THEMA: Die Eulenmuckels sind endlich wieder in Namibia
30 Sep 2021 20:07 #627164
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  • Champagner am 30 Sep 2021 20:07
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So, jetzt aber her mit den Karakalen und Leoparden! :woohoo:

Die wunderschönen Löwen bei Morgenlicht im güldenen Gras habe ich nun lange genug angeschmachtet :laugh:

Offensichtlich bin ich heute im romantic mood, denn irgendwie gefallen mir die Elefanten im Sonnenuntergang (Okaukuejo) fast am besten.

Am meisten freue ich mich aber drauf, wenn Uwe das Kunststück mit dem doppelten Salto und dem Schuh beim nächsten Live-Treffen vorführt! :silly: :P !

Und jetzt ganz ernsthaft ein dickes Danke für den schönen Bericht :kiss: !

Liebe Grüße von Bele
Letzte Änderung: 30 Sep 2021 20:08 von Champagner.
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30 Sep 2021 22:29 #627173
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@Markus: Vielen Dank für das Gedicht. Wenn man sich nun überlegt, dass jedes einzelne Nest am Baum wenigstens dreimal gewebt werden musste, bis es der "holden Liebsten" genehm war, hat man den größten Respekt vor diesen fleißigen Vögeln. Vielleicht denken Männer und Frauen aber auch unterschiedlich darüber. ;)

@Beate: Also wenn du nicht schnell genug hinterher kommst, liegt das wohl nicht an unserem Schreibtempo hier. ;) Wenn die eigenen Fotos mit der Zeit immer ein bisschen besser werden, kann man doch zufrieden sein.

@Konni: Gern geschehen.

@Nora: Wenn die kleinen braunen Oryx-Kinder hinter ihren Eltern herlaufen, könnte man von Weitem denken, sie würden von Löwen gejagt. Wenn ihr eine braune Hyäne sehen wollt, können wir euch einen Besuch im KTP empfehlen.

@Bele: Vielen Dank. Können wir uns darauf einigen, dass ich nur das Kunststück mit dem Schuh zeige? ;)

Vielen Dank für eure Begleitung
Uwe
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30 Sep 2021 22:34 #627174
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Tag 14 – Freitag, 16. Juli – Vom richtigen Zeitpunkt

Namutoni

Um es vorwegzunehmen: Wir haben heute weder ein Karakalbaby, noch seine Mutter erblickt, und auf den Leoparden im Etosha warten wir noch immer. Kann ja auch nix werden, der wird ja von allen anderen Leuten hier im Forum schon immer weggeguckt – falls es ihn überhaupt gibt!
Heute Morgen mussten wir mal nicht das komplette Lager abbrechen. Die Leine durfte hängen bleiben, denn wir wollten ja noch eine zweite Nacht bleiben.



Kurz nach Toröffnung starteten wir in den Park. Chudop enttäuschte mit gähnender Leere, Koinachas ebenso, Klein und Groß Okevi waren auch verwaist. Dort gab es nicht nur nichts, sondern gar nichts zu sehen. Was war denn nur los? Wir hatten heute keine Geduld, stundenlang auf ein leeres Wasserloch zu starren. (Auch diese Taktik hatten wir schon mehrfach ausprobiert. So richtig gelohnt hat sie sich bisher aber noch nicht. Daher setzen wir mehr auf den Zufall, zur richtigen Zeit am rechten Ort zu sein, oder uns die Spuren – falls sie denn vorhanden sind – genauer anzuschauen.) Heute war mehr als ein flüchtiger Blick mit dem Fernglas in die angrenzenden Büsche nicht drin, dann ging es weiter. Wahrscheinlich krochen alle Tiere hämisch grinsend aus der Deckung, sobald wir wieder davon fuhren. Von wegen richtiger Zeitpunkt und so …
Anschließend fuhren wir nach Klein Namutoni. Schon auf der Zufahrt sahen wir in einem Baum einen Trupp Weißrücken-Geier sitzen. Nun ja, es waren fast alles Weißrückengeier.





Ein paar junge Gaukler hatten sich im Tarnmatel darunter gemischt.



Bloß nicht zu früh freuen. Nachdem uns Fotomatte vor Jahren sämtliche Hoffnungen mit einem knappen „Das muss jetzt gar nix heißen, das ist vielleicht nur ihr Schlafbaum“ genommen hatte, sind wir vorsichtiger geworden. Trotzdem freuten wir uns über einen zweiten und einen dritten Schlafbaum und beschlossen, dass das jetzt doch etwas heißen sollte. Und siehe da: Ein wenig abseits der Straße lag der bereits aufgerissene Körper einer Giraffe.



Ein wahrer Leckerbissen für die Geierschar, die sich allerdings noch gedulden musste, denn der Festschmaus wurde gut bewacht. So gerade eben konnten wir noch ein Stückchen Mähne eines Löwenkaters erkennen, der direkt daneben lag. Früher oder später würde er wahrscheinlich Durst bekommen und zum Wasserloch laufen oder noch ein wenig an der Giraffe nagen. In unserem Fall wahrscheinlich später. Soviel mal wieder zum richtigen Zeitpunkt. Als sich nach 10 Minuten immer noch nichts getan hatte – noch nicht einmal eine Schwanzspitze hatte gezuckt, und wenn doch, dann hatten wir sie zumindest nicht gesehen – fuhren wir weiter zum Wasserloch. Dort schimpften und krakeelten ein paar Perlhühner, die sich von uns genötigt fühlten, ihren Lauf zu beschleunigen. Aufgeregt liefen sie im Zickzack vor uns her, bis sie endlich neben die Straße auswichen.



Wir ließen sie in Ruhe und machten uns auf den Weg nach Twee Palms. Aus bekanntem Grund dauerte der Weg wieder deutlich länger als andere Strecken im Park. Wir sahen mehrere Schakale und viele, viele Gabelracken und Gleitaare. Letztere hatten aber keine Lust auf ein Fotoshooting.





Außerdem entdeckten wir eine Menge Riesentrappen, und die Ebene war übersät mit Springböcken, Gnus und Oryx. Die meisten von ihnen zogen Richtung Wasser.



Marabu und Stelzenläufer



Wir beschlossen, die lange Runde quer über und entlang der Pfanne zu nehmen. Es wehte ein ganz schöner Wind, und nach einem kurzen Öffnen des Fensters war der komplette Innenraum unseres Autos mit einer dünnen, weißen, salzigen Staubschicht bedeckt.



Die trockene Quelle Aroe gab wie erwartet nicht viel her. Ein paar Lerchen hopsten herum, und wir setzten unseren Weg fort. Treue Begleiter waren die vielen Gabelracken. Bevor wir den Loop beendet hatten, begegneten uns zwei Hyänen. Wir stellten den Motor ab, und die beiden liefen unmittelbar auf uns zu.



Die kleinere von ihnen war noch ganz fluffig, und bei Tageslicht schauen sie ja doch ganz nett aus.







Wer braucht schon die Big Five? Wir hatten nun um kurz nach 10 Uhr bereits die „Ugly Five“, denn eine Familie Warzenschweine hatten wir auch schon davonflitzen sehen. Danach fuhren wir wieder über Klein und Groß Okevi weiter nach Norden. Das Nichts von heute Morgen hatte sich hier in einen Weißbürzel-Singhabicht und drei Honigdachse verwandelt, die aber gerade die Bühne verließen.



Zum ersten Mal nahmen wir den Weg weiter nördlich von Tsumcor bis zum Wasserloch Andoni, das mitten auf einer riesigen Ebene liegt. Wir fühlten uns an die Liuwa Plains in Sambia erinnert. Dort hatten wir auch eine endlose, gelbe Grasebene ohne Tiere gehabt.



Das war hier nicht ganz richtig. Ein paar Vierbeiner gab es auch.





Wir kehrten wieder um und machten eine schöne Pause auf dem kleinen Picknicksite unterhalb der Plains. In der Sonne vertraten wir uns ein wenig die Beine, machten es uns auf den niedrigen Steinhöckerchen so gut es ging bequem und ließen uns ein spätes Frühstück mit Avocado-Brot, Käse, Rauchfleisch und dem restlichen Bohnensalat schmecken. Dabei machten wir uns bewusst, wie schön es war, hier zu sein und beglückwünschten uns zum wiederholten Male, trotz aller Widrigkeiten nach Namibia geflogen zu sein.



Auf dem Rückweg über das trockene Wasserloch Stinkwater (was wir schon gut können: den richtigen Zeitpunkt für genau gar nichts abzupassen) hielten wir nochmal länger bei Tsumcor.



Uwe döste ein wenig vor sich hin, während Ruth eine Familie Giraffen und ein paar Kudus beobachtete.







Am späten Mittag waren wir wieder zurück in Namutoni. Auf der Campsite gab es eine Pause mit Duschen, Kaffee, Tee und Ausruhen. Der gesamte Campingplatz war heute noch weniger belegt als gestern. Außer dem großen Truck waren wir die einzigen Gäste.





Wir genossen die Ruhe und sahen den Tokos beim Aufräumen der Campsite zu. Ein paar große Heuschrecken weniger finden wir jetzt nicht so schade. Zielsicher porkelten sie die Krabbeltiere zwischen den Dornen aus den Ästen



und wendeten sie dann durch mehrfaches In-die-Luft-Werfen so lange, bis sie in der passenden Position lagen.







Letzte Änderung: 30 Sep 2021 22:38 von Eulenmuckel.
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30 Sep 2021 22:41 #627175
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Erst gegen 16.20 Uhr starteten wir zu einer kleinen Nachmittagsrunde. Twee Palms mit seinen ganzen Karakalen wollten wir ignorieren. Stattdessen beschlossen wir, nach dem Löwen zu schauen. Vor Klein Namutoni begegnete uns die übrig gebliebene Giraffenfamilie. Ohne Eile stelzte sie auf uns zu, ein Mitglied hatte sich ja bereits geopfert, und so war erst mal nichts weiter zu befürchten.



Einige Graulärmvögel turnten in den Ästen und zupften ein paar frische Triebe oder Blüten, und auch die Geierschar geierte noch von den Schlafbäumen. An den Giraffenkadaver traute sie sich aber immer noch nicht.





Während unserer Abwesenheit hatte sich das Löwenmännchen tatsächlich bewegt, denn wir konnten nun immerhin ein wenig mehr als nur ein paar Mähnenbüschel erkennen. Der Kater döste von uns abgewandt im Schatten.



Als wir gerade das Wasserloch erreichten, sahen wir von rechts ein Spitzmaulnashorn herbeilaufen.



Außerdem war das Wasser von vielen Geiern besucht, denen es wohl den ganzen Tag in der Sonne zu warm geworden war. Sie tranken und badeten und trockneten anschließend ihre Schwingen.



Kurz bevor das Nashorn das Wasser erreichte, parkten wir wegen der Sonne noch einmal um. Wir ärgerten uns schon über uns selbst, weil der graue Koloss uns dies übel nahm und sogleich abdrehte. Zum Glück änderte er seine Meinung aber noch einmal und kam dann doch zum Trinken.



Nach seinem Abgang dauerte es nicht lange, und die Wasserstelle war fest im Huf von mehreren Giraffen. Immer neue kamen aus allen Richtungen und trafen sich hier wie zu einem vereinbarten Zeitpunkt. Und wir waren dabei. Na bitte, es geht also doch!



Unter einem mit weißen Wölkchen bestreuten Himmel fuhren wir den Dikdik-Drive. Wolken sind zu unserer Reisezeit schon etwas Besonderes und machen sich gut.



Wir fanden ein noch ganz junges Giraffenkalb mit seiner Mutter.





Swainsonfrankolin



Als wir den Loop gerade zu Ende gefahren waren und schon dachten, er habe seinen Namen zu Unrecht, entdeckten wir sie doch noch. Zwei der kleinsten Antilopen standen beieinander und schnüffelten mit ihren Rüsselnäschen prüfend in alle Richtungen.



Von uns schien keine Gefahr auszugehen, und so konnten wir die beiden Dikdiks in aller Ruhe beobachten, während sie Blätter von den Sträuchern fraßen.





Eine Schlankmanguste wuselte auch noch schnell vorbei.



Und dann kam der große Auftritt des alten Recken. Eigentlich hatten wir für heute schon nichts mehr erwartet. Aber als wir auf dem Rückweg wieder an der bedauernswerten Giraffe vorbeikamen, hätte der Zeitpunkt nicht besser sein können. Der alte Herr Löwe hatte sich gerade erhoben und steuerte auf uns zu. Er sah schon ein wenig abgekämpft und müde aus, war aber noch immer eine stattliche Erscheinung.









Er reckte und streckte die müden Glieder und gähnte, als er sich in Richtung der Wasserstelle bewegte.



Schnell wendeten wir den Wagen und warteten dort auf ihn. Er ließ sich viel Zeit beim Trinken, bevor er wieder zu seinem Abendessen zurückstolzierte.











Das letzte Stück trabte er sogar. Wegen uns hätte er sich allerdings keine Sorgen machen müssen. Wir hatten nicht vor, ihm seine bereits sehr gut abgehangene Giraffenkeule streitig zu machen.



Er schnüffelte an verschiedenen Stellen seines Bratens und hatte offensichtlich Mühe, das Fell weiter vom Fleisch abzuziehen. Immer wieder zog und zerrte, biss und riss er an der zähen Decke und schaute dann ziemlich traurig und frustriert, wenn er nicht sonderlich viel erreicht hatte.









Wir ließen ihn alleine und drückten die Daumen, dass er noch ein paar saftige Happen erwischen würde.
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang wollten wir den Baum südwestlich von Namutoni fotografieren. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir eine Herde mit einem kleinen Zebra, welches ganz übermütig herumsprang.



Der Plan war eigentlich, mit einem Sundowner neben dem Baum zu stehen und das Farbenspiel der untergehenden Sonne zu bestaunen. Die Sonne stand aber noch ziemlich hoch, und die gewichtigsten Argumente näherten sich von Norden. Nur einen knappen Kilometer weiter erschienen drei große Elefantenbullen.



Unser Entschluss stand fest: Wir hatten bisher kaum Elefanten gesehen, und diese wollten wir uns nicht entgehen lassen. Glücklicherweise führte ein Stückchen weiter eine kleine Pad zum Doringdraai. Diese fuhren wir nun und stellten den Motor ab. Ganz langsam zogen die riesigen Tiere an uns vorüber. Wir hielten den Atem an. Außer dem Rascheln ihrer Schritte im Gras waren sie völlig lautlos.







Wir waren wieder einmal tief beeindruckt und freuten uns sehr über die tolle Begegnung. Für unseren Baum war es auch noch nicht zu spät. Pünktlich waren wir wieder zurück, um zu bezeugen, wie seine untersten Äste versuchten, die Sonne am Abtauchen zu hindern.



Sehr zufrieden fuhren wir an einem Tag voller Eindrücke zurück ins Camp. Dort grillten wir ein sehr leckeres Oryx Fillet und kochten dazu Kartoffeln. Für unsere zunächst achtlos neben die Feuerstelle geworfenen Kartoffelschalen fand sich schließlich auch noch ein dankbarer Abnehmer.



Obwohl wir natürlich wissen, dass man keine wilden Tiere füttern soll und wir da sehr eisern sind, brachten wir es diesmal nicht über’s Herz, der putzigen Maus die Schalen zu entreißen.



Lange saßen wir nach dem Essen am Feuer und lauschten dem unvergleichlichen Konzert von Löwenbrüllen, Schakal-Geheule und Hyänen-Rufen. Wir halten es da mit der Maus Frederick und nehmen uns vor, genau diese Momente für zu Hause in unserem Gedächtnis zu bewahren.
Und das Fazit des Tages: Der Sichtungs-Willi hat uns mal wieder nicht enttäuscht! Von ganz groß bis ganz klein war auch ohne Karakal alles dabei.

Kilometer: 183
Letzte Änderung: 30 Sep 2021 22:47 von Eulenmuckel.
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01 Okt 2021 08:47 #627185
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  • TinuHH am 01 Okt 2021 08:47
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Liebe Ruth, lieber Uwe,

tolle Sichtungen und tolle Bilder! Vielen Dank! Ich könnte sofort wieder los!

Herzliche Grüße
Martin
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01 Okt 2021 09:10 #627192
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  • kalachee am 01 Okt 2021 09:10
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Die Fotos von den Elefanten im Abendlicht sind der Knaller! Wunderschön! :)

Liebe Grüsse
Sam
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