THEMA: Namibia 2020 - Nach Hause Dank Rückholprogramm
10 Dez 2020 19:36 #601027
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Mittwoch - 1. April – Ein ungewöhnlicher Rückflug
Der Wecker holt mich aus unruhigem Schlaf und ich laufe los wie ein Roboter. Meine Zeitplanung geht gut auf und wir sind genau in dem Moment fertig, als der Wagen von Savanna eintrifft. Die Norddeutschen fahren ebenfalls grade ab. Unsere liebe Pensionswirtin steht mit „Care Paketen“ an der Straße und verabschiedet uns herzlich.

Aufgrund der Erfahrungen unserer bayrischen Freude und der Norddeutschen, lässt unsere Anspannung unterwegs nicht nach. Die Fahrt läuft allerdings gut und auch am festen Straßenkontrollpunkt gibt es keine speziellen Prüfungen. Wir kommen sehr pünktlich am Airport an, aber es ist schon ziemlich viel los. Die vielen Menschen stehen sehr eng in der Warteschlange, aber es geht alles sehr geordnet zu und es wird nicht aufdringlich gedrängelt. Nur ein älterer Herr fällt mir unangenehm auf, weil er wiederholt aus der Reihe ausschert, einen langen Hals macht, um die Lage zu peilen und dabei auffällig hüstelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier jemand mit COVID-19 infiziert ist, ist zwar sehr gering, aber ich bin trotzdem froh, wenn der unruhige Geist in die andere Richtung hüstelt :huh: :huh: :huh:

Beim Check-In fallen mir ganze Gebirge vom Herzen, da wir offensichtlich auf der Liste stehen und es keine bösen Überraschungen gibt. Ich bitte um einen möglichst guten Platz, damit mein Mann sein schmerzendes Bein entlasten kann. Die besten Plätze sind natürlich schon weg, aber es gibt einen Fensterplatz in einer 3er Reihe hinter einer Reihe mit nur 2 Sitzen. Das verschafft ausreichend Raum für eine entspannte Beinhaltung.

Nach dem Check-In muss mein Mann seinen Nikotinspiegel noch für den langen Flug optimieren. Draußen ist natürlich richtig viel los! Inzwischen scheint die Sonne und die Temperatur ist super-angenehm. Vielleicht sollten wir doch hier bleiben ;) Zu meiner Überraschung hat sogar die kleine Kaffeebar geöffnet. Ich habe allerdings unsere letzte Bierdose als „Frühstücksbier“ eingepackt. Vermutlich ist das das erste Mal im Leben, dass mein Mann konsterniert schaut, als ich ihm das Bier reiche. Ich bin allerdings der Meinung, in dieser besonderen Situation schmeckt ein geteiltes Bierchen auch morgens gegen 7:00 Uhr sehr gut B)


Zurück im Airport sind die Schlangen an der Security erwartungsgemäß lang und es wird zunächst akribisch kontrolliert (Schuhe ausziehen etc.). Plötzlich kommt aber Hektik auf und die Kontrollen erfolgen mit der vertrauten Nachlässigkeit. Das gibt uns noch Zeit für den Shop, der ebenso geöffnet hat wie auch das Bistro.

Der Flieger ist natürlich rappelvoll, aber mit unserer Sitzreihe sind wir sehr zufrieden. Leider lässt sich direkt neben mir der unruhige „Huste-Opa“ nieder, der mir schon in der Warteschlange unangenehm aufgefallen ist. Na herzlichen Glückwunsch! Aber er ist jetzt ruhiger und hustet weniger. Geht doch :) :) :)

Der Flugkapitän klärt uns direkt über das spezielle Catering auf und weist darauf hin, dass dieses kein Lufthansa Flug, sondern ein Flug des Auswärtigen Amtes ist. Pro Platz gibt es 1,5 Liter Wasser und eine große Papp-Box mit verschiedenen Lebensmitteln (Mini-Salamis, Croissants, Vollkornbrot, Marmelade, Käsecracker, Oliven, Nudelsalat, Süßkram etc). Es ist praktisch für jeden Geschmack etwas dabei und da wir unkomplizierte Esser sind und außerdem noch die Care Pakete von Steffi haben, werden wir keinesfalls verhungern.






Immerhin wird auch 2x Kaffee ausgeschenkt und es gibt ein Glas Wein. Zudem kann ich meinen Mann zum Dessert mit einem Mini-Amarula überraschen, den ich heimlich Airport Shop erstanden habe. Kleinigkeiten können manchmal so viel Freude bereiten :cheer:

Etwas nervig ist lediglich, dass während des Fluges weder der Restmüll noch die Kartons eingesammelt werden. Stattdessen enthält jeder Karton einen großen Beutel in dem man seine Abfälle am Platz sammeln muss. Bei der engen Bestuhlung ist das Handling von Karton und Mülltüte ein kleines Jonglierkunststück. Wir sind wirklich dankbar für den etwas erweiterten Fußraum vor dem Sitz meines Mannes. Als wir uns dem Ziel nähern, haben wir als kleines Highlight wunderschöne Ausblicke auf die Alpen.




Die Abschiedsdurchsage des Kapitäns rührt mich dann sehr. Außer den üblichen Höflichkeitsfloskeln sagt er, dass er und alle im Team aus Leidenschaft fliegen und hoffen, das bald wieder regelmäßig tun zu können. Ja, die Welt ist schon sehr speziell geworden :ohmy: :ohmy: :ohmy: Das merken wir auch, als wir den menschenleeren Münchener Flughafen betreten. Aber trotz der Leere geht es nicht schnell voran. Wir werden nur in Etappen eingelassen und auch das Gepäck lässt auf sich warten. Das gibt uns die Zeit, unsere komplikationslose Reise und glückliche Landung an unsere Familien und die Süddeutschen zu melden. Unsere Familien sind natürlich extrem erleichtert!!! Und auch die Süddeutschen haben gute Nachrichten für uns. Sie werden am nächsten Morgen fliegen! Da sie keine Zwischenübernachtung benötigen und vom Flughafen abgeholt werden, werden sie nur einige Stunden später zu Hause sein als wir. Da bin ich aber wirklich froh!!!

Schließlich kommt unser Gepäck und wir verabschieden uns herzlich von den Norddeutschen. Noch wird innig umarmt, denn in der Pension in Windhoek saßen wir ohnehin ständig zusammen. Und, dass Umarmungen ab jetzt ein totales Tabu sind, ist uns noch nicht so richtig bewusst. Wir werden in den nächsten Tagen noch den einen oder anderen Lern- und Anpassungsprozess durchlaufen müssen :unsure:

Es ist natürlich schon dunkel und kalt, als wir mit der S-Bahn am Hauptbahnhof ankommen. Und alles ist so ungewohnt ausgestorben, obwohl es noch relativ früh am Abend ist - nicht angenehm in dieser Gegend mit einigen zwielichtigen Gestalten. Im Hotel werden wir freundlich empfangen und machen ein kleines Zimmer-Picknick mit den Resten aus der Flugzeug-Box und ein paar Einkäufen aus dem Bahnhof Supermarkt. Ich buche noch schnell Sitzplätze für die Bahnfahrt am nächsten Tag und dann fallen wir total erschöpft ins Bett. Schließlich haben wir morgen noch die letzte Etappe dieser ungewöhnlichen Reise vor uns.
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11 Dez 2020 18:46 #601109
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Donnerstag - 2. April – Heimfahrt in leeren Zügen und ein kleines Reisefazit
Heute können wir ausschlafen und in Ruhe frühstücken, denn die einzige durchgehende Zugverbindung in unsere Heimstadt startet erst gegen 11:00 Uhr. Perfekt! Ebenso perfekt ist der strahlende Sonnenschein von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Schönstes Reisewetter also, wenn auch noch recht kühl – zumindest wenn man grade aus Afrika kommt.

Auch tagsüber ist der Hauptbahnhof ziemlich leer. Was für ein Unterschied zu meinen bisherigen Erfahrungen in München! Wir suchen unser Zugabteil und lassen uns auf den reservierten Plätzen nieder. Reservierte Plätze!?! Das hätte ich mir echt sparen können! Aber dermaßen gähnend leer hatte ich den sonst knallvollen ICE wirklich nicht erwartet! So geht es also endlich ruhig, entspannt und ohne Umstieg in Richtung Heimat B)


Am Nachmittag um ca. 15:30 Uhr stehen wir in der Sonne im heimischen Garten – mit fast einer Woche Verspätung und einen Gin Tonic als „Begrüßungsdrink“ statt als Sundowner in der Hand. Das fühlt sich alles noch sehr merkwürdig an, aber wir sind ziemlich erleichtert, dass die Zeit des ewigen Hin- und Her und der Ungewissheit nun vorbei ist. Puh – was war das für eine Reise!? Namibia 2020 wird uns definitiv in Erinnerung bleiben! Und was für eine Rückkehr in eine surreale Welt. Dabei hatten wir doch beim Antritt der Reise noch gedacht, dass der ganze Spuk nach unserem Urlaub vorbei ist. Aber sicher waren wir nicht die Einzigen, die so naiv waren… :whistle:

Hätte uns vor der Reise ein Blick in eine Glaskugel offenbart, welche Irrungen und Wirrungen und gesundheitlichen Probleme uns erwarten, hätten wir uns vermutlich gegen diesen Urlaub entschieden. Das Geld und die Urlaubstage hätten wir dann für eine längere Namibia-Reise zu einem späteren Zeitpunkt gespart. Letztlich sind wir aber froh, dass es keine Glaskugeln gibt und wir die Reise gemacht haben. Ja, es gab spezielle Herausforderungen und der Urlaub war weitgehend unentspannt und keinesfalls erholsam! Aber wir waren da! Wir haben bekannte und geliebte Plätz besucht. Wir haben sehr tolle und für uns neue Campsites angesteuert. Wir haben uns (zum Glück!) nie in Gefahr gefühlt und eigentlich auch mental weitgehend tapfer geschlagen. Wir tragen die neuen Eindrücke, herrlichen Aussichten und wunderbaren Lichtstimmungen, die wir trotz des „Corona-Wahns“ genießen durften, im Herzen :) :) :)

Die Gebühr für unsere Sitzplatzreservierungen für die umgebuchte Flugverbindung, hat Lufthansa im August erstattet. Um die etwas langwierigere Kostenerstattung für den ausgefallenen Lufthansa Rückflug hat sich Iwanowski gekümmert und das Geld in dieser Woche auf unser Konto überwiesen. Nun warten wir noch auf die Rechnung für den Flug des Auswärtigen Amtes, dem wir dankbar sind, dass es mit dem Rückholprogramm insgesamt einen fantastischen Job gemacht hat.

Natürlich hoffen wir, dass wir das Land, das wir so sehr lieben, in nicht allzu ferner Zukunft wieder bereisen können. Wahrscheinlich wird das aber erst in 2022 sein, denn eine ähnliche Achterbahn der (Urlaubs)Gefühle wie in diesem Jahr möchten wir kurzfristig nicht mehr riskieren.

Alles Gute für alle touristischen Betriebe, die seit mehr als 20 Jahren dazu beitragen, dass wir im März immer eine grandiose Auszeit vom Alltagsleben haben! Good luck Namibia und auf ein hoffentlich gesundes Wiedersehen!
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11 Dez 2020 19:26 #601112
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puh, was eine Reise und Gott sei Dank mit einem glücklichen Ende!
Danke für deinen spannenden Bericht, diese etwas anderen Reise.

Wir sind so mutig und haben für September 2021 schon Flüge und Unterkünfte. Mal sehen, ob es klappt. Aber das sind ja noch ein paar Monate.

Herzliche Grüße,
helen
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11 Dez 2020 19:35 #601114
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Danke für die sehr offene und interessante Schilderung der Reise. Ich kann mir gut vorstellen dass Ihr mit gemischten Gefühlen daran zurückdenkt. Aber vor allem werden Ihr froh gewesen sein, doch recht zeitnah einen Rückflug bekommen zu haben. Freunde von uns haben damals wochenlang in Marokko festgesessen. Ich dachte früher, dass man doch immer iegendwie zeitnah nach hause kommt. Das stimmt aber so auch nicht mehr und sollte doch eine Lehre für unüberlegte Reisen sein.
Hoffen wir dass die Lage zum Wohle aller sich bald entspannt!
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11 Dez 2020 22:16 #601132
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Herzlichen Dank für diesen ganz besonderen Reisebericht! Zum Glück mit einem happy end!
Das war nicht wirklich eine erholsame Reise, aber eine Reise von der ihr noch viele Jahre davon erzählen werdet und irgendwann vielleicht sogar über das eine oder andere lachen könnt.
Ich wünsche euch und uns allen, dass das unbeschwerte Reisen in nicht allzu weiter Ferne wieder zurückkommen wird und wir wieder planen und reisen können.
Bis es soweit ist, bleibt gesund! Liebe Grüsse Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
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12 Dez 2020 11:09 #601146
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  • freshy am 12 Dez 2020 11:09
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Guten Morgen Markandi,
das war spannend bis zum Schluss! Ich habe tatsächlich befürchtet, dass sich das Datum für euren Rückflug als Aprilscherz herausstellen könnte :ohmy: . Wenn ich an unsere frühen Reisen zurückdenke, ab 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts, bei denen abenteuerliche Umstände für uns mit zum Erleben gehörten, kriege ich heute im Nachhinein Schnappatmung. Ich stelle fest, dass ich das nicht mehr brauchen kann, nicht einmal beim Lesen. So habe ich bei jedem neuen Eintrag von dir Herzklopfen bekommen und war erleichtert, wenn die Fortsetzung glimpflich bis zum Rückflug ausging.

Herzlichen Dank für den Reisekrimi,
freshy
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