THEMA: Die Eulenmuckels cruisen vom KTP ins Kaokoveld
24 Mär 2020 21:08 #584068
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Namibia 2019




Die Eulenmuckels cruisen vom KTP ins Kaokoveld



Liebe Fomis,

vielleicht tut in diesen aufgeregten Zeiten ein bisschen Ablenkung gut – sowohl für uns Schreiber, als auch für euch Leser.
Vor zwei Wochen hatten wir noch arge Bedenken, diesen Bericht vor der nächsten Reise in den Sommerferien fertigzustellen. Die Bedenken sind nun anderer Art, Zeit für den Bericht haben wir umso mehr, und es ist leider sehr wahrscheinlich, dass es keine Reise in den Sommerferien geben wird. Daher freuen wir uns, die alten Fotos zu durchstöbern und die eine oder andere Erinnerung wieder aufleben zu lassen. Und so reihen wir uns in die aktuelle Flut von Berichten ein und nehmen euch gerne in Gedanken mit nach Namibia.

Wer den Reisebericht ohne Kommentare lesen möchte, klickt auf die Sonne oben rechts.
Wer nicht nur die Kommentare, sondern auch den Reisebericht nicht lesen möchte, klickt auf das Kreuz ganz oben rechts. ;)

Nun beginnt der Bericht unserer Reise in den Sommerferien 2019. Dieses Mal führte uns der Weg nicht in die Nachbarländer, sondern zunächst im Südosten in den Kgalagadi Transfrontier Park, wo letztes Jahr eine besonders große Trockenheit herrschte. In einem Bogen entlang des Namib-Rands und der Naukluft durchfuhren wir den Süden Namibias und machten wie immer eine mehrtägige Station in Swakopmund. Im letzten Teil der Reise besuchten wir zusammen mit unseren Freunden Bele und Matthias ausgiebig das Kaokoveld und entdeckten für uns neue Wege und Gegenden.
Die Abschnitte unserer Tour lassen sich folgendermaßen beschreiben: Tiere, Landschaft und noch mehr Landschaft, was so vielleicht ein bisschen eintönig klingt, es aber keineswegs war. Wieder einmal waren wir völlig begeistert von den Aussichten und Stimmungen, die Namibia uns zu bieten hatte. Um es vorwegzunehmen: Es war für uns eine besonders schöne und eindrucksvolle Reise, auf welcher wir viel Spaß mit allen Reisegefährten hatten und uns gut ergänzten. Wir reden tatsächlich immer noch miteinander!



Wir bitten euch einzusteigen und freuen uns auf eure Begleitung. Hier ist unsere Route:

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24 Mär 2020 21:16 #584071
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Tag 0 – 12. Juli 2019 – Anreise mit Verzögerung

Der Urlaub startet. Wir freuen uns. Die Zeugnisse sind verteilt, das Haus ist aufgeräumt, die Blumen sind gegossen, und Ruths Vater holt uns und unsere gepackten Taschen pünktlich ab, um uns nach Siegburg zum Bahnhof zu bringen. Dort sind wir nicht alleine. Ruths Kollegin Katrin, ihr Mann Martin und ihre beiden Kinder Sarah und Lukas fliegen ebenfalls nach Namibia. Sie waren vor einem Jahr bei uns und haben sich beraten lassen. Nun starten sie in ihr erstes Afrika-Abenteuer. Außerdem kamen Uwes Eltern und Ruths Schwester mit unserem Neffen, um uns zu verabschieden. Wir waren ganz gerührt über so viel Aufmerksamkeit, obwohl wir ja kein ganzes Jahr verreisen wollten.
Der ICE kam pünktlich, wir drückten unsere Lieben und hievten das Gepäck ins Abteil. Dieses Mal hatten wir nicht nur zwei Sitzplätze im Wagen 23 reserviert, sondern gleich vier. Das lag daran, dass Uwe sich im Mai schon nicht mehr daran erinnern konnte, bereits im Januar Plätze gebucht zu haben. Wie in den letzten Jahren hatten wir zusammen drei Reisetaschen dabei, aber dieses Mal waren sie besonders schwer, denn ein paar zusätzliche Mitbringsel begleiteten uns nach Namibia. Während der Fahrt erhielten wir per WhatsApp noch einige liebe Wünsche für unsere Reise und erreichten schon bald unter leichten Regenschauern den Frankfurter Fernbahnhof. Am Shuttlebus herrschte großer Andrang. Viele Leute standen an der Haltestelle und stürzten sich auf den einfahrenden Gelenkbus.



Wir wollten auf den nächsten Bus warten und beobachteten, wie sich immer mehr Menschen in das volle Fahrzeug drängten. Aber als der Fahrer losfahren wollte, schloss die vordere Türe nicht. Obwohl ein paar Leute wieder ausstiegen, klappte die Doppeltüre immer wieder auf. Einfach mit offener Türe zu fahren, war natürlich keine, sondern höchstens eine afrikanische Lösung, und so ließ der Busfahrer nach einigen Minuten alle Fahrgäste wieder aussteigen. Kurz darauf kam ein weiterer Shuttlebus, der ebenfalls in kürzester Zeit gestürmt wurde. Dementsprechend voll wurde die Wartezone. Wir ließen die Drängler vor und hofften auf den nächsten Bus. Aber der kam nicht. Nach etwa 20 Minuten erschien ein Flughafen-Mitarbeiter und empfahl uns, den Skytrain zum Terminal 2 zu nehmen. Also schleppten wir unser Gepäck einige weitere Rolltreppen hinauf und fuhren mit dem Zug. Die gute Laune des Flughafenangestellten, der uns einzeln begrüßte und mit lautem „noch fünf, vier, drei, zwei eine Sekunde bis zum Türeschließen“ in Kenntnis setzte, wann der Zug abfahren würde, war ansteckend. Obwohl wir bereits viel Zeit verloren hatten, waren alle entspannt.
Beim Check-In stand mittlerweile eine lange Schlange. So dauerte es, bis wir unser Gepäck aufgeben konnten. Während Katrins Familie noch Einzelheiten zum Thema Geburtsurkunden für ihre Kinder klärten, setzten wir uns schon in die Lounge. Bei etwas zu essen und zu trinken kamen wir ein wenig zur Ruhe. Von der Lounge liefen wir rechtzeitig durch die Handgepäck-Kontrolle und kamen in den Boarding-Bereich. Dort erfuhren wir bald, dass unser Flugzeug erst mit einer Verspätung starten konnte, weil derzeit kein Tankwagen verfügbar sei. Bei so einem Provinz-Flughafen kann das schon mal vorkommen.



Um die Warterei abzukürzen: Bis wir im Flugzeug saßen und drei Minuten vor dem Nachtflugverbot endlich doch noch abhoben, waren wir schon zweieinhalb Stunden hinter dem Plan. Casimodo-Carsten war so lieb, uns mit aktuellen Informationen zu versorgen. Diesen Screenshot bekamen wir natürlich erst viel später.



Die Nacht im Flugzeug war ziemlich unbequem, aber einigermaßen ruhig.
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25 Mär 2020 22:12 #584268
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Tag 1 – 13. Juli 2019 – Besorgungen in Windhoek

Casa Piccolo, Windhoek

Durch die Verspätung landeten wir in Windhoek bei Tageslicht. Es war neu für uns, beim Landeanflug auf Sand, Hügel, trockene Riviere und Büsche zu blicken. Wir hatten 10 Grad und kamen zügig durch die Einreiseformalitäten. Das Gepäck war sensationell schnell da, aber leider ließen sich die anderen Touristen, die auch von Savanna abgeholt wurden, viel Zeit. Wir nutzten die Wartezeit und deckten uns mit Bargeld ein. Als alle Familien versammelt waren, konnte der Transfer zur Autovermietung beginnen.
Auf den 40 Kilometern bis Windhoek passiert ja normalerweise nicht viel. Wir sahen neben der Straße ein paar Paviane und schon die ersten Antilopen bei den Gästefarmen. Dann flog eine Schar verrückter Perlhühner auf und versuchte, unmittelbar vor unserem Bus die Straße zu überqueren. Es wurde sehr knapp, und plötzlich knallte ein Huhn unter der Windschutzscheibe gegen das Auto. Peng! Unser Fahrer hielt an und begutachtete den Schaden. Das arme Huhn hatte eine ordentliche Delle am Auto hinterlassen.
Bei der Autovermietung wartete bereits ein nagelneuer Landcruiser auf uns. Wir beeilten uns mit den Formalitäten, aber als wir schon losfahren wollten und Uwe den Schlüssel für die Hecktür ausprobierte, stellte sich ein Defekt am Schloss heraus. Es ließ sich nicht abschließen. Welch Überraschung: ein Problem mit dem Schloss der Hecktüre! Hierin sind wir ja bereits Profis. Die Mechaniker kamen und bastelten.



Wir verloren die nächste Stunde, während das Schloss ausgebaut, bearbeitet und wieder eingebaut wurde. Dann wollen wir mal hoffen …
Da die Zeit schon reichlich fortgeschritten war, fuhren wir zuerst zum Bottle Store bei der Maerua Mall und kauften die Getränke, die nur bis Samstagmittag verkauft werden. Dann holten wir Katrin mit Familie bei Savanna ab, die ebenfalls viel Zeit dort verbracht hatten, um sich alles genau erklären zu lassen. Zusammen fuhren wir ins Casa Piccolo und bezogen unsere Zimmer. Eine längere Pause war aber nicht drin, und so ging es schnell weiter zum Superspar. Dort wollten wir im nahe gelegenen Fast-Food-Restaurant auf die Schnelle eine kleine Portion Pommes essen. Da es nichts zum Mitnehmen gab, setzten wir uns an einen Tisch und bestellten jeder eine Portion Fritten, Sarah und Lukas zusätzlich einen Burger. Unsere Augen wurden ziemlich groß, als die Teller kamen. Wir bemerkten unseren Fehler rasch, denn so sehr wir auch stopften, die Berge wurden einfach nicht kleiner.



Die erste Einkaufsrunde drehten wir durch Fruit and Veg, wo wir zwar nur Kleinigkeiten, aber insbesondere erstklassige Müsli-Zutaten besorgten.



Den eigentlichen Großeinkauf machten wir dann im Spar. Trotz Routine dauerte es wieder ziemlich lange, machte aber auch Spaß. So wurde gekauft, als gäbe es kein Morgen. Die Kassierer und ihre Helfer kümmerten sich sehr nett um unsere Einkäufe, packten alles in Tüten und brachten sie zum Auto.



Mit vollem Laderaum ging es zurück zur Pension, wo wir in Windeseile die Sachen verstauten und unsere Ausrüstung im Wagen verteilten.



Obwohl wir noch nicht mit allem fertig waren, gingen wir duschen, weil es schon sehr spät war.
Joe’s Beerhouse bot ganz neu einen Shuttleservice an, so dass man sich nicht mehr extra um ein Taxi kümmern muss. So wurden wir direkt an der Pension abgeholt. Da wir aber sechs Personen waren, musste der Fahrer zweimal fahren.



Wir hatten einen schönen Tisch im nicht ausverkauften Restaurant. Unterschiedliche Wildspezialitäten landeten auf unseren Tellern, und auch ein Nachtisch, sei es traditionell oder in Form eines Cocktails fehlten nicht. Katrin und Martin waren so lieb uns einzuladen. Danke!



Satt und todmüde fuhren wir zurück zum Casa Piccolo. Dieses Mal lud uns der Fahrer alle gleichzeitig in seinen PKW. Zu fünft auf der Rückbank hatten wir eine lustige und kurzweilige Fahrt, bei der Ruth versuchte, sich leichter zu atmen.

Danke an Katrin für das Foto


Zurück in der Pension gab es nur noch eins: Möglichst schnell Matratzen-Horchdienst!
Letzte Änderung: 25 Mär 2020 22:16 von Eulenmuckel.
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26 Mär 2020 22:25 #584468
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Tag 2 – 14. Juli 2019 – Willkommen Gravel

Casa Piccolo, Windhoek – Kalahari Farmhouse, Stampriet

Heute Morgen war es zum Glück angenehm warm. Wir standen gegen sieben Uhr auf und räumten weiter unsere Sachen ins Auto. Gestern war doch etwas wenig Zeit für alles geblieben. Aber da wir ja schon ziemlich genau wissen, welche Sachen in welches Fach gehören (wir gehen da sehr autistisch vor), ging es recht flott. Nachdem fast alles verstaut war, trafen wir uns mit Katrin und ihrer Familie. Kaffee und Rühreier mit Speck waren Martins Geburtstagsfrühstück.
Anschließend trafen wir Claudia (die Besitzerin des Casa Piccolo), begrüßten uns herzlich und tauschten ein paar Neuigkeiten. Für unsere ersten Sundowner bekamen wir noch zwei tolle Zitronen direkt vom Strauch von ihr geschenkt.



Die Sonne schien angenehm von einem blauen Himmel. Leider mussten wir uns von den vier anderen schon verabschieden. Während sie noch eine Nacht in Windhoek bleiben, zieht es uns schon weiter Richtung Süden.
Als auch die letzte Klamotte im Auto verstaut war, brachen wir auf, tankten den Wagen voll und fuhren zu Savanna. Dort deponierten wir unsere Reisetaschen, holten noch ein paar vergessene Utensilien und ließen dort eine Tasche mit Haribos – die ersten Kilo Mitbringsel waren wir los.
Nach elf Uhr verließen wir die Stadt nach Osten Richtung Flughafen und bogen nach einigen Kilometern auf die C23 Richtung Süden ab. Auf dieser Nebenstrecke fuhren wir unserem Tagesziel Stampriet entgegen. Nur wenige andere Fahrzeuge begegneten uns, hauptsächlich Farmer und Eselkarren.













Unzählige Perlhühner scharrelten neben der Straße, Warzenschweine liefen schnell davon, und sogar ein paar Oryx und die ersten Springböcke sahen wir. Etwa 30 Weißrückengeier vergnügten sich an zwei Kuhkadavern. Weitere kreisten über uns und landeten bei ihren Kollegen. Leider waren sie zu weit entfernt für ein Foto.
Kurz nach drei Uhr erreichten wir das Kalahari Farmhouse, das zur Gondwana Collection gehört. Wir checkten ein und waren zunächst die einzigen Gäste auf der Campsite. Diese liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stampriet unter großen Palmen. Es gibt einen Braaiplatz, Wasser, Licht und Strom.



Zuerst wurde noch ein wenig herumgeräumt, dann begannen wir schon bald mit den Vorbereitungen für unser Abendessen. Dies bei Tageslicht zu tun, ist bei uns eher eine Seltenheit. Auch diesmal waren wir schnell abgelenkt, denn zwei Vögel erregten unsere Aufmerksamkeit: ein Familiar Chat und ein Kurzzehen-Rötel. Ruth schnappte sich sofort den Fotoapparat und lief den beiden hinterher.





Außerdem entdeckte sie auch noch einige

Mahali-Weber,



zwei Kapstelzen,



und einen Scrub Robin?



Danach musste sie erst einmal ihre Schuhsohlen von unzähligen kleinen Dornen befreien, die sich dort angesammelt hatten.
Etwas später traf noch ein weiteres Pärchen ein und stellte sich unmittelbar neben uns. Die beiden waren so leise, dass wir uns fragten, ob sie überhaupt miteinander sprachen. Auch vom Zeltaufstellen bekamen wir kaum etwas mit. Da sie sich so rücksichtsvoll verhielten, war es uns ein wenig unangenehm, mit dem großen Fotoapparat um sie herumzulaufen und Unruhe zu verbreiten. Wir verzichteten daher auf die weitere Vogelpirsch und legten stattdessen ein toll aussehendes Eland-Filet auf die Glut des heruntergebrannten Feuers. Nicht viel später aßen wir dazu Grillbrote mit Knoblauchbutter und gemischten Salat. Abgesehen davon, dass es uns unheimlich gut schmeckte, war es in der Kalahari – wie wir eigentlich befürchtet hatten – überhaupt nicht kalt. Nach dem Spülen um halb acht hatten wir immer noch 15 Grad. So soll es bitte bleiben. Im letzten Tageslicht saß ein kleiner Perlkauz auf einem Zaunpfosten. Zunächst erkannten wir ihn gar nicht, sondern hielten ihn für einen anderen Vogel. Bei näherem Hinsehen, erkannten wir die winzige Eule und freuten uns sehr. Sie flog in eine der Palmen und stieß ihren typischen Alarmanlagen-Ruf aus.



Mittlerweile war es auf der Campsite ziemlich voll geworden. Vier Stellplätze in Reihe waren schon belegt, und als es fast dunkel war, kamen noch zwei Autos mit Südafrikanern, die auf der anderen Seite von uns parkten und lautstark kommentierten, was als nächstes zu tun sei. Munter unterhielten sie sich aus dem Auto hinüber ins Zelt oder von dort auf den Weg zum Toilettenhäuschen. Tisch und Stühle wurden aufgestellt und Essensvorbereitungen getroffen. Es war ein Rascheln, Klappern, Türen-Schlagen, Schnattern und Kreischen, und wir nahmen uns wieder einmal vor, noch mehr darauf zu achten, auch in einer Gruppe leise zu sein. Zu zweit ist das nämlich ganz wunderbar möglich, wir ertappen uns aber manchmal dabei, dass man sich in Gesprächen mit mehreren nicht immer daran hält. Uwe ist ja der Meinung, dass das daran liegt, dass er sehr gut zuhören und nur wenig reden kann. Das kompensiert dann den anderen Animateur.
Die Campsite ist als Zwischenstopp auf dem Weg in den KTP in Ordnung, aber nochmal würden wir so schnell wohl nicht mehr hier übernachten. Da gefallen uns die etwas abseits liegenden Stellplätze von Bagatelle oder der Anib Lodge besser.

Kilometer: 289
Letzte Änderung: 26 Mär 2020 22:56 von Eulenmuckel.
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27 Mär 2020 21:51 #584582
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Tag 3 – 15. Juli 2019 – Ankunft im KTP

Kalahari Farmhouse, Stampriet – Mata-Mata, KTP

Die Nacht war kühl, aber nicht eisig. Als wir um 7.30 Uhr aufstanden, hatten wir fünf Grad, und über der Ebene hing leichter Nebel.



Die Sonne war aufgegangen, und so gab es keinerlei Grund zu frieren. Dennoch war es uns nicht gemütlich genug, um ausgiebig zu frühstücken. Stattdessen gab es Kaffee, Tee und ein paar Rusk im Stehen.



Wir packten in Ruhe unsere Sachen zusammen und fuhren gegen halb neun los. In Stampriet tankten wir nochmal voll und verließen hinter dem Ort wieder die Teerstraße. Auf der C15 ging es weiter nach Südosten durch das Auob-Tal. Bereits hier fiel uns die Trockenheit auf. In der Ebene stand kein Gras, nur hartes, graues Gestrüpp säumte den Weg. Kilometerweise waren alle Bäume und Sträucher gerodet und zu Holzkohle verarbeitet. Vereinzelt qualmten die Meiler vor sich hin.
Über den Tafelbergen kreisten ein paar schwarze Felsenadler.





Einzelne Klippschliefer und Springböcke ließen sich blicken. Sonst fuhren wir durch wenig abwechslungsreiche Landschaften. Natürlich hingen einige große Webervogelnester in teilweise toten Kameldornbäumen. Wie gestern waren außer uns kaum Autos unterwegs, bestenfalls ein paar Farmer.



Wir machten keine Pause und erreichten kurz nach Mittag Mata Mata. Die Ausreise ging schnell, und auch in der südafrikanischen Rezeption waren wir alleine. Im Shop kauften wir Feuerholz und suchten uns einen Stellplatz mitten im Camp im Schatten. Während einer längeren Pause picknickten wir mit Wildschinken, Kräuterfrischkäse, Möhren und Butterbroten.









Dann duschten wir und brachen zu unserem ersten Gamedrive auf. Durch das Auob-Tal fuhren wir etwa 30 Kilometer nach Süden. Wie befürchtet war es auch hier sehr trocken, und kaum Tiere ließen sich blicken. Ein paar Springböcke, wenige Gnus und eine Handvoll Giraffen standen im Tal.
In einem Baum entdeckten wir eine Wildkatze, die sich mit der Fellpflege beschäftigte.



Nach den großen Springbockherden, Oryxantilopen oder den vielen Schakalen, die wir hier sonst stets an den Wasserlöchern angetroffen hatten, hielten wir diesmal vergeblich Ausschau. Es war fast ein wenig trostlos. Selbst die Geier, Falken und Raubadler waren in andere Gebiete geflogen, und ein einzelner Singhabicht war für heute alles, was wir an Greifvögeln vor die Linse bekamen.

Weißbürzel-Singhabicht



Rußnektarvogel



Einige Kilometer weiter döste die nächste Katze im Baum. Auch sie blinzelte nur träge in die Sonne und rührte sich nicht.





Bei Craig Lockhart lief ein Honigdachs zum Wasserloch. Wir erkannten im ersten Moment von weitem gar nicht, um was für ein Tier es sich handelte, weil es so dürr und ausgemergelt aussah. Seine Beine schienen viel zu lang, und er stolperte schwach vorwärts.





Zehn Meter vor dem Wasser legte er sich platt auf den Boden, um Kraft zu sammeln. Für uns sah es so aus, als bräche er zusammen und schaffe es vor Schwäche keinen Schritt weiter.



So hatten wir einen Honigdachs noch nie gesehen. Normalerweise kennen wir sie als kräftige Burschen, vor denen alle anderen Tiere Respekt haben. Dieser hier war so klapprig, dass er uns leidtat. Am liebsten wären wir ausgestiegen und hätten ihn zum Wasser getragen. Irgendwann schleppte er sich aus eigener Kraft weiter und trank. Wie ein Betrunkener torkelte er anschließend im Zickzack wieder davon. Weit kam er allerdings nicht, denn schon ein paar Meter hinter dem Wasserloch lag er wieder im Sand. Wir waren uns ziemlich sicher, dass dieses Tier nicht mehr viele Sonnenaufgänge zählen würde.



Nach dieser Begegnung machten wir uns Gedanken, ob wir unseren Besuch im KTP doch besser hätten stornieren sollen. Von ein paar Freunden oder anderen Fomis hatten wir gehört, dass sie ihren Aufenthalt auf Grund der Dürre in diesem Jahr gecancelt hatten. Wir hatten damals überzeugt geantwortet, dass Mäuse, Vögel und vor allem Eulen sicherlich bleiben würden. Wenn sämtliche Antilopen und mit ihnen alle größeren Katzen abgewandert wären, würden wir eben nur Karakale fotografieren. Das scheue Tier stand schon lange ganz oben auf unserer Wunsch-Liste. Trotz etlicher Besuche im KTP war uns noch nie eine Sichtung geglückt. Nun machte sich doch ein wenig die Sorge breit. Solch armen Kreaturen wie diesem Dachs wollten wir nicht eine ganze Woche lang bei ihren letzten Schritten zusehen. Wir verdrängten diese düsteren Aussichten und sahen zwei Giraffen bei ihren mühevollen Trinkversuchen zu, bevor wir umdrehten und uns langsam auf den Weg zurück ins Camp machten.





Als wir ein kurzes Stück gefahren waren, bemerkte Uwe im Rückspiegel ein Stück Metall, das hinter dem Auto auf der Fahrerseite hervorstand. Die Halterung einer Gasflasche hatte sich gelöst und baumelte lose herum. Uwe schnitt eine Scheibe von unserer Schwimmnudel ab und klemmte sie unter die Metallmanschette, um die Gasflasche fester zu spannen.
Unsere beiden Wildkatzen lagen noch immer an derselben Stelle in ihren Bäumen. Die erste hatte nur leicht ihre Position geändert.



Im späten Sonnenlicht fuhren wir zurück ins Camp, machten Feuer und grillten Boerewors, Brote und aßen gemischten Salat.



Der Vollmond schien vom Himmel, und wir standen mit gemischten Gefühlen im KTP. Einerseits waren wir froh, nach zwei Jahren Pause wieder hier zu sein. Andererseits merkten wir schon jetzt, dass die Trockenheit das Landschaftsbild des Parks verändert hatte und wir dieses Mal weniger Tiere zu sehen bekämen. Selbst die sonst viel gesichteten Rotbauchwürger, Glanzstare und Schwalbenschwanz-Spinte hatten sich heute kaum gezeigt.
Als wir im Dunkeln noch am Feuer saßen, stimmten plötzlich die Schakale um das Camp herum ihr typisches Gejaule an. Der Ruf der Kalahari tröstete uns, und es war herrlich, ihren Stimmen zu lauschen.

Kilometer: 326
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Tag 4 – 16. Juli 2019 – Ein ganzer Tag Gamedrive

Mata-Mata

Auch in Mata Mata waren die Nacht und der Morgen nicht sehr kalt. Bei knapp vier Grad konnten wir es beim Aufstehen gut aushalten. Wie gestern kochten wir Tee und Kaffee und packten den Camper zusammen.



Bei den Südafrikanern liefen kollektiv die Motoren, teilweise ließen sie sie aufheulen und fuhren bereits lautstark über den Platz.
Wir holten unser Permit und brachen auf in den Park. Das erste Morgenlicht auf den roten Dünen war wunderschön.





Tiere sahen wir wie erwartet wenige. Ein paar Oryx kämpften und wirbelten dabei eine Menge Staub auf.







Wieder entdeckte Ruth eine einzelne Wildkatze in einem Baum.



Wie man sieht – oder eben auch nicht, ist das während der Fahrt kein einfaches Unterfangen.

Suchbild – Wer findet die Katze?



Drei Löffelhunde lagen nicht weit von der Straße, schreckten aber hoch, als wir hielten und entfernten sich schnell.



Die Springböcke ließen sich von der Trockenheit ebenfalls nicht die Laune verderben und sprangen in ihrer typischen Art über die Ebene, dass es nur so staubte.







Wir rollten langsam nach Süden und hielten an vielen hohen Bäumen, um nach Eulen oder weiteren Wildkatzen Ausschau zu halten. Zur Not hätten wir auch einen kleinen Leoparden genommen. So kamen wir natürlich nur langsam voran und erreichten den Kamqua Picknickplatz erst am späten Vormittag.

Marico-Flycatcher





Trotzdem machten wir eine Frühstückspause mit Müsli und Nutella-Broten. Als wir dort saßen, lief eine Mutter mit ihrer Tochter auf dem Weg zur Toilette an uns vorbei. Die Tochter meinte ganz verzückt: „Oh, guck mal, Nutella.“ Als die beiden zurückkamen, bot Ruth der Kleinen etwas an. Die Nutella-Süchtigen müssen einander in knappen Zeiten aushelfen. Das ließ sich das Mädchen nicht zweimal sagen, holte aus ihrem Auto zwei Scheiben Brot und schmierte sich die Schokoladenmasse darauf. Wir tauschten mit der netten Familie aus Braunschweig ein paar Worte.
Ein Südafrikaner gab uns den Tipp, dass auf der Verbindungsstrecke ins Nossobtal Löwen zu finden seien. Daher fuhren wir nicht weiter nach Süden, sondern bogen nach Osten ab. Beim Wasserloch Vaal Water fanden wir tatsächlich ein paar Löwinnen und einen Pascha auf den Dünen. Selbstverständlich schlief das Rudel, und nur ab und zu hob eines der Tiere den Kopf.





Obwohl sich hier nicht allzu viel tat, blieben wir über eine Stunde bei den Löwen und nutzten die seltenen Gelegenheiten, wenn ein Tier die Position wechselte und wenigstens ein wenig Aktion zeigte.







Zurück bei Kamqua legten wir eine weitere kurze Pause ein und verdrückten ein paar Kekse. Zwischendurch ernährten wir uns von Biltong, Chips und getrockneten Mangostreifen. Da der Nachmittag schon fortgeschritten war, fuhren wir nun wieder zurück Richtung Mata Mata. Zeitweise fühlten wir uns wie das einzige Fahrzeug im Park bzw. sogar wie die zwei einzigen Lebewesen. So leer war es im KTP.
Aber wir dürfen auch nicht unfair sein. Über den Tag verteilt sahen wir schon einige Tiere. Ein paar Giraffen standen in der Ebene, hin und wieder begegneten wir Gnus, Oryx und Springböcken. Aber an den Wasserlöchern, zu denen sonst immerhin viele Vögel zum Trinken kommen, war absolut nichts los. Wir sahen einzelne Geier, die man aber an einer Hand abzählen konnte, ein paar Mal einen Weißbürzel-Singhabicht und weit entfernt zwei Gaukler. Insgesamt blieb es jedoch sehr überschaubar.
Kurz vor dem Camp entdeckte Uwe einen Wiedehopf, der auf dem Boden nach Futter pickte. An einer Stelle hatte er wohl etwas Tolles entdeckt und stocherte wie wild in der Erde. Was er anschließend mit Genuss verschlang, sah für uns weniger toll aus.









In Mata Mata kauften wir Feuerholz, duschten und bereiteten das Abendessen. Ruth legte das Fleisch ein und packte Broccoli, Blumenkohl und Möhren in Alufolie. Heute Abend grillten wir Oryx, das zusammen mit Knoblauchbrot und dem Gemüse fantastisch schmeckte.
Nach dem Abwasch saßen wir noch etwas am Feuer und hörten wieder die Schakale. An der beleuchteten Wasserstelle schlichen zwei Tüpfelhyänen umher.

Kilometer: 150
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