THEMA: Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013)
18 Okt 2013 11:20 #308671
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Oh Mann! Das wimmelt hier im Forum ja derzeit nur so vor Reiseberichten und jetzt komme auch noch ich mit einem weiteren dazu. Aber ich hatte ja versprochen zu berichten, wie es uns bei unserer Reise durch Namibia und Botswana ergangen ist. Außerdem hat mir das Schreiben meiner bisherigen Reiseberichte soviel Spaß gemacht, dass ich auf gar keinen Fall darauf verzichten möchte. Ist inzwischen für mich fester Bestandteil des Gesamterlebnisses Afrika-Reisen geworden.

Dieses Mal waren wir zu dritt. Mit dabei war Lucia, eine langjährige Freundin von uns. Nach beruflicher Neuorientierung hat Sie jetzt endlich einen Arbeitgeber, der auch mehr als 2 Wochen Urlaub am Stück genehmigt und wollte mit erleben, weshalb wir so afrika-verrückt sind.



Rivers & Sand spiegelt die beiden Hauptaspekte dieser Reise. Wir sind von Fluss zu Fluss gereist. Große Flüsse, kleine Flüsse, Flüsse mit Wasser, Flüsse ohne Wasser, Flüsse im Flachland und Flüsse in tiefen Schluchten, bekannte und weniger bekannte Flüsse und solche mit wechselnden Namen. Wir waren neben, in, auf und über den Flüssen unterwegs.

Sand gab es überall. Dort wo man ihn erwartet und auch dort, wo man nicht mit ihm rechnet. Dort wo er hingehört und auch dort, wo man ihn nicht haben möchte. In der Wüste, am Strand, in den Flussbetten, in der Luft, unter den Reifen, im Auto, im Zelt und in den Klamotten.

Selbstverständlich freue ich mich über jeden Leser und erst recht über die Kommentare. Zustimmung, Kritik, Anfeuerungen, Verbesserungen, Anregungen, Klugscheißerei, Hilfe, Smalltalk, etc.; alles ist willkommen. Wer die Kommentare nicht lesen will, für den scheint die Sonne.
Letzte Änderung: 18 Okt 2013 15:45 von Topobär.
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22 Okt 2013 12:25 #309195
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1.Tag (Freitag 20.09.2013)
Hannover – Windhoek
43 km

Die Überschrift ist natürlich nicht ganz korrekt, denn wir sind natürlich schon am 19.September ins Flugzeug gestiegen und von Hannover nach Windhoek sind es auch ein paar Kilometer mehr, aber für mich zählen nur die selbst gefahrenen.

Nachdem es in den letzten Jahren immer wieder Probleme bei unseren Flügen mir Air Namibia gegeben hatte, haben wir uns dieses Jahr erstmals für die Alternative mit Star Alliance via Johannesburg entschieden. Das hatte gleich einmal den Vorteil, dass wir schon ab Hannover fliegen konnten und nicht erst im, für großes Reisegepäck völlig ungeeigneten, ICE nach Frankfurt fahren mussten. Das Gepäck konnten wir von Hannover auch gleich bis Windhoek durch checken.

Die Flüge sind dann auch alle sehr pünktlich. Wir kommen mit den jeweils rund 2 Stunden Umsteigezeit locker hin. Die lange Strecke legen wir in einem A340 von SAA zurück. Service und Entertainement-System sind so wie man es sich auf der Langstrecke wünscht.

Gegen 12:00Uhr kommen wir pünktlich an. Von unserem Gepäck fehlt allerdings ein Stück. Kathrins und mein Duffle-Bag sowie die Küchenkiste sind da, die Tasche von Lucia fehlt. Mit Ihr warten ca. 30 weitere Passagiere vergeblich auf Ihr Gepäck. Da sind anscheinend ein oder zwei Gepäck-Container in Johannesburg stehen geblieben. Bei dem Andrang dauert es dann natürlich eine ganze Weile, bis Lucia ihr fehlendes Gepäckstück am entsprechenden Schalter registrieren lassen kann.

Unser Abhol-Service von Bushlore ist natürlich schon längst da. Da wir aber seine einzigen Gäste sind, besteht keine Eile und wir decken uns noch am Flughafen mit Bargeld und einer namibischen SIM-Card ein.

Die Fahrzeugübergabe nimmt dann gute 2 Stunden in Anspruch. Die Ausrüstung ist sehr umfangreich, macht einen hochwertigen Eindruck und wird uns, wie auch der Wagen, ausführlich erklärt. Eine der besten Fahrzeugübergaben, die ich je gehabt habe. Sonderwünsche werden unbürokratisch ermöglicht. Ausrüstungsgegenstände die überflüssig sind können wir im Depot lassen, denn es zeigt sich schon jetzt, dass es im Kofferraum verdammt eng werden wird.

Um 16:00Uhr fahren wir bei Bushlore vom Hof. Unser erstes Ziel ist das MET-Office, in dem wir das Permit für die Strecke Tinkas-Blutkuppe im Namib-Naukluft Nationalpark besorgen wollen. Ich parke auf der Independence Avenue und während Kathrin sich um das Permit kümmert, versucht Lucia weiterhin telefonisch den Verbleib Ihres Gepäcks zu klären und ich will mal für ein paar Minuten die Augen schließen. Die Pause wird aber jäh unterbrochen, als plötzlich drei Türen gleichzeitig aufgerissen werden (alle außer hinten links, wo Lucia sitzt). Ich bin sofort hellwach und springe ohne groß nachzudenken, laut die Typen anschreiend, aus dem Wagen. :evil: Die hauen dann auch sofort ab und es zeigt sich, dass wir ohne Verluste davon gekommen sind. Der Wertsachenrucksack lag unter dem Berg von Kissen, Bettlaken und Schlafsäcken, die am Abend in den Dachzelten verstaut werden sollten und die Fotoausrüstung außer Reichweite zwischen Fahrer- und Beifahrer-Sitz.

Kathrin kam dann auch unverrichteter Dinge zurück. Angeblich braucht man das Permit nur, wenn man dort übernachten will, nicht aber für einen Tagesausflug. Das wäre ja mal ganz was Neues. :unsure:

Danach geht’s in die Merua Mall zum Großeinkauf, denn nach Swakopmund geht es für über eine Woche in die Wildnis. Allein die Getränke füllen schon einen ganzen Einkaufswagen und der restliche Einkauf annähernd einen zweiten. Damit ist der Kofferraum bis unters Dach voll. Man gut, dass Lucias Tasche fehlt. :whistle:

In der Dämmerung kommen wir am Gate des Daan Viljoen Gameparks an. Der angekündigte Kälteeinbruch macht sich in dem Moment bemerkbar, wo die Sonne hinterm Horizont verschwindet. Die Rangerin am Gate ist mit Skimaske und Daunenjacke bereits eingemummelt, als wolle Sie auf eine Polarexpedition starten. Es begrüßt uns noch ein einzelnes Kudu-Weibchen. Schnell an der Rezeption angemeldet, aber bis wir die Zelte aufbauen ist es bereits dunkel.

Lucia hatte den ganzen Tag über versucht, jemanden vom Lost Baggage Schalter unter der Ihr dort genannten Telefonnummer zu erreichen, es ging aber nie jemand ran. Auch an der Rezeption in Daan Viljoen war Ihr Gepäck nicht angekommen. :angry:

Fürs Dinner liefen wir rüber zum Booma Restaurant. Ein bisschen Bewegung tat uns allen nach der vielen Sitzerei gut. Viel war nicht los und sonderlich gemütlich ist es in dem riesigen Raum auch nicht, wenn nur zwei Tische besetzt sind. Das einfache Essen war aber lecker, reichlich und günstig. Was will man mehr.

Zurück auf der Campsite ist diese von einer kleinen Herde Pferde okkupiert. Wahrscheinlich ist die Campsite die einzig saftig grüne Wiese im Umkreis von 100km. Die Pferde lassen sich dann auch nicht groß von uns stören und grasen ungerührt weiter.

Nach der Anreise sind wir verständlicherweise ziemlich kaputt und die Temperaturen laden auch nicht dazu ein, noch ein wenig draußen zu sitzen. So verschwinden die Mädels rasch im Bett, während ich den Kofferraum komplett ausräume um das Packen noch einmal zu optimieren. Es hat schon einen Vorteil, der Generation anzugehören, für die Tetris noch ein Highlight unter den Videogames war, denn letztendlich bleibt eine Lücke für Lucias Tasche, die jetzt nur noch an Land kommen muss.

Die Campsite von Daan Viljoen hat mir sehr gut gefallen. Man steht auf einer saftig grünen, von Palmen gesäumten Wiese, am Rande eines derzeit leider ausgetrockneten Sees. Jeder Stellplatz hat einen Grill und eine Spüle mit Arbeitsfläche. Die Ablutions sind super. Nicht nur sauber und funktionell, sondern auch sehr schön gestaltet, wie man es sonst nur von Lodges kennt. Für die erste Nacht im Großraum Windhoek würde ich zukünftig immer wieder hierher kommen.



Die Bilder sind natürlich vom nächsten Morgen, aber ich wollte den ersten Tag nicht gänzlich ohne Bilder posten.

Der erste Tag einer Reise ist natürlich mit das Langweiligste eines Reiseberichtes überhaupt, aber da musstet Ihr jetzt durch. :P
Ich gelobe aber Besserung für die nächsten Tage. :laugh:
Letzte Änderung: 24 Okt 2013 11:46 von Topobär.
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24 Okt 2013 14:06 #309524
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2.Tag (Samstag 21.09.2013)
Windhoek – Swakopmund
350km

Die Nacht war noch erheblich kälter als erwartet und vorhergesagt. Es waren unter 0°C, denn auf den Zelten hat sich eine dicke Schicht Raureif gebildet. Während das für Kathrin und mich aufgrund unserer guten Schlafsäcke überhaupt kein Problem war, verbrachte Lucia eine fürchterliche Nacht, in der sie erbärmlich gefroren hat. Aufgrund des fehlenden Gepäcks war Sie auf den zum Camper gehörenden Leihschlafsack angewiesen und obwohl Sie noch zusätzlich all Ihre verbliebene Kleidung an hatte, taugte der überhaupt nix. :angry:

Das Abbauen der Zelte war für mich dann in Ermangelung von Handschuhen auch kein Vergnügen. Die kalten Metallteile und die gefrorenen Hüllen verwandelten meine Hände in kürzester Zeit in Eisklumpen. Ansonsten wurde einem beim Zelt auf- und abbauen schon ordentlich warm. Wir fragten uns ohnehin, wie kleinere oder ältere Menschen das bewerkstelligen sollen, denn man musste dafür zwingend aufs Auto klettern (ohne Leiter) und brauchte auch eine gewisse Größe und Armspannweite um alle notwendigen Verrichtungen erledigen zu können. Bei uns bedeutete das, dass ich täglich zwei Zelte auf- und abbauen musste.

Zum Frühstück kam dann die Sonne über den Hügel im Osten, jedoch noch ohne Kraft. So wurden Tee und Kaffee an diesem Morgen sehnsüchtig erwartet.

Bei der Abreise dann das Highlight des Tages – Lucias Tasche lag in der Rezeption des Camps. :woohoo: Sie passte auch genau in die dafür vorgesehene Lücke im Kofferraum, der jetzt restlos voll war. Die Maximalbelegung eines Landcruiser Campers liegt demnach bei 3 Personen.

Auf der C28 geht es dann bei strahlendem Sonnenschein Richtung Swakopmund. Ich hatte die Staße gar nicht mehr als so schön in Erinnerung, wie sie sich uns diesmal präsentierte. Gleich einer Achterbahn schlängelt sie sich durch die Hügel des Khomas-Hochlands. Unterwegs sahen wir mit Pavianen und Kudus auch schon unsere ersten Wildtiere. Am Boshua-Pass machten wir einen ersten längeren Stop um hier an der Abbruchkante des Hochlands den Blick über die Ebene schweifen zu lassen. Inzwischen war auch Lucia aufgetaut.

An der Abzweigung in Richtung Tinkas steht unübersehbar ein Schild mit der Aufschrift „Permit required“. Das deckt sich ja nicht so ganz mit unseren Auskünften aus Windhoek. I :unsure: Ich bin aber nicht bereit, deshalb auf diese Strecke zu verzichten, denn hier kommt auch für mich Neuland. Neben vielen bekannten Strecken habe ich auch mehrere für mich neue Strecken auf dieser Reise eingeplant, denn die Kombination aus Highlights vergangener Reisen mit dem Entdecken noch unbekannter Gebiete ist für mich die schönste Art in Afrika zu reisen.

Direkt an der Abzweigung von der C28 nach Tinkas sehen wir auch die ersten Erdmännchen dieser Reise. Sie sind aber sehr scheu und laufen sofort davon, so dass ich keine Gelegenheit zu einem Foto habe.

Die Strecke durch die Tinkas-Flats hat immer mal wieder Wellblech, was wir aber gerne auf uns nehmen, sind wir doch überrascht, von der großen Anzahl an Oryx, Springböcken und Straussen, die wir auf der Ebene sehen. Leider alle weit weg, aber wir hätten hier niemals mit solch einer Tierdichte gerechnet. Die Erklärung dafür finden wir in Tinkas, wo die Quelle trotz der Dürre noch Wasser führt.

Hier in der Umgebung finden sich auch viele ungewöhnliche Felsverwitterungen. Sehen aus wie riesige versteinerte Gehirne.



Bald kommt dann auch die Blutkuppe in Sicht. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass es auch hier Köcherbäume gibt. Dachte immer, die finden sich erst weiter im Süden.



Direkt unterhalb der Blutkuppe machen wir unser Mittags-Picknick auf einer der Campsites. Hier werden wir sicherlich auf einer zukünftigen Reise auch mal eine Nacht verbringen. Über uns, in Felswänden die ich nur angeseilt beklettern würde, toben einige Dassies umher. Stürzen die eigentlich auch mal ab?



Als wir weiter fahren wollen, bemerke ich, dass wir unseren Grill verloren haben. :angry: Ich hatte mich schon bei der Übergabe darüber gewundert, dass der Dreibeingrill lediglich mit Druck auf das Reserverad am Heck gesteckt wird, dachte mir aber: „Die werden schon wissen, was sie tun“. Wussten sie anscheinend nicht. Haben andere von Euch schon ähnliche Erfahrungen mit dem Grill gemacht, oder hat er bei Euch gehalten und wir hatten lediglich Pech? Wenigstens haben wir den Grill so früh verloren, dass wir uns in Swakopmund Ersatz kaufen können.

Schon weit vor Swakopmund verschwindet die Sonne hinter einem Schleier. Es ist aber diesmal nicht der für die Küste übliche Nebel, sondern es herrscht Sturm und die Luft ist voller Staub.

Wir fahren direkt bis ans Meer zur Jetty. Die Luft ist erfüllt von der Gischt meterhoher Wellen.


Der Zugang zum Jetty Restaurant ist trocken nicht zu schaffen, aber es lohnt sich, eine nasse Hose zu riskieren. Im Restaurant erlebt man die Naturgewalten hautnah. Der ganze Bau erzittert unter den gewaltigen Brechern.

Wenn man schon an der Küste ist, sollte man auch die lokalen Spezialitäten kosten. Da wir nicht hungrig sind entscheiden wir uns für Austern, die es hier glücklicherweise auch in mehreren überbackenen Variationen gibt (roh bekomme ich Austern nicht runter). Wir bestellen je 3 Stück in drei verschiedenen Zubereitungs-Arten. So kann jeder alles probieren und es ist Eine leckerer als die Andere „mmmmmhhh“. Als Snack zwischendurch kann ich die Austern in der Jetty nur wärmstens empfehlen.

Danach noch kurz in den Spar, um Obst und Gemüse für die kommende Woche in der Wildnis einzukaufen und nicht zu vergessen einen neuen Grill. Außerdem braucht Lucia noch einen Sonnenhut.

Zum Sonnenuntergang fahren wir noch einmal zur Jetty. Wir warten jedoch nicht bis die Sonne hinterm Horizont versunken ist, da unser Campingplatz etwas außerhalb der Stadt liegt und wir die Zelte nicht im Dunkeln aufbauen wollen.



Wir haben uns für den Campingplatz Sophia Dale entschieden, der von Manfred und seiner Frau betrieben wird, die vor einigen Jahren aus Deutschland hierher ausgewandert sind. Sophia Dale liegt ca. 10km außerhalb von Swakopmund an der Straße nach Uis. Leider hört man die Straße auch auf dem Campingplatz, aber nachts herrscht quasi kein Verkehr. Ansonsten ist der Campingplatz erstklassig. Schöne schattige Stellplätze und beste Sanitäranlagen. Noch getopt wird der Platz aber durch das dazu gehörige Restaurant. Manfred ist gelernter Metzgermeister und bei ihm kommt nur bestes Fleisch auf den Tisch. Wir bekommen traumhaft zarten Kudu mit frischem grünem Spargel aus dem Swakop-Revier. Man kann hier aber nicht nur lecker essen, sondern sich auch mit Vakuum eingeschweißten Fleisch eindecken. Mit Portionen für die nächsten 6 Tage war unser Kühlschrank jetzt randvoll. In Swakopmund würden wir immer wieder auf Sophia Dale übernachten.
Letzte Änderung: 24 Okt 2013 14:20 von Topobär.
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28 Okt 2013 16:38 #310120
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3.Tag (Sonntag 22.09.2013)
Swakopmund – Spitzkoppe
180km

Da wir bereits um 8:00Uhr in Swakopmund am Treffpunkt für die Living Desert Tour sein müssen, beginnt der Tag um 6:00Uhr. Es ist noch stockdunkel. Die morgendlichen Abläufe sind noch nicht so richtig eingespielt und so wird es dann doch eine ziemliche Hetzerei pünktlich dort zu sein. Wir sind dann aber zur vereinbarten Zeit auf dem Parkplatz am Swakopmund Hotel und nur wenige Augenblicke fährt Ansgar, einer der Assistenten von Chris, vor.

In Swakopmund ist absolut tote Hose. Kaum eine Menschenseele auf der Straße. Laut Ansgar wird sich das auch den ganzen Tag über nicht ändern. Sonntags sind die Bewohner entweder am Meer zum Angeln oder sitzen vor der Glotze und schauen Rubgy.

Am Rande des Swakop-Reviers treffen wir uns mit den anderen Tour-Fahrzeugen. Dann starten wir in die Dünen, wo wir von Chris zunächst einmal eine sehr gute und anschauliche Einführung in das Ökosystem der Küstendünen erhalten. Begeistert bin ich von seinem Humor und seinen Zeichnungen, die er zur Verdeutlichung seiner Ausführungen mit dem Schlangen-Stock in den Sand malt.

Dann kommt die Praxis. Während Chris’ Einführung haben seine beiden Mitarbeiter das Gelände ringsum erkundet und die Stellen markiert, wo Tiere zu finden sind. Als erstes wird eine „Dancing White Lady“ ausgegraben.




Um die Spinne formatfüllend aufs Bild zu bekommen muss man sich schon sehr nah davor legen. Die Spinne ist aber überhaupt nicht begeistert von der Aufmerksamkeit, die ihr zu Teil wird und geht immer wieder zum Angriff über, was zu hektischen Sprüngen der Fotografen führt, denn der Biss soll extrem schmerzhaft sein.

Als nächstes gibt es einen Skink zu sehen. Sieht aus wie eine farbige Blindschleiche und nichts anderes ist er auch - eine Eidechse ohne Beine. Beeindruckend ist vor allem zu sehen, wie der Skink durch den Sand schwimmt.



Danach sehen wir mehrere Chamäleons. Wenn sie nicht gerade hinter einem Leckerbissen her waren, haben die richtig schön für ein Foto posiert. Interessant war zu sehen, wie sich die Farbe der Tiere je nach Gemütszustand verändert. Im entspannten Zustand dunkel und mit zunehmender Aufregung immer heller werdend.



…und dann kam endlich mein Lieblingstier, der Palmato-Gecko. Ich finde diese farbenfrohen Geckos so was von niedlich, dabei hätte ich bislang niemals gedacht, dass es überhaupt niedliche Reptilien geben kann. Wenn man erst einmal weiß, worauf man achten muss, ist der Bau dieses Geckos übrigens ziemlich einfach zu finden.



Danach ging es am Rand der Dünen entlang, auf der Suche nach weiteren Tierarten. Es dauerte ziemlich lange, bis Chris fündig wurde, und uns noch eine Sidewinder-Schlange präsentieren konnte. Ich war überrascht, wie klein diese Schlangen sind.



Als Abschluss gab es dann noch ein wenig Action. Wie in einer Achterbahn ging es hoch und runter durch die Dünen. Wie gerne hätte ich hier selbst am Steuer gesessen.



Auf einer hohen Düne mit Blick aufs Meer machten wir noch eine letzte Pause, dann war die Tour auch schon zu Ende. Als wir auf die Uhr sahen, waren wir erstaunt, dass es schon fast 14:00Uhr war. Wie schnell die Zeit doch vergeht, wenn man so gut unterhalten wird. Ich kann die Living Desert Tour von Chris nur wärmstens empfehlen. :woohoo:

Da Chris nur Bargeld nimmt, waren wir wieder blank und mussten noch schnell am ATM vorbei, bevor es weiter zu unserem heutigen Etappenziel, der Spitzkoppe ging.

Dank der relativ klaren Luft konnten wir die Spitzkoppe und die angrenzenden Pontoks bereits eine halbe Stunde vor unserer Ankunft am Horizont auftauchen sehen. Das Panorama, dieser Inselberge beeindruckt mich immer wieder.



Das gesamte Areal um die Spitzkoppe ist umzäunt. Bei der Ankunft zahlt man seinen Obolus, erhält eine Karte des Geländes und kann sich dann seine Campsite nach dem Prinzip „ first come – first serve“ selbst aussuchen.

Wir fuhren zunächst zum Naturbogen und machen uns auf den kurzen Spaziergang, diesen zu durchschreiten.




Danach fuhren wir auf den Parkwegen weiter kreuz und quer durch das Areal. Wir sahen Steinböckchen und Dassies, die aber für vorzeigbare Fotos viel zu weit weg waren. Immer wieder beeindruckend waren die skurrilen Felsformationen.



Bevor wir uns auf die Suche nach einer freien Campsite machten, besuchten wir noch die Paintings am „Little Bushman’s Paradies“. Als ich dort die Schmierereien irgendwelcher Chaoten am Fels sehe, ärgere ich mich maßlos. :angry: Kein Wunder, dass es in immer mehr Gebieten eine Führerpflicht gibt, wenn sich die Touris nicht benehmen können.

Bislang waren alle Campsites an denen wir vorbei gekamen bereits besetzt. So beschließen wir in das Gebiet westlich der Spitzkoppe zu fahren, wo wir uns auch einen schönen Sonnenuntergang erhoffen. Wir haben Glück und ergattern mit der Campsite Nr. 9 einen sehr schönen Platz, direkt am Fuße der Spitzkoppe. :)




Wir richten uns häuslich ein und genießen den Rest des Tages im Schatten der Felsen. Einzig die Fliegen nerven ein wenig, aber kein Vergleich zu Australien. Im Baum über uns gibt ein Paar Tokos ein lautstarkes Duett – hört sich echt witzig an und sollte nicht das einzige mal auf dieser Reise sein, wo ich mir ein Ton-Dokument für den Reisebericht wünschte.

Die Dämmerung setzt ein und die Felsen beginnen sich zu verfärben.



Für den Sundowner brauchen wir heute die Campsite gar nicht zu verlassen. Das gefällt mir als Fahrer und Zelt-Baumeister ganz besonders. Sundowner auf der Campsite sind für mich die entspanntesten Abende.




Zum Abend grille ich Hartebeest und die Mädels machen einen leckeren Salat dazu. Leider führt mich das Fleisch ein wenig in die Irre. Da es sich an den Seiten nicht verfärbt und rot bleibt, lasse ich es zu lange auf dem Grill, wodurch es etwas zu hart und trocken wird. :angry: Das muss noch besser werden.

Als wir am Lagerfeuer sitzen entdeckt Lucia eine „große Spinne“. Es handelt sich um eine Baby-Walzenspinne. Ich bin gespannt auf Ihre Reaktion, sollten wir mal ein ausgewachsenes Exemplar entdecken. :whistle:
Letzte Änderung: 28 Okt 2013 18:17 von Topobär.
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01 Nov 2013 12:17 #310666
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4.Tag (Montag 23.09.2013)
Swakopmund – Zebra-Canyon
320km

Gleich nach dem Frühstück verlassen wir die Spitzkoppe, wir haben heute noch einiges vor.

Der Himmel ist mit dünnen Schichtwolken überzogen. Das nimmt dem Land alle Farbe. Die D1918 zurück zur Küste ist deshalb noch trostloser als ohnehin schon. Dafür lässt sich die Strecke aber sehr gut fahren und wir sind rasch in Henties Bay. Da dies unsere allerletzte Versorgungsmöglichkeit für längere Zeit ist, machen wir den Tank randvoll, ziehen nochmals Bargeld am ATM und stocken im Spar unsere Vorräte noch ein wenig auf.

Dann geht es weiter nach Cape Cross. Ich war lange nicht mehr hier und es hat sich einiges getan seit meinem letzten Besuch. Das neue Besucherzentrum und den Laufsteg im Holzlook aus recyceltem Kunststoff kannte ich noch nicht.

Ich habe den Eindruck, dass sich derzeit nicht allzu viele Robben im Nationalpark aufhalten, wobei das in Cape Cross natürlich relativ ist. Verglichen mit anderen Robbenkolonien ist die Anzahl der Tiere immer noch gewaltig.



Der Gestank hält sich auch in Grenzen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie pikiert sich manche Besucher hier anstellen.

Bei der wogenden Masse, die hier vor einem liegt, fällt es mir immer schwer, einzelne Motive zu finden. Sowohl beim fotografieren, als auch nur beim beobachten. Dazu noch der bedeckte Himmel - da gibt es nur wenige Fotos.




Die Robbenkolonie versorgt aber auch andere Tiere. Schakale und Hyänen sehen wir leider nicht, es sind aber reichlich Möwen unterwegs.


junge Dominikaner-Möwe

Unser nächstes Ziel ist der Messum-Krater. Für mich Neuland. Hier waren wir noch nie. Nur wenige Kilometer nördlich von Cape Cross zweigt die Zufahrt zum Krater von der Küstenstraße ab. Da der Krater als sehr einsam gilt, bin ich verwundert, dass wir nicht auf einem Single-Track, sondern auf einer geschobenen Piste unterwegs sind. Zunächst führt die Strecke durch endlose Flechtenfelder. Als wir uns dem Krater nähern, kämpft sich auch die Sonne so langsam durch die Wolken.

Im Krater gibt es sogar einen Viewpoint mit betonierten Tisch und Bänken. Ein guter Platz für unser Mittags-Picknick. Allerdings ist der Krater auch von hier aus nicht als solcher zu erkennen. Aufgrund seiner enormen Größe ist das wohl nur aus der Luft möglich. Auf Fotos ist diese weitläufige Landschaft noch schwieriger wiederzugeben.



Inzwischen ist es heiß geworden. Wir fahren über riesige Schotterebenen. Am Horizont flimmert die Luft – eine Fata Morgana.



Im Krater biegen wir in Richtung Westen ab, unser Ziel ist die D2303. Hier finden wir die größte Welwitschias, die ich je gesehen habe.




Kaum haben wir den Krater verlassen, befinden wir uns wieder auf endlosen flachen Geröllebenen.



Erstaunt waren wir, hier in dieser Einöde auf Erdmännchen zu treffen. In diesem Habitat hätte ich sie nicht erwartet. Leider sind sie so weit entfernt, dass sie aufgrund der flimmernden Luft völlig verschwommen auf den Fotos sind. Ich kann Euch aber sagen, dass sie deutlich dünner waren, als die wohlgenährten Exemplare der Lodges und Gästefarmen.

Auf der D2303 blieben wir nur ein kurzes Stück und bogen dann Richtung Ugab ab. Hier an der Abzweigung gibt’s nur plattes Land und nichts deutet darauf hin, durch welch beeindruckende Schluchten-Systeme wir in Kürze fahren werden. Eine viertel Stunde später sind wir dann auch schon in der Schlucht, die uns von Süden zum Ugab führen wird.



Das sind die Landschaften, die ich liebe. Wir lassen uns Zeit, halten immer wieder an und genießen unsere Umgebung. Irgendwann dann ein kleiner Paß und wir blicken von oben in das grüne Tal des Ugab.



Der Kontrast zur lebensfeindlichen Trockenheit ringsumher ist echt krass. An einigen Stellen steht sogar noch Wasser im Ugab. Da habe ich das Tal schon deutlich trockener erlebt. Im Ugab und den angrenzenden Schluchten sehen wir Oryx, Springböcke und viele Kudus. Alle aber leider nicht in fotogener Position und ich bin kein Freund von „Beweisfotos“.

Dafür kann man im Schluchten-System des Ugab der Kontinentaldrift bei der Arbeit zusehen. Ich kenne nur wenige Gebiete auf der Erde, wo die Auffaltung der Gebirge so deutlich zu Tage tritt.




Nach nur 5km im Ugab biegen wir nach Norden in unser heutiges Tagesziel ein, den Zebra-Canyon. Weiß eigentlich jemand den korrekten geografischen Namen dieser Schlucht? Zebra-Canyon ist nur unser Arbeitstitel in Ermangelung wirklichen Namens.

In der Zwischenzeit ist ein kräftiger, kühler Wind aufgekommen. Trotzdem finden wir schon nach wenigen Kilometern eine wunderschöne Möglichkeit zum campen. Traumhafte Umgebung und dann auch noch relativ windgeschützt.



Nach dem Aufbau der Zelte gehe ich Brennholz sammeln. Nicht weit entfernt liegt eine umgestürzte Akazie, von der ich mir ein Stück abhacken will. Für den ca. 20cm dicken Ast brauche ich mit dem Beil fast eine halbe Stunde. Das Holz ist so unglaublich hart, dass es mir vorkommt, als würde ich auf eine Eisenstange eindreschen. Obwohl ich als Kletterer ja Finger und Arme ständig trainiere, sollte ich das Holz hacken noch mehrere Tage spüren.



Nach Sonnenuntergang zieht es langsam zu, so dass wir heute keinen Sternenhimmel sehen.

Zum Abendessen mache ich Oryx-Geschnetzeltes in Pfefferrahm-Sauce. Das Beste am Job des Kochs ist aber, dass ich nach dem Abendessen Feierabend habe, während sich die Mädels um den Abwasch kümmern. Mit Tagebuch schreiben und ein paar Gläsern Rotwein lassen wir den Tag ausklingen.
Letzte Änderung: 04 Nov 2013 16:36 von Topobär.
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5.Tag (Dienstag 24.09.2013)
Zebra-Canyon – Twyfelfontein
133km

Beim Frühstück ist es noch leicht bedeckt, aber bis wir loskommen hat es aufgerissen. So präsentieren sich die Felsen im besten Licht und für die vielen Geologie-Fans unter Euch gibt es noch ein schönes Abschiedsfoto aus dem Zebra-Canyon.



Gai-As liegt zwar nicht direkt auf unserer für heute geplanten Strecke, aber der kleine Umweg dorthin lohnt sich immer wieder. Da man die Quelle und die umliegenden Bäume erst sehr spät sieht, ist man immer wieder überrascht, hier in der trockenen Einöde eine offene Wasserstelle zu finden.




Wir parken bei den Ruinen und vertreten uns ein wenig die Beine. Tiere sind nur wenige zu sehen. Ein Hase flüchtet von der Wasserstelle und in der Ferne sehen wir zwei Strauße.

In der größten Ruine liegt ein Besucherbuch aus. Nach den Einträgen kommt hier alle 2-3 Tage jemand vorbei.



Zur Erbauung der Ruinen kenne ich zwei Theorien:
1.) Die Ruinen wurden von den San erbaut, die hier regelmäßig auf Ihren Wanderungen zur Küste vorbei kamen. Dagegen spricht, dass es ansonsten nirgends woanders Steinbauten der San gibt.
2.) Die Ruinen wurden von Schiffbrüchigen erbaut, die auf Ihrem Weg von der Küste die Quelle fanden und sich hier eine Zeit lang ausruhten. Dagegen spricht, dass es keinerlei Aufzeichnungen über solch eine Gegebenheit gibt.

Weiß jemand, ob eine dieser Theorien zutrifft, oder gibt es noch weitere Theorien/Erklärungen zu den Ruinen?

Wir fahren dann ein kurzes Stück wieder zurück, denn wir wollen die östliche Strecke durch die Berge in Richtung Huab nehmen. Ich hatte diese Strecke als landschaftlich besonders schön in Erinnerung. Außerdem gibt es hier einen kleinen Petrified Forrest, den ich aber nicht wiederfinde, obwohl ich schon zweimal dort war. :S

Leider ist es inzwischen sehr diesig geworden, so dass die Farben der Landschaft verblassen. Kurz vor dem Pass zum Huab-Tal machen wir eine kurze Pause unter schönen Felsformationen.



Als passionierter Kletterer juckt es mir natürlich in den Fingern und ich muss hier ein wenig bouldern. Der Fels hält aber nicht, was er verspricht. Ein Griff hält gleich gar nicht und fällt mir auf den Fuß, was blutige Zehen bedeutet. :angry:
Die weitere Strecke bis zum Huab ist ohne Probleme zu fahren.




Je näher wir dem Flussbett kommen, umso häufiger sehen wir auch wieder Tiere. Meistens Springböcke und Oryx. Die Tiere sind aber scheu und immer weit weg. Das Tele hilft einem bei der vor Hitze flimmernden Luft auch nicht weiter



Wir erreichen das Flussbett des Huab, der hier extrem breit ist – ein echtes Labyrinth. Am Rand viele Dünen.



Ein großer Anabaum bietet uns Schatten und Sitzgelegenheit, was wir für unser Mittags-Picknick gerne nutzen.



Auch im Huab sind viele Oryx unterwegs. Das wird aber vom ersten Wüstenelefanten dieser Reise in den Schatten gestellt. Ein, nach seinem Äußeren beurteilt, uralter Elefantenbulle ist parallel zu unserer Fahrspur unterwegs. Er hat die Ruhe weg. Ignoriert uns völlig, frisst hier und da ein wenig und kratzt sich hinterm Ohr.



Wir verlassen dann den Huab und biegen in den Aba-Huab ein, um über ihn die Gegend von Twyfelfontein zu erreichen. Man, was ist die Strecke öde. Ewige Tiefsand-Eierei zwischen herbstlichen Mopane-Büschen und kein einziges Tier. Die Strecke werde ich nicht noch einmal fahren.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit müssen wir uns zwischen den Felsgravuren und dem Damara Living Museum entscheiden. Ich bin nur der Fahrer und lasse die Mädels entscheiden. Die sind beide ganz klar für das Living Museum.

Allein schon die Lage des Museums-Dorfes zwischen den Felsen ist klasse. Der Zugang durch eine kleine Schlucht zwischen zwei Blöcken noch besser.





Wir machen die Village Tour sowie den Bushwalk und bekommen zu dritt eine Privatführung. Es werden uns dabei die wichtigsten Fähigkeiten des ursprünglichen Lebens der Damara erklärt und vorgeführt.

Am beeindruckendsten war für mich das Feuer machen. Das ist richtig harte körperliche Arbeit. Da überlegt man sich jede Zigarette zweimal. :lol:


Die Chefin hat natürlich ein kritisches Auge darauf, ob die Jungs auch alles richtig machen.


Abwechselnd wird von beiden der Hartholzstab im weichen Holzblock gedrillt. Das dauert sicher 2-3 Minuten, bis es anfängt zu qualmen. Dann getrockneter Eselmist dazu, in dem sich das Glutnest bilden soll.


Getrocknetes Gras dazu und pusten.


Stärker pusten.


E voila!

Wir verlassen das Museum zu Toresschluss. Ist schon witzig, die Damara, welche uns eben noch in traditioneller Kleidung gegenüber gestanden haben, nun in westlicher Kleidung das Gelände verlassen zu sehen. Mir gefällt das Konzept der Living Museum sehr gut. Die öfters geäußerte Kritik an diesem Format kann ich nicht nachvollziehen. Das hat nichts mit Völkerschauen zu tun. Steht für mich vielmehr auf der gleichen Ebene, wie Museumsdörfer in Europa, wo ja ebenfalls das traditionelle Leben der Region vorgestellt wird. Finde ich besser, als Menschen in Ihrem Privatleben zu besichtigen.

Auf dem Parkplatz vor dem Museum sieht Kathrin Ihren erstens Eselskarren dieser Reise und ist natürlich nicht mehr zu halten. Sie ist großer Esel-Fan.



Insgesamt hatte ich auf dieser Reise den Eindruck, dass die Esel-Karren erheblich weniger geworden sind.

Bis zur Mowani-Campsite sind es nur wenige Kilometer. Ich hatte die Campsite schon von Deutschland aus reserviert und wir standen auch auf der Liste des Torwächters. Kurz zur Lodge zum bezahlen und noch Feuerholz gekauft, dann ging es auch schon zu unserer Campsite. Die ist sehr schön gelegen und Top ausgestattet, mit eigener Dusche, WC und Kochecke.



Inzwischen hat es wieder zugezogen. Rings umher blitzt und donnert es. Immer wieder fallen Tropfen. Man kann aber nicht absehen, ob uns das Gewitter voll erwischen wird. Kathrin und Lucia haben es sich unter den Dachzelten bequem gemacht. Ich muss sehen, wo ich einen trockenen Platz finde. Dummerweise hat die Campsite zwar super Sonnendächer, die aber kein bischen regendicht sind. Mit den Abdeckhauben der Dachzelte lässt sich das aber ändern. Letztendlich streift uns das Gewitter nur. So steht dem Grillvergnügen nichts mehr im Wege. Glück gehabt. Es ist aber schon merkwürdig, dass es hier ausgerechnet im September, während einer großen Dürre, gewittert. Reisen ohne Wetterkapriolen gibt’s bei mir wohl nicht. :unsure:

Auf den Grill kommt diesen Abend Kudu. Das Fleisch ist ein Traum und dazu gibt es Gemüse-Reis.

Als wir den Tag gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen reißt der Himmel über uns auf uns wir können die Sterne betrachten, während in der Ferne weiterhin Wetterleuchten zu sehen ist.
Letzte Änderung: 05 Nov 2013 15:30 von Topobär.
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