THEMA: I did it : Busrundreise durch Namibia !
14 Mai 2011 08:13 #187353
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  • Champagner am 14 Mai 2011 08:13
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Danke für die netten Rückmeldungen - aber bitte setzt mich nicht unter Druck! Da ich bei den Tatsachen bleiben will (mal abgesehen davon, dass ich die Namen der Teilnehmer abändere), gibt die Reise dann doch nicht sooo viel Stoff für einen "Unterhaltungsroman" her.... Immerhin klappt das Fotoeinfügen reibungslos - vielen Dank @ TanjaH!!!


26. April, Dienstagfrühmorgen

Ein recht schlaf- und ereignisloser Nachtflug liegt hinter uns. Da ich inzwischen keinerlei Erwartungen mehr an Service und Essen bei Flugreisen habe, kann ich auch nicht meckern - früher habe ich mich gespannt auf den Start, das Essen, die Bordunterhaltung gefreut und wurde meistens enttäuscht, heute absolviere ich das Ganze im Matze-Kleinschen-Gemüsemodus. Meine Art, mir das Leben leichter zu machen! ;)

Immerhin gab es am Vorabend beim Start in Frankurt einen Sundowner zur Einstimmung:





Beim Ausfüllen der Einreise-Formulare kurz vor der Landung scannen meine Schwester und ich die Reiseunterlagen des höchst unfreundlichen Herrn hinter uns (er hat sich tierisch aufgeregt, wenn sich meine Schwester auch nur einen Millimeter bewegt und dadurch sein Tischchen gewackelt hat - dabei gab es doch genug flugbedingte Turbulenzen, die wesentlich stärker waren). Ich laufe beim Scannen Gefahr, mir einen Muskel im Hals zu zerren, werde für meinen Einsatz aber durch die Erkenntnis belohnt, dass seine Unterlagen überhaupt nicht wie unsere aussehen. Uff, dieser Kelch ging wohl an uns vorüber!

Nach der superpünktlichen Landung sind wir eine der letzten, die ihren Stempel in den Pass bekommen (mal wieder die falsche Schlange gewählt - genau wie daheim beim Einkaufen :cheer: ) und ihre Koffer vom Band zerren.

Nun steht also der große Showdown bevor!

Unseren Guide=Fahrer Tulivu (er möge mir die Namensänderung verzeihen, aber "Frieden und Ruhe", so die Übersetzung laut www. passt gut!) entdecken wir sofort, er hält leicht desinteressiert das Schild mit dem Namen unserer Reise hoch und quatscht dabei mit anderen wartenden Guides - Mitreisende können wir nicht entdecken, aber wir sind ja auch wohl die letzten. Auf Englisch bittet er uns, schnell Geld zu tauschen falls nötig und uns dann zu der "Lady in green" dort drüben zu gesellen.

Hmpfff, stand in den Unterlagen nicht, dass wir eine deutschsprachige Reiseleitung haben? Auf die Frage meiner Schwester nach seinen Deutschkenntnissen antwortete er mit unbewegtem Gesichtsausdruck und dem bekannten Zeichen von Daumen und Zeigefinger: "A little bit".

Der Abstand der beiden Finger ist seeehr, seeeeehr klein!

Okay, man hat sich ja nicht umsonst jahrelang durch schlechten Englischunterricht gequält - mal ganz abgesehen davon, dass mein Mann und ich aus verschiedenen Gründen recht gut Englisch verstehen und sprechen (schreiben weniger, also sorry, falls Fehler auftauchen). Muss ja aber nicht auf jeden, der diese Reise gebucht hat, zutreffen - Schwesterherz z.B. kann zwar Englisch, is aber trotzdem not amused....Die Stimmung sinkt daher um ein paar Grad.

Wir zerren unsere übergewichtigen Gepäckstücke (zusammen haben wir tatsächlich knapp 60 Kilo) zu dem Treffpunkt, dabei sehe ich aus dem Augenwinkel, dass wir doch nicht die Letzten sind und ein sympathisch wirkender Mann mit zwei Frauen im Schlepptau eben bei Tulivu aufschlägt. Ohhhkeeeee, das sieht ja schon mal nicht schlecht aus! Am Treffpunkt stehen so viele Leute, das können unmöglich alles unsere Mitreisenden sein. Also weiter warten.

Da kommt Tulivu angeschlurft, vom Typ her Balu der Bär, das Ganze in tiefschwarzer Ausführung, vom Stamme der Ovambo, wie wir später erfahren.

Ohne Worte (und ohne Lächeln) winkt er uns, ihm zu folgen, und eine brave Herde von 9 Leuten folgt ihm zum Bus. Dort werden uns die Koffer abgenommen und wir klettern die steilen Stufen hoch in unser "Wohnzimmer" für die nächsten 16 Tage. Tulivu teilt uns die umfangreichen zusätzlichen Reiseunterlagen aus, dabei bemerken wir, dass noch zwei Leute fehlen. Mr.Guide macht sich also auf die Suche und in der Zwischenzeit kommen die ersten Gespräche in Gang, Vornamen werden ausgetauscht, man ist sich spontan sympathisch und es gibt gleich eine Sorge, die uns vereint: was machen wir wegen der fehlenden Deutschkenntnisse unseres Guides? Reklamation beim Tour Operator? Das will man dem armen Tulivu aber doch auch nicht antun. Einen von uns als Simultandolmetscher bestimmen? Hmmm, das will auch keiner so wirklich.

Wir suchen uns also recht ratlos schon mal einen Platz in dem 23-Sitzer-Bus. Da wir nur 11 sind, kann sich jeder einen Zweiersitz wählen - das ist doch wenigstens was Positives! Zum Glück hat jeder so seine Vorlieben, hinten, vorne, in der Mitte - der erste Streit um die besten Plätze fällt also schon mal flach!

Nun kommt Tulivu mit dem fehlenden Ehepaar - ca. Mitte 70. Wir offerieren ihnen gleich die noch freien Sitzreihen, die beiden wollen aber zusammen sitzen - und das möglichst ganz vorne, weil es ihr schnell schlecht wird beim Fahren. Oweh, das kann ja lustig werden! Tulivu räumt die Bank direkt hinter seinem Platz frei, wo er Kartons mit Unterlagen stehen hatte, und die beiden sind zufrieden.

Boarding completed! Es kann also losgehen! Tulivi ergreift das Mikrofon und fragt: "Is there anybody who doesn't speak English?". Tja, was sagt man da? Wir sind ja schließlich gebildete Mitteleuropäer, Weltbürger und Weitreisende, oder?!? Trotzdem: zögerlich geht eine Hand nach der anderen hoch, mindestens fünf Leute outen sich tapfer zum Wohle der Allgemeinheit.

"Okeeeee", sagt Tulivu mit breitem Grinsen, "dann spreche ich eben Deutsch"!

Mannomann, hat der uns drangekriegt! Das erste 11-fache laute Lachen schallt durch den Bus - die Stimmung schnellt nach oben!


Ich stelle euch noch schnell die ganze Gruppe vor, und dann fahren wir im nächsten Teil nach Windhoek rein:

Mein Mann, meine Schwester und ich aus Schwaben. Birgit und Herbert, Rentner aus Oberbayern. Achim, Elke und Sabine aus Schwaben. Hier trete ich gleich ins erste Fettnäfchen und frage Sabine: Schwester oder Schwägerin (so wie bei uns)? Öhmmm....Tochter....! Naja, sieht man nicht auf den ersten Blick, es waren wohl frühgebärende Eltern - Tschuldigung! Dann noch Detlef und Andrea aus Franken und Martin aus Sachsen.

Was die Dialekt-Mischung betrifft kommen wir also sehr nahe an Hummeldumm heran!!


Nachtrag: ich sehe gerade, wie lang das wird - werde mich bei den nächsten Episoden kürzer fassen, versprochen!
Letzte Änderung: 23 Jul 2013 19:33 von Champagner.
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14 Mai 2011 08:44 #187356
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  • Pascalinah am 14 Mai 2011 08:44
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Champagner schrieb:

Nachtrag: ich sehe gerade, wie lang das wird - werde mich bei den nächsten Episoden kürzer fassen, versprochen!

Nööö, muss nicht sein ;) Ist doch schon ganz lustig :) :)

LG Pascalinah
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14 Mai 2011 09:09 #187358
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  • uschisiggi am 14 Mai 2011 09:09
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mir gefällt's auch in der Langfassung. Weiter so!!!
uschisiggi
Mein Motto: Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. (Hermann Hesse)
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14 Mai 2011 09:16 #187359
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  • Gerd1942 am 14 Mai 2011 09:16
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Hallo Schampus,

bei Deiner wirklich guten Art zu erzählen, wäre es schade, wenn Du jetzt auf Kurzfassung umstellst. Es macht einfach Spaß, Deine kleinen und großen Erlebnisse zu lesen. Danke.

Liebe Grüße
Gerd
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14 Mai 2011 09:25 #187362
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  • eggitom am 14 Mai 2011 09:25
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Champagner schrieb:
Nachtrag: ich sehe gerade, wie lang das wird - werde mich bei den nächsten Episoden kürzer fassen, versprochen!

Ja nicht etwa; zumindest nicht, solage es so witzig und spannend bleibt :)

Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht
(Fritz Grünbaum)

Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
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14 Mai 2011 09:30 #187363
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  • ANNICK am 14 Mai 2011 09:30
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Hallo Schampus,

Mich stört die Länge auch nicht!B)

Da bringst Du uns die kleinen Details die den Bericht so köstlich "Hummeldumm" machen...!:P

Nur weiter so, I love it!:silly:

Es grüsst
Annick
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