THEMA: Zwei Gruftys in Botswana
17 Dez 2013 09:18 #317200
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8. Oktober: Es geht los!

Ich treffe die letzten Vorbereitungen, beantworte noch schnell Geburtstagsglückwünsche und verstecke meinen Ausweis, die Bahncard und die EC-Karte, die ich in Afrika nicht verwenden kann, an einem sicheren Platz in der Wohnung. Der liebe Jörg fährt uns nach Leinfelden zur S-Bahn und verspricht, auf dem Rückweg unsere Spülmaschine abzuschalten.
Ab diesem Zeitpunkt fühlen wir uns unterwegs. Der Airbus hebt mit einer Stunde Verspätung in Frankfurt ab und landet am nächsten Morgen ebenfalls verspätet in Johannesburg. „Happy Birthday!“ begrüßt mich der Grenzbeamte, dessen strahlend weiße Zähne einen Kontrast zu seiner schwarzen Haut bilden, und donnert mir einen Geburtstagsstempel in den Pass. Vielen Dank! Anschließend ist erst einmal Schluss mit lustig. In der Halle des Flughafens wimmelt es von Menschen mit Schildern, auf denen die ankommenden Gäste verzeichnet sind. Nur unsere Namen sind nicht dabei. Doch, doch ganz hinten entdecken wir endlich einen Mann mit einem Firmenschild „Bobocampers“, das muss unser Shuttlefahrer sein. Fast zwei Stunden lang warten wir mit ihm auf ein holländisches Ehepaar, dessen Flugzeug nur wenige Minuten nach uns gelandet ist. Was treiben die nur? Der Fahrer behält die Ruhe, drückt mir zwischendurch sein Erkennungsschild in die Hand und verschwindet kurz, bevor er sich wieder in Positur stellt. Nun ja, die Europäer haben die Uhr erfunden, die Afrikaner haben Zeit.
Bei Bobo geht alles professionell schnell. Der Camper scheint in Ordnung zu sein, jedenfalls so weit wir das überprüfen können. Er ist mit Haushaltsgegenständen so voll gestopft, dass wir unsere eigenen Sachen nicht alle verstauen können. Hatten wir etwa angekündigt, dass wir ein Kochstudio aufmachen wollten?
Nach einem Anruf bei Huberta „Wir kommen!“, fahren wir navigeleitet ohne Probleme durch das riesige Johannesburg zu unseren Freunden und erleben einen entspannten Einstieg in Afrika. Das liebenswerte Südafrika hat für uns zwei Namen: Huberta und Walter. Welch ein wohliges Gefühl, auf einem fremden Kontinent von lieben Menschen empfangen und betreut zu werden. Abends essen wir bei Rusty Hook, wo wir nach der Tour durch Botswana für ein paar Tage ein Zimmer gemietet haben. Herbert sucht einen Cache, den er schon daheim am PC ausgekundschaftet hat, findet ihn mit Walters Hilfe und versteckt auftragsgemäß Peters Cache-Coin. Wer den wohl finden wird?

10.Oktober: Naturpark Pilanesberg.

Eine Reisetasche mit entbehrlichen Utensilien bleibt bei Huberta. Die Strecke zieht sich, wir brauchen länger als gedacht. Auf dem Campingplatz tummeln sich Schwarzfersen-Impalas, Horden von Baboons und Vögel, deren Laute uns fremd sind. Am späten Nachmittag fahren wir in den Nationalpark. Nachdem die Hitze des Tages gebrochen ist, wagt sich das Wild aus seinen schattigen Verstecken und wandert zu einem kleinen See. Innerhalb von zwei Stunden sichten wir Rotten von Warzenschweinen (Meine Güte, sind die hässlich!) Eine Elefantenkuh mit einem halbwüchsigen und einem winzigen Nachwuchs wird von einem Bullen beobachtet. Am Rande des Sees liegt fett und träge ein Salty. Giraffen schreiten aus dem Gebüsch, werden von einer Herde Gnus überholt. Überall grasen Antilopen, was in dieser trockenen Vegetation bedeutet, dass sie auch kleinste Hälmchen aus dem Boden zupfen. Es hat lange nicht geregnet, die Landschaft trägt Braunbeige mit wenigen grünen Einsprengseln. Zum Abschluss der Pirsch versuchen wir drei Nashörner zu fotografieren, doch es ist schon zu dunkel.

11. Oktober: Grenzübertritt

Wir brechen früh auf, denn wer weiß, was uns unterwegs begegnet. Die Fahrt ist öde, sie dauert und dauert. Der Grenzübergang empfängt uns mit Staub, Hitze, Umleitungen und Chaos. Um vier Uhr nachmittags erreichen wir endlich Gaborone. Wir fragen uns zum Internetshop des Anbieters Orange durch und stellen fest, dass die Menschen auffallend freundlich und hilfsbereit sind.
Eigentlich waren wir im Mokolodi Ressort auf dem laut Internet gut ausgestatteten Campingplatz inklusive Elektrizität angemeldet. Doch trotz Hubertas telefonischer Reservierung erklärt man uns an der Rezeption, dass a) die Campsites belegt seien und b) sowieso ohne Stromanschluss. So viel zum Wahrheitsgehalt des Eintrags im Internet! Jetzt ahnen wir, warum unser trip adviser mit dem Ressort nicht zu Potte kam.
Eine Angestellte telefoniert für uns und begleitet uns mit ihrem Wagen bis zu einem kleinen Platz mit Selbstversorgerchalets für Backpackers und einem einzigen Camper-Stellplatz. Herbert muss mächtig zirkeln, bis er das Auto eingeparkt hat. Gemütlich und sauber ist es hier. Der Blick auf den Pool erweckt unsere ermatteten Lebensgeister. Also, nichts wie hinein ins kühle Nass! Ich suche nach meinem Badeanzug, finde das Oberteil, wühle mich durch meine Klamotten und muss schließlich feststellen, dass der Slip in der Reisetasche geblieben ist, die bei Huberta steht.

Das Glas Pinot Grigio vom Kap nach dem Essen tröstet mich und toppt den Tag. Wir sind entspannt und glücklich und wollen drei Nächte bleiben.




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18 Dez 2013 10:17 #317324
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12.Oktober. Leben wie in einem Privatzoo

„Mokolodi Backpackers“ ist ein Paradies. Dicke bunte Hühner scharren in den Blumenrabatten, eine Katze streicht uns um die Beine, die beiden Doggen haben einen Narren an mir gefressen, sie weichen nicht von uns. Der Hit jedoch ist eine grunzende graue Fettwalze namens Julia, ein Hängebauchschwein. Wenn das Tier seinen Speck in den Dreck schmeißt, staubt es meterhoch. Zwischendurch helfen wir die Schildkröte zu suchen, die sich im Blumenbeet versteckt hat.
Wir benutzen die großzügig ausgestattete Küche und nehmen unser Frühstück am Pool ein. Luxus pur! Wir würden gern verweilen und faulenzen, aber wir müssen vor der Weiterreise Trinkwasser, frisches Gemüse und Fleisch einkaufen.
Am südlichen Rand von Gaborone empfangen uns zwei riesige Malls mit allem, was das Herz begehrt und der Geldbeutel zahlen kann. Die Edelmarken und ihre Preise sind wie bei uns, fragt sich, wer das nötige Kleingeld hat, um in diesen Konsumpalästen einzukaufen. Auch Supermärkte gibt es wie Sand am Meer, die Qualität steht der in unseren Läden nicht nach.
Im Reiseführer steht, dass wir notwendige Straßenkarten der Gebiete Moremi Wildlife Reserve und Chobe Nationalpark in Buchhandlungen und an Shell-Tankstellen erhalten. Denkste! Wir finden Buchhandlung und Tankstellen dank GPS problemlos, ernten jedoch jedes Mal Kopfschütteln und hilflose vergebliche Versuche, uns zu helfen.
Frustriert geben wir auf und fahren zurück nach Mokolodi.





13. Oktober: Doch am Sonntag sollst du ruh’n

Das haben wir auf gestern vorgezogen, heute wollen wir zur Pirsch in den Mokolodi Naturpark fahren. Es ist kurz nach zwei Uhr, als wir an der Rezeption ankommen, wo die üblichen „Grenz“formalitäten (2 Formulare ausfüllen, Passnummern, Geburtstag, Autonummer eintragen und Uhrzeit der Ankunft angeben) eine halbe Stunde dauern. Die Kosten für den Eintritt ins Reservat betragen für Selbstfahrer 34 Euro zusätzlich. Mit einem Safarifahrzeug in der Gruppe wäre es billiger gewesen, doch wir bevorzugen es, allein auf Pirsch zu gehen.
Hätten wir nur das Gruppenangebot akzeptiert! Die ausgewiesenen Wege sind mehr als abenteuerlich, schlecht gekennzeichnet und steinig bis felsig mit tiefen Kuhlen. Wir klettern im Allradbetrieb über fußballgroße Felsbrocken bergauf und bergab. Das Auto neigt sich gefährlich nach links und nach rechts, störrisches Gebüsch zerkratzt die Karosserie. An einem Picknickplatz am einzigen See des Reservats machen wir Pause, doch um diese Zeit sichten wir nur ein paar Impalas, sonstiges Wild macht sich lediglich durch seine Hinterlassenschaften bemerkbar. Nach diesem Halt wollen wir weiter ins Reservat hineinfahren. Mit GPS ist das ja kein Problem. Nach einer elenden Kurverei von der Güte wie zuvor beschrieben, stellen wir fest, dass wir uns im Kreis gedreht haben. Wir haben uns verirrt! Irgendwann macht sich Panik breit. Erreichen wir das Gate rechtzeitig, bevor es schließt? Neuer Anlauf: Haben wir diesen Track schon ausprobiert? Wir landen an einer Ecke des Sees weit entfernt vom Picknickplatz, zu dem kein Pfad hinzuführen scheint. Trostpreis: Eine Herde Strauße und mehrere Gnus, die zum Wasser streben. Wie kommen wir aus dieser Ecke heraus? Wir halten uns rechts, doch dort steht schon wieder ein Verbotsschild! Vermutlich halten sich die Karte, die man uns an der Rezeption in die Hand gedrückt hat, und unser Navi in unterschiedlichen Wildparks auf. Argh!
Schließlich probieren wir es linksherum, entdecken einen schmalen Pfad und siehe da, irgendwann landen wir wieder am Picknickplatz. In Zeitlupe lassen wir die angestaute Luft ab. Die wenigen Meter bis zum Gate schaffen wir trotz einsetzender Dämmerung ohne Zwischenfälle.

15. Oktober 2013: Im Kama Rhino Sanctuary

Bei der Abfahrt aus Mokolodi zeigt sich der Himmel leicht verhangen, welch ein Glück für unseren Fahrtag. In Gaborone geraten wir in die morgendliche Rush Hour, doch der Stau nach Norden – in unsere Richtung – hält sich in Grenzen. Bis zu unserem nächsten Ziel, dem Khama Rhino Sanctuary, fahren wir Stunde um Stunde auf der schnurgeraden langweiligen A1, überqueren den Tropic of Capricorn und treffen am frühen Nachmittag im kleinen Städtchen Serowe ein. Die Einkaufsmall ist zwar nicht mit Gaborone zu vergleichen, aber der Sparmarkt ist so gut bestückt wie unser Supermarkt in zu Hause. Nach dem Tanken an der Shell-Tankstelle fragen wir wieder einmal vergeblich nach den regionalen Karten für das Moremi- und Chobegebiet. Inzwischen glauben wir, die gibt’s in ganz Botswana nicht zu kaufen.

Am Nachmittag steuern wir das Khama Rhino Sanctuary an, wo wir für zwei Nächte unser Zelt aufschlagen bzw. den Camper stationieren wollen. Überraschung an der Rezeption: Es gibt die fehlenden Karten für Moremi und Chobe zu kaufen.
Im Wildpark darf sich unser schwerer Camper erstmals auf dieser Reise fahrtechnisch bewähren, und aller Anfang ist schwer. Die tiefsandigen Wege verlangen von Herbert ständige Konzentration, wir schlingern, holpern, kriechen durch das Sandmeer und bleiben an beiden Tagen stecken, obwohl Herbert Luft aus den Reifen abgelassen hat.
Der Park ist als sehr wildreich bekannt, und selbstverständlich hoffen wir, dass wir Nashörner zu sehen bekommen. Aufgrund der Anzahl ihrer Kotbollen, die überall herumliegen, sind wir guten Mutes. Am Wasserloch Birds Hide legen wir eine längere Pause ein. In den Büschen schwirren, singen, zwitschern und krakeelen Vögel in schillernden Farben. Nach und nach stellen sich auch die vierbeinigen Besucher ein: Mehrere Rotten Warzenschweine eilen mit hoch aufgerichteten Schwänzen zum Wasser, Springböcke und eine Gruppe weiblicher Schwarzfersen-Impalas kommen als nächste. Kurz darauf sind auch die Böcke zur Stelle und bringen Unruhe in die Weiberschar, die entsetzt flüchtet. Eine majestätische Elenantilope trinkt ohne Hast ihren Schoppen und verschwindet angemessenen Schritts. Neben ihr wirken die Gnus wie Zwerge. Und dann, ja, dann stampfen unter Getöse drei Nashörner aus dem Gebüsch. Nicht irgendwelche, nein, drei seltene weiße Nashörner. Sie sehen aus wie Drillinge. Um ihren Erhalt zu sichern, wurde dieses Schutzgebiet gegründet. Wir nehmen uns viel Zeit und schauen ihnen zu, bis sie uns ihre Hinterteile zudrehen und verschwinden. Auf dem Rückweg zur Campsite sehen wir einem Kudu zu, das auf den Hinterbeinen balanciert, um ein paar leckere Blätter zu naschen. Das Schlusslicht bildet ein Oryx, der neben dem Fahrweg ein Nickerchen gehalten hat und von unserem dröhnenden Fahrzeug hochgescheucht wird.
Kaum haben wir unsere Campsite erreicht, erhalten wir Besuch. Ein beringtes Tokopärchen, das uns schon gestern seine Aufwartung machte, gibt die Hoffnung nicht auf, einen Happen vom Essen abzubekommen. Die Baumhörnchen sind zurückhaltender, wieseln eine Weile um uns herum und trollen sich.
Inzwischen ist die Sonne untergegangen, und es ist frisch geworden. Herbert hat das Lagerfeuer angefacht und sich in eine Wolldecke eingemummelt. Ich werde ihm jetzt Gesellschaft leisten.





Anhang:
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19 Dez 2013 09:22 #317456
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16. Oktober: Auf rauen Pfaden nach Kubu Island

Botswana steckt voller Überraschungen und nicht alle sind erwünscht. Unser nächstes Ziel ist Kubu Island, eine Insel mitten in den Salzpfannen des Makgadigkadi NP mit bemerkenswert großen Baobabs und malerischen Sonnenuntergängen. Wie zu den meisten Sehenswürdigkeiten in Botswana ist der Weg dorthin beschwerlich, Sandwege und Schotterpisten wechseln sich ab, wieder zerkratzen Sträucher unsere Karosserie. Der Spaß, über die platte Salzpfanne zu brettern, ist vergleichsweise kurz.
Der Eingang zur Insel ist von weitem an dem mächtigen Baobab zu erkennen, der fünfundzwanzig Meter Umfang haben soll. Jeder Stellplatz wird von einem weiteren Baumriesen beschattet. Beschattet? Na gut, so weit trockene Äste das vermögen.



Zu unserem Entsetzen stellen wir fest, dass die Batterie für die Kabine unterwegs ihren Geist aufgegeben hat. Wir müssen auf Licht, Brauchwasser und vor allem auf einen kühlenden Kühlschrank verzichten. Unter diesen Umständen ist es mühsam, ein Abendessen zuzubereiten. Aufatmend lasse ich mich endlich nieder und wünsche „Guten Appetit!“. Ausgerechnet in diesem Moment kommt die Rangerin, und wir müssen unterbrechen, um die langwierigen Formalitäten zu erledigen. Als sie endlich geht, ist das Essen kalt.
Der Sonnenuntergang findet nicht statt, weil sich eine dicke Wolkenbank davor schiebt. Dabei hat Herbert bewusst diesen Moment für seinen Gang zur Toilette nutzen wollen: Das Örtchen ist ebenfalls eine Sehenswürdigkeit: Aus grünem Plastik und ohne Tür bietet es stinkend einen weiten Blick in die Landschaft.
Wir brechen am nächsten Morgen in aller Frühe auf, um vor der großen Tageshitze in Gweta zu sein. Doch die Piste verlangt dem Auto und Herbert Einiges ab. Im Sand drohen wir stecken zu bleiben, auf der Salzpfanne ziehen wir eine undurchdringliche Staubwolke hinter uns her. Erstmals verkleben wir - leider mit wenig Erfolg - die Tür zur Kabine, denn durch das Aufstelldach dringt der Staub und Sand trotzdem hinein. Ohne die geroutete Strecke auf dem Navi hätten wir uns öfters in diesem gesichtslosen Nichts verfahren. Sieben Stunden später landen wir nach einhundertzehn Kilometern verstaubt, durstig und erledigt auf dem Campingplatz Planet Baobab in Gweta, der Strom, Wasser und einen Pool bietet. Begrüßt werden wir wiederum von einem freundlichen Tokopärchen, diesmal unberingt. Die Vögel scheinen sich auf Camper spezialisiert zu haben.
Wir genießen das Abendessen in der Lodge, ohne für irgendwelche Formalitäten gestört zu werden. Doch die Nacht entwickelt sich zu einem Horrortrip. Zu spät haben wir jene kleinen Blutsauger entdeckt, die sich in unserer Kabine eingenistet haben.

17. Oktober: Auf zur Nxai Pan

Mit einem nassen Lappen gehen wir morgens auf Mückenjagd. Jede Mücke hinterlässt einen blutigen Fleck. Hätten sie uns in Ruhe gelassen, hätten wir ihnen auch nichts getan.
Wir frühstücken gemütlich, denn zur Nxai Pan ist es nicht weit. Wir kaufen seelenruhig ein, versuchen unsere Mails zu checken, was zu einem Geduldspiel wird. Um späten Vormittag fahren wir in den NP ein und stellen fest, dass der Schwierigkeitsgrad der Sandpisten steigerungsfähig ist. Wenige Meter hinter dem Gate geht es im tiefen Sand bergauf. Die Prüfung besteht das Auto. Doch einige Kilometer weiter läuft der Motor heiß, wir müssen anhalten. Vor dem Weiterfahren schalten wir im Fahrerhaus die Heizung an und siehe da, das Kühlerwasser sinkt auf Normaltemperatur ab. Stattdessen fühlen wir uns wie in einem Backofen. Später wird Herbert feststellen, dass der Kühler höchstens halbvoll mit Wasser war.
Das Begrüßungskomitee am Eingang des South Camps stellt eine kleinere Elefantenherde, die im Schatten hoher Bäume die Mittagshitze abwartet und uns ohne zu grummeln passieren lässt. Sie sind uns so nah, dass wir ihren beißenden Geruch einatmen. Die Sanitäranlagen sind neu, blitzsauber, haben jedoch trotz heftiger „Panzersperren“ eine Elefantenattacke nur teilweise überstanden. Offensichtlich gibt es auch unter den Dickhäutern Fakire, anders kann ich mir den Weg über die Spitzen aus Stahlbeton nicht erklären.
Wir besuchen das einzige noch nicht ausgetrocknete Wasserloch im Wildpark, fahren an drei Löwenweibchen vorbei, die am Wegrand die Hitze abreiten. Am Wasserloch schauen wir erst zwei, dann mehreren Elefanten beim Duschen und Trinken zu und amüsieren uns, als sich ein stattlicher Löwe mit prächtiger Mähne von den Dickhäutern verjagen lässt. Der Abend verklingt am Lagerfeuer, und wir begeben uns in unser gut vorgewärmtes Bett.



Spontan entscheiden wir uns am nächsten Morgen, den zweiten Campingplatz im Wildpark, der keinerlei Sanitäreinrichtungen besitzt, auszulassen, da die gesamte Wasserzufuhr in den Ablutions unterbrochen ist. Welcher Eli hat sich diesen bösen Scherz erlaubt? Wir schrubben die dreißig Kilometer tiefe Sandpiste bis zum Gate in eineinhalb Stunden herunter und sind stolz auf unser Tempo. Das Auto schlingert zwar hin und her, rutscht in ungewollte Spurrillen und droht sich zeitweise gefährlich schief zu legen, doch der Fahrtwind kühlt den Motor, und wir kommen gut voran.
Am Gate erleben wir eine unangenehme Überraschung, als wir die Reifen wieder aufpumpen wollen, deren Druck wir wegen der streckenweise tiefsandigen Pisten verringert haben. Bis Maun haben wir jedoch einhundertfünfzig Kilometer Asphalt vor uns und fürchten, dass die Reifen zu heiß werden. Der Kompressor für die Druckluft arbeitet zwar, im Anschluss ans Ventil fehlt jedoch ein Stift oder Schräbchen. Welch ein Glück, dass ein Ehepaar aus Rosenheim in den Park fahren will und uns sein Equipment zur Verfügung stellt.
Unsere Hoffnung auf ein Ersatzteil liegt in Maun. Doch als wir in Maun ankommen, stellen wir fest, dass Samstagnachmittag ist und keine Werkstatt geöffnet hat. Hoffentlich bekommen wir morgen Hilfe, denn ohne Reifen aufpusten und Luft rauslassen geht hier nix.

20. Oktober: Auf Jagd nach einem Schräubchen

In Maun sind die Geschäfte sonntags bis zum Mittag geöffnet, doch ausgerechnet Büros und Werkstätten huldigen dem Tag des Herrn. Könnten die nicht auch öffnen? Wenigstens für uns? Wir versuchen ohne Erfolg, das fehlende Ersatzteil für unser Luftdruckgerät zu kaufen. Es fehlt ja nur ein einziges Allerweltsschräubchen, das müsste doch zu erwerben sein! Frustriert geben wir nach mehreren Versuchen auf. Ich werde Bobocampers nachmittags eine Mail schicken und fragen, was wir tun können.
Wir brauchen schon wieder Bargeld, denn die Stückelung von 1000 Pula (100 Euro), die wir am ATM ziehen können, ist einfach lächerlich bei den Preisen in Botswana. Der Automat spuckt auch diesmal nur 1000 und als nächstes sogar nur 700 Pula aus. Da wir morgen keine Zeit verlieren wollen, betanken wir das Auto und kaufen Lebensmittel und Trinkwasser für den dreitägigen Ausflug zu den Felsenmalereien in den Tsodilo Hills.
Zurück auf dem Campingplatz lassen wir uns auf unseren Safarisesseln nieder, trinken einen Cappuccino und genießen den Ausblick auf einen Wasserarm des Okavangos, der an der Campsite entlang fließt. Allmählich verschwinden die Wochenendurlauber, und es wird ruhig. War der Campingplatz am Samstag noch überfüllt, sind inzwischen außer uns nur noch zwei weitere Fahrzeuge da. Ich führe Tagebuch und erledige Mailantworten. Susanne erhält eine Geburtstagsmail, die hoffentlich ankommt. Anschließend testen wir im Restaurant die empfehlenswerte lokale Küche und gehen wie jeden Abend frühzeitig ins Bett.

Letzte Änderung: 19 Dez 2013 09:24 von freshy.
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20 Dez 2013 19:27 #317624
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]21. Oktober: Der Weg zu den Tsodilo Hills

Schon um halb Acht verlassen wir das Camp. Die erste Anlaufstelle ist die Firma Nissan, die für unser Problem keine Hilfe ist, uns jedoch an Rileys Garage verweist, wo uns bestimmt geholfen würde. Und tatsächlich, wir erhalten ein passendes Ersatzteil! Kostenlos!
Schon taucht das nächste Problem auf: Beim Anfahren blockieren die Hinterräder und machen ein derart grausiges Geräusch, dass sich alle Passanten nach uns umdrehen. Wir kreuzen wieder bei Nissan auf. Die Werkstatt bietet an, den Wagen anderntags vorbeizubringen, doch das würde unsere Reiseplanung durcheinanderbringen. Herbert glaubt, dass die Handbremse der Übeltäter ist, und wir wagen trotz dieses Problems, nach Norden zu den Tsodilo Hills aufzubrechen. Vierhundert Kilometer beinahe schnurgerade Landstraße in der Hitze des Tages zu fahren, sind eigentlich eine Zumutung. Ein wenig Abwechslung bringen die Tiere, die uns auf und neben dem Asphaltband begegnen. Ein Strauß hebt erstaunt den Kopf aus dem Sand, unter einem Baum wedelt sich ein mächtiger Elefant mit seinen Ohren Luft zu, Ziegen flitzen kreuz und quer vor uns her, bis sie sich für eine Straßenseite entscheiden. Die Esel bewegen sich nach Möglichkeit gar nicht von der Stelle, während das clevere Rindvieh anhält, um uns vorbeizulassen. Für unangenehme Abwechslung sorgt der schneidige Beamte an einem der lästigen Veterinärzäune. Wir sind zwei Meter zu weit vorgefahren. Aber Hallo! Dabei gelten die Kontrollstellen nur für Frischfleisch, das von Norden nach Süden transportiert wird. Wir wagen nicht, ihn auf seine Anmaßung hinzuweisen.
In der Hitze des Nachmittags biegen wir auf die Staubstrecke Richtung Tsodilo Hills ab. Herbert lässt die Luft aus den Reifen, hoffen wir, er bekommt sie mit dem neuen Gerät wieder hinein.
Die Strecke ist schlecht ausgeschildert und kurz vor zwei großen Eingangstoren bleiben wir wieder einmal in einer Sandwanne stecken. Schaufeln sind in Botswana mindestens so wichtig wie das tägliche Brot.
Das Tor linker Hand wird von einer jungen Frau bewacht, es ist die Einfahrt zum Campingplatz. Das übliche Registrieren inklusive Passnummer läuft ab. Wir schreiben nur noch Fantasienummern hinein und sind gespannt, ob das irgendwann irgendwem auffällt. Die Verständigung ist schlecht, da die Wächterin bei jeder Nachfrage dasselbe noch einmal, aber etwas schneller erläutert. Entgegen den Angaben in beiden Reiseführern kosten inzwischen sowohl Camping, als auch der Eintritt zu den Felszeichnungen ihren Preis.
Offensichtlich haben wir die Frau, als sie uns den Weg zur Campsite erklärte, richtig verstanden, denn nach einer längeren Fahrt über reifenunfreundliches Gelände erreichen wir eine Baumgruppe, die sich als schattiger Stellplatz entpuppt. Die Ablutions sind auch nicht weit, es sei denn, man sucht sie in der großen Hitze um vier Uhr Nachmittags zu Fuß auf. Uff! Wir statten ihnen einen Besuch ab und müssen feststellen, dass uns mehrere Ziegen die Einrichtungen streitig machen. Sie haben Einiges zertrümmert, die Hinterlassenschaften sind auf den weißen Kacheln nicht zu übersehen, und an jedem Wasserhahn schlecken sie nach Tropfen.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, wollen wir noch in den Naturpark fahren, aber wir schaffen es nur bis zum Tor des Campingplatzes. Wir sind eingeschlossen worden, die Wächterin hat Feierabend.



22. Oktober: Wanderung zu den Felszeichnungen

„Heute könnten wir eigentlich länger schlafen“, meint Herbert, aber um viertel nach Sechs verlassen wir das Bett. In der Nacht hat es kräftig geweht, die Temperaturen sind fast nordeuropäisch. Um neun Uhr passieren wir das Tor zum Naturpark, hinter dem eines der wenigen Weltkulturerbestätten der UNESCO in Afrika liegt. Eine halbe Stunde lang quält Herbert das Auto über Löcher, Steinbrocken und Sandkuhlen, dann stehen wir vor dem Museum. Die machen das wirklich spannend hier. Ein Guide lässt uns nochmals die Formalitäten erledigen, dann gehen wir erst einmal ins Museum, wo über die Herkunft der Felszeichnungen informiert wird. Wir kürzen die Lektion ab, da die Sonne steigt, und die geführte Wanderung zwei Stunden dauern soll. Wir haben Glück mit Phetobo. Er kennt sich bestens aus und meistens verstehen wir uns. Er hat Recht, wenn er sagt, dass wir viele Abbildungen ohne ihn vermutlich nicht entdeckt hätten.
Den Nachmittag verbringen wir auf unserem Platz unter den großen Schattenspendern. Müßiggang muss auch sein.



23. Oktober: Rückfahrt nach Maun

Da wir wieder vierhundert Kilometer Strecke vor uns haben, brechen wir früh auf. Bevor wir auf die Asphaltstraße abbiegen, wollen wir unsere Reifen aufpumpen. Kein Problem, jetzt haben wir ja ein funktionierendes Ersatzteil. Doch leider ist der Kompressor an die Batterie in der Kabine angeschlossen, und die ist nach zwei Tagen ohne Steckdose wieder einmal down. Die nächste Tankstelle befindet sich dreißig Kilometer nördlich in Shakawe kurz vor der Grenze nach Namibia. Den Umweg müssen wir uns gönnen. Shakawe wartet mit zwei Tankstellen auf, was sich bestimmt lohnt, denn in Botswana ist der Sprit billiger als in Namibia. Nachdem wir an der ersten Tankstelle vergeblich nach Luft gefragt haben, fahren wir zur nächsten, wo wir ebenfalls abgewiesen werden. Gibt es denn keine Möglichkeit, in Shakawe Reifen aufzupumpen? Nein! Wo um Himmels willen pumpen die Bewohner dieser Gegend ihre Reifen auf? Doch wir haben Glück im Unglück, denn soeben ist ein deutscher Tourist mit Dachzeltcamper mit Tanken fertig. Wir fragen nach einem Kompressor und erhalten umgehend Hilfe. Ich habe den unangenehmen Verdacht, dass unser Gerät für den Luftdruck in den Reifen unsere Achillesferse bleiben wird.
Wir sind froh, als wir nach der langen Fahrt endlich ins Island Safari Camp einbiegen, und freuen uns auf einen gemütlichen Abend. Doch der Platz ist mit Zelten völlig überfüllt, ich darf gar nicht an die Sanitäranlagen denken. So haben wir uns das für die zwei Nächte nicht vorgestellt, können jedoch beinahe denselben Stellplatz mit Blick auf den Wasserarm ergattern.



24. Oktober: Wir verabschieden uns in den Busch

Morgen werden wir so früh wie möglich ins Moremi Wildlife Reserve aufbrechen. Fleißige Hände im Ressort haben unsere schmutzige Wäsche gewaschen. Wir haben 175 Liter Diesel in den Tanks, der Kühlschrank und die Fächer mit den Konserven sind gefüllt, Trinkwasser in 5l-Flaschen gehört ebenfalls zur Ausrüstung wie einige Dosen Bier. In den nächsten Tagen stehen uns weder Tankstellen, Supermärkte, noch Elektrizität oder gar Internet zur Verfügung.
Im Gegensatz zu dem leider etwas vernachlässigten Campingplatz in Maun, wo wir weidende Kühe und Esel sowie exotische Vögel und Baumhörnchen beobachten können, werden wir ab morgen die Schuhe wegen der frechen Hyänen mit ins Auto nehmen und uns gegen Paviane wehren müssen. Wir haben zwar Steinschleudern im Gepäck, aber es gibt verdammt wenige Steine. Oder sollte man sagen, dass sie nur sandkorngroß sind?
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22 Dez 2013 11:13 #317754
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25. Oktober: Ankunft im Moremi Wildlife Reserve

Vergangene Nacht ging wieder einmal ein Gewitter über uns hernieder mit Sturm, Wolkenbrüchen, Blitz und Donner – mit allem was dazu gehört. Der Strom fiel aus. Während Herbert befürchtete, dass ein Blitz in den Baum einschlagen könnte, unter dem wir standen, war ich beruhigt, dass das hohe Auto nicht den höchsten Punkt abgab.
Unsere Abfahrt ins Moremi Wildlife Reserve verzögert sich, weil alles außerhalb unseres Autos verschlammt ist und gereinigt werden muss. Um 9.00 Uhr endlich können wir starten. Nach sechzig Kilometern Fahrt bis Shorobe auf Asphalt beginnt die Gravelroad, die sich ab Phologelo als Tiefsandpiste mit Löchern und Gräben entpuppt. Kommt hinzu, dass an vielen Stellen gebaut wird, was die Güte des Tracks nochmals herabsetzt. Vorübung für den Wildpark?
Fünfundzwanzig Kilometer weiter stehen wir vor dem South Gate des Moremi Wildlife Reserves. Endlich sind wir im Okavangodelta, einem unserer Wunschziele, angekommen. Am Gate erhalten wir eine detaillierte Beschreibung für die erste Pirschfahrt. Die Mopanelandzunge ragt weit ins Delta hinein und ist um diese Jahreszeit für entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge gut befahrbar. Voller Erwartung nehmen wir die tiefsandige, zuweilen mit Steinen und Stubben versetzte Piste unter die Räder. Die Bodenbeschaffenheit hat einige Überraschungen für uns. Gefährlich sind vor allem die Baumstubben, die schon manchen Reifen zerfetzt haben.
Wie überall sind auch im südlichen Moremi die Impalas in der Mehrzahl. Beim Umkurven eines Buschs wäre Herbert um ein Haar einer Giraffe in die Beine gefahren. Im letzten Moment flüchtet sie. Einzelne Elefanten schauen aus dem Gebüsch, an einem Wasserloch namens Black Pool sichten wir Marabus und eine Schar schwarzweißer Waffenkiebitze. Zebras galoppieren davon, sobald sie unser Auto röhren hören. Der Hippo Pool macht seinem Namen alle Ehre. Etliche Flusspferde tauchen ähnlich wie Eisberge zu einem Siebtel aus dem Wasser, den Rücken garniert mit Grünzeug.
Wir fahren durch abgefressene Mopanewälder, deren Blätter und jungen Triebe die Lieblingsspeise der Elefanten sind. Irgendwann nehmen wir eine falsche Abzweigung, weil ein Schelm mehrere Wegweiser umgeworfen hat. Bis wir unseren Irrtum bemerken, haben wir eineinhalb Stunden Fahrzeit bis zum Campingplatz 3rd Bridge, unserem heutigen Ziel, verschenkt. Als wir ankommen, beginnt es dunkel zu werden, und wir sind ziemlich erledigt.

26. Oktober: Weiterfahrt nach Xakanaxa



Endlich darf Herbert seine Zwille ausprobieren. Schon vor dem Frühstück turnen Paviane über den Platz. Als er auf sie schießt, flüchten sie in weiten Sprüngen, so dass wir in Ruhe essen können. Wir lassen uns Zeit, denn bis zu unserem nächsten Ziel sind es „nur“ achtzehn Kilometer. Das sagt jedoch gar nichts, denn jede Überraschung kostet Zeit. Die erste Überraschung ist die 3. Brücke gleich hinter dem Campingplatz, die völlig überflutet ist. Einen anderen Weg gibt es nicht, also wagen wir uns todesmutig hinüber. Die Holzknüppel unter den Rädern führen ein beängstigendes Eigenleben, von links rauscht das Wasser heran, überflutet die Abfahrt, dann sind wir drüben. Der Adrenalinspiegel sinkt. Die 4. Brücke erfordert Zielgenauigkeit, sie ist zwar trocken, besteht jedoch aus Baumstämmen wie Telegrafenmasten, über die wir hinüber holpern.
Zur Belohnung kommen wir wenige Kilometer später an einem größeren Wasserloch vorbei, an dem wir eine Büffelherde und einige graubraune Knubbel im Wasser entdecken, die sich als Hippos entpuppen.



Unser heutiges Ziel ist Xakanaxa. Der Campingplatz mit seinen zehn Stellplätzen endet an einer Bootsanlegestelle, die aber leider nicht besetzt ist. Das wird vermutlich nichts mit der geplanten Bootsfahrt. Wir lassen uns unter hohen Bäumen am Rande der mit Schilf bewachsenen Lagune nieder. Leider sind die Sanitäreinrichtungen von unserem Stellplatz Nr. 10 so weit weg, dass wir hinfahren müssten. Uns genügt der Wasserhahn am Platz, der uns als Dusche dient. Das Buschklo bei der Anlegestelle ist zu Fuß gut erreichbar. Wir sind also bestens versorgt.
Herbert hat soeben die Handtücher auf eine Leine gehängt, als ein Elefantenbulle auftaucht. Er grummelt im tiefsten Bass, wedelt warnend mit den Ohren und lässt uns nicht aus den Augen. Vorsichtshalber verschwinden wir ins Auto, da er uns bis auf wenige Meter auf die Pelle rückt und mit Staub schmeißt. Wir wagen uns erst wieder hervor, als sein Interesse an uns nachgelassen hat und er Richtung Ablutions verschwindet. In meinem Hinterkopf dämmert eine Erinnerung an einen Thread im Namibia-Forum, in dem es um einen aggressiven Elefanten ging. Welch ein Zufall, wenn es derselbe wäre.


Wir beobachten zahllose exotische Vögel, die um uns herum schwirren, flattern, trippeln. Sogar einen Wiedehopf, der mich an das Lied von der Vogelhochzeit erinnert, können wir fotografieren. Für Ornithologen ist Xakanaxa ein Paradies.



Während ich schreibe, steht ein zweiter Elefant auf der anderen Seite des Fahrwegs im Gebüsch, keine zwanzig Meter von uns entfernt. Beobachtet er uns, oder steht er dort nur, weil es schattig ist?
Letzte Änderung: 22 Dez 2013 11:18 von freshy.
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23 Dez 2013 10:59 #317858
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27. Oktober 2013: Elefanten sind keine Schmusetiere

Heute war nicht unser Tag, nein, wirklich nicht! Er begann damit, dass Herbert seine Rolle Klopapier unter den Arm klemmte, um seiner üblichen Morgenbeschäftigung nachzugehen. Später berichtet er:

„Toilettengang in Bestzeit!
Wer schon einmal im Süden war, kennt es: Irgendwann nimmt die Verdauung eine Geschwindigkeit an, dass man froh ist, rechtzeitig das berühmte „Örtchen“ zu erreichen. Heute habe ich alle Geschwindigkeitsrekorde gebrochen. Mit Schlappen an den Füßen und einer Klorolle unter dem Arm strebe ich verschlafen dem Buschklo an der Bootsanlegestelle entgegen, als plötzlich neben mir ein riesiger Elefant aus dem Gebüsch kracht und erzürnt auf mich zurennt. Was tun? Zirka fünf Meter Entfernung sind nicht viel. Ich schmeiße Schlappen und Klorolle weg und schlage einen Haken um einen Baum, während der Koloss weiter geradeaus stampft. Mit einem Sprung über ein Gebüsch und fünfzig Meter Spurt im Rekordtempo zum Klohaus bringe ich mich in Sicherheit. Der Elefant hinter mir macht vor dem Eingang halt und wartet auf mich. Erst nach einer viertel Stunde trottet er weiter. Ich sammle vorsichtig meine Schuhe und die Klorolle ein und kann endlich der beabsichtigten Beschäftigung nachgehen. Uff!“

Nach Herberts Zusammenstoß mit dem Elefanten frühstücken wir eilig, packen das Auto für die Weiterfahrt und halten an den Ablutions, um unsere Morgentoilette ohne störenden Elefantenbesuch zu erledigen.
Es ist 8.30 Uhr, als wir den Campingplatz gen Osten verlassen. Bis zum nächsten Ziel sind es nur vierundvierzig Kilometer, allerdings werden wir dieses Teilstück unserer Tour nie vergessen.



Mehrfach haben Elefanten den Track durch gefällte Bäume versperrt, die wir mühsam umfahren müssen. Auf halber Strecke stehen wir vor einer Wasserüberquerung und trauen uns nicht hinüber. Ich wate hinein, bis mir das Wasser zu den Oberschenkeln reicht. Um ein Haar hätte ich eine Sandale aufgeben müssen, die sich im Modder festgesaugt hat. Das ist jedenfalls kein Weg für unser Fahrzeug. Das Navi zeigt beharrlich an: Hier geht es hinüber! Wir fahren ein paar Meter weiter bis zu einer weiteren Furt, doch auch die scheint uns zu tief.
In diesem Moment kommt ein Allrad-Lkw mit Touristen, die ebenfalls ans andere Ufer wollen. Ja, das sei die Hauptstrecke nach Khwai, informiert die Reiseleiterin und versichert, das Wasser sei so niedrig, dass wir überqueren könnten. Der Truck fährt voraus, uns wird mulmig, als wir sehen, wie tief er einsinkt. Aber er ist ja auch viel schwerer als unser Auto. Wir sollen uns weiter rechts halten, heißt es, dort sei es flacher.
Vom anderen Ufer winkt man uns, dass wir kommen sollen, und wir starten hinein in das trübe Wasser. Schon nach wenigen Metern stecken wir im zähen Schlamm fest, räderhoch!



Doch solange der Auspuff beruhigend vor sich hin bruddelt, haben wir Hoffnung, dass wir aus diesem Schlamm(massel) herauskommen. Als wir die Türen öffnen, schwappt die Brühe in den Fußraum. In Windeseile verlagern wir die Papiere aus den Türen in höhere Gefilde. Der Truck kommt zurück und mit Hilfe eines Stahlseils und unseres Abschleppgurts, den Künsten des Truckfahrers und der Tatkraft der Reiseleiterin schaffen wir es, ans andere Ufer gezogen zu werden. Wir haben einen Trupp Touristinnen zwar daran gehindert, ihren Game Drive programmgemäß durchzuziehen, aber wir waren als Attraktion so lohnend wie ein Elefant mit vier Stoßzähnen, denn ein wahres Fotografiergewitter bricht über uns herein.
Als wir auf der anderen Seite des Wasserarms die Kabinentür öffnen, stellen wir fest, dass ich die Einstiegshilfe bei den Ablutions in Xakanaxa habe stehen lassen. Sch***! Ab sofort werden das Betreten und Verlassen der Kabine zu einer sportlichen Herausforderung.
Außerdem hören wir bei jedem Anfahren und Bremsen das Wasser in den Rahmen gluckern. Stattdessen ist das metallische Gekreische verschwunden, das bisher jedes Wild in die Flucht geschlagen hat. In Khwai angekommen, würden wir uns gerne von den Schrecken erholen. Doch großes Reinemachen ist angesagt, und das dauert. Ich suche nach passenden Felsbrocken als Ersatz für die Einstiegshilfe. Ein schweizer Tourist schlendert heran und erzählt, er habe seinen gebuchten Stellplatz nicht beziehen können, weil ein Löwe ihn okkupiert und ein Nickerchen gehalten habe.
Hinter dem Campingplatz Khwai endet das Moremi Wildlife Reserve und der Chobe Nationalpark beginnt. Die üblichen Listen füllen wir inzwischen ganz locker aus. Wer wird je kontrollieren, ob die Angaben der Wahrheit entsprechen?

28. Oktober: Im tiefen Sand von Savuti

Der Tag beginnt gleich hinter dem Campingplatz mit einer weiteren Flussüberquerung, doch diesmal ist die Brücke über den Khwai stabil. Kurz vor unserem Auto springt eine Horde Affen hinüber, klettert durch das Geländer und verschwindet im Gebüsch.





Einige Kilometer weiter müssen wir einen Wasserlauf durchqueren, der bis zur halben Wade geht und kein Problem darstellt. Die neue Betonbrücke, die wir als Nächstes überqueren, ist zwar nicht malerisch in die Landschaft eingepasst, aber zumindest, als wir sie überqueren, fließt das Wasser brav unter ihr durch. Die Aussicht ist einige Fotos wert. Die nächsten einhundert Kilometer bestehen aus Sand, tiefem Sand, Waschbrettpiste und Sand, Sand, Sand. In den Fahrzeugrahmen gluckert das Wasser und erinnert uns bei jedem Bremsen und Anfahren an unser gestriges Abenteuer. Wir haben trotz Navi leider den Abzweiger zur Marsch Road verpasst und sind auf der Sandridge Road gelandet. Herbert schafft routiniert jede prekäre Situation – bis einen Kilometer vor dem Campingplatz.
Im heißen, fluffigen Sand bleiben wir hoffnungslos tief stecken. Herbert schaufelt, mit dem mitgelieferten Spaten bei diesen Sandmassen ein unmögliches Unterfangen, wippt den Wagen vor und zurück, legt den Low Gear ein – kein Erfolg. Und das alles bei größter Tageshitze in der prallen Sonne. Die fünf Giraffen schauen von oben auf uns herab und scheinen hämisch zu grinsen.



Hilfe naht in der Gestalt des botswanischen Militärs. Zwei Soldaten kommen mit einem Militärfahrzeug und ziehen uns aus dem Sandmeer. Wir können ihnen leider kein kaltes Bier zur Belohnung anbieten, denn unser gesamtes Bier ist aufgetrunken. Es wäre sowieso pisswarmes Bier gewesen, denn unser Kühlschrank weigert sich bei diesen Affentemperaturen zu kühlen.
Die Ablutions des Campingplatzes Savuti sind eine hässliche Festung gegen Elefantengewalt und weit weg von unserer Campsite Nr. 1. Der Schatten ist mäßig, die Lage neben dem Tented Camp an einem stinkenden Wasserlauf begeistert uns nicht. Eine besondere Attraktion ist der vor Affen geschützte Wasserhahn. Auf Armes Länge greift man etwa in Bodenhöhe in ein Loch in einem Betonklotz, um ihn auf- und zudrehen zu können. Mich gruselt’s. Hoffentlich kommt keine giftige Spinne und kein Skorpion je auf die Idee, in diesem Loch auf Beute zu lauern.
Herbert montiert unterdessen die Trittbretter vom Auto ab und saugt das Wasser aus den Hohlräumen. Er findet außerdem eine Handvoll Münzen aus den Nachbarländern Botswanas, die er neben dem Grill liegen lässt.
Von Savuti schwärmen alle Elefantenfans. Wir haben leider Pech, denn es lässt sich kein Dickhäuter blicken. Vermutlich tummeln sie sich alle auf der Marsch Road.

Letzte Änderung: 23 Dez 2013 11:00 von freshy.
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