THEMA: Viele Highlights und ein Missgeschick
28 Nov 2021 15:34 #631064
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Tag 12: 19.10.21 - Vom Obias nach Camp Aussicht

Wir haben wunderbar geschlafen.

Wir folgen dem Obias, am Signal Hill worbei durch die Giribes Plains auf die D3707 .





Unser Plan war … in Sesfontein zu tanken.
Doch hier gibt es keinen Diesel :woohoo: .
Vielleicht in 2 Tagen wieder … aber genau wissen sie es nicht.

Unser Tagesziel heute ist Camp Aussicht, wo wir 2 Nächte bleiben wollen.
Da wir von dort in die Etosha wollen, allerdings dann nicht über Opuwo fahren wollen, ändern wir unseren Plan und fahren zuerst mal an Camp Aussicht vorbei nach Opuwo.

Hier herrscht das übliche Gewusel.
Da aber nur wenige Touristen unterwegs sind, werden wir natürlich noch mehr von den Straßenverkäuferinnen umdrängt wie sonst.
Ich kaufe ihnen mal wieder ein paar Armreifen ab (ich könnte damit auch schon einen Marktstand aufmachen ).



Dann noch in den Supermarkt. Nicht einfach zu entscheiden, wer von den Jungs unser Auto bewachen darf.
2 der „Bewacher“ möchten Geld, andere Fragen nach Essen.
Somit ist die Entscheidung einfach. Die beiden Jungs bekommen ein paar Dollar und für die anderen gibt es Toastbrot, Butter und Käse. Besonders über die Butter haben sie sich sehr gefreut.

Da gibt es einem mal wieder so richtig bewusst, wie gut es uns und unseren Kindern geht.

Anschließend kaufen wir 2 Marktfrauen, bei denen wir schon bei unserem letzten Besuch etwas gekauft haben, jeweils noch ein paar kleine Mitbringsel ab





und gehen dann ins Kaokoland Restaurant zum Mittagessen.


Gegen 16.00 Uhr erreichen wir dann Camp Aussicht.
Wir werden von Marius sehr nett empfangen.

Wo wir stehen möchten, können wir selbst auswählen.
Die oberste ist die einzige, die belegt ist. Wir suchen uns eine Campsite mit etwas Abstand.
Wenn schon alles frei ist, muss man ja nicht unnötiger Weise eng aufeinander hocken.

Die Stellplätze liegen nach unserem Empfinden alle schön.
Die Ausstattung ist einfach, doch sehr gepflegt.

Die Dusche besteht aus einer Eimerdusche.
Es ist schon erstaunlich mit wie wenig Wasser man duschen kann.

Abends gehen wir dann noch zum Haupthaus zur Stachelschweinfütterung.








Gefahrene km: 286
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Letzte Änderung: 28 Nov 2021 18:26 von take-off.
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29 Nov 2021 22:09 #631224
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Tag 13: 20.10.21 Besuch in 2 Himba Dörfern

Seit unserem 1. Kontakt mit dem Volk der Himba im Jahre 2015, bin ich noch immer tief beeindruckt von der Würde und dem Stolz dieser Menschen.
Ich hatte mich damals stark mit der Kultur der Ovahimba beschäftigt.

Doch nichts bleibt wie es war.
Leider.

Immer wenn wir uns im Kaokoveld aufhalten, suche ich den Kontakt zu den Menschen.
(Vielleicht trage ich dadurch auch zu dem Bild bei, das sich mir dieses Jahr bot :( ).

Da wir aus Zeitgründen dieses Jahr nicht in das wahre Kaokoveld vordringen konnten, wollte ich mit Marius eine Tour zu einem Himbadorf unternehmen.

Unsere frühere Begegnungen mit den Ovahimba waren spontan.
Sie ergaben sich einfach so.
Oder wir fuhren nochmals an einem Dorf vorbei, in dem wir schon einmal waren.
Brachten Bilder mit (auch nicht sehr kulturfördernd) und Geschenke wie Maismehl, Zucker, Öl.
Wir fragten, ob wir evtl. das Dorf betreten dürften und holten uns dort die Erlaubnis des Oberhauptes ein.
Wir verständigten uns in der Zeichensprache. Doch war da irgendwo eine menschliche Verbindung.

Dieses Mal war das anders.

Gefühlsmäßig war die Begegnung für mich dieses Jahr sehr zwiegespalten.

Wir fuhren also morgens mit Marius los.
Unterwegs erzählte er uns, dass wir 2 Dörfer besuchen würden.

Als wir im 1. Dorf ankommen, kann ich meine Gefühle gar nicht beschreiben.
Wir wissen, wie das Leben in einem Himba Dorf aussieht.
Doch hat sich uns bis jetzt noch kein Bild wie dieses gezeigt.





Kein Hauch von Würde und Stolz dieses Volkes zu sehen.
Stattdessen trugen fast alle schmutzige, verlumpte, westliche Kleidung.

Und wie stark die Moderne hier Einzug genommen hat sieht man hier.

Das Handy ist allgegenwärtig.





In früheren Zeiten musste man aufpassen, dass man nicht zwischen dem heiligen Feuer und der Hütte des Häuptlings lief,
heute muss man aufpassen, dass man nicht auf eine Solar-Ladekabel tritt.

Die Zeiten haben sich geändert.
Die Frage, die sich uns stellt, was WIRD aus diesen Kindern?

Welche Perspektive haben sie, wenn selbst die eigene Kultur zusammenbricht.








In dem 2. Dorf, das wir besuchen, spüren wir noch einen Hauch dieser Kultur.







Doch hat bei den meisten Frauen auch hier das Handy seinen festen Platz.





Und da der Besuch ja „touristisch“ ist, eilen auch die Frauen aus umliegenden Dörfern herbei und es wird ein Himba-Markt aufgebaut.
Soweit alles ok.
Wir kaufen auch hier einige Gegenstände, verhandeln den Preis und werden uns einig.

Dann fragen sie und durch Marius, ob sie für uns tanzen dürfen und wir ihnen dafür 200 N$ geben.
Wir stimmen zu.

Und hier kommt ganz langsam aber stetig die Freude auf.
Die Frauen tanzen eigentlich für sich selbst und registrieren uns nicht mehr wirklich.
Wir spüren die Freude … die sie beim Tanzen empfinden.





Es war sehr schön, dieses mitzuerleben.

Doch auch hier trifft Tradition auf Moderne.
Muschel vs. Handy






Wenn Marius schon mal da ist, fährt er die Frauen auf dem Pickup auch zur Wasserstelle.
Wenn er nicht kommt, laufen die Frauen, beladen mit 20 l Wasser auf dem Kopf zu Fuß vom Dorf dorthin und wieder zurück.

Hier einige Impressionen von der Wasserstelle.



















Marius hat uns auf der Fahrt erzählt, dass die Regierung blecherne Toilettenhäuschen in jedem Dorf aufgestellt hat.
Genutzt wird es allerdings als Vorratsraum und passt so gar nicht in diese Landschaft.

Es ist schwierig und ich maße mir keine Beurteilung an.

Die Ovahimba müssen ihren Weg in die Moderne finden. Ob das ohne Kulturverlust gehen wird, wird sich zeigen.

Nach diesem Tag ist mir das Herz irgendwie schwer.
Ich weiß nicht was ich denken soll.
Ich denke an die Zukunft der Kinder und an die verlorene Identität durch Verlust der Kultur.


Nachmittags sitzen wir auf unserer Campsite und lassen alles wieder Revue passieren.
Es gab hoffnungsvolle Situationen und welche die uns sehr nachdenklich stimmen.

Wir beenden den Tag wieder mit den Stachelschweinen.





Doch die Gedanken bleiben.

Nachdenkliche Grüße Dagmar
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Letzte Änderung: 29 Nov 2021 23:13 von take-off.
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30 Nov 2021 10:23 #631245
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Hallo Dagmar
2014 hat uns Marius erzählt, dass die EU die WC-Häuschen bezahlt hat. Schon damals dienten sie als Vorratskammern und die Frauen trugen die Schlüssel statt den traditionellen Schmuck um den Hals. Letzteren verkauften sie für ca. € 100.
Liebe Grüsse
Grosi
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30 Nov 2021 20:30 #631299
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  • regsal am 30 Nov 2021 20:30
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Hallo Dagmar
Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen, es stimmt nachdenklich, wenn die Kultur der Himbas so verloren geht, werden die Kinder irgendwie ihre Wurzeln auch verlieren - dies ist auch bei den San geschehen.
Danke für die vielsagenden Bilder.
Gruss Regina
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30 Nov 2021 20:55 #631302
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  • lilytrotter am 30 Nov 2021 20:55
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Vielen herzlichen Dank für diesen Reisebericht!
Es ist sehr schön, euch auf euren Wegen zu belgleiten.
Bei uns schmiert ihr damit quasi die „trockengelaufenen Lager“ und bringt unsere Sehnsucht nach der Namib in geschmeidiger Weise wieder in Bewegung… :cheer:

Ja, es hat sich viel verändert, in den letzten 12 Jahren: 2008 saßen ganze 3 taditionell geschmückte Himbafrauen unterhalb der Christuskirche und boten ihre Waren feil…
2009 waren wir dann das erste Mal im Kaokoveld und es ergaben sich dort auch hin und wieder sehr nette Kontakte zu Ovahimbas, die nicht zu den „Besuchsdörfern“ der Guides und Lodges jeglicher Kategorie gehörten.
Derzeit trug maximal ein Drittel der jüngeren Himba die „importierten“ Plastik-Zöpfe mit kleinen Quasten an den Enden. Die älteren Frauen trugen überwiegend noch die feinen dünnen Zöpfe, die sie nicht selten mit (Gras-)Fasern verlängerten, das Ganze mittels rotem Fett-Ocker-Gemisch geschmeidig gehalten. Je älter die Himba, desto schütterer die Haartracht. Die Leder-Krone der verheirateten Frauen meist sehr akkurat. Auf den letzten Fahrten haben wir keine mehr gesehen, dafür aber einige Junge, die sich eine luschige „fertige Perücke“ für die ankommenden Touristen auf den Kopf banden… :dry: - aber die meisten Touristen merken es eh nicht, ebenso wie sie nicht merken, dass der Himbaschmuck mittlerweile aus Plastik und nicht aus Horn gefertigt ist.
Mittlerweile haben fast alle „traditionellen“ Himba-Frauen, die sich als Fotomotiv anbieten, diese schrecklichen Plastik-Haare als Fett-Ocker-verkleisterte dicke Zöpfe mit monströsen Quasten. Die Faszination entfleucht ebenso, wie die Echtheit der Ausstattung. Wir holen meist nicht einmal mehr den Fotoapparat hervor, es sei denn, es ergibt sich eine besondere Situation bei längerem Aufenthalt und gutem Kontakt, der sich durch ein besonderes Miteinander ergibt. Und das ist und war sowieso selten, - wenn aber, dann war es immer eine echte Bereicherung.
In JEDEM Shop in der Kuneneregion stehen die großen Kartons mit den langen Strängen schwarzer Plastik-„Haare“. Made in China. Ebenso wie die Plastik-Armreifen mit „Himba-Style-Design“, die man überall kaufen kann und die die Himba nun selber tragen, anstatt ihres guten selbst gefertigten Schmucks von zum Teil hoher handwerklicher Qualität. Der liegt nun im Museum…
Jahrzehnte exzessiver Vermarktung der „roten Himba-Frauen“ durch den Tourismus fordert ihren Tribut in der Ovahimba-Kultur. Dazu braucht es keine „Moderne Zeit“, die bei den Himba Einzug hält. Das schafft der Tourismus fast ganz ganz allein. Und fehlende Perspektiven, mangels Bildung.

Bitte versteht es nicht falsch und fühlt euch bitte nicht angegriffen. Wir kennen euch und wissen, dass ihr zurückhaltend und einfühlsam seid.
Wir können eure Verstörung sehr gut verstehen.
Macht es lieber weiter so, wie ihr es bisher gemacht habt!
LG
Letzte Änderung: 30 Nov 2021 21:03 von lilytrotter.
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01 Dez 2021 00:26 #631310
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  • yanjep am 01 Dez 2021 00:26
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Ich persönlich meide ja gerne diese Art von tourstischer Unterhaltung.
In Swakopmund auf dem Markt ist mir eine Himbafrau in typischer obenohne Kleidung aufgefallen, die da anscheinend mit ihren Armbändern etc. auf einer Decke gesessen hat. Ich habe mal in gehörigem Abstand geschaut und abgewartet, was so passiert. Die üblichen Touristen haben Fotos gemacht und wie "aus dem Nichts" sind männliche Begleiter aufgetaucht und haben die "Fotografen" massiv bedrängt, für die Fotos zu zahlen. Für mich war die Frau nichts anderes als ein Lockvogel für einen netten Beutezug.
Oder die Frauen in Herero-Kleidung, die an Ständen am Straßenrand auf Kunden und Fotografen warten und sofort aufspringen und sich in ihren voluminösen Röcken drehen, damit man anhält und für Geld ein paar Fotos macht. Sorry, aber das ist für mich Prostitution und Ausverkauf der eigenen Kultur und der eigenen Kinder. Von Stolz auf die eigene Kultur keine Spur.
Wer das haben und fördern muß für ein paar nackte Brüste und eine verrotzte Kindernase bitte, aber mein Ding ist das nicht.

Yanjep
Letzte Änderung: 01 Dez 2021 00:31 von yanjep.
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