THEMA: Mit Peanut und Glück auf Namibia-Tour
13 Mär 2015 13:14 #377136
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Tag 10 – 26. Jänner 2015

Wir erwachen recht früh in unserem “Zimmer mit Aussicht” und genießen den Blick aus dem Dachzelt, bevor wir gegen 7 Uhr langsam rauskriechen. Wir frühstücken gemütlich, genießen die Sonne und den Ausblick ausgiebig, bis uns irgendwann sehr lautes Gebrüll aufschreckt. Hm. Das war eindeutig ein Löwe. Wir schauen uns um, sehen aber nichts. Hören aber umso besser und da brüllt er schon wieder. Na gut, wir wollten eh’ fahren ;-). Wir packen zusammen und fahren wieder Richtung Lodge. Allerdings sehen wir noch ein paar Giraffen etwas weiter weg und legen noch eine kleine Pirschfahrt ein. Das Wetter ist heute so, wie es zu erwarten ist, kleinere und größere Wolken, aber diesmal kein Regen. Die Giraffen sind zum Fotographieren leider zu weit weg, aber ein Zebra stellt sich wenigstens in Position.



Nach dem Reifenschaden ist heute eher ein Fahrtag auf Gravelroads angesagt. Wir passieren den Veterinärzaun dank einiger Tipps aus dem Forum ohne Probleme, einzig das gefundene Horn eines Springbocks muss zurückgelassen werden, das geschulte Auge des Beamten findet es in de Schublade, wo ich es unvorsichtigerweise gelassen hatte. Aber wir könnten uns das wieder mitnehmen, wenn wir nachmittags wieder vorbeikämen. 10 Minuten nach der Kontrolle ist dann alles wieder dort, wo es hingehört und wir fahren über den Grootbergpass in eine grüne Ebene hinunter. Hier hat es offensichtlich schon wirklich gut geregnet, die Wiesen sind grün, Wasserlacken befinden sich entlang der Straße und die Senken sind alle extrem ausgespült, was mitunter heftige Bremsmanöver erforderlich macht.


Peanut zeigt sich auch wieder mal ;-)



In der Falkenberggarage in Kamanjab bekommen wir einen “neuen” alten Reifen, hier hat Savanna einige schon recht abgefahrene Reifen gelagert, die in solchen Situationen dann aufgezogen werden. Wenigstens war unser erster Reservereifen noch halbwegs gut in Schuss. Der wirklich neue Reifen, den wir uns kaputtgefahren haben, ist leider wirklich nicht mehr zu retten. Wir kaufen im Shop noch ein paar Kleinigkeiten ein, Nicole nützt währenddessen das offenes WLAN, das beim Bottle-Shop verfügbar ist. Dann geht’s wieder retour Richtung Palmwag. Knapp 250 Kilometer nur für’s Reifenwechseln.

Zwischen der Abzweigung und dem Veterinärzaun erblicken wir plötzlich eine Herde Giraffen fast direkt neben der Straße. Acht Stück laben sich hier an den Bäumen, sind überhaupt nicht schreckhaft und lassen sich auch nicht wirklich beirren, als ich aussteige und sie von draussen fotographiere. Gemütlich grasen sie die Bäume ab, spazieren über die Straße und stehen anschließend auf der anderen Seite. Wir genießen den Anblick rund eine halbe Stunde, bevor wir weiterfahren.










Rechts oben übrigens Peanuts neue Freundin…

An der Tankstelle nach dem Vet-Zaun tanke ich erneut, um die Fahrerei nach Kamanjab auszugleichen, 48,5 Liter für 290 Kilometer. Sind fast 17 Liter. Hm, da hat sich offenbar der Pass ziemlich ausgewirkt. Zudem bin ich alles mit 4×4 gefahren, das braucht natürlich auch nochmal mehr Sprit. Werde mal auf den Gravelroads den Allrad wieder wegschalten. Der Crowtherstrail muss jetzt auf die nächste Reise warten, wir haben beschlossen, direkt bis Sesfontein zu fahren und morgen mal nachzuschauen, ob wir über den Hoanib Richtung Purros fahren können. Die restliche Fahrt auf der Gravelroad erfolgt recht ereignisfrei, viele Tiere sind leider auch nicht auszumachen.



In Sesfontein fahren wir zuerst zum Fort, um dort einen Rockshandy zu trinken, Internet ist leider “nur für Gäste”, da sind allerdings überhaupt keine anderen da, die beiden Angestellten sind sogar fast erschrocken, als wir auftauchen. Danach können wir der Wegbeschreibung zum Camel Top Camp nicht ganz folgen bzw. fahren auf der Straße Richtung Purros einfach nicht weit genug. Wir drehen um, fahren zurück und fragen im Ort einen Einheimischen, der sich gleich anbietet, uns den Weg zu zeigen, wenn wir nachher so nett wären ihn wieder zurückzubringen. Aber klar doch, er quetscht sich auf die vollgeräumte Rückbank, wir fahren bis zur Abzweigung zum Camp auf der Hauptstraße, bringen ihn wieder zurück und er verabschiedet sich und arbeitet weiter. Sehr nett.

Auf der Campsite ist niemand anzutreffen, also nicht nur keine anderen Gäste, sondern auch niemand sonst. Das beirrt uns diesmal nicht, ich baue das Zelt auf, räume die Sesseln und den Tisch aus. Dann greife ich nach einem Bier im Kühlschrank und ertaste ganz unten Wasser. Was ist das? Ich räume den Kühlschrank aus und stelle fest, dass zwei Bierdosen durch die weiter oben gelagerten Lebensmittel Einschnitte ins Blech bekommen haben und ausgeronnen sind. Na toll. Erst mal Kühlschranksäubern angesagt. Der ist – kleiner Einschub – übrigens wirklich fantastisch. Der Drehknopf geht bis 10 wenn ich mich recht erinnere, anfangs hatten wir ihn auf 5, da war binnen eines Tages alles gefroren. Es genügt da, den knapp über 2 zu haben, um alles schön gekühlt zu lassen. Auch bei wirklich heissen Temperaturen – Einschub Ende -.



Wasser gibt’s derzeit auf der Campsite auch keines, na es wird ja irgendwann jemand vorbeikommen. Es spricht sich ja herum, wenn da jemand zur Campsite fährt. Und tatsächlich, nach ungefähr einer Stunde kommt jemand, begrüßt uns, dreht das Wasser auf und bietet uns Feuerholz an. Wir verbringen einen gemütlichen Abend, machen Feuer, essen recht spät (Springbock wieder mal und Lamm) genießen die Stille und den mittlerweile sternenklaren Himmel mit dem doch schon sehr vollen Mond, der die Landschaft in ein tolles Licht taucht.
Letzte Änderung: 13 Mär 2015 13:16 von dergnagflow.
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15 Mär 2015 12:52 #377369
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Tag 11 – 27. Jänner 2015

7 Uhr hat sich mittlerweile als gute Zeit zum Aufstehen entpuppt, nach einer gemütlichen Dusche und einem Frühstück kommen wir gegen 9:30 von der Campsite weg.


Dusche und WC in der Freiluft-Version

Wir haben geplant, in den Hoanib zu fahren, um danach die geplante Strecke über die Ebene nach Purros zu gelangen. Wir fahren bei der Abzweigung in den Hoanib, wo ich die Reifen auf 1,4 Bar ablasse. Die Fahrt im extrem breiten Flussbett ist herrlich, staubtrocken, hier ist offenbar kein Wasser geflossen vor einigen Tagen.







Wieder in vierfacher Geschwindigkeit abgespielt

Das Schild, das auf die Palmwag Konzession hinweist nehmen wir zur Kenntnis, wir haben da eh noch einen Tag offen nach unserer Reifengeschichte ;-). Allerdings kommen wir eh leider nicht wirklich weit. Kurz vor dem Elephant Camp ist plötzlich Wasser da, eine ziemlich tiefe Schlammstrecke verhindert ein Weiterkommen. Nach zweimaligem Versuch gebe ich auf und schiebe zurück, man muss ja nicht wirklich riskieren, hier alleine steckenzubleiben. Einen anderen Weg zu suchen, ist auch keine wirkliche Option, da wir ein Stück weiter hinten das Wasser auch leicht fließen sehen, die Fahrt entlang des Hoanibs können wir uns also schenken.




Geordneter Rückzug über den eben befahrenen Weg ist angesagt, dann nehmen wir halt die D3707, bleibt uns ja relativ wenig übrig. Hier merkt man allerdings bereits, dass generell wenig Verkehr ist, die Straße ist nicht wirklich in sehr gutem Zustand. Teilweise sehr steinig und nur langsam zu befahren, teilweise aber auch sehr sandig, wo es dann ziemliches Wellblech gibt. Landschaftlich dafür wirklich abwechslungsreich und wunderschön. Von einspurigen, holprigen Wegen über einen Pass (hier kommt uns übrigens der einzige Gegenverkehr auf mit einem Maultierkarren entgegen), dann wieder breite Sandpisten, die durch weite Ebenen führen. Wir sehen zwei kleinere Herden Strausse direkt neben der Straße und unzählige Springböcke und auch Oryx. Je weiter man Richtung Purros gelangt, desto mehr Sand hat man zu bewältigen, immer wieder werden kleine Orte mit verstreuten Häuschen durchfahren.








Ebenfalls in vierfacher Geschwindigkeit



Vor Purros verlassen wir die Straße und wechseln in den Fluss, um eventuell doch ein paar Elefanten zu sehen, aber leider Fehlanzeige. Die lassen sich hier nicht blicken. Wir fahren schließlich durch Purros, sehr weitläufig sind die Häuser hier verstreut. Die Querung zur Campsite ist problemlos möglich, nur an einer ganz schmalen Stelle fließt das Wasser und das kann uns nicht aufhalten. Allerdings ist das halb vergrabene Wrack eines Fahrzeugs Warnung genug…



Die Campsite ist wirklich herrlich, wir sind – wie auch anders zu erwarten – wieder die einzigen Gäste hier und können uns den Platz aussuchen. Die Sonne scheint, es hat ca. 39 Grad, wir sitzen im Schatten der Bäume, schauen auf den trockenen Fluss und lassen es uns gut gehen. Den Nachmittag nützen wir, um Fotos und Videos zu sichern, auf Laptop und die externe Festplatte zu kopieren und danach einfach nichts zu machen.




Letzte Änderung: 15 Mär 2015 12:57 von dergnagflow.
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15 Mär 2015 19:30 #377454
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Tag 12 - 28. Jänner 2015

Heute steht ein ganzer Tag mit einem Guide auf dem Programm, wir haben uns gestern mit jenem an der Rezeption geeinigt, dass er uns ein paar Elephanten zeigt. Daher ist wieder um 7 Uhr Tagwache, wir frühstücken gemütlich, packen dann fast alles zusammen und lassen nur ein paar Dinge wie Tisch, Sesseln, Gaskocher und das Holz auf der Campsite und bauen die hintere Sitzreihe um, damit unser Guide auch Platz hat. Um 9 Uhr treffen wir uns an der Rezeption und fahren, an einer fast übersehenen Giraffe vorbei, auf einen Hügel, von wo aus wir einen wirklich guten Überblick über die Region um Purros erhalten.





Neben der Palmen-Oase, die ganzjährig Wasser führt, sieht man auch das kleine Himba-“Schaudorf”, die Campsite und das Hoarusibtal. Anschließend fahren wir hinunter in den kleinen Kral, in dem einige Frauen mit ihren Kindern leben und die traditionelle Lebensweise der Himbas zeigen. Wir sind mit unserem Guide alleine, ausser uns sind keine Touristen hier. Ich bin ein wenig zwiespältig, die Frauen machen nicht den Eindruck, als wären sie jetzt begeistert, uns ihre Tätigkeiten zu zeigen, sie scheinen eher ein wenig gelangweilt. Andererseits nimmt man doch einiges an Eindrücken mit und kann hier direkt auch die hier lebende Bevölkerung unterstützen.





Nach rund einer halben Stunde verlassen wir mit einigen hier hergestellten Mitbringseln den Kral und fahren nach Purros, wo wir uns noch die dortigen Schulgebäude ansehen. Zwei Lehrer unterrichten hier, ein dritter ist gerade unterwegs, um die Kinder zu unterrichten, die mit ihren Familien weitergezogen sind. “Wir müssen dorthin gehen, wo die Kinder sind,” meint ein Lehrer im Gespräch, “es funktioniert nicht, wenn die Kinder zu uns kommen müssen.”



Nach diesem Besuch geht es nun den Hoarusib entlang Richtung Westen. Irgendwo müssen die Elephanten ja sein. Es beginnt der wohl schönste Flusslauf, den ich in Namibia je gefahren bin. Anfangs noch durch weideähnliche Gebiete (der Hoarusib führt hier wie gesagt das ganze Jahr immer ein wenig Wasser), wir fahren neben Kühen vorbei, über grüne Flächen, durch Wasser und verscheuchen zahlreiche Oryx und eine Affenherde (erst die zweite, die wir zu Gesicht bekommen). Allerdings verschwindet Letztere so rasch, dass uns nicht mal ein unscharfes Beweisfoto gelingt. Links und rechts befindet sich nun immer wieder hohes Schilfgras und die Felsen, an denen sich der Fluss entlang schlängelt. Wir bleiben immer wieder stehen, um zu fotographieren und können uns an der Landschaft nicht satt sehen.





Wir erreichen schließlich die Lodge, die hier hoch oben auf einem Berg über dem Flusstal gebaut wurde und statten dieser einen Besuch ab. Ausser einer Dame mit ihrem Kind ist niemand oben, Touristen gibt’s derzeit keine, die wären gestern wieder abgeflogen. Allerdings hätte man eben gestern bei einer Fahrt Richtung Meer die Elephanten gesehen, die weit den Hoarusib flussabwärts gelaufen wären.



Unser Guide fragt uns, ob wir da noch weiter fahren wollen. Was für eine Frage. Selbstverständlich, wenn das möglich ist. Und so folgt ein weiterer Höhepunkt, als wir tief in den Nationalpark Richtung Meer fahren und sich die harten Felsen langsam mit den Sanddünen kleiden, die einen weiteren spektakulären Farbtupfer in die Landschaft zaubern.



Ob es tatsächlich den Tatsachen entspricht, dass die einheimischen Guides hier mit den Touristen in den Nationalpark einfahren dürfen, können wir natürlich nicht überprüfen, allerdings beschäftigt uns eher die unglaublich schöne Landschaft und die Suche nach den Elephanten. Zu sehen bekommen wir unzählige Springböcke, Orxy und Strausse, eine ganze Herde Oryx mit Jungtieren läuft lange vor uns her, bis sie schließlich doch rechts ins Gebüsch abzweigen und unser Vorbeifahren einfach abwarten. Das selbe Verhalten sollten sie bei der Rückfahrt wieder zeigen. Nicht lernfähig ;-).



Elephanten lassen sich allerdings nicht und nicht blicken, weshalb wir immer weiter in den Canyon fahren und schließlich, ca. 10 Kilometer vor Erreichen des Meeres in eine weite Ebene gelangen. Und plötzlich bedeutet uns unser Guide, stehen zu bleiben, er hätte einen Elephanten entdeckt. Wir steigen aus, ich klettere mit ihm auf das Dach unseres Canopys und tatsächlich, sehr weit weg, hinter einem Busch ist sehr undeutlich das Hinterteil eines Elephants zu entdecken. Hm. Na, ja. Da haben wir diese Tiere schon näher gesehen, aber OK. Plötzlich deutet uns unser Guide hier zu bleiben und macht sich zu Fuß in das Gebüsch auf. Einige Minuten später kommt er zurück und winkt uns zu sich. Allerdings nicht zu Fuß, wie wir anfänglich irrtümlich verstehen, sondern mit dem Auto. Wir fahren also vom unbewachsenen Flussbett hinauf in die bewachsene Stufe, umfahren einige Gebüsche und erreichen ihn, worauf er sich wieder zu uns setzt. Er lotst uns noch ein Stückchen weiter und meint kurz darauf, “stopp” und “close the window please”. Was dann folgt, kann man nicht beschreiben. Ein ruhiges “don’t move” ist das Einzige, was wir von unserem Guide vernehmen.








Als sich alles wieder halbwegs beruhigt hat (und damit sind nicht nur die Elephanten gemeint), schieben wir zurück und fahren langsam zurück in die weite Ebene. Ich unterhalte mich noch angeregt mit unserem Guide, worauf er meint, dass er eigentlich nur mit einem Elephanten gerechnet hatte und er normalerweise auch die Nähe zu den Tieren nicht sucht. Und sie wären hier natürlich das Vorhandensein von Geländewägen nicht gewöhnt. Allerdings wäre es hier immer am Besten, einfach ruhig zu verharren. Die nächsten beiden Bullen, die wir entdecken, laben sich gerade sehr weit weg an dem Schilf. Wir fahren auf eine sehr gesunde Distanz heran, steigen aus, machen Fotos und beobachten, wie sie langsam näher kommen, allerdings dann auch in einer noch sehr angenehmen Entfernung an uns vorbei gehen und sich zu den vorher beobachteten Exemplaren gesellen, worauf dann recht bald alle im Dickicht verschwunden sind. Was für ein Erlebnis. Und echtes Glück, gleich in mehrfacher Hinsicht.





UUps. Erwischt ;-)

Während der Rückfahrt bietet sich das selbe Bild, viele Tiere im Flussbett, orange/gelb/weisse Sanddünen, dunkle Felsen, blauer Himmel und grüne Vegetation. Wir fahren wieder bis zur Lodge mit den wirklich beeindruckenden Fix-Zelten, bevor wir über die südlich des Canyons verlaufende Strasse durch die Berge nach Purros zurückfahren.

Letzte Änderung: 15 Mär 2015 20:19 von dergnagflow. Begründung: Tippfehler ausgebessert
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17 Mär 2015 10:59 #377697
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  • dergnagflow am 13 Mär 2015 13:14
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Dieser Tag ist eher textlastig, wir hatten eine Zeit lang viel zu tun und keine Zeit Fotos zu machen.
Auch das Glück schlägt heute gnadenlos in geballter Form zu...

Tag 13 – 29. Jänner 2015

Wir kommen wieder gegen 9 Uhr von der Campsite weg, bleiben noch kurz beim Wrack des Kleinbusses stehen, das hier schon jahrelang halb vergraben im Sand liegt um einige Fotos zu machen und fahren schließlich Richtung Süden in die Berge. Die D3707 wollen wir nicht zurück nach Sesfontein fahren, unsere Strecke soll diesmal über den Fearless Pass, dann durch den Hoanib und schließlich den Ganamub entlang führen.



Die Landschaft ist hier südlich von Purros sehr felsig, wir kommen nur eher langsam voran. Nach rund 30 Kilometern kreuzt plötzlich eine Hyäne unseren Weg, die erste überhaupt, die ich zu Gesicht bekomme. Sie ist gar nicht schreckhaft und bleibt einige Meter von der Straße entfernt auf den Anhöhe stehen, um sich ablichten zu lassen. Danke schön!



Nach dem wir die felsigere Region hinter uns gelassen haben, erreichen wir eine Ebene, auf der der sandige Untergrund und der wirklich gute Track mal wieder ein wenig höheres Tempo zulassen. Wir fliegen fast dahin, fahren an zahlreichen großen Feenkreisen vorbei bis wir schließlich für eine Giraffe, die fast mitten auf der Straße steht, stehenbleiben und sie, nachdem sie nicht schreckhaft das Weite sucht, ausgiebig betrachten und fotographieren.




Auch heute ist die Landschaft extrem abwechslungsreich, unglaublich, welche Eindrücke hier gesammelt werden können. Und wie auch in den letzten Tagen sind wir vollkommen alleine, nur kurz nach Purros kam uns ein Fahrzeug der Lodge mit Gästen entgegen. Sonst treffen wir auf keinen Menschen.

Nachdem wir schließlich einen schmalen Canyon durchquert haben, erreichen wir das Tal des Hoanibs, wo wir anfangs leichte Probleme haben, in das Flussbett zu gelangen, das Wasser, das hier vor rund einer Woche geflossen ist, hat die Ränder ziemlich unterspült, der Abbruch zum Track ist senkrecht und rund einen Meter hoch. Zu hoch, um hier runter zu fahren. Wir fahren ein Stück den hier vorhandenen Spuren Richtung flussabwärts, bis wir eine Stelle finden, in den Fluss zu gelangen. Die vorhandenen Spuren führen weiter flussabwärts, wir drehen jedoch um und folgen dem Fluss Richtung Sesfontein.


(Mit doppelter Geschwindigkeit abgespielt)

Der Untergrund ist gut zu befahren, die leicht aufkommenden Sorgen von Nicole zerstreue ich mit dem Hinweis, dass die vorherrschende weisse Sandfarbe schon auf sehr trockenen und somit harten Sand hinweist. Nachdem wir hier die Ersten nach der Flut waren, gibt’s keine Spuren und ich suche mir den Weg durch das Flussbett selbst. Die Sonne scheint vom fast wolkenlosen Himmel, es hat rund 35 Grad, wir sind mit einem 4×4 im Flussbett, kann’s etwas Schöneres geben?



Kurz bevor mir mein Garmin anzeigt, dass wir den Fluss nach links verlassen, liegt vor uns eine kleine Engstelle. “die Poort Felsbarriere” sollte ich später dann am Netbook in der T4A Karte lesen. Zwischen den hoch aufragenden Felsen schaut der Untergrund recht dunkel aus, ich entscheide mich, hier eher rechts zu bleiben aber bevor ich dann noch wirklich nachdenken kann, stecken wir schon fest. Na geh, ernsthaft jetzt? Mit diesem Auto? Ich versuche zurückzuschieben, funktioniert nicht. Wieder nach vorne, geht auch nicht. Habe mittlerweile die Getriebeuntersetzung drin und die Differentialsperre, alles was leuchten kann, leuchtet, das Auto bewegt sich aber nicht. Na gut, wir stecken echt fest. “Ich hab’s ja gewusst”, meint Nicole, worauf ich entgegne, dass das halt zu so einem Urlaub auch mal dazugehört. Ist ja egal, muss ich halt ein wenig schaufeln – Sandmatten haben wir eh mit – 20 Minuten, dann sind wir da wieder draussen. Gesagt getan. Ich schaufle und Nicole macht ein paar Fotos. Alles Paletti, alles unter Kontrolle.



Beim Schaufeln bemerke ich, dass hier wirklich vor Kurzem erst Wasser geflossen sein muss, ich hab’ das untere Ende des Reifens noch nicht mal erreicht, stoße ich schon auf das Wasser. Das macht das Weitergraben nicht gerade einfacher, ich versuche immer wieder, die Sandmatten weiter unter die Räder zu schieben und rauszufahren, allerdings greifen die Reifen noch nicht. Und schließlich kommt, was in diesen Fällen dann immer kommt, wenn’s so richtig ganz blöd läuft. Das Wasser nämlich. Von oben im Fluss.

Jetzt kommt ziemliche Hektik auf. Das kann’s ja nicht sein. Ich hab’ das warnende Beispiel von Purros noch vor Augen und schaufle schneller, schiebe die Matten nach, versuche rauszufahren, es misslingt. Ich schaufle nochmal und während ich die Matten nachschieben möchte, umgibt mich schon die braune Suppe, fließt in die Löcher, die ich gegraben habe und deckt sie wieder mit Sand zu. Na ganz toll. Aus einer bis dato recht gemütlichen Situation wird plötzlich eine unkontrollierbare Geschichte, die nun sehr leicht in einer Katastrophe enden kann. Nicole hat mittlerweile die Kamera weggelegt, beide beginnen wir, Baumstämme und Steine vom höherliegenden Plateau zu holen und zwei Meter vor dem Auto einen provisorischen Damm zu bauen. Das hilft vorerst mal ein wenig, Nicole macht hier weiter, während ich aufgrund des immer weiter steigenden Wassers beginne, die wichtigen Dinge schon mal aus dem Auto zu räumen. Wasser, elektronische Geräte und vor allem das Sat-Phone, wer weiß, wozu es gut ist.

Dann beginne ich, die Fernbedienung der Seilwinde zu suchen. Dabei verstreichen wertvolle Minuten, weil ich mich nicht mehr erinnern kann, wo wir sie verstaut haben. Schließlich finde ich sie, lasse die Seilwinde aus und ziehe das Seil bis zu einem riesen großen Baum, der halb vergraben im Sand liegt. Leider ist sie zu kurz, allerdings haben wir noch ein Abschleppseil. Auch hier muss ich zeitaufwändig das komplette Auto durchsuchen, bis ich es unter der Rückbank finde. Und wieder fehlt mir ein Meter. Das gibt’s ja nicht, langsam macht sich wirklich leichte Panik breit. Ich starte einen entsprechend verzweifelten Versuch, nehme die Spanngurte, die ich aus Wien mitgenommen hatte und verlängere damit das Seil. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss, die halten den Zug natürlich nicht aus und reissen ab. OK, hab’ ich eh gewusst, aber einen Versuch war’s zumindest wert. Ein anderer Baum auf der anderen Seite des Flusses erweist sich als zu schwach, ebenso ein Felsvorsprung, um den ich das Abschleppseil wickle. Die Seilwinde reisst ihn raus, das Auto bewegt sich keinen Meter.

Ich erinnere mich an einen Trick, der offenbar in der Wüste funktioniert und beginne, auf der Anhöhe ein Loch zu graben, in das ich einen großen flachen Felsen hineinrollen und als Anker verwenden möchte. Allerdings scheitert das Vorhaben recht rasch, da nach einem knappen Meter Sand schon große Steine und Felsen zum Vorschein kommen. Wir graben trotzdem weiter, erweitern das Loch, graben den großen Stein halb ein und starten einen Versuch, der allerdings – wie fast erwartet – ebenfalls kläglich scheitert. So, aus. Bevor sich jetzt die komplette Panik ausbreitet, kurz mal innehalten und Luft holen. Wir sind mittlerweile über eine Stunde am Arbeiten in der prallen Sonne, sind dehydriert, ausgelaugt und schon ziemlich fertig. Ich bemerke, dass das Wasser eigentlich gar nicht mehr steigt, bilde mir sogar ein, es wäre mittlerweile ein wenig gesunken. Das Auto ist noch umspült, aber nicht verloren, der Damm hilft, hinter dem Damm hat sich sogar eine kleine Sandbank aufgetürmt, der absolute Großteil des Wassers fließt ohnehin an der linken Flanke der Schlucht vorbei, dort ist es rund 75cm, tief, bei uns nur vielleicht 15cm. Wir müssen jetzt erst mal etwas trinken und auf uns schauen, sonst sind wir hier erledigt.

Wir setzen uns an der Kante, trinken warmes Wasser, ich leere es auch über meinen Kopf und wir atmen einmal kräftig durch. Und wie immer, wenn man mal einen kleinen Schritt zurücktritt, inne hält und die Gesamtsituation überblickt, kommen einem die besten Ideen. Auf der Anhöhe liegen dutzende dieser großen flachen Steinplatten, wir müssen nur einfach mit dem Hi-Lift Jack die Räder einzeln aus dem Sand heben, Steinplatten darunterlegen und dann sollten wir eigentlich aus dem Loch fahren können. “Nur einfach” ist allerdings gut gesagt, wir sind beide schon ziemlich fertig, allerdings legt sich die Anspannung ein wenig. In den 10 Minuten, die wir da sitzen, sinkt das Wasser wieder ein wenig, langsam beginne ich zu realisieren, dass wir da wahrscheinlich nochmal großes Glück haben. Und wie ich so sinniere, höre ich plötzlich Motorengeräusche.


Das war der Anblick, der sich Mike und Tanja bot…

“Das kann ja jetzt nicht wahr sein”, denke ich mir und schaue auf das gegenüberliegende Flussufer, wo wie aus dem Nichts zwei Motorradfahrer auftauchen. Jetzt scheinen wir unser Glück schon fast überzustrapazieren. Die beiden stellen ihre Motorräder ab, während ich durch das Wasser wate und zu ihnen gehe. Mike und Tanja sind aus Australien und mit ihren beiden Suzukis auf Weltreise. Und kommen ausgerechnet heute hier genau an dieser Stelle vorbei. Sie wollten eigentlich über den Hoanib Richtung Westen fahren, fuhren durch den Ganamub und sahen, dass an der “echten” Einmündung, zu der ich eigentlich auch wollte, das Wasser floss. Daraufhin wollten sie eigentlich schon zurückfahren, fanden aber die kleine Umfahrung dieser Engstelle und standen nun hier.

Die beiden sehen natürlich gleich, was hier los ist, sie ziehen sich um und sagen sofort zu, uns zu helfen. Tanja versucht mit unserem Satellitentelefon in Khowarib einen Bekannten zu erreichen, der eventuell auch Hilfe schicken kann, während wir nun große flache Steine suchen, um diese unter die Reifen legen zu können. Ich wuchte mit dem Hi-Lift Jack den ersten Reifen hoch, hier erweist sich unser “Damm” nun auch als hilfreich, da nur mehr sehr wenig Wasser hier durchfließt. Wir platzieren den flachen Stein unter dem Rad, legen mit weiteren Steinen einen Weg aus und lassen den Wagen wieder hinunter. Während ich nun das Heck des Fahrzeugs noch entlaste und alle schweren Gegenstände auslade, macht sich Mike daran, die anderen Räder zu unterstützen.


T-Shirt wäre besser gewesen, keine Frage. Erstens um den Gösser-Muskel ein wenig fotogener zu gestalten und zweitens um den Sonnenbrand am Rücken zu verhindern…

Mir fehlt mittlerweile wirklich die Kraft, den Jack zu bedienen. Ich ziehe nun die Seilwinde, die immer noch im Fluss liegt ein und lasse – bitte warum bin ich da nicht gleich am Anfang draufgekommen, ich Depp – noch Luft aus den Reifen. Einfach nach Gefühl, ohne Manometer, weil’s ja eh ziemlich egal ist. Nicole und Tanja schleppen Steine herbei, Mike hebt mit dem Jack die Räder einzeln hoch und nach knapp einer Stunde stehen alle Reifen auf flachen Steinen. Hinter den Hinterreifen ist ein Steinweg ausgelegt, drei schieben vorne an und wie wenn nix wäre, fahre ich den Wagen rückwärts aus dem Loch und gleich weiter aus dem fließenden Wasser auf die danebenliegende Anhöhe. Yesss. Nach rund drei Stunden Plackerei. Die ich ohne T-Shirt in der Sonne verbracht hatte. Ja, das sollte sich natürlich später noch rächen, keine Frage. Nicole konnte mir bereits zwei Tage später meine Haut in handtellergroßen Flächen abziehen. Das ist Rekord bei Sonnenbrand ;-). Dank der fürsorglichen flächendeckenden Beschmierung mit Bepanthen waren die Auswirkungen aber zum Glück recht bescheiden.


Alles wieder Ok, das Auto haben wir draussen.

Wir setzen uns in den Sand und verschnaufen. Tanja ruft den Bekannten nochmals an, um ihm mitzuteilen, dass wir keine Hilfe mehr benötigen, nur um von ihm zu erfahren, dass ohnehin niemand bereit gewesen wäre, die Strecke auf sich zu nehmen, nur um dann vielleicht feststellen zu müssen, dass niemand mehr da wäre. In Summe verständlich, aber auch nicht wirklich beruhigend in so einer Situation. Aber egal, wir haben das Auto draussen, der Rest ist ein Kinderspiel. Ich grabe gemeinsam mit Mike die beiden Sandmatten noch aus dem fließenden Wasser bevor ich den Wagen nun näher und zwei Bier aus dem Kühlschrank hole. Mike freut sich ehrlich darüber, am Motorrad gibt’s untertags selten kalte Getränke. Nach rund einer Stunde packe ich wieder alles in das Auto, Mike und Tanja gehen zurück zu ihren Motorrädern und ich quere den Fluss ohne Probleme. Auf der anderen Seite hole ich den Kompressor heraus und pumpe die Reifen wieder auf. Einen hab ich bis 0,4 Bar abgelassen, damit sollte man natürlich nicht auf steinigem Untergrund fahren…


Da sieht man unseren “Damm” im rechten Bereich des Flusses.


Mike und Tanja. Thank's a lot!

Die beiden wollen noch bis Purros fahren, wo sie heute morgen eigentlich hin wollten, beschließen aber, dies natürlich nicht über den Fluss zu machen, sondern auch zurück über die Ganamub Schlucht zu fahren um dann die D3707 zu nehmen. Nachdem es mittlerweile 16:30 Uhr ist, lade ich die beiden ein, falls sie es sich an der Kreuzung noch überlegen, zurück nach Sesfontein zum Camel Top Camping zu kommen, sie wären zum Abendessen – gegrilltes Rind mit Erdäpfeln und Tomatensalat sowie selbstgemachter Knoblauchbutter – und jeder Menge kalter Biere und Rotwein eingeladen. Wir plaudern noch ein wenig, essen ein bisschen Biltong, ich versuche, meinen Kreislauf wieder halbwegs in Schwung zu bringen und fahren schließlich los. Die Piste ist tiefsandig und recht schwer zu fahren, wir überholen die beiden, die uns bedeuten, dass sie nach der Plackerei auch schon recht müde sind, die Strecke nach Purros heute nicht mehr fahren wollen und die Einladung gerne annehmen. Ich trinke auf dem Weg bis zur Kreuzung der D3707 rund zwei Liter Wasser und fühle mich immer noch vollkommen daneben, eigentlich will ich gar nichts mehr, ausser Ruhe und mich hinlegen.

Als wir die D3707 geht’s schon ein wenig besser, vor allem bin ich froh, dass es jetzt wieder “festen” Untergrund gibt und wir fahren die paar Kilometer nach Sesfontein, wo wir wieder niemanden antreffen. Das sind wir ja schon gewohnt ;-). Wir beziehen die selbe Campsite, packen Tisch und Sessel aus und um den Flüssigkeitsverlust weiter auszugleichen trinke ich gleich mal zwei Windhoek Draught ;-). Mike und Tanja kommen nach rund einer halben Stunde, fahren aber noch kurz zur Lodge im Fort, sie wollen dieses Erlebnis mit zwei kalten Rockshandys abschließen. Wir machen inzwischen Feuer, duschen uns, kochen die Erdäpfel und machen den Salat. Schließlich kommen sie auch auf die Campsite, bauen ihr Zelt auf, duschen ebenfalls bevor wir uns um das Feuer setzen. Ein herrlicher Abend liegt vor uns, wir unterhalten uns beim Essen und danach angeregt, bis wir gegen 23:00 alle todmüde in die Zelte kriechen. Was für ein Erlebnis, was für ein Tag. Da fällt auch kaum mehr ins Gewicht festzustellen,. dass unser “neuer” Reservereifen keine Luft mehr hat, der scheint also auch einen Sickerpatschen zu haben…

In der Nacht komme ich kaum zum Schlafen. Zuviel geht mir im Kopf herum, die Muskeln sind noch komplett übersäuert, ich bekomme im Liegen Krämpfe in den Unterschenkeln und fühle mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Die Hände sind aufgeschunden, seltsamerweise spüre ich den Sonnenbrand am Rücken kaum, wahrscheinlich doch noch zuviel Adrenalin im Blut.

Und immer wieder die Frage, was da wohl schiefgelaufen ist. Also abgesehen davon, dass wir einfach Glück hatten, dass das Wasser nicht weiter gestiegen ist. Das Fahren im Flussbett war es nicht, das würde ich wieder so machen. Es gab keine Anzeichen, dass es zu einem Problem werden könnte. Dass wir vorab relativ lange schon ohne echte Wettervorhersage unterwegs waren, war da schon eher ein Nachteil. Und im Zuge der Vorbereitung hätte ich den Warnungen vor der “die Poort” Felsbarriere mehr Aufmerksamkeit schenken können. Auch die Umfahrung der Engstelle ist dort eingezeichnet. Aber in Summe kann man wahrscheinlich recht wenig tun, um zu verhindern, dass man in eine derartige Situation kommt und irgendwo steckenbleibt. Das passiert. Allerdings gibt es beim darauffolgenden Handeln durchaus Optimierungsmöglichkeiten. Zumindest rückblickend betrachtet. Kritisch war hier jedenfalls der plötzlich herrschende Zeitdruck, der wohl nicht oft vorkommt, dennoch kann eine derartige Sache auch ohne Zeitdruck eleganter gelöst werden. Dass selbst Profis unter Zeitdruck nicht mehr rational arbeiten und nachdenken, sieht man auch hier ganz gut:
http://www.youtube.com/watch?v=KEYaTscCDIg.

Fehler 1 war sicherlich, dass ich sofort zu Beginn mal weiter Luft aus den Reifen hätte lassen sollen. Eventuell wäre ich dann einfach rausgefahren. Ist aber nicht sicher, da das Auto schon fast auf der Bodenplatte aufgesessen ist. Aber in Kombination mit den Sandmatten hätte es vielleicht geholfen.

Fehler 2 war, dass ich eher ohne viel nachzudenken zur Schaufel und zu den Sandmatten gegriffen habe. Besser wäre gewesen, die generelle Situation mal zu betrachten und die verschiedenen Bergemöglichkeiten (Schaufeln, Seilwinde und Hi-Lift Jack) zu bewerten. Als ich dann mal beim Schaufeln war und das Wasser kam, war praktisch keine Zeit mehr, um die Situation ruhig und analytisch zu beurteilen, da waren wir bereits im “Graben” gefangen und konnten nur mehr das weitertun, was wir bereits begonnen hatten. Die Gesamtsituation, mit dem tief eingegrabenen Fahrzeug, den vielen umherliegenden flachen Steinen, von denen ein sehr großer auch als Unterlage für den Jack diente, schrie rückblickend geradezu danach, das Fahrzeug hochzuheben und Steine unter die Räder zu legen.

Fehler 3 in unserer zeitkritischen Situation war, dass ich “ewig” nach der Fernbedienung der Seilwinde und dem Abschleppseil suchen musste. Das ist ein “No-Go”, das entsprechende Bergezeugs sollte immer beieinander und griffbereit sein.

Die kleinen Sachen wie “zieh dir ein T-Shirt an, wenn du in der Sonne arbeitest” fallen da schon kaum mehr ins Gewicht. ;-)

Manche lernen es eben auf die harte Tour ;-).

Dass in manchen Situationen aber auch alles einfach viel zu schnell gehen kann, zeigt der Bericht von Desert Lion auf deren Facebook-Seite. Da kann man dann eher nur mehr wenig machen und nur versuchen, das Notwendigste aus dem Auto zu retten. Und wenn man diese Bilder sieht, hatten wir rückblickend betrachtet auch schon Glück, uns in der Palmwag Konzession den Reifen aufgeschlitzt zu haben. Sonst wären wir nämlich am 26. Jänner nach der Fahrt über den Crowtherstrail mitten in der absoluten Pampa vor dem Fluss gestanden und hätten diesen wegen des vielen Wassers nicht queren können. Und selbst “warten und aussitzen” hätte da wohl wenig Sinn gemacht.

Mike und Tanja haben übrigens auch eine Webseite und einen Blog: http://www.earths-ends.com/
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Tag 14 – 30. Jänner 2015

Immer noch ziemlich geschlaucht klettern wir gegen 8:30 aus dem Dachzelt. Heute machen wir das mal ganz gemütlich, tanken in Sesfontein und dann die nicht besonders weite Strecke durch die Khowarib Schlucht zum Galton Gate. Allerdings wollen wir noch fragen, ob die überhaupt befahrbar ist, so eine Aktion wie gestern will ich mir wirklich ersparen ;-).

Wir frühstücken erst mal gemeinsam mit Mike und Tanja, bevor ich mich daran mache, das gesamte Auto wieder halbwegs fahrtauglich einzuräumen. Gestern haben wir ja mehr oder weniger alles raus und wieder irgendwie eingeräumt und dann so liegen gelassen. Erst gegen 10:30 kommen wir von der Campsite weg und verabschieden uns von den beiden Weltreisenden, die heute nach Purros aufbrechen.

Wir steuern die Tankstelle beim Fort an und sehen auf der Diesel-Zapfsäule schon das große Schild: “Out of Order until further notice.” Naaaaa. Ned wirklich. Ich frage den Tankwart noch, ob das eh ernst gemeint ist, er meint nur, ja, Diesel gäbe es keinen. Die nächste Tankstelle wäre in Opuwo oder in Palmwag. Na super. Überschlagsmäßig sind gemäß der Tankanzeige noch ca. 40 Liter im Tank. Das macht auf normaler Gravelroad rund 300 Kilometer. Aber durch die Khowarib-Schlucht? Und dann theoretisch bis Okaukuejo? Eher nicht. Und durch die Schlucht selbst und dann nach Kamanjab? Mit mir, der ich ohnehin als “Leerfahrer” bekannt bin? Nach kurzer Nachdenkphase beschließen wir, hier heute gar nichts zu riskieren und einfach über Palmwag nach Kamanjab und danach Richtung Galtons Gate zu fahren. In Kamanjab können wir dann auch gleich unseren luftlosen Reservereifen umtauschen.

Gesagt, getan, wir richten es uns gemütlich ein und machen einen Gravel-Road Fahrtag zum Ausrasten draus. Ist auch der Grund, warum es heute von der Fahrt keine Fotos gibt, die Gegend kennen wir nun schon zur Genüge. ;-)

Bei der Tankstelle in Palmwag gehen knapp 125 Liter in den Tank bei 680 Kilometer. Macht schlanke 18 Liter Sprit, die wir in den Fluss-Sandbetten gebraucht haben. Wir passieren das Veterinär-Gate, wieder ohne jegliches Fleisch im Kühlschrank, wieder ist dann noch vor dem Grootbergpass alles dort, wo es hingehört und wir fahren die Strecke ein drittes Mal. Schon vorher ist uns aufgefallen, dass in den Dörfern heute extrem viele Menschen zu sehen sind. Khowarib war voll, überall Familien mit Kindern, neu aufgestellte Zelte, die uns ein paar Tage vorher nicht aufgefallen waren. Auf dem Weg nach Kamanjab hält uns ein Einheimischer, der mit einer roten Fahne mitten am Weg steht auf und meint, dass weiter vorne eine große Lacke am Weg wäre und wir da rechts vorbeifahren sollten. Gleich danach will er aber Geld für Dressen seiner Fußballmannschaft haben. Hm. Ein wenig überrumpelt drücke ich ihm 50 Dollar in die Hand. Deppensteuer halt. Auch erledigt. Lacke gab’s natürlich keine mehr am Weg. Touristensteuer auch entrichtet…

In Kamanjab gehen wir noch einkaufen für den Rest der Reise, wollen am Bankomat auch noch Geld abheben, das scheitert aber, da offenbar in den beiden Automaten in Kamanjab nirgendwo mehr Geld enthalten ist. Auch hier sind die Straßen voll mit Menschen, so ist uns das noch nie aufgefallen. Wir fahren zur Garage, wo wir den Besitzer anrufen, da alles zugesperrt ist. Er meint, er wäre unterwegs, käme aber in einer halben Stunde. Die Zeit nützen wir, um beim Bottle-Store wieder das offene WLAN zu verwenden, wir setzen ein paar Nachrichten ab und schauen unsere Mails an.

Als wir zurückfahren kommt auch der Besitzer bald mit einem abgeschleppten Fahrzeug, wir plaudern kurz über die vielen Menschen, das fehlende Geld in den Bankomaten und warum er am Freitag zu habe, da meint er nur, es wäre der Freitag vor Monatsende, da hätten alle ihr Geld bekommen und würden nach Hause fahren. Ah, deshalb auch kein Geld mehr in den Bankomaten. OK, guter Tipp für’s nächste Mal, wir stehen nämlich jetzt mit relativ wenig Bargeld da. Egal, irgendwie wird das schon gehen.

Der Reifen wird geprüft und tatsächlich, er hat beim Ventil einen Schaden. Also wieder mal einen anderen Reifen drauf, der ist sogar noch abgefahrener, aber jetzt ist es mir schon relativ egal, es kommt nur mehr Etoscha und dann die Fahrt nach Windhoek. Da sollte nicht mehr viel sein.




Wir packen zusammen, bedanken uns und fahren die Teerstraße Richtung Norden. Wir erreichen die Einfahrt gegen 17:00 Uhr und beschließen spontan, heute schon in den Park zu fahren und anstatt in Hobatere in der neuen Olifantrus Campsite zu übernachten. Elefanten oder andere Tiere werden wir in Hobatere ziemlich sicher auch nicht zu Gesicht bekommen.

Die Einfahrt ist komplett neu gestaltet und riesengroß, nicht zu übersehen. Rechts ist der Parkwächter, der die Permits ausstellt. Leider gibt’s keine Karten zum Mitnehmen, nur eine große an der Wand, die wir fotographieren könnten. Na, danke. Zum Glück habe ich mir schon die PDF-Karten ausgedruckt und Navi haben wir ja auch mit. Nach der problemlosen Ausstellung der Permits (nach einer Reservierung wurde nicht gefragt) geht’s nach links in das neue Gebäude, dort sind dann die Zahlungen zu entrichten. Cash Only, no cards. Hm. Langsam wird’s wirklich ein bisschen kritisch mit dem Bargeld. Aber das geht sich noch aus.




Gemütlich fahren wir dann auf der leeren Straße Richtung Olifantrus. Die Gegend ist halt ziemlich bewachsen, wirklich weit sieht man auf dieser Strecke nicht. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit fahren wir auch keine Wasserlöcher an, ringsum hat’s auch gut geregnet, das wäre ohnehin relativ sinnlos. Dennoch sehen wir schon einige Giraffen, Zebras, Strausse und sogar ein Warzenschwein mit Frischlingen.






Wir erreichen das Camp gegen 18:30, schon recht spät, aber im Sommer noch ordentlich hell. Bauen schnell das Zelt auf, räumen Tisch und Sesseln raus und gehen dann mit Flüssigkeit bewaffnet zum genialen Steg und zum Gebäude am Wasserloch. Der Sundowner ruft.

Das Haus ist wirklich sehenswert, der Steg führt in ~ fünf Meter Höhe über die Umzäunung zum zweistöckigen Gebäude, das direkt am Wasserloch errichtet wurde. Oben sind Kippfenster, die zum Öffnen sind, unten sind Fixfenster, klar, so ebenerdig, wie man da sitzt. Das Wasserloch ist mit rotem Licht beleuchtet, alles wäre perfekt, wenn sich doch bloß ein Vierbeiner blicken lassen würde ;-). Wir lassen die Sonne untergehen, warten, schauen und gehen nach rund einer Stunde zurück zum Auto. Abendessen ruft. Auch beim zweiten Besuch nach dem Essen lässt sich in 90 Minuten kein einziges Tier blicken, gegen 11 Uhr kriechen wir schließlich ins Zelt. Morgen ist auch noch ein Tag.






Kurz noch zum Camp: Das ist natürlich sehr neu und sehr gepflegt. Es hat auch einige Museumsräume, in der die Geschichte des Platzes (ehemalige Elefantenkeulungsstation) sowie die Geschichte des Parks und der Erhaltung generell sehr anschaulich dokumentiert werden. Die Sanitärräume sind sehr groß und auf westeuropäischem Niveau. Es gibt zwei große Küchenblöcke, wo man bei schlechtem Wetter überdacht sitzen und kochen sowie abwaschen kann. Jeder Stellplatz hat Strom, Licht und Wasser sowie eine ebene Stelle, wo man eben Tisch und Sesseln aufstellen kann. In der Saison wird’s aber sicher schwer, einen Platz zu bekommen, auf meinem kurzen Rundgang zählte ich nur 5 Stellplätze. Der Manager meinte, sie würden es ausbauen und es kämen weitere Plätze dazu. Würde mich nicht wundern, bei dem Aufwand, den sie beim Wasserloch getrieben haben. Das Ganze hat aber auch seinen Preis, wir haben dort 250 N$ pro Person für die Nacht gezahlt. Auch “cash only” natürlich.




Letzte Änderung: 28 Mär 2015 17:09 von dergnagflow.
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Tag 15 – 31. Jänner 2015

Nach einem gemütlichen Morgen mit einem weiteren Besuch im Haus am Wasserloch (leider wieder ohne Tiere) machen wir uns gegen 10:30 auf den Weg nach Okaukuejo. Wir fahren alle Wasserlöcher am Weg ab, die auf der Karte eingezeichnet sind, sehen ein paar Oryx und ein paar Vögel. Manche Wasserlöcher sind überhaupt trocken, Wasser gibt’s dafür rund herum ohnehin genug.




Nach Bitterwater machen wir einen kurzen Stopp bei einem umzäunten Rastplatz, wo wir eine Kleinigkeit essen.



Beim Wasserloch Sonderkop bekommen wir einen Eindruck, wie Wasserlöcher in der Trockenzeit aussehen können. Übrigens das einzige Wasserloch, an dem wir derart viele Tiere sehen. Als wir ankommen, trinkt gerade ein Elephant aus dem großen Betonbehälter. Dieser ist eigentlich nicht als Tränke gedacht und daher mit einer Absperrung umgeben, akrobatisch streckt sich der Elephant und kommt daher an das frische Wasser. Schmeckt wahrscheinlich besser als das abgestandene mit Schlamm versehene, mit dem er sich anschließend bewirft. Etwas entfernt sind eine ganze Herde Zebras und Gnus, jeweils mit Jungtieren.







Wir bleiben rund eine Stunde, um uns das Spektakel anzuschauen, fahren anschließend weiter und sehen hier jede Menge der üblichen Verdächtigen. An einigen Lacken laben sich ebenfalls die Tiere, hier hat es offenbar ziemlich viel geregnet. Auf der Fahrt zum Wasserloch Grünewald sehen wir noch zwei Giraffen, das Wasserloch selbst ist – so wie praktisch alle, die wir noch besichtigen werden – leer.

Insgesamt spielt das aber keine große Rolle, hier gibt’s so viele Tiere, dass eigentlich laufend stehenbleiben und Fotos machen. Auch Giraffen gesellen sich hinzu, einzig Elephanten und Nashörner sowie Katzen bleiben komplett aus.




Wir erreichen Okaukuejo am Nachmittag, immer noch hat es rund 34 Grad. Wir checken für den Campingplatz ein können hier alles mit Kreditkarte zahlen und gehen zuerst an die Bar, wo wir etwas trinken und das vorhandene WLAN nützen. Anschließend besteigen wir noch den Turm, nur um festzustellen, dass nicht weit entfernt dunkle Wolken aufziehen…

Kaum kommen wir am Platz an, beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Wir fahren die Campsite entlang zu einem Stellplatz und beschließen den Schauer einmal im Auto abzuwarten. Ich hole noch etwas zum Trinken aus dem Kühlschrank und einen Wien für Nicole, dann sitzen wir und warten. Ich spiele alle Videos von der GoPro auf das Netbook, anschließend noch die Fotos der beiden Spiegelreflexkameras, anschließend noch die von Nicole. Das dauert nun schon rund eineinhalb Stunden. Es schüttet immer noch. Hm. Ein “kurzer” Schauer ist etwas anderes. Langsam hört es aber auf, allerdings steht nun überall ziemlich viel Wasser. Auch die Feuerstelle ist durchnässt, was es mir nahezu verunmöglicht, hier Feuer für’s Essen zu machen. Alles in allem kein gemütlicher Abend, zu kalt und zu feucht. Zudem beginnt es später wieder leicht zu nieseln, sodass wir uns bald ins Zelt verkriechen.






In der Nacht haben wir noch Besuch von den streunenden Schakalen, die unsere Schlapfen entführen, wir finden sie am nächsten Morgen dann zerkaut ein paar Meter weiter entfernt. Zudem vernehme ich relativ nahes und sehr lautes Löwengebrüll.
Letzte Änderung: 28 Mär 2015 23:02 von dergnagflow.
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