THEMA: #safaribrothers on Tour Vol. VI - «Wo Problem?»
28 Aug 2018 13:36 #530780
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Sonntag, 18. Februar 2018
Ngepi Camp

Mit ausgeschaltetem Motor stehen wir direkt am Ufer des Okavango und beobachten andächtig vier grosse Büffelbullen. Offenbar befinden wir uns in ihrer «Alarmzone», denn sie starren mit äusserster Aufmerksamkeit zu uns rüber und scheinen abzuwägen, ob das grosse weisse Ding eine Gefahr für sie darstellt oder nicht. Wir denken, dass es vier so genannte «Dagga Boys» sind. Ältere Bullen verlassen die Herden und weil ihre Haut mit dem altern brüchig wird und sich abzuwetzen beginnt, suhlen sie sich sehr oft im Schlamm und sind daher meist von einer dicken Schlammschicht bedeckt. Sie sind die aggressivsten und gefährlichsten Büffel. Minutenlang stehen wir uns so gegenüber, mit schnellen Kopfbewegungen schütteln die schwarzen Riesen immer wieder die Kuhreiher von ihrem Leib. In dieser Phase benötigen sie jetzt ganz sicher keine Fellpflege. Der am nächsten zu uns stehende wird irgendwann nervös, scharrt mit seinen Hufen und auf einmal rennen alle vier mit grossem Getöse davon. Wir gucken um die Ecke und sehen, dass sie nur die äusserste Vorhut einer grossen Herde bildeten, die jetzt aufgeschreckt das Weite sucht.



Wir befinden uns auf unserem morgendlichen Gamedrive in der «Buffalo Core Area». Mit den ersten Sonnenstrahlen sind wir aufgestanden und haben uns gleich auf den Weg auf die gegenüberliegende Flussseite gemacht in der Hoffnung auf Elefanten. Diese sind heute Morgen zwar noch nicht zum Fluss unterwegs, aber wenig später und nach einer Wasserdurchfahrt am Ende des fahrbaren Weges hier im Nationalpark treffen wir auf eine zweite, noch grössere Büffelherde. Aufgeschreckt durch unsere Ankunft ziehen sie sich zunächst etwas in die Büsche zurück, doch schon nach ein paar Minuten lugen sie wieder vorsichtig aus der Deckung hervor und wagen sich dann einer nach dem anderen heraus und Grasfressend arbeiten sie sich langsam in Richtung Fluss vor. Sehr beeindruckend, so eine 200 - 300 Tiere starke Herde.

Nach einer Weile machen wir uns auf den Rückweg und fahren gemächlich dem Schwemmland und Ufer entlang. Jacanas, Waffenkiebitze, verschiedene Reiher, Schlangenhalsvögel, Stelzenvögel und ein Schreiseeadler fliegen vor uns davon. Mit hochgereckten Schwänzen wie Antennen flitzt etwas Graues durchs Gebüsch: Warzenschweine. Eine einzelne Grünmeerkatze schaut uns skeptisch an. Eine wunderbare Stimmung herrscht hier an diesem schönen Morgen.


Wattled Crane / Klunkerkranich




Hamerkop / Hammerkopf


Water Thick-knee / «Wassertröpfchen» by Friederike :laugh: (Wassertriel)


African Jacana / Blaustirn Blatthühnchen - Zu Hunderten, wenn nicht Tausenden gesehen, aber so gut wie nie fotografiert...


Monitor Lizard / Nilwaran

Gegen halb Elf sind wir zurück im Camp, trinken einen Kaffee und bestellen das Frühstück. Neue Gäste kommen an und wir belagern dann wieder das Sonnendeck. Wie wir so am Lesen oder Reisetagebuch schreiben sind, hören wir von drüben im Gehölz einen Elefanten trompeten. Wir schauen rüber, aber noch tut sich nichts im sichtbaren Bereich des anderen Ufers. Ein paar Minuten später wieder ein lautes Prusten und das unverkennbare Grummeln. Da, eine Herde Elefanten kommt den Hang hinunter und steuert zielstrebig zum Wasser! Wir gucken uns das Spektakel an und stellen schnell fest, dass es sich um eine grössere Herde handeln muss. Schnell einmal sind wir bei 50 Tieren angelangt beim zählen, es hört aber nicht auf und immer mehr ohrenschlackernde Rüsselschwinger tauchen aus dem Dickicht auf. Am Ende sollten es um die 200 Tiere sein, die sich zu einem grossen Herdenverband zusammengeschlossen haben und uns nun für praktisch den ganzen Nachmittag ein Wahnsinnsschauspiel bieten sollten. Wir sitzen einfach da auf unserer Terasse und gucken stundenlang ans andere Ufer rüber. Die Elefanten trinken, baden, essen, spielen und tröten und grummeln um die Wette. Meine Kamera hole ich erst gar nicht aus dem Auto, nur rasch ein paar verwackelte Handyvideos machen wir. Ansonsten geniessen wir einfach diesen einmaligen Moment; die wohl grösste Ansammlung von Elefanten auf einem Haufen, die wir bisher erleben durften.



Als sich die Lage etwas beruhigt, machen wir unseren Birding-Walk für morgen früh klar, trinken einen Rock Shandy an der Bar und widmen uns dann unserem Kartenspiel. Doch wieder taucht eine neue Herde auf und wieder schauen wir gebannt und andächtig über den Fluss. Einfach nur magisch!

Ein Gewitter zieht auf und wir räumen unsere Sachen weg und begeben uns schleunigst unters grosse Dach bei der Bar. Doch es zieht vorbei und dann ist auch schon bald Abendessenszeit. Es gibt Lamm und Boerewors mit Miliepap, Spinat und Kürbis und zum Dessert einen völlig überzuckerten Kuchen mit Schokoguss. Das bringen wir dann beim besten Willen nicht mehr runter - viel zu süss und mastig. Komplett überfressen und mit einem gehörigen Zuckerschock gehen wir zurück auf unsere Campsite und bald danach schon wieder zum Lesen und Träumen in die Zelte. Nachts gegen zwei Uhr wachen wir auf, drüben aus dem Wald ist wieder lautes Trompeten zu hören.


Tageskilometer: 104km (Gamedrive #30: 104km)
Tageshöchsttemperatur: 28° C
Letzte Änderung: 28 Aug 2018 20:12 von kalachee.
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29 Aug 2018 13:25 #530902
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Montag, 19. Februar 2018
Ngepi Camp

Um Punkt 06:30 Uhr stehen wir verschlafen an der Rezeption, doch von Christopher fehlt jede Spur. Wir warten und warten, doch niemand taucht auf. Nach einer halben Stunde sagt uns einer der Angestellten, sie würden den Guide nicht erreichen können, da gehe keiner ans Telefon. Wir geben Bescheid, dass wir auf unserer Campsite warten und machen uns erstmal einen Kaffee. Irgendwo haben sie einen Ersatzguide aufgetrieben und der wird nun bei uns vorstellig. Dann machen wir den Walk eben mit ihm.

Wir laufen in der näheren Umgebung vom Camp durch den Busch und der Mann zeigt uns ein paar Vögel. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass er nicht so ganz bei der Sache oder nicht besonders motiviert ist, der Funke mag nicht so recht rüberspringen. Trotzdem, ein paar neue Arten können wir für unsere Liste notieren und ein Foto von einem Little Bee-eater gelingt mir dann auch noch:


Little Bee-eater / Zwergspint

Nach etwas mehr als einer Stunde sind wir auch schon wieder zurück. Da haben wir uns ein bisschen mehr erhofft, aber sei es drum. Wir holen uns einen neuen Kaffee und bestellen dann mal etwas zum Frühstück.


Yellow-bellied Greenbul

Den Rest des Tages vertrödeln wir wieder mit Ferien machen. Es geht uns gut, wir lassen die Seele baumeln und geniessen die entspannte Atmosphäre hier einfach sehr. Irgendwie sind wir auch grad etwas durch mit Gamedriven und so schaffen wir es doch tatsächlich, in vier Tagen nicht einmal in den Mahango gefahren zu sein. :laugh: Langsam kommen so die ersten dunklen Gedanken an das Ende unserer Reise auf, morgen geht es auf grosse Fahrt zurück in Richtung Windhoek.

Gegen Abend gehe ich nochmals auf eine Laufrunde. Dieses Mal lasse ich es etwas ruhiger angehen und mache 13km in entspanntem, tiefpulsigem Bereich. Dann unter die schönste Buschdusche, die man sich nur vorstellen kann, gehüpft.


Zufriedener Sam nach einem schönen Lauf.

Und schon ist es auch wieder Zeit für das Abendessen. Heute gibt es sensationell leckere Spareribs vom Grill, gebackene Kartoffeln, Karotten und Brokkoli. Da wir keinen Lunch hatten und ich nach dem Laufen echt einen Bärenhunger hatte, habe ich mir satte drei Teller reingehauen.

Nach dem Essen steht noch der obligate Abstecher an die Bar an. Wir kommen mit einer jungen Deutschen und ihrem Freund, der offenbar auch im Camp hier arbeitet, ins Gespräch und plaudern eine Weile. Aber wir sind müde und vollgefressen, weshalb wir wieder recht früh die Segel streichen. Andere machen das offenbar nicht, denn es wird später am Abend recht laut an der Bar. Bis morgens gegen drei Uhr dauert die Party.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 25° C
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29 Aug 2018 13:45 #530908
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Kapitel 15
Zurück nach Windhoek und leider auch nach Hause

Dienstag, 20. Februar 2018
Ngepi Camp - Otjiwarongo (C’est Ci Bon Hotel)

Ein langer, ziemlich ereignisloser Fahrtag ohne ein einziges Foto steht an. Wie üblich stehen wir mit der Sonne zusammen auf und nach einem schnellen Kaffee bauen wir unser Lager ab. An der Rezeption schmeisse ich noch ein Trinkgeld für die Crew ins Kässeli, wir verabschieden uns von den netten Leuten hier - «Oh no! You must stay, please! We need you here!», sagt uns der Kerl von der Bar - und sind um 08:10 Uhr ready to hit the road.

Zunächst holpern wir die 4km zurück zur Strasse, dann die 14km auf glattem Teer bis Divundu. Dort tanken wir voll und lassen die Reifen aufpumpen und dann geht es los mit immer schön geradeaus und Tempomat auf 120km/h. Es ist sehr angenehm zu fahren, die B8 in einem Topzustand und nur wenig Verkehr. So sind wir flugs auch schon in Rundu, wo wir uns an der Tanke ein paar Sandwiches und Snacks für unterwegs holen.

Ziel ist es, einfach so weit wie Beenie fahren mag in Richtung Windhoek zu kommen. In Grootfontein sind wir schon um die Mittagszeit und kurz vor Otavi meint mein Bruder, er fühle sich fit und wir können locker bis Otjiwarongo durchfahren. Erst auf den letzten 60, 70km kommt etwas Müdigkeit auf, aber wir sind sehr gut vorangekommen und nach 16 Uhr erreichen wir die Stadt. Im Reiseführer habe ich ein B&B rausgesucht, das an der angegebenen Adresse aber nicht zu finden ist. Also steuern wir das «C’est Si Bon»-Hotel an. Das ist zwar etwas unpersönlich und etwas grösser, aber die Zimmer sind modern, sauber und es gibt ein A la Carte-Restaurant. Perfekt für uns.

Etwas platt von der langen Fahrt sind wir dann doch und ruhen uns daher mal ein Stündchen oder zwei im Zimmer aus. Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir zum Abendessen. Ich gönne mir mal wieder ein schönes T-Bone, der Bruder kredenzt sich ein Kudu-Cordonbleu. Viel gibt es hier aber nicht zu tun und so sind wir schon bald nach dem Mahl zurück im Zimmer, spielen auf unseren iPads und Lesen. Ganz ungewohnt, wieder in einem geschlossenen Raum zu nächtigen und dementsprechend schwer fällt es mir heute, Schlaf zu finden.


Tageskilometer: 664km
Gesamtreisedauer: 8h 30min
Tageshöchsttemperatur: 32° C


Mittwoch, 21. Februar 2018
Otjiwarongo - Immanuel Wilderness Lodge

Da wir gestern schon so viele Kilometer abgerissen haben, können wir uns heute Zeit nehmen. Nach dem Aufwachen chillen wir noch einen Moment im Zimmer und gehen dann zum Frühstück. Das ist echt gar nicht mal so übel, es gibt ein grosses Buffet mit einer reichlichen Auswahl.

Dann nehmen wir die knapp 178km bis Okahandja unter die Räder. Auf diesem Abschnitt der B1 gibt es schon bedeutend mehr Verkehr, aber für unsere Verhältnisse ist das immer noch sehr angenehm zu fahren und so kommen wir rasch voran. In Okahandja befindet sich der berühmte Holzschnitzermarkt und das ist immer wieder ein Erlebnis. Zwar gibt es natürlich praktisch nur Nepp zu kaufen und woher das Holz für die geschnitzten Figuren stammt, mag ich mir gar nicht erst vorstellen. Trotzdem wollen wir uns hier noch mit ein paar Souvenirs eindecken.

Vorher halten wir noch kurz bei einem «Pick & Pay», um uns mit «Nando’s» Peri-Peri Saucen einzudecken für zuhause sowie im Liquorstore noch fünf Flaschen feinsten Brandy für Beenie.

Wir parken unser Auto auf der gegenüberliegenden Strassenseite vom Holzschnitzermarkt und schon beim Aussteigen werden wir von zwei tüchtigen Verkäufern in Empfang genommen. Sie stellen sich mit Namen vor und laden uns auf einen Besuch in ihrem Stand ein. Dieser befände sich im hinteren Teil und dort kämen ja überhaupt nie Touristen vorbei und überhaupt, wir seien jetzt ihre Freunde und sie könnten uns wirklich die besten Preise von allen machen. Von allen Seiten werden wir nun von Verkäufern belagert, man redet auf uns ein und jeder will uns das Versprechen abringen, auch bei seinem Laden vorbeizuschauen. «Only looking, my friend!».

Es ist sehr anstrengend, aber wir haben ein Riesenfest mit all den Verkäufern, flachsen rum, feilschen und wimmeln allzu nervige Zeitgenossen gekonnt ab. Als einmal allzu viele «Friends» auf Beenie einreden, nimmt er kurzerhand einen Schemel aus dem Laden, setzt sich mitten auf den Platz und verkündet mit verschränkten Armen: «Enough! I need a break now, please give me some time!». Das Gelächter ist natürlich gross und alle Sympathien auf seiner Seite.

Als wir eigentlich schon fertig sind mit Einkaufen, kommt noch John zu mir und meint in ganz ruhigem, freundlichen Ton, wir hätten ihm ja ganz am Anfang versprochen, auch bei ihm vorbeizukommen. Das stimmt sogar und deshalb zupfe ich meinen Bruder am Ärmel und wir gehen dann mal dort vorbei. Beenie findet eine wunderschöne Figur von Shaka Zulu, dem berühmt-berüchtigten Krieger aus dem 19. Jahrhundert. Rund 60cm hoch ist sie und der aufgerufene Preis lächerlich hoch. Sie gefällt ihm aber ausgesprochen gut und wir handeln lange und gekonnt, am Schluss erzielen wir einen sehr fairen Preis, den auch John und seinen Kumpel Dieter glücklich macht:


Schlechtes Handyfoto nach erfolgreichem Deal mit Dieter (links) und John. Ich habe es John nachher noch geschickt und er hatte sooo Freude daran! :)

Dann gehen wir zum Auto zurück, schenken den Leuten noch ein paar übrig gebliebene Lebensmittel und wimmeln dann alle Verkäufer nach und nach ab. Im Laden nebenan holen wir uns zur Stärkung eine Fanta und fahren anschliessend die letzten paar Kilometer bis zur Immanuel Wilderness Lodge. Diese befindet sich unweit der B1 etwa 20km nördlich von Windhoek und ist nicht zuletzt für die grandiose Küche des Inhabers Stephan Hocke bekannt. Wir werden sehr freundlich empfangen und von der netten Mitarbeiterin zu unserem Zimmer begleitet. Den Rest des Nachmittags spannen wir am Pool aus, trinken einen Kaffee und lesen in unseren Büchern.

Gegen 18 Uhr mache ich mich wieder auf eine kleine Laufrunde. Es ist immer noch sehr warm und auf dieser Höhe hier im Khomas Hochland dementsprechend auch anstrengend. Aber langsam geht es wieder besser, die Form wird wieder kommen.

Frisch geduscht und sogar mit einem Hemd bekleidet schreiten wir zum Abendessen. Man wird persönlich von Stephan zum Tisch begleitet und dann kommt auch schon der erste Gang: eine wahnsinnig feine, geschmackvolle Spinat-Cappucchino Suppe erfreut unseren Gaumen. Als Zwischengang gibt es einen knackigen Blattsalat, zum Hauptgang gibt es ein perfekt auf den Punkt gebratenes, saftiges Rindersteak mit Nudeln an einer Speck-Champignons-Weissweinsauce. Zum krönenden Abschluss dann ein luftiges, perkfetes Mousse au Chocolat. Einfach nur himmlisch.

Nach einem feinen Kaktusfeigen-Schnaps für Beenie und einem doppelten Espresso für mich verabschieden wir uns und rollen den Kiesweg zu unserem Zimmer runter.


Tageskilometer: 238km
Gesamtreisedauer: 5h 30min
Tageshöchsttemperatur: 34° C
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Donnerstag, 22. Februar 2018
Immanuel Wilderness Lodge

Unser letzter, ganzer Ferientag in Afrika. Wer den Bericht bis hierhin verfolgt hat, weiss, was jetzt kommt. Genau: wir machen heute einfach mal gar nichts. Nein, halt, stimmt nicht ganz; wir packen und räumen das Mietauto aus/ auf. Das machen wir aber schön in Tranchen über den ganzen Tag verteilt, wir wollen uns ja schliesslich nicht überarbeiten.

Mein Bruderherz steht leider mit Kopfschmerzen auf. Aber das tolle Frühstück hier lässt er sich natürlich auch nicht entgehen. Es gibt jeden Morgen frisch gebackene, selber gemachte Brötchen, feinen namibischen Käse, Rauchfleisch vom Kudu, Zebrasalami und Aufschnitt vom Oryx. Dazu natürlich verschiedene Cerealien, Früchte, hausgemachte Konfitüren, Saft, Eier. Also eigentlich lohnt sich ein Aufenthalt auf Immanuel schon alleine wegen dem Frühstück.

Beenie mit Kopfschmerzen und wir beide zusammen mit eher melodramatischer Stimmung, irgendwie haben wir grad überhaupt keine Lust, wieder nach hause zu müssen. Dieses Mal fühlte ich mich praktisch von Anfang an so richtig angekommen, ich wusste einfach, dass ich am richtigen Ort bin, ja, dass ich hierher nach Afrika gehöre. Umso schwieriger ist es, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es morgen wieder zurück in die kalte, nasse, neblige Schweiz geht. Aber es hilft alles nix und wir fangen nach dem Frühstück an, unsere Sachen aus dem Auto zu holen, im Zimmer zu sortieren, wegzupacken, wegschmeissen und vorbereiten zum Einlagern.

Dann ist eine Pause angesagt und wir hängen in echt depressiver Stimmung auf unseren Betten im klimatisierten Zimmer rum. Gegen Mittag esse ich im Restaurant einen Griechischen Salat, dann machen wir weiter mit dem Auto, putzen die Kisten und Coolerbox, prüfen, ob alles noch da ist für die Rückgabe an den Vermieter morgen.

Am späten Nachmittag, natürlich nach einer weiteren, eher ausgedehnten Pause, schnüre ich ein letztes Mal meine Laufschuhe und drehe nochmals eine ganz lockere, 40-minütige Runde in der näheren Umgebung. Anschliessend ist auch schon wieder Zeit für den Sundowner.


Rock Shandy-Time!

Zum Abendessen heute auf dem Programm:
1. Gang: Gemüsecrèmesuppe
2. Gang: Blattsalat
3. Gang: Kuhantilopensteak mit Kartoffelgratin
4. Gang: Crèpe mit Puderzucker und Sahneschaum





Mmmnomnomnom…

Ein so leckeres Essen macht das mit der Melancholie schon weit weniger schlimm und so gehen wir dann doch ganz zufrieden zu Bett.


Tageskilometer: 0km
Tageshöchsttemperatur: 36° C


Freitag, 23. Februar 2018
Heimreise

...

Tageskilometer: 49,9km
Total Kilometer: 6997,8km


So schaut der Eintrag in meinem Reisetagebuch aus. Ich habe diesen leider nicht mehr nachgeführt und deshalb lasse ich das jetzt einfach mal so mehr oder weniger unkommentiert im Raume stehen. Es war halt das so, wie ein Urlaub in Namibia immer endet für die meisten von uns hier; Frühstück, Fahrt zum Mietwagenverleiher Safari Car Rental, Auto zurück geben, mit dem Shuttlebus zum Flughafen, Einchecken, ein letzter Drink in der unsäglichen Bar dort in der unsäglichen Wartehalle, der Gang über den Flugplatz zum Flieger, der lange, lange Flug zurück nach Zürich.



Aber, ich will euch natürlich nicht ohne ein kleines Fazit ziehen lassen. Darum:


Fazit
#safaribrothers on Tour

Wie eingangs und im Titel erwähnt, war das bereits unsere sechste gemeinsame Reise durch vornehmlich das südliche Afrika. Nach der Heimkehr habe ich jemandem, ich weiss grad nicht mehr wem, gesagt, dass es dieses Mal für mich eine unserer besten und schönsten Reisen auf unserem Herzenskontinent war. Irgendwie hat einfach alles gepasst, von der Route her, den einzelnen Etappen, der Abwechslung aber auch Kontinuität her, vom Wetter, von unseren Erlebnissen, von unserer gemeinsamen Zeit. Es ist eine nicht ganz alltägliche Konstellation, aber im Moment ist es die für uns allerbeste. Wir sind beide Single, haben beide einen coolen Arbeitgeber, der uns eben auch mal ermöglicht, für sechs Wochen am Stück (oder auch mal länger wie 2012 oder 2016) zu verreisen und wie mehrfach erwähnt, ergängzen wir uns einfach sehr gut. Für mich persönlich ist mein Bruder mein #1 Reisepartner und weil das so ist, haben wir bereits unsere nächste gemeinsame Reise für den Januar 2019 («KTP Total») dingfest gemacht.

Highlights
«Die Höhle» Omandumba Guestfarm
Die Omandumba Gästefarm in den Erongo Mountains ist ein wahres Kleinod und die Campsite in der Felsenhöhle einfach ein echter Knaller. Offenbar noch nicht allzu bekannt, aber sicher auch kein Geheimtipp mehr, aber ich kann jedem, der dort in der Gegend vorbei kommt, dringend empfehlen, dort mal Halt zu machen.

Mirabib Campsite im Namib Naukluft National Park
Abgelegen, einsam, wild, «ohrenbetäubende» Stille mitten in der Wüste. Einfach ein magischer Ort. Mehr brauche ich dazu nicht mehr zu sagen.

Kalahari Transfrontier Park / Mabuasehube
Der KTP geniesst insbesondere in diesem Forum ja einen aus unserer Sicht absolut herausragenden Ruf. Für Beenie und mich einer unserer absoluten Lieblingsparks, wenn nicht der Lieblingspark (ich schwanke da immer etwas zwischen Moremi und KTP). Es ist sicher eher ungewöhnlich, wie wir fast zwei Wochen am Stück dort zu verbringen, aber für uns ist das perfekt so und wir lieben es einfach, die beiden Täler auf und ab zu fahren und nach Tieren ausschau zu halten. Wir wurden dieses Mal sehr mit ganz besonderen Sichtungen verwöhnt (Löffelhunde, Kapfüchse, Schlangen, Braune Hyänen), dazwischen war aber für einmal recht mau, weil sehr viele der Huftiere abgewandert waren. Dafür aber haben wir es endlich auch in die Mabuasehube geschafft und da sind wir augenblicklich grosse Fans geworden. Eine derart fantastische Gegend, dass wir beim nächsten Mal planen, gleich für vier Nächte zu bleiben.

Moremi Game Reserve
Was soll ich sagen? Also wenn man an Afrika denkt, denkt man ja sofort an die Bilder aus der Serengeti mit den weiten Grasebenen, den Akazien, den Zebras und Giraffen. Wenn ich an Afrika denke, denke ich fast immer als allererstes an den Moremi. Diese raue, ursprüngliche Wildnis mit dem Gras, den vielen Tümpeln, den grossen Bäumen, den abgestorbenen Bäumen, dem unwahrscheinlichen Tierreichtum, ach... Ein extremer, für mich persönlich ein ganz besonderer Ort, der mir Kraft gibt und den ich oft, als es mir vor ein paar Jahren sehr schlecht ging, «hervorgeholt» habe in meinen Gedanken. Wäre es nur nicht so saumässig teuer, würde ich dort wann immer möglich wieder hin. Auf der nächsten Reise leider nicht, aber ich/wir werde(n) ganz bestimmt wieder im Moremi auf Pirsch gehen.

«Wo Problem?»
Ich weiss nicht, wie das für euch als Leser so war. Viele Namibia-/Südafrika-Reisende hier haben oft ein ziemlich volles Programm und unternehmen an den einzelnen Stationen meist viele Sachen wie Gamedrives, Guided Walks, Wandern, Besichtigungen, etc., etc. Unseres ist das nicht so beziehungsweise haben wir unsere Reisen in dieser Hinsicht ziemlich «entschleunigt». Ich hoffe, dass das in meinem kleinen Bericht hier nicht als irgendwie langweilig empfunden wurde oder so. Okay, auch wenn, es ist ja unser Ding. Aber trotzdem. Unser Ding ist Gamedriven und dazwischen die Ruhe, die Geräusche, die Natur zu geniessen. Das lieben wir und ich hoffe, das ist auch so rübergekommen. Ich denke, wir beide sind ziemlich in sich gekehrte Typen, die so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Aus irgend einer Situation ziemlich am Anfang der Reise hat sich dann dieses «Wo Problem?» ergeben und das wurde dann so zu unserem internen Running Gag. Aber es wiedergibt ganz einfach auch generell unsere Haltung. Wir lassen uns nicht stressen, wenn etwas passiert, das unsere Pläne durchkreuzt, lamentieren wir nicht lange und machen es halt andersrum (Zeltstangen, z.B.) und wenn wir keine Mokamaschine finden, basteln wir halt unseren eigenen Coffemaker. Also, wo Problem? B)


Dankeschön!
Allen treuen Mitlesern, Dankebuttondrücker und Mitkommentierer danke ich von ganzem Herzen sehr für's dabei sein in diesem kleinen Bericht! Es war das erste Mal, dass ich einen Reisebericht in dieser Form und auch in dieser Öffentlichkeit gemacht habe und es hat mir sehr viel Spass gemacht. Was alle anderen Berichteschreiber in diesem Forum es auch erleben, kann ich nun bestätigen: es ist einfach eine wunderbare Art, seine eigene Reise noch einmal nachzuerleben, revue passieren zu lassen. Und es motiviert nämlich auch sehr, dran zu bleiben und den Bericht auch fertig zu machen, weil man weiss, dass es durchaus Leute gibt, die das mitverfolgen und offenbar auch gerne lesen. Das ist etwas ganz besonderes und es ist auch sehr schön, das alles mit Gleichgesinnten zu teilen. Ich schätze mal, dass es auch beim nächsten Mal wieder einen Bericht geben wird - vorausgesetzt, die Leserschaft hier interessiert sich dafür. ;)

Merci!

Beenie & Sam
Letzte Änderung: 29 Aug 2018 15:58 von kalachee.
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