THEMA: Namibia, Botswana Aug. '09 - Böse Geschichte "XXL"
08 Okt 2009 21:46 #117140
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  • Matou66 am 08 Okt 2009 21:46
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Hallo!

Um den schönen, erheiternden Anekdoten-Thread von Virus Africanum nicht zu sprengen, habe ich die folgende, eher böse "Reisebericht-Anekdote XXL" in einen Extrathread geschrieben.

Der „Knüller“, nennen wir ihn "das ganz dicke Ende“ hat hier etwas Vorlauf. Er kommt aber tatsächlich fast ganz zum Schluss.
Ergo: Ihr müsst jetzt sehr, sehr tapfer sein. Wir waren es schließlich auch B) .


Neulich im August

Als wir Anfang August 2009 in WDH landeten, wurden wir von einem Shuttle abgeholt. Der Fahrer wurde unterwegs nach WDH x-Mal von seinem Chef angerufen, dem er stets sehr untertänig antwortete („ja mein Herr, ja mein Herr…“).
Er erzählte mir unterwegs davon, wie wenig Benzin seine Firma am Vortag in den Tank gefüllt hat, dass die Benzinuhr kaputt sei etc… . Aber, wir würden es schon nach Windhoek schaffen (ja klar!). Es war ja auch nur Samstagnachmittag, wir wollten noch den 4x4 abholen, einkaufen, und weiter nach Düsternbrock. No problem!
Fast in Windhoek angekommen, klingelte die "Nervensäge" von Shuttle-Chef wieder durch. Der Fahrer hätte zwei Gäste am Airport vergessen. Statt uns erst zum Vermieter zu bringen, drehte der Fahrer sofort um („ja mein Herr, ja mein Herr“), wir holten die VIP-Gäste ab, fuhren wieder Richtung Windhoek. Unterwegs wunderten wir uns, warum die Pensionswirtin der anderen Gäste seit dem Airport hinter uns herfuhr, diese aber angeblich nicht selber mitnehmen konnte. Sie habe dafür keine Konzession. Aha, interessant.
Am Transkalahari Inn kam es dann, wie es kommen sollte. Sprit alle, links ran, alle dumm geguckt.
Das Transkalahari Inn hatte keinen Sprit für uns übrig, der Chef vom Taxi zickte wieder am Handy rum, der Fahrer wirkte sehr zusammengestaucht. Die beiden anderen Gäste durften dann plötzlich doch in dem anderen Auto mitfahren (sei ja eine Ausnahmesituation – aha), und wir durften weiter dumm gucken.
Nach einem kurzen Telefonat mit unserem Vermieter schickte er uns einen eigenen Fahrer. Die Uhr tickte… .

Auf dem Gelände des 4x4-Vermieters ging alles sehr schnell… . Wir kannten das Automodell auch schon vom Vorjahr. Wir sollten aber ein aufgewertetes Modell bekommen, für dessen Innenausbau wir im Vorjahr buschtaugliche Verbesserungsvorschläge gemacht hatten. Komisch, der Wagen jetzt war aber exakt der Gleiche wie im Vorjahr, obwohl uns ja noch schriftlich das neuere Modell zugesagt wurde. Es wurde aber betont, dass das doch jetzt das neue Modell sei. Sehr, sehr seltsam. Da kam ich mir das erste von zig Malen vereimert vor.
Da fällt mir noch etwas ein: Ja, Sie hätten jetzt auch ein brandneues Modell mit Turbodiesel. Das sei was ganz Feines - mmmhh. Ja, und wo iss er? Sehe ich nicht. Nein, der sei unterwegs. Aha, na danke auch. Ncht, dass wir der Firma letztes Jahr mind. fünf neue Kunden via Forum zugeschustert hätten.
Der Angestellte des Vermieters wollte ja auch Feierabend machen, und so zockelten wir - mit angeblichen 8mm Profil auf den Reifen - raus aus dem Tor… .
Zusätzlich dabei hatten wir auch einen nagelneuen, 2ten Dieselfilter, denn in Namibia gäb’s seit Neuestem „Problämm mit’m Dissl“ – aha, soso, nun gut. Das Forum war ja auch voll mit dem Thema – sicher, sicher ;-).

Beim Schalten in den 2ten Gang dachte ich nur, wie seltsam die Kiste doch ruckelt, und wie schnell ich in den Dritten schalten muss, damit der Wagen Fahrt aufnehmen kann.
Erstmal an die Tanke, 170 l Diesel in die Kiste reingefüllt und ab zum Supermarkt. Unterwegs nochmal beim Vermieter angerufen, um zu fragen, ob der Wagen auch wirklich o.k sei. Da ging aber keiner mehr ans Telefon… . Wir wollten auch nicht schon wieder Probleme (wie 2008) mit dem Zeitplan kriegen und machten uns auf die Reise (oh, oh).

Später, auf der Strecke Richtung Etosha fuhr der Wagen immer noch seltsam, hatte kaum Leistungsreserven, aber dank Windschatten von Overlanderbussen ging’s noch zügig voran. Da man im Etosha ja eher rumzockelt als -fährt, schien da auch alles o.k. zu sein.
Auch auf der Strecke nach Tsintsabis und dahinter schien’s auch noch o.k, - weil auf der gravelled road soll Vati nicht heizen, gell!?

Wir kamen auf die B1 Richtung Rundu, hielten an der Vetkontrolle, ich gab meinen internationalen Führerschein an die Polizistin raus, steckte ihn wieder ein… . 10 Km weiter Stopp an einer Picnicsite… .
Mit konstant 95 Km/h (schneller fuhr der Karren nicht mehr) erreichen wir ohne weiteren Stopp gegen 13:30 Uhr das Samsitu Riverside Camp westlich von Rundu. Ah, endlich mal früh dran, und wir können die Zeit bis zu unserem Candlelight Dinner auf dem Boot von Besitzer Andy genießen. Nur noch einchecken. Mmh, warum ist denn nur noch mein Pass in der großen Hosentasche? Wo ist der Führerschein??? O.k., es wird rasch klar, dass der irgendwo unterwegs an oder auf der Strasse nach Rundu auf mich „wartet“. Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch bis zur Vetkontrolle und wieder zurück zur Bootstour um 17:30 Uhr. In der vagen, seltsamen Hoffnung, dass der Führerschein irgendwo ist, ging’s zurück… .
Ich hatte anfangs unterwegs eine Art Vision, mehr den Schatten einer Ahnung: Der Schafhirte, der den Picnicsite betrat, kurz nachdem wir von dort wegfuhren, hat den Schein gefunden, auf den Tisch gelegt, einen Stein drauf gepackt, und da wartet das gute Stück nun auf sein Herrchen – klar doch, so wird’s sein.
Mit gigantischen 85 Km/h zockeln wir die 140 Km zurück, halten an der Picnicsite, suchen alles erfolglos ab (bis auf den Tisch…) und wollten gerade wieder frustriert in den Wagen einsteigen, als ich mich aus dem Augenwinkel über den Stein auf dem Tisch wunderte. Nun, dem Schafhirten sei’s gepriesen – ich steckte meinen Führerschein ein und zurück ging’s mit 80 km/h (hui, wir flogen nur so dahin). Pünktlich zur Bootsfahrt kamen wir völlig fertig zurück und genossen aber noch den Super-Abend auf dem Kwando.

Nach einem Telefonat mit dem Vermieter, lassen wir sicherheitshalber am nächsten Morgen bei einer Werkstatt den Dieselfilter tauschen (die Steckerarmada daran war mir zu komplex). Das Auto war nun also wieder im Fokus, und machte uns endgültig ernsthafte Sorgen.
Nach einem Tankstopp in Rundu zockelten wir mit 75 Km/h und dauernder, blauweißer Auspuff-Rauchwolke weiter Richtung Mudumu NP zum Camp Kwando, drehten unterwegs besorgt um, fuhren zurück Richtung Rundu und riefen den Vermieter wieder an. Wir sollten zur Toyota-Werkstatt fahren, die kriegen Bescheid. Nein, eine Nissan-Werkstatt gäb’s nicht. Beim Toyota-Mann wurde dann in einer klaren Plastikflasche unser Diesel als „schlecht“ begutachtet – war ja irgendwie klar…. . Sprit abpumpen sei nicht, weil leere Benzinfässer gerade nicht da sein sind. Wir sollten mit den frisch getankten 175 Literchen Problämm-Dissl (schon wieder?) hübsch weiterfahren. Wenn die durch sind, liefe das Auto wieder wie die Wutz. Aha, soso. Na dann, schauen wir mal in 1000 Km weiter!
Die „Wutz“ fuhr dann nach jedem Stopp langsamer, und wir liessen Camp Kwando gleich mal rechts liegen. Nach einem kurzen Anruf dort sagte man uns, dass sie uns auch nichts berechnen und wünschte uns viel Glück.
Es wurde dämmrig, und bei dem weiteren Telefont mit unserer Vermieterin (immer schön genau sein), erfuhren wir netterweise im (empfundenen) vollhysterischen Ton, dass wir ja schlechten Diesel getankt hätten. Es wäre dann auch unsere Schuld, wenn das Auto kaputtginge. Daher würden wir auch keinen Abschleppdienst bezahlt bekommen. Aber, wenn wir es noch bis Katima schafften, würde uns auch schon eine ganz tolle Werkstatt erwarten. Aber Nissan gäb’s da auch nicht. Aha, soso.
Zu „aha und soso“ gesellte sich dann im stockfinsteren Caprivistrip von mir noch ein fetter Schweißausbruch, gepaart mit einer gehörigen „LMAA-Haltung“ und einer „jetzt-erst-recht-bis-Katima-durchqualmen-Parole“.
Gemäß dem Motto „Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner“ bauten wir unterwegs unser eigenes Hilfs-Netzwerk auf: Wir riefen eine Lodge an, mit dessen Besitzer wir mal im Mamili NP waren. Dort reservierten wir uns den letzten freien Bungalow. Die Bürohilfe der Lodge sowie seine Frau nannten uns schon mal eine Tel.-Nr., wo wir auch Hilfe kriegen, wenn wir nicht ankämen. Der Mann wurde flugs informiert. "Abschleppen, evtl. Diesel abpumpen? Evtl. heute Abend noch??? Kein Problem!!!" Das nenne ich mal supernett! Wir kamen aber doch noch schweißgetränkt um 19:30 Uhr in Katima Mulilo an, und fielen bei dem dortigen nächtlichen Feuerqualm in der Luft auch nicht weiter auf, denn wir qualmten ja lustig mit.
Am nächsten Tag brachten wir den Wagen morgens zur Nissan(!!!)-Werkstatt. Aha, gibt’s also doch eine. Supi, wie sich unsere Vermieterin offenbar gekümmert hatte! Die kennt sich ja in ihrem eigenen Land offenbar doch nicht sooo gut aus.

Der Werkstattbesitzer konnte gar nicht glauben, was er da alles hörte. Da sei ja wohl ungeheuerlich! Uns müsste man sofort helfen, damit wir flugs nach Botswana kämen. Nachmittags informierte er uns dann telefonisch in der Lodge, dass mit einem nächtlichen Lieferservice ein Ersatzteil für die Einspritzpumpe (war wohl doch nicht der Problämm-Dissl, gelle?) aus Windhoek käme. Um 11 Uhr am Folgetag stünde unserem geplanten Botswana-Urlaub nichts mehr im Wege. Na denn. Es kam irgendwie anders.
Als wir dann am nächsten Tag wussten, dass wir eine weitere Nacht in Katima dranhängen müssen, waren wir geistig schon sehr konkret auf dem Weg nach Hause. Wir hatten die Schnauze voll! Die Agentur, bei der wir gebucht hatten, berief sich darauf, dass unser Vermieter ja der eigentliche Vertragspartner sei, und sie da nix machen könne. Aber, der Besitzer der Firma in Südafrika sie kulant und hilfsbereit. Schön, dann ist die Angelegenheit ja bis zum Ende unseres Urlaubs sicher geklärt, und wir haben noch zweieinhalb schöne Wochen in der Siedlungs-Perle am Sambesi. O.k., da tue ich Katima sicher Unrecht, aber unsere Aussichten waren irgendwie bitter. Ein Jahr Vorarbeit drohten wegen dieser Vermietfirma komplett für die "Katz zu sein".

Wieso unsere künstliche Aufregung über die Vermieterin? Weil – einen Ersatzwagen gäbe es nicht. Wär halt keiner da, und überhaupt, wir seien’s ja selber schuld. Stimmt ja, hatte ich ganz vergessen.
Am nächsten Tag um 11 Uhr: Der Wagen lief immer noch wie der berühmt-berüchtige "Sack Muscheln". Wir wollten nur noch nach Hause :( . Unsere Stimmung war am Ende... .

Ein letzter, verzweifelter Anruf vom Werkstattbesitzer (unser Held!!! :) ) bei einem Spezialisten für Einspritzpumpen… . Nach einer halben Minute (!!!) Rumdrehen mit dem Schraubenzieher an einer lockeren Winzlingsschraube - die sich gemeinerweise hinten an der Einspritzpumpe versteckt aufhielt - fuhr die „Wutz“ wieder 1a – sprich „wie die Hölle“. Jaja, der böse "Problämm-Dissl" in Namibia… .

Ab ging’s mit Höllentempo zum Ihaha Camp an den Chobe, und der Urlaub konnte beginnen… .

Konnte, hätte, könnte, sollte, würde, hätte ja vielleicht sein können.

War da anfangs nicht noch was mit 8mm Profil und so…? Uupps :huh: .

Da sind wir schon mitten drin in der Geschichte vom Zahn-Abszess, dem Besuch beim Arzt aus dem Kongo in Kasane und anschließend beim superlustigen „Container-Zahnarzt“ in Maun.

„Bye, bye“ Linyanti und Savute – „hello“ bloody pottholes towards Nata.

Nun gut, ihr wollt die „volle Dröhnung“?
Ich nicht mehr. Ich hatte sie.

Denn: Das Glück weilte eine halbe Stunde unter uns….

„Ah, ist das schön hier am Chobe, und das nachmittägliche Jungle-Crunch-Müsli schmeckt so lecker“! Uupps, warum kriege ich denn auf der abendlichen Pirschfahrt rechts so Zahnaua? Nachts sass ich dann senkrecht im Bett, mein Kopf war kurz vor der Schmerzexplosion, der Mann vom Notdienst des ADAC am anderen Ende des Satphones wollte, dass ich ins nächste Krankenhaus fahre – der Witz war gut! Ich wollte nur einen Tipp wegen der Medikation.
Und, Ibuprofen konnte man auch wie Smarties futtern … half aber auch nichts. Clindamycin 600mg 1-1-1 im „prescribe-them-to-yourself-Verfahren“ war da schon der bessere Ansatz, wie mir morgens um 7:00 Uhr mein heimischer Zahnarzt via seiner dümmsten Helferin („Potswaahna - das habb’ isch ja noch nie jehört, hihihi“) per 10.000 Km-Ferndiagnose netterweise auf satellitengesteuerte Nachfrage ausrichten ließ. Das Zahnfleich unten rechts war mittlerweile seitlich komplett geschwollen, der Lymphknoten unterm Kiefer klopfte „zärtlich“ und ich kriegte die Zähne nicht mehr zusammen (wir Kölner haben sie ja eh lieber auseinander), weil das Zahnfleisch über meinem verblichenen Weissheitszahn einen klumpigen, entzündeten Berg bildete. Das Zahnfleisch formte daumenagelgroße „Extra-Hautfleischlappen“- ach, es war eine dentalfleischige Pracht!
Naja, mittags in der Privatklinik von „Dr. Kongo“ in Kasane ging es recht gemütlich zu: Alles kuschelte sich in zerschlissene Ledersofas, schaute gebannt „Reich und Schön“ im TV Botsuana, die Helferin rutschte vor Elan wie Mr. Bean fast waagerecht vom Stuhl, und der gute Mr. Dr. K. zimmerte in der Zwischenzeit einem Chinesen die Patschhändchen wieder z’sammen, die wohl in eine garstige Säge geraten waren (die Säge war wohl etwas schneller als der Chinese). Das sah echt krass aus. Der arme Kerl!

Sagte ich eben, ich hätte Probleme? „Nö“, meinte auch der sehr nette, junge Arzt, gab mir noch einen Schmerztablettencocktail und in 2 Tagen sei ich sicher gesund auf dem Weg nach Savute. Aha, soso.
Um Mitternacht waren wir dann schon auf dem Weg ... aus dem Park... in die Klinik (welche eigentlich?). Wir wollten nur noch schnell bei den Rangern Bescheid sagen, dass wir dann mal weg seien.
Mein Kopf meinte, gleich wieder platzen zu müssen. Nun, die Ranger waren bestimmt gerade anderweitig beschäftigt, weil sich in den erleuchteten Räumen nichts regte (vielleicht wurde gerade pausiert, als wir uns bemerkbar machten).
Wir fuhren dann mal los, einer der Super-angeblich-noch-8mm-Reifen meinte „pffft“ - und damit war unsere nächtliche Ausfahrt beendet. „Pffft“ machten die Super-Reifen übrigens insgesamt 4 x in 5 Tagen (wer bietet mehr?).
War total suuupi, an den Ablutions (da war ebenerdiger Untergrund) mit einem bottle lift einen smarten 3,5-Tonner via Blattfeder zu heben, und mit der entzündeten „Rummsbirne“ zwischen rumstreunenden Elefanten und höhnischem Hyänengegacker das liebliche „fast-LKW-Reifchen“ zu wuchten. War auch gar nicht kalt im Wind - nö, iwo! Da waren die Schmerzen auch gleich mal wie weggewechselt und -gepustet. Hä? Bewegung soll ja immer helfen. Aber, so gut??? Wer hätte das gedacht!

Nach ein paar Stunden durchfrorener Restruhe ging’s dann erstmal zum Lieblingsreifenhändler nach Kazangula. Dort haben wir zwei der Super-Reifen noch „superer“ gemacht. Geht so: Man nehme sie von der Felge, streichele zärtlich über die zerbeulten, gewölbten Aussenwände, klopfe sie alsdann kräftig aus und kehre die lustigen Kohlehäufchen auf dem Boden auf einem Schäufelchen zusammen, schmeisse die Reifen weg und montiere beide Ersatzreifen, und weiter geht’s - so supereinfach ist das.
Bei der Wagenrückgabe auf die Lebensgefährlichkeit der „Spitzenräder“ angesprochen, meinte die Vermieterin glatt zu meiner Freundin: „Mit Ihnen rede ich nicht“. Einfühlsam, nicht wahr?
Wir brauchten also zwei neue Reifen. Die richtige Reifengröße gab’s aber nur in Maun, wo wir ja jetzt eh hin wollten/mußten. Denn aufgeben war jetzt nicht mehr – Attacke :P ! Wegen so einem Zähnchen nach Hause? Lächerlich! Ausserdem wollten wir noch mehr Leopardenbabies, wie das süße Ding am Vortag sehen. Safari geht immer!

Doch zuvor: „Maun Dental Clinic“:

Trotz gefühlten Abertausenden, wäschekorbegroßen Schlaglöchern auf 80 Km vor Nata haben wir die 600 km nach Maun in 6stündiger Formel-1-Manier hinter uns und die „4x4-Wutz“ gebracht, kurz noch beim Händler die Reifen für den nächsten Morgen geordert, und um 16:00 Uhr saß ich bei „Dr. Container“ in „the dental clinic“. Kennt Ihr noch so TV-Serien wie „Rockford ermittelt“? Der Herr Zahnarzt auch, denn nach Vorbild von Einrichtungen aus den USA Ende der 60iger, anfangs der 70iger Jahre war das hübsche, quaderförmige, dentale Kleinod auch bestückt. Wir Doktores haben super viel gelacht, das Antiobitikum auf Amoxicilin umgestellt, ein noch gemixteres Schmerzmittel mitgegeben, 40 US Dollar ausgetauscht und ab ging’s ins gemütliche Appartmenthaus beim Sedia Hotel. Nix mehr Camping! Wir wollten es auch mal kuschelig im Urlaub haben, jawoll!. Offenbar hatten Dr. Container und das Hotel den selben Einrichtungsberater … aber egal.

Am nächsten Tag kauften wir für 400,-€ zwei 1a-Grobstollen-Buschreifen. Komischerweise hatten wir danach nie mehr einen Platten – trotz „Querfeldeinabstecher“ und manch anderer Schelmerei im Busch wegen der diesjährigen „Wasserspiele“ im Okavangodelta.

Der Moremi NP war dann wieder klasse, wir waren aber aufgrund der vorigen Erlebnisse leicht desorientiert (Mutti, ist das erblich?) und fuhren einen Tag früher raus als gewollt, merkten dies aber erstmal nicht… :ohmy: . Das kam so: Nachdem wir nahe der Perle der Kalahari, „dusty-city-with-no-diesel-also-no-Problämm-Dissl-Rakops“, auf einem Campsite, Marke „neulich, kurz nach dem Bürgerkrieg“ genächtigt hatten, fuhren wir ins CKGR.
Am Tor fragte man uns dann, ob wir den „Extratag“ jetzt oder beim Rausfahren zahlen wollten. Hä, wie meinen? Wat denn für’n Extratach? Ich hab das dann einfach überhört, fragte nach dem Datum für den Eintrag ins große, grüne Buch, bekam aber ein mir gänzlich „unrealistisch“ wirkendes Datum genannt. Aha, ich war also schon so „weich in der Birne“ (das müssen meine neuen „Medikamente“ gewesen sein), dass wir einen Tag früher aus dem Moremi raus, und in den CKGR rein sind. Egal, wir kriegten noch einen Stellplatz am Deception Valley zugewiesen. Puh!

Tage später kamen wir wohlbehalten wieder in Windhoek an, und liefen uns im Geiste schon mal warm für die „Abrechnung“ mit der Vermieterin. Da sollte eine Standpauke und ein uns angemessenen erscheinender Ausgleich zusammenkommen.

Vorher kam aber etwas ganz anderes, besser „jemand“ kam.
Wir hatten uns in Windhoek verfahren, weil unser „Grob-Peil-System“, better known as „GPS“ gerade mal wieder seine „5 Minuten“ hatte. Wir fuhren schon entnervt wieder aus dem Viertel raus, als ich aus dem Augenwinkel zufällig ein anderes Hotel sah, dass wir auch in Erwägung gezogen hatten. Camping wollten wir nicht mehr, weil der Platz auf der Arrebusch Lodge irgendwie unseren moralischen Untergang besiegelt hätte. So schön war der Platz! Irgendwie „arr“ und „busch“. Die Lodge ist bestimmt o.k., aber der Platz war nicht schön.

Nachdem Einchecken im Hotel machten wir uns an die Aufräumarbeiten im Wagen. Da kam ein älterer Herr vorbei, quatscht mich höflich von der Seite an, und fragt mich, ob wir ankommen oder abreisen. Er ging wieder seines Weges, kam nach einer halben Stunde wieder, quatscht mich wieder nett an. Ja, so’n Fahrzeug kenne er. Ich sage „jaja, die sind der letzte Schrei, diese Kombinationen aus 4x4 und Wohnmobil“. Er antwortete: „Nee nee, ich meine, ich kenne genau dieses Auto, dieses Spezielle mit dieser firmeninternen Nummer XY drauf! Mein Kumpel hat den gefahren. Der Wagen ist doch kaputt, oder?!“
Wie bitte :huh: ?????? Mich haute es um. Die Welt ist ein globales Dorf.
Ja, er sei mit seiner Frau, Reiseleiter und drei befreundeten Pärchen aus Neuseeland angereist und mit insgesamt fünf dieser Autos erst durch Namibia, dann via Ghobabis nach Botswana gefahren. Schon fünf Minuten nach Verlassen der Vermietstation hätte er seinen vorausfahrenden Kumpel per Handy angerufen: „Dein Auto qualmt wie verrückt. Der ist nicht o.k.“ Nach mehreren Kurzstopps in Werkstätten, mit vergeblichen Reparaturversuchen, bei denen unter anderem sinnlos der Dieselfilter getauscht wurde, hat der Vermieter nach fünf Tagen gnädig vor dem Grenzwechsel ein neues Mobil gebracht. Und das Kaputte mitgenommen.
Dreimal dürft Ihr raten, wer nun wohl in der brandneuen Version (wahrscheinlich die mit dem Turbodiesel - damit wären wir noch schneller in Maun gewesen! ;) ) nach Botswana fuhr, wer die A…karr(t)e hatte, etc.? Den „Rest“ kennt Ihr ja nun.

Abspann:
Der Wagen wurde also am Abend vor unserer Ankunft zur Vermietstation aus Ghobabis zurückgeholt, irgendwie zusammengefrickelt und uns als „neues Modell“ in angeblich heilem Zustand übergeben.
Das der ganze Kram, den man uns anfangs und dann später unterwegs am Telefon wegen des Diesels etc. erzählte, meiner Meinung nach, nicht "ganz stimmig" war, und wir das letztlich rausgekriegt haben, hat die Vermieterin nicht ansatzweise beeindruckt. Die schien abgebrüht, hat versucht sich rauszureden und uns mit vergleichsweise wenig Ausgleich abzuspeisen – das ist mit ihrem Verhalten für uns immer noch unfassbar. Wir haben den angebotenen, finanziellen Ausgleich dann letztlich nicht akzeptiert. Die 400,-€ für die Reifen wurden umgehend auf mein Kreditkartenkonto gebucht. Ich bekam auch die Quittung. Aber, das Geld ist nie auf meinem Konto angekommen! Auf sämtliche Reklamationen wurde zunächst nicht mehr reagiert, weil wir angeblich etwas aus dem Besitz der Vermietfirma hätten „mitgehen“ lassen. Entweder, wir gäben das zurück, dann gäb’s auch die niedrige Entschädigung. Oder, andernfalls, halt nichts. Schade, wir können nichts herbeizaubern, was wir nicht haben, und müssen so offenbar auf’s Geld verzichten. Man könnte das jetzt schlicht „Erpressung“ nennen. Mache ich jetzt mal nicht. Auch auf dem Geld für die Reifen bleiben wir bis heute sitzen – ein Vertragsbruch. Hier im Rechtsstaat sähen wir uns definitiv vor Gericht wieder. In Windhoek sicher mal auf der Straße… .

Wie oben geschrieben, zieht sich die Agentur auf den Standpunkt zurück, dass nicht sie, sondern der Vermieter in Windhoek unser Vertragspartner sei. Komisch, bei dem habe ich aber nichts an Vertrag unterschrieben.
Und, wir sollten uns doch wie vernünftige Menschen gütlich einigen. Sorry, mehr als unser gütliches Verhalten während des ganzen Schlammassel kann wohl nicht erwartet werden, oder?

Ja, und so richtig böse wird das erst, wenn ich mal den Mailverkehr zwischen allen Beteiligten hier anonymisiert zum Nachlesen einstellen würde. Ich glaube, es reicht auch so.

Ach, übrigens: 2010 fahren wir wieder nach NAM, RSA und BOT – mit „normalem“ Hillux („Namibia is Toyota-Country, my friend!“) und Bodenzelt :ohmy: . :)

"super Reifen":

Anhang:
Letzte Änderung: 20 Okt 2009 13:52 von Matou66.
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09 Okt 2009 06:09 #117146
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  • Miss Ellie am 09 Okt 2009 06:09
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oh mann!!!!!!!!!!!!!

da haelt tatsaechlich keine schmunzelgeschichte mit...
Ich muss zugeben, beim lesen des beitrags hab ich schon das eine oder andere mal laut gelacht, zum einen wegen deines herrlichen schreibstyls des weiteren weil soviel "unglueck" und pech geht echt auf keine kuhhaut. wobei man natuerlich am ende nicht wirklich von pech sprechen kann sondern eher von "opfer von betrug"... naja all das dem sprichwort nach "wer den schaden hat spottet jeder beschreibung"..

aber ohne quatsch, das is ne ganz schoen heftige geschichte, die sicherlich den einen oder anderen eher dazu bewegen wuerde nie wieder ins land zu fahren. und die abgebruehtheit deiner agentur und eben auch des vermieters (wer war zuerst da das huhn oder das ei!!) sind schon fast beeindruckend.

jetzt kommt wieder die frage aller fragen .. darf man ross und reiter nennen um andere vor aehnlichen siutationen zu schuetzen. Rechtlich gesehen ist da ja auch immer ein bisschen penibel, aber auf der anderen seite ist es wichtig zu wissen fuer alle die eventuell bei der agentur / autovermietung buchen wollen.

naja, ich warte mal was noch so kommt.

und dein zahn ??? in deutschland wieder alles ordentlich zusammengeflickt ?
so was muss natuerlich im urlaub kommen und dann auch noch wenn schon vieles schieflaeuft. Ein unglueck kommt selten allein...

naja auf jedenfall freut es mich, dass ihr dennoch physisch heil wieder in D eingetroffen seid.

viele gruesse
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss [/b]
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09 Okt 2009 06:46 #117147
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  • Burschi am 09 Okt 2009 06:46
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Mein Beileid und Mitgefühl!!
Aber das war doch ein Erlebnis fürs Leben, da kannst du noch Jahrzehnte später davon erzählen! Sowas kann man nirgends buchen.
Aber Spaß beiseite, den Auto- Vermnieter sollte man schon nennen und wenn nicht hier im Forum wegen der möglichen Folgen, dann wenigstens privat per Mail.
Noch ein Tipp für den Zahnarzt: Hatte mir vor vier Jahren beim steinharten Biltong-Kauen eine größere Plombe ausgebrochen und einen offenen Zahn. In Otjiwarongo befindet sich eine supertolle Zahnärztin, die ihr Handwerk wirklich versteht. "Zahnklinik Roter Sand". Das "Provisorium", das sie mir eingebaut hat, befand mein hiesiger Zahnarzt als super und es hält noch heute bestens.
18x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 1x Kenia
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09 Okt 2009 07:51 #117148
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  • estefe am 09 Okt 2009 07:51
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Ja, auch ich musste einerseits schmunzeln aber andererseits habe ich mir vorgestellt im Dezember gerade diese "Karre" fahren zu müssen. Horrorvorstellung. Darum muss ich es wissen - wer war es? Nur gut, dass ihr heil wieder in D angekommen seid und trotzdem 2010 wieder nach Namibia wollt.
Gruß Edith
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09 Okt 2009 08:02 #117150
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  • africantraveler am 09 Okt 2009 08:02
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Horror Geschichte. Auch bei mir ist es bald soweit... Bitte schreibe wer es war. Falls nicht öffentlich bitte via PM.

Danke.
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09 Okt 2009 08:04 #117151
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  • ANNICK am 09 Okt 2009 08:04
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Hallo Wüstenfuchs,

Mensch war das ein Horrorurlaub! Zum Glück warst du nicht auf Hochzeittsreise! :woohoo:
Den wirst Du in deinem Leben nie vergessen.....

Mich würde der Name der Autovermietung schon interessieren. Ich meine so einen Betrug möchte man doch den kommenden Fomis ersparren. B)

Das mit dem Zahn kenne ich. Im Urlaub erwischt es entweder meinen Mann oder ich. Deswegen nehme ich immer in meine Reiseapotheke Rodogyl Antibiotikum mit. Und zum Gurgeln Eludril.

Ich wünsche Dir schon für 2010 einen super gelungen Urlaub.

Es grüsst
Annick
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