THEMA: Namaqualand und Kalahari im August 2021
17 Aug 2021 15:44 #623373
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Hallo,

zum Namaqualand hatte ich vor vielen Jahren mal Reisetips aufgeschrieben, die noch aktuell sein sollten, in unserem damiligen Newsletter (PDF link):
stripedmouse.com/doc...ts/SGM_Spiegel_3.pdf
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17 Aug 2021 19:12 #623391
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Dienstag 17. August zurück nach Mata-Mata
Morgens um 6:30 schon am Gate, aber wieder nur Zweiter. Na ja, 7:00 Uhr dann lost, auf direktem Weg nach Mata-Mata. Eine Erdmännchengruppe sonnte sich direkt am Straßenrand. Ein Paar Sekretäre lief aufgeregt mit den Flügeln schlagend vor mir auf der Straße, unentschlossen, ob sie abheben sollen oder nicht. Ein Kampfadler saß herrlich im Baum. So war es eine angenehme Fahrt von weniger als 4 Stunden. Vor 11:00 traf ich im Camp ein, froh, nach den beiden Tagen mit so langen Fahrten endlich mal einen ganzen Mittag und Nachmittag zum Schreiben und Lesen zu haben!
Wobei es vielleicht ein Fehler ist, Internetzugang und Computer im Urlaub dabei zu haben: In Goegap sind die Toiletten verstopft, was nicht einfach zu reparieren ist. Da alle drei betroffen sind, muß die Verstopfung viel weiter unten im Hauptrohr liegen, schwer zu erreichen. Für meine Doktorandin in Straßburg muß ich die Registrierung bestätigen. Und das Journal of Mammalogy will unser Paper über die Sozialsysteme der Elefantenspitzmäuse nur akzeptieren, wenn wir vergleichende Studie rausnehmen, die für uns aber sehr wichtig ist. Na ja, genaugenommen alles Kleinigkeiten!
So also den lange Nachmittag in Ruhe im Camp verbracht. Um 16:15 dann nochmals losgefahren, für eine ruhige Tour. Nichts Spektakuläres gesehen. Aber viele Fotos von Sekretären gemacht, erst ein Pärchen neben der Straße, dann auf dem Heimweg vermutlich dasselbe Pärchen auf ihrem Horst in der Abendsonne. Die Abendsonne machte auch den Schakal am Wasserloch besonders fotogen, und da ist sicher was Gutes dabei.
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20 Aug 2021 11:39 #623636
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Mittwoch 18. August: Nach Nossob
Nachdem ich zwei Tage wenig aufregendes gesehen hatte, erwartete ich heute irgendwie mehr. Ich war als erstes aus dem Tor von Mata-Mata draußen, aber auf der Route zeigte sich nichts. Auch die drei Loops waren ohne Höhepunkt. Also die 55km über die Dune Road, wo ich schon herrliche Sichtungen von Löwen und Leoparden gehabt hatte. Aber nicht heute! Dann links runter zum Wasserloch Kameelsleep, wo die letzten beiden Jahre immer braune Hyänen waren. Aber heute nur Gemsböcke!
Also umdrehen, spätes Frühstück am Picknickplatz, weiter die 60km nach Nossob. Schließlich kurz vor Nossob beim Loop Marie se dreei: Drei Löwen im Gras, weit entfernt, aber sehr gut zu erkennen. Gut genug, dass es als ein Höhepunkt aufgenommen werden kann, aber nicht gut genug, um die Kamera zu zücken.
Dann kurz danach ein wirklicher Höhepubkt: Ein juveniler Gleitaar (black shouldered kite) sitz auf einem Baum neben der Straße und verspeist eine Striemengrasmaus. Er sitzt herrlich im Licht, so dass mir hervorragende Aufnahmen gelingen. So etwas habe ich noch nie gesehen, bzw. nur auf den Fotos anderer, die ich für meine Vorträge benutze. Nun habe ich selber welche, und zwar zahlreiche.
Um 11:30 im Camp. Nur noch ein Platz mit Schatten frei, aber dafür der große Platz in der Mitte unter der riesigen Akazie. Eigentlich bin ich immer lieber etwas am Rande für mich alleine, als so einsehbar für alle in der Mitte. Hat aber auch Vorteile: Um 13:00 kommt ein Nachbar und sagt mir, nur 1km vom Camp entfernt wäre eine Leopard neben der Straße im Gras gesehen worden.
Nun hab ich es nicht so mit im Gras versteckten Leoparden und zehn Autos darum, packe aber trotzdem ein und nehme das Buch mit. Kann ja da lesen oder bin in 5 Minuten wieder im Camp, falls es schrecklich sein sollte.
Es ist echt nur 1km und es stehen nur zwei Autos da. Vergeblich versuche ich den Leoparden im Gras zu finden, als man mach darauf aufmerksam macht, dass er nicht versteckt im Gras hockt, sondern auf dem breiten Ast einer Akzie liegt. Da sieht man ihn herrlich, ein großes Tier. Von nichts verdeckt, aber der Kopf leider im Schatten und uns abgewendet. Nach 10 Minuten steht er aber auf, schaut zu uns, reckt sich, und klettert langsam die Akazie herunter. Mein an einem Fensterstativ befestigter Camcorder filmt alles, während ich mit der Coolpix Bilder mache. Diese 30 minütige Exkursion aus dem Camp raus hat sich wirklich vollkommen rentiert!
Im Camp gehe ich meine Bilder und Videos durch und lese. Um 16.00 Uhr dann los gen Norden, in der Hoffnung, bei Cubitje Quap Gaukler (Bataleurs) filmen zu können. Und einer ist tatsächlich da und lässt sich in aller Ruhe filmen und fotografieren, wie er Wasser trinkt.
Weiter bis Bedinkt und zurück. Es gibt wieder viele Löffelhunde zu sehen und zu fotografieren. Pause am Wasserloch Kwa, ich hole mein Buch zum lesen raus. Es stehen noch zwei Autos da und man macht mich darauf aufmerksam, dass in der Ebene hinter einem Baum zwei Löwen schlafen. Die mach erst mal nicht, stehen aber nach 10 Minuten auf und paaren sich, gut filmbar in der offenen Ebene. Löwen kopulieren ja 50-100 mal am Tag, und so warte ich. 20 Minuten später paaren sie sich wieder, diesmal habe ich die Coolpix zum Fotografieren zur Hand. Dann zurück ins Camp. Der Tag hatte langweilig gestartet, dann aber doch ganz und gar meine Erwartungen erfüllt, dass mal wieder etwas Besonderes zu sehen sein sollte.
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20 Aug 2021 14:02 #623647
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Donnerstag 19. August: Nach Bitterpan
Morgens als erster raus aus dem Gate Richtung Süden. Der Leopard war nicht auf seinen Baum und der sonst so belohnende Loop Marie se draai hat heute Morgen auch nichts zu bieten. Als weiter, immer weiter, aber nichts. Langsam frage ich mich, ob es wirklich Sinn macht, immer so früh loszufahren.
Dann um 8:00 rein zum Wasserloch Celeka. Dort ist aller voller Löwen! Zwei große Weibchen mit zwi unterschiedlich großen Würfen: 4 ganz kleine und 4 schon etwas größere Löwenjunge. Die spielen miteinander, mit der Mutter, saufen, oder posen einfach für die Fotos. Herrliche Momente.
Weiter bis Kameelsleep. Aber auch heute will sich mein Lieblingstier der Kalaari, die Braune Hyäne nicht zeigen. Auf dem Rückweg nach Nossob rennt dann noch die Löwenbande bei Celeka über die Straße.
Um 10:45 breche ich dann von Nossob auf der 4x4 Route zum Wildernesscamp Bitterpan auf. Für die 45km brauche ich 1,5 Stunden. Die Piste geht schön durch die Sanddünen und ist nicht schwierig zu fahren.
Bitterpan ist sehr schön, eine einfache Holzlodge mit 4 Units an einer Salzpfanne. Vom Zimmer aus gibt es eine Verndah mit Sicht auf die Pan, darunter ein privater Braaiplatz. Leider knallt die Sonne voll auf die Veranda, so dass man dort nicht sitzen und arbeiten kann. Jede Unit hat ein eigenes Badezimmer, dass aber nicht direkt ans Schlafzimmer anschließt. Man muss dafür aus dem Zimmer auf den Gang raus. Es gibt eine Küche für alle. Bitterpan ist also weniger privat und dafür mehr sozial als Gharagab. Man kommt hier automatisch mit anderen ins Gespräch, hat weniger seine Ruhe.
Na ja, der Nachmittag war dann ganz lustig. Habe mich mit meinen beiden Nachbarn unterhalten, beide Ende 50, englisch sprechende reiche Südafrikaner aus Kapstadt, die schon mehrmals da waren und einen der teuren neuen Land Rover Defender fahren. Die beiden hatten gesunde Ansichten bezüglich der Wildnis und der Politik Südafrikas: Ramaphosa räumt langsam aber kontinuierlich auf und kann keine großen Würde machen, so lange so viele im ANC korrupt sind und Macht haben. Man muss diese Leute langsam entfernen um im ANC eine Mehrheit der echten Demokraten zu bekommen.
Ansonsten machten natürliche viele Geschichten aus der Wildnis die Runde. Ich erzählte, wie mir einmal in der Central Kalahari ein Löwe von außen den Kopf abgeschleckt hatte, vom Schweiß angelockt (die Zeltplane war noch dazwischen), und wie ich die Löwen dann dank lauter und unmißverständlicher schwäbischer Schimpftiraden verjagt hatte. Sie erzählten, wie sie mal im Krüger auf einer Wandersafari in mitten einer Büffelerde Kaffee gekocht haben. Und noch so manch andere Geschichten.
Später kamen noch zwei junge befreundete Ehepaare aus München, ein deutsches und ein südafrikanisches. Während wird Wildläufer gegen 21:00 ins Bett gingen, feierten diese fast bist Mitternacht. Als ich am nächsten Morgen um 6:00 aufstand, standen überall leere Bier-, Wein- und andere Flaschen herum. Die Küche war ein Schlachtfeld mit dreckigem Geschirr, Essensresten etc. Zum Glück mache ich mein Frühstück immer an einem Picknickplatz, denn hier war es nun zu ekelhaft.
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21 Aug 2021 16:20 #623705
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Freitag 20. August: Zurück nach Nossob
Die Fahrt von Bitterpan durch die Dünen war schön aber unspektakulär. Immerhin eine Herde Giraffen war schön auf der Piste zum Fotografieren. Bei den Loops im Aub Riverbed gab es nichts Besonderes zu sehen, noch auf der Dune Road. Lediglich beim Picknickplatz gab es ein Highlight: Eine Elefantenspitzmaus, ziemlich sicher Elephantulus intufi.
11:30 in Nossob. Erste Enttäuschung: Anscheinend wird in Südafrika an Freitagen und Samstagen kein Alkohol mehr verkauft, und mein Boiervorrat ist am Ende. Hätten nicht so viele Dosen während des Transorts ein Loch bekommen….. Dann das private Camp, auf dem ich heute bin, da auf dem normalen Campingplatz nichts frei war. Erstens ist der Platz bei weitem nicht so schön, wie der Campinglatz. Zweitens ist es nicht so private, weil man viele andere Camps sieht. Die sind zwar etwas weiter weg, aber man schaut dort automatisch hin, so dass man sich hier mehr beobachtet fühlt, als auf dem Campingplatz. Und Schatten gibt’s fürs Auto auch fast keinen.
Dafür gibt’s Schatten für einen selber bei der kleinen „Küche“, bestehend auf gefliester Theke und Waschbecken. Und man hat für sich alleine ein großzügiges Badezimmer mit Dusche und WC. In Zukunft werde ich aber den normalen Campinglatz bevorzugen.
Die Nachmittagsfahr führte mich wieder in den Norden. Wieder viele Löffelhunde zu sehen. Hauptattraktion war ein Schlangenadler, von dem ich hoffentlich gute Fotos bekommen habe und der mir auf dieser Tour noch gefehlt hatte. Ansonsten war nichts Aufregendes zu sehen.
Acht Tage im Park, und noch immer keine braune Hyäne gesehen, mein Lieblingstier heute. Morgen früh ist dann die letzte Gelegenheit dazu, wenn ich von Nossob aus nach Twee Rivieren und dann zurück nach Springbok fahre. Aber alles in allem war die Tour ein Erfolg, wenn ich nur an den Karakal zurück denke.

Kann man als Tourist den Park in Corona Zeiten bedenkenlos besuchen?
Ein Restrisiko bleibt immer aber, wenn man geimpft ist, sich auskennt, und sich am Rande hält, dann ist das Risiko im Park doch sehr gering. Man muss halt andere Leute meiden, denn hier wird sehr viel gehustet, und Südafrikaner gehen selbst dann in den Urlaub, wenn sie positiv getestet wurden, so lange sie sich gut fühlen. Lediglich mit den beiden bei Bitterpan habe ich mehr interagiert, aber die waren beide geimpft. Und die Angestellten im Park haben immer ihre Maske auf und halten Abstand. Ich bin aber froh, dass meine noch nicht Geimpften Kinder nicht dabei gehabt zu haben (mein Sohn bekommt in 2 Wochen die zweite Injektion, meine Tochter erst in 4 Wochen die erste, nach ihrem 12. Geburtstag). Nächstes Jahr werden wir dann hoffentlich wieder alle zusammen in die Kalahari gehen. Bis dahin sind auch viele in Südafrika geimpft (meine Studentinnen haben heute einen Termin für nächste Woche bekommen: Hurra!), sehr viele natürlich infiziert.
Und da macht mir Südafrika wirklich Sorgen: 50% geimpft, 50% nicht geimpft sondern natürlich infiziert: Das ist der ideale Nährboden für immun-escape Varianten, bei denen der Impfstoff nicht mehr gut hilft. Es besteht also die Gefahr, dass hier in Südafrika die Virusvariante gezüchtet wird, die die Pandemie weltweit am Leben erhalten wird. Noch bin ich nicht beruhigt, dass es nächstes Jahr ein Ende haben wird.
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21 Aug 2021 19:45 #623739
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  • freshy am 21 Aug 2021 19:45
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Hallo Carsten,
deinen informativen, sachlichen Bericht lese ich sehr gerne. Du könntest ihn nur noch toppen, wenn du uns Fomis hin und wider ein paar passende Fotos zukommen lassen würdest :whistle: .
Nicht nur du sorgst dich um den Umgang der SüdafrikanerInnen mit Covid19.

Soeben habe ich bei n-tv eine entsprechende Info von Karl Lauterbach gelesen:
Coronavirus-Liveticker +++ 18:58 Lauterbach: "Künftige Mutationen hängen von Impfquote ab" +++
Dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zufolge ist weltweit eine hohe Impfquote nötig, um in Zukunft Mutationen des Coronavirus möglichst verhindern zu können. "Die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen Mutationen hängt sehr stark von der Impfquote in Ländern ab", schreibt er auf Twitter. "Somit werden wir erst dann frei von neuen Varianten sein, wenn weltweit eine hohe Impfquote erreicht wurde." Lauterbach bezieht sich dabei auf eine Studie aus den USA, wonach die Durchimpfungsrate mit der Mutationshäufigkeit der Delta-Variante korreliert. Dies deute stark darauf hin, "dass eine vollständige Impfung gegen Covid-19 entscheidend ist, um aufkommende Mutationen zu verhindern", heißt es in der Studie.


Und bei uns im Lande laufen ja auch genügend Ignoranten herum, die ebenfalls zu dem fatalen Ergebnis beitragen. :angry:

LG freshy
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