THEMA: Reisebericht Desert to Delta
04 Jun 2010 13:30 #141910
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Jetzt sind wir schon seit 9 Tagen wieder zurück aus Afrika - Zeit mit dem Reisebericht zu beginnen.

29./30.04.2010 (1.Tag)
Anreise - Windhoek - Amani Lodge

26km

Nach bangen Tagen in denen uns die Vulkanaschewolke über Deutschland um unseren Urlaub fürchten lies ist der Himmel jetzt wieder frei.

Per Rail & Fly geht es von Hannover nach Frankfurt. Dabei erfahren wir vom Schaffner, dass wir uns eigentlich am Ticket-Automaten anhand unserer Buchungsnummern Tickets hätten ausdrucken müssen. Wir haben nur unsere Sitzplatzreservierungen und die Buchungsausdrucke von Opodo.de. Aber man zeigt sich kulant und so kommen wir problemlos und pünklich in Frankfurt an. Wir sind früh dran, so dass der weite Weg vom Fernbahnhof zu Terminal 2 kein Problem ist. Am Check-in ist auch nix los und nur wenige Minuten später ist alles erledigt.

Der Flieger ist nicht ganz ausgebucht und wir starten pünktlich. Um 5:15Uhr landen wir noch in völliger Dunkelheit in Windhoek. Die Einreise erfolgt wie gewohnt zügig und korrekt.

In der Ankunftshalle stehen jede Menge Abholer der Mietwagenverleiher und Reiseveranstalter, nur von ASCO ist niemand da. Naja, wir sind früh dran und haben Zeit. Die nutzen wir, um uns in der Wechselstube mit N$ zu versorgen.

Allmählich ist der Tag angebrochen und wir sind die einzigen Passagiere unseres Fluges, die noch in der Ankunftshalle ausharren. Telefonisch ist bei ASCO noch niemand zu erreichen, die Bürozeiten beginnen erst um 8:00Uhr. Um 7:15Uhr entschließen wir uns, ein Taxi für die Fahrt zum Vermieter zu nehmen und dieses dann Asco in Rechnung zu stellen. Das klappt dann aber leider nicht, da man unserem Buchungsbüro mitgeteilt hatte, dass Asco grundsätzlich erst ab 7:30Uhr abholt und unser Shuttle gerade am Flughafen vergeblich nach uns sucht. Man zeigt uns sogar die Mail an D.A.S die von dort leider nicht an uns weitergeleitet wurde. Bei dieser Gelegenheit möchte ich aber ausdrücklich anmerken, dass ansonsten alle Buchungen und Arrangements von D.A.S vorzüglich geklappt haben.

Tja, da dachten wir, schon eine Menge Geduld am Flughafen aufgebracht zu haben, aber für afrikanische Verhältnisse halt immer noch nicht genug.

Wir hatten einen Toyota Landcruiser gemietet. Der Wagen hatte 65.000km gelaufen und machte schon auf den ersten Blick einen tadellosen Eindruck. Die 4 Reifen waren neu, lediglich die beiden Ersatzräder waren schon sehr abgefahren und hatten kaum noch Profil. Als ich dies ansprach erklärte man mir, dass man die Landcruiser mit Reifen mit verstärkter Karkasse ausrüstet, da diese teurer sind aber keine Neureifen auf die Ersatzräder montiert. Man wäre auch gerne bereit, die Ersatzreifen gegen neue Standard-Geländereifen (sind die üblichen Reifen am Hilux) auszutauschen, würde uns dies aber nicht empfehlen, da man der festen Überzeugung sei, die abgefahrenen verstärkten Ersatzreifen wären die bessere Wahl. Ich vertraue dieser Aussage, mal schauen ob zurecht.

Da ich die Homepage bei ASCO nicht richtig gelesen hatte, war ich der Meinung, der Wagen hätte ein Tankvolumen von 130l plus zwei Reservekanistern. Tatsächlich hatte er aber ein Tankvolumen von 130l incl. zwei Reservekanistern. Hier wurde unkompliziert Abhilfe geschaffen indem zwei weitere Kanister auf dem Dach montiert wurden.

Satellitentelefon und Navi (NÜVI) lagen aufgeladen im Fahrzeug bereit. Reflektoren, und zweites Warndreieck für den Grenzübertritt nach Zambia waren da. Zusätzlich hatte der Wagen noch einen großen Kühlschrank sowie Campingstühle und Campingtisch für Picknick unterwegs.

Unser erstes Ziel war der nächstgelegene Supermarkt um unseren Kühlschrank mit ausreichend Wasser, Bier, CocaCola light und Dry Lemon zu füllen. Zu Kathrins bedauern gab es kein Savanna. Darüber hinaus noch einige 5l-Kanister Wasser für Notfälle, falls der Wagen in der Wüste streikt. Hier noch ein kleiner Hinweis für alle, die wie ich gerne CocaCola light trinken. In Namibia gibt es auch Kingsley Cola light und die Dosen sehen den CocaCola light Dosen zu verwechsel ähnlich. Leider schmeckt das Zeug aber nicht zum verwechseln ähnlich, sondern echt ekelig.

Dann geht's raus aus der Stadt. Der Linksverkehr klappt von Anfang an problemlos, selbst Blinker und Scheibenwischer werden nur selten verwechselt. Aber die Umstellung von einem Deutschen Mittelklassewagen auf solch ein Schlachtschiff ist schon enorm. Beschleunigung wie ein Trecker, ein Wendekeis wie ein LKW und eine Straßenlage wie ein Schiff auf hoher See lassen ein ganz anderes Fahrgefühl aufkommen - ich liebe es.

Raus aus der Stadt, wundere ich mich über ein hin und wieder zu hörendes lautes Piep-Geräusch. Es dauert einige Zeit, bis mit klar wird, dass der Wagen damit das Überschreiten von 80km/h akustisch anzeigt. Was soll der Blödsinn, dafür gibt's doch einen Tacho und Blinde werden den Wagen wohl kaum fahren.

Wir verließen die Stadt auf der C26 und erreichten schon nach wenigen Kilometern die Abzweigung zur Amani-Lodge. Von dort noch 6 Kilometer auf dem Farmpad und wir hatten unsere erste Unterkunft dieser Reise erreicht.

Bis zum nachmittäglichen Gamedrive hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, welche ich lesend auf der Veranda unserer Hütte verbrachte und leider auch eine kleine Tragödie miterleben musste.

Ich saß noch nicht lange, da vernahm ich ein lautes "boing". Ein Maskanbülbül war mit voller Wucht gegen die Glastür zu unserer Hütte geflogen und hockte jetzt reichlich benommen direkt neben mir.

Nach einiger Zeit schien er sich berappelt zu haben und flog ins Dachgebälk unserer Hütte, von wo er mich die nächste Zeit beim lesen beobachtete. "Da ist er wohl noch mal mit einer Beule davon gekommen", dachte ich gerade, da fällt mir der kleine Vogel direkt vor die Füße, zuckt noch einmal und ist dann tot. Vermutlich hat er sich bei dem Aufprall auf die Scheibe das Genick gebrochen, ohne die Nerven zu beschädigen, was dann erst bei einer späteren Bewegung des Kopfes passierte. Mir bleibt nur, den noch warmen Körper unter dem nächsten Busch zur letzten Ruhe zu betten.

Von diesem traurigen Erlebnis werden wir durch das zahme Warzenschwein der Lodge abgelenkt. Witzig ist vor allem, wenn andere Lodgegäste vor den Tier reißaus nehmen; dabei läuft es ihnen nur hinterher, weil es geknuddelt werden will.



Der Gamedrive führt zuerst zu den Geparden. In dem sehr weitläufigen Areal leben 5 männliche Geparden, welche auch nach kurzer Zeit angerannt kommen, um sich Ihre tägliche Fleischportion abzuholen. Es handelt sich um halbwilde Tiere, die nicht domestiziert sind, aber auch das jagen nicht gelernt haben. Nur durch einen hüfthohen Lattenzaun von den Tieren getrennt, ist dies ein sehr intensives Erlebnis. Herrlich sind auch die Geräusche, die die Geparden von sich geben, keine andere Katze kann sich in solch einer Lautvielfalt artikulieren.



Danach geht es zu einem Hide, von dem aus man das Gehege des Leoparden überblicken kann. Als typischer Vertreter seiner Art hat er sich aber versteckt und lässt sich trotz Fleischköders nicht blicken.

Das Löwenpärchen präsentiert sich dem gegenüber in voller Pracht. Leider ist es inzwischen so Dunkel, dass die Fotos alle verwackelt sind. Die Nacht über drang das Brüllen der Löwen bis zu unserer Unterkunft.

Das letzte Katzenerlebnis des Tages gab es dann abends im Restaurant, als es sich die Hauskatze Bonny bei mir auf dem Schoß bequem machte.

Der Himmel hatte sich schon den ganzen Tag über immer weiter zugezogen und während des Gamedrives hatte es auch ein paar Tropfen geregnet. Abends mit einem GinTonic auf der Veranda konnten wir am Horizont starkes Wetterleuchten beobachten.

Amani Lodge

Bei der Amani Lodge handelt es sich um die höchstgelegene Unterkunft in Namibia auf 2.160m ü.NN. Man wohnt in reetgedeckten Bungalows, welche am Hang liegen und einen weiten Blick über das Khomas-Hochland bieten.



Bei der Lapa sind die normalerweise offenen Bereiche alle mit Glasscheiben abgeschlossen. Eine Konzession an die Höhe und die sich daraus ergebenden niedrigen Temperaturen am Morgen und Abend. Gerade zur kühleren Jahreszeit wussten wir dies sehr zu schätzen.



Die Einrichtung des Restaurants und der Hütte ist rustikal. Alles ist sauber und ordentlich. Das Personal freundlich, aber zurückhaltend.

Zum Frühstück gibt es Buffet und zum Abend ein 3-gängiges Menü.

Preis: 1.400,-N$ p.P. (DBB)

Note: 2-
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11 Jun 2010 14:01 #142624
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01.05.2010 (2.Tag)
Amani Lodge - Sossusvlei Lodge

403km

Wie jeden Tag auf dieser Reise sitzen wir zum frühest möglichen Zeitpunkt beim Frühstück. Die Tage sind zu dieser Jahreszeit einfach viel zu kurz um morgens auch noch lange zu schlafen. Da gehen wir lieber abends etwas früher ins Bett. Da man hier so nah an der Natur ist, fällt mir diese Umstellung meines persönlichen Rythmus auch nicht schwer. Morgens komme ich problemlos aus den Federn, während sich abends oftmals schon um 21:00Uhr eine ordentliche Bettschwere einstellt.

Gleich nach dem Frühstück dürfen wir dann noch die "Hauskatzen" besuchen. Da ist zunächst einmal ein 8 Jahre altes Gepardenmännchen, welches sofort auf uns zukommt um sich seine Streicheleinheiten abzuholen. Unglaublich wie laut der schnurren kann - wie ein getunter 8-Zylinder. Als wir weitergehen weicht er uns nicht von der Seite, ein unglaubliches Gefühl, mit solch einem eleganten Wesen Seite an Seite spazieren zu gehen.

Dann kommen wir zu einem abgetrennten Bereich. Hier wird ein erst 10 Wochen altes Geparden-Junges aufgezogen, dessen Mutter auf Farmland getötet wurde. So was Süßes! Die müssen bestimmt Gepäckkontrollen bei den abreisenden Gästen machen, damit niemand den Kleinen mitnimmt.



Der Kleine wird zur Zeit noch überwiegend mit der Flasche aufgezogen und darüber hinaus gerade an die ersten kleinen Happen Mett gewöhnt. Durch seine Gesichtszeichnung macht er immer einen etwas traurigen Eindruck, was durch sein verspieltes Verhalten aber Lügen gestraft wird.



Im Gegensatz zum offiziellen BigCat-Gamedrive am gestrigen Nachmittag ist der Besuch der zahmen Geparden gratis.

Als wir losfahren ist der Himmel schon ziemlich bedeckt. Je weiter wir Richtung Westen fahren desto tiefer hängen die Wolken und werden auch immer düsterer. Ab Nauchas öffnet der Himmel seine Schleusen und als wir am Aussichtspunkt des Spreetshoogte Pass ankommen gießt es wie aus Kübeln und die Sicht reicht keine 100m. Sehr schade, denn für uns ist es ein besonderer Ort. Hier haben wir 1996 unsere erste Nacht auf afrikanischem Boden verbracht; damals mit weitem Blick in die Ebene und fantastischem Sonnenuntergang. Ich glaube das war bereits der Moment, wo uns der Virus Africanus infizierte.

Die Abfahrt den Pass hinunter war trotz der denkbar schlechtesten Straßenbedingungen kein Problem. Ich frage mich woher der Nimbus einer besonders schwierigen Strecke kommt. Mein Tipp an alle: Lasst Euch nicht durch irgendwelche Gruselmärchen von dieser schönen Strecke abhalten.

Der Regen begleitete uns weiter über Solitaire bis zur Sossusvlei Lodge. Es stand reichlich Wasser auf dem Pad. Da taten uns die vielen Fahrradfahrer die wir überholten echt Leid. Insgesamt überholten wir weit über 50 Radler, die anscheinend zu einer großen französischen Gruppe gehörten, die mit 2 Begleit-Trucks unterwegs waren. Machte den Eindruck wie Overlander per Fahrrad.

Um 13:00Uhr hatten wir die Sossusvlei Lodge erreicht, checkten nur kurz ein und machten uns dann sogleich auf den Weg in den Nationalpark. Es regnete noch immer, was den Tieren hier aber sehr gelegen kam. Noch nie habe ich hier im Sussusvlei so viele Tiere gesehen. Vor allem jede Menge Springböcke und Oryx, aber auch einige Schakale bekamen wir zu Gesicht. Alle sehr munter und aktiv, anstatt wie sonst apathisch die Hitze ertragend.



Auf der Fahrt kamen uns einige Autos entgegen, in unsere Richtung fuhr niemand. Am 2x4 Parkplatz war keine Menschenseele und am 4x4 Parkplatz sah es nicht anders aus. Der Regen legte eine Pause ein, die wir für ein Picknick nutzten. Tische und Bänke sind hier vorhanden. Gesellschaft leisteten uns dabei einige Kapsperlinge, die auf Brotkrumen hofften. Dabei waren die Weibchen erheblich mutiger als die Männchen.

Auf eine Wanderung ins Deadvlei verzichteten wir. Ich denke, dass dieser Ort nur bei Sonne seine Wirkung entfaltet. Die Dünenlandschaft zeigte aber trotz des wiedrigen Wetters seine Pracht. Der nasse Sand leuchtete viel farbkräftiger als im trockenen Zustand und mit dem dunklen Himmel ergab sich ein dramatisches Farbspiel.

Nachdem es wieder anfing zu regnen machten wir uns auf den Rückweg. Als wir bei Düne 45 ankamen regnete es schon wieder etwas weniger, so dass wir uns kurzerhand entschlossen einen kleinen Verdauungsspaziergang dort hinauf zu machen. Auch da kam uns das Wetter nicht ganz ungelegen. Es ging sich viel lässiger als unter der normalerweise üblichen prallen Sonne.



Wieder hinunter wählte ich den direkten Weg, während Kathrin lieber wieder den Dünenkamm entlang ging.



Beim Sonnenuntergang späte die Sonne dann ganz weit entfernt im Westen kurz durch ein kleines Loch in den Wolken - ein Hoffnungsschimmer für den morgigen Tag. Abends auf der Veranda tobten aber wieder ringsumher die Gewitter und erläuchteten mit ihren Blitzen die Szenerie.

Sossusvlei Lodge

Wenn man vor dem Haupteingang steht, wähnt man sich eher in Marokko. Das zentrale Areal ist einer Kasbah nachempfunden, was hier am Rande der Dünen recht gut passt.



Der Restaurantbereich ist riesig, so dass auch bei Regen alle im Gebäude essen können. Die Bar ist allerdings darauf eingerichtet, dass die Gäste im freien sitzen, was bei dem hier normalerweise herrschenden Wetter auch kein Problem ist.

Das Personal ist nett und freundlich, der Service gut. Zum Dinner gibt es ein erstklassiges Buffet. Mir hat besonders gut gefallen, dass es sich in weiten Teilen um ein Zutaten-Buffet handelt. D.h. man sucht sich sein Fleisch und sein Gemüse nach eigenen Vorlieben aus und das ganze wird dann vor einem individuell zubereitet. Es standen 10 verschiedene Sorten Fleisch zur Auswahl für's Barbeque, am besten schmeckte mir Zebra, dass ich hier erstmals angeboten bekam. Die Auswahl bei dem Gemüse war vergleichbar gut, es wurde dann auf einer Heißplatte kurzgebraten. Selbstverständlich gab es darüber hinaus auch die bei Buffets normalerweise üblichen fertigen Speisen. Ein Wehmutstropfen war dann, dass die sehr lecker aussehende Panna Cotta (mein mit großem Abstand liebstes Dessert) leider schon alle war als ich mir meinen Nachtisch holen wollte.

Die Unterkünfte sind eine Mischung aus Haus und Zelt. Das Badezimmer und der Eingangsbereich sind gemauert und mit festem Dach, der direkt daran anschließende Wohn-/Schlafbereich besteht aus einer Zeltkonstuktion wobei jedoch rundherum ein ca. 80cm hoher gemauerter Sockel vorhanden ist. Vor dem Zelt liegt eine mit einem Sonnensegel überdachte ummauerte Veranda.

Ist gerade das Badezimmer in vielen afrikanischen Lodges ein echter Hingucker, so fällt es in der Sossusvlei Lodge sehr nüchtern aus. Das könnte so auch in jedem deutschen Stadthotel stehen. Der Hauptraum ist ganz nett, Ihr könnt ihn auf dem Bild sehen. Das Sonnensegel über der Veranda ist nicht wasserdicht so dass wir nur in den Gewitterpausen draußen sitzen konnten.



Insgesamt gibt es über 40 Unterkünfte, die leider sehr dicht beieinander stehen. So hat man nicht von allen einen Blick in die Wüste, sondern sieht nur die anderen Zelte. Wir hatten Glück und standen in der ersten Reihe.



Preis: 1.100,-N$ p.P. (DBB)

Note: 3+
Letzte Änderung: 18 Jul 2013 13:33 von Topobär.
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18 Jun 2010 16:10 #143506
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02.05.2010 (3.Tag)
Sossusvlei Lodge - Erongo Wilderness Lodge

506km

Obwohl es noch fast die ganze Nacht gewittert hat, werden wir morgens von der Sonne geweckt. Nur in den Bergen am Horizont hängen noch dunkle Wolken. Wir genießen den Blick aus unserem Zelt.



Bevor wir uns auf die lange Tagesetappe machen, statten wir noch dem Sesriem Canyon einen Besuch ab. Von oben macht er noch nicht so viel her.



Das ändert sich sofort, wenn man in die schmalen Schluchten hinabsteigt. So früh am Morgen liegt hier unten noch alles in tiefen Schatten, während die Sonne weiter oben die Konglomerat-Felsen in warmen Licht beleuchtet.

Mussten wir bei unserem letzten Besuch 1996 noch über so manche Felsstufe hinweg klettern um nach unten zu gelangen, gibt es jetzt an den steilsten Absätzen aus Naturstein gemauerte Treppenstufen. Doch auch die helfen uns derzeit nicht weiter, denn dort wo der Weg den Grund der Schlucht erreicht, versperrt ein großes Wasserloch den Weiterweg. Das moddrige Wasser läd nicht zum schwimmen ein und so müssen wir unverrichteter Dinge umkehren.



Dann starten wir durch; doch obwohl wir eine weite Strecke vor uns haben, nehmen wir nicht den direkten Weg nach Norden, sondern fahren zunächst auf der D854 südlich des Naukluftgebirges entlang um dann bei Büllsport auf die C14 zu stoßen, die uns Richtung Norden führt. Die Wolken werden dabei immer weniger, verschwinden aber nicht ganz. Hin und wieder sieht es aus wie das Tischtuch auf dem Tafelberg von Kapstadt.

In Solitaire machen wir eine erste Pause. Natürlich tanken wir nicht nur voll, sondern statten auch der berühmten Bäckerei einen Besuch ab. Da wir aber keinen Appetit auf Süßkram haben entscheiden wir uns im Gegensatz zu den allermeisten Kunden gegen den bekannten Apfelkuchen und für die hausgemachte Pizza. Eine ausgesprochen leckere Wahl.

Der gestrige Regen hat den Staub und Dunst aus der Luft gespült, so dass wir heute eine für Namibia ungewohnte Fernsicht haben. Gerade hier am Rande der Namib fällt das ganz besonders auf.

Am Rande des Kuiseb Canyon finden wir einen schönen Picknickplatz mit Blick in die Schlucht. Hier packen wir Tisch und Stühle aus und genießen unser Lunchpaket sowie den Rest Pizza.



Schon auf dem bisherigen Weg haben wir viele Tiere gesehen. Vor allem Springböcke und Oryx, aber auch Strauße und Gnus. Jetzt wo die Straße ein Stück durch den Nationalpark führt werden es noch mehr.

Ein echtes Problem beim Autofahren ist die Konstellation Springböcke und Zäune auf beiden Seiten der Straße. Fährt man langsamer als die Tiere laufen können, laufen diese die ganze Zeit vor dem Auto her. Das kann man wahrscheinlich so lange treiben, bis die Tiere vor Erschöpfung umfallen. Also heißt es Gas geben und vorbei, denn sowie das Auto neben den Springböcken ist machen diese eine 180° Wendung und bleiben gleich darauf stehen. Leider geben sie vorher noch einmal richtig Gas und ein Springbock ist bei der Wende voll in den Zaun geknallt. Tat mir unglaublich Leid, aber egal was man anstellt, man kann es nur falsch machen.

Das positive Tiererlebnis war eine Familie Löffelhunde. Ich war sehr überrascht, diese eigentlich dämmerungsaktiven Tiere am frühen Nachmittag in der prallen Sonne zu sehen. Vielleicht hat sie der Regen in der letzten Nacht von der Nahrungssuche abgehalten. Leider waren die Löffelhunde sehr scheu und suchten sofort das Weite als ich zum fotografieren anhielt.

Bei den Witwatersbergen zeigt sich die Landschaft noch einmal in voller Pracht. Mächtige, an vielen Stellen noch vom herabrinnenden Wasser glänzende Granit-Dome. Kein Wunder das der Größe unter ihnen den ganz offiziell den Namen "Stahlhelmberg" trägt. Danach wird die Landschaft bis Karibib deutlich langweiliger.

Ab Karibib haben wir dann bis zur Abzweigung zu unserer Unterkunft, kurz vor Omaruru Asphalt unter den Reifen. Da kann man mal etwas schneller vorankommen denke ich noch, doch kaum überschreitet der Tacho die 130km/h gellt ein unangenehmer Pfeifton durch den Wagen, der im Gegensatz zum 80km/h Pieps auch erst verschwindet, wenn wir die Geschwindigkeit wieder drosseln. Damit haben wir das größte Manko unseres Wagens entdeckt und es wird uns noch auf so mancher Asphalt-Etappe verfolgen.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichen wir die Erongo Wilderness Lodge. Mit unserem Wagen brauchen wir nicht auf dem PKW-Parkplatz zu bleiben (hier in Namibia zählt anscheinend auch ein BMW X5 noch zu den PKW :P ) sondern können gleich bis zur Rezeption durchfahren.

Wir beziehen nur kurz unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte und machen uns dann schnell auf den Weg zum Sundowner, damit ich einen GinTonic in die Hand bekomme ehe die Sonne ausgeknipst wird. Nur wenig oberhalb des Restaurants finden wir eine schöne Granitkuppe auf der wir die letzten Sonnenstrahlen genießen.



Erongo Wilderness Lodge

Hier wohnt man in Zelten. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen, es gibt sogar einen gut bestückten Kühlschrank. An das Zelt schließt sich das freie, nur von einer 1,70m hohen Natursteinmauer umgebene Bad an. Über Zelt und Bad zieht sich ein Überdach aus Stroh. Vor dem Zelt eine Veranda mit Tisch und Stühlen sowie einem schönen Blick über das kleine Tal in dem die Lodge liegt.



Wie schon geschrieben liegt die Lodge in einem kleinen versteckten Tal am Rande des Erongogebirges. Die Rezeption und der Parkplatz für die Geländewagen befinden sich im Talgrund. Die Zelte verteilen sich an der Westseite des Tals und sind alle über relativ steile Treppenwege zu erreichen.



Auf der gegenüberliegenden Talseite befindet sich das Restaurant und der Poolbereich. Man sieht also, dass der Besuch der Erongo Wilderness Lodge mit ordentlich Treppensteigen verbunden ist. Das Restaurant ist halb in den Fels hinein gebaut und hat auf der zum Tal hin gelegenen Seite, großzügige unverglaste Fensteröffnungen, die beim Essen einen weiten Blick über die Landschaft erlauben. Hier wird auch Futter ausgelegt, so dass immer wieder Tiere vorbeischauen. Weiter unten im Tal sieht man ein Wasserloch.



Das Frühstück war das Beste der ganzen Reise. Neben den üblichen Eierspeisen gab es auch Crepes mit diversen Füllungen von süß bis herzhaft. Ein Traum! Zum Dinner gab es ein dreigängiges Menü, wobei man beim Hauptgang zwischen zwei Gerichten wählen konnte.

Zur Lodge gehört ein 2.000ha großer Wildreservat in dem Wanderungen und Natur-Drives angeboten werden. Private Fahrten sind in diesem Areal nicht gestattet.

Preis: 1.320,-N$ p.P. pro Nacht (DBB)

Note: 2+
Letzte Änderung: 18 Jul 2013 13:38 von Topobär.
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23 Jun 2010 14:18 #144084
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03.05.2010 (4.Tag)
Erongo-Gebirge

244km

Ein super leckeres Frühstück und dabei schon Tiere beobachten. Was will man mehr, als so in den Tag zu starten. Auf den Felsen direkt am Restaurant tummeln sich zahlreiche Dassies, darunter auch viele Jungtiere, die bedauerlicherweise etwas scheuer sind und sich deshalb nur im Hintergrund halten.



So aus der Nähe betrachtet kann man auch gut erkennen, weshalb die kleinen Tierchen so gut klettern können. Anstelle von Krallen endet jede Zehe in einem eigenen kleinen Ballen, was einen Effekt hat, als würden die Dassies an jeder Zehe einen kleinen Kletterschuh tragen.

Gleich nach dem Frühstück machen wir uns auf zur Ameib-Ranch. Dazu fahren wir auf unserer gestrigen Strecke wieder zurück nach Karibib und biegen dort auf die B2 nach Westen ab. Nach 30km auf dieser Straße verlassen wir den Asphalt wieder nach Norden auf die Zufahrt zur Ameib Ranch. Nach insgesamt ca. 1,5h erreichen wir unser Ziel, entrichten den Eintritt und erhalten einen kleinen Flyer mit Infos und Kartenskizze zum Klettersteig Elefantenkopf.

Das Gelände der Ameib Ranch ist traumhaft; schon die Anfahrt zum Startpunkt der Wanderung lässt Freude aufkommen. Wir parken unter einigen riesigen Felskugeln und gehen auf der großen Ebene unter dem Elefantenkopf Richtung Westen. Bald sehen wir ein Schild mit der Aufschrift "Klettersteig" und kurz darauf sehen wir die ersten Wegmarkierungen (grüne Punkte mit weißer Umrandung). Wenn man die Augen offen hält ist die Orientierung kein Problem, den es gibt reichlich Markierungen.

Man umrundet weiterhin den Elefantenkopf, das Gelände steigt allmählich leicht an und ringsumher eine Vielzahl Granitkugeln, wegen derer Ameib so bekannt geworden ist.



Nachdem man den Berg zu etwa einem Viertel umrundet hat erheben sich über einem zwei große Felstürme. Hier geht der Weg jetzt nach oben.



Durch ein Gewirr von Schluchten, Spalten und Blöcken geht es in den Einschnitt zwischen den beiden Türmen. Die Orientierung ist aufgrund der vielen Markierungen kein Problem. Bei größeren Absätzen wurde mit Stahlklammern der Aufstieg erleichtert. Unterwegs immer mal wieder schöne Blicke in die Tiefe.



Immer wieder müssen wir uns auch durch Büsche zwängen, die in den engen Durchgängen wachsen. Alles kein Problem, bis es auf einmal höllisch brennt, als wir einen Busch nur kurz berühren. Bei näherer Betrachtung kann man gewisse parallelen zur Brennnessel erkennen. Allerdings ist dieser Busch erheblich schmerzhafter. In Afrika ist halt alles was die Natur im Überlebenskampf aufbietet stärker als im gemäßigten Europa. Ärgerlicherweise füllt der Busch den Spalt komplett auf, so dass wir vor der Wahl stehen: Umkehren oder Zähne zusammenbeißen. Wir entscheiden und für letzteres, trotz kurzer Hose meinerseits.

Kurz bevor wir den Gipfel erreichen kommt dann die Schlüsselstelle. Eine weitere Schlucht endet in einer Sackgasse, die nur über eine der Seitenwände verlassen werden kann. Um diese ca. 6m hohe Wandstufe zu überwinden sind hier zahlreiche Stahlbügel als Tritte in der Wand verankert und zusätzlich noch eine Kette zum greifen.



Ist diese Stelle überwunden hat man die Gipfel-Hochfläche erreicht und steht kurz darauf am höchsten Punkt der Wanderung mit entsprechenden Weit- und Tiefblicken. Weit unten sehen wir unser Auto stehen, dort müssen wir wieder hin.



Ab jetzt bewegt man sich nur noch auf der riesigen Granitfläche. Man kommt noch an einigen versteckten Gärten vorbei, die man hier nie erwartet hätte. Das Ganze erinnert etwas an Bushmans Paradise an der Spitzkoppe. In vielen Felsenpools steht noch Wasser und kurz sehen wir eine Gruppe von 3 Klippspringern.

Die Granitplatten sind zum Teil recht steil, so dass man sorgsam auftreten muss, um nicht wegzurutschen. Die Markierungen sind jetzt rar geworden, was aber kein Problem ist, da man sein Ziel ständig vor Augen hat.



Mit Pausen waren wir 1,5h unterwegs. Sonderlich anstrengend ist die Wanderung nicht, allerdings ist man ab der Hochfläche die ganze Zeit der prallen Sonne ausgesetzt, was ganz schön heiß werden kann. Wir machen jedenfalls erst einmal ausgiebig Lunchtime im Schatten unter den großen Granitkugeln bei unserem Auto.

Wenn man klettert oder Klettersteige in den Alpen kennt, ist die Bezeichnung Klettersteig für diese Wanderung sicherlich weit überzogen, was aber in keiner Weise die Schönheit dieser Tour schmälert.

Anscheinend gibt es aber seit kurzem noch einen weiteren deutlich anspruchsvolleren Klettersteig auf dem Gelände der Ameib Ranch. Weiss da jemand was genaueres?

Über die D1935 und D2315 vollendeten wir die Umrundung des Erongogebirges und waren um 15:00Uhr zurück auf der Erongo Wilderness Lodge. So hatten wir noch die Gelegenheit an dem Nature Drive mit Sundowner teilzunehmen.

Mit unserem Tourguide Coolis hatten wir großes Glück. Er schilderte sehr einfühlsam das Zusammenwirken von Tieren, Pflanzen und Menschen hier in der Gegend.

Obwohl es auf dem Geländer der Lodge reichlich Tiere gibt, hatte man uns schon vorgewarnt, dass wir wohl nur wenige sehen werden; zu unübersichtlich ist das Gelände. So war es dann auch, was aber kein Problem war. Coolis meinte nur, das er sicherlich jeden Tag von Leoparden beobachtet wird, selbst aber vor 2 Jahren seinen letzten gesehen hat.

Zum Sundowner verließen wir das Fahrzeug und wanderten 15min. über Felsen zu Paula's Cave.



Bedauerlicherweise konnten wir aber die Höhle selbst nicht betreten um uns die Bushman Paintings anzusehen. In der Höhle hatten sich afrikanische Wildbienen niedergelassen, die das Gebiet um Ihren Stock sehr aggressiv verteidigen.



Bis wir wieder zurück auf der Lodge war, war es stockdunkel. Die Zeit bis zum wiederum sehr leckeren Dinner wurde von zwei Stachelschweinen erkürzt, die bis direkt ans Restaurant kamen.



Um den "Iro" wir so mancher Punk sie beneiden. ;)
Letzte Änderung: 18 Jul 2013 13:43 von Topobär.
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09 Jul 2010 13:45 #145958
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Urlaubsbedingt war eine Woche Schreibpause.

04.05.2010 (5.Tag)
Erongo Wilderness Lodge - Mowani Mountain Camp

250km

Beim ersten Anzeichen der Morgendämmerung war ich wach. Da wir an der Frontseite das Zelt lediglich mit den Fliegengittern verschlossen und die Zeltplanen offen gelassen hatten, konnte ich im Bett liegend einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben.

Das wiederum sehr gute Frühstück genossen wir auch heute morgen zusammen mit zahlreichen Dassies und Vögeln. Vor allem die quietschbunten Minipapageien waren eine echte Augenweide.



Wir wollten mal wieder abseits der üblichen Touristenpfade wandeln und hatten uns für diese Etappe die Strecke über Brandberg West vorgenommen. Somit starteten wir wieder sehr früh und entschieden uns bis Uis für die schnellste Strecke. In einer Stunde hatten wir via C36 unser erstes Zwischenziel erreicht. Unterwegs zunächst noch schöne Aussichten zum Erongogebirge und zur in der Ferne liegenden Spitzkoppe, bevor dann immer mehr das gewaltige Massiv des Brandbergs die Szenerie beherrschte.

In Uis füllten wir nur kurz unsere Diesel- und Wasservorräte auf und begaben uns dann auf die D2342 in Richtung der ehemaligen Mine Brandberg West.

Die Umgebung wurde immer wüstenhafter - die Landschaft immer weiter. Ich finde es sehr schwierig, solch weite Landschaften auf ein Foto zu bannen, bei dem dies dann auch richtig rüber kommt. Ist mir auch hier nicht gelungen, weshalb Ihr hier jetzt Eure Fantasie oder Erinnerung bemühen müsst.

Zum Ugab hinab führte der Weg in eine Schlucht. Hier war jetzt jegliche Vegetation verschwunden und nur noch Fels, Geröll uns Sand um uns herum. Man kam sich vor, wie auf einem anderen Planeten.

Beim am Ugab gelegenen "Save the Rhino Camp" wurden unsere Fahrzeugdaten erfasst, da es hier in eine Conservation Area geht. Eintritt wird aber nicht verlangt.

Der Ugab ist schnell und problemlos durchquert und am anderen Ufer geht es gleich wieder in eine Schlucht hinein. Hier ist aber alles saftig grün, da sich wenige Kilometer oberhalb ein Quelle in der Schlucht befindet. Dies sorgt auch für die schwierigsten Fahrpassagen des heutigen Tages, da einige ausgefahrenen Steilauffahrten arg verschlammt waren. Es reichte aber die Untersetzung - unseren letzten Trumpf, die Differenzialsperren, brauchten wir hier noch nicht ausspielen.

Gleich nach der Quelle verändert sich die Vegetation erneut schlagartig. Hier ist wieder Halbwüste. Eine einsame Akazie mitten in der Schlucht bot uns einen perfekten Picknickplatz zum Mittagessen. Eine für uns Zivilisationsgeschädigte ungewohnte Stille herrschte hier. Man hörte das Rauschen des Bluts in den Ohren.



Die Schlucht entlässt uns am Südrand des Desolation Valleys. Wir wenden uns hier nach Osten und fahren auf den schon gut sichtbaren Doros-Krater zu. Von der Regenzeit steht noch reichlich Gras auf den Ebenen, so dass wir hin und wieder auch Tiere sehen, hauptsächlich Strauße und Springböcke.



Es geht direkt an den Hängen des Doros-Kraters entlang. Allgemein ist die Strecke besser zu befahren, als ich es in Erinnerung hatte und auch die Orientierung ist (vor allem auch durch GPS) nicht sehr anspruchsvoll. Allerdings führt die Strecke häufig über sehr spitzes Vulkangestein, was dann zwei Kilometer vor erreichen des Pads am verbrannten Berg seinen Tribut fordert. Wir haben den ersten (und glücklicherweise auch einzigen) Platten dieser Reise. Das Ganze ist in einer viertel Stunde schnell erledigt, aber so knapp vor Wiedererreichen der Zivilisation ist es schon ein wenig ärgerlich.



Vom verbrannten Berg ist es dann nur noch einen Katzensprung bis zu unserer heutigen Unterkunft, die wir eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichen. Selbigen erleben wir dann vom sehr schönen Sundownerplatz des Camps aus.



Mowani Mountain Camp

Das Camp liegt eingebettet zwischen riesigen Felskugeln, unterhalb des namensgebenden Mount Mowani, unweit von Twyfelfontein.

Lounge und Restaurant passen sich mit Ihren kugelförmigen Dächern gut der Umgebung an. Der Pool wirkt fast wie ein natürliches Bassin, geschützt zwischen hohen Felsen und nach vorne mit weitem Blick über das Tal.

Nur zwei Minuten den Berg hinauf befindet sich ein perfekter Sundowner-Place mit Bar, wie er besser nicht sein kann.



Die Zelte sind weit verstreut, so dass man von den Nachbarn nichts mitbekommt. Man sollte darauf achten, ein sogenanntes View-Tent zu buchen. Diese sind zum Tal hin gelegen. Die zum Berg hin gelegenen Zelte lassen diesen Blick vermissen. Die Einrichtung der Zelte lässt keine Wünsche offen, das Bad ist im Gegensatz zu den meisten Zeltunterkünften in das Zelt integriert. Im Wind hat das Holzgestänge des Zeltes ordentlich geknarrt, glücklicherweise legte sich der Wind nach Sonnenuntergang. Leider gab es am Eingang kein Fliegengitter, so dass die Zeltplane dort immer geschlossen sein mußte.



Das Essen war excellent. Es gab zum Dinner ein dreigängiges Menü, wobei man zwischen zwei Hauptgerichten wählen kann.

Das Personal ist perfekt geschult, dadurch für meinen Geschmack etwas zu förmlich. Auch fand ich deren Kleidung in Livres in dieser Umgebung eher unpassend. Alles etwas lässiger wäre mir lieber gewesen.

Das Camp war voll ausgebucht, ohne dass dies groß aufgefallen ist oder sich negativ bemerkbar gemacht hätte.

1.900,-N$ pro Person (DBB)
Note: 1-
Letzte Änderung: 18 Jul 2013 13:49 von Topobär.
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16 Jul 2010 17:01 #146924
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05.05.2010 (6.Tag)
Mowani Mountain Camp - Khowarib Lodge

213km

Um es gleich vorweg zu sagen, heute war irgendwie der Wurm drin.

Aber bevor wir das zum ersten Mal merkten genossen wir das sehr gute Frühstücksbuffet und beobachteten die frechen Glanzstare, die sich ebenfalls am Buffet bedienten.



Während Kathrin auscheckt gehe ich noch einmal unsere Reiseunterlagen durch - weiss auch nicht weshalb, aber es war ein Glück. Ich kann die Border-Permits für unser Auto nicht finden. Entweder habe ich Sie unterwegs verloren, oder wahrscheinlicher, ich habe sie gleich bei ASCO liegenlassen. Ein kurzer Anruf bei ASCO- kein Problem, man faxt Sie uns. Eine halbe Stunde später ist noch immer kein Fax da, ein weiterer Anruf bei ASCO dort gibt es immer Fehlermeldungen beim Versuch zu faxen, die Leitung ist anscheinend unterbrochen. Wir vereinbaren, die Unterlagen einzuscannen und per Email zu schicken. Nach einiger Wartezeit und erneuter Kontaktaufnahme mit ASCO zeigt sich, dass auch hier die Leitung unterbrochen ist. Das ist mal wieder typisch Afrika. Der nächste Plan ist, die Dokumente zur nahegelegenen Twyfelfontein Country Lode zu faxen.

Erst um 10:00Uhr kommen wir los. Als wir 15min. später in Twyfelfontein ankommen liegt unser Fax schon bereit.

Ursprünglich sollte die heutige Strecke über den Grootbergpass nach Kamanjab und von dort durch die Khowarib-Schlucht zur gleichnamigen Lodge führen. Da wir spät dran sind, noch den Reifen flicken lassen müssen und nicht wissen, wie die Strecke in der Schlucht ist, beschließen wir, unser Ziel direkt anzufahren.

In Palmwag tanken wir und lassen den Reifen flicken. Die Werkstatt ist nicht bei der Tankstelle, sondern auf dem Hinterhof der Lodge.

Auf der C43 sehen wir viele Tiere, unter anderem unsern ersten Elefanten des Urlaubs. Aber alle sind weit weg - Fotos lohnen sich nicht.

Plötzlich hören wir lautes Klappern vom Dach. Die nähere Untersuchung zeigt, dass dort wo die Kanister sitzen eine Verschraubung gebrochen ist. Von den ursprünglich 2 Schrauben hat sich eine wohl durch die Vibrationen verabschiedet und die übrig gebliebene konnte die Last nicht halten, so dass deren Aufnahme gebrochen ist. Ich zweckentfremde eine andere Schraube des Gepäckträgers, die nicht gebraucht wird und befestige verschraube damit die übriggebliebene Aufnahme. Das ganze wird mit Kabelbindern unterstütz, mal sehen, ob das hält.



Gegen 14:00Uhr erreichen wir die Khowarib Lodge und genießen nach dem Einchecken erst einmal die sehr guten Lunch-Pakete aus Mowani auf der Veranda unseres Zeltes.

Da es noch so früh am Tage ist, kommen wir doch noch in den Genuss die Schlucht zu erkunden. Der Weg ist interessant zu fahren. Teilweise recht rauh und steil und wer nicht gut aufpasst, kann durchaus seitlich wegrutschen, da die Strecke zum Teil sehr schmal ist und es daneben sofort abfällt. Auch der Bach muss durchquert werden, was aber keinerlei Problem darstellt.



Nervig ist aber der zum Teil wirklich extreme Bulldust. Manche Strecken kann man nur mit geschlossenem Fenster und Umluft-Belüftung fahren. Wer mich kennt weiss, dass ich es in Afrika hasse, mit hochgekurbelten Fenstern zu fahren.

In der Schlucht kann man sehr schön die Faltung des Gebirges sehen. Tiere gibt es wenig. Wir sehen außer Zebras nur die Rinder der in der Schlucht lebenden Einheimischen.



Unser Ziel und Umkehrpunkt ist der in vielen Karten verzeichnete und auch in der Schlucht ausgeschilderte Wasserfall. Wobei die Bezeichnung Wasserfall für die nicht einmal einen Meter hohe Felsstufe über die sich der Bach ergießt schon arg übertrieben ist. Das mindert die Schönheit dieses Ortes aber in keinster Weise.



Wieder zurück in der Lodge schauen wir beim Sundowner zu, wie die Schatten immer weiter den gegenüber liegenden Berg hinauf wandern..



Khowarib Lodge

Die Khowarib Lodge ist nagelneu. Sie wurde erst wenige Monate vor unserem Besuch eröffnet. Dem entsprechend ist Sie noch relativ unbekannt und auch noch nicht in den Prospekten der verschiedenen Anbieter. So kam es, dass wir die einzigen Gäste der Lodge waren. Die Lage an der Schnittstelle zwischen Damaraland und Kaokoveld ist verkehrstechnisch sehr günstig. In dieser Gegend fehlte bislang eine gute Lodge.

Die Zelte stehen aufgeständert am steilen Hochufer des Khowarib inmitten der Mopanebäume des Galeriewaldes.



Die Einrichtung der Zelte ist einfach, aber zweckmäßig und sauber. Sehr schön ist das mit Natursteinen ummauerte Freiluftbadezimmer, das sich jeweils an die Zelte anschließt. Traumhaft, hier direkt unter den 1000 Sternen Afrikas zu duschen.



Das Hauptgebäude liegt ca. 200m vom Fluß zurück und etwas erhöht, so das man einen traumhaften Blick in die Umgebung hat.



Das Essen war ausgeprochen gut. Abends gab es ein dreigängiges Menü und zum Frühstück Buffet. Zum Abendessen hatte man für uns zu Kerzenstein unter freiem Himmel eingedeckt - sehr romantisch unter dem spektakulärsten Sternenhimmel der Reise.

Das Personal war sehr freundlich. Obwohl die Lodge noch so neu war, wirkte alles schon sehr gut eingespielt. Ich hoffe, dieser neuen Lodge ist Erfolg beschienen.

Note: 2
Letzte Änderung: 18 Jul 2013 13:54 von Topobär.
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