser Aussage wird aber kein Glauben geschenkt… Ich diskutiere wild, aber es nützt nichts. Dann muss ich den Raum verlassen und er bespricht sich mit meinen beiden Freunden, zunächst gemeinsam, dann werden sie einzeln vernommen. Da beide sehr gut Englisch sprechen, ist zumindest die Kommunikation kein Problem!
Kurzum, wir werden immer wieder einzeln in sein Zimmer gerufen, dazwischen wird auch schon mal telefoniert – mit wem entzieht sich meiner Kenntnis. Wir vergeuden hier mehr als zwei Stunden mit Wartezeit und Diskussion. Zum Schluss muss ich noch mal in den Raum und er fordert mich auf, die linke Hand auszustrecken. Auf meinem Handrücken platziert er einen Kugelschreiber – wohl eine Art namibischer Lügendetektor?! Meine Hand bleibt jedenfalls gänzlich ruhig, mit Zittern läuft bei mir nichts. Die Posse endet damit, dass er sagt, er dürfe mir die Einreise nicht verweigern, er glaube mir jedoch kein Wort, ich würde lügen – wir drei sollen hier rasch verschwinden. Er stempelt persönlich den Pass und das wars dann. Diese Einlage werde ich nie vergessen, die Nerven waren doch recht ordentlich angespannt. Auch meine beiden Freunde waren immer blasser geworden, unsere Reise, die gerade erst begonnen hatte, hätte hier jäh enden können…

Wir fahren nun zügig weiter nach Karasburg, denn in der Zwischenzeit ist es bereits Mittag. In Karasburg tanken wir das Auto wieder voll und trinken an der Tankstelle Cafe und Wasser. Dieses der Tankstelle angeschlossene „Restaurant“ ist ganz speziell, denn mitten im Raum steht eine alte Singer-Nähmaschine, auf der fleißig gearbeitet wird. Im Nachhinein ärgere ich mich, davon kein Foto geschossen zu haben.
Anschließend geht es weiter über Grünau Richtung Fischfluss-Canyon. Nach diesem Erlebnis am Vormittag haben wir wenig Lust zu fotografieren, wir wollen vielmehr bald unser Tagesziel, die Gondwana Canyon Lodge, erreichen.







Ein- oder zweimal halten wir kurz an, dann fahren wir jedoch zügig weiter. Vorbei an der Einfahrt zum Fischfluss-Canyon erreichen wir schließlich die Canyon Lodge, die wunderbar eingebettet in dieser grandiosen Umgebung liegt.







Die einzelnen Chalets stehen großartig eingebettet in der bizarren Landschaft aus Granitkugeln, sogar ein Swimmingpool ist hier angelegt. In einem parkähnlichen Garten stehen viele Sukkulenten.









Wir machen uns in unseren beiden Häuschen breit und spazieren durch die Anlage, jeder muss für sich die Erlebnisse des Vormittags verdauen.







Ich setze mich auf einen Stein und beobachte die Klippschliefer, die in großer Zahl zwischen den Granitblöcken herumhuschen. Sie klettern aber auch flink in den Bäumer herum.













Eine Felsagame ist so gut getarnt, dass sie sich kaum vom Untergrund abhebt.





In den Akazienbäumen tummeln sich auch einige Vögel, darunter einige Mahali-Weber (White-browed Sparrow-Weaver) und ein Weißrücken-Mausvogel (White-backed Mousebird) kontrolliert die Wasserversorgung.











Am späteren Nachmittag nehmen wir ein Bier aus dem Kühlschrank unseres Autos und marschieren auf eine der Hügelkuppen, um die Schönheit der Landschaft zu genießen. Inzwischen ist unser Puls wieder einigermaßen im Normalbereich und wir genießen es, hier sein zu dürfen.





Die Felskuppen sind wild zerklüftet, erst von oben lässt sich ein guter Überblick gewinnen.









Mit der untergehenden Sonne verfärbt sich die wunderbare namibische Wüstenlandschaft, wir sind wieder im Urlaubsmodus.





Das Abendessen genießen wir im Restaurant der Lodge, dazu trinken wir heute wieder eine gute Flasche Pinotage - Gesprächsthema bleibt aber weiter der Grenzübertritt...

Gefahrene Tageskilometer: 785 / 401
Letzte Änderung: 24 Mai 2022 09:29 von Luigi15.
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24 Mai 2022 19:25 #644029
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  • Daxiang am 24 Mai 2022 19:25
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Hi Peter,

das was ihr in Ariamsvlei erlebt habt, war ja im wahrsten Sinne des Wortes eine "Grenzerfahrung"! Zum Glück hast du dann doch noch den Stempel bekommen - aber so was braucht man wirklich nicht!

Liebe Grüße
Konni
Link zu Reiseberichten,Homepage & Reiseblog: www.namibia-forum.ch...ammlung-daxiang.html

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24 Mai 2022 22:21 #644036
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  • regsal am 24 Mai 2022 22:21
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Hallo Peter
jetzt habe ich auch wieder einmal Zeit, dir für den so spannenden Bericht und die wunderschönen Bilder von deiner aussergewöhnlichen Reise zu danken. Die Geschichte mit dem Grenzübergang ist ja eine ungeheuerliche Erfahrung. Da wären meine Nerven nicht stark genug gewesen... :( Zum Glück hat es schlussendlich doch geklappt. Die Canyon Lodge hat uns auch sehr gut gefallen und weckt in mir wieder Sehnsucht nach dem südlichen Afrika. Ich freue mich über die Fortsetzung. :)
Liebe Grüsse
Regina
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25 Mai 2022 12:32 #644043
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Hallo Konni, dein Wortspiel mit "Grenzerfahrung" trifft da sehr gut zu - das war sicher einer der spannendsten Momente dieser Reise :(
Jetzt können wir darüber lachen, aber das hat uns lange beschäftigt!
glG Peter
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25 Mai 2022 12:34 #644044
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Hallo Regina, vielen Dank für deine Rückmeldung zu Bericht und Bildern :) das freut mich!
Der Grenzübertritt hatte auch meine Nerven ziemlich strapaziert, ich habe schon daran gedacht, die beiden allein loszuschicken... absolut unnötiger Nervenkitzel!
Beste Grüße, Peter
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25 Mai 2022 14:59 #644047
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Reisetage 79 und 80 (19. und 20. Oktober 2021) – Fishriver Canyon – Bagadelle Lodge

Die Nacht war einigermaßen gut, der Schock des gestrigen Tages annähernd verdaut, wir sind ja jetzt gemeinsam in Namibia, also was solls. Ich denke nur bereits an die kommenden Grenzübertritte und hoffe, dass nicht wieder so ein Theater auf uns zukommt. Wir genießen das Frühstück, denn zum Fisch-Fluss-Canyon haben wir nur eine kurze Strecke vor uns und zu früh dort anzukommen macht auch nicht unbedingt Sinn.

Fazit Gondwana Canyon Lodge: Der Standard der Gondwana-Lodge ist an sich immer sehr zufriedenstellen, hier wird guter Service geboten. Wir werden auf unserer Reise weitere Quartiere dieses Unternehmens aufsuchen – auch bei den Besuchen bisher war ich immer sehr zufrieden. Die Canyon Lodge besticht durch ihre großartige Lage inmitten der wunderbaren Granitlandschaft, hier könnte man es durchaus eine weitere Nacht aushalten, aber leider fehlt uns dazu etwas die Zeit… wie man es fast überall länger aushalten könnte in diesem wunderbaren Land!



Wir fotografieren noch schnell den Eingangsbereich der Lodge und dann geht es auch schon wieder weiter.
Von der Canyon Lodge geht es also zunächst zum Canyon, das heißt zu den Lookout-Points am Canyon-Rand. Die Piste ist in einem guten Zustand, nur der letzte Teil ist wie immer sehr holprig und ausgefahren.







Der Blick in diese gewaltige Schluchtenlandschaft ist immer wieder atemberaubend, es ist schwer vorstellbar welch erodierende Kraft Wasser im Laufe von Jahrmillionen haben kann. Jede einzelne Schicht entlang des Canyons kann Geschichten erzählen, Geschichten über die Entstehung des Afrikanischen Kontinents. Geologie kann also durchaus spannend sein…
Wir spazieren ein wenig am Canyon Rand entlang, genießen die Aussicht und die wärmenden Sonnenstrahlen, denn der Morgen war ziemlich kalt.
Vom Canyon fahren wir dann weiter zum Canyon Roadhouse, wobei wir entlang der Strecke einige Male halten, um die Straßenschilder zu fotografieren. Einmal steht sogar ein „richtiger“ Strauß in der Landschaft…









Im Canyon Roadhouse halten wir ebenfalls kurz an, die Autosammlung davor ist jedenfalls sehenswert.







Auch bei einem der alten Ziegelöfen kommen wir am Weg Richtung Keetmanshoop vorbei. Der nächste Stopp ist dann bei Naute Damm, wo wir uns Gin mitnehmen, der neben zahlreichen anderen Schnäpsen verkauft wird. Die Brennerei hat sehr gute und interessante Produkte, leider darf ich nicht verkosten, denn ich bin schließlich der Fahrer für die kommenden Kilometer…
Kurz vor Keetmanshoop erreichen wir die B4 und wenig später dann die aus dem Süden kommende B1, der wir bis nach Mariental folgen.
In Mariental füllen wir unseren tank wieder an, dann biegen wir bei Hardap auf die C20 ab. Wir folgen dann noch der D1268 bis zum Gate der Bagadelle Kalahari Game Ranch, wo wir für zwei Nächte einchecken werden. Schon seit Mariental verdunkelt sich der Himmel merklich, langsam setzt Regen ein. Ich habe überall mit Regen gerechnet, jedoch nicht hier in der Kalahari!

Wir checken in der Lodge ein und inzwischen schüttet es wie aus Kübeln, sogar Hagelkörner sind darunter… die Gepardenfütterung, die für den Nachmittag vereinbart hatten, können wir uns aufzeichnen, daran ist nicht zu denken. Da wir im Farmhouse nächtigen, können wir auch nicht gleich zu den etwas entfernt gelegenen Häusern aufbrechen, da wir unmöglich durch den Tiefsand fahren könnten, denn da würden wir eine Schlammschlacht veranstalten. So sitzen wir den restlichen Nachmittag im Hauptgebäude der Lodge, wo durch alle möglichen und unmöglichen Stellen Wasser eindringt. Auf der einen Seite ist das verstörend, auf der anderen Seite ist es für mich aber extrem interessant, welche Naturgewalt hier im wahrsten Sinn des Wortes über uns herzieht!
Erst kurz vor dem Abendessen lässt der Regen etwas nach und wir werden zum Farmhouse gebracht, wo wir unsere beiden Zimmer beziehen. Die großartige, schön gelegene, neue Anlage ist im bleiernen Grau des Spätnachmittagshimmels aber leider nicht sonderlich fotogen. Zum Abendessen müssen wir in das Restaurant im Hauptgebäude zurück, weil wir die einzigen Gäste im Farmhouse sind. Die Fahrt gestaltet sich – da es zurück meist bergab geht – sehr unterhaltsam…

Wir haben inzwischen unsere Aktivitäten getauscht und werden die Gepardenfütterung – so es das Wetter zulässt – am nächsten Morgen machen. Das bedeutet aber auch, dass wir den restlichen Tag über Freizeit haben werden, den Bushman-Walk haben wir gecancelt.
Das Abendessen schmeckt ausgezeichnet, leider weht ein sehr kalter Wind und so frieren wir, denn Teile unserer Hosen sind immer noch etwas nass… Nach dem Abendessen überkommt mich ein Anflug von Selbstüberschätzung, denn wir entscheiden, mit dem eigenen Auto zu den Chalets zurückzufahren… Wer immer die Gegebenheiten vor Ort kennt, der weiß, dass es relativ tiefsandig ist. Das ist kein Problem, wenn die Bedingungen „normal“ sind. Bis zum Gate ist die Spur ausgefahren, da hat der heftige Regen zwar dazu geführt, dass es tiefe Pfützen gibt, aber mit Allrad ist die Piste befahrbar. Das Problem folgt jedoch auf der „anderen Seite“ des Gates, wo man eine Art Düne hochfahren muss, um zum neuen Farmhouse zu gelangen… Nach mehreren Versuchen – ich habe inzwischen alles umgeackert… - kommen wir am letzten Drücker den Hügel hoch. Das ist sicher die schlimmste Piste, die ich bisher gefahren bin und ich habe im Delta schon einige Furten gequert!
Erleichtert stellen wir das Auto ab und laufen im inzwischen wieder einsetzenden Regen zu den Zimmern. Die Leute, die hinter uns putzen müssen, tun uns leid, denn wir tragen Unmengen klebrigen, roten Lehm auf unseren Schuhsohlen mit. Obwohl wir aufpassen, können wir nicht verhindern, dass hinter uns ordentlich geputzt werden muss!

Auch während der Nacht hämmert der Regen auf das Dach, erst in den Morgenstunden wird es plötzlich ruhig. Als wir am Morgen die Köpfe ins Freie strecken, weht uns kräftiger Wind entgegen, dafür ist es jetzt trocken. Wir fahren zurück zum Haupthaus, stellenweise ist die Piste auch jetzt noch extrem tief. Auf der anderen Seite ist es unglaublich, wie rasch Sand auftrocknet, an der Oberfläche sind bald erste trockene Stellen zu sehen. Nach dem ausgezeichneten Frühstück hoffen wir natürlich alle, dass wir zu den Geparden können…
Hier auf der Bagadelle Ranch werden in mehreren riesigen Freianlagen Geparde gehalten, die man mit Rangern besuchen kann. Speziell die Fütterungen dieser Tiere sind sehr interessant, weil man unglaublich viel über die in freier Natur nur selten aus nächster Nähe anzutreffenden Katzen erfahren kann. Als Partner im Cheetah Conservation Fund wird auf eine artgerechte Haltung der Tiere geachtet.
Da im Moment kein weiterer Regen einsetzt, fahren wir nach dem Frühstück mit den Jeeps der Lodge in die drei Gehege. Dabei entstehen die folgenden Bilder:







Sobald die Tiere die Autos hören, kommen sie angerannt…







Geparde trifft man heute auf einigen Farmen in Namibia an. Die Geparde auf Bagadelle haben ein riesiges Areal zur Verfügung, müssen aber dennoch gefüttert werden.









Man kommt sehr nahe an die Tiere heran, darf in den Gehegen die Autos mit dem Guide auch verlassen.









In den drei durch hohe Zäune getrennten Arealen sind während unserer Anwesenheit sieben Geparde, ein Jungtier lebt noch zusätzlich auf der Farm bei den Guides.







Wir sehen die grazilen Katzen aber auch durch ihr Territorium streifen, wo sie – wie in der Wildnis – Bäume markieren. Eine der Katzen spitzt sich die Krallen und springt plötzlich auf den Baum – Gepard am Baum, ein Bild, das man nicht alle Tage sieht…















Wir schauen den Tieren lange Zeit zu und bewundern, wie schnell sie hintereinander herjagen, welche Lebensfreude sie versprühen.













Für einen kurzen Moment bricht sogar die Sonne durch, doch dann ziehen die nächsten Regenwolken auf – wir haben gerade zur rechten zeit einen „trockenen Slot“ erwischt.



















Auf Bagadelle gibt es eine Reihe anderer Wildtiere, rund um die Lodge sehen wir vorwiegend Springböcke und Eland-Antilopen.





Wir fahren dann die kurze Strecke zurück zum Hauptgebäude der Lodge, wo wir auf unser eigenes Gefährt umsteigen, das uns wieder zu den wunderschönen Chalets bringt, in denen wir in trauter Dreisamkeit den Rest des Tages verbringen. Zum Abendessen müssen wir wieder retour zum Restaurant im Hauptgebäude – heute lassen wir uns wieder abholen und zurückbringen – der Mensch ist lernfähig…

Gefahrene Tageskilometer: 494 / 8
Letzte Änderung: 25 Mai 2022 15:19 von Luigi15.
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