THEMA: 50 Tage NamBots - Sept. - Okt. 2009
10 Nov 2009 09:08 #120250
  • eggitom
  • eggitoms Avatar
  • Nam vitiis nemo sine nascitur
  • Beiträge: 1248
  • Dank erhalten: 400
  • eggitom am 10 Nov 2009 09:08
  • eggitoms Avatar
...und weiter geht's. Hat vielleicht etwas viel Bilder drin, aber die Auswahl ist ach! so schwierig :(


Mittwoch, 9. September 2009 / Klein Aus Vista – Island Cottage (Lüderitz)
Wider Erwarten stehen unsere Zelte am Morgen noch auf dem Autodach. Aber kaum ist es hell, stürzen wir uns in alle verfügbaren Kleidungsstücke, packen zusammen und fahren zum Hauptgebäude in der Hoffnung, es gebe ein warmes Frühstück. Und siehe da: unsere Hoffnungen erfüllen sich: Zum gleichen Preis wie gestern in Ai-Ais und mit der gleichen Auswahl. Ich liebe weisse Bohnen!

Nachdem wir gut gefrühstückt haben, fahren wir los Richtung Lüderitz. In Garub, bei den wilden Pferden der Namib machen wir einen Zwischenhalt; schade nur, dass sich alle Pferde eher rechts von uns, d.h. im Gegenlicht befinden. Nun ja, wir kommen ja in zwei Tagen zurück; vielleicht ist das Licht dann besser.

Der Wind hat nicht wirklich nachgelassen und damit erleben wir das, was in den Reiseführern über die Strecke nach Lüderitz nicht fehlen darf: Sand auf der Fahrbahn und Räumfahrzeuge. Allzu schlimm wird es nicht, aber trotzdem beeindruckend!

Früher als erwartet, d.h. noch vor Mittag, treffen wir in Lüderitz ein. Bei Coastways halten wir an und lassen uns Bogenfels-Tour und Abholzeit für morgen bestätigen: alles paletti, Iris wird uns zwischen 08:30h und 09:00h abholen. Die Island Chalets finden wir nicht; am nähesten kommt ihnen noch das Island Cottage, aber so ganz sicher sind wir nicht. Ohnehin scheint Carsten Möhle’s Plan von Lüderitz etwas veraltet zu sein. Wir gehen also noch einmal zu Coastways und der nette Mann führt uns eigenhändig zu – Island Cottage.

Nach kurzer Rückfrage der jungen Dame am Empfang erhalten wir zwei Zimmer im oberen Haus zugewiesen, welche allerdings noch nicht fertig gereinigt sind. Das erste, was wir sehen, ist ein Angestellter, der die Bettwäsche bügelt: auf dem fertig angezogenen Bett! Was wir als Nächstes erfahren: die Wasserleitung ist der Bauarbeiten an der Strasse wegen abgestellt, also keine Dusche!

Wir richten uns provisorisch in Fabian’s Zimmer ein und gehen mit Hilfe einer an der Reception gekauften Karte ins Internet. Mails abfragen, Kurzinfo an die wichtigsten Freunde und Bekannten. Ich schreibe noch ein Weilchen am Tagebuch. Als Fabian’s Zimmer fertig ist, machen wir uns zu Fuss auf den Weg in die Stadt. Auch hier: ein heftiger, eisiger Wind bläst uns Sand ins Gesicht. Trotzdem machen wir einen Foto- und Einkaufsbummel (u.a. Safari-Hosen für Ruth und mich) durch die Stadt, trinken in Carsten Möhle’s Restaurant-Tipp „Ritzis“ etwas und reservieren gleich auch für’s Nachtessen.

Zurück im Island Cottage sind die Zimmer fertig, aber leider immer noch kein Wasser. Wir richten uns ein, schreiben Tagebuch, lesen die AZ und warten auf das Wasser. Was kommt, ist erst mal das südafrikanische Paar von vorgestern, welches die letzte Nacht in Fabian’s Zimmer verbracht hat und wegen ihm ins untere Gebäude umziehen musste. Dort können sie allerdings jetzt nicht rein, weil niemand da ist. Ein Anruf bei der Besitzerin schafft Abhilfe und während der Wartezeit bringt ihnen Ruth einen Tee (Wasser aus unserer Reserve), welcher noch so gerne angenommen wird.

Die Besitzerin ist sehr nett und untröstlich, dass wir kein Wasser haben. Sie verspricht, ihr Bestes zu tun und tatsächlich fängt um ca. 18:30h die Toilettenspülung an, zu gurgeln. Kurz darauf erscheint ein Monteur, der die Luft aus den Leitungen lässt und uns wissen lässt, dass wir in ca. zwei Stunden auch wieder warmes Wasser haben werden. „Heureka“, hätte Archimedes dazu wohl gesagt!

So gehen wir halt ungeduscht dinieren: drei mal Kingklip mit einem Riesling aus Paarl. Dann zurück, duschen, Tagebuch fertig schreiben und gute Nacht: morgen werden wir um 08:30h für die Diamanten-Tour abgeholt.

Nachtrag nach dem Duschen: Das Wort wird der Sache nicht gerecht; es ist ein Gang durchs Rote Meer – ohne Salz und ohne Moses’ Hilfe B) :P :silly: :woohoo:

Donnerstag, 10. September 2009 / Island Cottage (Bogenfels-Tour)
Ein wolkenloser Himmel erwartet uns, allerdings immer noch windig und so kalt, dass ich mitten in der Nacht das Fenster geschlossen habe. Die Schweiz hat gegen Lettland 2:2 gespielt, aber weil die Griechen gegen Moldawien auch nur unentschieden spielten, ist es fast ein Sieg. Roger Federer ist am US Open im Halbfinal; Internet ist doch eine gute Sache, wenn hier unten auch ziemlich langsam und teuer!

Wir stehen um 07:30h auf, frühstücken und stehen schweizerisch-pünktlich um 08:30h warm eingepackt vor dem Haus. Iris lässt noch auf sich warten, dafür plaudert der nette Südafrikaner noch etwas mit uns, bedankt sich noch einmal für den Tee von gestern und gibt Tipps zum Reifendruck. Sie fahren heute weiter, voraussichtlich in die Tirasberge.

Gegen 09:00h fährt Iris in einem Allrad-Mitsubishi-Van vor, ausgestattet mit Funk, Kühlbox und allem, was wir für den Tag so brauchen. Sie fährt mit uns zuerst zur Basis, wo ein grösserer Trupp sich für die Fahrt durch die Wüste nach Walvis Bay bereit macht. Dann geht’s los, diesmal wirklich nur mit uns dreien. Bei Kolmanskuppe geht’s hinein ins Sperrgebiet.

Die Fahrt dauert mit Unterbrüchen den ganzen Tag. Ueberall in der Wüste finden sich grössere und kleinere, zumeist verlassene Diamantenschürfstellen: Pomona, Bogenfels und wie sie alle heissen. Im ganzen Gebiet rosten die Ueberreste des Schmalspur-Bahnnetzes vor sich hin, mit welchem die Wüste grossflächig überzogen wurde, um den Abraum (Sand und Schutt) zuerst zu den Sortieranlagen zu bringen und nach dem Aussortieren der Diamanten wieder abzuräumen. Gleichzeitig diente die Bahn der Versorgung u.A. mit Wasser und wurde zu diesem Zweck direkt an den bei allen Häusern stehenden Wassertanks vorbeigeführt.

Iris weiss sehr viel und versteht es, die ganze Geschichte unterhaltsam aufzurollen, von August Stauch bis Namdeb; zudem illustriert sie das ganze mit Bildern aus einem Heft namens „Sperrgebiet“, das wir uns unbedingt besorgen müssen. Daneben weiss sie auch viel über die im Sperrgebiet wachsenden Pflanzen und die dort lebenden Tiere: Springböcke, Oryxe (mit weissen Beinen wegen der Hitze und grösseren Hufen, damit sie im Sand besser auftreten können), usw.

Zu Mittag packt sie in der Schule von Pomona ein Büffet aus, welches alle Gelüste befriedigt. Anschliessend fahren wir zum Bogenfels, wo es Kaffee und Biskuits gibt. Der Rückweg findet auf der „Hauptstrasse“ statt. Ein kleiner, ungeplanter Stopp bremst uns beim Gate von Pomona, wo wir nebst zwei anderen Fahrzeugen und einem Bagger vergeblich auf jemanden warten, der das verschlossene Tor öffnet. Iris behilft sich schliesslich damit, dass sie das Tor auf einer Nebenstrasse umfährt. Die anderen stehen wohl jetzt noch da.

Der Wind, der den ganzen Tag angehalten hat, wird gegen Abend stärker, so dass Rückfahrt für Iris ziemlich beschwerlich wird. Aber wie schon am Vormittag meistert sie Sandverwehungen, Buckel und sogar grössere Weichsandstrecken profimässig – wir müssen da wohl noch einiges dazulernen!

Gegen 16:00h sind wir wieder am Gate angelangt; der Wind bläst jetzt so stark, dass er Iris die Autotür aus der Hand reisst. Der kurze Weg zum Gate, um dieses zu öffnen, geht gerade noch so (Rückenwind); auf dem Rückweg vom Posten, wo sie uns ausgemeldet hat, wird sie vom Wind fast weggeblasen.

An Kolmanskuppe vorbei geht es wieder auf die Hauptstrasse, welche ebenfalls ziemlich zugeweht ist und auf der uns doch tatsächlich vier Motorradfahrer entgegenkommen. Ich fahre ja gerne Motorrad, aber hier hält sich meine Begeisterung definitiv in Grenzen!

Im Cottage abgeliefert, setzen wir uns erst mal in unser eigenes Auto und fahren in die Stadt, um Wolldecken einzukaufen. Dann zurück zu unserem temporären Heim, Fotos auf’s Netbook spitzen und durchsehen, duschen (wieder normal) und Sonnenuntergang. Anschliessend gibt’s Nachtessen im Seaview zum Sperrgebiet, umringt von (fast nur) Senioren: man fühlt sich fast wie in Florida. Gegen 21:00h sind wir zurück: während ich den heutigen Tag für die Erinnerungen festhalte und Fabian sich rasiert, horcht Ruth schon am Kopfkissen.
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht
(Fritz Grünbaum)

Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
10 Nov 2009 14:10 #120261
  • ANNICK
  • ANNICKs Avatar
  • Profite, on ne vit qu'une fois!
  • Beiträge: 6918
  • Dank erhalten: 13246
  • ANNICK am 10 Nov 2009 14:10
  • ANNICKs Avatar
Hallo Thomas,

Leider reichte uns die Zeit für die Bogenfels Tour nicht mehr! Du hast es aber so schön erzählt dass ich das Gefühl habe doch dort gewesen zu sein! :P

Schreibe nur weiter, es macht Spass deine Berichte zu lesen.

Es grüsst
Annick
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
12 Nov 2009 09:05 #120456
  • eggitom
  • eggitoms Avatar
  • Nam vitiis nemo sine nascitur
  • Beiträge: 1248
  • Dank erhalten: 400
  • eggitom am 10 Nov 2009 09:08
  • eggitoms Avatar
@Annick (und alle anderen): Danke für die aufmunternden Kommentare; sie beweisen mir (und natürlich auch allen anderen, die hier ihre Tagebücher und Bilder veröffentlichen!), dass ich das nicht nur für mich mache ;)

Freitag, 11. September 2009 / Island Cottage – Farm Namtib Biosphere Reserve
Wie üblich stehen wir relativ zeitig auf, frühstücken und packen zusammen. Um 09:00h verabschieden wir uns und fahren zum Spar: Einkaufen für vier Tage. Während Fabian und ich einpacken, geht Ruth noch zur Bank und in den kleinen Laden vis-à-vis, wo wir gestern Karten und eine CD von den Namibian Marimbas gekauft haben, und besorgt das Heft „Sperrgebiet“ und die AZ von gestern, weil Fabian hofft, darin Fussballresultate und –ranglisten zu finden; vergeblich, wie sich später herausstellt.

Volltanken ist das nächste und dann geht’s zur Kolmannskuppe. Dort sehen wir uns auf eigene Faust um, weil die nächste Führung erst in einer Stunde wäre. Mag sein, dass wir nach der gestrigen Bogenfels-Tour schon genug Sand gesehen haben und zudem mit Freilichtmuseen schon unsere Erfahrung haben, aber nach rund einer Stunde haben wir das Gefühl, eigentlich alles gesehen zu haben.
(Zwischenbemerkung: nach den vielen tollen Bildern von Doc Holliday, janet und allen anderen fleissigen TagebuschreiberInnen halte ich mich hier und bei den Wildpferden ein wenig zurück)

Gegen Mittag fahren wir weiter zu den Garub-Pferden. Das Licht ist jetzt besser, Pferde hat es noch mehr, aber auch Touristen, darunter eine Tante, die es nicht lassen kann, sich aus dem Unterstand mitten unter die Pferde zu begeben. Was sie dort wollte, ist mir schleierhaft; das ultimative Bild schiessen oder den Pferden Zucker geben, oder vielleicht war es ja auch nur eine Pferdeflüsterin :blink: Passiert ist, zumindest solange wir da waren, nichts, aber der Guide der Gruppe hat nur zugeschaut und nichts unternommen. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Pferde in ein paar Jahren bei den Touristen um Futter betteln (s. weiter oben auf Bagatelle!).

Die nächsten rund drei Stunden fahren wir über Aus und dann wieder auf Schotter resp. Sand die C13 und die D707 östlich der Namib entlang zur Namtib Biosphere Reserve, wo wir von Lynn Theile begrüsst werden. Cabins hat’s keine mehr, Camping schon. Ist zwar 2.5 km vom Haupthaus entfernt, aber irgendwie werden wir es schon schaffen, morgen für die gebuchte Wüstenwanderung dorthin und anschliessend (nach dem Einnachten!) wieder zurück zu kommen. Bevor wir auf den Campingplatz rausfahren, kaufen wir uns noch etwas Lamm für den Grill.

Auf dem Camping steht ein einzelner Wagen mit einem Paar davor; nicht auf einem Einzelplatz, sondern zentral auf der Lapa beim grossen Grill und dem Sanitärblock. Wir fahren zuerst zu einem der weiter entfernten Einzelplätze, überlegen es uns dann aber anders und fragen die beiden, die dort gemütlich sitzen, ob es ihnen genehm ist, wenn wir uns ebenfalls etwas zentraler einrichten. Es ist, und die beiden stellen sich dabei als Max und Susanne aus Biel vor.

Gegen abend kommt noch ein weiteres Paar, Siggi und Lena aus Karlsruhe. Siggi ist, wie sich später herausstellt, Kinderchirurg am Karlsruher Spital und kennt von da her unseren Freund Sedat, welcher ihm ab und zu Patienten zuweist.

Kurz vor dem Einnachten feuere ich auf dem zentralen Grill an, schon bald tatkräftig unterstützt durch Max und Siggi, so dass Ruth’s Gschwellti schon längst gar sind, als das Feuer noch fröhlich Flammen wirft. Schliesslich haben wir dann aber doch eine schöne Glut und sitzen alle einträchtig bei Feuer und Nachtessen. Von Susanne gibt’s noch etwas Linsen, von Siggi zum Dessert eine Ananas. Das einzige, was stört, ist der Wind, der immer stärker bläst und schliesslich Fabian’s Zelt einfach umklappt! Wir helfen uns damit, dass wir den Wagen mit aufgeklappten Zelten um 180° drehen; so kommt der Wind von hinten.

Nach dem Essen verziehen sich alle recht schnell in die Zelte – welche wieder rütteln und schütteln, eher noch mehr als in Aus! Zudem glüht unser Feuer in hellstem Rot und sprüht Funken wie ein Zuckerstock; es gibt erst Ruhe, nachdem ich ihm mit einem Abwaschbecken voller Wasser den Garaus gemacht habe.

In der Nacht stehe ich auf und mache, was Fabian schon vorher wollte: alle Abspannstangen rausnehmen. Dabei entdecke ich, dass man die Vordächer aufrollen und befestigen kann, und mache auch das noch. Danach habe ich zumindest einigermassen das Gefühl, dass wir die Nacht eventuell doch überleben werden!

Zwischendurch hört der Wind ein wenig auf, um gegen Morgen wieder aufzufrischen.

Samstag, 12. September 2009 / Farm Namtib Biosphere Reserve
Frühstück findet windgeschützt hinter dem Auto statt, dann machen wir es uns bei Tagebuch und Lektüre etwas gemütlich, nicht ohne zuvor zum besser geschützten Platz von Max und Susanne umgezogen zu sein, welche sich im Lauf des Vormittags verabschiedet haben. Kalt ist es nicht; im Gegensatz zur „Bise“ in Aus entspricht der Wind hier eher unserem Föhn.

Gegen Mittag – der Wind hat etwas abgegeben – macht Ruth aus dem in Lüderitz gekauften Langkornreis ein Risotto und brät das von gestern übriggebliebene Lamm in der Bratpfanne, damit wir Abends nach der Rückkunft von der Wüstenwanderung nicht mehr im Finstern kochen müssen. Die Sandwiches für’s Nachtessen bereitet sie auch gleich vor.

Da Siggi und Lena sich auch noch angemeldet haben, machen wir uns kurz nach 14:00h zu fünft auf den Weg zum Hauptgebäude, wo wir auch noch Frau Theile senior kennenlernen – modisch, mit violetter Mèche im Haar. Sie unterhält uns noch mit Wissenswertem über’s Wetter, bis Lynn zur Abfahrt bereit ist. Mit einem weiteren deutschen Paar, welches auf der Farm übernachtet, quetschen wir uns zu acht in einen alten, klapprigen Landy und Lynn fährt mit uns zur 12km entfernten Hauptstrasse hinunter und dort noch einige km westwärts bis zu einer Senke, in welcher wir den Landy stehen lassen.

Ueber den Zaun gelangen wir ins Schutzgebiet des Namib Naukluft Parks, wo uns als erstes ein Oryx auf dem Dünenkamm begrüsst. Während der mehrstündigen Rundwanderung, immer höher die Dünen hoch, weiss Lynn vieles über die dort vorkommenden Pflanzen und Tiere zu erzählen und gibt auch auf Fragen zum Farmleben bereitwillig und engagiert Auskunft. Man hat den schönen Eindruck, sie hat sich mit Leib und Seele dem Leben hier auf der Farm und bei ihrem Mann verschrieben.

Es ist schon ein anderes Dasein, auf welches man sich vollumfänglich und ohne Zweifel einlassen muss: Die nächsten Nachbarn weit, die nächste Stadt noch viel weiter weg. In medizinischen Notfällen gibt es den Flying Doctors Service, der aber auch länger braucht, als bei uns der Weg zum nächsten Spital. Bei Buschbränden, wie es sie seit 2006 hier gibt, müssen sich die Nachbarn selber helfen, auch wenn man dafür 120km weit fährt und vielleicht eben erst vom letzten Einsatz zurückgekommen ist: Löschflugzeuge gibt es nicht. Und bei den Gästefarmen kommt hinzu, dass man nie allein ist: immer sitzen ein paar Gäste mit am Esstisch. Und einfach mal so ins Kino?

Man kann fast nicht genug bekommen von dieser Wanderung über die rein optisch messerscharfen Dünenkämme – trotz Sand im Gesicht, in den Kleidern, in den Schuhen, einfach überall :angry: Leider sind meine poetischen Talente zu dürftig, als dass ich das Gefühl besser beschreiben könnte; ich lasse lieber Bilder sprechen – auch wenn ich erst im Nachhinein gemerkt habe, dass auch das Objektiv etwas Sand abbekommen hat :unsure:

Der Sonnenuntergang fällt mehr oder weniger flach: viel zu früh verschwindet die Sonne hinter einer Wolke und kommt nicht mehr zum Vorschein. So nehmen wir den direkten Weg zurück zum Zaun. Die Dünenabhänge werden dabei wie die Lavafelder auf dem Vulcano und dem Stromboli gemeistert: Direttissima, mit etwas Rücklage.

In einbrechende Dunkelheit hinein fährt Lynn uns zum Hof zurück und muss dabei sehr aufpassen, dass sie keine wilden Tiere auf der Strasse überfährt. Die Scheinwerfer erfassen Oryxe, Springböcke, Löffelhunde und so einiges mehr. Auf der Farm lädt sie die beiden zusätzlichen Passagiere aus und bringt uns fünf Camper noch zu unserer Unterkunft, wo sich inzwischen noch einige andere Camper eingerichtet haben, allerdings nicht bei uns, sondern weit entfernt auf den Einzelplätzen. Eigentlich schade; ich habe immer gemeint, zum Camping gehöre auch gemeinsames ums Feuer sitzen und so.

Schnell vertilgen wir unsere Sandwiches und verziehen uns dann in den Schlafsack. Die Nacht bleibt wider Erwarten ruhig und windstill.
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht
(Fritz Grünbaum)

Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Letzte Änderung: 12 Nov 2009 13:28 von eggitom.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
13 Nov 2009 22:09 #120653
  • eggitom
  • eggitoms Avatar
  • Nam vitiis nemo sine nascitur
  • Beiträge: 1248
  • Dank erhalten: 400
  • eggitom am 10 Nov 2009 09:08
  • eggitoms Avatar
Sonntag, 13. September 2009 / Farm Namtib - Sesriem
Etwas habe ich vergessen: Irgendwann gestern Abend wollte ich noch etwas unter dem Baum holen und habe dabei im Finstern den Schädel an einem Ast angeschlagen. Jetzt, bei Tageslicht betrachtet, sehe ich aus wie Gorbatschow - zumindest für die nächsten paar Tage :S

Wie üblich stehen wir früh auf, frühstücken und packen zusammen, weil die Strecke bis nach Sesriem doch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Wir verabschieden uns provisorisch von Siggi und Lena, welche das gleiche Ziel haben, und können, obwohl wir im Sesriem Camping keine Reservation haben, einigermassen beruhigt losfahren: Falls wir keinen Platz erhalten, dürfen wir uns mit auf ihren reservierten Platz stellen.

Auf dem Hof rechnen wir mit Lynn ab und kaufen noch etwas selbst gemachten Oryx-Biltong sowie einen ebenfalls handgefertigten Armreifen aus Horn für Ruth. Dann geht’s los, um die Tirasberge herum, für kurze Zeit verfolgt von Siggi, welcher aber schon relativ bald einmal einen Fotostopp einlegt und aus dem Rückspiegel verschwindet.

Bei Betta biege ich zwar auf die D826 ab, aber in der falschen Richtung, so dass wir Richtung Duwisib fahren, welches uns eigentlich gar nicht interessiert, haben wir in der Schweiz doch viele und vermutlich wesentlich authentische Schlösser. Der damit eingekaufte Umweg führt über den Tsarispass: Anfahrt geradeaus über eine Hochebene, dann geht’s steil und kurvenreich runter wie an der Maloja. Ruth ist am Steuer und meistert die Sache sehr gut, ist aber dann doch müde, so dass Fabian mal wieder ein Stück ans Steuer darf.

Kurz vor Sesriem übernehme ich wieder. Beim Eintrag am Empfang sehe ich, dass Siggi und Lena kurz vor uns eingecheckt haben. Ihr Angebot müssen wir nicht annehmen: Obwohl Bwana schon im Februar keinen Platz mehr für uns buchen konnte, hat es jetzt massenhaft freie Plätze :unsure:

Wir suchen kurz Siggi und Lena auf, machen für einen Sunset-Drive ins Sossusvlei ab und richten uns dann provisorisch ein, spricht: Tisch, Stühle und Kisten raus, Zelte bleiben gepackt. Fabian und ich machen uns ein Sandwich und schreiben etwas Tagebuch/lesen, Ruth geht zum Pool. Kurz bevor wir losfahren wollen, beginnt wieder ein kräftiger Wind zu blasen, welcher uns ziemlich Sand ins Gesicht wirbelt. Das kann ja heiter werden!

Die Fahrt zum Sossusvlei unterbrechen wir nach gut 20km, weil es dort hinten nach Sandsturm aussieht. Siggi schlägt vor, statt dessen zum Tsauchab-Canyon zu fahren. Dort wandern wir bis kurz vor Sonnenuntergang den Canyon hoch, finden einen Ausstieg und spazieren oben auf der Krete wieder zurück zu den Autos. Ein (fast) vollwertiger Ersatz für den verpassten Fish River Canyon!

Der Sonnenuntergang sieht ziemlich gespenstisch aus: noch immer wütet der Sandsturm im Sossusvlei. Da Siggi und Lena auch im Restaurant essen wollen, machen wir für halb Acht ab. Wagen für morgen früh einrichten (Tisch, Kisten, Stühle, Schlafsäcke nach hinten, Taschen nach vorn), duschen und mit der Taschenlampe zum Restaurant.

Vor dem Eingang steht ein junges deutsches Paar, welches auf dem letzten Wegstück ins Sossusvlei mit dem Wagen im Sand stecken geblieben und ihn nicht mehr rausgekriegt hat: irgend ein Problem mit der Kupplung. Dachzelt, Gepäck, alles ist hinten im Sandsturm; mit dem Allernötigsten stehen sie da im Dunkeln vor dem Restaurant und versuchen via Handy, die Rettungsaktion für ihren Wagen zu koordinieren und eine Schlafgelegenheit zu organisieren. Ein Notzelt haben sie bereits: Wir bieten ihnen unseren vierten Schlafsack und eine Decke an, falls es anders nicht klappt: ein Angebot, das sie glücklicherweise nicht in Anspruch nehmen müssen.

Im Restaurant sind wir die ersten und viel mehr Gäste kommen auch später nicht mehr. Das Angebot ist klein, das dann von allen gewählte Oryx-Steak aber gut, die Bedienung freundlich und das Gespräch gut: Lena und Siggi scheinen so ziemlich unsere Wellenlänge zu haben.

Beim Zubettgehen fängt es in der Ferne an, zu donnern: wird ja immer schöner! Die ganze Nacht lang wechseln sich Wind und leichter Regen ab – mit Vorteilen für den Wind, der unser Zelt gar nicht erst nass werden lässt. Das Geschüttel hält sich in Grenzen, stehen wir unter dem Baum doch relativ windsicher.

Montag, 14. September 2009 / Sesriem (Sossusvlei)
Um 05:00h reisst mich der Handy-Wecker aus tiefstem Schlaf. Wir schaffen es, in der gesetzten Zeit von einer Stunde fahrbereit am Eingangstor zu stehen, als zweites Fahrzeug hinter Siggi und Lena. Das Ganze selbstredend ohne Frühstück :(

Die Fahrt in die einsetzende Dämmerung hinein wird begleitet von Blitzen am Horizont. Als es etwas heller wird, sehen wir auch, dass der Himmel voller Wolken hängt, welche genau über dem Sossusvlei am dunkelsten sind. Wir lassen uns davon nicht abschrecken und fahren unbeirrt weiter, immer den Heckleuchten von Siggi nach.

Beim Uebergang auf die Sandstrecke merke ich schnell, dass unser Fahrzeug mit den breiten Reifen seine Qualitäten hat. Zudem ist bis jetzt ein einziges Fahrzeug – wohl von einer der Lodges – nach hinten gefahren und dessen Fahrer hat uns eine gute Spur gelegt. Siggi folgt – nachdem er mit Hilfe unseres Druckmessers etwas Luft abgelassen hat – problemlos nach. Unterwegs kommen wir am liegengebliebenen Fahrzeug vorbei, das hier immer noch der Rettung harrt.

Am Ende der Sandstrecke, auf dem 4*4 Parkplatz, stellen wir unsere Autos hin. Die Gruppe vor uns ist schon unterwegs ins Sossusvlei resp. auf den Kamm zum Dead Vlei. Begleitet von einem mehr oder weniger trockenen Gewitter mit sensationellen Blitzen und entsprechend fantastischem Sonnenaufgang machen wir uns ebenfalls auf den Weg zur Düne: Siggi und Lena als Supersportler vorneweg, Ruth und Fabian knapp dahinter und ich abgeschlagen als letzter... Eine gute Kombination: keine Kondition, 10kg zuviel Körpergewicht plus gefühlte 20kg Fotoausrüstung um den Hals und in der Weste und dann dauernd stehenbleiben, um zu fotografieren :woohoo:

Auf dem Kamm hoch zur Düne wird’s erst richtig anstrengend: Zwei Schritte vor, einer zurück und dauernd kommen von hinten Leute, die überholen wollen. Erst will ich umkehren, gebe dann aber doch nicht auf, vor Allem weil ich merke, dass ich mit gemächlichem Gang kaum Pausen einlegen muss und so einige Leute wieder einhole, die vorher an mir vorbeigestapft sind!

Der Kampf lohnt sich: Auf dem Kamm oben warten ein sagenhafter Blick hinunter ins Dead Vlei, ein Kuss von meiner Frau und der herzliche Applaus von Familie, Freunden und weiteren Touristen :kiss: Runter geht’s wie vorgestern in der Namib, die Direttissima, wobei sich Fabian punkto Schönheit und Tempo Bestnoten und den Applaus aller Anwesenden (mittlerweile ca. zwei Dutzend Leute) verdient. Ich folge etwas gemächlicher, damit Fabian mich in Ruhe von unten filmen kann :silly:

Nachdem die Schuhe ausgeleert sind, geht der Fotowahn unten im Dead Vlei weiter; ich merke plötzlich, was ich mit dem richtigen Blickwinkel und Ausschnitt aus den toten Bäumen alles herausholen kann. Erst gegen 10:00h verziehen wir uns Richtung Fahrzeuge, weil sich eine Gruppe von „Eliteamateuren“ mit ihren Stativen und ihren protzigen Ausrüstungen im und um’s Dead Vlei breitmacht und uns dauernd vor der Linse durch watschelt.

Beim Parkplatz stehen inzwischen ca. ein Dutzend Autos und dazwischen treibt sich ein einsames Oryx herum, welches sich aber schnell verzieht, als ein Fotograf aufdringlich wird. Kurz entschlossen stellen wir Tische und Stühle auf und setzen uns für ein gemütliches gemeinsames Frühstück hin. Siggi und Lena haben, da weniger Gepäck, sogar den Gasbrenner zur Hand, was uns zu einem heissen Tee verhilft. Auch mit Geschirr und Besteck helfen sie uns selbstlos aus.

So gestärkt, beschliessen wir, uns der Düne 45 zu widmen und den Rest hier hinten bleiben zu lassen; man muss ja auch für den nächsten Besuch noch etwas haben! Das Wetter hat sich stark gebessert; die Sonne scheint, wenn auch bleich, vom dunstig hellblauen Himmel.

Die Rückfahrt durch den Sand meistern wir ebenfalls problemlos, wenn auch etwas weniger elegant, da die Wahl der Spur inzwischen zur Qual wird und uns immer wieder Fahrzeuge entgegen kommen. Das Pannenfahrzeug ist weg; ich meine, es vorne beim 2*4 Parkplatz wieder zu erkennen.

Der messerscharfe Kamm zur Düne 45 hoch ist einem ca. 3m breiten Trampelpfad gewichen. Niemand von uns hat grosse Lust, dort noch hochzuklettern, so beschränken wir uns auf einige exklusive Fotos von roten Sanddünen, verabschieden uns dann ganz herzlich von Lena und Siggi, welche weiterfahren wollen, uns aber versprechen, dass sie uns mal mit dem Motorrad besuchen, nicht zuletzt, um uns das Video zu bringen, das Lena von meiner wilden Fahrt durch den Sand mit der Kompaktkamera (gleiches Modell wie Ruth!) gedreht hat. Wir fahren zurück zum Campingplatz. Etwas stöbern im Laden, wo wir die beiden zum – hoffentlich vorläufig – letzen Mal sehen und dann weiter zum Desert Camp.

Im Desert Camp werden wir freundlich begrüsst und umfassend informiert. Haus 2 steht schon zur Verfügung, Haus 3 für Fabian folgt kurz danach. Wir richten uns gemütlich ein, was hier nicht schwer fällt, trinken Tee, schreiben Tagebuch, putzen Foto- und Videoausrüstung und laden die elektrischen Geräte nach.

Ruth, die zuerst zum Pool wollte, verzichtet angesichts des Windes und macht stattdessen mit Fabian zusammen gegen 16:00h den ausgeschilderten Rundgang. Ich bleibe da, weil ich von einem Beinahe-Sturz von der Leiter heute früh etwas Rückenschmerzen habe, führe mein Tagebuch bis zu diesen Zeilen nach und eben als ich fertig bin, kommen Ruth und Fabian zurück.

Nachdem alle geduscht haben, nehmen wir den Apero/Sundowner auf der kleinen Veranda ein. Der heute morgen bei Theiles gekaufte Biltong schmeckt wesentlich besser als derjenige, den wir im Supermarkt gekauft haben. Sogar Ruth, die 2002 noch gar nichts von Biltong hielt, schmeckt er. Schade nur, dass die Veranda keinen Windschutz hat; einmal mehr bläst uns der Wind alles vom Tisch, was nicht genug schwer ist oder durch etwas Geeignetes blockiert wird.

Bis zum Nachtessen hat der Wind wieder ziemlich zugelegt, so dass die Spaghetti schneller kalt als gegessen sind. Zum Glück haben wir nichts für den Grill: es würde uns die Glut genau auf den Tisch blasen! Nach dem ziemlich schnellen Essen waschen wir ebenso schnell ab und verziehen uns dann hinter die Zeltwände resp. ins Bett, wo es am wärmsten ist. Ruth schläft schon um 19:30h; ich lese noch ein wenig und lösche dann auch das Licht.

Als ich um ca. 22:30h erwache, ist es noch kälter geworden. Ich ziehe den Trainingsanzug an und lese noch etwas beim Licht der Taschenlampe, um Ruth nicht zu wecken.
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht
(Fritz Grünbaum)

Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Letzte Änderung: 14 Nov 2009 10:51 von eggitom. Begründung: Ortsangaben korrigiert
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
14 Nov 2009 10:13 #120669
  • brendyka
  • brendykas Avatar
  • Beiträge: 129
  • Dank erhalten: 5
  • brendyka am 14 Nov 2009 10:13
  • brendykas Avatar
Hallo Thomas,

habe gerade den letzten Teil Deines Reiseberichtes gelesen. Die Fotos mit "Gewitter-Stimmung" finde ich klasse, das war bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis!!!
Den Bericht finde ich auch interessant geschrieben. Nur ein kleiner Hinweis zum letzten Teil, falls das neue Fomis lesen, denn die bekommen sonst ein falsches Bild. Deine Fotos mit den abgestorbenen Bäumen stammen vom Deadvlei, ich erkenne das an den Dünen drumherum,hinten sieht man teilweise die Big Daddy-Düne. Das Deadvlei ist zwar auch versteckt, hat aber mit dem Hiddenvlei nichts zu tun. Es ist vorne am 2 WD-Parkplatz und auch sehr schön. Und das eigentliche Sosussvlei liegt da auch nicht. Du kannst mal einen Blick in mein Album "brendyka-Dünen" werfen, dort sind Fotos von allen Vleis vorhanden.
Liebe Grüße Heidi
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
14 Nov 2009 10:59 #120672
  • eggitom
  • eggitoms Avatar
  • Nam vitiis nemo sine nascitur
  • Beiträge: 1248
  • Dank erhalten: 400
  • eggitom am 10 Nov 2009 09:08
  • eggitoms Avatar
Hallo Heidi

du hast so offensichtlich recht, dass ich gleich alles korrigiert habe :huh:

Zu meiner Entschuldigung sei vermerkt, dass ich bisher keinen vernünftigen Plan des gesamten Sossusvlei gefunden habe und vor allem, dass der Guide der Gruppe vor uns immer vom Hidden Vlei gesprochen hat :S

Nun gut: vielen Dank für den Hinweis und bei der nächsten Reise mache ich es von Anfang an richtig B)

Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht
(Fritz Grünbaum)

Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.