THEMA: Die Eulenmuckels unterwegs mit Freunden
10 Dez 2017 21:39 #501133
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Teil 2 – Mit Annette, Michael und Hanna durch Zentral-Namibia

Tag 10 – 24. Juli 2017 – Durch den Messum-Krater

Meikes Gästehaus – Campsite am Elephant’s Head

Wir standen relativ früh auf, da wir noch alles Mögliche zu packen hatten und nicht allzu spät losfahren wollten. Uwe duschte und fuhr zur Tankstelle. Es dauerte wie erwartet ewig, bis der große Doppeltank voll mit Diesel war. In der Zwischenzeit wurden auch die Scheiben geputzt und der Ölstand kontrolliert.
Noch vor dem Frühstück räumten wir die meisten unserer Sachen ins Auto. Der Kühlschrank platzte aus allen Nähten. Als wir den Wassertank auffüllen wollten, mussten wir feststellen, dass unser Trichter für die Einfüllöffnung zu kurz war. Entweder lief das Wasser ins Auto oder aus dem Trichter neben den Wagen. So parkten wir um und benutzten den Schlauch auf Meikes Hof. Für die nächste Gelegenheit müssen wir uns aber eine andere Lösung suchen oder basteln.
Wir frühstückten ein letztes Mal in Swakopmund, und als Michael, Annette und Hanna eintrafen, räumten wir den Rest ins Auto und verabschiedeten uns von Klaus und Meike. Die beiden sind wahre Schätze, und wir können gar nicht sagen, wie sehr wir uns bei ihnen immer wohlfühlen. Der Aufenthalt in Swakopmund ist jedes Jahr so schön, dass wir wirklich traurig sind, wieder abreisen zu müssen.
Wir fuhren am Atlantik entlang nach Norden. Es blieb neblig und kalt. Die Strecke zog sich mit mehreren Baustellen sehr in die Länge.



Wir hielten an dem 2008 gestrandeten Schiffswrack der Zeila. Sofort kamen mehrere Verkäufer angelaufen, die uns Mineralien und Kristalle anboten. Es war gar nicht so leicht, sie abzuwimmeln, und wir waren froh, als noch weitere Touristen anhielten.



Hier ein Vergleichsfoto aus 2010:



Kurz vor dem Abzweig zu Cape Cross warfen wir einen Blick auf einen der zahlreichen Stände mit Salzkristallen.



Während unsere Reisepartner der Robbenkolonie einen Besuch abstatteten, verzichteten wir diesmal auf den Anblick der vielen Seerobben und vor allem auch auf den zugehörigen Geruch und liefen zu Fuß zu dem kleinen Friedhof am Meer und warteten.





Zusammen ging es dann auf direktem Weg Richtung Messum-Krater. Zum Glück wich bald der Nebel zurück, und durch die Sonne stiegen auch die Temperaturen. Wir fuhren durch den Krater und waren völlig begeistert von der Landschaft. Die endlose Ebene in verschiedenen Weiß-, Grau-, Rot- und Brauntönen, Felder von Welwitschia Mirabilis und die Berge am Horizont bildeten eine eindrucksvolle Kulisse.









Ein kurzer Stopp folgte auf den nächsten. Mal sprang Ruth nur wegen der 85. Welwitschia aus dem Auto, mal vertraten wir uns alle ein wenig die Füße.



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10 Dez 2017 21:42 #501135
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An einer als Bakkrans markierten Stelle im GPS machten wir einen etwas längeren Stopp, und die Damen erklommen einen Hügel mit einem kleinen Felsüberhang, von dem aus man eine fantastische Sicht ins Umland hatte.







Hinter dem Messum-Krater bogen wir schließlich nach Norden ab, um über eine Nebenstrecke zu dem Aussichtspunkt über den Ugab zu gelangen. Schnell wurde der Weg steinig oder sandig, und wir kamen nun deutlich langsamer vorwärts. Wir schalteten den Allrad ein, und Michael machte seine ersten 4x4-Erfahrungen. Durch diverse Pausen über den Tag hatten wir ohnehin schon viel Zeit verloren. Es würde knapp werden, bis Sonnenuntergang wie geplant im Rhino Ugab Camp anzukommen. An einer Stelle verpassten wir eine Abzweigung und fuhren einen guten Kilometer in die falsche Richtung über eine steinige Pad auf einen Berg. Wir erkannten unseren Fehler und kehrten um. Nun fuhren aber Michael und Annette vor und bogen leider nicht an der richtigen Stelle ab, sondern fuhren immer weiter den Weg zurück, den wir gekommen waren. Wir versuchten, sie per Funk, durch Hupen und mit der Lichthupe aufzuhalten, aber die drei fuhren unbeirrt immer weiter. Bis wir sie auf der Rumpelstrecke stoppen konnten, waren wir schon mehrere Kilometer zurückgefahren. Nun war es wirklich zu spät, und wir machten uns ernsthafte Sorgen, noch bei Tageslicht am Ugab anzukommen. So beratschlagten wir, und Uwe entschied, weiter zurück zu fahren und den Main Track vom Messum in Richtung D2342 zu nehmen. Dies würde einen erheblichen Umweg bedeuten, führte uns aber auf schnellstem Weg zu breiteren und schneller zu befahrenen Strecken.
Wir holperten, so schnell es die Strecke zuließ, zurück Richtung Messum und anschließend nach Osten. Das Nachmittagslicht wurde immer schöner. Auch wenn wir aufgrund der Uhrzeit etwas im Stress waren, genossen wir die tolle Landschaft in diesem Licht.













Für dieses Steinböckchen mussten wir ebenfalls einen kurzen Halt einbauen.





Und so war die Sonne bereits untergegangen, als wir die D-Straße erreichten. Bis zum Rhino Ugab Camp wären es nun noch über 45 Kilometer. Im Dunkeln und mit unseren drei Freunden im Schlepp, für die wir uns verantwortlich fühlten, würde das sicherlich kein Spaß werden. So änderten wir erneut den Plan und fuhren zur Campsite am Elephant Head, die nur noch 15 Kilometer entfernt lag. Der Campattendent freute sich sehr, uns zu so später Stunde noch begrüßen zu dürfen. Er hatte heute sicherlich niemanden mehr erwartet und war für die Nacht schon in sein Zelt gekrabbelt. Nun zeigte er uns eifrig die verschiedenen Stellplätze. Wir freuten uns ebenfalls, noch im allerletzten Tageslicht einen Campingplatz erreicht zu haben und nahmen direkt den erstbesten. Zu einer Dusche hatten wir so spät keine Lust mehr. Später stellten wir fest, dass eh kein Wasser vorhanden war.



Rasch stellten wir die Autos möglichst gerade, richteten unser Lager ein und machten Feuer. Wir grillten Boerewors und aßen Salat und Knoblauchbrote. Nach der langen und anstrengenden Fahrt waren alle erschöpft und genossen das Feuer und den ruhigen Abend mit leckerem Essen. Zu unserer großen Freude hörten wir ab und zu das langgezogene Heulen einer Hyäne aus der Ferne. Anschließend bewunderten wir den besonders grandiosen Sternenhimmel und krabbelten bei 11 Grad ins Zelt.



Kilometer: 262
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14 Dez 2017 00:33 #501535
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Tag 11 – 25. Juli 2017 – Hüterin der Schlange – Desolation Valley

Campsite am Elephant’s Head – Huab

Eigentlich dachten wir, in Namibia auf einer Campsite in der Wüste zu schlafen. Aber heute Morgen war alles außerhalb des Autos nass. Nicht einfach nur feucht, sondern triefend. Der Fotoapparat, den wir für die nächtlichen Sternenaufnahmen draußen stehen hatten, war voller Tropfen, auf Tisch und Stühlen hatten sich kleine Pfützen gebildet, und die Handtücher, die wir an einen Baum gehängt hatten, waren wie gerade aus der Waschmaschine gezogen.
Noch mehr als sonst freuten wir uns auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und stellten alles zum Trocknen auf. Auf unserem Gaskocher versuchten wir, für alle Mann eine große Kanne Wasser zum Kochen zu bringen. Das war aber ein unmögliches Unterfangen. Es dauerte ewig, bis das Wasser annähernd heiß war, obwohl wir versuchten, den Wind abzuschirmen.



Trotzdem ließen wir uns den Spaß nicht verderben. Wir frühstückten gemütlich mit Brötchen und Müsli und hörten immer wieder die Rufe der Rüppeltrappen. Dann machten wir eine kleine Wanderung um den Berg, an dessen Fuß wir campierten. Der Campattendent, dessen Namen wir uns leider nicht gemerkt hatten, begleitete uns zunächst zum namensgebenden Elefantenfelsen.



Er war sichtlich erfreut über die Abwechslung. Seit zwei Wochen sei schon niemand mehr bei ihm zu Besuch gewesen. Manchmal sei es schon recht einsam, aber er sei hier glücklich. Auf die Frage, wie lange er diesen Job noch machen wolle, entgegnete er: Wer weiß, vielleicht einen Monat, ein Jahr, sein ganzes Leben lang … . (Ruth überlegt auf Grund des ganz normalen Schulwahnsinns vor Weihnachten, aktuell mit ihm zu tauschen. Spätestens zum nächsten Samstag und zum nächsten Heimspiel wird sie aber wahrscheinlich wieder eine ganz andere Meinung haben.)
Vom Elephant’s Head aus liefen wir den sandigen Weg bergauf, den wir vor vier Jahren nicht mehr mit dem Auto hinaufgekommen waren, nachdem wir leichtsinnigerweise in den Kessel hinabgefahren waren. Wir hatten damals lange überlegt und einige Steine als Rampe schleppen müssen, um uns aus der dummen Situation zu befreien. Die naheliegendste Idee, ordentlich Luft aus den Reifen zu lassen, war uns damals gar nicht gekommen. Uwe hätte es zu gerne noch einmal mit weniger Luftdruck probiert, aber Ruth war skeptisch, dass man die steile Anfahrt auf diese Weise bewältigen würde. So war sie nicht traurig, dass die Zufahrt inzwischen gesperrt war, was wohl darauf schließen lässt, dass sich an dieser Stelle noch weitere Touristen so dämlich angestellt hatten wie wir.
Wir umrundeten den Hügel, entdeckten ein paar Agamen und Geckos und freuten uns fast alle über den kleinen Spaziergang.







Auch hier sollen zwei Elefanten im Felsen stehen.



Bergschmätzer



Uwe, der Zeitwächter, mahnte, sich nicht zu vertüddeln. Wir müssten noch die verlorenen Kilometer von gestern bis zum Rhino Ugab Camp aufholen. Trotzdem kletterten wir zu fünft unter der Führung des Campattendents auf den kleinen Berg und erlebten eine tolle Aussicht über die Ebene. Wahrscheinlich hätten wir den Aufstieg auch alleine bewältigt, aber mit Begleitung mussten wir nicht lange nach einem geeigneten Weg suchen.



Erkennt ihr das Gesicht?







Während Michael und Annette erfahren im Bergsteigen wie die Gazellen vorwegsprangen, war der steile Abstieg für uns schon eine kleine Herausforderung.
Kurz bevor wir wieder zurück an der Campsite waren, entdeckten wir eine Schlange zwischen den Felsen. Sie war ca. 1,50 Meter lang und sehr dünn.



Unser Führer erklärte uns, dass sie nicht giftig sei, sammelte aber dennoch ein paar große Steine. Ruth war alarmiert. Was er denn mit den Steinen wolle. Die Schlange müsse getötet werden. Ruths Mine war ziemlich eindeutig. Nein! Das geht nicht. Unter gar keinen Umständen. Die Schlange sei wunderschön, und überhaupt hätten wir erst ganz selten mal eine zu Gesicht bekommen. Ob es an Ruths Lehrerinnenblick lag, oder ob sie ihn durch ihr ständiges Mantra: „Stopp! Nein! Auf keinen Fall!“ ins Koma gelullt hatte, blieb unklar, aber er ließ schließlich die Steine fallen, war jedoch alles andere als begeistert. Wir folgten dem Reptil in einigem Abstand, als es sich geschickt über die Steine bewegte.





Die Schlange war ein wenig dunkler gefärbt als diejenige, die wir vor ein paar Tagen im Namib-Naukluft-Park gesehen hatten, erschien uns aber dennoch ähnlich. Als wir uns endlich von ihr losreißen konnten und zum Auto zurück wollten, hatte unser Campattendent doch tatsächlich schon wieder ein paar Felsbrocken in der Hand. Also begann das Spielchen von Neuem. Nur eine tote Schlange sei eine gute Schlange. Nein! Doch! Nein! Doch! Ruth weigerte sich, die Schlange ihrem Schicksal zu überlassen und schüttelte so lange energisch den Kopf, bis unser Guide kapitulierte und sich endgültig an den Abstieg machte. Sieg für Ruth und die Schlange! Zumindest für heute.
Wir packten alle Sachen zusammen, und Uwe half noch, die defekte Wasserleitung an unserem Stellplatz zu reparieren. Michael hatte zuvor gemerkt, dass eine Schlauchschelle an einem Verbindungsstück verrutscht war. Deswegen waren bereits zig Liter Wasser in den Sand gelaufen, nachdem man uns die Leitung für die Duschen geöffnet hatte.



Dann bezahlten wir unsere Rechnung und gaben dem Campattendent noch etwas Geld für seine Begleitung bei der Wanderung.
Letzte Änderung: 15 Dez 2017 08:09 von Eulenmuckel.
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14 Dez 2017 00:37 #501537
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Es war schon nach elf Uhr, als wir aufbrachen. Wir fuhren ca. 60 Kilometer Richtung Norden zum Ugab. Die Landschaft wechselte zu dunklen Steinformationen. Die Aussicht war toll.



Die letzten Kilometer vor dem Rhino Ugab Camp waren steinig und eine gute Einstimmung auf die weitere Strecke nördlich des Ugab.







Im Camp machten wir eine kurze Pause und begaben uns dann auf die Etappe hinauf auf das Hochplateau. Etwas anspruchsvoller waren zwei Passagen, bei denen wir steil bergauf fahren mussten. Mit Untersetzung und ganz langsam meisterten wir aber ohne Schwierigkeiten diese Stellen. Besonders Michael als 4x4-Neuling wurde gefordert, zumal die Autos bisweilen nur auf drei Rädern fuhren.









Oben angekommen machten wir eine größere Pause und picknickten.







Dann richteten wir uns nach Westen und fuhren an der Quelle von Gai-As vorbei. Dort gab es Wasser und einige Steinhäuschen.







Zahlreiche Tierspuren zeugten davon, dass die kleine Wasserstelle häufig von Wild frequentiert wird. An einem nahegelegenen Felsen war außerdem eine Kamera montiert. Zu gerne hätten wir einen Blick auf die Aufnahmen geworfen.



Unser Ziel war das Flussbett des Huab. Die Strecke dorthin zog sich sehr, war aber landschaftlich besonders reizvoll und ausgesprochen schön.









Wir fuhren über Stock und Stein und erreichten gegen 17.00 Uhr die westlichen Ausläufer des Huab-Trockenflusses. Zum Glück zeigte das GPS bald einen Picknickplatz. Da wir keine Lust bzw. Zeit mehr hatten, weiter zu suchen, blieben wir dort und richteten uns ein.



Anfangs war es ziemlich zugig und kühl, denn es blies ein starker Wind, der zum Glück später nachlies. Auf einem großen Feuer kochten wir Blumenkohl, Möhren und Broccoli im Potije und grillten ein paar Oryx-Steaks.
Wieder hatten wir eine lange Fahretappe hinter uns gebracht. Die Landschaften, die wir durchfuhren, waren atemberaubend schön. Uns war nicht eine Minute langweilig.



Kilometer: 130
Letzte Änderung: 14 Dez 2017 00:40 von Eulenmuckel.
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15 Dez 2017 17:39 #501705
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Tag 12 – 26. Juli 2017 – Sackgasse im Huab und kleine Planänderung

Huab – Bambatsi

Was für ein Tag. Wir standen nicht allzu spät auf. Leider befanden wir uns mit unserem Bushcamp im Schatten eines kleinen Berges. Dennoch war es nicht kalt, und wir entschieden, zunächst lediglich Kaffee zu trinken und später zu frühstücken, wenn wir bereits einen Teil der unbekannten Wegstrecke bewältigt hätten. Uwe sammelte Stöckchen für den Kelly Wasserkocher.



Zum Kaffee bzw. Tee gab es nur ein paar trockene Rusks. Wenn man diese in das heiße Getränk tunkt, schmeckten sie sogar ganz gut.
Wir packten unser Lager zusammen, und obwohl wir eigentlich früh los wollten, war es schon halb neun, bis wir uns endlich auf den Weg machten.



Zunächst führte die Strecke nördlich des Flussbettes entlang. Es ging hügelauf und -ab auf ziemlich steiniger, holpriger Pad. Manchmal sahen wir das grüne Band des Huab, welches sich zwischen den Bergen dahinschlängelte, manchmal fuhren wir im Flussbett, dann wieder über ein etwas höher gelegenes, felsiges Plateau. Nach jeder Biegung und hinter jeder Kuppe öffnete sich ein neuer Blick. Die Landschaft war fantastisch. Genau diese Stellen sind es, die Namibia so einzigartig machen.









Nach wenigen Kilometern kamen wir zu einem Aussichtspunkt. Michael, mittlerweile ganz Offroad-Profi, steuerte den Hilux gekonnt die ziemlich steile, steinige Auffahrt auf den kleinen Hügel hinauf. Wir machten große Augen, als wir sahen, wie die Reifen durchdrehten und die Steine unter dem Auto hinausspritzten. Ruth entschied sehr schnell, dass man das Hügelchen auch hinauflaufen könne. So parkten wir unser Auto unten und kraxelten die Zufahrt hinauf. Hier oben wehte ein kräftiger Wind.





Uwe bereute es ein wenig, von unserem Auto nicht auch ein Foto am Abgrund zu haben.





Der eigentlich auf unserem GPS markierte Aussichtspunkt lag aber noch einen guten Kilometer entfernt. Da wir ja so ausgesprochen gut in der Zeit lagen, marschierte Ruth auch gleich los. Der Zeitwächter konnte nur den Kopf schütteln und in sein Auto steigen. Er sollte sich wohl verstärkt Gedanken über seine Autorität machen, war vielleicht aber auch einfach froh, seine Ruhe zu haben. Außerdem muss ja irgendjemand seine Fahrt in dieser grandiosen Landschaft dokumentieren.







Die Aussicht über das grüne Huab-Tal war einfach nicht zu toppen. Im Flussbett raschelte hohes Schilf im Wind, was sich fast so anhörte, als fließe tatsächlich Wasser. In einiger Entfernung sahen wir noch einige größere Tümpel stehen. Tiere waren allerdings keine zu erkennen. Wir waren ganz beeindruckt von dem Ausblick. Jeder suchte sich ein Plätzchen und schaute gebannt ins Tal.





Die Magie des Augenblicks lässt sich mit Worten nicht ansatzweise beschreiben. Dieser Ort war einfach der Knüller.

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15 Dez 2017 17:42 #501706
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Als wir uns endlich losreißen konnten und der Zeitwächter auf die vor uns liegende Strecke verwies, eröffnete uns Annette, dass sie die Idee von Ruth, einfach ein Stück zu Fuß zu laufen, großartig fände. Was sein muss, muss sein. Gleiches Recht für alle!



Von nun an führte der weitere Weg bergab ins Huab-Tal.



Er war sehr rumpelig, und wir wurden in unserem Auto ganz arg hin und her gerüttelt. Schließlich endete die Spur für uns in einer Wasserdurchfahrt. Sie führte für etwa zehn Meter durch Wasser mit sehr matschigem Untergrund. Als Ruth versuchte hindurch zu waten, kam sie keine zwei Schritte weit und verlor dabei fast ihren rechten Croc.



Das GPS zeigte zu allem Überfluss den Wegpunkt „Huab river crossing (difficult to impossible)“. Na großartig! Hatten wir doch glatt übersehen bei unserer Planung. Heute war der Fall klar: Es war nicht difficult, sondern impossible. An dieser Stelle war kein Durchkommen, weder zu Fuß, noch mit den Autos. Selbst wenn es irgendwie geklappt hätte, hätten vielleicht noch weitere derartige Problemstellen auf uns gewartet. Leider gab es auch keine Umfahrungen. So war hier nach nur 14 km der geplanten Tagesetappe erst mal Schluss.
Wir konsultierten die Karten.





Große Ratlosigkeit war angesagt. Wir hätten zurück fahren und dann auf der östlichen Huab-Seite nach Norden fahren können. Aber auch diese Route erschien und nicht sicher/ trocken genug. Oder doch die Schlammquerung wagen? Michael hätte wohl zu gerne einmal die Winch ausprobiert. Die Aussicht auf Erfolg war bei dieser Möglichkeit allerdings sehr gering. Schließlich entschieden wir uns, zwar auch bis fast zu unserem Übernachtungsplatz zurückzufahren, dann aber die westliche Route in großem Bogen nach Norden zur C39 zu nehmen. Dies war zwar ein großer Umweg von etwas über 90 km, barg aber die wenigsten Risiken. Auch wenn der Zeitwächter schon hektische, rote Flecken im Gesicht bekam – es war schließlich schon beinahe halb zwölf –, bissen wir in den sauren Apfel und machten uns in Ermangelung weiterer Alternativen auf den Rückweg.



Im Nachhinein war dies für uns die richtige Entscheidung. Die Strecke führte überwiegend bergauf durch Steinfelder – große, grobe, runde, eckige Steine, Geröll, Schotter und Sand, rot, braun, schwarz, anthrazit, grau, beige und kupfer.





Gut anderthalb Stunden waren wir so recht zügig unterwegs, nur von kurzen Fotostopps unterbrochen.





In dieser kargen Landschaft rechneten wir eigentlich nicht mit Tieren. Umso überraschter waren wir, als wir plötzlich einige Zebras erblickten. Die Tiere flüchteten sofort. Die hohe Anzahl grüner Büsche ließ auf vorhandene Feuchtigkeit im Boden schließen. Zu unserer großen Freude meldete Hanna von vorne: Nashorn! Und tatsächlich entdeckten wir bald darauf neben einem Baum ein einzelnes Rhino. Es schnaubte und entfernte sich ebenfalls rasch von uns. Dabei markierte es mehrmals die Umgebung. Um es vor Wilderern zu schützen, war sein Horn bereits gekürzt worden, mittlerweile aber wieder nachgewachsen.





Wir freuten uns sehr über diese besondere Sichtung. Der Umweg hatte sich also gelohnt. Nachdem das Rhino über den angrenzenden Hügel verschwunden war, stiegen wir aus dem Auto und erkundeten ein wenig die Gegend. Wir stellten fest, dass in einer Vertiefung nahe der Felsen tatsächlich noch ein paar kleinere Wasservorkommen lagerten. Zahlreiche kleinere Vögel flatterten herum und stillten ihren Durst.

Lerchenammer





Da das Gelände durch die vielen dichten, grünen Büsche recht unübersichtlich war, war uns ein wenig unbehaglich zu Mute. Die Wasserstelle war offensichtlich eine beliebte Anlaufstelle für verschiedenstes Wild. Wir wollten bei unserem Spaziergang nicht aus Versehen über ein zweites Rhino oder ein schlafendes Leopardenkind (;-)) im Geheimversteck stolpern. Deswegen sahen wir uns immer wieder in alle Richtungen um und kehrten bald zum Auto zurück. Kurz bevor wir wieder einstiegen, entdeckte Ruth diese Grille, oder war es eine Heuschrecke? Lieber Herr Professor hilf, was ist da eigentlich gleich der Unterschied?!



Auf den letzten Kilometern der 4x4-Strecke sahen wir noch mehr Zebras und ein paar Giraffen. Ein paar Kilometer vor der Hauptstraße machten wir eine längere Rast. Da es weit über dreißig Grad, aber keinen einzigen schattenspendenden Baum in der Nähe hatte, spannten wir die Markise auf und stellten unseren Tisch darunter. Es war mittlerweile Viertel nach drei, und unsere Pause ging wohl nicht mehr ganz als Frühstück durch. Trotzdem war die Laune gut.



Wir machten einen Avocado-Salat mit Thunfisch und Mais. Nach der anstrengenden Fahrerei des bisherigen Tages genossen alle die kleine Auszeit. Ein Stück entfernt saßen drei Schildraben auf einem Bäumlein und bekrächzten, ob wohl auch etwas von unserem Picknick für sie abfallen würde. Immer mal wieder flog einer von ihnen auf und drehte ein Ründchen über unseren Köpfen. Nichts! Keine Avocadoschale, kein Nüsslein, kein Brotkanten. Da sind wir eisern, geiziges Pack aber auch. ;-)
Als es weiterging, kreuzten zwei Schakale eilig unseren Weg,



bevor wir nach vielen Kilometern auf Allrad-Strecken die C39 erreichten und Richtung Osten fuhren. Zu Beginn sahen wir hier mehrfach ein paar Giraffen und Strauße in einiger Entfernung neben der Straße. Wir hielten nur kurz, denn das Zeitmännlein fand Giraffen in der Senke ohne Beine und Bauch, noch dazu weit weg, nur mäßig spannend. Außerdem hatte es ja auch wirklich Recht. Da wir aus unerklärlichen Gründen bereits mächtig spät dran waren, mussten wir uns wieder mal beeilen. Mit den maximal erlaubten 80 Stundenkilometern galoppierten wir über Berge und durch Täler. Unsere Fahrt hatte ein wenig etwas von einer Achterbahnfahrt, war nur sehr viel langsamer.



Wir machten uns ein wenig Sorgen um die Belastbarkeit unserer drei Begleiter, da wir diese mit unserer heutigen Etappe – wieder mal – ganz schön forderten. Anscheinend umsonst, denn als sie auf der C39 die Führung übernahmen, war bald nichts mehr außer einer langen Staubfahne von ihnen zu sehen.



Die Strecke zog sich dahin, war aber trotzdem landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich.



Einmal hielten wir noch kurz an, um mit einer Flasche Wasser auszuhelfen.



Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erreichten wir Khorixas. Während Michael, Annette und Hanna tankten und noch in den Supermarkt gingen, fuhren wir die letzten 60 Kilometer auf der Teerstraße zur Bambatsi Gästefarm voraus. Wir checkten ein und warteten bei einem Sundowner auf der Zufahrt zum Campingplatz auf unsere Freunde. Endlich hatte der Zeitwächter Feierabend.



Als sie eintrafen, war es bereits stockdunkel, und wir parkten die Autos. Nachdem der Donkey befeuert war, dauerte es nicht mehr lange, bis wir alle mit warmem Wasser duschen konnten. Nach der Nacht am Elefantenkopf und im Huab war dies eine wahre Wohltat.
Zum Glück war der Abend angenehm warm, so konnten wir gemütlich das Abendessen zubereiten. Wir grillten Oryx-Steaks und aßen dazu Folienkartoffeln. Lange saßen wir noch um unser großes Feuer zusammen. Aus verschiedenen Richtungen ertönte immer wieder der zirpende Ruf von mehreren African Scops Owls.

Kilometer: 292
Letzte Änderung: 16 Dez 2017 01:34 von Eulenmuckel.
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