THEMA: Nam, die Elfte
10 Mär 2018 22:25 #514023
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Hallo,

der Titel kommt so kurz und bündig daher, wie ich den Kurzbericht halten möchte.

Ich bin dieses Mal wieder alleine unterwegs gewesen, genau einen Monat habe ich mir Zeit genommen, um den Süden und den Südwesten von Namibia zu bereisen. Einige Ecken waren mir bekannt, andere Gebiete waren bis dato noch weisse Flecken für mich.

Das Auto:
Wie letztes Jahr schon, habe ich wieder bei Pegasus Car&Camper Hire einen Camper light, einen schon etwas betagten, aber technisch einwandfreien Toyota Condor gemietet, der mich nie im Stich gelassen hat. Ein tolles Auto. Leider werden die letzten Condore noch dieses Jahr ausgemustert, sie sind in die Jahre gekommen. Meiner hatte über 230.000 km aufm Buckel. Ich habe ihm im Verlauf der Tour weitere 5233 km aus dem Motor geleiert.
Der Wagen ist als Camper ausgebaut, das heisst die Rücksitzbank/Rücksitze sind ausgebaut, dafür ist ein grosses Brett unterhalb der Fenster eingezogen, darauf befindet sich eine Kingsize-Matratze. Hinterm Beifahrersitz ist ein Engel-Fridge eingebaut, und unter der Liegefläche ist jede Menge Stauraum für Boxen mit Lebensmitteln, Küchenutensilien, Gasflasche, Holz, Wasserflaschen, was man halt so braucht.




Die Tour:
Gesetzt waren auf jeden Fall sieben Nächte KTP, da es schon wieder zwei Jahre her ist seit meinem letzten Besuch dort, und auch die nächsten zwei Jahre sind dann eher andere Ecken dran.
Dann sollte es über Mesosaurus zum Fish River Canyon gehen. Hier war ich noch nie. Weiter dann runter an den Oranje River und an diesem entlang nach Westen bis nach Oranjemund.



Von dort über Rosh Pinah nach Klein Aus, über die D 707 durch die Tirasberge, den Spreetshoogte Pass hinauf und den Gamsberg-Pass wieder hinab nach Mirabib, weiter nach Swakopmund.
Von dort letztlich via C 28 mit Stopp an der Blutkoppe zurück nach Windhoek.
Vorgebucht habe ich gar nichts, nicht mal die Camps im KTP, denn zu der Zeit bekommt man in den südafrikanischen Camps immer einen Platz, ich wollte aber möglichst in den botswanischen Camps bleiben und vor Ort in Two Rivers checken, was geht.

Ich hatte natürlich schon eine grobe Vorstellung von den Camps, die ich aufsuchen wollte, habe hier aber einige Male umdisponieren müssen. Einige Camps waren temporär ( Namtib ) oder längerfristig ( Gunsbewys ) geschlossen, andere entpuppten sich als Nepp ( Daan Viljoen ).


Abflug: am 14. Januar mit Air Namibia. Der Flug war pünktlich, gezahlt habe ich inkl. Rail&fly 640.- Euro, ein Schnäppchen. Gebucht über Check24.
Ankunft: am 15.Januar früh morgens, Mona von Pegasus hat schon auf mich gewartet und mich nach W´hoek gebracht. Nach Autoübernahme Grosseinkauf erstmals im Maerua Mall Superspar. Der Laden hat mir nicht sonderlich zugesagt, es gab weder Tonic Water noch meine geliebten Cracker mit Herbs noch die leckeren Säfte von Ceres, also bin ich anschliessend wieder in den Woermann&Brock in Klein-Windhoek gefahren, wo ich den Rest gefunden habe.
Nun hatte ich geplant, in den hier im Forum immer wieder erwähnten und gelobten Daan Viljoen Park zu fahren und hier die erste Nacht zu bleiben, ist ja nicht weit aus der Stadt raus.
Ankunft gegen 14.30 Uhr, der Parkplatz vor der Rezeption ist leer. Drei Angestellte sitzen im Schatten des nett gemachten Eingangbereichs mit plätscherndem Wasser und folgen mir nur widerwillig ins Gebäude. Ich möchte übernachten, soso. Das macht 450.- Nam$. Ich frage nach. Doch, doch, das stimmt. Aber es gäbe noch die älteren Sites mit den Gemeinschaftsablutions. Gut, ist mir recht, sind ja sonst sowieso keine Leute hier. Der Platz kostet.... 450.-Nam$. Ich erwidere, dass ich nicht den ganzen Laden kaufen möchte, wünsche weiterhin viel Erfolg und verlasse den Ort so schnell als möglich. Zu genanntem Preis wäre selbstverständlich noch die Parkgebühr dazu gekommen. :sick:

Nun fahre ich auf der B 1 nach Süden, das erste Stück durch die Auasberge ist ja recht schön. Dann biege ich aber ab auf Gravel und folge der D 1463. Weiter auf der C 23 über Dordabis zur C 15. Hier wollte ich den nächsten Camping anfahren, allein, da kommt Nichts. Lange Zeit nur Nichts. Weiter über Uhlenhorst und Hoachanas bis letztlich kurz vor Stampriet, wo ich im allerletzten Licht des Tages beim Kalahari Farmhouse lande. Hier checke ich ein und bezahle für einen Platz unter Palmen auf grünem Gras mit ordentlichen Ablutions 175.- Nam$.
Ich baue das Zelt auf, genehmige mir ein erstes Savanna und starre in die Nacht. Einzelne Bellgeckos bellen, dazu grunzt eine Schleiereule. Es ist angenehm warm, endlich wieder zurück. B)


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 15 Mär 2019 10:18 von fotomatte.
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11 Mär 2018 21:55 #514258
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Dienstag, 16. Januar; endlich wieder im KTP

Ich habe geschlafen wie tot, scheinbar hat mich der lange Fahrtag gestern doch geschlaucht, dazu die ungewohnte Wärme. Nach einer belebenden Dusche und einem kleinen Frühstück fahre ich das kurze Stück nach Stampriet rein, um zu tanken.
Dann fahre ich ein Stück auf Teer die C 20 nach Osten, um dann auf der Sandpad D 1033 dem Olifants Rivier zu folgen. Landschaftlich sehr viel schöner als die parallel verlaufende C 15, und auch Vögel lassen sich ab und an spotten. So kommt der erste Zwergfalke auf die Liste. Fotos habe ich aber kein einziges gemacht. Bei Akanaus trifft man wieder auf die C 15, die in einem hervorragenden Zustand ist. Glatt wie ein Kinderpoppes, ganz frisch gehobelt.
Am frühen Nachmittag erreiche ich den Grenzübergang Mata Mata, und da sonst nichts los ist, bin ich auch schon bald auf der anderen Seite. Hier buche ich eine Nacht im hiesigen Camp und frage auch gleich nach einem Night-Drive. Da muss ich später nochmals nachfragen, bislang gibt´s keine weitere Anmeldung.
Ich fahre auf den Campingplatz und suche mir einen schönen Platz hinten links. Während ich Tisch und Stuhl aufbaue, wuselt mir zwischen den Füssen ein Erdhörn...., nee, Moment mal, ein Erdmännchen rum.
Also Kamera raus, die ersten Fotos entstehen.










Ein Blick über den Zaun verspricht ein aufziehendes Gewitter.

Nachdem ich das Auto um- und eingeräumt habe, sodass ein ordentliches Gamedrive-Fahrzeug draus geworden ist, schnappe ich mir den Foto und checke mal den einzelnen Baum neben der Tanke. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass da öfters eine Eule zu finden wäre.


Bingo, da sitzt sie ganz schläfrig und blinzelt mich an, die Weissgesichts-Ohreule.

Das läuft soweit, so kann´s weiter gehen. Zurück im Camp esse ich etwas, dann fahre ich, trotz immer dunkler werdenden Himmels, los zu einer ersten Erkundungsrunde ins Auobtal.


Blitze zucken, Donner hallt, aber Regen gibt es zunächst keinen.

Ich fahre langsam talabwärts, in Craig Lockhart stehen ein paar Autos. Da liegen die ersten Löwen träge im Schatten, die Autos stehen ihnen fast aufm Schwanz. Darauf habe ich keine Lust, ich fahre weiter.


Eine gute Entscheidung, denn ich finde einen Löffelhund, der auch im Schatten parkt. Den habe ich für mich alleine und kann ihn für eine Viertelstunde beobachten, dann fahre ich langsam wieder zurück.
Der dunkle Himmel hat wieder aufgerissen, das Gewitter ist weiter gezogen.




Ich finde eine Ludwigstrappe, die hätte ich hier auch nicht vermutet.

Ich tuckere langsam das Auobtal hinauf und gewahre links im Rivier einen Cheetah, der aber gleich drauf im hohen Gras verschwunden ist.



Mist, wo geht der hin. Ich fahre etwas vor, kann nichts sehen. Also schnell rückwärts zurück, aber das Rivier ist leer. Ich hatte noch bemerkt, dass dem Gepard zwei Schakale auf den Fersen waren, und plötzlich sehe ich weiter vorne einen Schakal. Vielleicht? Ich fahre wieder vor, und direkt neben mir trottet ein Gepard durchs hohe Gras.



Moment, da ist noch einer.




Sie markieren ausgiebig ihren Revierbaum, letztlich sind es vier Brüder.


Sie passieren direkt vor mir die Pad und wechseln dann eine Anhöhe hinauf, gegen einen dramatischen Wolkenhimmel.





Ich stehe ganz alleine hier, und letztlich beobachte ich die Truppe eine halbe Stunde lang. Kurz bevor die Cheetahs über die Kuppe verschwinden, tauchen ein paar Autos auf, denn langsam nähern wir uns der Gate-Closing-Time.

Ich bin ziemlich euphorisch, fast wie im Rausch. Gerade mal wenige Stunden hier, und schon ein paar tolle Sichtungen auf der Uhr.
Nun fahre ich beim Office vor und gebe meinen Laufzettel ab. Ich frage nach dem Night-Drive. Jepp, findet statt, drei weitere Personen angemeldet, um 21.30 Uhr geht es los.
Als ich zurück zu meinem Camp komme, haben sich hier drei Südafrikaner breit gemacht, sogar meinen Tisch haben sie in Beschlag genommen. Sie dachten, jemand hätte die Sachen vergessen. :evil: Ich bedenke sie mit einigen unflätigen deutschen Begriffen und suche mir eine andere Site, weit genug von dem Volk entfernt.
Nun habe ich noch Zeit, um zunächst in den Pool zu hopsen und mich abzukühlen.
Dann brate ich mir ein Elandsteak, das ich schon von Deutschland aus bei der Klein-Windhoek-Schlachterei vorbestellt hatte, auf dem Gasgrill, denn für ein Feuer ist es mir zu windig. Dazu brate ich eine Zwiebel an und koche Nudeln. Mit einem Bier spüle ich nach, und pünktlich halbzehn stehe ich parat.
Der Guide kommt vorgefahren, wir vier Gäste steigen ein. Ein weiterer Begleiter nimmt ganz hinten Platz, ebenfalls ausgerüstet mit einem grossen Strahler. Dann geht´s los, wir fahren das Auobtal abwärts. Da es sehr windig ist, halten wir schon bald, denn bei Wind sind die Skorpione sehr aktiv.




Als nächstes finden wir die vier Brüder wieder.


Löffelhunde sehen wir alle paar Meter.


Auch Berguhus sitzen einige direkt auf der Pad.


Von einem Kapfuchs gelingt mir wenigstens ein Belegbild, nicht aber von den Springhasen, der Kleinfleck-Ginsterkatze oder der Tüpfelhyäne.

Pünktlich nach zwei Stunden sind wir zurück im Camp. Die 303.- Rand sind sehr gut angelegtes Geld.


Gute Nacht,
viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 11 Mär 2018 22:33 von fotomatte.
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13 Mär 2018 20:59 #514690
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Mittwoch, 17. Januar; Sturm im Auobtal

Nachts haben ganz in der Nähe Löwen gebrüllt, so gehe ich frühmorgens, noch im Dunkeln, bis zum Bird Hide, aber die Katzen sind weiter gezogen. Dafür tummeln sich ein paar Schakale, die die Insekten aufsammeln, die gegen die Flutlichtstrahler gedozt sind und nun brummend auf dem Rücken liegen.

Nach einem Frühstück mit Blick aufs Wasserloch packe ich zusammen, hole den Laufzettel und fahre ganz gemütlich das Auobtal hinab. Es ist ziemlich bewölkt, dazu bläst ein wahrer Sturmwind.


Es ist schon halbacht, bis ich das erste Foto mache. Ein Singhabicht, der zu Fuss auf Insektenjagd ist.


Der Sturm treibt immer wieder Sand durch die Gegend, der Himmel ist ziemlich verhangen.

Einmal treibt der Sturm einen grossen Vogel das Tal Richtung Südwesten, der Blick durchs Glas verrät einen Schwarzstorch.


Vor Urikaruus entdecke ich einen Cheetah, der an der Hangkante parallel zum Tal zieht. Erst später bemerke ich die zwei Kätzchen im Schlepptau.


Beim Aussichtspunkt mit dem kleinen Museum mache ich eine Pause, mittlerweile hat der Sturm die Wolken komplett vertrieben.




Ich komme nur sehr langsam voran, da ich alle Bäume neben der Pad filze, ob nicht eine Wildkatze oder eine Eule zu finden sind. Ich finde auch zwei Berguhus, aber die sitzen so versteckt hinter Dornenzweigen, dass ich mir Bilder spare.
Natürlich spotte ich auch alle Kameldorne im Rivier ab, ob da nicht ein paar Katzen im Schatten liegen. Geht doch, eine Löwin mit dreifachem Nachwuchs vertrödelt hier den Tag.


Aber auch die Antilopen haben sich zurück gezogen, denn seit die Wolken weggeblasen sind, brennt die Sonne gnadenlos.

Es ist schon Mittag durch, bis ich Twee Rivieren erreiche. Im Büro frage ich, ob es denn Kapazitäten in Rooiputs und in Polentswa gibt in den nächsten vier, fünf Tagen. Die sehr nette Beamtin telefoniert, sie selbst hat keine Übersicht über freie Plätze. Polentswa geht gar nichts, aber eine Nacht Rooiputs geht sich aus. Gut, dann bastel ich eine Nacht Two Riviers davor, lasse eine Nacht frei für Nossob, und buche zwei weitere Nächte Two Rivers. Die Dame telefoniert wieder, dann kommt das OK. Für die vier Nächte inkl. Parkgebühr zahle ich die Hälfte einer Nacht auf südafrikanischer Seite!

Zufrieden statte ich dem Pool einen Besuch ab und kühle mich in dem von dem Sturm total mit Blättern und toten Insekten übersäten Wasser. Im Shop ziehe ich noch ein Kaltgetränk, dann fahre ich auf die Campsite und richte mich ein. Ich lege mich unter den A-Frame und schlafe eine Runde, bevor ich gegen 16.00 Uhr das Nossobtal hinauf fahre.


Es ist immer noch sehr warm, selbst die Springböcke stehen im Schatten.


Immer wieder stosse ich auf ein paar einzelne Geissen, die als Kindergärtnerinnen bei den teils noch sehr kleinen Kitzen aufpassen.


Ein weiterer Singhabicht hat eine kleine Eidechse bemerkt und klettert nun durch den struppigen Strauch nach unten. Ob er erfolgreich war, konnte ich nicht sehen.


Den Schakalen ist auch eher nach Dösen zumute.


Ich fahre bis zu dem kleinen Damm oberhalb von Kij-Kij, hier sitzen einige Greife in den Bäumen oder unten am Wasser, wie diese Raubadler.


Der Jackal Buzzard, oder Felsenbussard, ist eine neue Art für mich.


Auf dem Rückweg finde ich einige Schildkröten, die mit tieferstehender Sonne ihre Tagesverstecke verlassen und frisches Grün suchen.


Von Süden her kommt eine kompakte Wolkenfront, in der Ferne zucken die Blitze.

Pünktlich halbacht bin ich im Camp und starte ein Feuerchen, um ein weiteres Steak zu garen. Als ich eine schöne Glut habe und das Fleisch brutzelt, kommt aus dem Nichts ein brutaler Sturmwind auf und bläst den Sand über die Prairie. Das wird nichts mehr, die Glut wird einfach weggeblasen. Gut, dass es hier keinerlei Gras hat. Ich wasche das versandete Fleisch ab und gare es in der Pfanne im Waschhäuschen fertig.
Der Sturm legt sich nicht, es bläst die ganze Nacht durch, auch blitzt es heftig, aber es regnet nur ein paar Tropfen.
Das Zelt kann ich so nicht aufbauen, ich schlafe also im Auto. Die Fenster auf der windzugewandten Seite schliesse ich notgedrungen, die abgewandte Seite muss aber auf sein, es ist sonst unerträglich stickig.


Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 13 Mär 2018 21:23 von fotomatte.
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18 Mär 2018 14:14 #515540
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Donnerstag 18. Januar; nochmals Auobtal

Der Morgen graut bleiern, nichts ist mit Sonnenaufgang. Ich bleibe etwas länger liegen, und als ich endlich den Schlafsack verlasse, sehe ich die Bescherung. Das Innenleben des Condor ist ziemlich versandet, also räume ich zunächst die Karre aus und mache Grobputz. Handtuch, Klamotten, Schlafsack, alles eingesandet.
Als das gröbste Schlamassel beseitigt ist, frühstücke ich gemütlich.


Eine Fuchsmanguste schaut vorbei.

Es geht schon gegen acht Uhr, bis ich losrumple. Zunächst steuere ich das Wasserloch Samevloeeing an. Hier herrscht gähnende Leere, doch ich bleibe eine Weile stehen, denn eigentlich kommen um diese Zeit die Flughühner zum Trinken.


Kein Flughuhn, aber mein allererster Black Harrier ( Mohrenweihe ) fällt ein. Er nippt ein paarmal, dann ist er auch schon wieder weg.

Ich fahre noch einmal ins Auobtal, denn die nächsten Tage werde ich ja im Nossobtal zubringen.
Es geht hoch und runter fünfzehn Kilometer durch den Dünengürtel, und wo man den ersten Blick aufs Aoubrivier erhaschen kann, halte ich und scanne die Landschaft.


Der Blick von oben ins Auobtal. Der Blick durchs Fernglas zeigt: unter dem Kameldorn liegt was Geflecktes. B)


Ein stattlicher Leokuder hat es sich hier im Schatten bequem gemacht. Ich stehe über eine Stunde hier, aber ausser, dass er mal den Kopf hebt oder mit dem Schwanz zuckt, bewegt er sich nicht.


Dafür zieht eine siebenköpfige Bande Meerkats durchs Rivier, die sind aber zu weit weg für ein paar Bilder.


Unterm selben Baum wie gestern liegt wiederum die Löwin mit ihrem Nachwuchs, diesmal haben sich noch zwei junge Männchen dazu gesellt. Den Ränzen nach haben sie keinen Hunger zu leiden.


Mittlerweile hat die Sonne die Bewölkung wieder weitgehend weggedampft.


Immer wieder halte ich bei den puscheligen Springbockkitzen. Herzallerliebst, wie sie auf ihren dünnen Streichholzbeinchen daherwackeln.


Grey-backed Finchlark, oder Nonnenlerche


Dann erneut Erdmännchenalarm, diesmal ist es eine zehnköpfige Familie, die direkt neben der Strasse gräbt und scharrt.




Genau beobachtet werden sie von einigen Mahaliwebern, die schauen, was da so beim Scharren alles ans Tageslicht kommt.


Mindestens ein Alttier hält immer Ausschau nach potentiellen Gefahren.


Die Kleinen grunzen und quieken permanent, vermutlich halten sie so den Kontakt.
Nach über einer Stunde, die ich alleine hier gestanden habe, fahre ich etwas weiter das Tal hoch.


Es ist mittlerweile wieder richtig heiss geworden, selbst die Springböcke ziehen nun den Schatten vor.



Auch mir wird es langsam zu warm, ich tuckere wieder zurück Richtung Two Rivers.


Ein Schlangenadler schielt mich an.


Die Erdmännchen sind immer noch am graben, wieder beobachte ich sie eine Weile. Nun kommen aber drei Autos hinter einander angefahren, und so räume ich den Platz und fahre endgültig zurück.
Wieder suche ich den Pool auf, heute ist er piccobello sauber.
Dann fahre ich zurück ins Camp, mache mir was zu essen, und lege mich dann wieder zu einem Powernapp unter den A-Frame.

Den abendlichen Drive ins untere Nossobtal gibt es dann im nächsten Kapitel,
bis dahin.

Viele Grüße,
Matthias
Letzte Änderung: 18 Mär 2018 18:19 von fotomatte.
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19 Mär 2018 18:32 #515758
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weiter der 18. Januar

Gegen vier Uhr nachmittags bin ich restauriert und verlasse Two Rivers.
Es ist immer noch heiss, Tiere sind, wenn überhaupt, nur im Schatten dichter Bäume zu finden.


Zwei junge Gabar-Habichte hecheln in der Hitze ( der zweite ist am unteren Bildrand unscharf zu ahnen ).


Ein Kampfadler segelt über mich hinweg.


Ein älterer Gemsbok soll der einzige Vierbeiner sein, der sich bei diesem Ausritt fotogen präsentiert.

In Rooiputs stoppe ich kurz und baue Tisch und Stuhl im A-Frame auf, ich habe hier die Nr. 1, die recht nett liegt und einen Blick ins Nossobtal bietet.

Dann fahre ich weiter nach Norden bis zum nächsten Wasserloch Kij-Kij, besser wieder zu dem kleinen Damm wenige hundert Meter weiter nördlich, wo ich gestern schon die Greife beim Trinken sehen konnte.


Das soll sich auch heute wieder lohnen. Eine Erstsichtung, eine weibliche Steppenweihe, oder Pallid Harrier.


Wenn´s erstmal läuft, dann läufts. B) Eine zweite Weihe fällt ein, um zu trinken. Und nun sogar mit Sonne.


Die Raubadler sind auch wieder da.


Und um der Hühnersuppe die Krone aufzusetzen, kommt auch noch eine männliche Steppenweihe ans Wasser. Die hatte ich erst einmal gesehen, vor einem Jahr in der Etosha, damals ziemlich weit weg. Die Sichtungen freuen mich sehr, ich bin bester Stimmung.
Zwischenzeitlich fliegt noch eine weitere männliche Weihe über das Wasserloch, sie verspürt aber keinen Durst und zieht weiter.




Nachdem die Weihe fertig getrunken hat, fliegt auch sie weiter, und da es schon sieben Uhr durch ist, fahre ich überaus frohgelaunt zurück ins Camp.

Dort starte ich ein Feuer, koche vorab ein paar Nudeln auf dem Gaskocher, trinke dazwischen einen kalten GT, und nachdem ich eine schöne Glut habe, grille ich mir ein weiteres Steak bei heute klarem Himmel und Windstille.
Das Essen geniesse ich mit Blick aufs Nossobtal und einen Trupp Springböcke, die langsam näher ziehen.

Bevor es ganz dunkel wird, spüle ich schnell, lege nochmals Holz nach und setze mich ans Feuer.
Unterdessen haben die Bellgeckos ihr Konzert gestartet, eine Schleiereule schnarcht, und dann erschallen auch noch die schaurig-schönen Rufe der Schakale. Ach, ist das toll hier.
Abwechselnd stiere ich sinnierend in die Glut, oder ich bestaune den gewaltigen Sternenhimmel. Innert kurzer Zeit huschen drei Sternschnuppen durch die Nacht, schnell lege ich mir drei Sichtungswünsche parat.
Natürlich verrate ich nicht, was ich mir gewünscht habe, sonst gehen die Wünsche nicht in Erfüllung.
Mal schaun, ob was draus geworden ist. :blink: :silly:
Ein Kapfuchs schaut mal vorbei, ob er was stiebitzen kann, und wie ich im Schlafsack liege, brüllen zwei Löwen nicht weit weg im Rivier.

Mal schaun, ob die Löwen am nächsten Morgen zu finden sein werden.

Viele Grüße,
Matthias
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20 Mär 2018 18:08 #515881
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Freitag, 19. Januar; den Nossob hoch bis Nossob

Im ersten Licht bin ich auf und mache Katzenwäsche. Als ich vom Wasserhahn zurück komme, fallen mir eindeutige Tatzenspuren auf. Da sind vier Löwen direkt bei mir vorbei marschiert, zwei Tiere abgeschrittene drei Meter neben dem Condor, die anderen zwei etwas weiter weg. Es freut mich, dass es noch ein paar Ecken gibt, wo man solcherlei erleben kann und nicht in eingezäunten Camps sitzen muss wie in einem Zoo, nur umgekehrt. Die Tiere sind draussen, man selbst hinter Gittern.
Kurz nach sechs Uhr bin ich unterwegs und fahre das Nossobtal aufwärts.


Das Licht ist noch ziemlich mau, als die erste Sichtung gechippt wird. Ein ruhender Kaptriel.


Der Partner steht einen Baum weiter.


Nur drei Minuten später trottet ein prächtiger Mähnenlöwe ( Bele würde sagen, so ein geföhnter Lackaffe ) dicht neben der Strasse längs, er wird wohl das nächste Wasserloch Kij-Kij ansteuern.
Ich überhole ihn und lasse ihn auf mich zulaufen.


Leider scheint die Sonne noch nicht bis in den Talboden.


Als das Wasserloch schon zu sehen ist, fahre ich vor. Hier stehen bereits drei Autos, und gerade machen sich drei Löwen auf, um das Wasser zu verlassen und in westlicher Richtung in die Dünen zu ziehen.
Der Löwe kommt näher und näher, und.... dreht dann ab und zieht seinen Kompagnons hinterher. Ziemlich sicher waren das die vier Löwen, die mich heute nacht besucht haben.

Na gut, keine weiteren Löwenfotos. Ich fahre die paar Meter weiter bis zu dem kleinen Damm, stelle mich in günstiger Position hin und warte.


Ich muss nicht lange warten, da bekomme ich Besuch. Und was für einen! Meine allererste braune Hyäne. Nun kann ich es ja ausplaudern, ihr war die erste Sternschnuppe gewidmet.


Die Hyäne trinkt anhaltend, dabei ständig nach allen Seiten sichernd.


Noch immer ist es zu früh, als dass die Sonne bis hierher reichen würde. Ich habe knappe fünfzig Fotos verbraten, und nach den Daten dauerte der Auftritt nur ganze fünf Minuten, dann verschwindet die Hyäne wieder Richtung Dünen.


Kaum ist sie weg, erscheinen zwei Schakale und nehmen den Platz ein.


Dann sehe ich die Hyäne noch einmal, wie sie die Düne hoch spaziert, im schönsten Sonnenlicht, nun leider etwas weit weg. Es ist gerade sieben Uhr durch, was für ein Morgen. Ich bin begeistert.
Langsam fahre ich das Nossobtal weiter aufwärts.


Der Kronenkiebitz posiert im schönsten Licht, den nehme ich mit.


Ebenso wie den Hartebeestbullen. Hier in der Gegend von Melkvlei muss es schon mal geregnet haben, denn es spriesst überall frisches Grün.

In Melkvlei selbst steige ich aus, frühstücke schön gemütlich in der Sonne, und bevor ich weiter fahre, geh ich noch schnell aufs Klo.


Als ich wieder rauskomme, liegt direkt im Eingang eine Puffotter. Beim Reingehen bin ich einen halben Meter daran vorbei marschiert und ich habe sie nicht gesehen. Also schnell die Kamera geholt und ein paar Bilder gemacht. Die Sternschnuppenfee macht einen verdammt guten Job, denn die zweite Schnuppe war einer Schlange gewidmet. B) Eigentlich wollte ich mir eine Kap-Cobra wünschen, aber die Schnuppe hat mich überrascht , und ich habe nur schnell "Schlange" gedacht. Dass die Fee so prompt liefert, hätte ich nicht gedacht. :whistle: :lol: Bleibt noch Wunsch Nr. 3.


Puffotterweibchen, etwa 65 cm lang. Kein besonders grosses Exemplar, aber ich mag mich nicht beschweren.


Als nächstes finde ich zwei Sekretäre, die endlich einmal nicht sofort Reissaus nehmen, sondern sogar auf mich zu kommen.



Bei dem Wasserloch mit dem hässlichen grünen Plastikbehälter liegen einige Löwen im Schatten, aber wegen dem unfotogenen Teil spare ich es mir, Bilder zu machen.


Weiter nördlich finde ich noch zwei Cheetah-Brüder. Sie haben hier im Schatten geruht, brechen dann aber bald auf und ziehen etwas höher auf die Düne, vielleicht geht da eine Brise und es wird nicht so heiss.

Kurz vor Zwölf erreiche ich Nossob. Ich buche mich für eine Nacht ein und suche mir einen Stellplatz unter einem grossen Schattenbaum. Ich richte mich ein, esse eine Kleinigkeit und besuche dann den Pool, um mich zu erfrischen.
Danach lege ich mich hin und halte Siesta.

Den Abenddrive gibt es im nächsten Kapitel,
so long.

Matthias
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