THEMA: Namibia im Jan. 21
14 Apr 2021 16:20 #612622
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11.1. südwärts
So gut habe ich lange nicht geschlafen.Totale Stille, durchdrungen von ständigem Flußrauschen ist ein ausgezeichnetes Schlafmittel- und morgendliche Vogelstimmen der schönste denkbare Wecker (selbst wenn ich als völliger Vogel-Unkundler keine Ahnung habe, wer uns da alles geweckt hat..).
Der Donkey war schon wieder angeheizt (wirklich guter freundlicher Service für uns einzigen Gäste!), wir genießen die heißen Duschen und dann das Frühstück mit Aussicht auf Flussbett und Landzunge mit durchgestyltem Vorzeigebody (s.o.). Nicht ganz so genießen wir die ständige Anwesenheit eines sehr verflohten, deutlich depressiv wirkenden und kontaktsuchenden Hundes, und auch die 2 Himbafrauen aus dem benachbarten Himbadorf, die sich (zu) dicht neben die CS setzen und ihre Armbändern zum Verkauf ausbreiten, stören uns eher…Jeder von uns findet eine andre Möglichkeit, damit umzugehen: Eine ist zunehmend genervt vom Angestarrt-werden, ich lächle die 2 jedesmal freundlich an, gehe ansonsten unbeteiligt vorbei, einer gibt am Ende Geld, ohne ein Armband zu wollen - und der 4. bemerkt sie kaum…Sozialstudien…
Um 9.00 verlassen wir das Camp wieder. Es war schön hier, vor allem, weil wir es ganz für uns allein hatten. Wir vereinbaren „Treffpunkt Roidrum“, da wir nicht dauernd hintereinander fahren wollen, und wollen die in der T4A - Karte eingezeichnete Alternativstrecke nehmen. So zumindest ist der Plan. Es ist nicht so ganz leicht, eindeutig die Strecke zu finden - viele unklare Spuren sind irreführend, das Navi weiß meistens auch nur, daß wir offroad sind, aber letztlich landen wir auf oder neben der gleichen Strecke, die wir hergekommen sind, 2 Std. später an der Roidrum.


mein Lieblingsfoto von dieser Strecke muß noch einmal herhalten...

Unsre Freunde sind noch nicht da. Wir warten. Und warten. Vorbei kommt zunächst aus dem Nirgendwo eine Himbafrau mit Kind auf dem Arm, später ein Polizeiauto. Die 3 Uniformierten, die beim Aussteigen alle ihre Masken aufsetzen und offenbar nur pinkeln wollen (oder mit der Himbafrau verabredet waren? Oder neugierig sind?), haben niemanden gesehen… wir warten. Es war offenbar keine gute Idee, nicht hintereinander her zu fahren.Endlich, ca 2 Std. Später, der Landy unsrer Freunde….Sie hatten sich verfahren…war wohl ziemlich stressig zwischendrin. Also in Zukunft: Bei nicht ganz klar definierten Strecken zusammen bleiben ! Ca. 1/2 std. später an der Bluedrom machen wir Picknickpause,



die Bluedrom von allen Seiten...
dann gehts zusammen weiter Richtung Süden - eine leere, trocken, schöne Strecke


Schön, aber trocken...viele Kuhkadaver am Weg


hier stehen sie also, die Steinmännchen, nach denen wir dauernd Ausschau halten...


Sie sind aber wirklich nicht leicht zu entdecken - während sie selbst den tollsten Überblick haben




nicht nur Steinmännchen und Kadaver

Da, wo die D3707 den Khumib überquert, fahren wir ins trockene Flussbett und finden einen schönen Nachtplatz. Denken wir. Aber kaum haben wir das Dachzelt aufgestellt und erste Lebensmittel aus dem Auto geholt, sind wir umringt von 10000enden von Wildbienen. Unglaublich, wo die in diesen Massen plötzlich herkommen! An Campen ist hier nicht zu denken.

schade, der Platz wäre schön gewesen

Also schnell alles wieder eingepackt und weiter Richtung Purros.


Die Straßenschilder in der Einsamkeit finde ich immer wieder verblüffend. Aber vermutlich ist hier in Non-Corona-Zeiten deutlich mehr Verkehr




Und tatsächlich kommt immer die angekündigte Kurve
Einen Wildcampplatz finden wir nicht mehr, also entscheiden wir uns für die Purros Community CS. Die finden wir allerdings in der inzwischen aufkommenden Hektik (es ist kurz vor Sonnenuntergang) auch nicht, also stellen wir uns doch wieder „wild“ ans Flußufer des Hoarusib. Es ist schön, aber so ganz sicher fühlen wir uns nicht. Überall (älterer) Elefantendung - und hier irgendwo hat ein Elefant einen Menschen getötet, hörten wir immer wieder in verschiedenen Varianten. Dennoch, wir genießen den Abend.









(Am nächsten Morgen kommen 2 gut englisch sprechende Himbas von der benachbarten Purros Canyon CS und monieren, daß wir hier illegal stehen, daß wir auf der CS hätten übernachten sollen und daß wir dafür 1/2 des CS-Preises zahlen sollen. Ok, sie bekommen 100ND pP und sind zufrieden.)
Namibia Camper 1999, 2005,2007, 2011, 2012; Botswana 2011,2012, 2018 ; Uganda+ Ruanda 2016; Südtansania 2018; Botswana/Limpopo zu Pferd 2018; Madagaskar zu Pferd 2019;Botswana+ Namibia/ Kaokofeld 2020; Namibia Camper 2021
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12.1. Purros - Palmwag

Um 9.00 brechen wir auf. Die D3707 bis Seisfontein ist ziemlich staubig und rel. langweilig im Vergleich zum Vortag. Aber die Fahrer wollten heute mal weniger action….Wir sehen viele Elefantenspuren, aber keine Elefanten, nur ab und zu ein paar Esel.






In Seisfontein (überall Baustellen, Staub…) tanken wir, nach kurzer Picknickpause gehts weiter nach Palmwag.
Wir haben noch keinen Übernachtungsplatz geplant und wollen uns die Lodge-CS nur kurz anschauen. Die sonst so überfüllte Lodge gähnt vor Leere…Nur einzelne Camper und einzelne Lodge-Gäste, eine schöne leere Restaurant-Terrasse und 2 leere Swimmingpools, wo auch Camper gern gesehen sind.…Wir beschließen zu bleiben, suchen uns den schönsten Platz aus (mit geräumigem eigenem Duschhaus, heißen Duschen, Strom, Schattendach) und genießen mal wieder etwas Komfort für wenig Geld - mal wieder ein Pool für uns allein, Zeit zum Wäschewaschen, Internetsurfen… und abends nutzen wir die Gelegenheit, uns auf der schönen fast leeren Terrasse bei Sonnenuntergang bedienen zu lassen (das einzige Mal während des ganzen Urlaubs..), mit kaltem Bier und gutem Gamesteak und Salat.



Der „Hauselefant“, der überall frische Spuren hinterlassen hat, kommt in dieser Nacht leider nicht.
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20 Apr 2021 23:34 #613366
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13.1. Lost im Desolation Valley

Wie gut, daß wir den nun folgenden Tag ausgeruht und bestgelaunt begannen - so hatte unsere Stimmung viel Spielraum nach unten, bevor sie völlig absackte… („Unsere“ schreibe ich aus reiner Solidarität mit den Fahrern…ich fand den Tag einfach nur abenteuerlich, und ich liebe Abenteuer…).
Zunächst ging es ganz langweilig los auf der C43 Richtung Süden, dann Abzweig nach Fonteine.



Mit diesem kleinen Rastplatz verbinde ich eine bleibende Erinnerung - die muß ich jetzt doch loswerden, weil sie mich nicht losläßt…also Exkurs vom Reisebericht: (wer keine langatmige Handystory lesen mag, überspringe den folgenden Absatz bis --)

Ich hatte eingangs schon erwähnt, daß ich beim Autovermieter mein „weitgereistes“ altes iPhone in Empfang nehmen konnte. Dazu die Geschichte:
-Vor ziemlich genau 1 Jahr waren wir in Botswana und Namibia unterwegs, ebenfalls mit einem Hilux von Bushlore , ebenfalls (zumindest in Namibia) ohne Vorausbuchungen. Vor allem deshalb hatte ich extra ein altes abgelegtes Iphone mitgenommen, um es mit einer namibischen SIM-Karte bestücken zu können. (Leichtsinnig wie ich in solchen Dingen bin, waren auf dem iPhone alle meine ungeschützten Daten noch abrufbar…) OK, wir hatten bereits bei Ankunft in Windhoek eine SIM-Karte und entsprechendes Kontingent gekauft und das dann 2 Wochen später nach Grenzübergang von Botswana nach Namibia aktiviert. Da einige Probeanrufe nicht funktioniert haben (warum auch immer….?), wir es aber auch nicht wirklich brauchten, legten wir es erst mal zur Seite..(Ja wohin genau??) Einen dringenden Anruf beim Autovermieter in Windhoek erledigten wir mit unsrem normal gebräuchlichen Iphone. Ging ja auch.
Erst weitere 4 Tage später - wir waren inzwischen über Anib Lodge - Spitzkoppe - Desolation Valley - Fonteine in der Khowarib-Community-CS gelandet - suchten wir wieder nach dem Handy. Stundenlang, vergeblich. Wir nahmen das ganze Auto auseinander….nichts. Wir telefonierten mit der Anib-Lodge, wo ich meinte, es noch in der Hand gehabt zu haben. Nichts. Ich war zunehmend verzweifelt: Die SIM-Karte war ja nicht das Problem, das alte abgelegte Iphone konnte ich auch verschmerzen - aber der Gedanke, daß alle meine Daten, Fotos, Kontakte usw. ungeschützt irgendwo rumlagen, beunruhigte mich ziemlich. (Daß ich mir dauernd anhören mußte, wie absolut dumm ich doch sei, die Daten alle auf dem alten iPhone gelassen zu haben, machte die Sache nicht erträglicher..) Schließlich versuchte ich mich mit dem Gedanken zu trösten, daß das gute alte Stück incl. der Daten drauf unentdeckt und einsam irgendwo im Wüstensand verenden würde, und versuchte zu vergessen.
Bei Abgabe des Fahrzeuges am Ende der Tour durchsuchten wir noch einmal alles. Nein, das arme Ding mußte wirklich einsam im Wüstensand liegen.
Monate später…..erreichte mich eine mail eines völlig unbekannten Absenders: „Hi, we picked up an iPhone with this emailaddress“- ich war erst mal total verblüfft, bis ich kapierte, das das iPhone offenbar dem in jedem Sinne sicheren Ende im Wüstensand entkommen war. Ebenso überrascht war ich von der Ehrlichkeit des Finders/der Finderin. Toll!
Viele emails folgten. Es stellte sich heraus: Die lange völlig anonyme Absenderin hatte das iPhone „im Damaraland“ gefunden, wo sie lebte. Ich schickte ihr ein Foto von unsrem Stop am Fonteine-Rastplatz: Ja, genau dort! Sie stamme aus der Ansiedlung dort. Nein, sie könne es nicht schicken, habe weder Verpackungsmöglichkeit noch Porto usw. Aber sie werde es pflegen, damit es nicht kaputt gehe. Sie habe selbst ein neueres iPhone und kenne sich daher aus (aha, kein Geld, aber ein neues iPhone?)
Wir vereinbarten: Ich schicke an eine Freundin in Windhoek eine Verpackung in einer Verpackung, darin Geld für Porto und Finderlohn. Sie werde irgendwann dorthin fahren und mir das iPhone dann schicken. - Das Päckchen kam zurück: Inzwischen hatte Corona sämtlichen Flugverkehr zwischen Deutschland und Namibia lahm gelegt.
Also tröstete ich mich mal wieder mit dem Gedanken, dass das Handy nun zwar nicht einsam im Wüstensand verenden würde, aber bei einer offenbar ehrlichen Finderin gut aufgehoben sei.
Die Finderin bekam in weiteren emails, später auch per WhatsApp, zunehmend ein Gesicht (die Kommunikation war immer etwas schwierig, sie hatte offenbar selten Internetverbindung , und englisch war ganz offenbar nicht ihre Muttersprache): eine sehr junge dunkelhäutige hübsche Namibierin, die gerne mit ihren Kurven posierte. Zwischendrin wurde es auch mal spannend: Das iPhone sei plötzlich verschwunden - Polizeidrohung - wiedergekommen usw. Jedenfalls ein interessanter Kontakt.
Klar, dass wir uns vorgenommen hatten, bei erneuter Reise nach Namibia diese ehrliche Finderin kennenzulernen und das iPhone gegen guten Finderlohn selbst in Empfang zu nehmen .
Wegen erneuter Coronawelle änderten wir den Plan - wir wollten nicht lange durch Windhoek irren und uns mit Unbekannten treffen. Also kamen wir auf die Idee, sie könne das Handy beim Autovermieter abgeben, erhalte von dem einen Finderlohn, und er bekomme das Geld später von uns. Hat super geklappt, alle zufrieden: Der junge „Stationsleiter“ von Bushlore fuhr extra an einen Treffpunkt in der Stadt, freute sich über die hübsche junge Bekanntschaft, die Finderin freute sich über das Geld, und ich freute mich über das iPhone. Happy End.
So, sorry, viel zu lang. Aber mich hat diese Handyreise irgendwie bewegt.
--
Nun endlich weiter im Text! Wir machen also ziemlich genau 1 Jahr später wieder Rast in Fonteine, diesmal aus Norden kommend. Und wollen fast genau die gleiche Strecke in der anderen Richtung durch den Huab /durchs Desolation Valley fahren. Auch das vor allem deshalb, weil es mich Abenteuersüchtige wieder hierher zog, wo wir vor 1 Jahr den aufregendsten Abend des Urlaubs erlebten: Damals schlichen sich lautlos kurz vor Sonnenuntergang, als wir gerade das Abendessen beendet hatten, gefühlt alle in der Gegend lebenden Wüstenelefanten an (auch wenn andere dafür extra Pirschfahrten unternehmen - für uns kamen sie sehr überraschend und ziemlich ungelegen) und versammelten sich um unseren Hilux, in den wir uns in letzter Sek. noch zurückziehen konnten. Und zwar ohne Übertreibung „hautnah“ = die große Leitkuh, die zu allem Überfluss auch noch ein zu schützendes Baby bei sich hatte, schaute uns durchs Autofenster seehr kritisch-fragend an : „Freund oder Feind?“ Sie hätte nur mit den auffallend langen Zähnen wackeln müssen, um unser Fenster zu zertrümmern….Nach unendlich langen seeehr aufregenden stummen gefühlten Stunden (es waren ca. 30 Minuten), in denen die Gedanken Kreise jagten ( „Jaa, ich hab euch gaanz lieb - hoffentlich glauben die das - wißt ihr nicht, daß ich früher immer einen Elefanten als Haustier wollte? Weil das so intelligente gutmütige Tiere sind?- Ruhig bleiben! Luft anhalten! - Warum nur geht dies blöd blau leuchtende Display des Autos nicht aus?Das wirkt doch bedrohlich - Hoffentlich riechen die Lbm. hinten im Auto nicht-die Tür ist nur angelehnt…“ usw…) trottete sie von dannen, die ganze Herde im Schlepptau. Wir sahen nur noch die weißen Zähne, dann waren sie in der Dunkelheit verschwunden. Wir drehten damals im Stockdusteren noch um und nächtigten auf einem andren Platz (ungestört). Erst am nächsten Tag verstanden wir: Wir hatten uns mitten auf deren Versammlungsplatz gestellt… Ich bat die Dickhäuter nachträglich um Verzeihung.




Foto vom Jan. 2020: rechts um den Hügel herum der Elefantenplatz




das war das letzte mögliche Foto von den ersten Elefanten, bevor es zu dunkel wurde (es ist schon per Fotoshop aufgehellt) Allerdings war mir danach auch nicht mehr nach Fotografieren zumute...

Sorry für dies erneute Abschweifen. Aber diese Erinnerung wird noch gebraucht… auch bei dieser Tour sollte das Desolation Valley für bleibende Erinnerung sorgen ..
Wir fahren also endlich weiter von Fontaine nach Süden und wollen dieses Mal die in der T4A - Karte (dicker) eingezeichnete Strecke nördlich des Riverbed nehmen, die ja irgendwo beim Viewpoint über den Huab führen sollte, dann weiter Richtung Ugab Base Camp. Soweit der Plan. Ich muß gestehen: Wir waren ja die Strecke „in etwa“ schon gefahren, und dann auch noch allein - diesmal waren wir 2 Autos! Also hatte ich mich nicht näher informiert. Sonst hätte ich vorher schon im Forum den „Point of no return“ oder die Bemerkung „river crossing difficult to impossible“ lesen können….Wie wir genau gefahren sind, weiß ich bis jetzt nicht. Jedenfalls fuhren wir voller Elan ins trockene Riverbed,















nachdem es zunächst noch recht "zivil" aussah, verlor sich die Spur zunehmend; die Fahrer mußten sich sehr auf die Strecke konzentrieren , die beiden Navis war ebenso ratlos wie wir. Ich genoß die Landschaft und behielt auch den Überblick :da drüben ist die andere Seite, wo wir hin wollen… Vorher allerdings wurde es eng- wohl die Stelle, die andere als den „Point of no return“ bezeichnen… immer enger und immer sumpfiger.




Da ging es definitiv nicht weiter - und wenn uns jetzt dazu noch ein Elefant begegnen würde, hätten wir ein sehr großes Problem. Angesichts dessen schien uns das unmöglich erscheinende Umdrehen immer noch die bessere Alternative. Ein Lob an die Fahrer : sie schafften es ohne Verluste….Allerdings fing danach der Streß erst richtig an: die Fahrer, die sich ja immer auf den Weg konzentrieren mußten, hatten die Orientierung verloren, die Meinungen, wohin man jetzt fahren solle, gingen auseinander….



ich war mir zwar sicher, die Richtung zu wissen (schließlich sieht man ja das andere Ufer - wenn es vorher links von uns war und jetzt immer noch links ist, haben wir nicht umgedreht, sondern irgendwie das Flussbett durchquert…), konnte mich aber nicht durchsetzen…(Ich hatte Recht, zeigte sich später!). Ratlose Minuten, zum einzigen Mal gereizte Stimmung… Und dann kam mir die Eingebung: Genau dort war doch der Elefantenversammlungsplatz, wo wir letztes Jahr umringt waren! Mein visuelles Erinnerungskästchen ging plötzlich auf - aus andrer Perspektive sieht alles so anders aus! Aber nun erkannte auch mein Mann: genau hier war es!



Hier stehen wir genau auf dem Elefantenversammlungsplatz, wo sie uns vor 1 Jahr umringt hatten; inzwischen wirkt er seit langem ungenutzt

Damit war die Situation gerettet. Wir kannten den weiteren Weg.






Zum Vergleich: oben das aktuelle Foto, von NO kommend; darunter das Foto von vor 1 Jahr von SW aus fotografiert




Blick zurück ins Riverbed; an dieser Stelle hatten wir vor 1 Jahr übernachtet (wie wohl schon einige andere Fomis auch)

Also hatten wir irgendwie tatsächlich den River überquert (was ich ja gesagt hatte! Recht gehabt! Habe ich aber nicht wiederholt, die Fahrer hatten Streß genug...) Jetzt gings raus aus dem Flußbett, weiter nach Süden Richtung Ugab Base Camp.


ein sehr steiniger Weg


zur Abwechslung ab und zu Spielkugeln (was ist das für eine Pflanze?? )


und einzelne Welwitschien





Zwar gab es vorher auf der landschaftlich wieder sehr reizvollen Strecke voller interessanter Steinformationen (ein Eldorado für Geologen!) schon einige Plätze, wo man hätte nächtigen können, aber der Wind (und vielleicht auch ein wenig das Bedürfnis nach etwas mehr Sicherheit) trieben uns bis zum Camp, das wir um 17.00 erreichten. Es wirkte wie ausgestorben. Nur 2 junge neugierige Hunde schnupperten um uns rum und zeigten uns, dass irgendwo jemand sein müsse.






Der aufregende, für die Fahrer sehr stressige, für mich trotz allem unvergesslich schöne Tag hatte es verdient, mit viel GT und Spaghetti Bolognese verabschiedet zu werden. (Das Desolation Valley hat sich seitdem in meine größte Schublade mit den Erinnerungskästchen eingenistet…)
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03 Mai 2021 14:32 #614708
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14.1.21 Abschied von unsren Freunden
Gerade habe ich gelesen, daß das Ugab Basecamp wegen Löwenbesuchen momentan gesperrt ist (oder zumindest kurz war)…Nun, als wir dort waren, gab es außer den 2 jungen Hunden nichts und niemanden außer Horden von Moskitos - die hätte ich hier am wenigsten erwartet. Löwengebrüll hätte mich auch nicht weniger am Schlafen gehindert…
Beim Frühstück erklärten unsre Freunde, daß sie jetzt eine Unterbrechung des Unterwegs- Seins bräuchten und sich für eine Weile ein Haus in Henties Bay mieten wollten. ( Sie waren ja schon 1 Mon. vor uns daheim in SA aufgebrochen und wollten so lange wie möglich, also visumbedingt max. 3 Monate, v.a. der damals in SA heftig wütenden Coronavariante entfliehen. Im Gegensatz zu uns gehörte für sie das Unterwegs-Sein im eigenen Camper zum normalen Leben, hatte also nicht so sehr den Reiz des Abenteuers.) In Anmietung eines Hauses auf die Schnelle hatten sie Routine … auch heute sollte es auf Anhieb klappen, wie sich später herausstellte.
Also trennten sich vorerst unsere Wege 12 km nach Verlassen des Camps. Der Abschied fiel uns schwer, hatten wir doch den aufregenderen Teil unseres Urlaubs gemeinsam erlebt und super gemeistert. Also auf ganz baldiges Wiedersehen in Henties Bay! Sie nahmen die D 2303 zur Küste, wir folgten der D 2342 westlich am Brandberg vorbei, eine sehr lohnende und interessante Strecke durch Steingebirge und Schluchten.




Eigentlich hatten wir die Spitzkoppe als nächstes Ziel angepeilt. Aber der Himmel war trüb, es sah nach Regen aus - und die Spitzkoppe lebt vom Farbenspiel der Sonne; wir hatten wunderschöne Bilder vom letzten Jahr im Kopf, die wollten wir nicht trüben. Also ging es stattdessen kurzentschlossen nach Omaruru zum Einkauf im super sortierten Sparmarkt und in der Schlachterei in derselben Strasse. Um Omaruru ist der deutsche Einfluß überdeutlich zu spüren: Im Sparmarkt viele deutsche Fabrikate und sogar deutsch sprechendes Personal, im Metzgerladen „Käseknacker“, „Zigeunerspieße“, „Krakauer“ usw. - und glücklicherweise auch eine große Auswahl an ausgezeichnetem Biltong, unser Lieblingssnack beim Autofahren.

Die Nacht verbrachten wir im Camp Mara:

normalerweise schöne große Campingplätze unter schattigen Bäumen am River mit sehr guten Spaziermöglichkeiten und Scharen von Greif-, Sing- und Wasservögeln - ein Traum für jeden Vogelkenner.




Heute wirkte es etwas verlassenen und trostlos - ganz offenbar war hier schon lange kein Gast mehr. Auch der Betreiber war nicht daheim, nur eine hochschwangere Hausangestellte und 2 verspielte Hunde. Ein ausgedehnter Abendspaziergang im Flußbett zeigte uns, daß hier am Vortag reißende Wassermassen durchgekommen sein mussten.




Jetzt floß es nur noch spärlich. Nach gutem deutsch- südafrikanischem Abendessen mit Rotkraut, Boerwurst und Kartoffeln verzogen wir uns ins Dachzelt . Der erwartete Regen kam nicht.
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15.1. 21…und Wiedertreffen der Freunde

Morgens war die Regenstimmung vorbei , der erste Blick aus dem Dachzelt sah strahlend blauen Himmel. Mal wieder sind wir dem überall um uns herum niedergehenden „Jahrhundertregen“ entkommen. Da störte es uns auch wenig, daß wir kalt duschen mußten, weil wir den Donkey, der schon fertig mit Feuerholz gefüllt war, viel zu spät anheizten…
Beim Frühstück erreichte uns die Nachricht unsrer Freunde: sie hatten über einen lokalen Makler gestern Abend noch ein supernobles neues Haus in Henties Bay für 1 Monat angemietet, Ferienhaus reicher Südafrikaner, die es nur gelegentlich selbst nutzten und in der Zwischenzeit vermieteten, mit mehreren Grills, mehreren Schlafzimmern und jeglichem denkbarem Komfort. Und das zu einem Preis, den man in einem Monat auch für Campingplätze ausgeben würde - erstaunlich, wie einfach so etwas geht. Wir seien herzlichst eingeladen…
Also war unser nächstes Zwischenziel vor der weiteren Fahrt gen Süden klar - das um diese Zeit gottverlassene Nest Henties Bay.
Über Omaruru, C33, B2 waren wir in kurzer Zeit in Swakopmund, um uns eine Permit für den nördlichen Sektor des Namib-Naukluft-Parks zu holen, wo wir die folgenden 2 Nächte verbringen wollten. Die Stadt wirkte ungewohnt einladend auf uns, leer und ruhig; nur am und erstaunlicherweise auch im Wasser tummelten sich einige Namibier.

Coronabedingt hatten wir uns aber vorgenommen, Städte zu meiden, daher steuerten wir zielgerichtet nur das Office für die Permit an, ein mickriges Büro in einem alten dunklen Gebäude in einer Nebenstraße im 2. Stock. Die 2 Angestellten fühlten sich ganz offenbar in ihrer Dauerruhe gestört und konnten keinerlei Auskunft geben, aber immerhin - mit viiiel Ruhe….- die Permit verkaufen (dummerweise muß man im Voraus genau angeben, wann und wie lange man sich in dem Gebiet aufhalten will; dann kostet es 40 ND pP/Tag +20 ND für den PKW/Tag = für 2 Tage zahlten wir 200 ND).
Einen Cafebesuch verkniffen wir uns. Stattdessen picknickten wir irgendwo am Meer neben der neuen, total leeren und langweiligen Straße von Swakopmund nach Henties Bay.






Außer einigen Fischern keine Menschenseele weit und breit. Zu Ferienzeiten steht hier ein Fischerauto neben dem anderen…
Um 16.30 sind wir in Henties Bay, unser Freund Les holt uns an der Tankstelle ab. Von beiden Seiten ist die Wiedersehensfreude groß- dabei haben wir uns doch gestern früh erst getrennt….
Henties Bay wirkt um diese Zeit wie eine Geisterstadt, trocken, leer, in keiner Weise attraktiv. Aber es bietet Ruhe, wenn man die sucht.

Und das Haus ist innen wirklich beeindruckend: alles voller großer Ledermöbel, Eismaschine, mehrere Grills, riesiger Fernseher, 2 Schlafzimmer und Bäder vom Feinsten - und von der Küche aus der Durchgang für den „Haushaltsteil“, das Reich der schwarzen Haushaltshilfe; so sei es leider immer noch typisch in SA, klärt uns Les auf.


Wir genießen Kaffee im geräumigen Innenhof , Waschmaschine und schnelles Internet. Nein, das verfluchen wir sofort : nur Horrormeldungen aus der Welt und aus Deutschland, Lockdownverlängerung, Kältewelle… TV aus! Stattdessen genießen wir lieber wieder im Hier und Jetzt gemeinsam einen schönen lauen Abend im Innenhof mit einem ganzen Kabeljau, Chips und einem guten Wein - auch das typisch südafrikanisch.
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16.1.21 Northern Section Namib Naukluft

Das Haus mag noch so nobel sein- ich zumindest schlafe im luftigen Dachzelt deutlich besser…Dafür weckt dann das gemeinsame Frühstück im Innenhof meine Lebensgeister umso effektiver, das uns in Gesprächen rund um die Welt führt und wieder zurück…
Danach verabschieden wir uns schon wieder, wieder mit Aussicht auf baldigen Besuch (zum Schluß unsrer Reise). Um 9.30 brechen wir auf Richtung Süden- dieses Mal lassen wir uns von den Jahrhundertregenmeldungen nicht abhalten, wir können schließlich jederzeit problemlos umdrehen - auch wenn die Meldungen ziemlich abschreckend klingen: Die Staubecken sind voll und müssen zT. abgelassen werden, sogar der riesige neue Neckartaldamm (was sucht hier der Neckartaldamm? Der gehört doch nach Heidelberg??); um Mariental herum wird Evakuierung geplant; Straßen Richtung Süden sind zT durch Wasser zerstört und nicht befahrbar -usw.
Wir fahren über Walvis Bay auf die permitpflichtige D 2186 zum Kuiseb und biegen dann leichtsinnigerweise von der offiziellen Schotterstraße ab in Richtung Flussbett, einigen Fahrspuren folgend. Eine dumme Entscheidung - nach Kürze stecken wir im tiefen Sand fest und graben uns immer weiter rein…Glücklicherweise sind heute am Samstag viele ( erstaunlich viele! Die Erklärung finden wir später) weiße und schwarze Einheimische unterwegs, meist gruppenweise im Auto, mit Bierdosen und ganz offenbar in Partylaune…3 Hiluxe voller gut gelaunter junger Leute halten hinter uns an, der 1. Fahrer hat den Ehrgeiz, unseren Hilux aus dem Sand zu befreien. Nach vielen vielen Anläufen, mit Hilfe von Bier für ihn und Unterlegmatte fürs Auto und nachdem er den Reifendruck schrittweise auf 0,8 reduziert hat, schafft er es. … soviel Luft hätten wir uns nicht abzulassen getraut. Ok, wieder etwas dazugelernt. Nachdem sie fröhlich die Sandpiste weiterfahren, trauen wir uns auch.



Nach kurzer Picknickpause kehren wir sicherheitshalber wieder auf die D 2186 zurück, wo wir dauernd überholt werden. Zunehmend wundern wir uns über den regen Verkehr- so viele Autos haben wir in der gesamten Zeit bisher nicht gesehen, und das in dieser eigentlich verlassenen, permitpflichtigen Gegend…Irgendetwas scheint es da vorn umsonst zu geben…Einige km weiter endlich die Auflösung des Rätsels: Der Kuiseb fließt! Das scheinen manche zum 1. Mal im Leben zu sehen: Ein fließender Fluß! Viele Autos und Bierkisten am Flußufer, laute Musik aus irgendwelchen knarrenden Lautsprechern, Kinder und Erwachsene plantschen oder hocken im Wasser…Wassertourismus!

So langsam verstehe ich, was der Jahrhundertregen bedeutet…

Wir fahren weiter über Gobabeb zur Homeb CS.



Auch hier strömt der Kuiseb zT mit Gefälle, was einige Jugendliche mit viel Spaß zum „Surfen“ nutzen. In der Nähe gepflegte kleine Baracken. Wir überlegen kurz, ob wir hier bleiben, entscheiden uns dann aber doch, noch 1 Std. bis Mirabib zu fahren , wo wir um 17.00 ankommen.




Es ist kein weiteres Auto da, wir haben die große Auswahl und suchen uns genau die CS aus, wo wir vor 12 Jahren schon einmal standen…nichts hat sich verändert.

Während mein bodenständiger Mann sich ums Feuer und Abendessen kümmert, zieht es mich nach oben - ich muß den Blick in die Weite auf mich wirken lassen.


Nach dem Essen genießen wir noch lange die Stille, die Einsamkeit, die Weite, den Sternenhimmel…

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