THEMA: Reisebericht Tsaobis, Wüstenquell, Tsondab, Kanaan
04 Nov 2012 21:59 #261520
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  • JUKoehler am 04 Nov 2012 21:59
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... hier geht es weiter (irgendwie ist die Menge der eingebundenen Bilder begrenzt?)



Burkhart bastelt aus einer Lederfedertasche eine doppelte Dichtung


Nach knapp 30 Minuten schnurrte der Motor wieder und Rodrigo – der sich bald als DER Rodrigo aus diesem Forum outete – strahlte. Erst jetzt fällt mir bei ihm eine frische, horizontal über seine hohe Stirn verlaufende Wunde auf. Einen Tag später weiß ich, woher er sie hatte, da ich sie in identischer Form mit meinem Kopf kopieren sollte.

Gerne hätten wir jetzt mit einem verdienten Bier angestoßen, was wir aber wegen Negativbescheid aus der Bordküche des Land Rovers nicht bekamen. Dafür erhielten wir je ein großes Marzipanei. Lach nicht! Das war total nett, hat unterwegs lecker geschmeckt und erinnerte uns immer wieder an den Satz „Sie sehen aber nicht so aus, als ob Sie uns helfen können“. Kannst Dir denken, dass dieser Satz ab sofort bei jeder Gelegenheit herhalten musste…


Noch 18 Grad über Horizont. Strecke Deinen rechten Arm aus, spreize Daumen und Kleinfinger weit ab und peile damit den Abstand zwischen Horizont und Sonne an. Der Kleine Finge berührt den Horizont und die Sonne hat schon den halben Daumen geschafft (an der Daumenspitze sind es 20 Grad – die Sonne „wandert in einer Stunde genau 15 Grad). Oh, das wird knapp mit Wüstenquell.





Dafür sehen wir aber die Welwitschia mirabilis in der tiefen Abendsonne – ein prächtiges Bild.









Die Zeit wird knapp... aber die Farben sind wundervoll!



Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir die Farm Wüstenquell. Wir melden uns nur kurz an, bekommen eine Waschschüssel geschenkt (fehlte in der Campingausrüstung) und fahren rasch zum vereinbarten Campground „Aussicht“. Von „piscator“ aus diesem Forum hatte ich vorab schon einen Farmplan bekommen, der jetzt bei völliger Dunkelheit sehr hilfreich ist. Nach nur einmal verfahren finden wir die Campsite "Aussicht" (Danke Dir „piscator“ – Deine Tipps waren goldwert!)

Unser Dachzelt war in wenigen Sekunden aufgebaut, der Kocher summte vor sich hin und versprach etwas Leckeres. Der Rotwein war bereits geöffnet als ich endlich Zeit und Muße hatte, mir das faszinierende Spektakel am Himmel anzuschauen. Ich kann mich kaum erinnern, dass ich je eine so klare Nacht sah.
Hell spannte sich die Milchstraße in einem flachen Bogen von Süd kommend, ihr Zentrum über West liegend bis nach Nord. Genau 1 ½ Stunde nach Sonnenuntergang erstrahlt das Zodiakallicht im Westen – stützt quasi das Zentrum unserer Galaxie (auf dieser Aufnahme leider nicht mehr so gut zu erkennen - Fotos folgen aber noch). In besonders dunklen und klaren Nächten kann es etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang und eine Stunde vor Sonnenaufgang gesehen werden. Es entsteht durch Lichtreflektionen an Staub in der Erdumlaufbahn um die Sonne. Leider haben wir in Europa wegen der schaurigen Lichtverschmutzung kaum eine Chance, das zu sehen.




Mitten drin richtet Skorpion seinen Stachel drohend über uns, wird aber vom rötlichen Planeten Mars (in der griechischen Mythologie wird der Gott des Krieges auch Ares genannt) und Ant-Ares an einem Übergriff gehindert. Mars (Ares) und Antares stehen dieser Tage ganz eng beieinander - ein sehr seltenes Bild!
Der Stern Antares ist der hellste und damit Hauptstern des Sternbildes Skorpion. Weil er dem Mars (Ares) so ähnelt, brachte es ihm auch den Namen Ant-Ares (Gegenspieler / Konkurrent des Ares) ein.
Für alle Fälle wacht knapp über Horizont noch für einige Minuten der Schutzpatron der Händler, Wegelagerer und Diebe – der rastlose und nur in der Dämmerung sichtbare Planet Merkur. Nun, Händler bin ich nicht, ein Dieb bin ich m.W. nie gewesen, aber Wegelagerer… Jo, das gefällt mir!
Magst Du noch ein paar Erklärungen zum Sternenhimmel sehen? Dann klick HIER - eine ähnliche Aufnahme wie die gerade beschriebene Szene, die ich zwei Tage später aufgenommen habe.


Das Seitenteil des Dachzeltes lässt sich weit öffnen und so blinkern meine Augen den Sternen gleich noch eine Weile in den Himmel, ehe sich auch bei mir das schwarze Band des Schlafes über meine Gedanken legt.

Morgen kannst Du etwas über Tafoni-Erosion, 4000 Liter Wasser je Stunde und einen alten Bahnhof in der Wüste lesen an dem keine Züge mehr abfahren.

Jens-Uwe
Letzte Änderung: 05 Nov 2012 06:24 von JUKoehler.
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05 Nov 2012 12:19 #261571
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  • piscator am 05 Nov 2012 12:19
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Moin Jens-Uwe,
diese Aussicht bei Aussicht ist wirklich eine supertolle Aussicht. Und dann den Sternenhimmel noch dazu! Ich finde, dass der auf dem Foto noch beeindruckender ist, als in der Realität. Und die ist für einen Nordhalbkugler schon überwältigend.

Gruß Reinhard
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05 Nov 2012 14:14 #261597
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Hallo Jens-Uwe, geniale Bilder - genialer Bericht.
Morgens ist immer meine Lesestunde - was all die tollen Berichte - jeder auf seine Weise super geschrieben - hergeben. Wenn das so weitergeht, komme ich morgens gar nicht mehr weg vom Computer.
Dein Bericht kommt nun gerade noch zur rechten Zeit, denn heute Nacht - ich konnte nicht schlafen - habe ich mich entschlossen, mich doch mal mit dem Mond und den Sternen bei unserer kommenden Reise zu befassen.
Da macht Dein letztes Bild mit den Erklärungen doch richtig Spaß und Lust darauf:)
Bin auf die Fortsetzung schon sehr gespannt.
Gruß von Edith
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05 Nov 2012 14:32 #261604
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... was kümmert mich jetzt noch das Wetter da draußen - und wieso sollte ich überhaupt noch was einkaufen gehen? Ich versuch jetzt einfach, mich an deinen Bildern satt zu sehen! Ganz groß!!!
Grüße Franzicke
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05 Nov 2012 14:37 #261605
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Großes Kino :)
Beste Grüße

rhh64
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05 Nov 2012 15:24 #261619
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  • JUKoehler am 04 Nov 2012 21:59
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Danke für Eure Kommentare!

#Edith, wenn ich recht sehe, wirst Du zur Neumondzeit Anfang-Mitte Dezember in Namibia sein. Schön, dass Du Dir die Sterne etwas genauer ansehen willst - kann Dir schon jetzt sagen, dass es sich lohnen wird.
Am 15.12. wirst Du gegen 19:45 im Westen noch die schöne schmale Mondsichel erkennen. Das Erdlicht beleuchtet ein bisschen die Schattenseite des Mondes. Je nach Beschaffenheit der Erdatmosphäre am Horizont (Wasserdampf an dem Meer, Rauch, Staub...) sind so nah am Horizont schöne rötliche Farben auf dem Trabanten erkennbar. Rötlich ist an diesem Abend auch der Mars, kaum 10 Grad weiter südlich und beinahe mit gleichem Horizontabstand zu erkennen.
Beide verlassen im Duett um 20:30 die Bühne.

Du wirst die Milchstraße vermissen.... Schaue an den südlichen Horizont und Du erkennst die Magellanwolken. Genau im Süden die Kleine, weiter im Osten die Große. Und da ganz unten am Horizont ist alles ein bisschen heller. Da lungert die Milchstraße und wartet auf ihren späten Einsatz. Diese Nacht ist ab jetzt ziemlich dunkel.

Im Osten geht der bekannte Orion auf - die alten Griechen nannten ihn "Jäger". Schau genau hin, er steht auf dem Kopf !
Gegen Mitternacht hat sich der schwächere (vom Galaxiezentrum fernere) Teil der Milchstraße endlich aufgebäumt und schlägt eine Brücke von Süd nach Nord.

Spannend wird es nun für den frühen Vogel. Gegen 4 Uhr erkennst Du im Osten drei Planeten wie auf einer Perlenkette: Saturn, Venus und Merkur (erinnerst Du Dich an meinen Bericht über Merkur? Acht Wochen zuvor habe ich ihn am Abendhimmel fotografiert - flinker Bursche). Möglicherweise siehst Du nun auch das Zodiakallich am Osthorizont.

Sollte ich noch andere spannende Dinge finden, schreibe ich Dir dazu nochmal!
LG
Letzte Änderung: 05 Nov 2012 15:28 von JUKoehler.
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