THEMA: Die Eulenmuckels auf Safari: Flüsse, Tiere, Wüsten
03 Dez 2015 21:06 #409662
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Tag 6. Mittwoch, 1. Juli 2015 – Eindrückliche Bootsfahrt mit Dan

Mavunje-Camp

Eigentlich mussten wir heute gar nicht früh aufstehen. Trotzdem hielten wir es nicht lange im Zelt aus und frühstückten bei Vogelgezwitscher und mit Aussicht auf den Fluss, während das Boot für unseren Ausflug schon mit Proviant für den Tag beladen wurde.





Pünktlich um halb elf kamen Dan und sein Angestellter. Unsere Tour startete direkt am Camp, was auf Grund des Niedrigwassers gar nicht so selbstverständlich war.



Während Dan mit uns vorausfuhr, folgte der Mitarbeiter in einem anderen Boot. Am Anfang der Fahrt mussten wir erst einmal bis zum Hauptkanal gelangen. Da in diesem Jahr nur ein Drittel des üblichen Niederschlags gefallen war, hatte der Okavango Niedrigwasser, und an vielen Stellen musste Dan aufpassen, mit dem Schiff nicht aufzusetzen. Bis zum Hauptfluss hatte er die Fahrrinne bereits tiefer graben müssen. Doch vor dieser geschaufelten Rinne war das Wasser sehr flach, und Dan fragte uns, ob wir ein wenig Lust auf Abenteuer hätten. Abenteuer, warum? Wir sollten aussteigen und ein Stück zu Fuß gehen, während Dan und sein Angestellter das Boot durch seichte Wasserarme zogen. Aha, es ging also darum, unser Gewicht vom Boot zu bekommen. Sehr verständlich.



Während wir neben dem Kanal am Ufer über Hügelchen und durch das Schilf liefen und uns noch fragten, worin denn nun genau das Abenteuer bestehen würde (wir hielten nach unberechenbaren Elefanten, Hippos und Büffeln oder lauernden Krokodilen Ausschau), versackte Ruth, die vorneweg lief, plötzlich unerwartet bis zum Knie im schwarzen Morast. Wahrscheinlich war an dieser Stelle ein Trampelweg der Elefanten unter den Wasserpflanzen verborgen. Wild mit den Armen rudernd, um ihr Gleichgeweicht nicht zu verlieren, zappelte sie im Pröddel und hatte dummerweise ihren linken Croc verloren. Zum Glück eilte ihr Uwe mit den Worten „Halt den Fotoapparat fest! Halt den Fotoapparat fest!“ zur Hilfe.
Einmal dem schwarzen Schlick entkommen, musste Ruth noch einmal zurück und mit ihrem Fuß in der Pampe herumfischen. Denn die Aussicht, die restlichen fünf Wochen mit nur einem Croc zu verbringen, war wenig verlockend. Nach einigem Suchen fand sie ihn Gott sei Dank wieder. Danach war erst einmal Waschen angesagt.
Nach bestandenem Abenteuer – wir waren dem mörderischen Schlamm gerade noch einmal einschließlich aller Schuhe unversehrt entkommen – kletterten wir nun bei deutlich besserer Wassertiefe wieder auf das Boot. Langsam tuckerten wir über die verzweigten Wasserstraßen. Dan war ein großartiger Führer, der allerlei zu berichten wusste. Er zeigte uns Elefanten, Antilopen und Wasservögel.

Afrikanischer Klaftschnabel





Rallenreiher



Er erzählte uns von der typischen Vegetation mit Papyruspflanzen und Riedgras, das die Elefanten bevorzugen. Auch wir sollten die abgeschälten Halme probieren. Nun ja, wir werden auch weiterhin ein normales Salätchen vorziehen. Zwischendurch schöpfte er mit einem Weinglas immer wieder ein paar Schlückchen Wasser zur Erfrischung direkt aus dem Fluss. Überall waren kleinere Herden von Hippos verstreut, die im Wasser vor sich hindümpelten, prustend auf- und wieder abtauchten, mit den Ohren wackelten und uns aus kleinen Augen argwöhnisch beobachteten.

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03 Dez 2015 21:10 #409665
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Dan erklärte, dass die Situation bei den Hippos auf Grund des niedrigen Wasserstandes immer angespannter würde und einige Tiere zunehmend aggressiv reagierten. Er war daher sehr wachsam und hielt so gut es ging Abstand. Auf die Geschichte von einem in der Mitte zerbissenen Kanu hätte Ruth allerdings verzichten können. Die beiden Insassen hatten sich zum Glück noch durch einen gewaltigen Satz ans Ufer vor einem schlimmeren Angriff retten können.
Gegen Mittag machten wir an einer Stelle Pause, an der Elefanten regelmäßig zum Trinken kommen. Heute waren sie jedoch nur kurz da. Wir verließen das Boot und pirschten den Dickhäutern vorsichtig ein wenig hinterher.





Danach gab es ein einfaches, aber leckeres Picknick mit Tomaten-Gurken-Salat, Oliven, Blauschimmelkäse, Brot, Salami und Nudelsalat. Dan war ein sehr angenehmer Guide, und wir unterhielten uns gut mit ihm. Unter anderem erzählte er, dass sich die Letschwe-Antilopen zum Schutz vor Leoparden lieber im niedrigen, abgebrannten Gras aufhalten und sich zurzeit sehr stark vermehren, weshalb wir immer wieder kleinere Grüppchen von ihnen erblicken konnten (hier im hohen Gras).



Am Nachmittag schipperten wir weiter.

Afrikanischer Klaftschnabel





Zwergspint





Mittelreiher



Graufischer



Großriedbock



Senegalkiebitz



Witwenenten









Letzte Änderung: 07 Dez 2015 23:15 von Eulenmuckel.
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04 Dez 2015 19:50 #409780
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Bootstour Teil 2

Kurz vor Sonnenuntergang beobachteten wir lange eine Herde Elefanten, die am Wasser stand. Zwei Bullen kämpften ein bisschen miteinander. Weitere Tiere kamen zum Trinken. Es war eine schöne Szene.

















Später sahen wir auf einem Busch einen Klaftschnabel, der seine Beute noch im Schlund stecken hatte. Er würgte, aber sein Abendessen bewegte sich weder vor noch zurück. Ein paar Zweige weiter saß ein Graueisvogel, der ebenfalls einen für ihn recht großen Fisch stolz im Schnabel hielt. Wir standen lange bei den beiden, da sie irgendwie nicht in der Lage waren, mit den großen Brocken davonzufliegen. Beim Klaftschnabel waren wir uns nicht sicher, ob er die späte Rache des Krebses tatsächlich überlebt hat, oder einfach irgendwann mit seiner Beute gemeinsam erschöpft vom Ast gekippt ist.



Die Sonne begann schon unterzugehen, und Ruth fing an, sich Sorgen zu machen, ob sich Dan womöglich ein wenig mit der Zeit verkalkuliert habe. Wir waren nach unserer Einschätzung recht weit vom Camp entfernt und hatten noch einen weiten Rückweg vor uns.
Trotzdem war das Farbenspiel am Himmel zusammen mit ein paar Wolken über dieser Landschaft von Wasserarmen, kleinen Inseln, Hügeln und vereinzelten Bäumen traumhaft schön und einfach unbeschreiblich. Gegenüber ging bereits der Vollmond auf.









Dann machten wir uns auf den Rückweg. Nach einiger Zeit bremste Dan unser Boot sehr abrupt, und es ertönte ein lautes „Shit“. Das ist ein Wort, welches bei einer geführten Bootstour in diesem Tonfall nicht so wahnsinnig weit oben auf der Wunschliste der gern gehörten Ausrufe eine Guides steht. Ruth war alarmiert, Uwe gelassen, Dan ebenfalls. Er zeigte auf eine Gruppe Hippos, die den Kanal vor uns versperrte. Die sei sonst eigentlich nicht dort, das wäre nun aber wirklich schlecht. Mmmmh?! Was tun? Wir parkten in einiger Entfernung und warteten. Worauf? Darauf, dass die Hippos an Land marschierten und uns durchlassen würden? Das taten sie nicht. Dafür stiegen Uwe und Dan aus und marschierten auf dem Inselchen herum. Sie schossen hier und da ein Foto, allesamt von miserabler Qualität, denn es war mittlerweile schon sehr dämmrig.



Als sie wieder aufs Boot geklettert waren, entschloss sich Dan, die Weiterfahrt zu wagen. Die Hippos waren zwar immer noch in dem relativ schmalen Kanal versammelt, aber wir konnten hier ja schlecht übernachten. Wir bekamen die Anweisung, uns gut festzuhalten, denn Dan wollte möglichst schnell an der Gruppe vorbei. Ein leicht mulmiges Gefühl hatten wir schon, als er den Motor anwarf, aber der Plan war gefasst, und er hätte wegen uns auch klappen können, wegen der Hippos allerdings nicht. Als wir schon aufatmeten, wurde das Boot wieder gestoppt. Da waren doch tatsächlich noch zwei weitere Kolosse aufgetaucht, nachdem wir schon gedacht hatten, an allen Tieren vorbei zu sein. Das war nun aber wirklich nicht schön. Acht Hippos hinter uns, zwei vor uns, wir dazwischen. Es ging weder vor, noch zurück. Ruth war sofort in Hab-Acht-Stellung und sah sich schon mal um, wie weit das Ufer wohl entfernt wäre. Ob sie es mit einem großen Sprung bis dorthin schaffen würde? Und was dann? Im Papyrus festkrallen oder doch an der Steilwand emporklettern? Die Geschichte von dem aggressiven Bullen, der das Kanu in der Mitte durchgebissen hatte, klopfte leise im Hinterstübchen an. Das sympathische Tier wäre doch sicherlich kein Mitglied dieser lieben Hippofamilie, oder doch?
Nun begann Dan mit einem Paddel auf das Wasser zu schlagen. Er wollte die Hippos vertreiben :unsure:, und wir hofften, dass er auch genau wusste, was er da tat. Als eines der zwei Hippos abtauchte, ging es in einem Affenzahn an dem letzten Kanalversperrer vorbei. Ohne uns noch einmal umzudrehen und zu schauen, was die Flusspferde von dieser Aktion hielten, setzten wir unseren Weg fort. Mittlerweile war es völlig dunkel. Allerdings schien das Mondlicht auf die Wasseroberfläche und verlieh den Pflanzen am Ufer ein ganz spezielles, silbern schimmerndes Aussehen. Es herrschte eine beinahe mystische Stimmung, die Ruth wegen der Hippos aber nicht uneingeschränkt genießen konnte.
Vor dem letzten Stück stieg Dan wieder aus, um uns durch die seichten und engen Passagen zu ziehen. Auch tagsüber musste er mehrfach das festgefahrene Boot verlassen, um es zu befreien. Seine Silberlinge hat er sich für diese Tour sicher hart verdient.
Komischerweise war Ruths Bedarf an Abenteuern für den heutigen Tag gedeckt, und sie weigerte sich, im Dunkeln das Boot zu verlassen und wieder zu laufen. Zur besseren Gewichtsverteilung bat uns Dan, ganz vorne auf dem Boot Platz zu nehmen. Das taten wir auch, und als sich Ruth zu weit über den Rand beugte, machte es „Platsch“, und ihre Sonnenbrille verschwand im kohlpechrabenschwarzen Wasser. Ups!
Kein Problem. Dan, ohnehin bis zur Badehose nass, begann, nach dem verlorenen Stück zu tauchen. Obwohl Ruth auf die Brille verzichten wollte (selbst schuld!), kletterte nun auch Uwe von Bord. Er konnte den armen Dan ja schlecht alleine zwischen den Krokodilen plantschen lassen. Na großartig, das konnte doch nicht wahr sein! Die beiden Männer schoben das Boot ein wenig vor und zurück, tasteten abwechselnd mit Händen und Füßen den sandigen Boden ab, und nach einiger Zeit hielt Uwe triumphierend die Brille in der Hand. Der Held! Nun aber schnell zurück ins Boot! Nein, weit gefehlt! War der Herr nun schon im Wasser, konnte er auch gleich schieben oder ziehen helfen. Mit doppelter Kraft wurde also die Strecke durch den Kanal gemeistert, und Uwe war es ein Rätsel, wie Dan das bisher alleine geschafft hatte. Auch so war es noch wahnsinnig anstrengend. Uwe hielt im kalten Wasser tapfer durch bis zu der Stelle, an der Dan meinte, er solle jetzt mal lieber wieder ins Boot gehen, denn hier gebe es tatsächlich sehr viele Krokodile. Aber was denn mit ihm wäre? Berufsrisiko! Oh je! Ob sich Dan wohl vorstellen kann, dass wir auch nicht miterleben möchten, wie unserem Guide ein Bein abgebissen wird?
Ziemlich spät erreichten wir das Camp, duschten und machten Feuer. Auf der Nachbarcampsite waren am Nachmittag Kevin und Angela angekommen, mit denen wir uns vor der Reise über das Forum verabredet hatten. So wurde es bei Impalasteaks, Knoblauchbrot, Salat und Wein ein geselliger Abend am Feuer, bei dem wir uns viel zu erzählen hatten.
Letzte Änderung: 04 Dez 2015 19:53 von Eulenmuckel.
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06 Dez 2015 19:29 #409963
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Tag 7. Donnerstag, 2. Juli 2015 – Über die Grenze nach Sambia

Mavunje-Camp – Kabula-Lodge, Sambia

Heute Morgen verließen wir das Mavunje Camp und Dan wieder. Hier hat es uns sehr gut gefallen. Wir frühstückten, spülten und packten sämtliche Sachen ins Auto. Das dauerte ein wenig. Ruth pirschte noch einigen Vögeln hinterher, während Uwe unsere Rechnung bezahlte.

Graulärmvogel



Zwergspint



Wir verabschiedeten uns von Dan. Er gab uns noch ein kaputtes Objektiv mit, das wir bei einer Bekannten in Katima Mulilo abgeben sollten. Die Bekannte führt eine kleine Reiseagentur und konnte uns noch ein paar Tipps für unsere Fahrt nach Sambia geben.
Wir brauchten eine gute Stunde bis Katima und tankten. Dies dauerte heute besonders lange. Im Zeitlupentempo lief der Diesel in den Doppeltank. Immer wieder schäumte es fast über, und der Tankwart unterbrach den Vorgang. So verging fast eine halbe Stunde.
Bei Katy gaben wir Dans Objektiv ab und erfuhren, dass es an der Grenze zu Sambia keine Veterinärkontrolle gibt. So konnten wir erleichtert noch ein paar Dinge einkaufen. Bei Pick’n’Pay bekamen wir reichlich Trinkwasser, Obst, Brot und Brötchen. Dann fuhren wir zur Grenzstation. Auf namibischer Seite dauerte die Ausreise wie erwartet fünf Minuten. Auf dem Weg zum sambischen Posten versuchten gleich mehrere Geldwechsler uns anzuhalten, um Kwachas mit uns zu tauschen. Wir feilschten mit einem netten jungen Mann und konnten einen Kurs für unsere Euros von 1:7 erreichen. Damit waren wir einverstanden.
Im Gegensatz zu der Einreise vor vier Jahren bei Kazungula war das Prozedere heute sehr geregelt. Alle zu durchlaufenden Stationen befanden sich hinter Schaltern im selben Gebäude. Zuerst bekamen wir unsere Visa für jeweils 50 US-Dollar. Dann erhielten wir eine Einreise-Genehmigung für das Auto. Die war ausnahmsweise kostenlos. Auf den Hubraum des Wagens wurde jedoch eine sog. Carbon Tax von 150 Kwachas erhoben. Dann schlossen wir eine Third Party Insurance für 304 Kwachas ab, die sogar 30 Tage Gültigkeit besaß. Und zum Schluss wurde noch eine Straßennutzungsgebühr in Höhe von 38 US-Dollar fällig. Unmittelbar hinter uns durchlief ein weiteres deutsches Paar die Stationen und regte sich über jede weitere Gebühr auf. Wir denken, sich an dieser Stelle zu beschweren, nützt nicht viel. Wenn man nach Sambia fahren will, weiß man von vornherein, wie teuer es ist.
Nachdem wir alle Papiere beisammen hatten, konnten wir fahren. Nicht jedoch, ohne bei der Ausfahrt der Grenzstation noch einmal 60 Rand für irgendetwas zu bezahlen. Dass bei der Zahlung der Gebühren in der Grenzstation grundsätzlich kein Wechselgeld vorhanden war, braucht nicht weiter erwähnt zu werden.
In Sambia fuhren wir etwa 60 Kilometer nördlich entlang des Sambezi zur Kabula-Lodge, die unmittelbar am Fluss gelegen ist.



Wir waren die einzigen Gäste und fanden es ein wenig schade, dass diese schön gelegene Anlage so wenige Besucher zu haben scheint. Sicherlich hatte die Lodge schon bessere Zeiten gesehen, denn die Ablutions waren ein wenig in die Jahre gekommen, aber durchaus ok. Erst später merkten wir, dass zu dieser Jahreszeit generell wenige Touristen unterwegs waren. Wir waren ab hier weit und breit die einzigen Camper, die einzigen hellhäutigen Personen und auch wohl die einzigen, die vorhatten, die Liuwa-Plains zu besuchen.
Wir konnten einige Sachen aus unserem Kühlschrank in eine Gefriertruhe legen, da ohne laufenden Motor in unserem Auto ja keine Kühlung mehr möglich ist. Dies ist wirklich sehr unpraktisch, wenn man auf einem Campingplatz ohne Stromanschluss steht. Beim nächsten Mal werden wir gerne wieder auf den großen Kühlschrank mit dem hohen Stromverbrauch verzichten. Von dem Plan, eine Seite als Eisfach zu verwenden, waren wir ohnehin weit entfernt. Evtl. ist das Problem inzwischen auch schon durch den Einsatz von Solarpanels behoben.
Wir bauten unser Lager im Schatten einige großer Bäume auf und machten in der Sonne ein Picknick. Uwe kühlte den Sonnenbrand an seinen Beinen, den er sich am Vortag auf der Bootsfahrt zugezogen hatte, mit Gurkenschalen.







Danach wurde Wäsche gewaschen und ein wenig gefaulenzt. Auf unseren bisherigen Reisen ist es selten vorgekommen, dass wir so viel Ruhe hatten, um etwas zu lesen. Damit war es aber schnell vorbei, nachdem Ruth mehrfach von zwei Mücken ins Bein gestochen worden war. Obwohl es noch nicht dämmerte, waren die Mücken hier unheimlich aggressiv und hatten für Peaceful Sleep und andere Mittelchen nur ein müdes Lächeln übrig. So gingen wir schnell duschen und zogen uns danach lange Kleidung über, auch wenn es noch gar nicht kühl war.
Kurz vor Sonnenuntergang standen wir auf dem Deck der Lodge über dem Sambezi und genossen die Aussicht. Im dichten Gebüsch am Flussufer unter uns raschelte und knackte es, aber so sehr wir uns auch anstrengten, wir konnten zunächst nichts erkennen. Das Rascheln kam immer näher, und wir wagten uns kaum zu rühren.



Da sich die Zweige der niedrigen Büsche nur ganz leicht bewegten, schlossen wir ein Krokodil aus, ein Hippo wäre viel zu groß gewesen. Wir waren sehr gespannt, als endlich ein Fischotter seine Nase aus dem dichten Bewuchs streckte. Da wir schräg über ihm standen, bemerkte er uns nicht und schlenderte an uns vorbei am Ufer entlang.





Ein wenig unzufrieden waren wir mit unserem Satellitentelefon, mit dem wir es heute Abend zum ersten Mal nicht schafften, eine funktionierende Verbindung aufzubauen. Ob das an den vielen hohen Bäumen ringsum lag? Auf jeden Fall werden wir es morgen an anderer Stelle noch einmal probieren.
Unsere Bitte nach Feuerholz wurde mehr als erfüllt. Einige enorme Brocken Holz lud der Angestellte an unserem Stellplatz ab. So konnten wir ein großes Feuer machen. Plötzlich explodierte ein Stück Kohle, und wir erschraken sehr, als uns der Funkenregen um die Ohren spritzte. Gegrillt wurden Oryx-Steaks. Da wir keinen allzu großen Hunger hatten, gab es dazu nur ein paar Grillbrote mit Knoblauchbutter. So feierten wir an unserem ersten Abend in Sambia unseren elften Hochzeitstag. Aus einiger Entfernung gratulierte uns eine Pel’s Fishing Owl. Ein magerer Hund streunte um unser Lager in der Hoffnung, etwas zu essen zu bekommen. Als Hund in Afrika möchte man wohl auch nicht wiedergeboren werden.

Tageskilometer: 190
Letzte Änderung: 06 Dez 2015 19:31 von Eulenmuckel.
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08 Dez 2015 21:21 #410179
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Tag 8. Freitag, 3. Juli 2015 – Am Ende die Schranke

Kabula-Lodge – Mutoya Mission, Mongu

In der Nacht bei der Kabula Lodge schlief Ruth unruhig, weil sie mehrfach Leute hörte, die an unserem Lager vorbeiliefen. Am Morgen war zumindest der Mülleimer geleert. Bei frischen fünf Grad standen wir auf, spülten das Geschirr vom Vorabend, frühstückten matschige Brötchen mit Nutella und Marmelade, packten zusammen und verabschiedeten uns vorerst vom Sambesi.



Auf der kurzen Strecke bis zur Hauptstraße sahen wir eine besondere Racke, die wir zunächst für eine Blauracke hielten. Dann fielen uns aber die speziellen Schwanzfedern auf, und wir erkannten, dass es sich um eine Spatelracke handelte. Wir stoppten sofort, doch der Vogel war schon davongeflogen. So erging es uns auf dem Weg zu Hauptstraße etliche Male. Ruth stieg immer wieder aus, denn es waren mehrere dieser leuchtend blauen Vögel in den Bäumen am Straßenrand. Doch es war wie verhext, ihr wollte einfach keine gute Aufnahme gelingen. Trotzdem freuten wir uns über diese für uns neue Art.



Weiter fuhren wir immer Richtung Norden. An einer Stelle mussten wir erneut eine lokale Gebühr bezahlen, und vor Sioma wurden wir von der Polizei kontrolliert, die aber nur unseren Führerschein sehen wollte.



Dann warteten wir auf die Fähre über den Sambezi. Leider war sie gerade unterwegs zur anderen Seite, so dass es fast eine Stunde dauerte, bis wir endlich am anderen Flussufer ankamen. Während wir warteten, sahen wir den Lozi beim Waschen ihrer Kleidung zu. Um ihre Autos zu reinigen, fuhren sie gleich ein ganzes Stück ins Wasser hinein und begannen dann mit der Handwäsche. Ob wir das hier bei uns am Rhein auch einmal so probieren sollten?





Auf der Fähre herrschte ein Höllenlärm. Der alte Dieselmotor röhrte vor sich hin, und es stank fürchterlich nach Treibstoff. Kein Wunder, denn der Diesel wurde aus kleinen Kanistern in einen Trichter geschüttet, der aus einer abgeschnittenen Plastikflasche bestand. Etwa ein Viertel des Kraftstoffes verteilte sich rund um den Motor oder floss gleich in den Sambesi. Das kümmerte jedoch niemanden.





Am anderen Ufer ging es bis zur Hauptstraße und dann auf schnurgerader Strecke über Senanga bis nach Mongu, welches wir gegen halb eins erreichten.

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08 Dez 2015 21:25 #410180
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Nach dem Tanken wollten wir uns über die Barotse Floodplains bis nach Kalabo durchschlagen. Über die ca. 40 Kilometer lange Strecke von Mongu bis zur Teerstraße auf der anderen Seite des Sambesi waren wir ein wenig verunsichert. Gerade dieser Abschnitt war für die Fomis KTM im Jahr 2012 eine echte Herausforderung gewesen, da sie sich einen abenteuerlichen Weg durch die Sümpfe hatten suchen müssen.

Reisebericht KTM

Inzwischen wurde dort eine neue Straße mit vielen einzelnen Brücken gebaut. Es war jedoch im Vorfeld unserer Reise nicht klar herauszubekommen, wie weit die Bauarbeiten fortgeschritten waren. Eine Info hatten wir im März von Piet du Toit von der Kabula-Lodge erhalten:
The road is now tar all the way and bridges have been built through the flood plains to Kalabo you can do it to Kalobo in your BMW.
Leider war Piet bei unserem Besuch der Lodge nicht anwesend. Die zweite Info war von Charity vom Liuwa Tourism in Kalabo. Sie schrieb Anfang Juni:
The road from Mongu to Kalabo is still clossed. We are hoping that the road will open by third week of June.
Ah ja, doch so eindeutig! Wir konnten uns also zwischen fertiger Teerstraße für PKWs und evtl. noch nicht eröffneter Straße etwas aussuchen. Da nehmen wir doch lieber die fertige Straße, die Realität sah afrikatypisch natürlich völlig anders aus. Wie es uns scheint, wird es noch einige Zeit (mindestens ein Jahr) dauern, bis die Straße fertig ist. Es wird dort zwar mit sehr viel Manpower gearbeitet, aber von Eröffnungsreife zu sprechen, wäre stark übertrieben.
Von Mongu aus war es für uns gar nicht so einfach, die richtige Einfahrt zu der Strecke zu finden. Überall fuhren große LKWs mit Brückenteilen, Baumaterial, Chinesen und schwarzen Arbeitern beladen Richtung Kalabo.



Aber sollte diese Sandpiste der offizielle Weg sein? Etwas unschlüssig standen wir im Hafen von Mongu. Der Bootskanal war fast trocken, und einige alte Boote lagen schräg auf der Seite an der Uferböschung. Uns fiel die große Armut der Bevölkerung auf. Viele Kinder trugen stark durchlöcherte Kleidung. Zwischen kleineren Verkaufsständen und anderen Hütten liefen Hühner und Schweine umher und suchten im Müll am Straßenrand nach Futter.



Die Menschen saßen herum, und es war uns nicht ganz wohl, nach dem Weg zu fragen. Aber ein paar Männer – darunter ein besonders vertrauenerweckender Fußballspieler von Borussia Dortmund (er trug zumindest das nicht mehr ganz zeitgemäße gelbe Trikot von Robert Lewandowski) – erklärten uns freundlich den Weg und bestätigten diesen. Ruth trauert noch heute der verpassten Gelegenheit hinterher, sich zusammen mit dem schwarzen Lewandowski in Mongu fotografieren zu lassen.
Also fuhren wir weiter bis zu einem Schild, auf dem stand, dass ab hier nur noch Baustellenfahrzeuge zugelassen waren. Das waren wir ganz offensichtlich nicht. Also hielten wir wieder an und standen erneut etwas ratlos in der Gegend herum. Einer der netten Herren kam hinter uns hergelaufen und machte uns Mut. Wir sollten einfach weiterfahren. Na hoffentlich kannte er sich aus. Wir befolgten seinen Rat und fuhren – ohne es zu registrieren – durch eine geöffnete Schranke.
Ab hier ging es auf einer mehr oder wenig festgefahrenen Sandpiste, die in erster Linie von LKWs befahren wurde, entlang eines hohen Damms, auf welchem die Chinesen die neue Straße bauten. Dieser Damm wurde immer wieder durch einzelne Brückenabschnitte unterbrochen. Einige waren bereits fertiggestellt, von anderen standen nur die Brückenpfeiler, an manchen Stellen noch nicht einmal die.









Die Route war zwar nicht ausgeschildert, aber man konnte ihr doch recht eindeutig folgen. Mal fuhren wir links vom Damm mit Blick in die Barotse-Flutebene, mal wurden wir von hektisch winkenden Mitarbeitern mit orangenen Fähnchen auf den Damm geleitet, und mal ging es auf der anderen Seite wieder hinunter. Überall war Baustelle, und es herrschte ein reges Treiben. Von Einsamkeit keine Spur. Wie bunte Ameisen arbeiteten die Männer mit ihren grellen Bauhelmen auf dem Damm und den Brücken verteilt. Wir sahen Fischer in ihren Mokoros mit Netzen und Stangen, Frauen in bunt bedruckten Stoffen, die schwere Lasten und ihre Babys trugen und viele Radfahrer.



Vereinzelt bemerkten wir kleine Siedlungen aus einfachen Hütten, aber am meisten waren wir von der spektakulären Landschaft der Flutebene mit ihrem dichten Bewuchs, den sumpfigen Tümpeln und den zahlreichen Wasseradern beeindruckt. Ein wahres Paradies für Wasservögel aller Art. Noch nie hatten wir solche Mengen an Reihern, Klaftschnäbeln und Eisvögeln gesehen.



Schwarzkehlchen

Letzte Änderung: 30 Dez 2015 19:58 von Eulenmuckel.
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