THEMA: Als Volunteer im EHRA Wüstenelefanten Projekt
05 Jun 2018 22:07 #522997
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  • Markandi am 05 Jun 2018 22:07
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Liebe Fomis,
nach mehr als 20 Jahren Reisen im südlichen Afrika und 7 Jahren weitgehend passiver Mitgliedschaft im Forum, möchte ich heute meinen ersten Reisebericht starten. Dieser Bericht über meine Zeit als Volunteer bei EHRA ist fast eine 1:1 Abschrift meines ausführlichen Reisetagebuchs und enthält daher die teilweise sehr persönlichen Eindrücke, Gedanken und Gefühlsregungen (!) während der Tour. Ein paar gedanklich ausgesprochene Schimpfworte habe ich entschärft ;-), aber allzu oft musste ich unterwegs zum Glück nicht fluchen :-). Ich habe es weitgehend vermieden, Namen von Mitreisenden zu nennen, bzw. einigen Personen, die häufiger erwähnt werden, andere Namen gegeben.



Ein paar Fakten (Ablauf, Budget, Pros, Cons, persönliches Fazit) zum Volunteer Programm habe ich kürzlich im Thread „Erfahrungen mit EHRA Wüstenelefanten Projekt“ (#486711) den ich im August 2017 geöffnet habe, zusammengestellt und mir damit quasi auch gleich meine Fragen vom letzten Jahr selbst beantwortet ;-)

Aber nach (mittel)langer Vorrede geht es nun endlich los. Am Anfang wird’s etwas textlastig, aber durchhalten…Fotos kommen auch noch; sofern ich das mit dem Hochladen und Einfügen hinkriege ;-)!

Abreise nach Windhoek - Freitag, 16. Februar 2018
(Schon) wieder unterwegs zu einem neuen Abenteuer… Dabei bin ich mit meinen Gedanken doch noch sehr oft bei den Erlebnissen und bei lieben Menschen aus der Zeit, die ich im November 2017 als Volunteer im Birungi Kindergarten Projekt in Uganda verbracht habe.

Aber nun sitze ich in der Bahn nach Frankfurt und proste mir selbst mit dem rosa Secco zu, der mir mit auf die Reise gegeben wurde.

Nach einer gewissen Anspannung der letzten Tage fühle ich mich plötzlich ziemlich leicht und muss lächeln. Vielleicht bin ich auch ein wenig stolz auf mich bin, dass ich mit über 50 Jahren nun alleine dieses Abenteuer antrete, vor dem ich bei aller Vorfreude durchaus Respekt habe. Ich fühle mich jedenfalls sehr lebendig! Abenteuer ich komme!!!

Mit dem Shuttle von der Hauptstadt an die Küste - Samstag, 17. Februar 2018
Here I am! Gelandet in Windhoek! Und es fühlt sich gut an! Obwohl ich beim Landeanflug wie immer ein paar Tränchen in den Augen hatte und dieses Mal nicht die Hand meines Mannes ergreifen konnte. Für das EHRA Programm hätte ich ihn niemals begeistern können. Aber er wird ja bald für unsere gemeinsame Reise nachkommen :kiss:

Im Flieger habe viel geschlafen und die Einreiseprozedur und die Gepäckabwicklung verliefen auch ganz ok. Die Abholung am Flughafen, die EHRA für mich organisiert hat, erfolgt durch eine sehr nette ältere Shuttle Lady. Da keine anderen Gäste da sind, lässt sie mich alles Nötige besorgen: Geld aus dem ATM, MTC PrePaid Starter Kit, Where to Stay Broschüre und Gin im Bottle Store (rechtzeitig bevor ab 13:00 bis Montagmorgen kein Alkohol mehr verkauft werden darf!).

Um 9:30 Uhr, sitze ich mit einem ersten Cappuccino im Roof of Africa Hotel, wo ich auf den Welwitshia Shuttle warten kann, der immer mittags von Windhoek Richtung Swakopmund fährt. Der Garten mit Pool im Innenhof ist sehr nett; mit vielen Liegen und Sitzgelegenheiten. Mein Herz jubelt über die Sonne und die noch angenehmen Temperaturen. Bye, bye deutscher Winter – Du kannst mich mal!

Die Wartezeit bis 13:00 Uhr vergeht schnell mit lesen, dösen und einem leckeren Curry Chicken Salad. Alles bestens!!! Die Fahrt mit dem Welwitschia Shuttle nach Swakopmund ist dann aber doch ziemlich anstrengend. Es werden noch etliche Leute eingesammelt und der kleine Transporter ist fast komplett voll und recht eng. Die beiden Pausen in Okahandja und Usakos sind sehr willkommen, um die Beine zu strecken und die Füße zu vertreten. Allerdings trifft mich die Hitze beim Aussteigen auch wie eine Keule - insbesondere in Usakos, wo mich der Security Mann im klimatisierten Tankstellenshop grinsend mit den Worten „Welcome to the coolest place in town“ begrüßt.

Gegen 18:00 Uhr treffe ich beim Desert Sky Backpacker ein und denke: “Genial! Super Swakopmunder Sonnen Wetter! Da schaffe ich es direkt noch zum Sundowner in der Tiger Reef Bar!!“

Leider teilt mir die Dame an der Rezeption aber mit, es gäbe da „a little problem“. Ihre Chefin Betsy habe einen Fehler gemacht und das Zimmer doppelt vergeben. Oh, „a little problem“? Für mich ist das eher eine mittlere Katastrophe! Ich bin ja inzwischen fast 30 Stunden unterwegs!!! Ich insistiere also ziemlich streng und die sichtlich überforderte Angestellte versucht ihre Chefin zu erreichen! Ich werde immer genervter!!!

Es gibt ein langes Hin- und Her und mir werden diverse externe Übernachtungsalternativen angeboten, die mich alle nicht überzeugen. Ich habe mich für den Desert Sky Backpacker entschieden, weil es der Treffpunkt für die EHRA Teilnehmer ist und weil ich mich als Alleinreisende auf zwanglose Kontakte mit anderen Backpacker Gästen bzw. EHRA Teilnehmern gefreut habe! Und genau das finde ich hier! Schon während meiner Wartezeit im ansprechenden Backpacker Garten habe ich eine Gruppe deutscher „Jungs“ und ein paar Südafrikaner kennengelernt.

Schließlich kann ein Backpacker-Dauergast überredet werden, mir sein Zimmer für die nächsten 2 Nächte zu überlassen und in Betsys Haus zu ziehen. Der nette, junge Holländer räumt das Zimmer bis auf ein paar Sachen im Kleiderschrank und ich ziehe ein. Juhu! Finally! Das Zimmer ist klein, aber wirklich ansprechend. Und Betsy erlässt mir für den Ärger den Preis für eine Nacht. Also, alles wieder in Ordnung!!!

Die Sundowner Zeit ist leider schon längst vorbei, aber ich habe während der Wartezeit schon im Garten einen mitgebrachten Gin Tonic getrunken. Jetzt laufe ich mal schnell rüber zur Napolitana Pizzeria. Mit der Pizza im Garten angekommen treffe ich auf die drei deutschen „Jungs“ (in meinem Alter), die ich ja schon während meiner Wartezeit kennengelernt habe und es wird ein richtig netter Abend. Wir quatschen und trinken und es kommen noch zwei Schweizer dazu. Obwohl ich eigentlich total müde bin, bleibe ich bis ca. 23:00 Uhr in dieser unterhaltsamen Runde. So habe ich mir das vorgestellt. GENAU SO!!!

Dann gibt es noch ein Skype Schwätzchen mit meinem Mann und danach ab ins Bett. Das ist zwar ziemlich hart, aber ich schlafe gut!

Auftakt in Swakopmund - Sonntag, 18. Februar 2018
Gut ausgeruht gehe ich am Morgen in die Gemeinschaftsküche und mache mir einen Kaffee. Damit geselle ich mich zu den drei Jungs, denen ich Infos zum Doros Krater Trail versprochen habe. Als sie schließlich aufbrechen, starte ich meinen ersten Rundgang im vertrauten Swakopund. Die Chicken Salad Rolls bei Raith‘s sind nicht so gut, wie die Brötchen, die es immer im leider seit 2 Jahren geschlossenen Café Treff gab! Schade!!! Aber es ist herrlich, in der sonnigen Stadt herumzulaufen, auch wenn sonntags fast alles geschlossen ist.

Essensmäßig habe ich die Qual der Wahl und möchte irgendwie alles gleichzeitig! Blöd eigentlich; ich habe doch noch so viel Zeit in Swakopmund. Ich entscheide mich für Brewer & Butcher und hätte gerne einen Tisch mit Schatten und Blick auf den Strand. Da keiner frei ist, frage ich einen einzelnen Mann, der ganz ok aussieht und vielleicht etwas jünger ist als ich, ob ich mich zu ihm setzen darf. Er weist stumm, aber nicht unfreundlich auf den Stuhl und schaut sofort weiter auf das Meer! Nicht die leiseste Andeutung einer Kommunikation! „Ok“, denke ich, “der will wirklich seine Ruhe haben!“ Ich esse Cesars Salad, trinke einen Bier Flight (oder auch 2 :) ), schaue ebenfalls aufs Meer und verbiete mir jegliche Kontaktaufnahme.



Ebenso verbiete ich mir, aus Unsicherheit ständig mit meinem Smartphone rumzuspielen, denn schließlich habe ich ja gesagt, dass ich dort sitzen möchte, um den View zu genießen. Da kann ich mich nicht lächerlich machen, indem ich die meiste Zeit aufs Display starre. Als ich zur Toilette muss, wage ich aber doch eine kurze Bemerkung. Ich sage, dass ich gleich zurück bin und ihm also keinesfalls meine Rechnung „überlasse“. Kurzer Blick und Schweigen!!! Als ich schließlich zahle und mich verabschiede, besteht die Antwort wieder aus einem stummen Nicken – nicht unfreundlich, aber doch irgendwie schräg. So ein stoisches gemeinsames Schweigen ist schon ungewöhnlich und wirklich nicht leicht auszuhalten. Alleine reisen ist doch immer wieder für neue Erfahrungen gut! ;-) Ich hoffe trotzdem, die nächsten Begegnungen werden deutlich kommunikativer!!!

Zurück im Desert Sky muss ich meine Taschen reorganisieren. Leider konnte ich zu Hause keine EHRA und Non-EHRA Tasche packen, denn ich wollte das Gewicht der beiden Reisetaschen für die Anreise möglichst ausgeglichen verteilen. Nun muss ich also den kompletten Inhalt von zwei großen Reisetaschen in einem relativ kleinen Zimmer verteilen und alles umpacken. Gar nicht so einfach! Die Tasche mit den Sachen, die ich nicht für EHRA brauche, kann ich im Backpacker zurücklassen; ebenso wie einige Papiere und Wertsachen, die Betsy im Safe einschließen wird.

Inzwischen sind auch schon EHRA Teilnehmer im Garten. Bei meinem vorherigen Stopp im Desert Sky habe ich schon zwei nette EHRA Interims. Die eine ist Amerikanerin und macht eine Ausbildung zum Safari Guide. Wie Gesa Neitzel, deren Buch „Frühstück mit Elefanten“ mich auf EHRA aufmerksam gemacht hat, absolviert sie einige Wochen bei EHRA. Die andere ist Namibierin und schreibt ihre Studienarbeit über Elefanten und ist deshalb ebenfalls vorübergehend bei EHRA engagiert.

Jetzt findet sich die ganze Gruppe im Garten zusammen: Ein Mann und sonst nur Mädels; teilweise sehr jung. Eine Frau ist vielleicht älter als ich (war sie dann doch nicht :ohmy: ), eine so Anfang 40. Eine insgesamt sympathische Gruppe! EHRA Assistent Manager Markus kommt dazu und brieft uns für den nächsten Tag. Alles ganz easy!

Ich komme schnell mit der Schweizerin Claudia ins Gespräch und wir gehen zusammen ins Lighthouse Bistro essen. Das Essen ist nicht 100% überzeugend, aber es war einen Versuch wert, denn man sitzt dort angenehm draußen und mit Claudia ist es sehr nett und lustig.

Zurück im Garten halte ich noch ein Schwätzchen mit Katharina, die schon 2 Wochen EHRA hinter sich hat und als „Betthupferl“ gibt es einen Skype Talk mit meinem Mann :kiss: . Der Tag war gut!!!

Aufbruch zum EHRA Base Camp - Montag, 19. Februar 2018
Der Tag beginnt gemütlich, da wir erst um 11:30 Uhr aufbrechen. Mit Claudia streife ich durch Swakopmund und wir machen die noch notwendigen Besorgungen bei Cymot, Pick & Pay und in der Apotheke und genießen Frühstück im neuen Krishan Bistro.

Dann geht es (endlich!?) los! Wir treffen uns alle am Gate und laden unser Gepäck in den Trailer. Für einige Minuten erscheint Rachel vom EHRA Management. Sie macht einen freundlichen und quirligen Eindruck, ist aber - nachdem sie ein paar Fotos geschossen hat - schnell wieder verschwunden.





Zum Camp fahren wir die übliche Strecke entlang der Küste nach Henties Bay, dann in Richtung Uis und von dort zum Brandberg. Kurz hinter der Ugab Brücke biegen wir nach links in eine tolle Wüsten- und Felsenlandschaft ab. Das Hinweisschild zum EHRA Base Camp löst ein gewisses Kribbeln im Magen aus. Bald sind wir also da...



Drei junge Frauen aus Deutschland und eine Kanadierin machen bereits ihre zweite EHRA Phase und kennen sich bestens aus. Grace, die hier ihre Stelle als Interim antritt, hat aufgrund ihrer bereits mehrmonatigen Ausbildung als Safari Guide ein gutes Auge dafür, wie sie sich nützlich machen kann. Das einzige Paar in der Gruppe, zwei sehr junge Teilnehmerinnen aus Deutschland und Australien, Claudia und ich sind die Greenshorns, die noch nicht so recht wissen wohin mit sich. Zumindest die jungen Mädchen gehen direkt „On Duty“ (Küchendienst) und müssen nun helfen das Abendessen zuzubereiten. Wir anderen fühlen uns (wahrscheinlich) alle etwas nutzlos. Ach, einfach geduldig sein! Und, außerdem muss ja das wunderschöne Camp erstmal erkundet werden!
Anhang:
Als Volunteer in Uganda – Eine neue Erfahrung für eine „alte“ Afrikasüchtige
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Letzte Änderung: 06 Jun 2018 23:24 von Markandi. Begründung: Link zu Birungi hinterlegt
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05 Jun 2018 22:30 #522999
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  • ANNICK am 05 Jun 2018 22:30
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Hallo Markandi,

Finde ich einfach spitze dass du uns an deinem Abenteuer teilnehmen lässt! :)

Ich bin echt gespannt wie du diese Zeit erlebt hast. B)

Freue mich schon riesig auf die Fortsetzung.

Es grüsst
Annick
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05 Jun 2018 22:43 #523000
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  • Fortuna77 am 05 Jun 2018 22:43
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Hallo Markandi,

ich bin auch schon ganz gespannt und verfolge Deinen Bericht gerne mit! :)

Viele Grüße,
Nadja
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05 Jun 2018 22:57 #523002
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  • Markandi am 05 Jun 2018 22:07
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Danke für dein Interesse Annick. Das spornt mich an! Momentan kämpfe ich noh etwas mit der Technik! Ist eben mein erster Reisebereicht. Hatte eigentlich grade noch etwas zugefügt, aber es ist weg. Tücken der Technik... Morgen geht's hoffentlich weiter. Sehe da auf deinem Profilbild ein Pferd. Ich habe auch mal (als Nicht-Reiterin) eine Reitsafari in Indien gemacht. Auch spennend :) Aber thematisch passt das ja nicht auf diese Plattform :laugh:
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05 Jun 2018 22:59 #523003
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  • Markandi am 05 Jun 2018 22:07
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Danke Nadja, wenn ich den Kampf mit der Technik gewinne, geht es morgen hoffentlich weiter :cheer:
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06 Jun 2018 13:47 #523041
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  • binca75 am 06 Jun 2018 13:47
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Hallo Markandi,

ich habe irgendwo mal gehört, dass irgendein Projekt mit Elefanten auch für Familien angeboten wird...
Generell finde ich das Thema superspannend und lese hier gerne von deinem Abenteuer!
Dein Schreibstil gefällt mir schon jetzt.

Gruß
Bianca
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