THEMA: Zanzibar- da, wo der Pfeffer wächst
20 Mär 2013 12:30 #281736
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  • Pascalinah am 20 Mär 2013 12:30
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Dieses mal sollte nicht das südliche Afrika unser Ziel sein; wir haben uns für einen 14-Tage-Trip auf Zanzibar - und zwar nur Zanzibar, ohne eine vorherige Safari auf dem Festland - entschieden.

Wer meinem Bericht folgen möchte ist herzlich eingeladen mitzulesen:


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Der 11-stdg. Flug, verbunden mit wenig Schlaf im Flieger fordert seinen Tribut: ich bin völlig von der Rolle...

Stone Town erschlägt mich, die brutale Hitze, die vielen Menschen, das Gewusel, der Krach... Ich bin und bleibe (gerne) ein Landei!

Die engen Gassen zwischen den maroden Häusern der Steinstadt speichern die schwüle Hitze wie ein Schwamm. Der feuchte, mit grauen Algen bewachsene Putz verströmt einen sauer-modrigen Geruch. Die Gedanken kreisen in mir. Wenn ich unser Hotel - das Zanzibar Coffee House Hotel, mitten in der Altstadt gelegen - verlasse um die Stadt zu erkunden, werde ich dann wieder hierher zurück finden? Stone Town ist so ganz anders, als die vielen Städte, die wir bisher besucht haben. Am Nachmittag, kaum, dass wir uns ein wenig frisch gemacht und etwas ausgeruht haben, kommt Nicolas und macht mit uns eine Stadtführung. Erstens hätten wir ohne ihn wohl kaum alles gefunden, zweitens präsentiert er uns seine Stadt mit exzellentem Wissen.












Die schweren Haustüren, das Markenzeichen Zanzibarischer Häuser, sind über und über mit Schnitzereien, Ornamenten und teilweise mit Koransprüchen verziert. Die vielen Messingnägel an den schweren Türen sind Überbleibsel der Inder, die in ihrer Heimat ihre Haustüren so vor Elefantenangriffen geschützt haben. Aber mal ehrlich: auf Zanzibar ist mir nicht ein einziger Elefant begegnet.... wieso sie das dann hier gemacht haben?




Kaum hat uns Nicolas um einige Ecken geführt, haben wir die Orientierung verloren. Zu sehr sind wir damit beschäftigt die quäkenden Mopeds, Fahrradfahrer, Männern mit breiten Karren und hupenden Autos auszuweichen. Schwupp, schwupp, und schon ist man im Wirrwarr der Straßenschluchten verschollen (leicht übertrieben, aber so ähnlich ist es schon). Na ja, es ist unser erster Tag in Stone Town, die Müdigkeit, die Hitze... es kann nur besser werden. Nach Nicolas` Führung erkennen wir jedoch das eine oder andere Gebäude wieder, denn letztendlich ist Stone Town so groß ja nun auch wieder nicht.



Der Darajani Market am Rande Stone Towns hat jeden Tag geöffnet. Die Frucht-, Gewürz- und Gemüsestände sind soweit für europäische Standards ok, aber beim Betreten der Geflügelhalle bekommen wir schon ein flaues Gefühl in der Magengegend... Mund geschlossen halten, Augen schweifen lassen und dann auch schnell wieder raus... einmal tief Luft holen... puuuh... und weiter geht’ s. Auch die Markthalle mit seinem Fleischangebot läßt uns stark überlegen, ob wir nicht doch Vegetarier werden wollen. Die Fischhalle läßt sich noch ertragen. Mit diesen hygienischen Verhältnissen muss man erst einmal klar kommen... (und bei uns wird so ein Wirbel um das Pferdefleisch gemacht...)







Heute kommt uns die Altstadt Zanzibars schon nicht mehr so erdrückend und fremd vor. Auffallend ist die Freundlichkeit der Menschen. Kinder rufen uns ein fröhliches Jambo hinterher. Haben wir fragen werden sie gerne und höflich beantwortet. Zwar wird versucht uns in Läden zu locken, doch man muss verstehen, das die Leute hier so ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Und meistens wird ein „Nein“ auch akzeptiert. Zumindest von den lokalen Ladenbesitzern. Bei den Straßenverkäufern und „Papassis“ (die uns überteuerte Touren anbieten wollen) ist das schon anders, die sind aufdringlicher.

Auf eigene Faust erkunden wir die Stadt und merken, dass Stone Town eigentlich gar nicht so groß ist. Irgendwo stößt man immer wieder auf bekannt vorkommende Gebäude. Wir durchqueren das Arabische Fort mit seinen Ständen, schauen uns Tippu Tips Haus an, schlendern durch das alte Stadttor in Richtung Hafen. Direkt neben dem Forodhani Market thront das House of Wonders, dessen Rückseite vor 2 Jahren nach einem Tropenregen teilweise eingestürzt ist und nun mühevoll mit einfachen Mitteln wieder aufgebaut wird. Nur wenige Schritte weiter befindet sich das Palast Museum und die Old Dispensary, die alte Apotheke. Im „Merkury`s“ machen wir eine Pause und schauen den Fischern beim Ausbessern ihrer Boote zu. Wir genießen die kühle Brise, die vom Meer herüber kommt und natürlich unser „Kilimanjaro“- Bier. Hmmm, das zischt! Zurück in der Stadt ist es wieder drückend heiß und stickig, Temperaturen um die 34 Grad und dazu die Feuchtigkeit läßt uns warm im T-Shirt werden. Wir wollen an einem ATM Geld ziehen, reihen uns brav in die Schlange der Wartenden ein. Auch hier betreten Männlein und Weiblein die Schalterstube getrennt. Wir gehen jedoch zusammen rein und merken schnell, dass dieser ATM unsere Visa-Card nicht akzeptiert... Pech gehabt... Um eine Erfahrung reicher suchen wir nach einem anderen ATM: 400.000 TSH wollen wir haben... große Augen.. nichts passiert... da steht zwar, dass man bis zu 400.000 TSH ziehen kann, doch uns genehmigt er nur 2x 200.000 TSH...
















Frisch mit Tausenden von Shilling eingedeckt machen wir uns noch einmal auf den Weg zum Darajani Market – diesmal ohne die Hallen. So wie im übrigen Stone Town muss man auch hier aufpassen, dass man im Gewirr der Stände die Orientierung nicht verliert. Wir decken uns mit einigen Gewürzen, Bonbons vom Affenbrotbaum und Früchten ein und machen uns auf den Rückweg zum Zanzibar Coffee House Hotel. Hey, wir sind stolz auf uns, haben ohne uns zu verlaufen das Hotel wieder gefunden! Laut der Karte ist der Weg nicht schwierig, in den Straßenschluchten sieht das schon ein wenig anders aus. Aber nur so lernt man die Altstadt richtig kennen.




Da heute der Tag unserer Silberhochzeit ist, gehen wir im Emerson Space Hotel am Abend gepflegt essen. Oben auf der Dachterrasse haben ca. 20 Gäste Platz. Hinter einer Abtrennung bereitet der Koch und sein Beikoch ein hervorragendes 5-Gänge-Menue zu. 3 Kellner sind für die Bewirtung der Gäste zuständig. Das Seafood-Menue ist einsame Spitze, ein Gang deliziöser als der andere. Noch nirgendwo haben wir so gut gegessen und noch nirgendwo haben wir erlebt, dass der Koch nach dem Essen Standing Ovations bekommen hat.
Satt und glücklich treten wir bei Vollmond den Heimweg zum Hotel an. (Kitschig, nicht wahr? Aber schööön...)


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20 Mär 2013 14:05 #281749
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Heute, an unserem 3. Tag in Stone Town, stürzen wir uns noch einmal ins Getümmel. Schließlich haben wir noch nicht alles gesehen, was wir sehen wollten. Der Weg vom Zanzibar Coffee House Hotel zum Skavenmarkt an der Anglikanischen Kirche ist nicht weit, geradezu ein Katzensprung. Apropos Katzen: wenn man die Katzen von Stone Town sieht, überfällt jeden Katzenliebhaber das heulende Elend. Die Tiere werden nicht gefüttert, schlagen sich alleine durch. Die Menschen hier haben ja selber kaum Geld, geschweige denn können sie noch die zahlreichen Katzen durchfüttern. Aber ich scheife ab... Anglikanische Kirche...ja,... also aus dem Hotel raus, dann links... sind ja nur etwa 150m Luftlinie.. eine Häuserecke, noch ne Ecke uups, von der Kirche ist nichts mehr zu sehen. Wir springen rasch zur Seite, ein Mopedfahrer kommt aus einer nur etwa 1,5m schmalen Gasse, und fährt Bärbel (meiner Schwägerin) prompt über den Fuß. Wutsch, wech isser! (Nicht der Fuß – der Fahrer!) Zum Glück ist nicht viel passiert, nur ein blauer Fleck bleibt hinterher übrig.




An der Kirche angekommen buchen wir für 3 US$ p.P. einen Führer (ohne geht es nicht). Genau hier befand sich zu Sultanszeiten der Umschlagplatz für Sklaven. Es ist schaurig zu sehen und zu hören, was Menschen anderen Menschen anzutun in der Lage sind. Und nur des Profits willen! In engen, dunklen, stickigen Gewölben wurden bis zu 70 Sklaven – geschlechtlich getrennt – gepfercht und mussten hier wochenlang ausharren. Die Enge der Gewölbe erdrückt uns schon in den wenigen Minuten in denen wir hier unten sind. Möge es so etwas niemals wieder geben!




Im Garten befindet sich ein Mahnmal, was an die Zeit des Sklavenhandels unter Tippu Tips, des berühmtesten Sklavenhändlers Zanzibars und anderen Sultanen erinnern soll.




Am Nachmittag fahren wir mit einem kleinen Motorboot rüber nach Prison Island. Einst galt die Insel als Gefängnisinsel für aufmüpfige Sklaven, die sich gegen die arabischen und englischen Unterdrücker zur Wehr setzten. Später galt die Insel als Quarantänestation für Pockenkranke.





Bevor wir die Insel ansteuern schnorcheln wir erst einmal eine knappe Stunde vor der Insel. Leider ist das Wasser recht trübe und die Korallen weisen mächtige Schäden auf. Noch bis vor nicht allzu langer Zeit wurden die Korallenstöcke hier abgebrochen und als Baumaterial für Häuser verwendet. Heute soll das nicht mehr gemacht werden. Dennoch, das Gewässer – in vielen Reiseführern als herrliches Schnorchelrevier angepriesen, kann man sich getrost schenken.

Über den Steg erreichen wir die Insel, schauen uns ein wenig zwischen den Mauern um und gehen dann zu den Schildkröten. Aldabra-Schildkröten sind hier unter Schutz gestellt und leben in einem großen Areal. Die Älteste ist 186 Jahre alt – ein riesiger Brocken. Diese Landschildkröten musste man unter Schutz stellen, da sie früher gefangen wurden und in den Kochtopf gewandert sind.










Am frühen Abend statten wir den Forodhani Market einen Besuch ab. Alles sieht sehr lecker aus, dennoch wissen wir von Nicolas, dass gerade beim Fisch nicht immer alles wirklich frisch ist und man gegebenenfalls lieber die Finger davon lassen soll. Ich probiere einen frisch gepressten Zuckerrohrsaft und knabbere an einer kleinen Zanzibar-Pizza, die mehr einem Crepes gleicht.



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